Das Farbfernsehen war wohl das prägendste technische Gerät in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts: Langeweilevernichter als auch -verdichter, Informations- und Genussquelle. Dyfunktionale Familien bewahrte es vor zwischenmenschlichen Katastrophen. Es isolierte und stellte die Sozialität von zwei bis drei Generationen von Schlüsselkindern. Die Band um Jaike Stambach huldigt diesem (Un)ding nun in fünf Songs.
“Colour TV” beginnt rauschend und bewegt sich dann um so zügiger in Richtung Hairspray-Achtziger-Gitarrenpop. Synthies der Marke “Schamhaarfrisur des Jahres” treffen auf Drumcomputerbeats und in den Hintergrund gemischten Gesang. Ein guter Song um in der Hipster-Bar der Wahl selbstergriffen herausrausgeputzt herumzustehen. “I knew it was wrong but I did it anyway” darf als My Bloody Valentine-Huldigung begriffen werden. Der Song ist methodisch, langsam und ohne jeden Kommentar. “A Question of Nothing” ist stilistisch eine Mixtur aus den ersten beiden Stücken. “I came to this town”, das Dreampopintermezzo, erinnert an den Score von Softcore-Produktionen der frühen 90er. In “I was one and suddenly I was many” findet der Hörer seine Niederlage wieder: den Alltag.
Sicherlich, The History of Colour TV machen im Schnitt die Musik, mit der die einzelnen Musiker der Band aufwuchsen. Die Verweise auf die Gitarrenmusik Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger sind überdeutlich. Die Songs sind gut, doch ein wenig mehr Eigenständigkeit würde ich mir doch wünschen. Andererseits wird den Musikclip-Ikonen gut gedient, und war Farbfernsehen denn jemals mehr als Verfall im Plagiat?
Joris J.
Label: Bruit Blanc