BONNIE PRINCE BILLY: Best Troubadour

Will Oldham und der im letzten Jahr verstorbene Merle Haggard verbindet u.a., dass sie leidenschaftliche Channeler sind. Neben ihren ohnehin häufigen Neuinterpretationen älterer Stücke finden sich immer wieder die Spuren einflussreicher Vorbilder in ihren Songs. Während Haggard seit seinen Anfängen Mitte des 20. Jahrhunderts dem Erbe zahlreicher Country-, Bluegrass- und Folksänger neues Leben einhauchte, die einem hoffnungslosen „21st century digital boy“ wie mit allenfalls dem Namen nach bekannt sind, zählt für Oldham Haggard selbst zu den großen Idolen.

Nachdem auf Oldhams Alben und Konzerten immer wieder einzelne Haggard-Songs auftauchten, stand vor einigen Jahren die Idee zu einem kompletten Tribute-Album, dessen ursprünglich gedachte Form mit Beteiligung Haggards und einer opulenteren Produktion aber durch dessen Tod hinfällig wurde. Als reines Cover-Album mit sechzehn Songs aus verschiedenen Werkphasen ist es aber dennoch eine interessante Hommage geworden, zumal die Auswahl auf meist weniger bekannte Songs gefallen ist.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Wurzellosigkeit, die man positiver auch Ungebundenheit nennen kann, das Leben als Reise und das Zuhause zwischen den Orten. Interessant ist, dass mit dem einleitenden „The Fugitive“ vom 1967 und „I am What I am“ von 2010 fast am Ende eine Art narrativer Rahmen angedeutet wird, denn aus dem ursprünglichen „I am a lonesome fugitive“ wird gut vierzig Jahre später ein „no longer a fugitive“. Mit seiner leicht brüchigen Stimme knüpft Oldham dabei an eine wesentliche Qualität Haggards an, nämlich auch der schwermütigsten Poesie einen frohsinnigen Klang zugeben, ein solider Bandsound und Dur-Tonart pflichten dem bei. „I’m Always On a Mountain When I Fall“ von 1978 ist lyrisch eine ebenso originelle Allegorie auf das heroische Scheitern und mit einem herausragenden Flötensolo besonders anrührend.

In den folgenden Songs kann man Oldham und Haggard zugleich in vielen ihrer Facetten kennenlernen: angenehm schlüpfrig mit entspanntem Saxophon in „The Day The Rains Came“, tief im Blues mit Honkytonk-Piano in „Haggard“, auf Rockabilly-Art in „Leonard“, in balladesker Duettform mit einer Sängerin in „I Always Get Lucky With You“ und „Roses in Winter“, dessen traumhafte Pedal Steele-Gitarre eine Ruhe einkehren lässt, bei der man in den leiseren Momenten das berühmte Streichholz fallen hört.

Für eingefleischte Bonnie Prinz Billy-Fans sowieso ein Muss, ist „Best Troubadour“ auch eine kleine Schatzkiste für alle, die sich bisher noch nicht trauten, das enorme Werk von Merle Haggard etwas in Augenschein zu nehmen, aber schon immer ahnten, dass es da mehr zu entdecken gibt, als das seit Jahrzehnten im Radio rauf- und runtergenudelte „Achy Breaky Heart“. (A. Kaudaht)

Label: Domino