THE LEFT OUTSIDES: A Place to Hide

Etwas Geisterhaftes weht durch die Musik der Left Outsides, ein kühler Wind, der direkt aus einer untergegangenen Welt zu uns hinüberzuwehen scheint und gleich ein bisschen Trost mitbringt, um uns für die darin enthaltene Traurigkeit zu entschädigen. Der dröhnende Folksound, den Alison Cotton und Mark Nicholas unter dem Namen spielen, ist weniger trocken und desolat als die Lieder Nicos und weniger meditativ-entrückt als die Musik von Fovea Hex und ist in ihrem verwunschenen Charisma doch irgendwo in der Grenzregion solcher Musik zuhause.

“A Place to Hide” ist keine Liveaufnahme, basiert aber auf einer Songauswahl, die die beiden vor gut zwei Jahren für ein Doppelkonzert im Vorprogramm für Robyn Hitchkock in einer Konzertbar in Clerkenwell eingespielt hatten. Es enthält neben eigenen Stücken eine Reihe Traditionals und eine Coverversion.

Mit dem eigenen “My Reflection Once Was Me” gehen The Left Outsides gleich medias in res und eröffnen den Reigen mit einem Querschnitt ihres stilistischen und stimmungsmäßigen Programms: Ein wabernd dröhnende Harmonium, in dessen leicht verfremdeten Klang kleine Kratzer gekerbt sind, bildet den Boden für Cottons proklamatorischen Gesang, der ältere Semester vielleicht an Orchis’ Tracy Jeffery oder auch an Rose MacDowall erinnern mag. Der klare Gesang und die leicht getaktete Monotonie geben dem Song eine ungemein hypnotische Sogwirkung, bei der es wundert, dass diese im folgenden “Young Girl Cut Down In Her Prime” noch gesteigert wird. Das Traditional geht ursprünglich auf die Ballade “The Unfortunate Rake” zurück, welche die tragische Geschichte eines Soldaten erzählt, der einer Verführerin zum Opfer fällt. Die hier verwendete Version kehrt die Konstellation der Geschlechter um und erzählt in ähnlichen Worten die Geschichte einer “fallen women”. Kratzende Dröhnung, lieblicher Fingerstyle und eine Gesangsmelodie, die durch wenige Punkte eine enorme Wehmut in die ansonsten eintönige Tonfolge bringt, gibt der Geschichte ein eindringliches musikalisches Gewand.

“Down to the Waterside”, eine von Schiffsirenen eröffnete dröhnende Elegie aus Ackroyds London, bei der Nicholas’ verhuschter Gesang den Ton angibt, greift diese Intensität auf. Nicht alle der acht Tracks auf “A Place To Hide” sind derart mitreißend, stimmungsvoll jedoch sind sie allemal. Das gilt für die im Duett gesungene Erinnerungsballade “All That Remains” vom gleichnamigen Album ebenso wie für das kurze angerockte Naming Shadows was your Existence”, dessen Velvet Underground-Vibe ganz gut zur Wahl des 13th Floor Elevators-Klassikers “Splash 1″ passt, den sie als versönlichen Ausklang gewählt haben.

Die LP-Version ist mittlerweile vergriffen, ganz zu schweigen von der streng limitierten Special Edition, die das “Hypnagogia”-Tape mit der Kollaboration zwischen den Left Outsides und Galloway enthält. Wer mit der digitalen Version zufrieden ist, findet hier einen lohnenswerten Einstieg in die Pastoral Psychedelia der Band. (U.S.)

Label: Borley Rectory / Cardinal Fuzz / Feeding Tube Records