XAVIER CHARLES / BERTRAND GAUGUET: Spectre

Die beiden Improvisationsmusiker Xavier Charles und Bertrant Gauguet haben ihre Instrumente – Klarinette und Altsaxophon – seit jeher gerne in die unterschiedlichsten Kontexte gepflanzt, um ihren spezifischen Klängen ungewöhnliche Kontraste abzutrotzen. Dabei richtete sich ihr Interesse immer wieder auf die untypischen, mit unerfahrenen Ohren nur schwer verortbaren Äußerungen des jeweiligen Instruments. Vielleicht kann man in diesen untypischen Sounds schon die gespenstische Seite eines herkömmlichen Klarinetten- oder Saxophonspiels sehen.

Das vor kurzem erschienene Album “Spectre”, bei dem beide nach zahlreichen anderen Kollaborationen wieder ihre Erfahrungen und Interessen in eine gemeinsame Waagschale werfen, hat aber auch etwas verhuscht-kontemplatives, das gespenstisch anmutet.

Den Rahmen des in sechs Abschnitte gegliederten Zyklus bilden die drei Teile des multiphonischen “Phonomnèse”, die dem Album mit einem diffusen Tremolieren zunächst einen eher ungewissen Auftakt geben, später mit an Orgel erinnernden Sounds ein kraftvolles retardierendes Moment bereithalten und am Ende in trostreicher Ruhe ausklingen lassen. An anderer Stelle, im zentralen “Point fantôme”, kommt ein zentraler Aspekt jeder Bläserei zum Zug, nämlich die nicht verschleierte Rolle des Atems, der hier kratzt und reibt und auf dem Höhepunkt seiner Exaltation wie dramatische Hufschläge donnert.

Hier sind schon Verstärker im Spiel, die in den zwei Teilen von “Étendue” am stärksten zum Eisatz kommen und einen Klangraum von flirrender Vibration bis zu prasselndem Lärm eröffnen. All diese Sounds eröffnen ihr spezifisches Charisma erst mit einer gewissen Vertrautheit und gewinnen mit mehrmaligem Hören an zusätzlicher Faszination. (A.Kaudaht)

Label: Akousis Records