MUTE SWIMMER: Present Perfect EP

Mute Swimmer hat sich in den letzten Jahren vom Songwriterprojekt des Sängers Guy Dale zu einer Rockband entwickelt. Eine Konstante über all diese Zeit ist, dass Mute Swimmer nach wie vor auch ein literarisches Projekt ist, dessen nachdenkliche, mal Fragen aufwerfende, mal mit Andeutungen arbeitende, mal mit beeindruckender Punktgenauigkeit überraschende Texte oft den Akt des poetischen und musikalischen Ausdrückens selbst zum Thema haben. Dass die Texte mit einer einfachen Sprache arbeiten, bewahrt Weiterlesen

MONOPIUM / K.: Split

Auf dieser Split-Veröffentlichung huldigen zwei polnische Acts ihrer Leidenschaft für deutsche Musik der 70er Jahre, genauer dem Krautrock und dem, was man meist unter dem etwas ungenauen Begriff der Elektronischen Avantgarde fasst. Trotz dieses thematischen Rahmens wirken beide Seiten in sich so rund und abgeschlossen, dass sie auch als eigenständige EPs funktionieren könnten. Zoharum hat aber seit jeher ein Faible für’s Zusammenpacken verschiedener Künstler, was ja unter Umständen auch neue Türen öffnen kann. Weiterlesen

SHIRLEY COLLINS: Lodestar

Tod und Verderben, Pest und Aberglaube, Trennungsschmerz und Mord aus enttäuschter Liebe – Englands Folkmusik ist eine der düstersten, und Shirley Collins’ großartiges Comeback-Album ist voll solch tragisch-morbider Geschichten. Dass es einen Titel wie „Lodestar“ – auf deutsch „Leitstern“ – trägt, mag dabei verwundern, doch die traditionellen Songs aus verschiedenen Jahrhunderten haben viele Seiten. Dass die Geschichten oft vor einer schönen Kulisse stattfinden, meist im Frühling am Morgen in freier Natur, ist nur die offenkundigste, und man könnte sie Weiterlesen

MUNMA: Three Voices

Unter dem Namen Munma produziert der in Beirut lebende Jawad Nawfal seit nun zehn Jahren elektronische Musik in Eigenregie, doch seine Karriere reicht noch ein knappes Jahrzehnt weiter in die Vergangenheit zurück – ein Zeitraum, in dem er als Teil verschiedenster Kollaborationen und als DJ und Produzent die Möglichkeiten des kreativen Dialogs mit anderen auslotete. Die dafür nötige Offenheit und die sich dabei verfeinernde Fähigkeit, sich auf die Vibes anderer hin zu justieren, haben sicher einen Teil dazu beigetragen, dass der Weiterlesen

V.A.: Killed By Deathrock – Volume Two

Die Bezeichnung Death Rock beinhaltet(e) oftmals zweierlei: Eine nationale (eine im Gegensatz zum englischen Gothic Rock in den USA beheimatete Musik) und musikalische (eine starke Orientierung am Punk) Verortung. Die auf dieser Compilation verwendete Begrifflichkeit ist allerdings eine andere und meint scheinbar weder das eine noch das andere, denn die Bandauswahl ist was die Nationalität anbelangt sehr inklusiv und auch musikalisch heterogen, so heißt es dann von Labelseite auch: „Looking back among and between these genres we now recognize various blends of Weiterlesen

V.A.: Where Words Fail, Music Speaks. For Ania

Viele von uns älteren Semestern blicken bisweilen nostalgisch auf die Zeit zurück, als viele Spielarten dunkler Musik noch eine gut vor der Öffentlichkeit gehütete Einheit bildeten. Dunkle, industrielle Lärmorgien, ambient dröhnende Soundscapes, Rituelles und mystische Folksongs – es gab eine Zeit, in der das alles irgendwie zusammengehörte, eine eingeschworene Gemeinschaft mit all ihren Vor- und Nachteilen bildete und von der Außenwelt doch meistens ignoriert wurde. Mittlerweile hat beinahe alles seine eigene Subkultur, zugleich herrscht ein unübersehbares Angebot an oft nur noch Weiterlesen

7JK: Ride the Solar Tide

7JK haben schon auf ihrem Debüt vor vier Jahren demonstriert, dass ihr Interesse nicht darin besteht, die Stile ihrer beiden Stammprojekten Sieben und Job Karma perfekt zu verschmelzen, dass sie mehr sein wollen, als die bloße Summe ihrer Teile. Auf dem gerade erschienenen „Ride the Solar Tide“ offenbaren Matt Howden und Maciek Frett ihren gemeinsam erarbeiteten Stil noch deutlicher. Weiterlesen

SILK SAW: Imaginary Landscapes

Auf einer filigranen Tuschezeichnung, die an Modigliani, aber auch an Zeichnungen des japanischen Ero Guro erinnert, hält ein Mädchen einen schwarzen Vogel im Arm. Auf einem anderen Motiv selgeln überdimensionierte Schwalben durch den tapetenhaften Dickicht eines Waldes. Ein andersmal spießt ein Dolch das vielleicht beliebteste Insekt der Welt, einen Schmetterling auf. Welche Musik mag sich wohl hinter diesem Artwork verstecken? Weiterlesen

DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND: Sucht und Ordnung

Viel ist bereits geschrieben worden zu den Wandlungen und Transformationen in der Musik von Albin Julius und seinen Mitstreitern, von den kühlen, oft martialischen Soundscapes von Der Blutharsch zum krautigen, auf räudige Art lebensbejahenden Stonerrock von Der Blutharsch and the Infinite Church of the Leading Hand. Es wäre interessant zu erfahren, wie im einzelnen die Fans darauf reagiert haben. Sicher sind einige abgesprungen, viele allerdings freundeten sich mit dem neuen Stil an und haben, einmal Blut geleckt, vielleicht sogar schon die eine oder andere Hawkwind-Platte im Regal stehen. Ganz sicher sind auch Weiterlesen

ANEMONE TUBE / POST SCRIPTVM: Litaniae Mortuorum Discordantes

Anemone Tube und Post Scriptvm verbindet einiges, z. B. die Arbeit mit obskuren, oft stark verfremdeten Field Recordings und ein Händchen für dunkle imaginäre Räume. Entwirft der deutsche Musiker Anemone Tube weiträumige Landschaften, so habe ich bei Post Scriptvm immer die Assoziation eines verwinkelten, labyrinthartigen Gebäudes von kaum einschätzbarer Größe. Post Scriptvm scheinen stark von den klassischen Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts inspiriert, ihre sorgsam dosierte Kulturkritik ist philosophischer Art. Anemone Tube lässt ein Interesse an der Dekadenz erahnen, ebenso Weiterlesen

UNITED BIBLE STUDIES: I Am Full Gibbous

Seit Anfang der 00er Jahre sind United Bible Studies, ein loses Kollektiv, das auf zahlreichen Veröffentlichungen an der Schnittstelle von Folk, Improvisation und Experiment gearbeitet hat, aktiv, wobei der experimentelle Teil in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Das auf Hand/Eye veröffentlichte „I Am Full Gibbous“ besteht aus drei langen Tracks, die bei einem Auftritt der Gruppe 2008 in Detroit und 2009 in Irland aufgenommen wurden. Weiterlesen

THE LAST SHADOW PUPPETS: The Dream Synopsis EP

Als Ende des letzten Jahrzehnts die Welle der vielen Pseudogaragenbands mit den bestimmten Artikel im Namen so langsam abebbte, erschienen im Umfeld der Arctic Monkeys plötzlich The Last Shadow Puppets mit einer doppelbödigen Antwort dazu auf der Bildfläche. Ihre Songs strotzden vor Esprit und versprühten einen eleganten Sixties-Charme, der so noch nicht wiederbelebt wurde. Was ein Indie- und Hypemuffel wie mich anfixte, war die melancholisch eingefärbte Euphorie von Songs wie Weiterlesen

MAI MAI MAI: Phi

Vor Jahren hob Toni Cutrone, der bislang in diversen noisigen Rockformationen spielte, sein Soloprojekt aus der Taufe und beglückte die Musikwelt als Mai Mai Mai mit der „Mediterranean Trilogy“, die die Frühzeit des griechisch-römischen Kulturkreises als maritime Lebenswelt erforschte. Teil dieses archaischen Symbolkosmos war ein zwischen rhythmischem Lärm und retrolastiger Elektronik verorteter Sound, der dem südlichen Setting einen kühlen, aquatischen Beigeschmack verpasste. Nach „Tetra“ und „Delta“ erschien noch Weiterlesen

RESINA: s/t

Der Name Resina, den die in der Nähe von Danzig geborene Cellistin Karolina Rec für ihr Musikprojekt gewählt hat, basiert auf dem lateinischen resin, was ein Extrakt aus dem Harz bestimmter Bäume bezeichnet. Auf eine gewisse Art passt das ganz gut zu dem naturbelassenen, spontanen Charakter ihrer Kompositionen. Doch Harz tritt bekanntlich bei einer Verwundung der oberen Holzschichten hervor, weswegen man es etwas poetisch auch gerne als das geronnene Blut der Bäume bezeichnet. Vielleicht passt es daher auch ganz gut zu Weiterlesen

COMANDO SUZIE: Principios Y Salidas

Ganz sicher gibt es einige gute Electro- oder Synth Pop-Alben, aber meist gehen diese Sachen unbemerkt an uns vorbei, schlicht aufgrund anderer musikalischer Schwerpunkte. Manchmal jedoch will es der Zufall oder das Schicksal, dass uns doch noch eine echte Ausnahmeband aus dieser Sparte erreicht, und ein Faktor, der dazu führen kann, ist die personelle Verbandelung zu stilistisch anders gelagerten Musikern. Comando Suzie aus Barcelona, die bereits Alben auf Punch Records und dem Madrider Autoreverse-Label herausbrachten, bewegen sich im von uns aus betrachtet nach wie vor obskuren Weiterlesen

V.A.: DRONE-MIND // MIND-DRONE Vol. 5

Auf diesen Seiten sind schon mehrfach die Veröffentlichungen der “Drone-Mind/Mind-Drone”-Reihe besprochen worden, die es sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, Drones aus verschiedensten Teilen der Welt zu präsentieren. Dabei ist der Ansatz eine Betonung geographischer Diversizität, bei der aber gleichzeitig die Verbundenheit mit- und untereinander herausgestellt wird: „DRONEMIND and MIND-DRONE build a circle of diverse interrelations.The Drone as a metaphor for everything that vibrates, that releases energy – from atoms and elementary particles to the hum of Weiterlesen

MARTA DE PASCALIS: Anzar

Marta de Pascalis, die aus Rom stammende und heute in Berlin lebende Soundkünstlerin, ist schon seit beinahe zehn Jahren aktiv, hat sich aber mit Veröffentlichungen bisher eher zurückgehalten. In ihren zahlreichen Performances, die früher auch unter dem Pseudonym Maesia stattfanden, verbinden sich analoge und digitale Klangquellen, Synthesizer und Tapes, Polyrhythmen und vielschichtige, gerne auch vom Zufall generierte Klangkollagen zu feinsinnig gestalteten Soundscapes, die nicht ganz zu Unrecht mit der soganannten Weiterlesen

HEART BEAT EAR DRUM. A Film About Z’ev. Directed by Ellen Zweig

Die Feststellung, dass eine Musik auf Platte oder im Livekontext ein ganz unterschiedliches Erlebnis bietet, ist je nach Beispiel von unterschiedlicher Relevanz. Von Stefan Joel Weiser alias Z’ev gibt es großartige Platten, und doch hat man von seiner Musik nur ein marginales Abbild rezipiert, wenn man sie nur in Zimmerlautstärke und ohne die räumlichen und visuellen Komponenten hört. Dass es dem Perkussionisten seit jeher nicht nur um den Klang seiner in der Mehrzahl metallenen Objekte geht, sondern auch um den Anblick der oft raumgreifenden Gegenstände selbst, ist eine der wesentlichen Aussagen, die der Amerikaner in “Heart Beat Ear Drum” macht, einer Weiterlesen

STARCLUSTER AND MARC ALMOND: Silver City Ride

Unberechenbar ist er, dieser Mann, der in den Hochzeiten des New Wave die Popmusik um eine frische, romantische Note bereicherte, der mit seiner damaligen Band einen Song coverte, der daraufhin so berühmt wurde, dass er unzählige weitere Versionen nach sich zog – Marc Almond, einziger Popstar des England’s Hidden Reverse, der über die Jahre vom glamourösen Coverstar zum schwermütigen Torch Singer mutierte und seinen Mojo Avard vielleicht auch ein bisschen für seine Unverwüstlichkeit bekam – damit ist nicht nur gemeint, dass er seine Karriere so manchen Widrigkeiten zum Trotz nie aufgegeben hat, sondern auch Weiterlesen