ANDREW LILES: Muldjewangk, Morgawr & Other Monsters

Die Kryptozoologie ist eine Art Parawissenschaft, die sich im Schatten des Hochbetriebes unserer Wissensfabriken eine kleine Nische gesichert hat. In ihrem Wesen oft spekulativ, versucht sie höchst interessanten Fragen auf den Grund zu gehen. Wie viele unentdeckte Tierarten mag es wohl auf unserem Planeten geben, und wird man sie jemals alle entdecken? Wie groß war die Fauna vergangener naturgeschichtlicher Epochen, über die man nur Bruchstücke weiß? Und welche Tiere waren eigentlich die Urbilder der vielen Fabelwesen, die die Mythen aller Kulturen bevölkern? Weiterlesen

ANDREW LILES: Mind Mangled Trip Monster

Schaut man sich den Output des in Brighton lebenden Liles an, kann man meinen, er sei ein Besessener: Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht solo oder in Zusammenarbeit mit anderen etwas veröffentlicht, dabei scheint er Serielles zu schätzen (man denke etwa an die archivarische „Vortex Vault“-Reihe). Einige von Liles Veröffentlichungen zeigen zudem, wie sehr er an der (Zusammen-)Arbeit mit Sängern  interessiert ist (u.a. steuerten Ernesto Tomasini, Rose Mc Dowall, Karl Blake oder Danielle Dax Vocals zu Liles’ Veröffentlichungen bei). Am kohärentesten und konsequentesten gelang dies bislang auf der Femme Fatale-Inszenierung „No Birds Do Sing“ mit Diana Rogerson. Weiterlesen

KUNST ALS STRAFE: Movement Across A Barren Surface

Wer mit der Musik der Berliner Gruppe KUNST ALS STRAFE nichts anfangen kann, der kommt sicher in Versuchung, ihren Bandnamen auf den eigenen Hörverdruss zu beziehen. Tatsächlich referiert er auf eine kulturwissenschaftliche Tagung, deren Vorträge auch in einem Sammelband vorliegen. Unter anderem mit dem „genealogischen“ Foucault („Überwachen und Strafen“ etc.) im Gepäck, wird dort den Wechselbeziehungen von Kreativität und Disziplin nachgegangen, und man könnte es sich jetzt zum Sport machen, diesen Relationen im Sound der Band um Gerrit Haasler nachzuspüren. Weiterlesen

ANDREW LILES – Interview

Es mag ein ungewöhnliches Kompliment sein, bei einem Vertreter sogenannter Experimentalmusik zuallererst auf das große Unterhaltungspotential hinzuweisen. Seit den 80ern geht ANDREW LILES seiner Leidenschaft, dem Sammeln, Bearbeiten und Zusammensetzen ungewöhnlicher Klänge nach, machte irgendwann sein Steckenpferd zum Beruf und zählt heute nicht nur zu den wichtigsten Figuren im Dunstkreis von NURSE WITH WOUND, sondern auch mit seinem Solowerk zu den ganz Großen an der Schnittstelle von Electronica und Musique Concrète. Weiterlesen

ANDREW LILES: Where The Long Shadows Fall

„And formless we lay and shall dream“

Eine Taxonomie von Coverversionen zu entwerfen ist schwierig, aber vielleicht könnte man folgenden Vorschlag machen: Da gibt es die gefühlt größte Gruppe der Reproduktoren, die meistens bar eigener Fähigkeiten und Originalität versuchen ein Stück Ton für Ton nachzuspielen, auf dass ein Teil des Glanzes des Originals auf das eigene Schattendasein falle. Meistens fällt aber nur der Erzeuger – und zwar aus sehr niedriger Höhe. Dann gibt es die Assimilatoren, die sich fremde Stücke einverleiben, um sie verdaut und transformiert zum Teil des eigenen Oeuvres machen. Weiterlesen

ANDREW LILES: Monster Munch E.P.

Unter dem Monströsen versteht man traditionell die (furchteinflößende) Steigerung des Grotesken und Bizarren. Es ist auch eine Art Warnsignal, denn Monster sind in der Regel gefährlich. ANDREW LILES, unter anderem bekannt von seiner mittlerweile sehr maßgeblichen Beteiligung bei NURSE WITH WOUND und auch als Solokünstler längst ein Held der Experimentalszene, scheint mit seiner neuen „Monster“-Veröffentlichungsreihe in seinem Element zu sein. Seit jeher sind seltsame, irritierende Formen Teil seiner Klänge, Titel und Grafiken. Weiterlesen

LUSTMORD – Interview

„There is a place/Within darkness/Beyond, between/Without name“

Brian Williams’ Projekt entstand in den Nachwehen der ersten Industrialgeneration. Seine Bekanntschaft mit Throbbing Gristle, SPK und Monte Cazazza ließ ihn zuerst noch in bester transgressiver Tradition atonale Klänge herstellen, bevor er sich weniger konfrontativer und atmosphärisch dichterer Musik zuwandte und dabei ein Genre erfand, das unglücklicherweise wenig originell mit Dark Ambient betitelt wurde Weiterlesen

NURSE WITH WOUND: The Surveillance Lounge

Es gibt wohl kaum einen NURSE WITH WOUND-Fan, der zum letztjährigen Album „Huffin’ Rag Blues“ keine Meinung gehabt hätte. Viele begrüßten die opulente Gestalt der zum Teil sehr songorientierten Lounge- und Electronica-Stücke, die mit immer noch ausreichend surrealen Gurgelsounds und Tierstimmen aufwarteten, um als lupenreine NWW-Fabrikate durchzugehen. Viele erfreuten sich an den zahlreichen Gesangsbeiträgen von Leuten wie MATT WALDRON (IRR APP (EXT.)) oder von Sängerinnen wie FREIDA ABTAN und LYNN JACKSON, die entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten devote Liebeslyrik in ohrwurmtaugliche Songs packten. Weiterlesen

DIANA ROGERSON & ANDREW LILES: No Birds Do Sing

Kürzlich wurde dieses Album in einer Anzeige mit Stephen Stapletons Worten, es handele sich bei “No Birds Do Sing” um das beste Album, das je aufgenommen worden sei, beworben; natürlich ist Stapleton nicht objektiv: Schließlich spielt einer der Beteiligten mit ihm in NWW, mit der anderen ist er seit langem verheiratet, außerdem hat er unter seinem Alter Ego Babs Santini das Artwork beigesteuert. Weiterlesen

CYCLOBE – Interview

1999 veröffentlichten Ossian Brown – damals noch Simon Norris – und Stephen Thrower ihr Debüt “Luminous Darkness“, ein zwar fragmentarisches, aber atmosphärisches Album, auf das 2001 “The Visitors“ folgte, ein elektro-akustisches Meisterwerk. Im Rahmen von “Angry Eelectric Finger“ bearbeiteten CYCLOBE das Ausgangsmaterial von NURSE WITH WOUND so sehr, dass sie diese Veröffentlichung als ihr eigentlich drittes Album betrachten. Weiterlesen

CURRENT 93 – Interview (2006)

”Good-ol’ time Armageddon Music“ Zu CURRENT 93 ließen sich Seiten schreiben, was in David Keenans “England’s Hidden Reverse“ ja auch schon geschehen ist. Ob die langen, düsteren Soundscapes der Frühphase, der spätere “Apocalyptic Folk“ oder die jetzige Verortung als “Urhorde des neuen Folk“ (Berliner Zeitung) durch die Mainstreampresse: Umfangreich ist das Werk David Tibets, zahlreich die Veröffentlichungen und auf den ersten Blick scheint es erratisch zu sein, bei näherer Betrachtung finden sich aber immer wieder Konstanten, wie auch im folgenden Interview betont wird. Weiterlesen