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	<title>African Paper &#187; Above the Tree</title>
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		<title>VIRTUAL FOREST: Ritual Machine Music</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Mar 2016 07:08:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/03/virtualforestritualmachinemusic.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11738" title="virtualforestritualmachinemusic" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/03/virtualforestritualmachinemusic-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein Titel wie „Ritual Machine Music&#8221; spielt natürlich mit einer offenkundigen Referenz, und vielleicht soll die gleichzeitige Assoziation zu Ritualmusik und zu Lou Reeds Pionierarbeit zeitgenössischer Geräuschkunst ja auch ein wenig den Ort umreißen, den Marco Bernacchia seinem Projekt Virtual Forest auf der Landkarte ungewöhnlicher Musik reserviert hat. Nach einem Tape, auf dem Bernacchia mit urigen Sounds einem &#8211; trotz elektronischer Verfemdung und vielen kleinteiligen Soundideen &#8211; eher klassichen Ritualismus frönte, steht seine neue LP ganz im Zeichen eines<span id="more-11737"></span> perkussiven und zugleich noisigen Ritualsound, der all den Schrott einer spätmodernen Zeit, den medialen wie den materiellen, benutzt und zum Ausgangsmaterial einer dennoch archaischen Entgrenzung macht.</p>
<p>Das Stück „The angel of the abyss and the door through the underworld&#8221;, das die erste Seite füllt, beginnt subtil, man könnte bei den undefinierbaren Glöckchen, die mit ebenso undefinierebarem Rauschen und Zwitschern verchwimmen und mit der Zeit Ansätze von Melodie entfalten, noch an Drone denken, und die gedämpften Stimmen eines gesampleten Ritualgesangs lassen zunächst eine eher düstere Atmosphäre aufkommen.</p>
<p>Die ekstatiche Perkussion kommt irgendwann eher plötzlich, leitet einen ruckartigen Tempo- und Stimmungswechsel ein, und das Stück entpuppt sich immer mehr als vital und verausgabend. Ihren metallischen Klang offenbaren die Rhythmen sofort, viel zu sehr scheppert und rumort es, um exotisierende Ethnoromantik aufkommen zu lassen, und doch sind die Sounds auch insgeamt zu freundlich, um post-apokalyptisch zu wirken. Dezente Brüche scheinen vor allem die Funktion zu haben, besonders schräge und schrille Soundkomponenten durchcheinen zu lassen, und wenn zwischen dem Rattern der Metallteile und unverständlichen Radiosamples ganz subtil Technoides anklingt, hat man das Gefühl, dass hier jemand am Werk ist, der recht viel für seine archaiche Energie fruchtbar zu machen weiß.</p>
<p>Das die zweite Seite ausfüllende „The twenty thousand drums of the shamanic conspiracy&#8221; beginnt mit einem seltsam jazzigen Summen und Blubbern und geht unmittelbar über ein einen Polyrhythmus, der weniger aggressiv, dafür weitaus trancehafter als die Perkussion des ersten Stückes ist. In permanenter Variation beansprucht der Beat gerade soviel bewusste Aufmerksamkeit, dass einige der zahlreichen Details der dahinterliegenden Klangkollage ihren Weg ins Bewustsein finden: Gesamplete menschliche Stimmen, mal sprechend, mal hektisch brüllend, mal einen a capella anstimmend, knurrende und fauchende Raubtiere, Instrumente wie Flöten und Didgeridoo. Dass dieses Mash-up auch nach zwanzig Minuten nichts von seiner Sogkraft verloren hat, legt die Vermutung nahe, dass hier jemand auf seiner Suche nach einer verborgenen Archaik in den unenkbarsten Winkeln unserer Welt fündig geworden ist.</p>
<p>Die Ritualmaschinenmusik erschien soeben auf 250 schwarzen Scheiben (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Yerevan Tapes</strong></p>
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		<title>VIRTUAL FOREST: Unconscious Cognition is the Processing of Perception</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Mar 2016 06:47:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/Virtual_Forest_front.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-9766" title="Virtual_Forest_front" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/Virtual_Forest_front.jpg" alt="" width="150" height="217" /></a>Beim langen Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenleben spielt in unserer Alltagssprache der Begriff der Initiation kaum eine Rolle. Lediglich die Literaturwissenschaft hat den Begriff der Initiationsgeschichte geprägt für einen Typ Erzählung, in der ein junger Mensch durch eine einschneidende, meist desillusionierende Erfahrung und mit Hilfe einer Mentorfigur einen neuen – erwachseneren – Blick auf die Welt bekommt. In tribalen Gesellschaften von überschaubarer Größe wurde der Übergang viel bewusster und aktiver angegangen.<span id="more-9765"></span></p>
<p>In einigen indigenen Kulturen Nordamerikas wurde der &#8220;Jugendliche&#8221; für einen längeren Zeitraum von der übrigen Gemeinschaft getrennt, um Abstand zu gewinnen von Alltag und Normalität, deren Strukturen dabei an Selbstverständlichkeit verlieren. Diese Schwellenphase gipfelt in einer durch Fasten und Schlafentzug hervorgerufenen Trance, in der mithilfe eines Schamanen das neue Selbst geboren wird. Als neuer Mensch mit einem neuen Namen erfährt der Initiierte nun die Wiederaufnahme in die Gemeinschaft.</p>
<p>Virtual Forest alias Marco Bernacchia alias Above the Tree ist nicht der erste, der den Versuch unternimmt, solche Übergängeriten musikalisch zu dokumentieren, und sein Ansatz scheint ethnographischer Natur zu sein. „River to Back Side“, das die erste Tapeseite ausfüllt, evoziert nach einem leisen Auftakt die Vorstellung eines solchen Rituals mit hintergründigem Dröhnen und mantraartigem Schamanengesang, bis irgendwann dezente Rhythmen anklingen, die am Ende in einem ekstatischen, perkussiven Tamtam kulminieren.</p>
<p>„Spiritual Communication“ dagegen soll die Zeit nach dem Ritual einfangen, und ist laut Label so etwas wie „der perfekte Soundtrack zum Erwachen am Tag danach“. Minuten fast völliger Stille demonstrieren den Bruch zwischen den beiden so unterschiedlichen Zuständen. Allerhand Fremdartiges lauert hier noch unter der Oberfläche des weitaus vielschichtigeren Klangbildes, Stimmen quaken Unverständliches und der Rhythmus ist ein anderer, modernerer.</p>
<p>Insgesamt hat die halbe Stunde Ritualsound einen ebenso dokumentarischen wie exotisierenden Anstrich, doch wer das als Kolorit abtut, der sollte sich fragen, ob er derartige Kulturpraktiken lieber in den ethnologischen Fakultäten verstauben lassen will, die viel zu sehr damit beschäftigt sind, sich und der Welt zu beweisen, dass sie weder eine Völkerschau planen, noch romantische Träumer sind und bei all dem Gefahr laufen, dass ihnen ihr Gegenstand abhanden kommt.</p>
<p>Zu haben ist das Ganze auf hundert aquamarinblauen Tapes. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://yerevantapes.blogspot.de/">Yerevan Tapes</a></strong></p>
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