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	<title>African Paper &#187; Anemone Tube</title>
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		<title>V.A.: Time Ends – A Tribute to J​.​G. Ballard&#8217;s Tetralogy Of Transformation</title>
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		<pubDate>Sat, 29 May 2021 05:00:55 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/05/timeendsartworkalextennigkeit.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-25603" title="timeendsartworkalextennigkeit" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/05/timeendsartworkalextennigkeit-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In den frühen Sechzigern schrieb der englische Autor J. G. Ballard eine Reihe an Romanen, in denen es um unerwartete Naturereignisse geht und um ihre &#8220;katastrophalen&#8221; Folgen für den Planeten Erde und die menschlichen Zivilisationen. Stürme, Hitze und Trockenheit, eine durch Erderwärmung ausgelöste Flut und eine plötzliche Verwandlung organischer Materie in kristalline Strukturen – all diese Ereignisse, die nur <span id="more-25602"></span>teilweise als Folge menschlichen Wirkens dargestellt werden, allerdings fatale und nur schwer zu bewältigende Wendepunkte im Leben (nicht nur) der Menschen darstellen, wirken wie ein überdeutliches Plädoyer gegen ein allzu großes Vertrauen in den Bestand unserer Lebensweise, die sich über die Jahrtausende hinweg vergleichsweise langsam verändert hat.</p>
<p>Es ist nur nachvollziehbar, dass die vier Romane schnell unter dem Schlagwort Disaster Novels bekannt wurden. Wer sich etwas näher mit den Gedanken ihres Autors befasst hat, wird vielleicht einen anderen Begriff bevorzugen, den der Novels of Transformation. Die Auswirkungen der beschriebenen Ereignisse, bei denen die Natur nicht nach unseren Regeln spielt, auf die Psyche der Menschen und die gesellschaftliche Situation, scheinen besonders im Zentrum der Darstellung zu stehen, bei der auch die Reflexionen der Psychoanalyse und die Techniken der Surrealisten Pate standen. Auf der Compilation &#8220;Time Ends&#8221; präsentieren vier musikalische Acts aus den Grenzgebieten dunkler, ambienter Soundart, Performance und postindustrieller Kollagenkunst kreative Interpretationen dieser Romane. Die Vielgestaltigkeit der Umsetzungen ist beeindruckend: &#8220;Sprechende&#8221; und atmosphärisch ausgerichtete Soundgebilde kommen ebenso zum Einsatz wie Vocals, Samples und andere sprachliche Querverweise, und über das rein Musikalische hinaus runden das Artwork der Malerin Alex Tennigkeit und ein ausführlicher Essay des Anglisten und Musikjournalisten Michael Göttert das Projekt ab.</p>
<p>Jeder Act hat sich einen Roman vorgenommen, und gemäß einer chronologischen Anordnung eröffnet Johan Levin alias Desiderii Marginis die Compilation mit einer atmosphärischen Interpretation des Romans <em>The Wind From Nowhere</em> (1962). In dem Text, den Ballard selbst als misslungene Auftragsarbeit mehr oder weniger verworfen hatte, geht es um einen weltumfassenden Sturm, der den ganzen Planeten im wahrsten Wortsinne verwüstet und die Menschen größtenteils zu einer unterirdischen Lebensweise zwingt. Irgendwann ist der Sturm vorbei &#8211; ob die Gesellschaft zu ihrer alten Lebensweise zurückkehren kann, bleibt offen. Desiderii Margines folgt dem Plot in den 20 Minuten seines primär auf bearbeiteten Field Recordings basierenden Tracks. Aus den gesampleten Sounds des Windes entsteht ein elektrifiziertes Dröhnen, das in unregelmäßigen Wellen rauscht, vibriert, pulsiert und unterschwellige Gesprächsfetzen und vieles mehr anklingen lässt, bis alles in einem enormen atonalen Sog kulminiert. Insgesamt transportiert die Musik eine weite emotionale Stimmungspalette, und Göttert weist zurecht darauf hin, wie gut sich der Gegensatz zwischen der Zuflucht in Inneren der Erde und dem Ausgeseztsein in einem Außen, das immer droht, in den sicheren &#8220;Shelter&#8221; einzubrechen, in der Musik abzeichnet.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=116074400/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2264831754/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p>Noch deutlicher illustrieren Troum die parallelen Veränderungen, die eine Naturkatastrophe in der äußeren Welt und im inneren des Bewusstseins bewirken muss. Sie widmen sich in zwei Tracks dem ebenfalls 1962 erschienenen Roman <em>The Drowned World</em>, der eine klimatisch bedingte globale Flut zum Thema hat, welche das Ökosystem auf eine prähistorisch anmutende Stufe zurückwirft und die überlebenden Menschen vor die Aufgabe stellt, sich mit diesem technologisch und psychologisch zu arrangieren. Auf den Rückfall ins Archaische weisen schon (und nicht nur) die Titel hin: &#8220;Outside (Archaic Landscape)&#8221; präsentiert die veränderte Welt mit einem von Schaben und Rumpeln durchklungenen Dschungelszenario, bei dem man neben atemlosem Murmeln und Stammeln riesige Bäume fallen hört, während ein orchestrales Dröhnen die Signatur des Bremer Duos trägt. &#8220;In-Sight (Archaic Mind-Scape)&#8221; enthält ähnlich viele Details und wirkt doch entspannter und innerlicher und scheint das Loslassen des Menschen zu illustrieren, der die neuen Gegebenheiten annimmt.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=116074400/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=1121268817/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p>Den größten Bruch zu diesen Ansätzen stellt sicher der primär auf Text und Soundkollagen basierende Beitrag &#8220;The Poisoned Well&#8221; des Duos Karolina Urbaniak und Martin Bladh dar. Er bezieht sich in wesentlich freierer und abstrkterer Form auf den Roman <em>The Drought</em> (1965), welcher von den Folgen einer globalen Dürreperiode erzählt. In einer zunächst betont unprätentiös vorgetragenen und von markanten Klängen umgebenen Lesung, die Zitate Shakespeares und der Bibel enthält, kreist das Stück um die Auswirkung der Sonneneinstrahlung bei extremer Hitze auf den menschlichen Organismus. Ein Alleinstellungsmerkmal des Tracks ist sicher, dass es hier stärker um den Körper (Strahlung, Verbrennungen u.v.m.) und etwas indirekter um die Psyche der Betroffenen geht, und wer Bladhs Arbeiten mit Skin Area und IRM kennt, wird nicht überrascht sein. Die Beschreibung verstümmelter Körper, die Geräusche von gluckerndem Nass, jammernde und keuchende Stimmen und ein an eine Knochenmühle erinnernder knirschender Lärm, der in aggressive Shouts überleitet, weckt Assoziationen zu dem Begriff Organic Horror, der einmal auf Filme Cronenbergs gemünzt war.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=116074400/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2567403371/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p>Der musikalische Grenzgänger Anemone Tube bildet mit gleich drei Beiträgen den Schlussteil der Sammlung und widmet sich dem Roman <em>The Crystal World</em> (1966). Der Text erzählt von einer unbekannten Krankheit, die in Westafrika ausbricht und sämtliche Lebensformen nach und nach in kristalline Objekte verwandelt und somit abtötet, und von dem Versuch eines Forschers, diese Verwandlung zu untersuchen. Alle Tracks basieren auf Feldaufnahmen, die der Küstler vor einigen Jahren in Japan gesammelt hat. Das in drei Abschnitte unterteilte &#8220;Road to Suffering&#8221; enthält ausschließlich Klänge der Fortbewegung im Wald und illustriert so die Erkundung des neuartigen Phänomens aus Ballards Roman. Das anfängliche Szenario mit seinen rauschenden Klangstrudeln, den kakophonischen Schreien und heftigen Detonationen entbehrt keiner Dramatik, und dennoch fühlt man sich als Hörer schnell in einer fast stoisch beobachtenden Position wieder und so ganz auf seine Wahrnehmung zurückgeworfen &#8211; eine Position, die die mit schrillen Feedbacks versehene archaische Dröhnung in &#8220;Primordial Recollection&#8221; über anhält. Das finale &#8220;Sea of Trees &#8211; Taking Death as Path&#8221;, mit dem Anemone Tube die Verschmelzung des Menschen mit dem (kristallinen) Meer der Bäume illustriert, wirkt wie ein letztes keuchendes Aufbäumen der alten, organischen Materie vor der endgültigen Kristallisation. Die Musik ist hier nur die Spitze des Eisbergs eines viel umfangreicheren gedanklichen Überbaus, bei dem der Wald als Symbol einer Pilgerfahrt erscheint &#8211; die Gedanken des Musikers dazu und der Bezug zu einem buddhistischen Konzept der inneren Heilung sind ebenfalls im Booklet nachzulesen.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=116074400/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2367648740/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p>Die Frage, ob die von Ballard entworfenen Szenarien eher vom Niedergang oder von den Möglichkeiten des Annehmens auch drastischer Transformationen handeln (Alex Tennigkeits neosymbolistisches Covermotiv zeigt immerhin eine Art Metamorphose, die die Grenze zwischen organischer und anorganischer Materie bzw. zwischen Mensch und Maschine transzendiert), ist sicher nicht in wenigen Sätzen zu beantworten und schon gar nicht von einem relativen Laien wie dem Verfasser dieser Rezension. Vielleicht sind bei den behandelten Themen aber auch Fragen (Wie ratsam und realistisch sind die Versuche einer Gesellschaft, nach einem Ausnahmezustand wieder zu ihrem früheren Status Quo zurückzukehren?) für die meisten Menschen wichtiger. Eine Stärke der hier vorliegenden Musik ist, dass die Beiträge diese Frage unbeantwortet lassen und doch die Stimmung dieser Literatur gekonnt in ihr eigenes Medium übertragen. Keine Frage, dass die Musik auch ohne Kenntnis der Texte eine intensive Erfahrung bieten kann. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.transformed.de/">The Epicurean</a> / <a href="AufAbwegen">AufAbwegen</a></strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE / JARL / MONOCUBE: Hunters in the Snow</title>
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		<pubDate>Sat, 25 May 2019 04:18:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit den sechs Gemälden seines Jahreszeiten-Zyklus, bzw. den fünf erhalten gebliebenen, schuf Pieter Bruegel der Ältere einige der bekanntesten Werke der niederländischen Renaissance. Sie zeigen die Veränderungen der Natur und am Beispiel eines mitteleuropäischen Landvolkes die Situation der Menschen, die &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/05/25/anemone-tube-jarl-monocube-hunters-in-the-snow/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/05/huntersinthesnow.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17775" title="huntersinthesnow" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/05/huntersinthesnow-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit den sechs Gemälden seines Jahreszeiten-Zyklus, bzw. den fünf erhalten gebliebenen, schuf Pieter Bruegel der Ältere einige der bekanntesten Werke der niederländischen Renaissance. Sie zeigen die Veränderungen der Natur und am Beispiel eines mitteleuropäischen Landvolkes die Situation der Menschen, die diesem Kreislauf unterworfen sind: Ihre Nöte, ihre Kraft, ihre Anstrengungen, diesen Gegebenheiten einen Lebensunterhalt abzutrotzen. Und obwohl in den Arbeiten, deren Titel <em>Der düstere Tag, Die Heuernte, Die Kornernte, Die Heimkehr der Herde </em>und<em> Die Jäger im Schnee</em> lauten, nur bedingt<span id="more-17774"></span> Idyllisches zu finden ist, auch Momente der Zerstreuung, der Erleichterung und der Einkehr. Eine ähnliche künstlerische Haltung, die Realismus und Empathie zusammenbringt, findet sich auch in &#8220;Hunters in the Snow &#8211; A Contemplation On Pieter Bruegel‘s Series Of The Seasons&#8221;, einem dunkel-ambienten Zyklus an Kompositionen, mit denen die Musiker Anemone Tube, Jarl und Monocube jüngst eine Annäherung an die Serie des flämischen Meisters wagten.</p>
<p>Einer Musik, die sich auf ein bestimmtes Werk der Malerei bezieht, geht es meist weniger darum, die Aussage des Bildes im eigenen Medium neu zu inszenieren, viel eher ist sie ein durch ein atmosphärisches Moment inspirierter &#8220;Kommentar&#8221;, der sich zu einem eigenen Werk verselbständigt. Bei den drei Musikern, die in den einzelnen Tracks immer wieder in anderen Konstellationen auftreten, liegt diese Deutung nah, denn mit ihren kontemplativen Soundscapes zwischen Ambient und dunklem Industrial arbeiten sie weitgehend abstrakt und intuitiv.</p>
<p>&#8220;The Gloomy Day&#8221;, an dem Hauptinitiator Anemone Tube und IRM-Gründungsmitglied Erik Jarl beteiligt sind, zeichnet den noch kühlen Vorfrühling aus Bruegels Landschaft im Sonnenuntergang in vielfarbig dröhnenden Klängen, in deren melierte Färbung jedoch immer mehr eine sublime Düsternis einzieht, flankiert von dumpfen, schicksalsschweren Paukenschlägen. Finden sich hier Jarl-Akzente im Rahmen der Handschrift des Berliner Musikers, so scheint beim frühlingshaften, aber kaum wonnigen &#8220;The Hay Harvest&#8221; Jarl die Richtung mit schneidenden Samples und obskuren Stimmen vorzugeben, die im Albumkontext die wohl konkreteste Bezugnahme auf die Geschäftigkeit der Bildfiguren darstellen. Ein jäher Bruch allerdings bringt die emsigen Geräusche zum verstummen und katapultiert die Hörer in einem enormen Gegenzoom in ein eine fast gottgleiche Position, von der aus er die Landschaft einmal mehr in erhabener Dunkelheit verschwinden sieht. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/05/dieheuernte.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-17784" title="dieheuernte" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/05/dieheuernte.jpg" alt="" width="1073" height="768" /></a>Im hochsommerlichen &#8220;The Harvesters&#8221;, das das Erntethema fortführt, hat der ukrainische Ambientmusiker Monocube seinen ersten Auftritt, der zusammen mit Anemone Tube zunächst das Wetter und die Gezeiten sprechen lässt. Wie im Bruegelschen Bild nur marginal zu sehen, findet die Kornernte in Küstennähe statt. Doch bald schon rückt auch hier die Atmosphäre des menschlichen Tagewerks ins Zentrum mit disharmonischem Bohren und Brummen, das die Erntetätigkeit zu einer Art Allegorie menschlicher Alltagspflichten werden lässt, während Kleinteiliges durch den Raum fällt und tropft. Es ist das wohl lauteste und heftigste Stück des Zyklus mit der Räudigkeit eines schmerzhaften Sonnebrandes.</p>
<p>Der Herbst ist die Zeit der Besinnung und Einkehr und vielleicht auch der heimeligen Melancholie, und so beginnt das von Anemone Tube allein bestrittene &#8220;The Return of the Herd&#8221; fast schon traditionell mit streicherartigen Sounds, die sich in beinahe sanften Wellen fortbewegen, entschleunigte Pianotupfer, aber auch (Unheilvolles ankündigende?) Feedbacksounds kommen hinzu. Das als Titeltrack ausgewählte Winterstück &#8220;The Hunters in the Snow&#8221;, an dem nun alle drei Musiker beteiligt sind, ist mit seiner Länge von über achtzehn Minuten Höhepunkt und Finale der Sammlung. Mit seinem abrupt-brachialen Auftakt und dem rauen Vibrato der pulsierenden Synthies, mit den wirklichkeitsdurchbrechenden Breaks und den immer wieder neu angestoßenen dynamischen Schüben scheint die Komposition eher eine Treibjagd als eine subtile Pirsch einzufangen, und während das Gemälde die Jäger bei der Heimkehr zeigt, hat der Track scheinbar alle Anzeichen der strapaziösen Jagd und auch aller anderen Strapazen des zurückliegenden Jahres mit im Gepäck.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/05/jägerimschnee.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-17785" title="jägerimschnee" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/05/jägerimschnee.jpg" alt="" width="1000" height="712" /></a>Die allumfassende, fast kosmologische Weltdarstellung, die Bruegel in seinem Zyklus anstrebte, scheint ein zentrales Interesse der drei Musiker zu sein. In dem ausführlichen Essay von Sven Schlijper-Karssenberg und Kim Dohlich, der im Booklet abgedruckt ist, werden diese als &#8220;worldscapes, endless cycles of growth and decay, of beauty and melancholy, fear and joy&#8221; bezeichnet, die eine Welt voller Ambiguität zwischen Frieden, Aufruhr und Abhänigkeit von einer indifferenten Natur, zwischen Existenznot und dem Zwang zu Töten, zwischen Bewegung und Stillstand präsentieren. Die Musik fungiert den AutorInnen zufolge als ein noch unmittelbareres Vehikel, die im Bilderzyklus thematisierte Zeit erfahrbar zu machen, während der Umweg über den interpretierenden Verstand umschifft werden kann. Mit dem im Booklet zitierten Autor Jean Gerbser zu sprechen, wird man von ihr &#8220;ganz zum Hiersein verführt&#8221;. Ganz abgesehen von dieser Funktion besticht die Musik durch eine außerordentliche Dichte, die man als einziges Kollaborationsmerkmal anführen mag, wohingegen ihr jeglicher Kompromisscharakter, der so vielen Zusammenarbeiten anhaftet, fehlt. Durch den Kontext der Bilder kann sie an weiterer Tiefe nur gewinnen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://the-epicurean.transformed.de/">The Epicurean</a> / <a href="http://www.aufabwegen.de/">AufAbwegen</a></strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE: The Three Worlds (3 CDs Allegory of Vanity &#8211; Forget Heaven &#8211; Vanity of Allegory)</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Dec 2017 07:52:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„The three worlds are transient like clouds in autumn“ heißt es in einem buddhistischen Sutra des 14. Jahrhunderts, das im Englischen unter dem Titel „Far Reaching Pleasures“ bekannt ist. Die Geburt und der Tod aller Wesen entfaltet sich wie ein &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/12/02/anemone-tube-the-three-worlds-3-cds-allegory-of-vanity-forget-heaven-vanity-of-allegory/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/11/anemonetube3worlds1.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14580" title="anemonetube3worlds1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/11/anemonetube3worlds1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„The three worlds are transient like clouds in autumn“ heißt es in einem buddhistischen Sutra des 14. Jahrhunderts, das im Englischen unter dem Titel „Far Reaching Pleasures“ bekannt ist. Die Geburt und der Tod aller Wesen entfaltet sich wie ein Tanz, rauscht vorbei wie ein Gebirgsbach, verschwindet wie ein Blitz am Firmament. Anemone Tube hat die Verse dieses Sutras als Hintergrund für sein neues Release gewählt und verbindet die Betrachtungen mit seinem langjährigen Interesse an westlichen Vanitaskonzepten und ihrer klaren Bildlichkeit. So weit<span id="more-14579"></span> umspannend dieses Konzept ist, so umfangreich ist die Spannweite von „The Three Worlds“ geworden, denn es enthält neben Artwork des Fotokünstlers Dario Lehner drei CDs mit un- und wiederveröffentlichtem Material von den späten 90ern bis fast heute.</p>
<p>Mit dem Stilleben aus Uhr, Totenschädel, Juwelen und anderen barocken Symbolen von Kostbarkeit und Vergänglichkeit unterstreicht Anemone Tube, dass der Titel der ersten CD „Allegory of Vanity“ nicht beliebig gewählt ist. Zusammengefasst unter dieser Allegorie sind ausschließlich Tracks aus den ersten Jahren, angefangen mit zwei Stücken, die zusammen mit dem heute wenig bekannten Projekt Yggdrasil entstanden sind: „Ausweg&#8221; ist ein monoton-rhythmisches Industrialstück, in das mit der Zeit etwas Bewegung und mit metallischem Klimpern und einer Art Flötenton Variation Einzug hält – ein Ausweg, aber wohin? „Primary Slave“ ist um Längen chaoticher, räudiger und mit seinen unvorhersehbaren Tempobewegungen und seinem Kontrast aus Noise und Naturidyll der Alpdruck schlechthin. Ein bislang unveröffentlichtes Stück verbindet düstere Samples mit der Noisecore-Vorgeschichte der Band, die beiden abschließenden Tracks vom Tape „Allegories for the Future“ sind zwischen düsterem Rumoren und monotonem Geschruppe recht nah am Industrial der alten Schule.</p>
<p>Man könnte erwarten, dass die zweite Scheibe kohärenter ist, denn ihr Herzstück ist das komplette Tape-Album „Forget Heaven“. Auch hier eine Allegorie der Vergänglichkeit, das Artwork zeigt ein illusionäres Feuerwerk aus Seifenblasen, die im Dunklen mit leichter Beleuchtung einen Sternenhimmel bilden. Doch während die Fotografie dem Anblick eine Illusion von Ewigkeit gibt, wird der künstliche Himmel schon in wenigen Sekunden vergessen sein. Schon im ersten Track ist ein ritueller Unterton hörbar, doch gutturaler Stimmeinsatz und nach vorn preschende Rhythmen geben „Ti Fang – Desertification“ ein aggressives Pathos. Schnell offenbart das Album ein ganzes Sammelsurium an klanglichen und atmosphärischen Ideen: Dunkles, verkatertes Kreisen, Seufzer aus der Tiefe, soghafter Noise, bedrohliche Klangflächen, klassische Overtüren und Tanzbares, das man bei Anemone Tube so nicht erwartet hätte. Wie ein Bonus wirken hier die drei Compilation-Tracks, von denen ich das melancholische Ambient-Loop „Long Lost“ hervorheben möchte.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/12/3worldspic.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-14604" title="3worldspic" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/12/3worldspic.jpg" alt="" width="600" height="206" /></a></p>
<p>In „Vanity of Allegory“ schließt sich der Kreis, schon Titel und Artwork greifen auf den ersten Teil zurück. Doch hier sind die Symbole der Kostbarkeit und Vergänglichkeit keine bloßen Gegenstände der Anschauung durch ein unbeteiligt reflektierendes Betrachter-Ego – durch den Spiegel, in dem man einen Teil der Motive nun sieht, wird der Betrachter selbst zu einem Vanitassymbol, und selbst die Musik, repräsentiert durch die gesichtslose Figur des Künstlers, wird zu einem Teil dieser Spiegelung. Die Musik auf der CD spannt den zeitlich weitesten Bogen: „Obscure the Sun“ ist etwa fünf Jahre alt und lag bislang in der Schublade, musikalisch repräsentiert es die oft flächige Gestalt der heutigen Anemone Tube und erinnert in seiner schleppenden schwere auch etwas an neuere Phallus Dei. Ein abrubter Bruch, wie er gelegentlich auch auf Konzerten vorkommt, leitet zu Stücken aus der „Death over China“-Phase über, man fragt sich, warum er das aufwühlende „Climate Controller“ und das von Schreien in Unruhe versetzte „The Sirens“ so lange unter Verschluss gehalten hat. Der Rest ist eine nicht wirklich bunte, aber vielgestaltige Mischung aus brodelnden, dröhnenden und scheppernden Tracks aus unterschiedlichen Phasen, die mit ihren vielen Bezügen nach typischer Anemone Tube-Manier ein großes Netz an Bezügen spinnen.</p>
<p>„Meditation is a Practice of Death“ hieß es mal bei OM in Anspielung auf die Vorstellung, dass es in jeder spirituellen Arbeit darum geht, sich in der einen oder anderen Form auf das Sterben vorzubereiten. Für den an buddhistischer Praxis ebenso wie an christliche Mystik interessierten Anemone Tube geht es seit langem darum, dem Horror der Vergänglichkeit ins Auge zu sehen, ohne dabei den Blick in Watte zu packen. Dass dies mit einer gewissen Faszination geschieht, könnte ihm, würde er vermehrt außerhalb der alles Düstere oft gewohnheitsmäßig abnickenden Industrial-Community rezipiert werden, als masoschistisches Suhlen in Negativität ausgelegt werden, doch bei genauerem Hinsehen begegnen einem immer wieder Zeichen des Mitgefühlt und zugleich die Tendenz zu einem kraftvollen, quasi nietzscheanischen Vitalismus. Das trotz seines Umfangs füllmaterialfreie und von Hunter Barr bestens in Form gebrachte „The Three Worlds“ macht deutlich, wie sehr all dies von Beginn an leitmotivisch war.</p>
<p>Die drei CDs sind sowohl einzeln, als auch in einem limitierten Special Edition-Set inklusive Poster und weiteren Extras zu haben. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://epicureanescapism.bandcamp.com/">The Epicurean</a> / <a href="http://laesenciarecords.bigcartel.com/">La Esencia</a></strong></p>
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		<title>Sabbat: Yajuj o Majuj, Anemone Tube, Geometria del Esplendor am 31. Mai im Berliner Urban Spree</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/05/29/sabbat-yajuj-o-majuj-anemone-tube-geometria-del-esplendor-am-31-mai-im-berliner-urban-spree/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 May 2017 10:15:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anemone Tube]]></category>
		<category><![CDATA[Esplendor Geométrico]]></category>
		<category><![CDATA[José Ramón da Cruz]]></category>
		<category><![CDATA[Sabbat Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Urban Spree]]></category>
		<category><![CDATA[Yajuj o Majuj]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter dem Slogan &#8220;A Night of Dark Ritualistic Meditation&#8221; veranstaltet Sabbat Berlin am 31. Mai einen Konzert- und Filmabend mit einem abwechslungsreichen Programm. Auf dem Plan stehen Konzerte des iranischen Ambient-Duos Yajuj o Majuj und des unseren Lesern hinlängliche bekannten &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/05/29/sabbat-yajuj-o-majuj-anemone-tube-geometria-del-esplendor-am-31-mai-im-berliner-urban-spree/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter dem Slogan &#8220;A Night of Dark Ritualistic Meditation&#8221; veranstaltet Sabbat Berlin am 31. Mai einen Konzert- und Filmabend mit einem abwechslungsreichen Programm. Auf dem Plan stehen Konzerte des iranischen Ambient-Duos Yajuj o Majuj und des unseren Lesern hinlängliche bekannten Post Idustrial-Projektes Anemone Tube, dessen spirituelle und kulturkritische Ausrichtung in einer eindringlichen audiovisuellen Performance präsentiert wird. &#8220;Headliner&#8221; sozusagen ist José Ramón da Cruz&#8217; Doku über die Band Esplendor Geométrico, die die abseitige elektronische Musik seit den frühen 80ern maßgeblich mitprägte und wie wenige andere zum Entstehen des sogenannten Rhythm Noise oder Rhythm Industrial beigetragen hat. Abgerundet wird der Abend durch DJ-Sets von Nekrobot, Angelic Sintesis und Lithium (Ancestral).<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/05/sabbat1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-13843" title="sabbat" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/05/sabbat1.jpg" alt="" width="960" height="481" /></a><span id="more-13841"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>YAJUJ O MAJUJ</p>
<p>Yajuj o Majuj is a Duet-sound in contrast with agitated fiction modern dystopia to decelerate chaos in order to reach to the timeless level of being where one can experience no place and realize the illusion mankind is trapped in. Yajuj o majuj is a Atmospheric Dark ambient &#8211; Experimental live project. A Post Modern Approach to Persian Dark Retreat Meditation</p>
<p><strong><a href="https://soundcloud.com/yajuj-o-majuj">Yajuj o Majuj @ Soundcloud</a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>ANEMONE TUBE</p>
<p>Anemone Tube was founded 1996 in South-Germany; since 2010 based in Berlin. The audio works of Anemone Tube are a unique blend of dark ambient, noise, industrial and sound-art with a strong psychogenic impact. The use of constantly shifting and altering sounds and moods is possibly one of the most intriguing things about the audio creations of Anemone Tube. Since 2007 Anemone Tube has been working on &#8220;The Suicide Series&#8221;. To this field recordings made in China and Japan build a conceptional basis. In a poetic way Anemone Tube combines analytical realism of the phenomenal world with buddhist psychology and nihilist rhetoric influenced by the works of Pier Paolo Pasolini, H.P. Lovecraft, J.G. Ballard and Hayao Miyazaki.</p>
<p>In the latest “Golden Temple” live set Anemone Tube creates a sacred and engaging atmosphere through Buddhist rituals, utilizing liturgic objects (statues, candles, censer and incense) and highly aesthetic video projections showing old masters paintings with religiously charged symbolism (Greek mythology, old and new testament, Buddhism) and contemporary photographs, offering an absorbing, inspiring as well as complex concept, which not only raises spiritual questions, how we live and die, but above all fascinates the audience on a purely emotional &amp; spiritual level.</p>
<p>Releases: CD, tape and vinyl releases on Auf Abwegen (DE), Raubbau/Ant-Zen (DE), Peripheral Records (GB), Silken Tofu (BE), Black Horizons (USA), La Esencia (ES) and The Epicurean (DE).</p>
<p><strong><a href="http://anemonetube.de/">Anemone Tube @ Home</a></strong><br />
<strong><a href="https://epicureanescapism.bandcamp.com/">Anemone Tube / The Epicurean @ Bandcamp</a></strong></p>
<p><strong></strong><br />
<iframe src="https://www.youtube.com/embed/LuAJctgbKLo" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>GEOMETRIA DEL ESPLENDOT (Movie screening)</p>
<p>Original music by ESPLENDOR GEOMÉTRICO and FRANCISCO LÓPEZ<br />
“Geometría del Esplendor” is a documentary on the legendary band known as Esplendor Geométrico. This film captures more than thirty years of music, creativity and indepen- dence during the revolution of techno music. It takes you back to the times and to the foundation of the art that still lives on today throughout Spain and Europe. The style is described in a metromatic decalogue or key combination, among other things, are laid out using structures of guidance, like a symphony, different assembly order and set com- binations of random appearances, like music models and interviews, but are well put to- gether.</p>
<p>In 1980, a student, a graphic designer and a prison public servant founded ESPLENDOR GEOMÉTRICO, a music band that soon became the seed of the most extreme and radical industrial music waves. These waves are the reflection of a cultural and unique period of our history. In the documentary GEOMETRÍA DEL ESPLENDOR, directed by the film maker José Ramón da Cruz, sound and image becomes a whole corpus of “visual music&#8221;.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/AMkomf2fYIQ" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>Urban Spree<br />
Revaler Strasse 99<br />
10245 Berlin<br />
31.05.2017 / 20:00 Uhr<br />
<strong><a href="https://www.facebook.com/events/1417024391705598/1469776916430345">Event @ Facebook</a></strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE: In the Vortex of Dionysian Reality (CD)</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/05/13/anemone-tube-in-the-vortex-of-dionysian-reality-cd/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 May 2017 01:46:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anemone Tube]]></category>
		<category><![CDATA[Blossoming Fern]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Nietzsche]]></category>
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		<description><![CDATA[Dem einen oder anderen wird der Titel dieser Veröffentlichung sicher bekannt vorkommen, und besonders aufmerksame Leser unserer Seite werden sich fragen: Warum besprechen die das Album zweimal? Die Antwort ist einfach, denn es handelt sich bei dieser CD um eine &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/05/13/anemone-tube-in-the-vortex-of-dionysian-reality-cd/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/05/anemonetubevortexcd.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-13743" title="anemonetubevortexcd" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/05/anemonetubevortexcd-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dem einen oder anderen wird der Titel dieser Veröffentlichung sicher bekannt vorkommen, und besonders aufmerksame Leser unserer Seite werden sich fragen: Warum besprechen die das Album zweimal? Die Antwort ist einfach, denn es handelt sich bei dieser CD um eine derart ergänzte und bearbeitete Reissue des vor knapp zwei Jahren erschienenen Tapes, dass das Digipack mit dem neuen Artwork als ein fast neues Release durchgehen kann. Die sechs ursprünglichen Tracks bilden in remasterter und hier und da<span id="more-13742"></span> leicht anders betitelter Form den Rumpf der neuen Fassung, deren zweite Hälfte aus drei z.T. längeren Kompositionen besteht, die in der Zwischenzeit mit tatkräftiger Unterstützung eingespielt wurden und ziemlich gut zu dem bereits bekannten Material passen.</p>
<p>In meiner Besprechung der ursprünglichen Version sprach ich vom „Strudel einer dionysischen Welt“, in die Anemone Tube die Hörer mit seinen dunklen, verrauschten Lärmszenarien kompromisslos zieht – eine formlose, chaotische Welt, in welcher der Mensch in der Spätphase der Zivilisation durch Zertrümmerung der falschen sokratischen Überzeugungen und Identitäten seine wahre Bestimmung und eine Seele finden kann, die sich laut Friedrich Nietzsche mehr im Gesang als in der begrifflichen Sprache ausdrückt. Nietzsche benannte diesen formlosen, aber heilsamen Abgrund nach dem griechischen Gott des Rausches das „Dionysische“ und fand es in jungen Jahren in den Werken seines Idols und zeitweiligen Freundes Richard Wagner verwirklicht.</p>
<p>Eine Sache, die mir und einigen Kollegen schon damals hervorhebenswert erschienen ist, war der zum Teil derbe, verrauschte Klang der meist ambient gleitenden Musik, deren noisiges Feedback stellenweise an E-Gitarren erinnert. Im eröffnenden Titelstück mit seinem zentralen Robert Bresson-Zitat und im besonders soghaften „Tower of Evil“ (hier „Turm des Bösen“ betitelt) kommt das recht nah an Metal, in der kosmischen Entrücktheit des ursprünglich finalen „Evangelium der Weltharmonie“, bei dem die russisch-baltischen Post Scriptvm mitgewirkt haben, fühlt man sich an schöngeistigen Postrock erinnert.</p>
<p>Noch deutlicher in diese Richtung gehen die neuen Tracks: „Perpetual Dawn“, an dem Pierre Jolivet alias Pacific 231 mitgewirkt hat, dröhnt abgründig und ist mit einer derart kantig verkratzten Noisehülle umgeben, dass der berührend melancholische Untergrund erst nach einiger Zeit etwas deutlicher zu erkennen ist. Was beim „Evangelium der Weltharmonie“ zusammen ging – shoegaziges Rauschen und melancholische Schönheit – wird hier noch einmal auseinanderdividiert. Zur Synthese kommt dies wieder in „Suicidal Fantasy“, eine Fortsetzung des auf dem „Golden Temple“-Album enthaltenen „Negation of Myth“. Trotz seiner rauen Oberfläche wirkt der Track gelöster und abgeklärter als „Perpetual Dawn“, das einen auf sanften Schwingen in die fatalen Abgründe der eigenen Psyche zu tragen scheint.</p>
<p>Das abschließende „Like The Streaming Of A Giant River, Life Is Passing Without Ever Turning Around“ ist in Kollaboration mit dem ukrainischen Ambient-Musiker Monocube entstanden, der wohl auch für seine finale Gestalt verantwortlich zeichnet. Für den Track  wird weit ausgeholt, denn noch etwas länger und ausladender könnte er ein episches One Track-Album füllen – dichte, dynamische Dronewellen bilden die eher schwebende als geerdete Grundlage für eine ganze Reihe an narrativen Details: Sprachfetzen, vermutlich gesamplet und trotz ihrer Verstecktheit heftig, kleine digitale Beigaben, bedrohliches Growlen von Monocube und nicht zuletzt das hier etwas dezenter eingesetzte Feedback, das die typische Anemone Tube-Handschrift trägt.</p>
<p>In seiner rätselhaften, hypnotischen Intensität bildet das Stück einen späten Höhepunkt des Albums und trägt nicht wenig dazu bei, dass die CD als eigenständige Veröffentlichung gelten kann, mit der „In the Vortex of Dionysian Reality“ zu seiner reiferen Form herangewachsen ist. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.facebook.com/blossoming.fern">Blossoming Fern</a></strong></p>
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		<title>Anemone Tube und Monocube am 27.03. im Berliner Madame Claude</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/02/18/anemone-tube-und-monocube-am-27-03-im-berliner-madame-claude/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Feb 2017 10:34:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anemone Tube]]></category>
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		<description><![CDATA[Das deutsche Post-Industrial-Projekt Anemone Tube muss man Lesern unserer Seite wohl nicht mehr extra vorstellen, und im dunklen experimentellen Underground der Berliner Szene zählt der Künstler mit seinen oft spirituell grundierten Soundkollagen zu den festen Größen. Nach einer Zeit der &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/02/18/anemone-tube-und-monocube-am-27-03-im-berliner-madame-claude/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das deutsche Post-Industrial-Projekt Anemone Tube muss man Lesern unserer Seite wohl nicht mehr extra vorstellen, und im dunklen experimentellen Underground der Berliner Szene zählt der Künstler mit seinen oft spirituell grundierten Soundkollagen zu den festen Größen. Nach einer Zeit der Bühnenabstinenz wird er am Montag den 27. März im Kreuzberger Madame Claude zu sehen sein, Rahmen ist die Dauerreihe eXperimontag. Als weiterer Act wird der ukrainische Ambient-Dröhner Monocube zu hören und zu sehen sein. Den Bar-Bereich wird Resident Ondula mit verquerer &#8220;post-eklektischer&#8221; Electronica beschallen.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/02/anem.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-13390" title="anem" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/02/anem.jpg" alt="" width="960" height="688" /></a><span id="more-13389"></span></p>
<p><strong>ANEMONE TUBE (Dark Ambient, Experimental, Industrial, Noise/DE)</strong></p>
<p>The audio works of Anemone Tube are a unique blend of dark ambient, noise, industrial and sound-art with a strong psychogenic impact. The use of constantly shifting and altering sounds and moods is possibly one of the most intriguing things about the audio creations of Anemone Tube.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/LuAJctgbKLo" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><strong>MONOCUBE (Dark Ambient, Experimental, Industrial, Noise/UKR)</strong></p>
<p>Monocube is an Ukrainian dark ambient act, being active since 2008. His recent participation on the prestigious “Drone Mind“ LP compilation series on Drone Records (DE) was followed by the release of the second, full length Monocube album end of 2016 on Malignant Records (US), featuring nine new tracks and just over an hour worth of material ensconced in shadowy, enveloping atmospheres. Intact with all the hallmarks of classic dark ambient, Monocube creates arcing, cinematic textures, elegiac melodies and distant time-stretched landscapes.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/QZpSN65-sQE" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>ONDULA (DJ-Set/Post-Eclecticism/Berlin)</p>
<p>Free Donation | Doors 19.00 | Start 21.30<br />
Madame Claude Berlin<br />
Lübbener Straße 19<br />
10997 Berlin</p>
<p><a href="https://www.facebook.com/events/1859621054285097/"><strong>Event auf Facebook</strong></a></p>
<p><a href="https://epicureanescapism.bandcamp.com/"><strong>Anemone Tube @ Bandcamp</strong></a></p>
<p><a href="https://soundcloud.com/monocube_official"><strong>Monocube @ Soundcloud</strong></a></p>
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		<title>ANEMONE TUBE / POST SCRIPTVM: Litaniae Mortuorum Discordantes</title>
		<link>https://africanpaper.com/2016/11/26/anemone-tube-post-scriptvm-litaniae-mortuorum-discordantes/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Nov 2016 07:33:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anemone Tube]]></category>
		<category><![CDATA[Post Scriptvm]]></category>
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		<description><![CDATA[Anemone Tube und Post Scriptvm verbindet einiges, z. B. die Arbeit mit obskuren, oft stark verfremdeten Field Recordings und ein Händchen für dunkle imaginäre Räume. Entwirft der deutsche Musiker Anemone Tube weiträumige Landschaften, so habe ich bei Post Scriptvm immer &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/11/26/anemone-tube-post-scriptvm-litaniae-mortuorum-discordantes/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/11/AT-PS-CD-Front-Cover-700frame.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12987" title="AT-PS-CD-Front-Cover-700frame" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/11/AT-PS-CD-Front-Cover-700frame-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Anemone Tube und Post Scriptvm verbindet einiges, z. B. die Arbeit mit obskuren, oft stark verfremdeten Field Recordings und ein Händchen für dunkle imaginäre Räume. Entwirft der deutsche Musiker Anemone Tube weiträumige Landschaften, so habe ich bei Post Scriptvm immer die Assoziation eines verwinkelten, labyrinthartigen Gebäudes von kaum einschätzbarer Größe. Post Scriptvm scheinen stark von den klassischen Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts inspiriert, ihre sorgsam dosierte Kulturkritik ist philosophischer Art. Anemone Tube lässt ein Interesse an der Dekadenz erahnen, ebenso<span id="more-12944"></span> einen deutlich spirituellen Ansatz.</p>
<p>Nachdem sich ihre Wege schon das eine oder andere mal kreuzten – so auf dem zweiten Epicurean Escapism-Festival und der begleitenden Compilation &#8211; kam es nun zu einem ersten Split-Release. Die sechs Tracks der LP sind – auf eine schalkhafte Art, die man v.a. bei Anemone Tube schon immer ahnte, aber bisher nie so direkt aus der Musik heraushören konnte – den „Liebhabern von seelenzermalmender, auf Dissonanzen basierender Beerdigungsmusik zur geistigen Ergötzlichkeit“ gewidmet, der Titel bezeichnet eine Art Genre bzw. einen rituellen musikalischen Ansatz, den es bis zum Barock in der westlichen Sakralmusik tatsächlich gab, und der in einem quasi kathartisch-entschlackenden Ausleben negativer Gefühlszustände bestand. Später, im sogenannten Zeitalter der Vernunft, das die eigentlich klassische Musik hervorbrachte (und im weiteren Verlauf ein Interesse an außerwestlicher Musik und das Entstehen früher Subkulturen nötig machte), erhielten solche Ansätze mehr und mehr den Makel des Suspekten und gerieten in Vergessenheit. Es gibt wohl einen Roman, in dem der (stark fiktionalisierte) junge J. S. Bach sein Interesse an den düsteren alten Litaneien mit didaktischer Härte ausgetrieben bekommt.</p>
<p>Die beiden Acts haben zwar nicht vor, diese Tradition wiederzubeleben, zu stark bewegen sie sich dazu im Feld postindustieller Experimentalmusik, doch stimmungsmäßig scheint man stark von dem Phänomen inspiriert. Interessant ist, wie sehr sich die jeweiligen Handschriften beider, die auch hier ähnlich vorgehen, voneinander abheben. Würde man eine digitale Version des Albums im Shuffle-Modus abspielen, wüsste man immer schon nach wenigen Sekunden, welche Band man gerade hört.</p>
<p>Die Dunkelheit der Anemone Tube-Stücke ist sicher die schwerer greifbare, denn auf ihre hier besonders ruhige Art haftet ihr nichts Negatives an, und doch sind kaum Lichtschimmer zu finden, auch da nicht, wenn die Dröhnung sich in kosmische Entrücktheit ausweitet (ich musste beim Opener „Myth and the Reltion to the World“ an das finale „Evangelium der Weltharmonie“ auf dem <a href="http://africanpaper.com/2015/11/10/anemone-tube-in-the-vortex-of-dionysian-reality-c-41-tape/">„Vortex“-Tape</a> denken). Freilich, nach den hellen Ambientflächen und dem erdigen Dröhnen zu Beginn kommt genug Abseitiges zum Zug: zur Unkenntlichkeit entstellte Stimmen, Metallscheppern und Drones so rau wie ein Nagelbett v.a. im die erste Seite abschließenden „Irruption of the Whore“, das mit Gongs und Synthies allein viel entspannter geklungen hätte. Und dennoch hat die apokalyptische Patina, die alle drei Stücke überzieht und einhegt, etwas Versöhnliches, nimmt all die Komponenten und die Hörer mit auf eine Reise, bei der man sich geerdet und schwebend zugleich fühlen kann. Nicht jeder bekommt das so hin.</p>
<p>Post Scriptvm dagegen sind Rebellen gegen die Unerträglichkeit eines falschen, benommenen Seins, und dementsprechend klingt ihre Musik um einiges aufgewühlter, erscheint als ein Aufbegehren disparater und disharmonischer Komponenten. Wenn ihre dröhnenden Klangteppiche von dumpfen Detonationen und unruhigen Schleifgeräuschen durchdrungen sind, dann treten diese ganz deutlich hervor, und letztlich erscheinen alle Komponenten – Sprachsamples und alte russische Gesänge, fallende Metallteile, blubbernde Synthies und Rhythmen, die sich nach und nach in ihre Bestandteile auflösen, Nurse With Wound-artiges Tremolieren – eher exponiert als integriert. Durchweg bleibt ein Eindruck von Spannung bestehen, eine alarmierende Stimmung, die ständig das Gefühl vermittelt, kurz vor einem Ausbruch zu stehen.</p>
<p>Ein Konzept, zwei Ansätze, ganz nah beeinander und doch ganz unterschiedlich in der Wirkung – so wünsche ich mir ein gutes Split. Nach konzeptionell sehr dichten und von der künstlerischen Aussage her sehr ernsthaften Alben wie Anemone Tubes „Golden Temple“ und Post Scriptvms „Benommenheit“ hat es sogar etwas augenzwinkernd Selbstironisches, scheint mit dem düsteren Outsider-Gestus seiner Macher zu spielen. Trotz allem hat es alles, was ein Release dieser Acts braucht. Das „Oratorium“, so heißt es, sei zur Aufführung in der Kirche bestimmt, und ich denke doch mal, das sich das über kurz oder lang umsetzen lässt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.transformed.de/theepicurean.html">The Epicurean</a> / <a href="http://laesenciarecords.bigcartel.com/">La Esencia</a></strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE: Golden Temple</title>
		<link>https://africanpaper.com/2016/01/30/anemone-tube-golden-temple/</link>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2016 09:28:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[The Epicurean]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Zentrum von Tokyos Bezirk Minato erhebt sich die Skyline der Roppongi Hills, einer Gruppe von Bürotürmen um den mächtigen Mori Tower, den die kritisch gesinnten unter den Einheimischen in leicht abergläubischer Weise den bösen Turm nennen. In ihrer Wahrnehmung &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/01/30/anemone-tube-golden-temple/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/01/anemonetubegoldentempleraubbau.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11566" title="anemonetubegoldentempleraubbau" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/01/anemonetubegoldentempleraubbau-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Im Zentrum von Tokyos Bezirk Minato erhebt sich die Skyline der Roppongi Hills, einer Gruppe von Bürotürmen um den mächtigen Mori Tower, den die kritisch gesinnten unter den Einheimischen in leicht abergläubischer Weise den bösen Turm nennen. In ihrer Wahrnehmung steht er für die Macht, die das Kapital und der entfesselte Konsum auf alle Lebensbereiche ausweitet. Für den Musiker Anemone Tube, der vor einigen Jahren Japan bereiste und am Fuße der Türme das Covermotiv und nicht wenige der Sounds seines aktuellen Albums „Golden Temple“ aufnahm, ist der Ort ein Symbol der<span id="more-11491"></span> kapitalistischen Spatmoderne, der Tower of Evil, den er im gleichnamigen Stück besingt, ist eine Allegorie, die nicht nur in Japan ihre Manifestation hat.</p>
<p>„Golden Temple“ &#8211; man mag beim Titel an Mishimas <em>Temple of the Golden Pavillon</em> denken, woraus im opulenten Booklet zitiert wird &#8211; ist der dritte Teil von Anemone Tubes „Suicide Series“ und somit Nachfolger von „Dream Landscape“ und „Death Over China“. Ein weiteres mal geht es um Landschaften, die sich in der Spätform unserer Zivilisation herausgebildet haben und die zugleich ihren selbst hervorgerufenen Kollaps symbolisieren. Auf „Golden Temple“ ist all dies noch stärker als zuvor mit textlichen und ikonischen Zitaten und Anspielungen unterfüttert, die viele Fragen stellen und gelegentlich auch die eine oder andere Antwort in den Raum stellen.</p>
<p>Noch deutlicher als auf „Death Over China“ dreht sich auf „Golden Temple“ alles um das Thema der Entfremdung und ihrer apokalyptischen Dimensionen, und wie es scheint wird ein historisches Panorama entfaltet. Im eröffnenden „L&#8217;Homme et les Sirenes“ wird gewissermaßen die Ursünde der Entfremdung abgehandelt, der Trick des Odysseus, dem verführerischen Gesang der Sirenen zu widerstehen, oder allgemeiner: durch scheinbare Disziplin, die in Wirklichkeit eine Selbstfesselung ist, über die Natur und ihre Geister zu triumphieren. Dieser Akt, von Homer gefeiert und noch in der <em>Dialektik der Aufklärung</em> als Sternstunde der Zivilisation gewürdigt, erscheint hier als Auftakt einer fatalen Dystopie, zumindest lässt der knochentrockene Schleifsound, der seine destruktive Wirkraft erst nach und nach entfaltet, nichts anderes vermuten.</p>
<p>Von der Irrfahrt des Heroen bis zum finalen Anthropozän in „Anthropocene &#8211; The Dark Abyss of Time“ mit seinem an apokalyptisches Flammengeprassel erinnernden Rauschen ist es ein weiter Weg, und der ist mit Marken versehen, die so etwas wie einen Kampf zwischen Sein und Entfremdung anzudeuten scheinen. Auf musikalischer wie textlicher Seite herrscht der Nihilismus des all-encompassing destroyer aus dem zentralen „Tower of Evil“. „Apocalyptic Fantasy“ knüpt mit fatal dröhnenden Kreisbewegungen und einem Sound, der an Gitarrensoli diverser Metalgenres gemahnt, an die vorab veröffentlichte EP „In the Vortex of Dionysian Reality“ an, und schon dass hier auf Fantasy und nicht auf Nightmare verwiesen wird, unterstreicht das Lustvolle, dass dieses Untergangs-Narrativ bis zum kaum verständlichen Sprachample durchzieht – wie im Tarot Crowleys ist der Turm, der hier durch brettharte Noisewände evoziert wird, eine dem Einsturz geweihte comfort zone, deren Implosion gefürchtet und zugleich erhofft wird.</p>
<p>Nach einer eindringlicheren Version des schon auf dem Vortex-Tape enthaltenen „Tower of Evil“, hier mit dem Zusatz „The Ultimate Truth“, führt uns „Negation of Myth“ in die etwas filigraneren Regionen der Anemone Tube-Kosmos, was allerdings nur heißt, dass die nosigen Sounds weniger verwaschen und die einzelnen grobkörnigen Partikel deutlicher herausgearbeitet sind. Wer vergleichbare Passagen auf „Death Over China“ oder auf der Split mit Dissecting Table kennt, weiß, dass solche Tracks immer noch niederdrückend sind, und hier ist es v.a. das kosmische Hintergrunddröhnen, das den Eindruck von etwas Verlorenem aufrecht erhält. Vielleicht ist es diese Evokation von etwas ungreifbar Verlorenem, die auch den vielleicht schöngeistigesten Track „Sea of Lights (Golden Temple)“ so eindringlich macht.</p>
<p>Anemone Tube war stets an einer angemessenen allegorischen Aufmachung interessiert, doch diesmal ist das Booklet besonders reichhaltig gefüllt. Auf der bildlichen und paratextlichen Seite, die hier entfaltet wird, erwacht eine hetrotopische Gegenwelt, die so etwas wie ein nicht entfremdetes Sein zum Thema macht. Teil dieser Gegenwelt, wenn auch auf sehr radikale Art, ist zumindest der erste der beiden Bonus-Tracks, die wie eine integrierte EP unter dem Titel „Arcadia &#8211; Dreamland and Myth&#8221; angehängt sind: „I, Death, Even Rule in Arcadia&#8221; greift das Motiv der Odysse wieder auf und deutet eine alternative Erzähung an, in der der Held dem Ruf der Geister nachgibt und &#8211; auf tragische Weise, der Entfremdung jedoch entrinnend, wieder mit seiner eigenen Natur verschmilzt. <em>„</em>Tojinbo &#8211; Tranquil Sea of Equanimity&#8221; wiederum ist besonders doppelbödig, scheinen die vom schweitzer Soundaktivisten Dave Philips abgemischten Feldaufnahmen aus der Nähe einer für zahlreiche Selbstmorde bekannten Felsenklippe in Japan doch eher wieder eine Folge der Entfremdung statt ihre Alternative zu beschwören.</p>
<p>Letztlich bleibt es eine Frage der Interpretation, ob man die schönen Seiten des in „Golden Temple“ beschworenen als eskapistische Gegenwelt, als Einklagen einer veschmähten Kostbarkeit, als reine Dokumentation oder als vorsichtig hoffnungvolle Zukunftsaussicht auf ein Danach lesen will. Nietzsches Umschreibung des Dionysischen als „Ja zu Leben in all seiner Tragik&#8221; kommt mir dabei allerdings nicht aus dem Sinn. Sicher ist, dass das immer etwas links klingende Wort Antikapitalismus und das immer etwas rechts klingende Wort Antimodernismus selten so sehr überblendet wurde, wie auf diesem an Andeutungen und Anspielungen reichen Album, das den Geist Pasolinis wie ein Kontrastmittel über die Goldenen Tempel unserer Zeit gießt – und damit selbst die namenlose saufende Schönheit zu Füßen der Kolosses aus Glas und Beton zum Strahlen bringt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label:<a href="http://www.raubbau.org/"> Raubbau</a></strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE: In The Vortex of Dionysian Reality (C-41 Tape)</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2015 07:27:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/10/AnemoneTubeInTheVorstexOfTheDionysianReality.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-11062" title="AnemoneTubeInTheVorstexOfTheDionysianReality" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/10/AnemoneTubeInTheVorstexOfTheDionysianReality.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a>Auf seinem neuen Tape zieht uns Anemone Tube kompromisslos in den Strudel einer dionysischen Welt. Man muss nicht viel über den Mythos des griechischen Wein- und Rausch-Gottes wissen, um die abgründige Natur dieses Strudels zu begreifen, denn zumindest die ersten drei Stücke der vorliegenden EP lassen an dieser keinen Zweifel: Formlos und chaotisch wird die in Sound gegossene Welt des Dionysos gezeichnet, doch manchmal auch überraschend einfach in ihrer derben, verrauschten Musikalität. Man mag die Atmosphäre der vier Tracks dunkel und zum Teil niederdrückend finden, wenn man Rausch und Sinnlichkeit zu sehr mit Frohsinn assoziiert. Doch ganz <span id="more-11061"></span>abgesehen davon, dass dies eine Frage des Blickwinkels ist, gibt es im Laufe des 21minütigen Tapes auch eine deutliche Entwicklung.</p>
<p>Der eröffnende Titel-“Song“ trägt wie zur Warnung den Zusatz „Le Pont de Diable“, und ich mag über einige Minuten kaum zu entscheiden, was genau die Musik so diabolisch und aufwühlend macht – ist es die unerträglich monotone, schabende Grundierung des Feedback-Noise, dessen wellenartige Variationen die Sogwirkung nur verstärken, da der Ausweg, den sie suggerieren, letztlich ausbleibt? Oder sind es die digitalen Hochtöner, die sicher nicht ohne Absicht an klassische Gitarrensoli aus den Annalen diverser Metal-Genres erinnern? „Le Diable, Probablement“, antwortet die Stimme von Tina Irissari aus dem gleichnamigen Film von Robert Bresson, und nach dieser fragwürdigen Antwort scheint sich tatsächlich eine gewisse Harmonie einzustellen.</p>
<p align="JUSTIFY">In der Folge geht es zunächst nur in etwas variierter Klangfarbe weiter, und bei dem intensiven „The Tower of Evil II (die letzte Weisheit)“ wird wie es scheint eine ganze Welt mit in den Strudel hineingezogen. Aus undefinierbaren Geräuschen, die stellenweise an Verzweiflungsschreie gemahnen, kristallisiert sich immer mehr das grausame Fazit des Kentauren in Pasolinis „Medea“ heraus: „&#8230;denn es gibt tatsächlich keinen Gott“. Nach der lieblichen Spieluhr-Melodie und einer gesampleten Dialogpassage aus &#8220;Nausicaa&#8221;, die das kurze Interludium „Terror of Nature“ formen, befindet man sich bereits in „In The Vortex of Dionysian Reality II“, in dem das raue Dröhnen von angenehm ruhigen Streichern bezwungen wird. Doch die sind nur ein Vorgeschmack auf das finale „Evangelium der Weltharmonie“, das ohne die dunklen Klangfarben zu suspendieren in einem kosmischen Klingen und Rauschen kulminiert.</p>
<p align="JUSTIFY">Der Titel des letzten (in Zusammenarbeit mit Post Scriptvm entstandenen) Tracks mag auf den ersten Blick prätentiös klingen, doch er charakterisiert nicht nur diesen harmonischen Ausklang ganz gut &#8211; er führt auch direkt ins Zentrum von Friedrich Nietzsches Theorie des Dionysischen und schließt somit auch den mit dem Titel der EP eröffneten Kreis. In frühen Schriften wie den &#8220;Unzeitgemäßen Betrachtungen&#8221; und „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ beschreibt der Denker die menschliche Existenz als tragisch zwischen den beiden Polen des Apollinischen und des Dionysischen hin und hergerissen. Während Apoll für das Klare, Produktive steht, verkörpert Dionysos das Chaos und die rauschhafte Destruktion menschlicher Identität. So negativ das klingen mag, steht diese Polarität dennoch für eine Balance, die das Leben – in all der morbiden Tragik, die ihm anhaftet – erst in all seiner Vitalität stattfinden lässt.</p>
<p align="JUSTIFY">Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung, durch den Einfluss der christlichen Kirche und ihrer von Nietszsche so bezeichneten Sklavenmoral und erst recht durch den Funktionalismus der modernen Welt, hat der Mensch den positiven Bezug zum Dionysischen immer mehr verloren. Erst im Musiktheater Wagners sah der junge Philosoph das alte Gleichgewicht wieder hergestellt: „Jetzt, bei dem Evangelium der Weltharmonie, fühlt sich Jeder seinem Nächsten nicht nur vereinigt, versöhnt, verschmolzen, sondern eins, als ob der Schleier der Maja zerrissen wäre und nur noch in Fetzen vor dem geheimnisvollen ur-Einen herumflattere. Singen und tanzend äußert sich der Mensch als Mitglied einer höheren Gemeinsamkeit“, wie es in Nietzsches etwas hochtrabender Diktion heißt.</p>
<p align="JUSTIFY">Anemone Tube begnügt sich in vagen Andeutungen, erklärt nichts, sondern lässt die Assoziationen, die seine Anspielungen hervorrufen, ihr Eigenleben entfachen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass im Laufe der gut zwanzig Minuten eine kleine Höllenfahrt inszeniert wird, die in einem für Anemone Tube-Verhältnisse seltenen Hafen der Harmonie endet. Zum „Tower of Evil“, zur Bedeutung Pasolinis und den gesellschaftskritischen Implikationen des Musikers ist dabei aber längst noch nicht alles gesagt, aber das aktuelle Anemone Tube-Kapitel ist mit dem Tape auch lediglich eröffnet. Man darf also gespannt sein. (U.S.)</p>
<p align="JUSTIFY"><strong>Label: <a href="http://www.transformed.de/theepicurean.html">The Epicurean</a></strong></p>
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		<title>V.A.: Epicurean Escapism 1</title>
		<link>https://africanpaper.com/2014/09/27/v-a-epicurean-escapism-1/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Sep 2014 06:13:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anlässlich des kürzlich in Berlin stattgefundenen dritten „Epicurean Escapism“-Festivals folgt eine Zusammenstellung, die sich als Ergänzung/Überarbeitung der ursprünglichen Tape/DVD-Veröffentlichung, die vor zwei Jahren während des Vorläuferfestivals erstmalig verkauft wurde, versteht. John Murphy steuert einen Track unter dem Namen seines in &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/09/27/v-a-epicurean-escapism-1/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/EpicureanR-6017266-1409046715-22771.jpeg"><img class="alignleft size-full wp-image-9360" title="EpicureanR-6017266-1409046715-2277" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/EpicureanR-6017266-1409046715-22771.jpeg" alt="" width="150" height="210" /></a>Anlässlich des kürzlich in Berlin stattgefundenen dritten „Epicurean Escapism“-Festivals folgt eine Zusammenstellung, die sich als Ergänzung/Überarbeitung der ursprünglichen Tape/DVD-Veröffentlichung, die vor zwei Jahren während des Vorläuferfestivals erstmalig verkauft wurde, versteht.</p>
<p>John Murphy steuert einen Track unter dem Namen seines in den letzten Jahrzehnten nur sehr <a href="http://www.discogs.com/Various-Transmissions-Of-Hatred/release/291904">sporadisch</a> aktiven Projekts Krank bei: <span id="more-9343"></span>„Eyes Half Closed“ ist eine zehn Minuten lange Kakophonie aus Glocken, Stimmfragmenten, Noise, die teilweise rituellen Charakter hat. Dass inmitten dieser Atonalität plötzlich Annie Stubbs recht tonal singt, man fast schon meint, hier solle Industrial eine Ladung Blues verabreicht werden, überrascht, ist aber nur scheinbar deplatziert. Das ist ein beeindruckender Opener. IRMs langer Track „Triptych“ besteht aus Teilen der letzten IRM-Veröffentlichungen. Die Band betrachtet die 12&#8242; „Indications of Nigredo“, das letzte Album „Order“ und den jüngst erschienenen Nachfolger „Closure“ als Trilogie. Dabei hört man die für IRM so typischen und charakteristischen harschen Vocals und es wird wie üblich gänzlich auf Rhythmus verzichtet. Dabei sind die Klangwände, inmitten derer Bladh seine Visionen von Leiblichkeit herausbrüllt, mit eben diesen Veröffentlichungen dynamischer und auf gewisse Weise melodischer geworden. „Shining With Insignificance“, die Gemeinschaftsproduktion von Anemone Tube und Human Larvae, beginnt mit dichten, unterschwellig melodischen Flächen, dann setzen verzerrte Vocals ein, bevor dann ab der Hälfte die Aggression der Melancholie weicht. IRM-Mitglied (Erik) Jarl liefert mit „A Case of Inbreeding: A Homage to my Doppelganger“einen 25-minütigen (nur scheinbar) zurückhaltenden dunkel dröhnendenTrack ab.</p>
<p>Die bisherigen „Epicurean“-Compilations zeigten, dass es mehr als nur um eine An-Sammlung von beliebigen Tracks ging, stattdessen wurde versucht, Musik, Film und Bilder zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzubringen. Waren auf Teil 2 eine DVD mit der von Mike Dando für seine Con-Dom-Performances konzipierten Filmcollagen zu finden und stellte der Katalog eine Reihe unterschiedlichster (auch) visuell arbeitender Künstler vor, so stehen Katalog wie auch DVD der aktuellen Veröffentlichung ganz im Zeichen Martin Bladhs, der wohl wie kein anderer Vertreter des (Post)Industrials versucht (hat), sich dem Mensch und seinem Körper, seiner Leiblichkeit zu widmen, dem „body disastrous“ (wie es auf einem Track von IRMs Doppelalbum „Virgin Mind“ heißt). Dabei rührt das Ver-Störende von Bladhs Arbeiten – die natürlich den Wiener Aktionisten eine Menge schulden &#8211; einerseits von der Fokussierung auf das, was den Menschen letztlich (fast alleinig) ausmacht. Wie David Cronenberg schon oft und jüngst noch in einem <a href="http://www.epd-film.de/meldungen/2014/vieles-hollywood-funktioniert-praechtig">Interview</a> sagte: „In meinen Augen sind wir unsere Körper, die machen unsere Existenz aus.“ Ein anderer Aspekt von Bladhs Werk, der den Zuschauer und Hörer vor den Kopf stößt, ist die Ambivalenz seiner Arbeiten: Oft wirkt es, als identifiziere der Künstler sich nicht nur mit dem Opfer, sondern ebenfalls mit dem, der für die Zerstörungen des Leibes verantwortlich ist. Bezeichnenderweise trägt der Katalog dann auch den Titel „Victim and Executioner“. In einem ursprünglich 2007 entstandenen und im Katalog abgedruckten Essay schreibt Carl Abrahamsson: „The dubious grey area of the human psyche&#8217;s reactive patterns is one of the main ingredients of Martin Bladh&#8217;s art.“ Auch Bladh selbst meint bezogen auf das Schauspielern, das Theatralische, das seine Arbeiten oft ausmacht: „My mask allows me to inhabit a certain persona, to find mutual references in the &#8216;other&#8217; which I now feel a new kinship with.“</p>
<p>Der chronologisch erste Film „Pig and Tomboy“ zeigt (vielleicht beeinflusst von Rozz Williams&#8217; Kurzfilm „Pig“) einen mit einer Schweinsmaske verkleideten Mann, der den „Tomboy“ vor einem Spiegel malträtiert. In dem halbstündigen „Des“ präsentiert Bladh sich maskiert und mit Mayhem-Shirt Waffen haltend, während die Stimme aus dem Off aus Dennis Nielsens Erinnerungen vorliest. Als wäre das nicht genug, werden plötzlich alte Filmaufnahmen, die den Künstler (?) als Kind mit Waffe spielend zeigen und wie er Jahre später seinen eigenen Körper mit Wundmalen versieht, hineingeschnitten. In den Anmerkungen heißt es: „The original idea behind<em> DES</em> was to make an autobiographical piece that explored my own narcissistic tendencies and obsessions“. Im fünfteiligen, in den Jahren 2005-2006 entstandenen, „Cycle“ spielt Bladh sowohl den Rent Boy/Masochisten als auch den Mann/Sadisten hinter der Kamera. Hier wird erneut eine Narrativik des Schmerze(n)s entfaltet, wobei es Leerstellen gibt, manches lediglich off-screen stattfindet. Der knapp drei Minuten lange Film „Hole³“, von Batailles Text „La Bouche“ inspiriert, zeigt den Mund als Organ des Schrei(en)s und unweigerlich muss man an den (natürlich auch von Bladh verehrten) Francis Bacon denken, insbesondere an seine Papststudien (an der Verbindung von Bacon und Bataille hat man sich <a href="http://www.alexalienart.com/bacon%20bled%20bare.htm">hier</a> ausgiebigst abgearbeitet). Die Kamera fährt tiefer in den Mund hinein, zeigt den vertrauten Körperteil als Wunde, als Loch: „rage makes men grind their teeth, while terror and atrocious suffering turn the mouth into the organ of rending screams.“ „Matt. 5: 29-30“ ist nach der Passage aus dem Evangelium des Matthäus benannt, in der es heißt: „Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf&#8217;s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.“ (Etwas, das Dr. James Xavier am Ende von Roger Cormans „Der Mann mit den Röntgenaugen“ beherzigt). Die Kamera filmt Bladh von hinten mit leichter Obersicht. Der Zuschauer kann nur erahnen, was er da tut, aber das Resultat ist rot. Eine vor über zehn Jahren erschienene IRM-Veröffentlichung hieß dann auch bezeichnenderweise „An Act Of Self Mutilation Is An Act Of Freedom.“</p>
<p>Diese Zeilen dürften deutlich gemacht haben, dass Bladhs Filme (wie auch seine weitere Kunst) übel aufstoßen, abstoßen (können), was sicherlich nicht das Schlechteste ist, wenn man an all die Kunst denkt, die lediglich zu indifferenten, leidlich wohlwollenden Kommentaren Anlass gibt. Biblisch ließe sich dazu mit dem letzten Buch der Bibel sagen: „Ich kenne euer Tun: Ihr seid weder warm noch kalt. Wenn ihr wenigstens eins von beiden wärt! Aber ihr seid weder warm noch kalt; ihr seid lauwarm. Darum werde ich euch aus meinem Mund ausspucken.“ Oder aber -um etwas profaner (mit dem Motto von Clive Barkers „Büchern des Blutes“) zu enden: „Blutbücher sind wir Leiber alle; wo man uns aufschlägt: lesbar rot.&#8221; (J.M.)</p>
<p>Label: <a href="http://www.transformed.de/">The Epicurean</a>, <a href="http://www.silkentofu.org/">Silken Tofu</a></p>
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