<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Anne Bandez</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/anne-bandez/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sat, 04 Apr 2026 05:43:57 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>LITTLE ANNIE: Sing Don&#8217;t Cry. A Mexican Journey (Buch)</title>
		<link>https://africanpaper.com/2012/10/13/little-annie-sing-dont-cry-a-mexican-journey-buch/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2012/10/13/little-annie-sing-dont-cry-a-mexican-journey-buch/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 13 Oct 2012 05:51:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Adrian Sherwood]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Bandez]]></category>
		<category><![CDATA[Annie And The Asexuals]]></category>
		<category><![CDATA[Annie Anxiety]]></category>
		<category><![CDATA[Baby Dee]]></category>
		<category><![CDATA[Bob Marley]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Coil]]></category>
		<category><![CDATA[Crass]]></category>
		<category><![CDATA[Current 93]]></category>
		<category><![CDATA[Existencil Press]]></category>
		<category><![CDATA[Larsen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Little Annie]]></category>
		<category><![CDATA[Magischer Realismus]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Wallfisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=5486</guid>
		<description><![CDATA[Little Annie, die in einer ganzen Reihe an Künsten unterwegs ist, ist keineswegs ein Chamäleon, auch wenn das gelegentlich behauptet wird. Wenn sie als Sängerin mit ganz unterschiedlichen Musikern von Crass bis Coil und Adrian Sherwood, von Larsen bis Baby &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/10/13/little-annie-sing-dont-cry-a-mexican-journey-buch/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/10/littleanniesingdontcry.png"><img class="alignleft size-full wp-image-5487" title="littleanniesingdontcry" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/10/littleanniesingdontcry.png" alt="" width="150" height="202" /></a>Little Annie, die in einer ganzen Reihe an Künsten unterwegs ist, ist keineswegs ein Chamäleon, auch wenn das gelegentlich behauptet wird. Wenn sie als Sängerin mit ganz unterschiedlichen Musikern von Crass bis Coil und Adrian Sherwood, von Larsen bis Baby Dee und natürlich Paul Wallfisch aktiv ist, spricht das zwar immer für einen flexiblen Draht zur kreativen Sprache anderer, und doch steuert sie dort stets ebenso viel von sich bei. Ihr Beitrag ist jedoch weit mehr als ihre mal forsche, mal etwas erschöpfter klingende Stimme in Alt. Ihr Name steht auch für eine ganz eigene elegante Abgewetztheit, einen ehrlichen, unbeschönigenden Optimismus und eine Stehauf-Mentalität, die auch den miesesten Szenarien noch etwas Kraftgebendes abzugewinnen weiß. All dies durchzieht auch<span id="more-5486"></span> Annies erste genuin literarische Veröffentlichung namens „Sing Don&#8217;t Cry“ &#8211; vordergründig betrachtet halb Reisebericht, halb Prosagedicht, doch bei genauerem Hinsehen vor allem eine ohne Eitelkeit wiedergegebene Erkundungsreise durch das eigene Selbst. Dabei versteht sie es, Bilder derart lebendig werden zu lassen, dass man als Leser das Gefühl bekommt, in Echtzeit dabei zu sein.</p>
<p>Im Zentrum stehen zwei Aufenthalte in Mexiko Ende der 90er, zu denen sie sich, wie es scheint, recht spontan entschieden hat, als es ihr im großstädtischen Amerika der Ostküste unbehaglich wurde: Das Leid von Freunden und diverse Zero Tolerance-Schikanen, dazu die vielen kleinen Sisyphos-Anforderungen des Alltags, die an David Bowies Zeile „always crashing in the same car“ denken lassen. Szenarien, über die Tom Waits ganze Alben und Harmony Korine eine Reihe an Drehbüchern hätte schreiben können, doch all dies zu beschreiben kann man getrost Annie selbst überlassen, der all dies ohne resignierte Abgeklärtheit gelingt. Was man bei all dem am meisten spürt, ist ein großes spirituelles Vakuum, dass danach schreit, mit Bedeutung gefüllt zu werden. In Mexiko, über das sie, wie sie schreibt, nicht viel mehr wusste als die gängigen Gemeinplätze, hatte sie dann gleich das Gefühl einer ganz merkwürdigen Heimkehr. Und dieses Gefühl seltsamer Vertrautheit durchzieht das ganze Buch, ob die Erzählerin nun in einem kleinen Fischerort am Golf weilt oder in der Millionenstadt, die der Europäer meist unter dem anglifizierten Namen „Mexico City“ kennt. Am deutlichsten wird dieses Gefühl, wenn sie den Anblick einer zufällig entdeckten Kirche beschreibt, die fast auf&#8217;s Haar dem Motiv eines ihrer Bilder gleicht. Zu einem zentralen Symbol wird das Gebäude auch deshalb, weil an der Stelle erstmals der (unorthodoxe) christliche Subtext deutlicher aufscheint, der sich im Laufe des Buches Epiphanie für Epiphanie entfalten wird.</p>
<p>Man könnte nun, angesichts der märchenhaften Farbenpracht des Schauplatzes, in dem alle Welt Bob Marley hört, ein prächtiges und im schlimmsten Fall auch etwas ethnokitschiges Idyll erwarten, aber Annie bleibt stets Realistin und denkt gar nicht daran, das Land ihrer Grand Tour, das „amerikanische Ägypten“, einseitig zu verklären und zur Projektionsfläche eines wie auch immer gearteten Zivilisationsüberdrusses zu machen. Mexiko ist auch das Land, in dem sie den ersten Wal-Mart gesehen hatte, obwohl sie dort gewiss nicht den American Way of Life gesucht hat. Zwischendrin geht sie hart mit der Geschichte des Landes ins Gericht, vergleicht den Eroberer und Tagedieb Hérnan Cortez mit Idi Amin und Milosevic, und der Tagtraum, in dem sie Cortez&#8217; Schädel in der Hand hält und nicht wirklich stolz auf den Besitz der seltsamen Reliquie ist, gehört zu den humorigsten Passagen des Buches. Auch positive Klischees werden entlarvt, und diejenigen, die sie suchen – &#8220;Snug Hippies&#8221; und Pseudoaussteiger – stören eher.</p>
<p>Die Alchemie der persönlichen Verwandlung wird allerdings in vollen Zügen festgehalten und dabei natürlich auch das Land, dem sie ihren eigenen spirituellen und künstlerischen Neubeginn verdankt. Die Hauptstadt wird keineswegs zu einem exotischen Idyll verklärt, erscheint jedoch ebenso wenig als der oft beschworene Alptraum aus Chaos, Schmutz und Kriminalität, und ausgerechnet im vermeintlichen Moloch, durch die der Leser wie durch ein enormes Musikvideo geführt wird, erliegt sie vollends der Magie des heidnisch-katholischen Synkretismus und der Anziehungskraft des Indigenen. Eine ihrer literarischen Stärken ist es, dass der lyrischen Text mit seinen zahllosen Tempowechseln und seinen bunten Beschreibungen sowohl musikalisch als auch visuell gefangen nimmt – ist man erst einmal von Annies Erzählweise gebannt, so entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers eine surreale Animation, die selbstredend auf ihren farbenfrohen Gemälden basiert, in denen kubistische Betonklötze, Gottesmütter und blühende Vegetation eine eigene Welt schaffen, die modern und archaisch, christlich und heidnisch zugleich ist.</p>
<p>Für Little Annie begann nach ihren Mexico-Reisen eine neue Phase künstlerischer Produktivität, deren Resultat einige Bilderzyklen und bislang drei Torch Song-Alben sind. Kurz nach ihrer Rückkehr nach New York ereignete sich auch das Attentat auf das World Trade Centre &#8211; auch dies wird nicht zugunsten eines albernen Happy Ends ausgespart, und es ist auch gar nicht nötig, um den positiven, lebensbejahenden Grundtenor des Buches aufrecht zu erhalten. Sollte man für „Sing Don&#8217;t Cry“ eine Stilbezeichnung finden, so würde ich ganz altbacken für den Magischen Realismus plädieren, eine Richtung, die sicher nicht aus Zufall in Lateinamerika ihre besten und bekanntesten Exponenten hervorgebracht hat. „I remember not remembering what I was runnig from“ lautet eine Zeile kurz vor Ende des Buches, die man als Fazit einer gelungenen Verwandlung verstehen kann. Wem das Buch ebensolche Freude bereitet hat wie mir, der darf sich schon auf Annies vollständige Autobiografie freuen, die für Ende des Jahres angekündigt ist, sowie auf das neue Album zusammen mit Baby Dee. (U.S.)</p>
<p><strong>Verlag: <a href="http://www.exitstencilpress.com/">Existencil Press</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2012/10/13/little-annie-sing-dont-cry-a-mexican-journey-buch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>LITTLE ANNIE &#8211; Interview</title>
		<link>https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-interview/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-interview/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 07:06:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Bandez]]></category>
		<category><![CDATA[Annie And The Asexuals]]></category>
		<category><![CDATA[Annie Anxiety]]></category>
		<category><![CDATA[Antony]]></category>
		<category><![CDATA[Coil]]></category>
		<category><![CDATA[Crass]]></category>
		<category><![CDATA[Current 93]]></category>
		<category><![CDATA[DJ Khan]]></category>
		<category><![CDATA[Little Annie]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Wallfisch]]></category>
		<category><![CDATA[The Legally Jamming]]></category>
		<category><![CDATA[The Wolfgang Press]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=1043</guid>
		<description><![CDATA[Bei manchen Künstlern fällt eine adäquate Einleitung aufgrund der schieren Quantität ihres Outputs oder aber der  Anzahl der Jahre, die sie tätig sind, schwer. Bei anderen ist es die Qualität – nicht notwendigerweise beschränkt auf Qualität im Sinne von gut &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-interview/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/annie_einleitung_oben_bild.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1044" title="annie_einleitung_oben_bild" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/annie_einleitung_oben_bild.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Bei manchen Künstlern fällt eine adäquate Einleitung aufgrund der schieren Quantität ihres Outputs oder aber der  Anzahl der Jahre, die sie tätig sind, schwer. Bei anderen ist es die Qualität – nicht notwendigerweise beschränkt auf Qualität im Sinne von gut oder schlecht, sondern verstanden als Variation im Schaffen(sprozess). Bei Little Annie, auch als Annie Anxiety bekannt, treffen beide Faktoren aufeinander. Nachdem sie in New York mit der Punkband Annie and the Asexuals um 1980 (ein aufgenommener Track erschien Jahre später auf einer auf Nigel Ayers’ Label Sterile erschienenen Compilation zur Unterstützung des Streiks der britischen Minearbeiter) kurzzeitig aktiv war<span id="more-1043"></span>, ging sie nach London und nahm mit Penny Rimbaud von Crass ihre erste 7’ „Barbed Wire Halo“ auf, deren zwei Tracks sich aber schon jedweden Kategorisierungsversuchen widersetzten. Ihr erstes Soloalbum „Soul Possession“ erschein 1984 dann aber auf Adrian Sherwoods Label On U-Sound und war ebenso wie das 1992 ebenfalls dort veröffentlichte „Short and Sweet“ stark vom Dub geprägt. Zwischendurch arbeitete sie auf Current 93s Debüt „Nature Unveiled“ mit, nahm mit Nurse With Wound auf, war auf dem dritten Coil-Album „Love’s Secret Domain“ zu hören, veröffentlichte ein Album auf One Little Indian und nahm 2003 eine CD mit Khan als Little Annie &amp; the Legally Jammin’ auf. Auf Durtro Jnana kam das zusammen mit Antony und Joe Budenholzer aufgenommene Album „Songs From the Coal Mine Canary“ heraus, das einen neuen Schaffensabschnitt einzuläuten schien:  Hier schien die Musik noch besser zu ihrer verrauchten und sinnlichen Stimme zu passen: Eine Femme Fatale (durchaus manchmal an Lydia Lunch erinnernd) trug Torch Songs vor, man fühlte sich in von Tabakrauch geschwängerte (Jazz-)Bars versetzt, in denen Whiskyflaschen halbvoll die Tische bevölkerten. Mit dem Pianisten Paul Wallfisch spielte sie kurz darauf das ebenfalls auf Durto Jnana erschienene Album „When Good Things Happen to Bad Pianos“ mit Coversongs ein und wer Little Annie schon einmal live erlebt hat, weiß, was sie aus Tina Turners „Private Dancer“ alles machen kann. Auf ihrer zweiten Zusammenarbeit mit Paul Wallfisch namens „Genderful“ (siehe auch die Rezension) wurden dann wieder Eigenkompositionen vorgetragen. </strong></p>
<p><strong><em>Gerade ist dein Album “Genderful” erschienen, das wir sehr mögen. Was kannst du uns über den Entstehungsprozess und die Hintergründe sagen?</em></strong></p>
<p>Diese Songs und ihre Texte sind der Soundtrack zu meinen Gedanken und Erfahrungen der letzten Jahre, so mussten sie nur bis zu einem Punkt bearbeitet und in Form gebracht werden, wo es musikalisch Sinn ergab. Ich mailte sie dann Paul, mit dem mich, wie ich immer wieder feststelle, eine bemerkenswerte Telepathie verbindet, denn er kommt mit Musik und mit Arrangements, die sehr natürlich sind und nahezu perfekt passen. Dann treffen wir uns und verbessern das ganze, und wenn es passt, was glücklicherweise der Fall war, dann spielen wir die Songs, um zu sehen, was noch dazu passt: Streicher, Bläser etc. Paul und ich arbeiten schnell, wenn es um das Komponieren geht. Wieder entwickeln wir einen gemeinsamen Geist, wenn wir zusammen spielen. Gerade dieses Mal war die kreative Arbeit eine wahre Freude, und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.</p>
<p><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/Annie-mit_paul.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1518" title="Annie-mit_paul" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/Annie-mit_paul-219x300.jpg" alt="" width="219" height="300" /></a>Du kooperierst nun seit einigen Jahren mit Paul Wallfisch, der vor allem von seiner Band BOTANICA her bekannt ist. Wie habt ihr euch kennen gelernt, und was denkst du, warum eure Zusammenarbeit so gut harmoniert?</em></strong></p>
<p>Ich traf Paul, als er mit CONGO NORVELL spielte, das ist die Band von meinem guten Freund Kid Congo Powers zusammen mit Sally Norvell. Seine Art zu spielen klang ziemlich genau wie das, was ich in meinem Kopf hörte. Zehn Minuten, und ich wusste, ich muss mit ihm arbeiten. Ich hatte buchstäblich Gott nach einem passenden Komponisten und Musiker gefragt, und er sandte mir Paul.</p>
<p><strong><em>Im Laufe deiner Karriere hast du sehr unterschiedliche Alben aufgenommen und mit Musikern mit sehr unterschiedlichen Hintergründne zusammengearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass deine drei letzten Alben – wenngleich es Unterschiede gibt (das letzte war eine Sammlung von Coversongs, „Songs From The Coalmine Canary“ wurde mit Antony und Joe Budenholzer aufgenommen) -  ein eher zusammenhängendes Ganzes bilden. Würdest du sagen, dass du deinen endgültigen Stil gefunden hast?</em></strong></p>
<p>Ich bin mit Kollaborateuren gesegnet, die mir das Gerüst geben, auf dem ich die Bandbreite meines Stils erweitern kann. Was die Technik angeht, hoffe ich, dass ich mich immer verbessern und selbst weiter herausfordern werde. In jedem Fall haben mich Ereignisse meines Lebens an Orte gebracht, die mich in meine Stimme hinein wachsen ließen. Zum Beispiel nahm ich Charles Aznavours „Heir Encore“ in den 80ern auf. Wenn ich es heute erneut aufnehme, bemerke ich erst, wie ich heute qualifizierter bin über Reue zu singen als vor zwanzig Jahren. Reife gibt dir nicht nur das Können, sondern auch die Erfahrung. Du bekommst außerdem das Selbstvertrauen zu wissen, was du willst, weshalb dann auch alles besser zusammenhängt.</p>
<p><strong><em>Gibt es so etwas wie einen roten Faden, der all die unterschiedlichen Stile von ANNIE &amp; THE ASEXUALS bis heute durchdringt?</em></strong></p>
<p>Nur in dem Sinne, dass das immer ich war, und ehrlich gegenüber dem, was ich in der Zeit war! Ich war so jung, als ich anfing. Ich lernte dazu, als ich weiter ging, insofern gibt es vielleicht einen roten Faden. Ich hab keinen besonderen Sinn für Genres, deshalb bin ich musikalisch auch an allen Ecken und Enden unterwegs gewesen, oder zumindest ist es das, was alle von mir sagen. Aber ich habe eine gewisse kultivierte und urbane Sensibilität, und das ist das Verbindende in allem was ich mache.</p>
<p><strong><em>Es gibt einige Lyrics auf deinem neuen Album, in denen du anscheinend mit der Rolle der Femme Fatale spielst (Du singst “don’t hate us ‘cause we’re stunning” in “Cutesy Bootsies” und in “Zen Zexy Zage” heißt es “with Mr Mesmer’s gaze I mesmerize”).  Wieviel davon ist eine Rolle oder eine angenommene Persona, und wieviel davon ist echt?</em></strong></p>
<p>In der ersten Zeile, die ihr aus „Bootsy“ zitiert, schlüpfe ich in die Rolle der neuen „New Yorkers“, die die New Yorker Straßenkultur, wie ich sie kannte, verflacht haben wie eine Dampfwalze. Und bei „Zexy Zen“ sind einige Verse ganz klar ich, andere sind Spaß. Aber es ist alles real oder zumindest baut es auf der Wirklichkeit auf, die ich wahrnehme. Aber ich bin immer involviert. Ich muss einen Bezug zu den Lyriks aufbauen können, auch wenn es sich um ein Cover handelt.<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>Die Frage bezieht sich etwas auf die vorherigen: Was führte zu dem Albumtitel „Genderful”? </em><em>Auf „Billy Martin Requiem” singst du „they don’t make ‘em like Billy anymore”. Wie stehst du zum Unterschied zwischen Sex und Gender? </em></strong></p>
<p>Die Zeile, die du zitierst, fasst meine ganze Vorstellung von Gender zusammen (obwohl es in dem Song nicht wirklich um Gender geht, sondern mehr um Veränderung und Verlust). Zuerst singe ich über Billy Martin, der Manager des Baseball-Teams der New York Yankees war, ein hart lebender, hart trinkender, heißblütiger Charakter, und beim zweiten Teil singe ich über Sylvester, ein freudvoller überlebensgroßer Schwuler, der seine fantastischen Hymnen mit einer großartigen Stimme sang, und der ebenfalls ein „richtiger Mann“ war, in anderen Worten ein mutiger Individualist, der aus dem Rahmen fiel. Auch eine Frau kann ein richtiger Mann sein. Ein „Mensch“, welches hier in New York ein Yiddisches Wort ist, für das es vielleicht keine Übersetzung gibt. Die Heilige Theresa von Avilla, eine Heilige und Dichterin, sagt, dass sie maskulin in ihrem Glauben ist. Für mich ist Gender das, was du in der Welt nach eigener Entscheidung präsentieren willst. Wenn sich mir gegenüber jemand glaubhaft als Frau präsentiert, dann ist sie das für mich. Was zählen da gewisse Körperteile gegenüber dem, was du in dir fühlst. Ich bin nicht sicher, ob ich jetzt eine Frage beantwortet habe. In anderen Worten, wir sind alle von einem Schlag. Wie New York eben für gewöhnlich ist.<em></em></p>
<p><strong><em>Du hast früher viel im Theater- und Performancebereich gemacht. Würdest du sagen, dass deine Musik ebenfalls eine starke theatralische Qualität besitzt?  Amanda Palmer von THE DRESDEN DOLLS sprach kürzlich von einem Revival theaterinspirierter Musiker mit einem gewissen „Vintage“-Cabaret-Aspekt und nannte in dem Zusammenhang auch Antony. Kannst du mit einer solchen Beschreibung etwas anfangen – vorausgesetzt, dass man sie nicht zu eng fasst?</em></strong></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/Litte_Annie_Allen_Street.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1519" title="Litte_Annie_Allen_Street" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/Litte_Annie_Allen_Street-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a>Mein Gesang kam früher, so war er es, der mein Schauspielern, meine Bewegungen und meinen Rhythmus beeinflusste. Wenn ich schauspielerisch agiere, bin ich jemand anderes, wenn ich singe, bin ich absolut ich selbst, vielleicht sogar mehr, als außerhalb einer Bühne. Ich fühle mich so zufrieden auf der Bühne, dass es manchmal hart für mich ist, wieder runter zu müssen. Sicher bin ich beeinflusst von dem, was Vintage Cabaret genannt werden kann, wenn man damit die Tradition von Weill &amp; Brecht meint in dem Sinne, dass sie den Zustand der Welt mit einem stilisierten und ironischen Kommentar versehen haben. Sie waren sozusagen die Reporter ihrer Zeit. Das gleiche hat Otto Dix mit Farbe gemacht.  Aber dann bin ich auch ebenso stark beeinflusst von Soul, Gospel, Rap, Oper. Von der Art, wie jemand einen halben Häuserblock von mir entfernt die Straße runter geht. Von meinen Träumen in der letzten Nacht, den Nachrichten, der Krümmung einer Schulter usw. Ich bin von allem beeinflusst. Profund und profan und alles dazwischen. Ich würde zustimmen, dass eine gewisse Empfänglichkeit für das Kabarettistische in der letzten Zeit zu beobachten ist, oder vielleicht war es auch schon immer da und wurde bloß verdrängt. Ich denke, dass die Dinge mittlerweile offener sind als noch vor einiger Zeit, und so dringt unterschiedlicheres Zeug an die Öffentlichkeit.</p>
<p><strong><em>Wenn man „The God Song” hört und sich einige deiner Gemälde ansieht, hat man den Eindruck, dass Spiritualität sehr wichtig für dich ist. Welche Rolle spielt Religion in deinem Leben und deinem Alltag?</em></strong></p>
<p>Gott ist das A und O in meinem Leben, auch wenn ich das oft vergesse und mich im Netz der von Menschen gemachten Ärgernisse verfange. Aber ich komme immer wieder zurück, denn es ist das einzig Konstante im Leben. ABER: Religion und Gott ist nicht das Selbe. Es gibt in jeder Religion Dinge, die ich mag und die ich nicht mag. So ist es selbstverständlich wichtig für mich. Letztlich entscheidet das natürlich jeder für sich. Paul ist Atheist und ebenso glücklich. Je mehr du über Gott sprichst, desto weiter entfernst du dich von ihm. Für mich funktioniert es und manchmal ist es das Einzige, das funktioniert.</p>
<p><strong><em>Da wir ja in erster Linie ein Musikmagazin sind, könntest du unseren Lesern etwas zu deinen visuellen Arbeiten sagen – was inspiriert dich, in welchen Bereichen arbeitest du, und gibt es aktuelle Arbeiten? Würdest du sagen, dass das Erzählerische deine Malerei mit deiner Musik verbindet?</em></strong></p>
<p><em></em>Lieber Himmel. Ich bin Autodidaktin und behaupte nicht einmal, klug zu sein. Ich weiß nur, was ich will und was sich richtig anfühlt. Ich begann zu malen, als ein Major Label mich auf Eis legte, und das Nichtstun mich verrückt machte. Kishi Yamamoto gab mir die ersten Farben und ein Exmann hatte eine Menge unbenutze Kunstbestände herrumfliegen und so begann ich einfach zu malen, aber erst 1998 nahm es nennenswerte Formen an. Ich malte zehn bis zwanzig Stunden am Tag und hielt diesen Stundenplan bei, bis ich wieder exzessiv mit dem Touren begann. Ich probiere nach wie vor die unterschiedlichsten Dinge aus, um zu sehen, was funktioniert. Mein Haupteinfluss sind Formen. Deshalb male ich gerne Gebäude und Felsformationen. Und dann sind da meine Heiligen, sie kommen einfach zu mir. Ich beginne einfach zu malen, ohne etwas Bestimmtes im Hinterkopf. Ich habe das Glück, überhaupt keine Ausbildung zu haben, so weiß ich es nicht einmal, wenn ich die Regeln breche. Ich nutze jedes Medium außer Öl. Ich arbeite an einer neuen Serie, aber die ist noch in der Anfangsphase. Für jedes Bild, das ich zeige, gibt es zehn, die niemand zu sehen bekommt und so Gott will, haben 11 mir etwas zu sagen! Ich komme gerade aus dem Südwesten zurück und bin geradezu besessen von massiven Felsformationen. Wie große Gebäude machen sie mich ehrfürchtig.</p>
<p><strong><em>Auf deiner Myspace-Seite kann man auch Gemälde deiner Mutter sehen, Janet Bandes. Was kannst du uns zu ihr und zu ihrer Kunst sagen? </em></strong></p>
<p>Meine Mutter und ihre Arbeiten sind fantastisch. Sie hat den besten Sinn für Farbe und Form, der mir je begegnet ist. Die Sachen auf meiner Seite sind Pastellzeichnungen, mit denen sie vor fünf Jahren zu arbeiten begann. Sie ist Mitte 80 und arbeitete bis vor ein paar Jahren in Öl. Schöne, kraftvolle Arbeiten. Sie war ihrer Zeit voraus, und als Frau und erst recht als Frau aus der Arbeiterklasse bekam sie nicht die Beachtung, die sie verdient hatte. Ich hoffe, dass sich die Dinge in der Welt etwas geöffnet haben.<br />
<em></em></p>
<p><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/annie_gemaelde.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1520" title="annie_gemaelde" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/annie_gemaelde-300x217.jpg" alt="" width="300" height="217" /></a>Einige Kritiker haben bereits religiöse Tableaus und dystopische Stadtlandschaften als zwei Hauptmotive deiner Gemälde bezeichnet, manchmal wird beides auch mehr oder weniger stark kombiniert. Würdest du sagen, dass eine starke Sinnlichkeit und eine Liebe zum Leben, auch in seiner tragischen Natur, ein immer präsenter Aspekt ist?</em></strong></p>
<p>Absolut!<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>Deine Bilderreihe „God and Science” bezieht sich unter anderem auch auf die New Yorker Anschläge von 2001. Beschäftigst du dich immer noch mit dieser Zeit, und inwiefern haben die schrecklichen Ereignisse dein Leben in New York verändert?</em></strong></p>
<p>Ich sehe immer noch einige der „Bubble Girls“ (wir wurden so genannt, weil wir uns in diesem großen, weißen, blasenförmigen Zelt um Proviant für die Leute kümmerten), außerdem Kumpels, die ich vor 9/11 kannte, die in Bereichen arbeiteten, wo man eine Uniform trägt, d.h. Feuerwehrmänner, Polizisten, Notfallhelfer. Ich treffe auch schon mal zufällig Leute, die ich damals kennen gelernt habe<strong>. </strong>Es ist wie eine Familie, man sieht sich nicht die ganze Zeit, aber du bist miteinander verbunden. Wegen der Art unserer gemeinsamen Erfahrung und den tausenden zusammen verbrachten Stunden wird jeder von uns immer Teil des Lebens der anderen sein. In einem breiteren Zusammenhang als New Yorker ist es nichts, woran wir die ganze Zeit denken, aber mich schaudert es immer wieder, wenn ein Flugzeug zu tief fliegt, oder wenn die Feuerwehrwagen vorbeirauschen. Man betet dann so viel stärker, dass deine Lieben in Sicherheit sind. Manchmal wird es dich unvermittelt treffen, wenn dir jemand begegnet, der aussieht wie eines unter den dreitausend Gesichtern der Vermissten, das dir vertraut ist, weil du es auf einem Poster oder einem Handzettel gesehen hast, den dir die Eltern eines vermissten Kindes gegeben haben, oder Frauen, die ihren Mann verloren haben, Schwestern und Brüder etc. Dann denke ich Monate lang nicht daran, bis du einen Anruf bekommst, dass jemand. der dabei war, nun Krebs hat oder gestorben ist, und die ganze Erinnerung kommt zurück. Wie bei AIDS, Katrina, Haiti, Tsunami ect. Ich denke nicht, dass wir je in der Lage sein werden den Schaden zu ermessen, den unsere Psyche genommen hat.  Du kannst zwei Wolkenkratzer zusammenkrachen sehen, ohne dich auf einer tieferen Ebene zu verändern. Ich habe mich nicht so verändert, man kann nicht immer in einem Zustand der Angst leben, aber ich bin definitiv wachsamer.<em></em></p>
<p><strong><em>Zurück zu „Genderful”: In „Tomorrow will be” zitierst du einige Zeilen aus Emma Lazarus’ Gedicht „The New Colossus”. Welche Funktion haben die Zeilen in deinem Song? Würdest du sagen, diese Zeilen sind immer noch (oder gerade) wichtig für die USA heute?</em></strong></p>
<p>Ich benutzte diese Worte um den Song einzuleiten, weil sie von der Bedeutung und vom Rhythmus her passten. Sie sollten wichtig sein! Dieses Land war als ein sicherer Hafen gedacht, aber wir alle wissen, dass Ideal und Wirklichkeit sich nicht immer entsprechen. Präsident Obama im Amt zu haben gibt mir etwas mehr Hoffnung für unser Land, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war.</p>
<p><strong><em>Deine Texte (vor allem auf den neueren Alben) sind voller Anspielungen auf Musik und andere kulturelle Ereignisse der Vergangenheit, oft kommt es mir wie eine dankbare Hommage vor. War das so gedacht?</em></strong></p>
<p>Jeder steht auf den Schultern derer, die vorher da waren. Ich wollte eine Lanze brechen für all die wunderbaren Talente, die mein Leben bereichert haben.<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>Euer „Bad Pianos”-Album war vielleicht die deutlichste Form der Hommage. Wie kam es zu der Auswahl der Songs?</em></strong></p>
<p>Das Kriterium war, dass wir einen Bezug zum Inhalt hatten, und das Gefühl, etwas von uns selbst in die Songs einbringen zu können.<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>In der Vergangenheit hast du mit einer ganzen Reihe an Künstlern gearbeitet, die eher als „experimentell“, „avantgardistisch“ oder „subkulturell“ gelten (beispielsweise CRASS oder COIL). Siehst du dich selbst dennoch eher in einer populärkulturellen Tradition?</em></strong></p>
<p>Ich glaube, ich habe nie aufgehört, darüber nachzudenken. So verrückt es klingen mag, ich wollte meine Sachen immer so zugänglich wie möglich halten, weil ich dabei war, etwas zu schaffen und deswegen gab es nichts Beschränktes. Ich höre mir heute meine frühen Sachen an, und bemerke, wie weit weg das Zeug eigentlich von populärer Kultur war. Ich halte nichts von so einem Kram wie „ist mir egal, ob irgendwer das hört, ich spiele für mich“. Wenn das so wäre, dann würden wir dieses Interview nicht machen, weil ich allein im Wald zu mir selbst singen würde! Ich musste das Wort „Avant-Garde“ nachschlagen, als ich es zum ersten Mal hörte, es ist lustig, sich daran zu erinnern. Ich verließ die Schule mit vierzehn und kannte die Avant-Garde nicht, als sie auf mich zukam und mich biss! Ich fuhr wirklich in der U-Bahn mit einer großen silberfarbenen Afroperücke und einer Federboa, die mir eine Freundin hinterlassen hatte, eine Arbeiterin, die ermordet wurde. Ich hatte keinen Job und keine Pläne, aber ich wurde mit Füßen zum Wandern geboren, die mich in ein paar interessante Situationen gebracht hatten. Und in einige gefährliche und schlechte. Gott beschützt die Narren und Sänger.<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>Im Zusammenhang mit dem oben angesprochenen kulturellen Erbe interessiert mich “Freddy and Me”. In dem Song zählst du anfangs all die vielen Sinngebungsangebote der gegenwärtigen westlichen Kultur auf, die in ihrer Vielfalt und Gleichzeitigkeit arbiträr wirken. Denkst du, dass es auch ein Fluch unserer Zeit sein kann, ein derart umfangreiches geistiges Erbe hinter sich her zu ziehen? Wünschst du dir manchmal, es wäre einfacher zu entscheiden, woran man glauben, und womit man sich identifizieren kann?</em></strong></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/littleannieeins.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1521" title="littleannieeins" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/littleannieeins.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a>Es ist der Mangel an Zeit in Kombination mit einer Überflutung an Informationen. Wir haben keine vierzig Tage frei, um in die Wüste zu gehen und einen Sinn für die anscheinend willkürliche Natur unseres Lebens zu finden. So endet es dann darin, dass wir Antworten auf die Fragen der conditio humana in kleinen Häppchen suchen. So ist es in gewisser Weise auch ein Fluch, aber die Kehrseite ist, dass wir eine Lebenserwartung von mehr als bloß dreißig Jahren haben. Ich denke nicht, dass das Erbe der eigentliche Fluch ist, sondern dass uns nur die Art verrückt macht, wie wir damit versorgt werden. Es gibt nur einen beunruhigenden Mangel an Zeit.</p>
<p><strong><em>Denkst du, dass spielerische Ambivalenz die beste Haltung ist, um heute die Balance zwischen einem Gefühl von Zugehörigkeit und dem einer eigenen Identität zu wahren?</em></strong></p>
<p>Hmmmmm. Ich weiß nicht, ob es so sehr Ambivalenz als vielmehr ein Sinn für Humor ist. Wir können unsere Identität behalten und dabei dennoch offen bleiben. Ich kann aus dem Haus gehen und davon genervt sein, was sich wie eine Invasion narzisstischer und auf sich selbst bezogener Idioten anfühlt oder ich kann daran denken, dass es in einem Monat eine komplett neue Palette von Sachen, die nerven, geben wird!<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>Auf deinem neuen Album gibt es eine Reihe heiterer Songs. Auf der anderen Seite jedoch ist  „Because You’re Gone Song” ein berührendes Lied über den Verlust. Betrachtest du Glück und Traurigkeit als zwei Seiten einer Medaille? </em></strong></p>
<p>Unglücklicherweise erlaubst du dir die Erfahrung des Verlustes in dem Moment, in dem du dir zu lieben erlaubst. Sogar in meinem Glauben an den Himmel fühlt es sich manchmal an, als ob der Kummer mich bei lebendigem Leibe verschlingt. Dann möchte ich mich einschließen und keinem nah sein, weil die Idee, jemanden zu verlieren, unerträglich ist. Aber dann fällt dir ein, was du alles missen würdest, wenn du die betreffende Person überhaupt nicht kennen würdest, und dass das noch unerträglicher wäre. Aber ich glaube ehrlich, dass unser Schöpfer will, dass wir froh sind. Um also deine Frage zu beantworten: Nein, ich denke, dass beide Teil unserer Erfahrung sind, aber nicht Teil der gleichen.</p>
<p><em><strong>Du hast New York einmal deine „Muse” genannt. Wer war deine Muse in den Jahren, als du in England gelebt hast?</strong><br />
</em></p>
<p>Adrenalin. Lernen, lernen, lernen. England war meine Erziehung. Endlose Tage in Studios sitzen, lesen, mich selbst erziehen.<br />
<em></em></p>
<p><strong><em>Was ist für dich das Spezielle an New York, und bist du in die zeitgenössische Gegenkultur involviert?</em></strong></p>
<p>Die Geschichte, die Attitüde, der Humor, die Formen und Schatten. Was die lokale Gegenkultur angeht, da gibt es keine. Auch wenn es längst nicht mehr das NYC ist, das ich kannte und liebte, ist es immer noch vielgestaltig genug, dass es dort nicht „die eine“ Kultur gibt, gegen die man rebellieren müsste.<em><br />
</em></p>
<p><strong><em>Du bist schon mir vielen bekannten Musikern aufgetreten, eine davon ist Baby Dee. In einem Interview sagte sie, dass ihr beide eine Zusammenarbeit plant, ein gemeinsames Album. Was kannst du uns darüber sagen?</em></strong></p>
<p>Ich bin gespannt. Dee und ich versuchen seit zwölf Jahren zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Ich kann nicht sagen, was es genau werden wird, da wir gerade erst anfangen neues Zeug zu komponieren, aber es fühlt sich extrem richtig an. Welch ein Segen! Sie ist unschätzbar talentiert und eine teure Freundin. Ein echter Segen.</p>
<p>(M.G. &amp; U.S.)</p>
<p><a href="http://brainwashed.com/annie/">http://brainwashed.com/annie/</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-interview/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>LITTLE ANNIE &amp; PAUL WALLFISCH: Genderful</title>
		<link>https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-paul-wallfisch-genderful/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-paul-wallfisch-genderful/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 07:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Bandez]]></category>
		<category><![CDATA[Annie Anxiety]]></category>
		<category><![CDATA[Botanica]]></category>
		<category><![CDATA[Firewater]]></category>
		<category><![CDATA[Little Annie]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Wallfisch]]></category>
		<category><![CDATA[Southern Records]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=147</guid>
		<description><![CDATA[Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-paul-wallfisch-genderful/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/genderful.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-649" title="genderful" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/genderful-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit denen sie neben MARC ALMOND, COIL und CRASS noch gearbeitet hat und – potentielle Neu-Fans damit hoffnungslos verschrecken. Annie Bandez verfügt über eine großartige Soulstimme in Alt, und hat in Paul Wallfisch, bekannt von den Gruppen BOTANICA und FIREWATER, einen virtuosen Pianisten gefunden, dessen Spielweise bestens mit ihrem Gesang fusioniert – zur nicht unwesentlichen Bereicherung jenes musikalischen Feldes, das der gängige Jargon gerne Torch-Song nennt.<span id="more-147"></span></p>
<p>“Genderful” ist nicht nur die 160ste Veröffentlichung von Southern Records, sondern auch der zweite gemeinsame Longplayer von Annie und Paul. Während die beiden vor etwa zwei Jahren auf “When Good Things Happen To Bad Pianos” noch ihren Idolen von Jacques Brel über Frank Sinatra bis Tina Turner ihren Tribut zollten, stammen hier alle elf Songs aus eigener Feder. Schon auf den ersten Höreindruck unterschiedet sich “Genderful” durch vielfältigere stilistische Zutaten vom Vorgänger. Man bekommt hier natürlich keinen vollkommen anderen Sound geboten, auch wenn das erste Stück „Tomorrow Will Be“ fast ein wenig in Richtung Elektronica geht. Nach wie vor prägen markante Klaviermelodien das Bild, die, je nach Song, direkt aus einem Jazzkeller in Harlem oder einem Pariser Existentialisten-Club der späten 50er importiert scheinen. Dezent eingesetzte Streicher und Blasinstrumente kommen hinzu, und gerade die kommen weitaus variierter und vor allem häufiger zum Einsatz. Am stärksten fällt dies bei Stücken ins Gewicht, die an alte Filmmusik oder an Musicals erinnern, und sich wie „Suitcase Full of Secrets“ mit dem gut ausbalancierten Verhältnis von Herbheit und Gefühlsbetontheit messen können, das man von Sängerinnen wie Nina Simone her kennt. Auch „Because You’re Gone“, mit den schmachtenden Backing Vocals von Paul vielleicht der Höhepunkt des Albums, fällt in diese Kategorie. Das sind Songs, die eine emotionale Tiefe haben, die man bei vergleichbarer Musik heute bestenfalls in Alben wie Marianne Faithfulls „Before The Poison“ geboten bekommt. Ich halte es für eine positive Entwicklung, dass der Minimalismus des Vorgängers, dessen klangliche Reduktion als einmaliges Statement sehr wirkungsvoll war, nicht im gleichem Maß wiederholt wurde. So finden auch vereinzelt Gitarren ihren Einsatz, und bei „Billy Martin Requiem“ sorgt ein leicht gebrochener Rhythmus für das passende Fundament einer berührenden Hommage an zwei New Yorker (Gender-)Originale: den markig-maskulinen Sportmanager und die in ihrer Fragilität ebenso markante “She Male”. Zum Bossa Nova-Tanzen fordern uns die beiden dann in „The God Song“ auf, einem Stück, das lebensfroher fast gar nicht sein könnte. Das Gros des Albums machen allerdings stimmungsvolle Chansons wie “Miss Annie Regrets” und „In The Bar Womb“ aus. Letzteres könnte direkt aus der „Dreigroschenoper“ gefallen sein und erinnert an Songs wie das Cabaret-Shanty „Good Ship Nasty Queen“ auf Annies 2005er Album “Songs From The Coalmine Canary”, bei dem noch Antony Hegarty (JOHNSONS) und Joe Budenholzer (BACKWORLD) als (weniger graue) Eminenzen fungierten. Noch unterhaltsamer und kabarettistischer geht es auf dem von einer an Woody Allen erinnernden Klarinette begleiteten „Cutesy Bootsies“ zu, eine kurzweilige Satire auf das Klischee des eitlen, pubertären Dummchens, oder „Sexy Zen Sage“, dessen Pianopart glatt von einer bestens gelaunten Baby Dee stammen könnte.</p>
<p>Vieles in „Genderful“ ruft Sternstunden amerikanischer Populärkultur in Erinnerung. Man könnte lange überlegen, warum Annie gerade in den Texten auf so Vieles zurückgreifen kann, ohne dabei selbst ideenlos zu wirken. Wenn Phrasen wie „I see you on the other side of heartache“ oder „Some times when nights are long“ in ihren Texten vorkommen, wirkt dies, als transportiere jemand bewusst und voller Absicht die ganze Geschichte dieser Worte mit, die in zahlreichen Evergreens vorkamen und längst kulturelles Allgemeingut sind. Man hat das Gefühl, die ganze Geschichte solcher Zeilen in einem intertextuellen Chor zu hören und wird auf einmal der Bedeutsamkeit gewahr, die unter ihrer abgegriffenen Oberfläche steckt. Aber nicht nur im Rahmen solcher Wendungen wird die Freude an der Wiederbelebung demonstriert: Ob Manhattan in Leonard Cohen-Manier eingenommen wird, oder ob man Gott ganz nebenbei auch für Judy Garland dankt, auch auf direkter Verweisebene bekennen sich Annie und Paul zu ihren Vorbildern. Manchmal kommen mir die beiden so vor, als wollten sie nur eine Fußnote zu all diesen Dingen sein. Unter anderem liegt auch darin ihre Größe. Für mich ist “Genderful” bereits eines DER Alben des anstehenden Sommers. (U.S.)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-paul-wallfisch-genderful/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
