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	<title>African Paper &#187; Black Sun Productions</title>
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		<title>BLACK SUN PRODUCTIONS: Dies Juvenalis</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Jun 2016 05:14:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/05/blacksunproductionsdiesjuvenalis.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12098" title="blacksunproductionsdiesjuvenalis" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/05/blacksunproductionsdiesjuvenalis-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf „Dies Juvenalis“, das erstmals vor neun Jahren auf dem bandeigenen Label erschienen ist, zeigen sich Black Sun Productions von ihrer rituellen Seite, was nicht nur auf die Musik gemünzt ist, denn in der Hinsicht könnte man das mit etwas Wohlwollen von beinahe jeder Arbeit der Schweitzer sagen. Im inhaltlich stringenten Konzept nämlich dreht sich alles um eine rituelle Evokation von Jugend und unbeschwerter Lust.<span id="more-12097"></span></p>
<p>Unter dem Titel „Percettivo Reflessioni“ beginnt die Reise mit einem Formatieren der Wahrnehmung des Hörers, der durch beschwörende (Vocoder?)Vocals, verschwommene Streicherklänge und recht schnelle Rhythmen auf die rituelle Erfahrung eingestimmt wird. Wesentlich ist hier, dass alles recht offen und vage bleibt und in seiner filigranen Kleinteiligkeit äußerst subtil gestaltet ist – eine gute Voraussetzung letztlich für eine wache, meditative Konzentriertheit. So entbehren die Rhythmen durchgehend Beats im herkömmlichen Sinne, sind mehr leicht rhythmisch aufgeraute Flächen, ihre Hypnotik enthält immer wieder kleine Brüche, die jeder regressiven Illusionsbildung entgegenwirken.</p>
<p>Rhythmisch, genauer polyrhythmisch ähnlich subtil, doch ungleich intensiver dann das zentrale Titelstück, das mit gesampleten (asiatichen?) Flötenklängen eine nostalgisch eingefärbte Emotionalität einbringt, wie sie die Jugend nicht besser feiern und heraufbeschwören könnte. Vollends im Zeihen entfesselter Lust steht das auf die Venus anspielende „Veneration XXX“, das mit seinen zwitschernden Synthies und den vokalen Ornamenten – und wieder geht es nicht ohne einschlägige Referenzen – auch auf das „Black Antlers“-Album einer bekannten Band gepasst hätte.</p>
<p>Der re-release von „Dies Juvenalis“ erscheint als limitierte LP und noch limitierter als Teil einer (mittlerweile sicher heillos vergriffenen) Box zusammen mit der LP „Toilet Chant“ und dem Live-Album „Once in a Full Moon“. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Hallow Ground</strong></p>
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		<title>BLACK SUN PRODUCTIONS: Toilet Chant</title>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2016 04:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/05/blacksunproductionstoiletchant.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12088" title="blacksunproductionstoiletchant" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/05/blacksunproductionstoiletchant-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Vor rund vier Jahren gab die Schweizer Musik und Performance-Gruppe Black Sun Productions ihre Auflösung bekannt, um fortan in anderen Projekten aktiv zu sein, jüngst erfuhr man, dass die Mitglieder Massimo und Pierce wieder ihren alten Namen Anarcocks benutzen. Rückblickend muss man sagen, dass sie ein ungewöhnliches und bemerkenswertes Phänomen waren, denn ihre Nähe zu Coil war mit keinem anderen mir bekannten Fantum vergleichbar: Ihnen fehlte das Verdruckste, gewollt eigenständige, das Bemühen, jemand anderes zu sin und zugleich unter den Teppich zu kehren, dass es diesen anderen schon<span id="more-12087"></span> gibt. Und genau so wurden sie zu einem größeren Original, als sie es durch jede scheinheilige Abgrenzung geworden wären. Die großen Brüder dankten es ihnen bekanntlich durch Adoption, der Rest ist ein interessantes Kapitel experimenteller, queerer Kulturgeschichte.</p>
<p>Ihre Auflösung war in sofern konsequent als sie immer an den „Immortal Coil“ orientiert waren und nach dem bekannten Lauf der Dinge kein Museum betreiben wollten. Aber beenden heißt nicht ad acta legen,und so erblicken gerade zwei vergriffene Arbeiten des Duos erneut und auf chicem Vinyl das Licht der Welt.</p>
<p>Das frühe Werk „Toilet Chant“ erschien erstmals vor zwölf Jahren im Eigenvertrieb, einige der Stücke wurden etwas später in überarbeiteter Form auf der 2CD verbraten, nun erscheint das Album noch mal in Gänze. Da die ständigen Coil-Vergleiche vor allem den, der sie ziehen muss, doch nerven, soll hier nur allgemein angemerkt werden, dass viele der Sounds und Arrangements aus der ersten Coil-Zeit stammen könnten. In der repetitiven Struktur vieler Stücke des Duos (und damalige Trios, denn es wirkte noch draZen mit) gibt es eine Rhythmik, die meist ohne Beats im engeren Sinne auskommt, im eröffnenden Titeltrack, dessen undefinierbare Sounds ein subtiles infernalischen Glühen andeuten, wagen die Takte sich gerade soweit aus der Deckung, um das Mysteriöse nicht preiszugeben. Eben so geheimnisvoll wirkt das alles verschluckende Dunkel und die an Schreie erinnernden Synthies in der ironisch betitelten Selbsthommage „Anarcocks Rising“, deren technoide Grundierung gegen Ende noch einmal in Schwung kommt.</p>
<p>Wegen der Vocals von John Balance muss man „E2 = Tree 3“ als das Herzstück des Albums betrachten. Sein unvergleichliches Heulen maht nach all den Jahren deutlich, wie sehr er fehlt und wie sehr auch sein Charisma fehlen würde, wenn er nicht immortal wäre. Musikalisch ist die zweite Seite m.E. die stärkere: „Yesterdays Dream“, das fast Songqualität hat, der nach futuristisch verfremdeten orientalischen Duduk-Sounds klingende „Glüewürmlitanz“, am meisten aber das ultrahypnotische „Spermatic Cord“, das mit seinen tremolierenden Loops in die Kategorie „Album im Album“ gehört und den Klogesang in ambienter Harmonie zum Abschluss bringt.</p>
<p>Mit neuem Artwork der Künstlerin Ruth Stofer erscheint „Toilet Chant“ nun erstmals auf Vinyl, in der Art Edition kann man das Album 33mal zusammen mit der EP „Dies Juvenalis“ und dem nur hier erhältlichen Live-Mitschnitt „Once in a Full Moon“ (vielleicht noch) erwerben. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Hallow Ground</strong></p>
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		<title>V.A.: Songs For A Child – A Tribute To Pier Paolo Pasolini</title>
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		<pubDate>Sat, 09 May 2015 06:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/03/songsforachildpasolinihommage.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-10023" title="songsforachildpasolinihommage" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/03/songsforachildpasolinihommage.jpg" alt="" width="150" height="213" /></a>Dass der Regisseur und Autor Pasolini so unterschiedliche Fans hat und einen Rattenschwanz an verschiedensten Interpretationen und Vereinnahmungen hinter sich herzieht, ist sicher auch seiner eigenen schwer greifbaren Position geschuldet. Dass er zugleich Katholik, Kommunist und bekennender Schwuler war, ist meist das erste, was man über ihn hört, doch auch jede dieser drei Eigenschaften für sich verkörperte er auf jeweils untypische Art. So bekannte er sich auch nach seinem Parteiaustritt – er wurde wegen seiner Homosexualität geschasst – zu kommunistischen Ideen, gleichwohl seine konkreten Ansichten eher kommunitaristisch oder anarchistisch anmuteten, wenn sie nicht ohnehin eher der katholischen Soziallehre ähnelten. Sein<span id="more-10022"></span> Katholizismus war volksnah und bodenständig, traditionell und ohne jeden elitären Pomp. All dies und weitere Ambiguitäten schlugen sich auch in seinen Filmen nieder, die hoch stilisiert waren und mit ihren Laiendarstellern und den schlichten, neorealistischen Bildern zugleich die unprätentiöse Hand der Improvisateurs verraten. Vollkommen erwartbar also, dass sein Vermächtnis die unterschiedlichsten Menschen anspricht und so manches nachträglich gezeichnete Pasolinibild Konturen aufweist, die sich einer allenfalls ausschnittweisen Betrachtung seines Werks verdanken.</p>
<p>Schon recht früh zeigten sich auch Musiker von Pasolinis Werk und Person inspiriert, und neben Scott Walkers „Farmer in the City“ und Diamanda Galas&#8217; „Supplicia di mia Madre“ (beides Gedichtvertonungen) ist Coils „Ostia“, das die vorliegende Compilation eröffnet, sicher eines der prominentesten Beispiele. In dem Song vom morbid-apokalyptischen „Horse Rotorvator“-Album vergegenwärtigen sie den Tod des Regisseurs in mysteriösen Sprachbildern und verpassen dem Ereignis ein musikalisches Gewand, das kaum einem Genre nahe kommt und wohl am besten als cinematich bezeichnet werden kann. Folk und Chanson, die vage anklingen, finden sich deutlicher in dem melodramatischen Song von Spiritual Front, womit die songorientierten Beiträge – es sei denn, man subsumiert In Slaughter Natives&#8217; auf Cembalo und Grummeldröhnen aufgebautes Duett noch darunter – auch schon genannt wären. Alles weitere ist wesentlich sperriger und abstrakter.</p>
<p>Viele der Beiträge, die außer „Ostia“ wohl selten älter sind als die Idee zu diesem Sampler, bauen ihre thematischen Referenzen auf Samples aus Filmen oder aus den zahlreichen kontroversen Interviews des Regisseurs auf. Einen Höhepunkt dessen stellt das subtile Ambientstück von Alio Die dar, das in gewohnt ethnolastiger Manier gestrickt ist. Fast gegensätzlich dazu die ebenfalls ambienten Bahntier, die einen monströsen elektronischen Track um eine emotionsgeladene Interviewpassage aufbauen, die in puncto Intensität nur noch vom noisigen Wertham-Stück überboten wird. Black Sun Productions schlagen (auch hier) thematisch die Brücke zu Coil und liefern mit dem ethnokulturell untermalten Text über den Mordfall eines der ergreifendsten Stücke ab. Bei einigen Stücken wie dem martialisch anmutenden „Dresden“ von Nueva Germania erschließt sich mir der Bezug kaum, wohingegen Teatro Satanico mit technoidem Geblubber und erst recht Catholic Boys in Heavy Leather (Joke Lanz und Roger Rotor) mit launigem Rhythm Noise für Kurzweil sorgen.</p>
<p>Soweit so gut, und rein musikalisch könnte man es – trotz einiger Qualitätsunterschiede – bei einem Lob belassen. Dennoch könnten die Bezüge zu Leben und Werk Pasolinis etwas ausgewogener sein, und um das festzustellen, muss man nicht – wie in Italien wohl mehrfach geschehen – spekulieren, dass dem Regisseur die Musik, die es zu seinen Lebzeiten auch kaum so gab, nicht gefallen hätte. Es ist nicht so, dass die Beitragenden ein total einseitiges Pasolinibild zeichnen würden, und doch gibt es hier eine gewisse Schlagseite auf dem Image eines transgressiven, queeren Provokateurs, und der Fokus scheint mir insgesamt doch so stark einerseits auf den Todesumständen, andererseits auf den „120 Tagen von Sodom“, also seinem letzten, eher utypischen Film, zu liegen, dass Ah Cama-Sotz&#8217; feinziselierte Referenz auf die „Erotischen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“ schon positiv herausstechen.</p>
<p>Pasolini war ein leidenschaftlicher Stilist und hatte ein gutes Händchen für ungewöhnliche choreografische Arrangements und entsprechende Bühnenbilder. Zugleich war er aber auch aus Überzeugung unstylisch und das Gegenteil eines manirierten Snob. Die barfüßigen, sonnengebräunten und (wenn männlich) unrasierten Gestalten, die trotz ihrer Staubigkeit eine jugendliche Vitalität und Lebensfreude ausstrahlen, sind ebenso sehr sein Markenzeichen wie all die bodenständigen Szenarien, die v.a. deshalb kein Idyll waren, weil ihnen jegliche Glättung fehlte. Pasolini hatte eine große Achtung für maginalisierte Gemeinschaften weit jenseits dessen, was man „queer“ nennt, für „einfache“ Menschen der unteren Gesellschaftsschichten und für unterdrückte Völker der Dritten Welt, denen er viele antiimperialistisch intendierte Texte widmete. Jedes popkulturelle Spektakel hätte ihm vielzusehr nach Konsum gerochen, und seinen homoerotisch in Szene gesetzten Jungen von der Straße würde heute im Berghain wahrscheinlich der Einlass verweigert werden. Nicht zuletzt spielten Frauen in seinem Werk eine überragende Rolle und waren in drei Fällen Titelheldinnen. All diese Dinge kommen hier entweder gar nicht oder nur am Rande vor. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Rustblade</strong></p>
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		<title>TRANART &#8211; Interview mit der Sängerin und Malerin Val Denham</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:32:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sollte irgendwann einmal jemand die Biografie von Val Denham schreiben, so wäre das Werk im gelungensten Fall auch eine kleine Geschichte englischer Gegenkultur, gespiegelt im Leben einer facettenreich schillernden Person. Keine der unzähligen kreativen Begegnungen konnten die selbstbewusste Musikerin und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/val-denham-interview/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/valtop.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-269" title="valtop" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/valtop.jpg" alt="" width="165" height="150" /></a><strong>Sollte irgendwann einmal jemand die Biografie von Val Denham schreiben, so wäre das Werk im gelungensten Fall auch eine kleine Geschichte englischer Gegenkultur, gespiegelt im Leben einer facettenreich schillernden Person. Keine der unzähligen kreativen Begegnungen konnten die selbstbewusste Musikerin und Malerin, die einst den Entschluss fasste, kein Mann sein zu wollen, von ihrem eigenen Weg abbringen.</strong><span id="more-267"></span> <strong>Unterwegs leistete sie ihren Beitrag zur ersten und einzigen „Industrial“-Bewegung, wurde aus reinem Selbstverständnis heraus zu einer Repräsentantin einer auch spirituell grundierten Queer Culture, wie sie von den akademischen Genderphilistern seit jeher gerne ignoriert wird. Unterwegs kreuzte sich ihr Weg mit Künstlern wie den Neubauten, Merzbow, The Hafler Trio, Marc and the Mambas und unzähligen mehr, und auch heute noch ist ihr künstlerischer Drang so vital wie eh und je. Ein arriviertes Frührentnerdasein, mit dem sogenannte Szeneveteranen oft ein etwas unschönes Bild abgeben, ist ihr fremd, vielmehr ist sie stets auf der Suche nach Neuem und dabei bereit, überraschende Verbindungen zu knüpfen. So erschien zuletzt ein Album mit dem Katalanen Demian Recio alias Ô Paradis, der als Repräsentant einer Nachfolgegeneration von einigen zu Unrecht übersehen und überhört wird. Nachdem Val Denham in unserem Sprachraum viel zu selten zu Wort kam, ist das neue Album ein Anlass für das folgende Interview.</strong></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Du hast gerade das Album “Transform Thyself” herausgebracht, zusammen mit Ô Paradis aus Barcelona. Wie bist du mit Demian in Kontakt gekommen, und wie entstand die Idee zu diesem Album?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Vor einiger Zeit nahm ich ein Album namens “Somewhere Between Desire and Despair” auf, das war 2008 zusammen mit Black Sun Productions für das amerikanische Label Tourettes Records. Demian von Ô Paradis hatte zur gleichen Zeit sein Album “Pequenas Canciones De Amor” beim gleichen Label herausgebracht. Joseph Noark, der Tourette betreibt, schickte mir einen Pack neuer Veröffentlichungen, und das einzige, was mich komplett umgehauen hatte, war Ô Paradis. Es war wohl so, dass ich ihm eine Nachricht über MySpace zuschickte, um ihm zu sagen, wie sehr ich das Album mochte. Er schrieb zurück, dass ihm meine Sachen auch sehr gut gefielen und hatte die Idee, wir könnten ja mal ein Stück zusammen aufnehmen, sozusagen als eine Art Experiment. Als er mir eine Datei zuschickte und ich dazu sang, entstand als erstes unser Song “Glow”. Wie auch immer, er war vollauf begeistert. Wir waren beide ziemlich überrascht darüber, wie gut wir zusammen arbeiten konnten, und so schickte er mir weitere Musik, und wir entschieden dann schon bald, daraus gleich ein ganzes Album zu machen.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Heat-of-Summer.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-5020" title="Heat-of-Summer" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Heat-of-Summer-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a>Demians Kompositionsweise ist sehr experimentell, er scheint sehr am Material der Klänge orientiert zu sein. Dennoch ist das was er macht, meistens sehr schöne, eingängige Popmusik. Kennst du frühere Aufnahmen von ihm, und wie stark warst du selbst in den Aufnahmeprozess involviert?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ich hatte mit der Musik auf dem Album gar nicht so viel zu tun, dennoch hab ich sehr viel dazu beigetragen, indem ich Sachen sagte wie “nimm das lieber raus, ändere jenes, hier ist zu viel Delay, vielleicht etwas Perkussion an der Stelle, das hier hätte ich gerne nur mit Piano“ u.s.w. Ich hatte mehr oder weniger die Reihenfolge der Songs bestimmt, aber wir waren da anscheinend auch stets d’accord. Demian hat praktisch die ganze Musik und die Instrumente beigesteuert.</p>
<p align="JUSTIFY">Vor meiner ersten Veröffentlichung bei Tourette hatte ich nie etwas von Ô Paradis gehört. Es ist sehr angenehm mit ihm zu arbeiten, wohingegen ich selbst manchmal schon eine sehr anspruchsvolle Diva sein kann!</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>In deinen Texten verwendest du oft herkömmliche Formen (z.B. Paarreime), während sich inhaltlich mehr oder weniger alles um Freiheiten und um das Experimentieren dreht. Ist das eher Zufall, oder war der Kontrast zwischen Form und Inhalt beabsichtigt?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ich kontrastiere ständig. Ich liebe es, auszuprobieren was passiert, wenn du verschiedene Dinge zusammenpackst. Ich bin gerne konservativ auf eine traditionelle, historische Art und Weise. Ebenso sehr bin ich allerdings auch sehr experimentierfreudig, manchmal sogar extrem. Dualität ist der Schlüssel zur Valworld.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Transformation in verschiedenen Formen und das Rebellieren gegen Einschränkungen scheinen zentrale Motive des Albums zu sein. Der Transgender-Aspekt wird dabei sicher nicht erst durch Hintergrundwissen offenbar. Siehst du „Transform Thyself“ dahingehend als eine Art Konzeptalbum?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Hmmmm……….Ich habe nie darüber nachgedacht, ob es ein „Konzeptalbum“ ist, aber ich vermute, dass es eins ist. Ich mache einfach mit meinem persönlichen Projekt weiter, das sich komplett um mich dreht. Du kannst sagen, dass es in dem Album um Transgender-Fragen geht, aber es geht ebenso um Optimismus, im Gegensatz zu den üblichen Darstellungen der tragischen Transe, die im falschen Körper steckt und denkt „ich sollte mich umbringen, warum tut Gott mir das an?“ Ich sage nur „ist es nicht wunderbar!“</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Diese mutigere und selbstbewusste Alternative scheint dir ein besonderes Anliegen zu sein..</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ja, es ist höchste Zeit für eine positivere Einstellung gegenüber der eigenen Transsexualität. Anscheinend sind wir da, wo die Schwulen und Lesben in den frühen Sechzigern waren. Ängstlich, unterwürfig, verlegen und voller Furcht vor irgendwelchen Angriffen. Ich denke, wir sollten aus der Deckung heraus kommen und sagen „Ich bin Transgender und stolz darauf!“ Wenn du daraufhin deine Familie oder deine Freunde verlierst, dann können die dich eben mal, auf solche Leute bist du in deinem Leben sowieso nicht angewiesen. Hör auf zu jammern und danke Gott für das Geschenk, Transgender zu sein. Wenn ich irgendwelche Formulare ausfüllen muss, dann heißt es da immer „Männlich/Weiblich“, ich streiche es jedes mal durch und schreibe “Transgender”. Wenn die Leute meinen, sie müssten lachen, geh weiter! Die Wahrheit ist natürlich, dass das alles auch witzig ist. Ich bin kein Mann, ich bin keine Frau. I’m a chick with a dick, I’m transgender. Get over it.</p>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Copy-2-of-Cyclobe-inner-full.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-5021" title="Copy-2-of-Cyclobe-inner-full" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Copy-2-of-Cyclobe-inner-full.jpg" alt="" width="723" height="367" /></a></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Ich denke, dass das Leben für jemanden außerhalb des Mainstreams über die Jahre leichter geworden ist, aber manchmal bekommt man das Gefühl, dass sich da eine Art Rückschlag anbahnt. Siehst du das ähnlich?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Sollen sie einen doch am Arsch lecken. Na kommt schon ihr hirntoten debilen Aschlöcher, verbrennt mich doch, ich bin eine Scheiß Hexe.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Mut, Optimismus, Lebensbejahung, aber das ganze ohne abgedroschenen „Think Pink“-Kitsch. Dazu fällt mir dein Faible für klassisches Kabarett und für frühe Filmstars wie Louise Brooks ein. Was fasziniert dich so an dieser Periode des 20. Jahrhunderts, und wo siehst du Parallelen zu deiner eigenen kreativen Arbeit?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ich sehe mich oft als jemanden, der immer noch im 20. Jahrhundert lebt! Meine Malerei ist stark beeinflusst von den Malern des 20. Jahrhunderts, und es ist wohl nicht zu überhören, dass meine Musik ihre Wurzeln in den 70ern hat! Was kommt wohl dabei heraus, wenn du David Bowie, Iggy Pop, The Velvet Underground, Tiny Tim, Marc Bolan, Kate Bush, John Lydon und Syd Barrett zusammenmischst? Richtig, die schrille Stimme der Val Denham! Ich will nicht wie Take That klingen, ich will mich anhören wie Alice Cooper! Ich sammle Keramiken der 50er und 60er Jahre, sie stehen überall bei mir herum. All die Filme, die ich liebe, Fernseh-Shows, Platten, Bücher stammen aus dem letzten Jahrhundert. Ich stehe total auf Lotte Lenya und Kurt Weil! “Oh moon of Alabama! We now must say goodbye!” Ich liebe es, mit meiner Frau dazu zu tanzen. Wir tanzen ebenso wie die Verrückten zu dem Rolf Harris-Song “Sun Arise”. Ich würde am liebsten Coveralben aufnehmen mit all den Songs, die ich aus der alten Zeit liebe. Gelegentlich mag ich schon auch neuere Sachen, ich mag Seasick Steve und Portishead, aber auch die haben sowieso eine Art Retro-Feeling.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>In einem Interview erwähntest du mal, dass dein früheres Album “TransBrtiannia” auf den Film “Transamerica” anspielt. Ich denke für einen Mainstream-Film ist die sympathische aber keineswegs gönnerhafte Darstellung einer Person, die von der Norm abweicht, sehr gelungen. Wie denkst du generell über die Präsentation von Menschen außerhalb der (sexuellen) Norm in Film und Fernsehen?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Louise-absintheTranart-news-copy-854x1024.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-5023" title="Louise-absintheTranart-news-copy-854x1024" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Louise-absintheTranart-news-copy-854x1024-250x300.jpg" alt="" width="250" height="300" /></a>Ich mag den Film “Transamerica” sehr, wenngleich die Besetzung der transsexuellen Rolle mit einer „genetischen“ Frau ein ziemlicher Makel ist! Felicity Huffman hat wirklich einen großartigen Job gemacht, aber es ist wie wenn du einen weißen Kerl schminkst, damit er einen Farbigen spielen kann. Gibt es denn keine transsexuellen Schauspieler in Hollywood? Es ist wirklich bedauernswert, dass Leute aus der Transgender-Ecke oft als psychopathische Killer präsentiert werden. Sie wirken schräg und furchteinflösend, also müssen sie gefährlich sein. Beispiele wie Norman Bates, Buffalo Bill in “Silence of the Lambs”, der Killer in “Dressed to Kill”, sogar Heath Ledger als Joker in BatMan kleidete sich als eine Krankenschwester, wo er ja ebenso gut ein Krankenpfleger sein könnte. Dennis Hopper trug Lippenstift in “Blue Velvet“. Es gibt anscheinend nichts angsteinjagenderes als ein Mann in einem Kleid mit einem Messer in der Hand.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>In einigen deiner Lyrics (etwa in “I Try to Kill the Man” oder “Flowers in the Trenches”) kommt die Wichtigkeit sexueller Identität zur Sprache, auch wenn das mit dem biologischen Geschlecht, das einem in die Wiege gelegt wird, nicht zwangsläufig übereinstimmen muss. Was hältst du von akademischen Theorien wie denen von Judith Butler, nach denen Geschlechteridentitäten nicht nur als fiktiv, sondern auch als schädlich verstanden werden, insofern dass es eigentlich egal ist, ob man Mann oder Frau ist?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Das mag ja eine nette Idee sein, aber wahr ist, dass ich in einer grobschlächtigen Bar voll mit betrunkenen jungen Männern grundsätzlich vortäusche, zu 100% Frau zu sein. Denn sogar aggressive junge Männer behandeln mich respektvoll, da ich theoretisch deren Mutter sein könnte. Ich trage kein T-Shirt mit der Aufschrift “I’m a Tranny!” quer über der Brust. So kann ich militant sein, aber nur wenn es auch sicher genug ist. Ich habe keine Lust, den Märtyrer zu spielen. Manchmal muss man vorsichtig sein.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Auf „Transform Thyself“ beziehst du dich auf den Mythos von Ikarus und dessen Versuch, zur Sonne zu fliegen, der üblicherweise als pessimistische Allegorie menschlicher Hybris gewertet wird. War es auch ein bisschen provokant gemeint, den Mythos zu dekonstruieren und den Helden zum erneuten Flug aufzufordern?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ja, es geht einfach darum, dich wieder aufzuraffen. Wer fällt, kann auch wieder aufstehen. Es ging im Grunde nur um mich selbst. Ich bin durch eine ziemlich verzweifelte Phase gegangen, ich wurde geschieden, verlor meinen Beruf und meine Kinder und mein Zuhause und fühlte mich in jeder Hinsicht überflüssig. Ich hasste mich selbst, nahm Drogen und wollte eine Frau sein.</p>
<p align="JUSTIFY">Dann verließ ich London, nachdem ich einundzwanzig Jahre dort gelebt hatte und ging zurück nach Yorkshire, von wo ich eigentlich komme. Ich traf meine erste Freundin, heiratete wieder und wurde eine Frau. Ich war nie zuvor glücklicher in meinem Leben, wie ein Phoenix entstand ich neu aus der Asche. Ich mag die Idee eines Ikarus, der sich immer wieder neu erhebt, weil es so unmöglich ist. Aber unmögliche Dinge passieren ständig. Allein die Vorstellung, dass ich meine erste Liebe heirate und ein großes Mädchen bin. Unglaublich.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Wolf-Cross-T-shirt-small-670x1024.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-5025" title="Wolf-Cross-T-shirt-small-670x1024" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Wolf-Cross-T-shirt-small-670x1024-196x300.jpg" alt="" width="196" height="300" /></a>Siehst du ein tragisches Element in deiner Musik und Malerei? Du hast Formulierungen wie „Somewhere (In-)Between Desire And Despair“ wiederholt in Titeln verwendet…</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ja, ich liebe ein bisschen Tragödie in der Kunst, ich denke es ist einfach interessanter. Ich kann fröhliche, heitere Musik nicht ausstehen! Ahhhhhhhhh! Dieser eine Song von den Carpenters, “I’m on the top of the world”. Ich hasse das! Aber ich verehre “Superstar”. Ich habe eine dunkle Seite und die kommt häufig in meiner Kreativität zum Vorschein, mehr als in der Realität. Ich bin am Unterbewussten interessiert, und an den Schatten in unseren Träumen.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Es gibt von dir ein älteres Motiv mit einem gekreuzigten Wolf, der seinem Schicksal mit einem wilden Schrei trotzt, irgendwie passt das ja auch ganz gut zu der Stimmung des neuen Albums. Da du auch schon heftige Kritik am Papst geäußert hattest, würde mich interessieren, wie deine Haltung generell gegenüber dem Christentum und Werten wie Demut ist.</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ich bin kein Christ, aber spirituell. Irgendwie links von der Mitte auf gewisse Weise agnostisch. Ich glaube an den Altruismus. Das Richtige zu tun. Aber das sollte mit Empathie geschehen. Manchmal kann ich ganz schön Scheiße sein, und muss den Menschen in meinem Leben vor den Kopf stoßen. Aber ich bin nicht gut darin, mit Schuld umzugehen. Ich mag es, ein einigermaßen reines Gewissen zu haben. Wenn die Religion den Leuten hilft, bessere Individuen zu sein, dann ist es mir recht, aber ich brauche das nicht. Ich weiß was richtig und falsch ist. Demut? Nein……..wozu? Ich weiß, dass ich besonders bin. Soll ich so tun, als wäre es anders?</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Zu deinen Bildern generell: Kannst du unseren Lesern etwas über deinen Werdegang als Malerin erzählen?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Oh Mann. Na ja, ich habe auf meiner Webseite eine Biographie, die sich ausführlich mit meiner Vergangenheit auseinandersetzt, aber was soll’s: Von 1974 bis 1979 besuchte ich das Bradford College of Art und von 1979 bis 1981The Royal College of Art in London. Ich habe Cover für Künstler wie Marc Almond, Marc and the Mambas, PTV, Throbbing Gristle etc. gemacht. Ich hatte eine Reihe von Jobs, z.B. war ich der Hausgraphiker der Waltham Forrest Council Welfare Benefits-Abteilung. Das habe ich 13 Jahre lang teilzeit gemacht. Das ist mein beschissener Lebenslauf!</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Da du in verschiedenen Bereichen arbeitest, würde es uns interessieren, auf welches Medium du dich konzentrieren würdest, wenn du dich für eines entscheiden müsstest.</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Beides ist wichtig für mich. Ich liebe das Malen, aber ich mache ebenso gerne Musik. Es ist für mich das gleiche. Manchmal nenne ich die Aufnahmen “Audiozeichnungen”. Ich mache einen neuen Song oder ich male ein neues Bild, es ist beides aufregend für mich.</p>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Val-drawing.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-5026" title="Val-drawing" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/Val-drawing.jpg" alt="" width="929" height="675" /></a></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Ein wiederkehrendes Motiv in deiner Malerei sind Porträts, viele kennen wahrscheinlich deine Darstellungen von Jhonn Balance, Marc Almond, David Tibet oder Antony. Du scheinst sehr oft typische Elemente und Symbole mit einzubeziehen, um die Essenz der Person einzufangen. Kannst du etwas über deine Arbeitsweise sagen? Wie wichtig ist die Freundschaft zu den Personen und die Tatsache, dass du ihre Musik magst?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Du musst die Musik mögen. Wie könnte ich ein Bild von N Dubz malen? Ich könnte es einfach nicht. Wie könnte ich ein Porträt von Billy Bragg anfertigen? Ich könnte es nicht! Ich denke nicht, dass man mit den Musikern befreundet sein muss, aber man muss mögen, was sie machen. Ich versuche, Elemente in die Gemälde zu integrieren, die auf gewisse Weise Teil der Person sind. So ist auf dem Porträt von David Tibet auch ein Auszug aus einem seiner Gemälde zu sehen. So ist das fertige Bild dann sehr nah an David Tibet. Es ist fast als hätte ich diese Leute in den Bildern eingefangen.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>In meiner Rezension habe ich deine Bilder sehr allgemein mit Popart umschrieben. Das Cartoonhafte, und überhaupt der „Lowbrow“-Zugang zur Welt erinnerten mich daran, wohingegen deinen Motiven das Konsumverliebte fehlt, das man immer gerne mit Popart assoziiert.</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ich interessiere mich nicht für Konsum oder für Produkte oder Objekte. Dennoch, “Popart” passt schon irgendwie ganz gut. Ich denke, Amerikaner würden es “Pop Surrealism” nennen. Für mich ist es reiner “Valismus”, ich ändere meinen Stil sehr oft, und so mutiert der Charakter meiner Bilder ständig vor und zurück. Das einzig verbindende Element ist meine eigene Psychologie. Ich gehe vom Realismus zum Expressionismus, je nach dem was mir mein Unbewusstes gerade sagt. Valismus hat nicht sehr viele Regeln.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Beobachten, Sehen und Gesehenwerden scheint in deinen Bildern eine Rolle zu spielen: Augen kommen häufig vor, und auch bei deinen Selbstporträts scheint das zur Schau stellen eine Rolle zu spielen. Was fasziniert dich daran?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Wer weiß? Ich müsste mein Unbewusstes danach fragen!</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Waren deine Arbeiten mit Massimo und Pierce und zuletzt mit Demian einmalige Sachen, oder sind Fortsetzungen geplant?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Ich bin jederzeit bereit wieder mit Black Sun Productions zu arbeiten, sie sind so tolle Jungs. Was Demian betrifft, wir spielen mit dem Gedanken an ein weiteres Album. Wer weiß? Aber ich bin definitiv bereit dazu.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Bist du immer noch in Kontakt mit Bruce La Fountain von The Sword Volcano Complex?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Oh Gott! Ja!!!! Wir mailen uns und telefonieren häufig! Bruce ist einer meiner besten Freunde. Ich liebe ihn über alles. Bruce hat ein fantastisches Album fertig, das rauskommen wird, sobald er das mit den Labeln geregelt hat. “Cinnamon for the Phoenix”. Ich habe das Cover gemacht und ich singe auf drei Stücken. Es ist wirklich ein Hammeralbum. Der Typ ist ein Genie und einer der süßesten, loyalsten, authentischsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Wenn ich nicht schon verheiratet wäre, würde ich ihn heiraten.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/The-Blue-Lovers.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-5028" title="The-Blue-Lovers" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/The-Blue-Lovers-221x300.jpg" alt="" width="221" height="300" /></a>Diese Frage bezieht sich auf die (weit zurückliegende) Vergangenheit, aber kannst du uns ein paar Sachen über deine frühe Band The Death and Beauty Foundation (Einflüsse etc.) sagen? Wo siehst du die meisten Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute?</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Na ja, The Death and Beauty Foundation waren wirklich eine Art “Industrial”-Band. Anfangs sehr experimentell und dann beschloss ich, dass anständige Melodien herbei mussten. Deswegen gab es am Ende nur noch Oli Novadnieks, den Gitarristen, und mich. Wenn wir auftraten, improvisierten wir ziemlich, und uns gefiel es, die Leute zu nerven, indem wir ihnen das Gegenteil von dem boten, was sie eigentlich erwartet hatten. Oft hielt ich zu Beginn eine Rede und manchmal war es wie Performancekunst mit Klang. Oli und ich hatten dann eine lange Phase, in der wir Alben auf Kassetten aufnahmen, die allein für uns bestimmt waren! Jetzt mache ich meine eigenen limitierten CD-Rs, aber die sind ziemlich „lo-fi“, weil ich immer das gleiche Fostex-4-Track-Aufnahmegerät verwende, auf der Oli und ich die Kassettenalben aufnahmen. Das letzte dieser Alben hieß „MAD“. Jetzt bin ich gerade auf digital umgestiegen und habe etwas besseres Equipment, so dass künftig die selbst veröffentlichten CD-Rs endlich etwas professioneller klingen! Es gab immer einen ziemlichen Unterschied zwischen meinen limitierten CD-Rs und den offiziellen Alben, aber der ist jetzt kleiner geworden. Ich benutze Computerprogramme wie “Acid-Pro” und ich passé jetzt eher auf, was ich künftig veröffentlichen werde. Mein Sohn hat mir ein schickes Mikrofon besorgt, es ist das gleiche, mit dem auch Amy Winehouse aufnimmt! Deswegen ist es mit dem amateurhaften Schlafzimmerklang vorbei. Das Ende einer Ära. Geburt einer neuen.</p>
<p align="JUSTIFY"><strong><em>Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine nächsten Abenteuer.</em></strong></p>
<p align="JUSTIFY">Danke, es war mir ein Vergnügen! Val XX</p>
<p align="JUSTIFY">(M.G. &amp; U.S.)</p>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://www.valdenham.com">valdenham.com</a></p>
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		<title>BLACK SUN PRODUCTIONS AND VAL DENHAM: Somewhere Between Desire And Despair</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 19:46:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Interessanterweise hat dem Schweizer Performance- und Electronica-Kollektiv BLACK SUN PRODUCTIONS der Vergleich mit renommierten Idolen nie wirklich etwas ausgemacht. Warum ist dies so? Vielleicht weil Gruppen, die ausgerechnet der wandlungsfähigen Musik von COIL mit ihren komplexen Themen derart konsequent nacheifern, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/08/31/black-sun-productions-and-val-denham-somewhere-between-desire-and-despair/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/valsundesire.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-23" title="valsundesire" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/valsundesire-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Interessanterweise hat dem Schweizer Performance- und Electronica-Kollektiv BLACK SUN PRODUCTIONS der Vergleich mit renommierten Idolen nie wirklich etwas ausgemacht. Warum ist dies so? Vielleicht weil Gruppen, die ausgerechnet der wandlungsfähigen Musik von COIL mit ihren komplexen Themen derart konsequent nacheifern, rar gesät sind. Immerhin haftet dem Konzept von Massimo, Pierce und ihren Gästen, die sich seit dem Coil-Remix-Projekt „Plastic Spider Thing“ (<em><span style="font-size: xx-small;">ESKATON</span></em> 2002) offiziell als Groupies outeten, schon deshalb etwas Originelles an. <span id="more-21"></span>Vielleicht auch, weil sie selbst nie einen Hehl aus ihrem Fansein gemacht haben und zudem immer auch selbstironisch mit ihrer Abhängigkeit umzugehen wussten. Slogans wie „Our biggest Dream: being Coil“ und Textzeilen wie „A Black Sun Rose From A Leather Couch“ fallen sofort ins Auge und lassen ihren Enthusiasmus sympathisch wirken.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Vielleicht auch, weil den beiden von Beginn an eine auffallend große Akzeptanz aus dem Dunstkreis ihrer „großen Brüder“ entgegen gebracht wurde, viel mehr noch als etwa von Hörerseite. Vielleicht zuguterletzt, weil trotz der vordergründigen Ähnlichkeit auch eigenständiges Potenzial in ihren Arbeiten und ihrem Auftreten steckt, das die beiden von Jhonn Balance und Peter Christopherson unterscheidet und somit zusätzlich interessant macht. Da mag man nun zuerst an ein paar Skandale rund um ihren Zürcher Fetisch-Club denken, oder an bestimmte Aspekte des Artworks. BSP hatten aber auch von Anfang an einen viel größeren intermedialen Schwerpunkt, was ihre Klassifizierung als Gesamtkunstwerk rechtfertigt.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Ein Versiegen ihrer Kreativität scheint jedenfalls auch nach Jahren nicht in Sicht, und wer weiß, vielleicht schaffen die beiden ja tatsächlich einmal das, was nur wenigen Fan-Combos gelingt, nämlich ohne Unabhängigkeitskämpfe und große Stilwechsel nach und nach aus dem Schatten ihrer Idole heraus zu wachsen und die jahrelang aufgenommenen Einflüsse in einen eigenen originellen Stil zu transformieren. Über die mittlerweile schon beachtliche Bandgeschichte kann man sich u.a. in einer rund drei Jahre alten <a href="http://www.nonpop.de/nonpop/index.php?type=review&amp;area=1&amp;p=articles&amp;id=1292&amp;high=doppelalbum"><span style="font-size: xx-small;">NONPOP</span></a><a href="http://www.nonpop.de/nonpop/index.php?type=review&amp;area=1&amp;p=articles&amp;id=1292&amp;high=doppelalbum">-Rezension</a> informieren – dort erfährt man auch etwas über die vielen künstlerischen Zusammenarbeiten der Gruppe. Zu den vielen Gästen im Line-Up der Band zählt auch die umtriebige englische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Transgender">Transgender</a>-Künstlerin VAL DENHAM alias Princess Valhalla alias Silverstar Amoeba, deren Rolle bei der neuesten Veröffentlichung so zentral ist, dass eine gleichberechtigte Kollaboration dabei heraus gekommen ist. Weitere Beitragende sind die beiden italienischen Projekte BAHNTIER und TESTING VAULT, deren Rolle aber vergleichsweise marginal ist. Der wichtigste Aspekt von Denhams kreativem Output betrifft gleich eine wesentliche Gemeinsamkeit zu BSP, nämlich die schon angesprochene intermediale Ausrichtung, womit in ihrem Fall eine kreative Doppelexistenz als Musikerin und Malerin gemeint ist. Musikalisch bewegt sich Denham seit den späten 70ern in einem Feld zwischen Tape-Musik und Rock, das sie mit einer eigenwillig autodidaktischen Do it Yourself-Mentalität beackert. Meist mit Unterstützung ihres langjährigen Freundes OLAV „OLI“ NOVADNAIEK kreiert sie mit alten Instrumenten und einem bescheidenen Aufnahme-Equipment Werke von rauem Charme und besticht mit einer originellen Stimme. Und auch wenn ich nicht immer ein Freund von Vergleichen bin, die einen Künstler als „Mischung“ aus X und Y bezeichnen, so würde ich eine Verortung von Denhams Gesang im Grenzbereich zwischen MICK JAGGER, JOHN LYDON, GAVIN FRIDAY und GENESIS P-ORRIDGE nicht von der Hand weisen. Schrill, androgyn und ein bisschen „quäkig“? Ja, aber im besten Wortsinne. Im Laufe der Jahre trat sie im Zusammenhang unterschiedlicher Szenekünstler in Erscheinung, von denen mit THROBBING GRISTLE, PSYCHIC TV, den NEUBAUTEN und THE HAFLER TRIO nur die bekanntesten genannt sein sollen. Auch als Malerin hat sie sich einen Namen gemacht. Neben einigen Arbeiten mit direktem Bezug zur Musik (Plattencovers beispielsweise für MARC AND THE MAMBAS, Sängerporträts von BALANCE, FRIDAY, ALMOND, TIBET und zuletzt ANTONY), kombiniert sie in ihrem restlichen Werk gekonnt Qualitäten vermeintlich gegensätzlicher Richtungen wie Pop- und Outsider-Art, vereint cartooneske Elemente mit idyllischen Landschaftssujets und kindlich wirkender Folklore. Auf einer Stufe mit Malern wie RAY CESAR oder dem genialen TRAVIS LOUIE ist sie eine wichtige Vertreterin der „New Weirdness“ unseres bald zurückliegenden Jahrzehnts.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Die gerade bei <em><span style="font-size: xx-small;">TOURETTE</span></em> erschienene Zusammenarbeit zwischen Denham und den Schweizern trägt den Titel „Somewhere Between Desire And Despair“ – eine Phrase, die schon auf den ambivalenten Charakter der hier evozierten Stimmung verweist. Sie erinnert daran, dass jedem Verlangen ein Mangel zugrunde liegt, der bisweilen als schmerzhaft empfunden werden kann. Im besten Fall durchsetzt er das Begehren selbst mit einer Spur Bitterkeit, die es zu einem spannungsgeladenen Erlebnis macht. Der im Netz kundige Hörer könnte das Werk fälschlicherweise für eine Wiederveröffentlichung halten, da Val vor einigen Jahren eine ultralimitierte LP namens „Somewhere In Between Desire And Despair“ herausbrachte, die ich nie zu hören bekam. Abgesehen von ein paar bereits live eingespielten Songs ist das hier vorliegende Material allerdings neu, was den wohl leitmotivischen Status der anklingenden Thematik nahe legt. Dreiundzwanzig leidenschaftliche Fans haben (vielleicht noch) die Gelegenheit, über das Label eine aufwendige Box-Edition zu ergattern, bei der neben der regulären CD noch eine signierte Postkarte, jeweils individuelles Artwork und eine CD-ROM mit einem exklusiven Experimentalstück zu finden ist, welches selbstverständlich dreiundzwanzig Minuten lang ist. Als Intro fungiert eine im resoluten Tonfall rezitierte Passage aus CHARLES DICKENS&#8217; Historienroman „A Tale Of Two Cities“, die das Zeitalter der Aufklärung samt seinen dunklen Seiten wiedererstehen lässt. Das später immer wieder aufgegriffene Thema geschlechtlicher Zwänge als Folge überzogenen Normdenkens macht unmissverständlich deutlich, dass die in dem Zitat geäußerte Rationalismuskritik nicht als Stimme aus der Vergangenheit zu verstehen ist. Die Musik ist hier auf einen Flächensound reduziert, der eine Frauenstimme und bedrohliches Brummen in einem Drone verschmelzen lässt, das mit der Zeit recht laut wird und klar werden lässt, dass dies kein Auftakt zu einer Ambientplatte ist. Der erste richtige Song „Cobald Blue“ gibt dann die Richtung vor für den Sound der Platte: Eine Basis aus nassem Gluckern und metallischem Klicken bildet den Teppich für einen sehr geradlinig pulsierenden Beat, der eine hypnotische Wirkung auf den Hörer zu entfalten weiß. Bei diesem Song hört man nur beim Ausklang kurz die Stimme Denhams, ansonsten übernehmen Massimo und Pierce selbst den Gesangspart. Das sorgt für Abwechslung, fällt aber hinter das Charisma der Sängerin zurück und verdeutlicht, dass die stimmlichen Fähigkeiten generell nicht die stärkste Seite der Band darstellen. Klingt „Cobald Blue“ noch recht aufgeräumt, so ist das nachfolgende „Stars“ schon komplexer aufgebaut und beinahe housig. Glamourös, wie es der Titel verlangt, und mit einer gewissen Forschheit beim Gesang weckt dieser Song dann traditionsgemäß COIL-Assoziationen, hier speziell zu der verspielt acidlastigen Phase um „Love’s Secret Domain“. Erfreulicherweise verlieren sich diese Eindrücke aber mit der Zeit, vielleicht weil Denhams Gesang so prägend ist und dem Ganzen einen eigenständigen Klang und Charakter verleiht. Später gibt es auch erhabenere, von Pathos durchdrungene Momente – wenn man will kann man darin bei entsprechendem Vorverständnis wieder eine Brücke zum Frühwerk der Engländer sehen, dem Massimo und Pierce ja bekanntlich besonders zugetan sind.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Während „When In Danger“ darauf wartet, von einem zwanzigjährigen MARC ALMOND gecovert zu werden, bildet die glamrockig angehauchte Nummer „Eat Us Mother!“ einen ersten Höhepunkt des Albums. Unglaublich hypnotisch ist das Stück so mitreißend, dass gegen Ende die Scheiben bersten. Bei diesem Song, dessen Lyrics wie die meisten aus der Feder Denhams stammen, hat auch der besagte Novadnaiek einen Gastauftritt als Gitarrist. Das nicht weniger beeindruckende „Absinth“ bildet einen Kontrapunkt dazu: Ein seltsam pumpender Basslauf, merkwürdig verwehte Bläser und ein leicht verstimmt wirkendes Klavier lassen den Song, der den Absinthrausch im fortgeschrittenen Stadium beschreibt, so deformiert wirken wie das eigene Spiegelbild auf einem Silberlöffel oder einem Rohr aus glänzendem Metall. Was könnte eine schon leicht ins Verkaterte übergehende Trunkenheit am Ende einer langen Nacht besser zum Ausdruck bringen? Eine Mundharmonika lässt am Ende das Lied vom Tod erklingen und verleiht dem Ganzen einen Hauch von Fatalismus, voller Größe, aber auch voller Humor – schließlich geht es ja „nur&#8221; um die grüne Fee. Diese selbst trägt das Gesicht der Stummfilmdiva <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Brooks">LOUISE BROOKS</a> und ziert als stolze Allegorie aus Denhams eigenem Malpinsel das ansehnliche Digipack. Dabei macht sie jedoch überraschenderweise einen wenig dionysischen Eindruck. Als Verursacherin des im Song so anschaulich demonstrierten Rausches könnten ihre selbstsichere Pose, ihr asketischer Blick und alle weiteren Aspekte einer Girls-Erotik der Roaring Twenties kaum weiter von der zerfließenden Stimme im Lied entfernt sein. Im Vollbesitz aller Verführungskraft bleibt sie dennoch unnahbar.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Nach derart verschlungenen Zusammenhängen des Begehrens, bei denen lacaninfizierten Kunstnerds eigentlich das Wasser im Mund zusammen laufen müsste, ist mein dritter Anspieltipp von schlichterer und direkterer Natur: Das schon vor zwei Jahren live eingespielte Kabarett-Stück „I Try To Kill The Man“ zelebriert auf gewollt plakative Art den Exorzismus jeglicher Männlichkeit aus dem Bewusstsein dessen, der sich im falschen Körper wähnt. Ein wahrer Ohrwurm und Tanzbodenfüller, keineswegs tiefschürfend, aber grundehrlich. Es gibt weitere Songs, die sich mit Fragen der Gender-Ambiguität befassen, wobei das Fehlen theorielastiger Didaktik angenehm auffällt. Das schließt implizite Positionierung natürlich nicht aus: Wenn in dem von Spoken Words geprägten „Flowers In The Trenches“, das von den Schützengräben des Ersten Weltkrieges handelt, dem Klischee des feigen fahnenflüchtigen Soldaten mit der Frage entgegnet wird, ob es sich vielleicht um Frauen in Männerkörpern gehandelt hat, wird deutlich, dass geschlechtliche Identität in Denhams Welt gerade aufgrund ihrer Fragilität von enormer Wichtigkeit ist und nichts per se Schädliches darstellt. Ohne diesen Bereich wirklich zu überblicken habe ich den Eindruck, dass viele Werke zu diesem Thema, die sich in der Tradition postmoderner Theorien sehen, eher das Gegenteil propagieren und darauf hinweisen, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu vernachlässigen seien. Val Denham dagegen erzählt in ihren Songs die Geschichte von Männern, die ganz entschieden Frau sein wollen. Natürlich kann man einräumen, dass das alles längst nicht mehr neu ist und dass man damit heute bestenfalls auf einem gemütlichen Kirchenbasar noch provozieren kann. Dies dem Album anzukreiden würde aber für ein Missverständnis des Konzeptes sprechen, denn die Songs erwecken gar nicht den Eindruck, unbedingt innovativ und besonders provokant sein zu wollen. Die Stücke scheinen sehr persönlich gefärbt zu sein und setzen die Transgender-Thematik als etwas Selbstverständliches in Szene, das mit dem Flair des Weimarer Kabarett und alter Burleskfilme beinahe klassisch wirkt. In dieser Selbstverständlichkeit sehe ich die eigentliche Originalität, zumal darin auch eine Alternative zur oft etwas angestrengt wirkenden Indie-Attitüde angesagter Queerstars zu erkennen ist, mögen sie nun GOSSIP heißen oder auch DEVENDRA BANHART.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Musikalisch sticht des weiteren ein campiger Chanson mit Banjo und MARLENE DIETRICH-Sample hervor, sowie ein Ambienttrack mit dezent eingesetztem Barpiano, bei dessen Keyboardteppich mir erst auffällt, dass mir BSP bei so viel Augenmerk auf Val Denham fast ein wenig abhanden gekommen sind. Da stellt sich nun die Frage, ob sie das verdient haben. Wohl eher nicht, zumindest spricht das mit der Zeit eher unterschwellige Wahrnehmen ihrer Sounds für die Kongenialität dieser Zusammenarbeit, bei der die vordergründige Rolle der Sängerin eindeutig zum Konzept gehört. Auch beim Bandporträt auf dem Cover stehen Massimo und Pierce ja bezeichnenderweise ein Stück hinter ihr. Schon aufgrund dieser Rollenverteilung ist „Somewhere Between Desire And Despair“ auch eine Aufnahme geworden, bei der man den Coil-Vergleich weniger in den Mittelpunkt stellen muss – wäre zu hoffen, dass BSP das in Zukunft auch im Alleingang etwas mehr anstreben und damit für die eine oder andere Überraschung sorgen werden. Insgesamt ist das Werk eine schöne Sammlung bizarrer Songs irgendwo zwischen 90er-Jahre-Electronica und ironisch gebrochenem Revue-Sound, bei der mir nur frei nach einer den Zylinder zum Gruße ziehenden Val Denham „Dankeschön, merci!“ zu sagen bleibt.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">(U.S.)</p>
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