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	<title>African Paper &#187; Botanica</title>
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		<title>THE MINISTRY OF WOLVES: Happily Ever After</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Nov 2014 08:18:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/ministryofwolveshappilyeverafter.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9372" title="ministryofwolveshappilyeverafter" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/ministryofwolveshappilyeverafter-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Für viele ist das Wort „märchenhaft“ ein Attribut des Schönen, obwohl Märchen seit jeher umstritten sind. Der Hang vieler Märchenstoffe zu Gewalt und Grausamkeit war schon immer ein Stein des Anstoßes, ebenso die allegorischen Weltdeutungen, die bewusst den Weg des Vorrationalen gehen und die Fantasie der instrumentellen Vernunft vorziehen. Wenn selbst ein so ausgewiesener Experte wie Richard Dawkins – Spezialist für Religion, Biologie und Sozialethik und angeblich der drittwichtigste Intellektuelle unserer Zeit – ihren pädagogisch fragwürdigen Einfluss moniert, scheinen die Barometer heute eher eine märchenfeidliche Stimmung anzuzeigen. Dem steht entgegen, dass<span id="more-9371"></span> Märchen und märchenhafte Elemente nie aus der Populärkultur verschwunden sind, und dabei kann man an Fantasy ebenso denken wie an die fabelhafte Welt bunter Filme und Telenovelas, am ehesten natürlich an den direkten Bezug auf klassische Märchenstoffe in Filmen wie Terry Gilliams „Brothers Grimm“.</p>
<p>Über eine Neuinterpretation Anne Sextons referiert auch Claudia Bauer mit ihrem Theaterstück „Republik der Wölfe“ auf die Märchen des hessischen Brüderpaares. Anfang des Jahres wurde das Stück erstmals in Dortmund aufgeführt, zeitnah erschien die Musik dazu auf Platte, die Paul Wallfisch, Danielle de Piccio, Alexander Hacke und Mick Harvey unter dem Bandnamen The Ministry of Wolves eingespielt hatten. Derzeit geht das Stück auf Tournee und feiert seine zweite Premiere in der Berliner Volksbühne. Begleitend erscheint eine auf 500 Einheiten limiterte farbige LP mit bislang unveröffentlichten Songs aus dem Stück sowie einigen ins Deutsche übertragenen Albumtracks.</p>
<p>An Song-Standards gemessen wirkt das bislang unveröffentlichte „The 12 Dancing Prinzesses“ nahezu episch, denn anscheinend wurde der komplette Märchentext in coolen Spoken Words rezitiert und musikalisch untermalt. Die Geschichte um die zwölf königlichen Schwestern, die desnachts in der Unterwelt ihre Schuhe zertanzen, um dabei eine mysteriöse Aufgabe zu erfüllen, gewinnt durch das fast Andrew King-artige Drone und das unruhige Beckenrauschen zusätzlich an Spannung. Schon die letzte Veröffentlichung hatte trotz kohärenterem Albumcharakter eine Reihe an Sontypen über die Platte verteilt, die sich alle auch hier wiederfinden – rockige „Murderballads“, die mit Wallfisch am Mikro verwegen daherkommen, Abgefracktes mit Hacke, Besinnliches mit Harvey und nicht zuletzt sphärischen Attic Core mit de Piccio, die zu kindlichen Folkakkorden und geheimnisvollem Glockenspiel ihre Geschichten auf Deutsch ins Mikrophon haucht und ihnen eine zauberhafte Angestaubtheit verleiht.</p>
<p>Der Unterschied liegt wie oft bei Outtake-Sammlungen darin, dass die verschiedenen Songtypen noch unverbundener nebeneinander liegen und ihre charakteristischen Komponenten umso offener aufscheinen lassen. Somit hat diese Sammlung nicht nur ein Bonus zum Album, sondern auch eine Art making-of, das ein paar interessante Einblicke mehr in die Konzeption der Wolfsrepublik bietet.</p>
<p>A.Kaudaht</p>
<p><strong>Label: Mute</strong></p>
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		<title>THE MINISTRY OF WOLVES:  Music From Republik der Wölfe</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Mar 2014 05:55:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/03/musicfromrepublikderwoelfe.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8331" title="musicfromrepublikderwoelfe" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/03/musicfromrepublikderwoelfe-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Am 15.02. dieses Jahres wurde im Schauspiel Dortmund erstmals das Stück „Republik der Wölfe“ aufgeführt, eine opulente Adaption bekannter Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, oder genauer eine Adaption zweiten Grades, denn die Ideen und Texte basieren v.a. auf der lyrischen Neubearbeitung der Autorin Anne Sexton. Regisseurin Claudia Bauer arbeitet bei der Produktion eng mit dem musikalischen Leiter des Theaters, Paul Wallfisch, zusammen, und in den bisherigen Besprechungen ist neben Sexcrime und Splatter immer auch von der Musik die Rede. Wallfisch, selbst ein<span id="more-8330"></span> umtriebiger Pianist, rekrutierte für das Stück drei weitere Hochkaräter, namentlich Danielle de Picciotto, Alexander Hacke und Mick Harvey, deren Score nun auch als Album vorliegt.</p>
<p>Die Musik zur „Republik der Wölfe“ ist ein reines Songalbum, irgendwo zwischen Rock, Cabaret und folkiger Songwritermusik angesiedelt, und wenn man es nicht wüsste, würde man ihr die Funktion als Bühnebegleitung kaum anmerken. Schon früh macht sich v.a. in den Texten bemerkbar, dass die Auswahl und Bearbeitung der Stoffe einem inhaltlich kohärenten Konzept folgt. Jede der Erzählungen wurde auf Bezüge zur Gegenwart, zur Politik und Kultur unserer Zeit und ihren typischen Ängsten und Begierden hin abgeklopft. Der rote Faden, auch wenn er sich erst nach und nach offen zeigt, ist der Bezug zum Wolfsmotiv, das schon durch die Titelwahl eine Brücke zu einem anderen europäischen Klassiker schlägt, nämlich Hobbes&#8217; Essay „Leviathan“, in dem der Autor das Wesen der Menschen in der Allegorie des Wolfs verdichtete und mit dieser räuberischen Gesellschaftsidee eine der fatalen Grundmythen der Moderne schuf.</p>
<p>Der Bezug zur Gegenwart gelingt auch deshalb, weil die einzelnen Musiker, die ansonsten entweder mit Soloarbeiten oder mit Bands (Botanica, Einstürzende Neubauten, Crime and the City Solution etc.) aktiv sind, über weite Strecken in ihrer jeweils gewohnten Weise musizieren, wobei jeder der vier Stimmen ein bestimmter Stil zugeordnet ist. In der Zusammenstellung harmoniert dies prächtig und gibt zugleich ein Exempel ab für das heutige Songwriting, das in vielfältigen Traditionen steht und zahllose Zitate und Bezüge auf den Schultern trägt. Nicht jedem gelingt es, mit diesen Dingen, die auch eine Bürde sein können, so elegant zu jonglieren wie Wallfisch und Band. An vielen Stellen hört man aus diversen Rock- und Popkontexten vertraute Gesten oder meint das Echo bekannter, längst ikonisierter Stimmen zu hören.</p>
<p>Auf ihre je eigene Art sind alle Beiträge hier einer Ästehtik des Schönen verpflichtet, was mit den morbiden und nicht selten provokanten Inhalten nach Art klassischer Murder Ballads Kontraste eingeht. De Picciotto, die mit ihrem mädchenhaften Fantasysopran u.a. den Auftakt und das Schlussstück intoniert, hat für ihre Beiträge einen ambienten Dreampop gewählt, der mit seiner staubigen Dachkammeratmosphäre und dem verhuschten Glockenspiel die düstere Spannung der Texte (u.a. „Cinderella“, „Sleaping Beauty“) noch am direktesten einfängt. Die von Wallfisch gesungenen Stücke haben am meisten Rock&#8217;n'Roll im Blut und nähern sich den Geschichten auf eine eher cool-nonchalante Art, was wohl auch von Nöten ist, wenn man die Geschichte von Rapunzel mit der Tänzerin Isidora Duncan in Bezug setzt – statt langer Haare hatte die einen damals modischen Langschal, der ihr bekanntlich zum Verhängnis wurde. Mit gut plazierten Twangs und Honkytonk-Piano durchweht Wallfischs Beiträge stets der Hauch eines hartgesottenen, schwermütigen Blues.</p>
<p>Man könnte die von Mick Harvey gesungenen Stücke als den geerdetsten, bodeständigsten Part bezeichnen, was ihn nicht davon abhält, mit „The Frog Prince“ einen fulminanten Folkohrwurm beizusteuern. Alexander Hacke, der einzige der Neubauten ohne Pseudonym und habituell recht gut im Kreis um Simon Bonney aufgehoben, zeigt sich am expressivsten und zudem stimmlich wandlungsfähig. Bei „Snow White“ &#8211; unter anderem eine Hommage an die Zahl der Himmel, Sünden, Siegel, Weltwunder und Schöpfungstage – fällt es schwer, nicht an den Kanadier zu denken, den die Pogues einmal als „dear old Times Square&#8217;s favourite bard“ besangen.</p>
<p>Am Ende, nach einer knappen Stunde mit Bluesakkorden und Walzertakt, Rockklischees und berührenden Melodien, mag mitunter ein zwiespältiger Eindruck haften bleiben – zwiespältig deswegen, weil die Republik der Wölfe, trotz der inhaltlichen Drastik im Schnitt doch ein schöner Ort ist, an dem man gerne verweilt. Ein Ort, an dem Spannung und heimelig-unheimliches Zwielicht herrscht und die hässlichsten Dinge, Ramsch und Langeweile, konsequent fehlen. Man muss schon die lebenswichtigen Betriebsblindheiten unserer Zeit perfekt verinnerlicht haben, um diesen Bruch nicht zu bemerken, der sicher noch deutlicher aufscheinen würde, hätten die vier Wölfe hier ein glattes, kitschiges und durchweg schönfärberisches Szenario geschaffen. Dieser Zwiespalt trägt zum Großteil zum Reiz des Albums bei, und wenn auch auf der Bühne davon noch etwas zu spüren sein sollte, dann wäre dem Fantasydrama ein großes Stück Realismus gelungen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Mute</strong></p>
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		<title>LITTLE ANNIE &amp; PAUL WALLFISCH: Genderful</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 07:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/genderful.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-649" title="genderful" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/genderful-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit denen sie neben MARC ALMOND, COIL und CRASS noch gearbeitet hat und – potentielle Neu-Fans damit hoffnungslos verschrecken. Annie Bandez verfügt über eine großartige Soulstimme in Alt, und hat in Paul Wallfisch, bekannt von den Gruppen BOTANICA und FIREWATER, einen virtuosen Pianisten gefunden, dessen Spielweise bestens mit ihrem Gesang fusioniert – zur nicht unwesentlichen Bereicherung jenes musikalischen Feldes, das der gängige Jargon gerne Torch-Song nennt.<span id="more-147"></span></p>
<p>“Genderful” ist nicht nur die 160ste Veröffentlichung von Southern Records, sondern auch der zweite gemeinsame Longplayer von Annie und Paul. Während die beiden vor etwa zwei Jahren auf “When Good Things Happen To Bad Pianos” noch ihren Idolen von Jacques Brel über Frank Sinatra bis Tina Turner ihren Tribut zollten, stammen hier alle elf Songs aus eigener Feder. Schon auf den ersten Höreindruck unterschiedet sich “Genderful” durch vielfältigere stilistische Zutaten vom Vorgänger. Man bekommt hier natürlich keinen vollkommen anderen Sound geboten, auch wenn das erste Stück „Tomorrow Will Be“ fast ein wenig in Richtung Elektronica geht. Nach wie vor prägen markante Klaviermelodien das Bild, die, je nach Song, direkt aus einem Jazzkeller in Harlem oder einem Pariser Existentialisten-Club der späten 50er importiert scheinen. Dezent eingesetzte Streicher und Blasinstrumente kommen hinzu, und gerade die kommen weitaus variierter und vor allem häufiger zum Einsatz. Am stärksten fällt dies bei Stücken ins Gewicht, die an alte Filmmusik oder an Musicals erinnern, und sich wie „Suitcase Full of Secrets“ mit dem gut ausbalancierten Verhältnis von Herbheit und Gefühlsbetontheit messen können, das man von Sängerinnen wie Nina Simone her kennt. Auch „Because You’re Gone“, mit den schmachtenden Backing Vocals von Paul vielleicht der Höhepunkt des Albums, fällt in diese Kategorie. Das sind Songs, die eine emotionale Tiefe haben, die man bei vergleichbarer Musik heute bestenfalls in Alben wie Marianne Faithfulls „Before The Poison“ geboten bekommt. Ich halte es für eine positive Entwicklung, dass der Minimalismus des Vorgängers, dessen klangliche Reduktion als einmaliges Statement sehr wirkungsvoll war, nicht im gleichem Maß wiederholt wurde. So finden auch vereinzelt Gitarren ihren Einsatz, und bei „Billy Martin Requiem“ sorgt ein leicht gebrochener Rhythmus für das passende Fundament einer berührenden Hommage an zwei New Yorker (Gender-)Originale: den markig-maskulinen Sportmanager und die in ihrer Fragilität ebenso markante “She Male”. Zum Bossa Nova-Tanzen fordern uns die beiden dann in „The God Song“ auf, einem Stück, das lebensfroher fast gar nicht sein könnte. Das Gros des Albums machen allerdings stimmungsvolle Chansons wie “Miss Annie Regrets” und „In The Bar Womb“ aus. Letzteres könnte direkt aus der „Dreigroschenoper“ gefallen sein und erinnert an Songs wie das Cabaret-Shanty „Good Ship Nasty Queen“ auf Annies 2005er Album “Songs From The Coalmine Canary”, bei dem noch Antony Hegarty (JOHNSONS) und Joe Budenholzer (BACKWORLD) als (weniger graue) Eminenzen fungierten. Noch unterhaltsamer und kabarettistischer geht es auf dem von einer an Woody Allen erinnernden Klarinette begleiteten „Cutesy Bootsies“ zu, eine kurzweilige Satire auf das Klischee des eitlen, pubertären Dummchens, oder „Sexy Zen Sage“, dessen Pianopart glatt von einer bestens gelaunten Baby Dee stammen könnte.</p>
<p>Vieles in „Genderful“ ruft Sternstunden amerikanischer Populärkultur in Erinnerung. Man könnte lange überlegen, warum Annie gerade in den Texten auf so Vieles zurückgreifen kann, ohne dabei selbst ideenlos zu wirken. Wenn Phrasen wie „I see you on the other side of heartache“ oder „Some times when nights are long“ in ihren Texten vorkommen, wirkt dies, als transportiere jemand bewusst und voller Absicht die ganze Geschichte dieser Worte mit, die in zahlreichen Evergreens vorkamen und längst kulturelles Allgemeingut sind. Man hat das Gefühl, die ganze Geschichte solcher Zeilen in einem intertextuellen Chor zu hören und wird auf einmal der Bedeutsamkeit gewahr, die unter ihrer abgegriffenen Oberfläche steckt. Aber nicht nur im Rahmen solcher Wendungen wird die Freude an der Wiederbelebung demonstriert: Ob Manhattan in Leonard Cohen-Manier eingenommen wird, oder ob man Gott ganz nebenbei auch für Judy Garland dankt, auch auf direkter Verweisebene bekennen sich Annie und Paul zu ihren Vorbildern. Manchmal kommen mir die beiden so vor, als wollten sie nur eine Fußnote zu all diesen Dingen sein. Unter anderem liegt auch darin ihre Größe. Für mich ist “Genderful” bereits eines DER Alben des anstehenden Sommers. (U.S.)</p>
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