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	<title>African Paper &#187; Columbia</title>
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		<title>DEPECHE MODE: Memento Mori</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Mar 2023 01:47:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es mag angesichts der ökonomischen wie gesellschaftlichen Verwerfungen, die die Coronakrise ausgelöst hat, vielleicht etwas geschmacklos wirken, wenn man darauf hinweist, dass dadurch zum ersten Mal Depeche Modes üblicher Vierjahresrhythmus von neuem Album,Tour und anschließender Pause unterbrochen wurde. Dass „Memento &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/03/27/depeche-mode-memento-mori/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/R-26525069-1679738346-3583.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-34739" title="R-26525069-1679738346-3583" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/R-26525069-1679738346-3583-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es mag angesichts der ökonomischen wie gesellschaftlichen Verwerfungen, die die Coronakrise ausgelöst hat, vielleicht etwas geschmacklos wirken, wenn man darauf hinweist, dass dadurch zum ersten Mal <a href="http://africanpaper.com/tag/depeche-mode/">Depeche Modes</a> üblicher Vierjahresrhythmus von neuem Album,Tour und anschließender Pause unterbrochen wurde. Dass „Memento Mori“ nach dem Tode Andrew Fletchers zudem das erste Album als Duo werden würde, war zu Beginn der Arbeiten an den Songs und am Konzept noch nicht klar. <span id="more-34737"></span></p>
<p>Wir hatten hier schon bei der Besprechung von <a href="http://africanpaper.com/2013/04/06/depeche-mode-delta-machine/">„Delta Machines“ </a>thematisiert, dass trotz Stadionkonzerten und etwa 100 Millionen verkaufter Platten die Band sich den Nimbus der Kultband, der Außenseiter, beibehalten konnte &#8211; worauf jüngst noch ebenfalls der britische Guardian<a href="https://www.theguardian.com/music/2023/feb/24/depeche-mode-dave-gahan-martin-gore-interview-memento-mori"> hinwies</a>. Die New York Times <a href="https://www.nytimes.com/2023/03/19/arts/music/depeche-mode-memento-mori.html?smtyp=cur&amp;smid=fb-nytimes&amp;fbclid=IwAR3k4eVjulYEYwF73LOibJitOFcNlr1uC4vCc8YW_0DtMBle0zdtN3Np-58">skizzierte</a>, wie Depeche Mode in den USA mit ihren „misfit anthems“ über die Jahre verschiedenste Subkulturen anzog.</p>
<p>Als vor ein paar Monaten die Tracklist des Albums geleakt wurde, dachten einige Fans, es handele sich um einen Fake, da die Titel scheinbar allzu sehr auf bekannte Stücke zu verweisen schienen („Don&#8217;t Say You Love Me“, „People Are Good“, „Never Let Me Go“, „Speak To Me“). Dabei handelte es sich tatsächlich um die Songs auf „Memento Mori“ &#8211; ein Album, das zwar durchaus bewusst auf die Vergangenheit anspielt – sowohl textlich als auch musikalisch – , allerdings erstaunlicherweise ohne dass das Album ein banaler Nostalgietrip wird oder aber derivativ klingt: In der gegenwärtigen Rezeption besteht weitgehend Konsens darüber, dass „Momento Mori“ das beste Album seit dem vor 18 Jahren erschienenen „Playing The Angel“ ist.</p>
<p>Das Album beginnt mit „My Cosmos Is Mine“ (und man muss bei der Titelgebung fast unweigerlich an „World In My Eyes“ oder „Welcome To My World“ denken), auf dem Gahan fordert: „Don&#8217;t play with my world/Don&#8217;t mess with my mind“ und Gore „No war, no war“ intoniert. Dies ließe sich âuf den ersten Blick als Anknüpfung an die (allzu) explizit politischen Aussagen auf <a href="http://africanpaper.com/2017/04/01/depeche-mode-spirit/">„Spirit“</a> lesen, aber in seiner Ambivalenz ist es auch zu verstehen als Absage an die Dauerbeschallung durch in den Medien kolportierte Horrorszenarien, sozusagen als Wunsch nach Eskapismus aus einer aus den Fugen geratenen Welt. Gore war sicher auch immer dann gut, wenn er sich weniger mit Politischem als mit Privatem beschäftigte und seine häufig von Schuld- und Sühne-Metaphorik durchzogenen Texte, die auch schon einmal durchaus biblische Anklänge haben durften, sich um Beziehungen in all ihren Facetten drehten. Auf „Construction Time Again“, auf dem Depeche Mode 1983 extensiv Kritik an Umweltzerstörung etc. äußerten, findet man nach all den Jahrzehnten immer noch musikalisch viel Aufregendes, textlich allerdings einiges, was vielleicht gut gemeint war, aber ganz sicher nicht gut klang. <a href="https://www.theguardian.com/music/2023/mar/19/depeche-mode-memento-mori-review-a-life-affirming-farewell-for-fletch-andy-fletcher?fbclid=IwAR13r-zGXI4DYhbLPYdES45h0QEbICtTA7jnYNK7WsSaHBbg0P2lWAMCZwA">Kurz gefasst</a>: „Gore’s say-what-you-see lyrics are always best on the essentials of life – sex and death“. Der Opener kommt dann fast ohne Beats aus und enthält einige irritierende Sounds, ist im positivsten Sinne sperrig. Nachdem Gahan sich vor etlichen Jahren seinen kleinen Platz als Songschreiber im Bandgefüge erkämpft hat, ist „Wagging Tongue“ erst der zweite Song, den er gemeinsam mit Gore geschrieben hat (der erste, „Long Time Lie“, versteckte sich bei den Bonustracks von „Delta Machine“) und beginnt mit verspielten Synthtönen. „Ghosts Again“ war die vorab veröffentlichte Single, die eher versucht an die poppige Seite der Band anzuknüpfen, die sich in Singles wie „Enjoy The Silence“ oder „Precious“ widerspiegelt und weniger an rabiatere Tracks wie „Barrel Of A Gun“ oder „I Feel You“, die in der Vergangenheit Alben ankündigten. Im wie üblich von Anton Corbijn gefilmten Video wird – dem Thema des Albums entsprechend – an Bergmans „Das siebte Siegel“ angespielt, wenngleich vielleicht ästhetischer weniger originell als bei der Hieronymous Bosch-Hommage auf „Walking In My Shoes“.<br />
<iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/iIyrLRixMs8" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>„Don&#8217;t Say You Love Me“, das erste von vier Stücken, das Gore mit Richard Butler von The Psychedelic Furs geschrieben hat, erinnert mit seinen Streicherpassagen und Gahan als Crooner an die frühen Soloalben Scott Walkers, wie Gahan <a href="https://music.apple.com/us/station/depeche-mode-the-zane-lowe-interview/ra.1677646221">zugibt</a>. „My Favourite Stranger“ kombiniert eine fuzzy Gitarre mit einer Drummaschine, die die Band auch bei ihrem Auftritt im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fxWm93MhsFI&amp;ab_channel=DepecheModeLive">Londoner Bridgehouse 1980</a>hätte verwenden können und zeigt textlich die ganze Abgründigkeit, die im Homo sapiens steckt: „My favourite stranger/Stands where I stand/leaves crime in my wake/And blood on my hands“.</p>
<p>Diesmal singt Gore nur ein Stück: „Soul With Me“, auf dem der Abschied von der irdischen Hülle besungen wird: „I&#8217;m going where there are no cares“. „Caroline&#8217;s Monkey“ lässt mit seiner Drogenmetaphorik an Gahans eigenen Substanzabusus denken, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. „Before We Drown“ beginnt mit verspielten Synthsounds. Auf „People are Good“, ein Verweis auf den Song, der für viele wohl das Einstiegserlebnis war, wird an Kraftwerk angespielt. Das ist sicher als bewusste Hommage an die Band zu verstehen, ohne die es Depeche Mode vielleicht nie gegeben hätte, und die im Gegensatz zu den aus Basildon stammenden Briten sich leider nur noch als Nachlassverwalter des eigenen Werks betätigt. Auf dem Song hört man die wenig subtile, aber dennoch nicht unwahre Aussage: „Whisper it under your breath/People are good/Keep fooling yourself“. Offenbar hat ein Rezensent einer anderen<a href="https://www.rollingstone.de/reviews/depeche-mode-memento-mori-die-rolling-stone-kritik/"> Publikation</a> nur den Titel gelesen, anders hätte er kaum auf die Idee kommen können, der Text sei positiv zu verstehen. „Always You“, mit Gahans beeindruckendem Gesang und Synthflächen, die an die 80er denken lassen, ist ein Liebeslied, bei dem der Adressierten inmitten des herrschenden Wahnsinns quasi göttliche Attribute zugeschrieben werden (&#8220;Your grace and holiness are endless&#8221;). „Never Let Me Go“ ist mit verzerrter Gitarre und verhältnismäßig treibenden Beats eine potentielle nächste Single. Schließlich als Abschluss „Speak To Me“, eine von Gahan mit Livedrummer Christian Eigner, Produzenten John Ford und Marta Sologni, die das Album abgemischt hat, geschriebene Ballade. Mit den Worten „I&#8217;m found“ endet das Album, die man auch auf die Band beziehen könnte, denn „Memento Mori“ zeigt, dass nach Jahren von eher mediokren Alben sich die Band (neu) gefunden hat. Man verzichtet auf die teils missratenen Stadionklopper, die vereinzelt auf den Alben der letzten Jahre zu finden waren und bewegt sich stattdessen fast durchgängig im Midtempobereich, um ein stimmungsvolles, atmosphärisches Album einzuspielen: „We will be beacons/Shining so bright“ (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.columbiarecords.com/">Columbia</a></strong></p>
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		<title>LEONARD COHEN: Thanks For the Dance</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Nov 2019 04:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Adam Cohen]]></category>
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		<description><![CDATA[Oftmals wird mit dem Nachlass von Künstlern bestenfalls nachlässig, häufig aber fahrlässig umgegangen: Es wird sich noch zeigen, wie nach den ersten Veröffentlichungen weiter mit Prince&#8217; gigantischem Archiv verfahren wird, über eine ganze Reihe von Coil-Tonträgern der letzten Zeit bette &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/11/30/leonard-cohen-thanks-for-the-dance/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/11/leonard-cohen-thanks-for-the-dance-206011.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-19576" title="leonard-cohen-thanks-for-the-dance-206011" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/11/leonard-cohen-thanks-for-the-dance-206011-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Oftmals wird mit dem Nachlass von Künstlern bestenfalls nachlässig, häufig aber fahrlässig umgegangen: Es wird sich noch zeigen, wie nach den ersten Veröffentlichungen weiter mit Prince&#8217; gigantischem Archiv verfahren wird, über eine ganze Reihe von Coil-Tonträgern der letzten Zeit bette man besser den Mantel des (Ver-)Schweigens.<span id="more-19573"></span></p>
<p>Leonard Cohen war nach seiner ursprünglich erzwungenen Rückkehr auf die Bühnen, die der Veruntreuung seiner Ersparnisse durch seine Managerin geschuldet war, sehr umtriebig. Er konnte riesige Arenen füllen und hätte seine Rentenkasse sicher mit den Erträgen dieser Konzerte und dem einen oder anderen Livealbum locker füllen können, stattdessen begann eine der produktivsten Phasen seiner langen Karriere und es entstanden in – für ihn – relativ kurzer Zeit drei Studioalben, die das mediokre „Dear Heather“-Album schnell vergessen ließen. <a href="http://africanpaper.com/2016/10/29/leonard-cohen-you-want-it-darker/">„You Want it Darker“</a>, im Herbst 2016 zwei Wochen vor seinem Tod veröffentlicht, war ein – dem Titel entsprechend – dunkle(re)s Album, das die Trias klimaktisch abschloss und auf dem der Schnitter omnipräsent war: „At first he touched on love/But then he touched on death“, hieß es dort, ein Synagogenchor erklang und Cohen sang „I am ready my Lord“. Was kann also nach so einem in jedem Wortsinne verstandenen Abschied noch kommen, was nicht antiklimaktisch wäre?</p>
<p>Sein Sohn Adam hat einige halbfertige Stücke aus den letzten Aufnahmesessions mit einer Reihe von ehemaligen Weggefährten seines Vaters fertiggestellt. Adam Cohen hatte schon „You Want It Darker“ produziert und war maßgeblich am Klangbild dieses Albums beteiligt, insofern ist er vielleicht nicht der Ungeeignetste, um letzte Verse und ein letztes Singen musikalisch untermalen zu lassen.</p>
<p>Was auffällt, ist dass zwar auch hier die brutale Faktizität des Alter(n)s und Sterbens thematisiert wird, wie z.B. auf dem im Vorfeld veröffentlichten einminütigen „The Goal“: „I can’t leave my house/Or answer the phone/I’m going down again“. Hier wird der Tod als etwas Unvermeidliches gesehen: „As for the fall – it began long ago/Can’t stop the rain/Can’t stop the snow“ (schon Philip Larkin schrieb bezogen auf das, was uns alle erwartet: „Most things never happen/This one will“). Auf “The Hills” heißt es: „I’m living on pills/For which I thank G-d“. Dabei lässt sich auch der Albumtitel durchaus im übertragenen Sinne lesen, als Abschluss eines Lebens, über das es in den ersten Zeilen des Albums -in typischer Cohen&#8217;scher Manier selbstironisch &#8211; heißt: “I was always working steady/But I never called it art/I got my shit together/Meeting Christ and reading Marx”.</p>
<p>Viel stärker als auf dem Vorgänger geht es aber auf &#8220;Thanks For The Dance&#8221; um das, was Cohens Texte von Anbeginn an durchzogen hat: Eros, Sex, um das, was mit dem Herzen geschieht, wie es im Opener „Happens To The Heart“ beschrieben wird: „There’s a mist of summer kisses/Where I tried to double-park/The rivalry was vicious/The women were in charge“. An anderen Stellen wird der physische Aspekt des Liebens und Begehrens noch deutlicher: „I touched her sleeping breasts/They opened to me urgently/Like lilies form the dead“ („The Night Of Santiago“ – eine<a href="https://www.theguardian.com/music/2019/nov/24/leonard-cohen-adam-thanks-for-the-dance-interview"> Adaption eines Gedichts</a> seines großen Heroen Lorca, nach dem er auch seine Tochter benannte). Wenn er auf dem Titelstück singt &#8220;It was fine it was fast/We were first we were last/In line at the Temple of Pleasure”, dann wird hier auch der Geschlechtsakt quasi metaphysisch aufgeladen.</p>
<p>Die Instrumentierung ist fast durchgängig behutsam. Der langjährige Gitarrist Javer Mas lässt mit seiner gezupften spanischen Laute an Teile des Frühwerks denken, gerade auf dem starken Opener &#8220;Happens To The Heart&#8221;. Die griechisch anmutenden Gitarren zu Beginn von „Moving On“ lassen an Cohens Zeit auf Hydra denken und den Text <a href="https://www.cbc.ca/radio/q/leonard-cohen-s-son-adam-on-his-father-s-first-posthumous-album-thanks-for-the-dance-1.5368294">änderte er wohl auch leicht ab</a>, nachdem er vom Tod der ehemaligen Geliebten Marianne Ihlen erfahren hatte. Der Chor seiner Synagoge untermalt &#8220;Puppets&#8221;, das politischste Stücke des Albums, auf dem Cohen singt: &#8220;German puppets burned the Jews&#8221;. Das karge Piano auf „The Goal“ passt zu Zeilen wie „No one to follow/And nothing to teach/Except that the goal/Falls short of the reach“. Das wären eigentlich passende Schussworte gewesen, allerdings endet das Album mit „Listen To The Hummingbird“, das auf einer Gedichtrezitation Cohens während seines letzten öffentlichen Auftritts basiert.</p>
<p>Insgesamt erreicht das 29-minütige Album sicher nicht diese finale Dichte von „You Want It Darker“, aber als Coda zum letzten Album ist es sicher nicht das schwächste posthume Album eines Künstlers. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.columbiarecords.com/">Columbia </a></strong></p>
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		<title>DEPECHE MODE: Spirit</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Apr 2017 06:26:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als Depeche Mode nach dem Weggang Vince Clarkes 1982 „A Broken Frame“ veröffentlichten, so war das (noch) eine etwas unausgegorene Mischung, auf der sich neben recht seichten Popsongs wie „The Meaning of Love“ mit „Leave in Silence“ schon die Momente &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/04/01/depeche-mode-spirit/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/03/DepecjeModeindex.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-13544" title="DepecjeModeindex" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/03/DepecjeModeindex-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als Depeche Mode nach dem Weggang Vince Clarkes 1982 „A Broken Frame“ veröffentlichten, so war das (noch) eine etwas unausgegorene Mischung, auf der sich neben recht seichten Popsongs wie „The Meaning of Love“ mit „Leave in Silence“ schon die Momente von Düsternis und Schwere fanden, die das Werk der Band in den nächsten Jahrzehnten charakterisieren sollten und die es ihnen ermöglichten, sich trotz Millionen verkaufter Tonträger einen kleinen Nimbus Subkultur zu bewahren. Als ein Jahr später<span id="more-13543"></span> „Construction Time Again“ mit dem neuen Mitglied Alan Wilder &#8211; dessen Klangtüfteleien die Musik der Band bis zu seinem Weggang 1995 prägten &#8211; erschien, versuchten Depeche Mode den erwachseneren Sound mit im weitesten Sinne sozialkritischen Themen zu kombinieren: Umweltzerstörung wurde auf „The Landscape is Changing“ angeprangert, Gier auf „Everything Counts“. Auch wenn es nach diesem Album Aufrufe zu Toleranz („People Are People“) und Kritik an Religion (“Blasphemous Rumours“, „Personal Jesus“) gab, lag der Schwerpunkt der Texte aber klar auf dem (allzu)menschlichen Miteinander, auf (devianter) Sexualität, Schuld und Sühne.</p>
<p>Es ist also eine amüsante Koinzidenz, dass ausgerechnet kurz vor Veröffentlichung des 14. Studioalbums Richard Spencer <a href="http://www.factmag.com/2017/02/23/depeche-mode-richard-spencer/">behauptete</a>, Depeche Mode sei die offizielle Band der Alt-Right, ist „Spirit“ doch das politischste Album, das die Band seit oben genanntem veröffentlicht hat und es lässt sich als Kritik an all den Entwicklungen verstehen, die ihre offensichtlichste Manifestation in dem Präsident mit den<a href="http://www.huffingtonpost.com/entry/donald-trump-handprint-size_us_57a23518e4b0104052a0cf68"> kleinen Händen</a> gefunden haben (auch wenn das Album schon früher geschrieben wurde). Gahan betitelte Spencer dann auch bezeichnenderweise als <a href="http://www.billboard.com/articles/columns/rock/7723868/depeche-mode-dave-gahan-spirit-politics-interview">„educated cunt“.</a></p>
<p>Der Opener „Going Backwards“ beklagt die zunehmende Regression, die Rückkehr des Homo sapiens zu einer „cavemen mentality“ (der von Teilen der Alt-Right geschätzte Jack Donovan wird diese Entwicklung sicher begrüßen). Die vorab veröffentlichte Single „Where’s the Revolution“ kritisiert die „patriotic junkies“, die ihre Entscheidungen von ihren Regierungen und ihrer Religion treffen lassen. Gahan fordert dann dazu auf, den Zug der Revolution zu besteigen. Zum Teil mag es Gores schon immer vorhandener Orientierung an traditionellen Reimschemata geschuldet sein, dass sich die (sicher wohlgemeinten) Texte anhören, als seien sie der Feder eines Zehntklässlers entsprungen (und nicht der eines Mittfünfzigers): „Once there were solutions/Now we have no excuses/They got lost in confusion/So we&#8217;re preparing the nooses“ heißt es (völlig ironiefrei) auf „The Worst Crime“. Bei Dave Gahan, der insgesmt vier Songs dieses Albums (mit)geschrieben hat, klingt das auch nicht überzeugender: „Hey, there&#8217;s no news/Poor man still got the blues/He&#8217;s walking around in worn out shoes/With nothing to lose“, singt er auf dem bluesigen „Poorman“. Auf dem von Gore gesungenen „Eternal“ wird die nukleare Apokalypse beschworen: “And when the black cloud rises/And the radiation falls/I will look you in the eye/And kiss you”. Anne Clark machte schon 1983 auf „Poem For a Nuclear Romance“ deutlich, dass angesichts der nuklearen Vernichtung Zwischenmenschliches zur Bedeutungslosigkeit verdammt ist: &#8220;your marble flesh will soon be raw and burning /and kissing will reduce my lips to a pulp&#8221;. Trotz Gores sich auf &#8220;Eternal&#8221; offenbarender Naivität ist das gerade einmal zwei Minuten lange Stück, das klingt, als habe er auf eine seiner analogen Synthminiaturen seines unter dem lapidaren Namen MG veröffentlichten Soloalbums zurückgegriffen, vielleicht das ergreifendste Stück des Albums.</p>
<p>Dabei geht es auf „Spirit“ natürlich nicht nur um Politisches, auch Sex wird abgehandelt: “If you give me something that you and I can play/Let me ring your bell/I don&#8217;t need you, I don&#8217;t need your ball and chain/There&#8217;s no water in that well/But I like the way you move/I like the way you move for me tonight”, heißt es auf &#8220;You Move&#8221;. Metaphorisch origineller wurde so etwas auf “World In My Eyes” thematisiert. Das treibende „So Much Love“ spielt musikalisch an „A Question of Time“ an, die bearbeiteten Vocals auf &#8220;Scum&#8221; lassen an &#8220;Barrel of a Gun&#8221; denken.</p>
<p>Das größte Problem des Albums sind weniger diese (vielleicht) selbstreferenziellen Zitate, sondern die Tatsache, dass sich das Album auf weiten Strecken wie eine Bricolage der eigenen musikalischen Biographie anhört. Der Band scheint etwas der Esprit zu fehlen, was vielleicht nach 36 Jahren nicht unbedingt überraschend ist. &#8220;Oh, we&#8217;ve failed&#8221; singt Gore auf dem letzten Stück des Albums &#8211; natürlich in einem anderen Kontext. Dass dieses Versagen dennoch hörbarer ist als das, was andere Künstler nach so langer Zeit zustande bringen, mag vielleicht ein kleiner Trost sein. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.columbiarecords.com/">Columbia</a></strong></p>
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		<title>LEONARD COHEN: You Want it Darker</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2016 08:59:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leonard Cohen]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt wohl wenige (ursprünglich) der ökonomischen Notwendigkeit geschuldeten Comebacks – die Veruntreuung von Cohens Ersparnissen durch seine Managerin während seines Aufenthaltes im buddhistischen Kloster ist gut dokumentiert  -, die künstlerisch so ertragreich gewesen sind wie das des inzwischen 82-jährigen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/10/29/leonard-cohen-you-want-it-darker/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/10/Cohen.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12900" title="Cohen" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/10/Cohen-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt wohl wenige (ursprünglich) der ökonomischen Notwendigkeit geschuldeten Comebacks – die Veruntreuung von Cohens Ersparnissen durch seine Managerin während seines Aufenthaltes im buddhistischen Kloster ist <a href="http://www.theglobeandmail.com/arts/judge-grants-leonard-cohen-multimillion-dollar-judgment-against-ex-manager/article4100082/">gut dokumentiert</a>  -, die künstlerisch so ertragreich gewesen sind wie das des inzwischen 82-jährigen Kanadiers – und zwar qualitativ wie quantitativ: Schließlich hat Cohen seit 2012 alle zwei Jahre ein neues Studioalbum veröffentlicht, etwas, das ihm seit seinen ersten drei Alben nicht mehr gelungen ist.<span id="more-12899"></span> Die<a href="http://www.rollingstone.com/music/videos/flashback-bob-dylan-covers-leonard-cohens-hallelujah-w444773"> Anekdote</a>, dass er dem diesjährigen Nobelpreisträger gegenüber behauptet habe, für „Hallelujah“ habe er nur zwei (statt der tatsächlichen fünf) Jahre benötigt, während Dylan sagte, „I and I“ habe er in 15 Minuten geschrieben, sagt viel über seinen<a href="https://www.facebook.com/leonardcohen/videos/10154701139089644/"> Arbeitsprozess</a> aus.</p>
<p>Auf dem Cover des von seinem Sohn produzierten Albums blickt Cohen aus dem Licht ins Dunkel und seine Hand reicht schon hinein. Man kann das natürlich als Abgesang, als Blick Richtung Schnitter lesen. Man denke auch an den weithin Widerhall gefundenen <a href="https://www.theguardian.com/music/2016/aug/07/so-long-marianne-leonard-cohen-writes-to-muse-just-before-her-death">Brief</a>, den Cohen an seine im Sterben liegende ehemalige Partnerin verfasste: „Marianne, it’s come to this time when we are really so old and our bodies are falling apart and I think I will follow you very soon. Know that I am so close behind you that if you stretch out your hand, I think you can reach mine.“ Im<a href="http://www.newyorker.com/magazine/2016/10/17/leonard-cohen-makes-it-darker"> New Yorker</a> sprach er davon, er sei bereit zu sterben. Auf dem Titelstück heißt es „I’m ready my Lord“ und „I’m broken and lame“. Auf „Steer Your Way“ singt er: “Steer your way through the pain/that is far more real than you/That has smashed the Cosmic Model,/that has blinded every View”. Es werden Abschiede thematisiert: „I’m leaving the table/I’m out of the game“ hört man auf „Leaving the table“ oder “I’m traveling light/It’s au revoir ” auf “Traveling light”. Dennoch: Wenn das in vielen der Rezensionen der Standardinterpretationsansatz wird, dann ist das vielleicht manchmal eine etwas (zu) eindimensionale Lesart, schließlich hat es Tod, Dunkelheit und Enden im Werk Cohens schon immer gegeben (und als 54-Jähriger thematisierte er im inzwischen paradigmatisch gewordenen „Tower of Song“ schon den schmerzenden Körper). Man sollte bei der Exegese auch nicht vergessen, dass z.B. „It Seemed the Better Way“ auf einem schon 2008 veröffentlichten Gedicht aus Cohens „Book of Longing“ basiert und eben kein aktueller Text ist.</p>
<p>Allerdings kann man zumindest sagen, dass die Transformation vom agilen Endsiebziger, der nach einem Dreistundenkonzert noch in der Lage war, auf der Bühne in die Knie zu gehen, in einen fragilen 82-Jährigen, der im Booklet des Albums seine Rückenprobleme, die ihn fast von der Fertigstellung des Albums abgehalten hätten, thematisiert, ein Zeichen der brutalen Faktizität des Alter(n)s ist. „[O]ur flesh/ surrounds us with its own decisions“, heißt es schon in Larkins Gedicht „Ignorance“.</p>
<p>Ob das Album als <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/leonard-cohen-sein-testament-14499076.html ">“Testament”</a> zu lesen ist, wird sich zeigen, schließlich verkündete Cohen jüngst augenzwinkernd entgegen seinen Äußerungen im oben angesprochenen Interview, er plane 120 Jahre alt zu werden und wolle noch zwei weitere Alben aufnehmen.</p>
<p>Wie auch schon die beiden Vorgänger bietet das behutsam instrumentierte „You Want it Darker“ weit mehr als <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2016-10/leonard-cohen-madness-james-arthur-fewjar-nighthawks-soft-hair-tontrager">“gediegene[…] Ereignislosigkeit”</a> (die ein Rezensent scheinbar wohlwollend attestierte). Da gibt es das dezent von Piano und Bass untermalte „Treaty“, „Leaving the Table“ mit seiner Pedalsteelgitarre, das reduzierte Pochen des Titelstücks, die im Hintergrund dröhnende Orgel auf „If I Didn’t Have Your Love“, das Mandolinenspiel auf „Travelling Light“, das vielleicht eine Reminiszenz an Cohens Zeit auf Hydra ist. Auf „Steer Your Heart“ (ein Stück, auf dem Cohen tatsächlich in Passagen singt) lassen sich gar musikalische Anspielungen auf seine Anfänge in einer Countryband finden. Die Stücke am Ende des Albums, auf denen den Streichern eine größere Rolle zukommt, sind besonders überzeugend und weisen vielleicht in eine leicht neue Richtung: Auf “It Seemed The Better Way” gibt das Zusammenspiel von Geige und dem Synagogenchor, der auch schon auf dem Titelsong zu hören ist, dem Stück eine fast transzendentale Größe (auch wenn Cohens Beziehung zu etwas Höherem immer von Ambivalenz geprägt war: &#8220;A million candles burning/For the love that never came&#8221;). Auf der das Album abschließenden „String Reprise“ wird „Treaty“ noch einmal aufgenommen. Das ist fast eine Form von Kammermusik, die zur Begleitung von Cohens Bariton sicher geeigneter ist als die teils arg <em>cheesy</em> klingende Keyboarduntermalung einiger anderer Alben. Und auch der Synagogenchor passt zu Stimme und Stimmung besser als die Backgroundsängerinnen, die Cohens Alben und Auftritte so lange begleitet haben (und die sich hier u.a. bei „On the Level“ noch einmal finden).</p>
<p>Wenn tatsächlich das unausgegorene „Dear Heather“, von dem sich bezeichnenderweise (ebenso wie von Cohens Album mit Phil Spector ) kein Stück auf Setlists der letzten Jahre gefunden hat, sein Schwanengesang geworden wäre, dann wäre sein Abtritt von der Bühne sicher antiklimatisch gewesen, aber mit den drei Alben der letzten Jahre hat er ein Spät(est)werk geschaffen, das beeindruckend ist.„I’m angry and I’m tired all the time“ heißt es auf „Treaty“. Man kann hoffen, dass der Ärger über die Müdigkeit triumphiert und Cohen die Energie gibt, ein neues Testament aufzunehmen. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.columbiarecords.com/">Columbia</a></strong></p>
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		<title>DEPECHE MODE: Delta Machine</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Apr 2013 06:34:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle vier Jahre veröffentlichen Depeche Mode ein Album, fragen Journalisten die meist gleichen uninspirierten Fragen (meistens zum Beziehungsgefüge innerhalb der Band) und geht die Band auf eine extensive Tour, auf der deutlich wird, dass im Fansein auch immer Fanatismus steckt. &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/04/06/depeche-mode-delta-machine/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/Depeche-Mode-Delta-Machine-Album-Art-mala-1024x997.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6686" title="Depeche-Mode-Delta-Machine-Album-Art-mala-1024x997" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/Depeche-Mode-Delta-Machine-Album-Art-mala-1024x997-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Alle vier Jahre veröffentlichen Depeche Mode ein Album, fragen Journalisten die meist gleichen uninspirierten Fragen (meistens zum Beziehungsgefüge innerhalb der Band) und geht die Band auf eine extensive Tour, auf der deutlich wird, dass im Fansein auch immer Fanatismus steckt. Die Kehrseite der „Devotion“ der Fans ist die extreme Intoleranz – und wer erlebt hat, wie vor etlichen Jahren mit der Supportgruppe Miranda Sex Garden umgegangen wurde, weiß wovon ich spreche.<span id="more-6685"></span></p>
<p>Jüngst findet sich in fast jeder Besprechung des neuen Albuns „Delta Machine“ &#8211; so wie nun auch hier – der Hinweis auf die inzwischen 100 Millionen verkaufter Tonträger. Das ist insofern interessant, als ein Merkmal Depeche Modes ist, dass trotz dieses immensen kommerziellen Erfolgs, von dem inzwischen nicht mehr Mute Records sondern der Major Columbia profitiert, die Band bei manchen immer noch der Nimbus des Avantgardistischen, des Außenseitertums anhaftet, das Fansein also auch immer (noch) ein gewisser Distinktionsgewinn sein kann. Und natürlich: Wer sich anschaut in der Nachbarschaft welcher Künstler sich die erste (nicht sonderlich aufregende) Single „Heaven“ in den aktuellen Singlecharts befindet, dann wundern solche Einschätzungen nicht. Der Verfasser dieser Zeilen erinnert sich noch, wie ihm jemand sagte, er sei DJ und lege in Dorfsdicocs auf und Depeche Mode könne er einfach nicht spielen, denn die seien zu extrem und schräg. Tatsächlich wird ein an Helene Fischer und den Böhsen Onkelz sozialisiertes Publikum die drei Briten auch nur bedingt goutieren können. Das sagt aber dennoch erst einmal mehr über die Hörer als über die Musik aus und ich wage zu behaupten, dass sich unter den Bürokaufmännern und -Frauen, die die fast wöchentlich stattfindenden Depeche Mode-Partys besuchen, wenige finden, die sich eher für experimentelle Musik als für die Ergüsse stumpfer Depeche Mode-Epigonen interessieren. Will sagen: Ane One finden sich sicher eher im CD-Spieler des durchschnittlichen Depeche Mode-Fans als ein Album von Throbbing Gristle.</p>
<p>Aber zum Album an sich: Ob es sinnvoll war, im Vorfeld das Album in nahe Verwandtschaft zu „Violator“ (dem noch immer kommerziell erfolgreichsten Album der Band) und „Songs of Faith and Devotion“ (dem letzten Album mit Alan Wilder, dessen Hand und Ohr für Klänge nicht nur ewiggestrige Fans vermissen) zu stellen, sei dahingestellt, denn zum einen werden damit (zu hohe) Erwartungen geweckt, zum anderen wird die Rezeption in eine Richtung gelenkt, die nur bedingt durch die Musik auf „Delta Machine“ erfüllt wird. Thematisch knüpft das von sperrigen Sounds eröffnete und das Album einleitende „Welcome to my World“ durchaus an „World in my Eyes“ (von „Violator“) an: „And if you stay a while/I&#8217;ll penetrate your soul/I&#8217;ll bleed into your dreams/You&#8217;ll want to lose control“. Da manifestiert sich wieder der Wunsch nach einer abgeschotteten Welt, einem Hortus conclusus, in dem der Sexus re(a)giert und man fast transzendentale Ekstase erfährt (das ist Bataille light). An diesen Wunsch nach Kontrolle eines überschaubaren Raums knüpft das minimalistische, nur von repetetiven technoiden Passagen untermalte „My Little Universe“ an. Auf dem bluesigen „Angel“ inszeniert sich Gahan als jemand, den der „angel of love“ aus dem Ruder wirft. „Lord I felt so small/The legs beneath me weakened/And I began to crawl“ &#8211; aber am Ende findet der „Sünder“ den lang ersehnten Frieden. Dieses Stück ist vielleicht paradigmatisch für die von Gore bevorzugte Metaphorik und die großen Geschichten von Leiden und Erlösung, die das Werk der Band seit Jahrzehnten prägen und die (auch) immer wieder von Rezipientenseite mit Gahans schon lange überwundenem Drogenabusus verknüpft werden. Würde man eine tag cloud erstellen , so entstünde ein Wust aus „shame“, „guilt“ („Should be Higher“), „God“ („Secret to the End“), „sinners“ („Angel“) und im Zentrum stünde die „Seele“ („The Child Inside“, „Alone“, „Soothe my Soul“, „Goodbye“). Gores fast schon katholische Metaphorik wirft die Frage auf, ob das nächste Video der Band nicht von Abel Ferrara inszeniert werden sollte.</p>
<p>Der Blues, auf den der Titel des Albums anspielt, findet sich auf „Heaven“, „Angel“, „Slow“ (ein Titel, auf dem die Entschleunigung des Geschlechtsakts zelebriert wird) und dem Abschluss „Goodbye“. Musikalisch anders ausgerichtet ist der Stadionklopper „Soft Touch/Raw Nerve“, den man sich auch in einer Großraumdisco leider nur allzu gut vorstellen kann, oder auch das treibende als Vergewaltigungsphantasie lesbare „Soothe My Soul“, das als zweite Single ausgekoppelt werden wird. Es finden sich aber auch klare Rückbezüge auf die 80er: „Broken“ könnte von „Music for the Masses“ stammen und auch „Secret to the End“ oder „Should Be Higher“ (eine von drei Gahan-Kompositionen) verweisen auf die Vergangenheit – ohne aber allzu nostalgisch zu klingen. Auf der regulären Albumedition findet sich mit „The Child Inside“ die einzige von Martin Gore gesungene Nummer . Die immer wiederkehrenden Themen und Topoi (Liebe und Sex) sind für sich genommen kein Problem, viele (große) Künstler in allen Genres arbeiten sich jahrzehntelang an immer wiederkehrenden Themen ab, allerdings schießen die Texte manchmal über das Ziel hinaus, aus Pathos wird dann Bathos: „It was you that took my sould/Threw it in the fire/Tamed it in the rapture/Filled me with desire“. („Goodbye“).</p>
<p>Dennoch: Trotz der angesprochenen Schwächen, die sich in der einen oder anderen Form auch auf anderen Tonträgern der Band fanden, ist „Delta Machine“ ein Beispiel für großartige Popmusik, die vielleicht – um auf den Anfang zurückzukommen – aus der Sicht mancher kaum avantgardistisch sein dürfte, die aber nicht nur graduell besser ist als der Großteil dessen, was die Charts bevölkert und davon einmal abgesehen gibt es Künstler, die weitaus schlechter altern und nach 30 Jahren nur noch Schatten ihrer selbst sind. Insofern spricht nichts dagegen, die im Eröffnungstrack besungene Welt zu betreten.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://www.columbiarecords.com/">Columbia</a></p>
<p>Band:<a href="http://www.depechemode.com/"> Depeche Mode</a></p>
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