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	<title>African Paper &#187; Doom</title>
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		<title>HEROIN IN TAHITI: Canicola</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jul 2014 07:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn Musiker die Sonne, die Flora und die regionalen Bräuche ihrer Länder besingen, endet das nicht selten im Postkartenkitsch, v.a. wenn es sich bei dem Land auch noch um ein beliebtes Touristenziel handelt. Wer Heroin in Tahiti kennt, weiß allerdings, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/07/19/heroin-in-tahiti-canicola/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/07/HITCANICOLA.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-9126" title="HITCANICOLA" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/07/HITCANICOLA.jpg" alt="" width="150" height="206" /></a>Wenn Musiker die Sonne, die Flora und die regionalen Bräuche ihrer Länder besingen, endet das nicht selten im Postkartenkitsch, v.a. wenn es sich bei dem Land auch noch um ein beliebtes Touristenziel handelt. Wer Heroin in Tahiti kennt, weiß allerdings, dass sie unter exotischem Charme etwas anderes verstehen, denn ihre im Zeitlupen-Surfsound beschworenen Südseesettings strahlten eine dreckige Düsternis aus, die mehr mit einem Neo Noir-Streifen gemein hat als mit einem auf Hawaii spielenden Elvis-Schinken. Wer die römische Band in den Jahren ihres Bestehens etwas genauer verfolgt hat, der erinnert sich vielleicht daran, dass sie sich auch schon ihrer italienischen Heimat gewidmet haben. <span id="more-9125"></span>Erst im letzten Jahr lieferten sie die Musik zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9ewVfM8tk2g">einem grobkörnig verwaschenen Kurzporträt der Region Basilicata</a>, das vom sporadisch filmenden Noisemusiker Torba gedreht wurde. Mit seinen unberechenbaren Schnitten und seinem Fokus auf Marginalia ist dieses dekonstruierte Idyll keineswegs an den Durchschnittstouri adressiert.</p>
<p>Auf dem neuen Tape widmet das Duo sich erstmals konzeptuell dem Thema Italien und folgt dabei den Spuren des hierzulande nur Spezialisten bekannten Anthropologen und Religionsforschers Ernesto de Martino (1908-1965), dessen Themen von antiken Kulten bis hin zu volkstümlichen Bräuchen und den mythisch-religiösen Subtexten des modernen italienischen Lebens reichen. &#8220;Canicola&#8221; ist nach eigenen Angaben der Sonne, dem Aberglauben und dem gelbgoldenen Korn Italiens gewidmet und macht schon im ersten Stück klar, dass die Hitze hier siedend ist und die porträtierte Kultur einen obsessiven, wahnhaften Unterton aufweist. Beim Titelstück, das die erste Seite komplett ausfüllt, offenbaren sich Heroin in Tahiti erst mit der Zeit, wenn sie irgendwann nach diversen Breaks mit doomigen Zeitlupenriffs und den vertrauten WahWahs jeden Zweifel ausräumen, dass sie es sind. Weite Strecken des Stücks jedoch bedienen einen Computersound mit 80er Jahre-Charme, den man vielleicht noch eher beim Kollegen Mai Mai Mai erwartet hätte. Im groben Soundbrei der kreisenden Elektronik erscheint die Sonne kaum lichtspendend, die Hitze, die sie verbreitet, hat eher etwas von drückender Schwüle als von maritimer Frische, und die einzigen unmissverständlich italienisch anmutenden Details scheinen die versteckten Giallosounds zu sein, die sich zwischen Dröhnen und funkigen Einsprengseln finden (oder überhört werden). Willkommen also in einem modernen Italien, das einem hier keinesfalls auf dem Serviertablett des Fremdenverkehrs präsentiert wird. Etwas mehr Abwechslung tut sich in den kurzen Fragmenten der zweiten Tapeseite auf. Eine verfremdete Spieluhr greift die cineastischen Assoziationen des ersten Teils auf und kombiniert sie mit nicht weniger filmisch konnotierbaren Desert Rock-Gitarren. Ihr fatalistische Picking taucht an einigen Stellen erneut auf, verschmilzt mit nervigen Vögeln und allerhand noisigem Dröhnen, in “La Madonna” verwandelt es sich vollens in eine Klangwand, die zusammen mit einer gesampleten Arie und einem monoton-schleppenden Rhythmus den größten Kracher des Tapes hervorbringt.</p>
<p>Nach dem Longplayer-Debüt “Death Surf” (Boring Machines), dem Split mit Ensemble Economique (No=Fi) und der Single auf Yerevan Tapes demonstrieren Heroin in Tahiti mit “Canicola” erneut ohne Pause, dass sie sich kaum auf ihreen Lorbeeren ausruhen und ihren Sound v.a. zu variieren wissen. Der leicht hörspielartige Grundtenor des Tapes gelingt ebenso gut wie die Evokation eines für viele ungewöhnlichen, mythischen Italiens. Sollte demnächst wieder ein rockiger Slow Tempo-Nachfolger von “Death Surf” auf dem Plan stehen, wäre das dennoch zu begrüßen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.nofirecordings.blogspot.com">No=Fi</a></strong></p>
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		<title>ENSEMBLE ECONOMIQUE / HEROIN IN TAHITI: Split LP</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Apr 2013 06:05:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Surfrock der frühen 60er ist an sich cool genug, dass man ihn gut dreißig Jahre später auch mal eins zu eins kopieren konnte, ohne gleich peinlich zu wirken, und die zahllosen Tarantino-Parties waren sicher nicht der schlimmste Hype aus den &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/04/13/ensemble-economique-heroin-in-tahiti-split-lp/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/EE_HITcover.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-6741" title="EE_HITcover" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/EE_HITcover.jpg" alt="" width="306" height="153" /></a>Surfrock der frühen 60er ist an sich cool genug, dass man ihn gut dreißig Jahre später auch mal eins zu eins kopieren konnte, ohne gleich peinlich zu wirken, und die zahllosen Tarantino-Parties waren sicher nicht der schlimmste Hype aus den Annalen der 90er Jahre. Seinen Niederschlag in späterer Musik fand dieser Sound hauptsächlich bei<span id="more-6740"></span> Rockabillies und Psychobillies unterschiedlicher Qualität. Im letzten Jahr machte eine italienische Combo namens Heroin in Tahiti mit einer stark verlangsamten, geradezu doomigen Variante dieser Musik von sich reden, bei der die Grundkomponenten zum Material cineastischer Klangwelten umfunktioniert wurden. Ihr Erstling &#8220;Death Surf&#8221;, der weit mehr zu bieten hatte als die üblichen Twangs bloß auf Valium, wurde sehr positiv aufgenommen &#8211; zurecht, weswegen er auch bei uns seine Würdigung fand. Jetzt sind die beiden Römer zurück mit einer Split-LP, die sie sich mit einem Geistesverwandten aus dem Lande der Beach Boys teilen: dem Kalifornier Brian Pyle mit seinem Projekt Ensemble Economique, das er solo neben Bands wie den Starving Weirdos betreibt.</p>
<p>Wenn sich Musiker eine LP teilen, kann das in vielfacher Weise schief gehen, der Stil der jeweiligen Beiträge kann zu nah beieinander liegen, oder eben bezugslos wirken, wobei sehr unterschiedlich geartete LP-Seiten auch einen reizvollen Kontrast bilden können. Heroin in Tahiti und Ensemble Economique ähneln sich vom Stil, bei beiden groovt es düster, und beide haben offensichtlich einen äußerst kreativen Zugang zu älterer, psychedelisch konnotierter Musik und zu nerdigem Kino jenseits der großen Filmtheater. Doch die Stücke sind im Aufbau und von der Stimmung her unterschiedlich genug, um eigene Handschriften herauszuhören. Das bringt natürlich mit sich, dass man sie aneinander misst. Heroin in Tahiti sind mit einer längeren Komposition vertreten. Das Stück ist in mehrere Abschnitte unterteilt, deren Aufbau die fiktive Reise in ein düsteres Südsee-Setting widergibt. Die &#8220;Black Vacation&#8221; beginnt unter dem Titel &#8220;Departure&#8221; am einem Flughafen, dessen Geräusche neugierig machen, bis spontane Lärmattacken, die einen fast so sehr erschecken wie der schwarze Mann bei &#8220;Mulholland Drive&#8221;, der kurzen &#8220;Music for Airports&#8221; ein jähes Ende bereiten. &#8220;Welcome to Paradise Island&#8221; heißt es nun, doch die Kitsch-Möven sind so trügerisch wie die derweil noch smoothe Musik, werden bald lauter und bedrohlicher und geleiten einen an die &#8220;Edge of the Jungle&#8221;, wo drogengeschwängerte Surfmelodien und skurrile Ethnobeats mit einem Klangteppich aus verzerrten Schreien verschmilzen. Vielleicht sind dies die &#8220;Whispers from the Quicksand&#8221;, die einen in ihren Bann schlagen, bevor unter dem Motto &#8220;Blood before Dawn&#8221; groovige Rhythmen und futuristische Sounds der Geschichte ein ungewisses Ende bereiten.</p>
<p>Ensemble Economique steuert drei Stücke bei, die insgesamt wie aus einem Guss wirken. Zusammen sind sie weit weniger auf einem Verlauf hin ausgerichtet, vielmehr fokussieren sie den besonderen Moment und ziehen ihn so sehr in die Länge, wie es eine LP-Seite zulässt. Das hat definitiv seinen Reiz, vor allem wenn man die drei Stücke unabhängig von der ersten Seite hört, doch ist man erst einmal der Dynamik des römischen Kopfkinos erlegen, kann einem der atmosphärische Wechsel ziemlich ausbremsen. Insgesamt sind Pyles Beiträge härter, perkussiver und von der Wirkweise her direkter, zudem wirken gelegentliche Stimmbeiträge zusammen mit exotischen Instrumentaleinlagen jeder Abstraktheit entgegen. Bewegung gibt es also auch hier, aber sie ist eher rhythmisch als narrativ. Zur finalen Entgrenzung kommt es dann im dritten Stück &#8220;Désir, DESIRE&#8221;, wenn spacige Synthis der elektronischen Avantgarde huldigen und auch diese Seite im Ungewissen enden lassen.</p>
<p>Schön dass es solche Musik gibt, und dass sie sich auch optisch zu präsentieren weiß. Die Hommage an die Südsee, den Twang und das klassische Pinup-Girl wird sicher weiter gehen, diesmal warten 500 schwarze Scheiben auf den geneigten Vinyl-Fetischisten.</p>
<p><strong>Label: Sound of Cobra/No=Fi</strong></p>
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		<title>HEROIN IN TAHITI: Death Surf</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 06:44:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/hitds.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4325" title="hitds" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/hitds-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Exotismus funktioniert am besten, wenn er eine deutliche ironische Brechung erfährt. Nicht in der Form, dass es zu einer rein negativen Persiflage gerinnt, die nur dazu dienen soll, die hinter eskapistischer Tropensehnsucht versteckte Resignation und Sozialverweigerung in all ihrer konsumorientierten Trivialität bloßzulegen &#8211; das gab es immer, hat die Exotik-Industrie nie an der Kitschproduktion gehindert und ist sowieso allzu oft an der Schwierigkeit gescheitert, die Grenze zwischen Kritik und Miesmacherei zu erkennen. Eher die &#8220;Jetzt erstrecht&#8221;-Variante, die sich der Klischeehaftigkeit und teilweise Billigkeit ihrer Lieblingsmotive bewusst ist und das ganze mit viel Camp-Attitüde dennoch goutiert. Ein Problem ist allerdings, dass Ironie heutzutage generell ziemlich abgelutscht ist <span id="more-4324"></span> und nahezu alles bereits seine postmoderne Dekonstruktion im Zeichen des &#8220;nicht so ganz ernst gemeinten&#8221; erfahren hat. Das Resultat muss schon eine ganz eigene Note aufweisen, um zu überzeugen. Wenn Diana Rogerson und Andrew Liles Maori-Tänze nicht nur durch die steife viktorianische Brille fokussieren sondern auch noch dadaistisch einfärben, gelingt das ganz gut. Wenn im teuflisch libertären Unpop-Millieu Tiki-Kult mit Antihipster-Gestus verbunden wird ebenso. Ein weiteres Beispiel, das hierzulande noch als Geheimtipp gehandelt wird, nennt sich Heroin in Tahiti. Unter diesem Namen fabrizieren die beiden Römer Valerio Mattioli und Francesco De Figuereido Surfrock für die postnukleare Wüste, lassen Hula Hula-Fantasien und die Auswirkungen französischer Atomtests zu einer zusammenhängenden doomigen Parallelwelt verschwimmen.</p>
<p>Vom Label wird vor allem Ennio Morricones frühe Filmmusik als Haupteinfluss auf die Band angegeben, was ich mal eher auf den Gestus, die musikalische Unerschrockenheit und das Interesse an früheren Dekaden der Popgeschichte beziehe &#8211; eher jedenfalls als auf den Stil des Duos. Ich überblicke das Morricone-Werk nicht vollends, kenne neben den folklastigen Westernscores die Easy Tempo-Untermalung einiger Giallofilme und den grandiosen Freejazz-Score des Ausnahmethrillers &#8220;Cold Eyes of Fear&#8221;. Eventuell hat der Meister auch Surfiges gemacht, aber mich würde das wundern, denn seine Schaffensphase begann, als die letzten Ausläufer des ursprünglichen Rock&#8217;n'Roll durch neue Strömungen abgelöst respektive weiterentwickelt wurden. Was sich beim eröffnenden Titelstück langsam aber stetig aus dem abgründigen Drone (das selbst glatt von Bohren stammen könnte) herausschält, erinnert eher an die Zombieversion eines Link Wray-Stücks, dessen Twangs sich zunächst noch etwas verhalten gegen die verrauschte Schwere behaupten, kurz darauf jedeoch zusammen mit einem ungewöhnlichen Downer-Groove ganz klar die Richtung zu erkennen geben. Shoegazer Surfrock? Nun aber mal genug der Phrasen, zumal hier null Indieattitüde vorhanden ist und verkopfte My Bloody Valentine-Gymnasiasten sicher immer noch einen Kulturschock bekämen aufgrund des gar nicht langweiligen Vitalismus der Musik. Aber ich muss gestehen, dass der Ausklang des Stücks, der alles in Rauchschwaden auflöst, nicht die einzige Stelle war, bei der mir dieser Begriff auf den Schirm kam.</p>
<p>Reverb- und Tremolo-Effekte und massig Hall sind neben dem Downtempo und den allgegenwärtigen Twangs die wichtigsten Roten Fäden, die sich durch das ganze rein instrumental gehaltene Album ziehen, und die einzelnen Songs, die alle ihre ganz eigenen cineastischen Assoziationen heraufbeschwören, zusammen halten. &#8220;Spaghetti Wasteland&#8221; könnte einen sozialkritischen Thriller auf der Höhe der Zeit untermalen, der eine Menge an Zitaten aus klassischen italienischen Polizeifilmen verbrät. Oder aus Klassikern des Neorealismus. Es gibt eine Tumblr-Seite zu dem Song, die einige Ideen zur Visualisierung in petto hat. &#8220;Sartana&#8221; mit seiner einleitenden Totenglocke hätte zu einem imaginären Horrorgenre gepasst, das seine Stoffe aus sinistren modernen Südseemythen zieht, die sich die Popkultur hat entgehen lassen, vielleicht nur, weil der Pazifik stets als rein positive Projektionsfläche ausgebucht war. Vielleicht hätte Mario Bava ja so einen Film gedreht. &#8220;Campomorto&#8221; ist wieder tageslichttauglicher, diesseitiger, aber nicht weniger spannend. Mit seinen klappernden Stakkatos und seinem infernalischen Dröhnen vielleicht das experimentellste Stück des Albums. &#8220;Ex Giants on Dope&#8221; mit seinen einschneidenden Gitarrensoli ist Sci Fi pur. Jack Arnold in Maunakea?</p>
<p>Eine der Stärken von &#8220;Death Surf&#8221; ist, dass man das Verhältnis von Hommage und Ironie, von Fun und ernsthaftem Statement nie genau bestimmen kann. Dass entspricht dann auch der musikalischen Wirkung, die sowohl irritiert als auch Spaß macht. Die wegretouschierten Gesichter der Südseeschönheiten auf dem Cover lassen die Traurigen Tropen jedenfalls nicht als Touri-Idyll erscheinen, und doch nehmen die offensichtlichen Brüche dem Szenario nichts von seinem Reiz. Alles ist abgedroschen und falsch, also feiern wir es, ohne uns etwas vorzumachen. Nach &#8220;Death Surf&#8221; werd&#8217; ich sogar mal wieder einen Daiquiri trinken.</p>
<p>A. Kaudaht</p>
<p><strong>Label: Boring Machines</strong></p>
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