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	<title>African Paper &#187; Friedrich Nietzsche</title>
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		<title>MARC ALMOND: Chaos and a Dancing Star</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Feb 2020 07:16:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/02/chaosandadancingstarmarcalmond.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-20223" title="chaosandadancingstarmarcalmond" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/02/chaosandadancingstarmarcalmond-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Trotz seiner vielseitigen Ideen und Interessen hat Marc Almond eine starke persönliche Signatur, die ihn unter vielen Popgrößen seiner Generation hervorhebt. Jedes seiner Alben, ganz gleich ob es mehrheitlich eigene oder gecoverte Songs enthält, ist voll von musikalischen und lyrischen Details, die seine unverkennbare Handschrift tragen, und wenn man im Booklet seines neuen Albums &#8220;Chaos and a Dancing Star&#8221; blättert und das Auge zufällig auf Zeilen wie<span id="more-20222"></span> &#8220;Diamonds in the gutter / Blinded by the light&#8221; fällt, weiß man als Fan sofort, dass man wieder in dem märchenhaften Marc Almond-Land ist, das man schon so oft bereist hat.</p>
<p>In den letzten Veröffentlichungen &#8211; in &#8220;Shadows and Reflexions&#8221;, aber ebenso sehr in &#8220;A Lovely Life to Live&#8221; zusammen mit Jools Holland und dem Rhythm and Blues Orchestra &#8211; hat sich Almond deutlich den 60ern zugewandt: als Inspirationsquelle, als Fundus für Songs, aber auch als zeitliches Setting, das Sehnsüchte nährt und erfüllt und zugleich Stoff bereithält, an dem man sich im Interesse der eigenen Selbstreflexion abarbeiten kann. &#8220;Chaos and a Dancing Star&#8221;, bei dem Almond wieder mit Produzent Chris Braide zusammen gearbeitet hat, knüpft stilistisch zwar an diese Arbeiten an, doch ist die Referenz an die Zeit weniger deutlich, und der glamourös-morbide Opener &#8220;Black Sunrise&#8221; erinnert tatsächlich so sehr an die frühen 80er, dass man ihn für einen verschollenen und neu eingespielten Soft Cell-Song halten könnte. Ein Hauch von Endlichkeit weht hier durch die getragenen Synthies, die stoischen Midtempo-Takte und die wehmütige Melodie des hochtönenden Gesangs, und die Lyrics sprechen eine deutliche Sprache: Eine letzte Erfüllung, ein letztes Aufbäumen der Leidenschaft wird mit aller Kraft ersehnt, bevor die Dunkelheit uns holt.</p>
<p>Dieses fast aggressive Carpe Diem angesichts der Vergänglichkeit allen Lebens, aller Lust scheint mir das zentrale Thema des Albums, dessen Titel nicht grundlos auf ein bekanntes Motiv aus Nietzsches &#8220;Also Sprach Zarathustra&#8221; anspielt. Der über die allzu menschliche Enge erhabene Geist setzt auf den besonderen Augenblick und bejaht das Chaos und die Unsicherheit, weil er Freiheit und Schöpferkraft darin findet, verbildlicht im Zeugen eines tanzenden Sterns. Dass dies etwas kitschig klingt und vor Pathos trieft, könnte Marc Almond wohl kaum egaler sein.</p>
<p>In den meisten Songs wird ein lebensbejahender Hedonismus als Antwort auf den Schrecken der Vergänglichkeit gefeiert. Am deutlichsten geschieht das vielleicht in &#8220;Dust&#8221;, dessen fast luftig-leichte Morbidität an das von Antony vorgetragene kurze &#8220;The Beautiful Dancing Dust&#8221; von Current 93 erinnert, auf dem auch Almond zu hören war. In &#8220;Hollywood Forever&#8221;, einer wehmütigen Hommage an die klassische Traumfabrik, wird der Scham vor der Tragikomik des Alterns, der sein &#8220;Cabaret Clown&#8221; auf &#8220;Varieté&#8221; noch erlegen ist, eine Absage erteilt und zugleich eine Lanze für die schöne Illusion gebrochen. &#8220;When the Stars are Gone&#8221; erzählt vom Weitersingen auf dem sinkenden Schiff, und &#8220;The Crow&#8217;s Eyes Have Turned Blue&#8221; mahnt zur Dringlichkeit, das Leben im Angesicht des Todes zu umarmen. Dass &#8220;Chaos and a Dancing Star&#8221; aber keineswegs eine nur traurige Angelegenheit ist, wird bei den Stücken deutlich, bei denen Huysmans-, Crowley-, Stenbock- und de Sade-Leser Almond den frivolen Genuss besonders deutlich in den Fokus rückt: beim elektrifiziert knisternder 80s-Pop des Titelsongs, der das Nietsche-Zitat enthält, beim schwülheißen Glamrock von &#8220;Fighting a War&#8221; und dem einmal mehr den 60ern verpflichteten &#8220;Slow Burn Love&#8221;. Einen besonderen Höhepunkt stellt &#8220;Lord of Misrule&#8221; dar, bei dem Almonds Held Ian Anderson (Jethro Tull), mit dem er bereits auf der Bühne stand, sein feuriges Spiel auf der Querflöte beisteuert.</p>
<p>Ein Happy End? Für dieses Album fraglos in ästhetischer Hinsicht, doch Almond wäre nicht Almond, würde nicht hinter der einen oder anderen Ecke immer noch die unheilbare Seelenqual &#8211; der Torch Song &#8220;Chevrolet Corvette Stingray&#8221; besingt eines seiner Lieblingsthemen, die Liebe zu einem empathielosen Narzißten &#8211; oder der Wahnsinn &#8211; in &#8220;Giallo&#8221; begleiten lateinische Chöre und Morriconesounds die subjektive Kamera des lyrischen Ichs, das in die Rolle des rachsüchtigen Handschuhmörders aus zahlreichen italienischen Thrillern schlüpft &#8211; lauern.</p>
<p>So wirkt auch &#8220;Chaos and a Dancing Star&#8221;, das wie ein Tour de Force-Ritt in 80 Tagen um die Welt fliegt und dabei im Swinging London, in Hollywood Babylon, im Italien Argentos und Fulcis und am Ende in den Wave- und Gothic-Hochburgen der 80er Station macht, an keiner Stelle saturiert, und man kann sicher sein, dass Marc Almond weiterhin wie ein Getriebener fantastiche Alben aufnehmen wird. Wo er in den letzten Jahren diese Menge an Ideen und Energie hernimmt, muss ein Mysterium bleiben. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: BMG Rights Management</strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE: In the Vortex of Dionysian Reality (CD)</title>
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		<pubDate>Sat, 13 May 2017 01:46:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/05/anemonetubevortexcd.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-13743" title="anemonetubevortexcd" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/05/anemonetubevortexcd-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dem einen oder anderen wird der Titel dieser Veröffentlichung sicher bekannt vorkommen, und besonders aufmerksame Leser unserer Seite werden sich fragen: Warum besprechen die das Album zweimal? Die Antwort ist einfach, denn es handelt sich bei dieser CD um eine derart ergänzte und bearbeitete Reissue des vor knapp zwei Jahren erschienenen Tapes, dass das Digipack mit dem neuen Artwork als ein fast neues Release durchgehen kann. Die sechs ursprünglichen Tracks bilden in remasterter und hier und da<span id="more-13742"></span> leicht anders betitelter Form den Rumpf der neuen Fassung, deren zweite Hälfte aus drei z.T. längeren Kompositionen besteht, die in der Zwischenzeit mit tatkräftiger Unterstützung eingespielt wurden und ziemlich gut zu dem bereits bekannten Material passen.</p>
<p>In meiner Besprechung der ursprünglichen Version sprach ich vom „Strudel einer dionysischen Welt“, in die Anemone Tube die Hörer mit seinen dunklen, verrauschten Lärmszenarien kompromisslos zieht – eine formlose, chaotische Welt, in welcher der Mensch in der Spätphase der Zivilisation durch Zertrümmerung der falschen sokratischen Überzeugungen und Identitäten seine wahre Bestimmung und eine Seele finden kann, die sich laut Friedrich Nietzsche mehr im Gesang als in der begrifflichen Sprache ausdrückt. Nietzsche benannte diesen formlosen, aber heilsamen Abgrund nach dem griechischen Gott des Rausches das „Dionysische“ und fand es in jungen Jahren in den Werken seines Idols und zeitweiligen Freundes Richard Wagner verwirklicht.</p>
<p>Eine Sache, die mir und einigen Kollegen schon damals hervorhebenswert erschienen ist, war der zum Teil derbe, verrauschte Klang der meist ambient gleitenden Musik, deren noisiges Feedback stellenweise an E-Gitarren erinnert. Im eröffnenden Titelstück mit seinem zentralen Robert Bresson-Zitat und im besonders soghaften „Tower of Evil“ (hier „Turm des Bösen“ betitelt) kommt das recht nah an Metal, in der kosmischen Entrücktheit des ursprünglich finalen „Evangelium der Weltharmonie“, bei dem die russisch-baltischen Post Scriptvm mitgewirkt haben, fühlt man sich an schöngeistigen Postrock erinnert.</p>
<p>Noch deutlicher in diese Richtung gehen die neuen Tracks: „Perpetual Dawn“, an dem Pierre Jolivet alias Pacific 231 mitgewirkt hat, dröhnt abgründig und ist mit einer derart kantig verkratzten Noisehülle umgeben, dass der berührend melancholische Untergrund erst nach einiger Zeit etwas deutlicher zu erkennen ist. Was beim „Evangelium der Weltharmonie“ zusammen ging – shoegaziges Rauschen und melancholische Schönheit – wird hier noch einmal auseinanderdividiert. Zur Synthese kommt dies wieder in „Suicidal Fantasy“, eine Fortsetzung des auf dem „Golden Temple“-Album enthaltenen „Negation of Myth“. Trotz seiner rauen Oberfläche wirkt der Track gelöster und abgeklärter als „Perpetual Dawn“, das einen auf sanften Schwingen in die fatalen Abgründe der eigenen Psyche zu tragen scheint.</p>
<p>Das abschließende „Like The Streaming Of A Giant River, Life Is Passing Without Ever Turning Around“ ist in Kollaboration mit dem ukrainischen Ambient-Musiker Monocube entstanden, der wohl auch für seine finale Gestalt verantwortlich zeichnet. Für den Track  wird weit ausgeholt, denn noch etwas länger und ausladender könnte er ein episches One Track-Album füllen – dichte, dynamische Dronewellen bilden die eher schwebende als geerdete Grundlage für eine ganze Reihe an narrativen Details: Sprachfetzen, vermutlich gesamplet und trotz ihrer Verstecktheit heftig, kleine digitale Beigaben, bedrohliches Growlen von Monocube und nicht zuletzt das hier etwas dezenter eingesetzte Feedback, das die typische Anemone Tube-Handschrift trägt.</p>
<p>In seiner rätselhaften, hypnotischen Intensität bildet das Stück einen späten Höhepunkt des Albums und trägt nicht wenig dazu bei, dass die CD als eigenständige Veröffentlichung gelten kann, mit der „In the Vortex of Dionysian Reality“ zu seiner reiferen Form herangewachsen ist. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.facebook.com/blossoming.fern">Blossoming Fern</a></strong></p>
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		<title>ANEMONE TUBE: In The Vortex of Dionysian Reality (C-41 Tape)</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2015 07:27:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf seinem neuen Tape zieht uns Anemone Tube kompromisslos in den Strudel einer dionysischen Welt. Man muss nicht viel über den Mythos des griechischen Wein- und Rausch-Gottes wissen, um die abgründige Natur dieses Strudels zu begreifen, denn zumindest die ersten &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/11/10/anemone-tube-in-the-vortex-of-dionysian-reality-c-41-tape/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/10/AnemoneTubeInTheVorstexOfTheDionysianReality.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-11062" title="AnemoneTubeInTheVorstexOfTheDionysianReality" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/10/AnemoneTubeInTheVorstexOfTheDionysianReality.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a>Auf seinem neuen Tape zieht uns Anemone Tube kompromisslos in den Strudel einer dionysischen Welt. Man muss nicht viel über den Mythos des griechischen Wein- und Rausch-Gottes wissen, um die abgründige Natur dieses Strudels zu begreifen, denn zumindest die ersten drei Stücke der vorliegenden EP lassen an dieser keinen Zweifel: Formlos und chaotisch wird die in Sound gegossene Welt des Dionysos gezeichnet, doch manchmal auch überraschend einfach in ihrer derben, verrauschten Musikalität. Man mag die Atmosphäre der vier Tracks dunkel und zum Teil niederdrückend finden, wenn man Rausch und Sinnlichkeit zu sehr mit Frohsinn assoziiert. Doch ganz <span id="more-11061"></span>abgesehen davon, dass dies eine Frage des Blickwinkels ist, gibt es im Laufe des 21minütigen Tapes auch eine deutliche Entwicklung.</p>
<p>Der eröffnende Titel-“Song“ trägt wie zur Warnung den Zusatz „Le Pont de Diable“, und ich mag über einige Minuten kaum zu entscheiden, was genau die Musik so diabolisch und aufwühlend macht – ist es die unerträglich monotone, schabende Grundierung des Feedback-Noise, dessen wellenartige Variationen die Sogwirkung nur verstärken, da der Ausweg, den sie suggerieren, letztlich ausbleibt? Oder sind es die digitalen Hochtöner, die sicher nicht ohne Absicht an klassische Gitarrensoli aus den Annalen diverser Metal-Genres erinnern? „Le Diable, Probablement“, antwortet die Stimme von Tina Irissari aus dem gleichnamigen Film von Robert Bresson, und nach dieser fragwürdigen Antwort scheint sich tatsächlich eine gewisse Harmonie einzustellen.</p>
<p align="JUSTIFY">In der Folge geht es zunächst nur in etwas variierter Klangfarbe weiter, und bei dem intensiven „The Tower of Evil II (die letzte Weisheit)“ wird wie es scheint eine ganze Welt mit in den Strudel hineingezogen. Aus undefinierbaren Geräuschen, die stellenweise an Verzweiflungsschreie gemahnen, kristallisiert sich immer mehr das grausame Fazit des Kentauren in Pasolinis „Medea“ heraus: „&#8230;denn es gibt tatsächlich keinen Gott“. Nach der lieblichen Spieluhr-Melodie und einer gesampleten Dialogpassage aus &#8220;Nausicaa&#8221;, die das kurze Interludium „Terror of Nature“ formen, befindet man sich bereits in „In The Vortex of Dionysian Reality II“, in dem das raue Dröhnen von angenehm ruhigen Streichern bezwungen wird. Doch die sind nur ein Vorgeschmack auf das finale „Evangelium der Weltharmonie“, das ohne die dunklen Klangfarben zu suspendieren in einem kosmischen Klingen und Rauschen kulminiert.</p>
<p align="JUSTIFY">Der Titel des letzten (in Zusammenarbeit mit Post Scriptvm entstandenen) Tracks mag auf den ersten Blick prätentiös klingen, doch er charakterisiert nicht nur diesen harmonischen Ausklang ganz gut &#8211; er führt auch direkt ins Zentrum von Friedrich Nietzsches Theorie des Dionysischen und schließt somit auch den mit dem Titel der EP eröffneten Kreis. In frühen Schriften wie den &#8220;Unzeitgemäßen Betrachtungen&#8221; und „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ beschreibt der Denker die menschliche Existenz als tragisch zwischen den beiden Polen des Apollinischen und des Dionysischen hin und hergerissen. Während Apoll für das Klare, Produktive steht, verkörpert Dionysos das Chaos und die rauschhafte Destruktion menschlicher Identität. So negativ das klingen mag, steht diese Polarität dennoch für eine Balance, die das Leben – in all der morbiden Tragik, die ihm anhaftet – erst in all seiner Vitalität stattfinden lässt.</p>
<p align="JUSTIFY">Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung, durch den Einfluss der christlichen Kirche und ihrer von Nietszsche so bezeichneten Sklavenmoral und erst recht durch den Funktionalismus der modernen Welt, hat der Mensch den positiven Bezug zum Dionysischen immer mehr verloren. Erst im Musiktheater Wagners sah der junge Philosoph das alte Gleichgewicht wieder hergestellt: „Jetzt, bei dem Evangelium der Weltharmonie, fühlt sich Jeder seinem Nächsten nicht nur vereinigt, versöhnt, verschmolzen, sondern eins, als ob der Schleier der Maja zerrissen wäre und nur noch in Fetzen vor dem geheimnisvollen ur-Einen herumflattere. Singen und tanzend äußert sich der Mensch als Mitglied einer höheren Gemeinsamkeit“, wie es in Nietzsches etwas hochtrabender Diktion heißt.</p>
<p align="JUSTIFY">Anemone Tube begnügt sich in vagen Andeutungen, erklärt nichts, sondern lässt die Assoziationen, die seine Anspielungen hervorrufen, ihr Eigenleben entfachen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass im Laufe der gut zwanzig Minuten eine kleine Höllenfahrt inszeniert wird, die in einem für Anemone Tube-Verhältnisse seltenen Hafen der Harmonie endet. Zum „Tower of Evil“, zur Bedeutung Pasolinis und den gesellschaftskritischen Implikationen des Musikers ist dabei aber längst noch nicht alles gesagt, aber das aktuelle Anemone Tube-Kapitel ist mit dem Tape auch lediglich eröffnet. Man darf also gespannt sein. (U.S.)</p>
<p align="JUSTIFY"><strong>Label: <a href="http://www.transformed.de/theepicurean.html">The Epicurean</a></strong></p>
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		<title>CURRENT 93: Swastikas for Noddy &amp; Crooked Crosses for the Nodding God (2LP-Re-Release)</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Oct 2015 14:45:38 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/08/swast1-250x250.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10679" title="swast1-250x250" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/08/swast1-250x250-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Für viele ist &#8220;Swastikas for Noddy&#8221; eines der essenziellen Current 93-Alben, und schon allein im Hinblick auf den musikalischen Richtungswechsel, den die Platte einleitete, spricht einiges für ihren Ausnahmestatus. In der ersten Schaffensphase der englischen Band, die sich über die gesamte Mitte der 80er Jahre hinzog, stand Current 93 für lange, alptraumhafte Soundscapes, in denen David Tibet auf Alben wie &#8220;Nature Unveiled&#8221;, &#8220;Dog&#8217;s Blood Rising&#8221; und &#8220;Dawn&#8221; seine Hörer wie ein vollends dem Wahn verfallener Vergil auf einen Höllentrip mitnahm, bei der er ein tobendes Inferno aus Okkultismus, Paranoia und apokalyptischen Visionen entfachte. Keine noch so<span id="more-10678"></span> bemühte Doom- oder Death Industrial-Band kam später an diese tiefe Schwärze heran, die einzige Ausnahme &#8211; die schwedischen Abruptum &#8211; stammt aus dem Black Metal. Nach etwa drei bis vier Jahren schien dieses Konzept in seiner Reinform ausgereizt, immer mehr suchte Tibet nach anderen, stilistisch offeneren und atmosphärisch subtileren Ausdrucksweisen, und so entstanden Alben wie &#8220;In Menstrual Night&#8221; und das &#8211; letztlich verspätet erschienene &#8211; &#8220;Imperium&#8221;, bei dem erstmals lange Textpassagen und in Teilen akustische Klänge jenseits von Samples vorkamen.</p>
<p>Angesichts dieser eher gemächlichen &#8211; und in Subkulturen (vgl. Swans, Bad Seeds, Neubauten) nicht ungewöhnlichen &#8211; Entwicklung von Abstraktion und Härte zu einer wohlklingenderen und inhaltlich zugänglicheren Ästhetik musste das 1988 erschienene Swastikas-Album wie ein Hoax wirken. Eingebettet in launig anmutende Beschwörungen der Runen, latent xenophobe Verwünschungen aus einem furchteinflößenden Druidenmund und cartoonhaft-nihilistische Kommentare über den Stand der Menschheit bietet die Platte vor allem kurzweilige Folksongs, eingespielt von einer Horde zugedröhnter Dilletanten, die weder vor Traditionals wie &#8220;Oh Coal Black Smith&#8221; noch vor Klassikern wie Blue Oyster Cults &#8220;Summer of Love&#8221; und Strawberry Switchblades &#8220;Since Yesterday&#8221; halt machten &#8211; und warum sollten sie auch, war Rose McDowall von letzterer Band doch eine der zentralen Figuren von Tibets Combo, in der hier außerdem Douglas P., Freya Aswynn, Ian Read und Boyd Rice eine zentrale Stellung einnahmen.</p>
<p>Dass die im besten Fall drei Akkorde, die Pearce auf dem Album zusammenschrammelt, nicht langweilen, verdankt sich den vielen bizarren Ideen, die hier verbraten werden, und dass das Stelldichein von Noddy (in der Melodie von &#8220;Ein Schneider fing &#8216;ne Maus&#8221;) und Nietzsche (&#8220;That which is falling&#8230;&#8221;) zusammen mit der Schlarlachroten Frau und dem einäugigen Gott harmoniert, muss man erst einmal so gut hinbekommen. Dass hier die Spätphase der Flower Power-Ära, als die schönen Hippie-Ideale zu bröckeln begannen, beschworen wird, ist für die Subkultur der 80er nicht ungewöhnlich und knüpft deutlich an Psychic TV und die Industrial Culture an, ebenso nimmt es einiges von der Neofolk-Attitüde vor allem im angelsächsischen Raum vorweg, die hier eine ihrer Initialzündungen erfuhr. Dass Tibet von solchen Genre- und Szenekontexten später nichts wissen wollte und sich wenn eher ironisch bis ablehnend darauf bezog, ist eine andere, durchaus lange Geschichte.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/09/crookedcrossesc93.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10970" title="crookedcrossesc93" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/09/crookedcrossesc93-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auch wenn in der darauffolgenden Zeit viele Releases der Band einen (im weitesten Sinne) folkigen Touch hatten, wirkt &#8220;Swastikas for Noddy&#8221; rückblickend doch eher wie eine Ausnahmeerscheinung &#8211; der unbekümmerte Dilettantismus des Albums verschwand schnell aus dem Stilrepertoire Tibets, ebenso der trotz allen Augenzwinkerns ätzende, nihilistische Ton und der wohl primär Aswynn und Read geschuldete Bezug zum nordischen Heidentum. Vor allem aber würden wohl die meisten Fans heute sagen, dass ein Current 93-Album ohne die Mitwirkung zumindest eines Nurse With Wound-Mannes (im Klartext damals: Stephen Stapleton) doch eine eher halbe Sache ist. Stapleton hat auf &#8220;Swastikas&#8221; tatsächlich ein paar Schräubchen gedreht, doch seine Stunde sollte erst kurz darauf kommen, als er aus den Songs ein komplettes Remixalbum unter dem Titel &#8220;Crooked Crosses for the Nodding God&#8221; anfertigte. Was &#8220;Crooked Crosses&#8221; gegenüber &#8220;Swastikas&#8221; ausmacht, ist der surreale &#8211; manche würden vielleicht sagen psychedelische &#8211; Grundcharakter, der sich in verschwurbeltem Dröhnen und in klanglichen Spielereien ausdrückte, die in dem Fall eher dilirierend als kindlich wirkten. Sehr stark ist z.B. das noisige Rauschen, das das aus &#8220;Benediction&#8221; und &#8220;Malediction&#8221; entstandene &#8220;He is Everywhere Nowhere&#8221; umhüllt, oder die noch schmissigere Version des schwarzen Schmiedes mit Tony Wakeford an der Gitarre.</p>
<p>Ob man nun eher &#8220;Swastikas&#8221; oder &#8220;Crooked Crosses&#8221; mag, ist unter Current-Fans seit jeher eine interessant Gretchenfrage, und oft markiert sie eine Trennlinie zwischen denen, die eher dem Neofolk oder doch eher experimentelleren Musikformen zugeneigt sind. Dass das Material aber überhaupt in zwei Versionen erschien, implizierte schon recht früh eine Spaltung durch die World Serpent-Family, deren Tragweite erst zum Ende des Kult-Vertriebes Jahre später deutlich werden sollte. Gerade diejenigen Fans, die eher den Gothic- und Dark Folk-Communities zuzurechnen sind, stehen im Verdacht, die neuen Alben zwar alle brav zu erwerben, sie aber nach einmaligem Auflegen ins Regal verbannen um dann wie gewohnt nur &#8220;Thunder Perfect Mind&#8221; und eben &#8220;Swastikas&#8221; zu hören &#8211; jüngere Semester oft nur noch über Bandcamp. Gerade die dürfen sich freuen, dass die beiden lange vergriffenen Platten nun wieder zu haben sind, direkt im Doppelpack und in klanglich merklich verbesserter Gestalt nebst bislang unbekanntem Bildmaterial von Ruth Beyer.</p>
<p>Wer Current 93 dagegen über die David Keenan-Schiene rezipziert und am liebsten in der Volksbühne und der Berliner Zeitung getagged wissen will, der muss die Tatsache, dass die Swastika hier in einem Kontext steht, in dem das Schwache zertreten wird, der Ruin des schönen (oder blonden) Landes durch Brunnenvergifter beklagt wird und zum zweiten Mal der Satz &#8220;This destiny did not tire&#8221; verbraten wird, wohl über die Komik abwiegeln. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.copticcat.ca/">Coptic Cat</a></strong></p>
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