<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Government Alpha</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/government-alpha/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sat, 04 Apr 2026 05:43:57 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>GOVERNMENT ALPHA: Drizzy Equinox</title>
		<link>https://africanpaper.com/2021/05/01/government-alpha-drizzy-equinox/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2021/05/01/government-alpha-drizzy-equinox/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 01 May 2021 05:44:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Abhorrent A.D.]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Govt. Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=25117</guid>
		<description><![CDATA[Mit dem Tape &#8220;Drizzy Equinox&#8221; erschien vor wenigen Monaten kein neues Material des japanischen Noise-Veteranen Government Alpha, denn die drei Tracks entstanden bereits im Jahr 2007, als das amerikanische Abhorrent A.D.-Label gerade neu gegründet wurde. Aus mir nicht bekannten Gründen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2021/05/01/government-alpha-drizzy-equinox/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/04/governmentalphadrizzyequinix.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-25119" title="governmentalphadrizzyequinix" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/04/governmentalphadrizzyequinix-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit dem Tape &#8220;Drizzy Equinox&#8221; erschien vor wenigen Monaten kein neues Material des japanischen Noise-Veteranen Government Alpha, denn die drei Tracks entstanden bereits im Jahr 2007, als das amerikanische Abhorrent A.D.-Label gerade neu gegründet wurde. Aus mir nicht bekannten Gründen stellte das Haus jedoch kurz darauf seine Aktivitäten wieder ein bis zur Neugründung knapp zehn Jahre später. Dass die<span id="more-25117"></span> EP jetzt doch noch das Licht der Welt erblickt hat, ist eine gute Sache.</p>
<p>Wie so oft bei Yasutoshi Yoshidas Arbeiten beginnt die erste Seite gleich mit einem Knall und stürzt die Hörer wie beim reißerischen Start eines Filmklassikers ins Zentrum des Geschehens. Jaulendes Feedback im Akkord mit soghaftem, manchmal leicht verwaschenem Rauschen und der eine oder andere Donner dominieren dieses Geschehen, und hin und wieder meint man leichte Taktung und untergründige Schreie zu hören, doch wahrscheinlich spielen einem die Obertöne da einen Streich. Nach dem Opener &#8220;Steam&#8221; folgt auf gleicher Seite das klanglich rauere, körnigere &#8220;Truffle&#8221;, dessen hektisches Alarmgedudel und v.a. die fiepsenden Hochtöner noch um einiges fordernder ist, kleine Brüche wirken jedem Realitätseffekt entgegen..</p>
<p>&#8220;Come to Naught&#8221; erstreckt sich über knapp zehn Minuten über die zweite Tape-Seite und enthält im Grunde alles, was Government Alpha ausmacht: ein knarriger Untergrund aus verzerrtem Noise, durchbohrt von migräneartigen Strahlen, garniert mit hohem Gejaule und beendet von einem von einem sang und klanglosen Schluss &#8211; Stecker raus! Wie immer gut und wohl auch als Tape noch zu ergattern. (J.G.)</p>
<p><strong>Label: Abhorrent A.D.</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2109251355/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2021/05/01/government-alpha-drizzy-equinox/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>GOVERNMENT ALPHA: Afterlife Is Warped</title>
		<link>https://africanpaper.com/2018/03/20/government-alpha-afterlife-is-warped/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2018/03/20/government-alpha-afterlife-is-warped/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2018 07:51:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Brandal]]></category>
		<category><![CDATA[Debila Records]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Govt. Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=14142</guid>
		<description><![CDATA[Wenn das Nachleben wirklich so verzerrt sein sollte, wie Yasutoshi Yoshida alias Government Alpha sie auf der vorliegenden 1 Track-MCD zeichnet, dann sollten wir uns warm anziehen. Im Grunde macht er hier, was er ohnehin am besten kann: Heftige und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/03/20/government-alpha-afterlife-is-warped/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/08/governmentalphaafterlifeiswarped.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14143" title="governmentalphaafterlifeiswarped" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/08/governmentalphaafterlifeiswarped-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wenn das Nachleben wirklich so verzerrt sein sollte, wie Yasutoshi Yoshida alias Government Alpha sie auf der vorliegenden 1 Track-MCD zeichnet, dann sollten wir uns warm anziehen. Im Grunde macht er hier, was er ohnehin am besten kann: Heftige und zugleich fließende, „psychedelisch“ anmutende Feedback-Rauschexzesse auf seine Hörerinnen und Hörer loszulassen, als gäbe es kein morgen.<span id="more-14142"></span></p>
<p>„Afterlife is Warped“ ist von den Frequenzen her eher hoch ausgefallen und damit gewollt unangenehm, der Rückkopplungssound erinnert entfernt an verzerrte Gitarrensoli, aber das muss nichts heißen. Erst nach und nach stellt sich das typische Government Alpha-Rauschen ein, dass wie ein enormes Luftgebläse alles mit sich reißt. Durch leichte Unebenheiten zeichnet sich eine nur angedeutete Rhythmik ab, kleinste Unterbrechungen des Flusses stören die Harmonie, immer mal staut sich der Verlauf der Musik, läuft dann aber, ungewohnt im Zusammenhang des sonstigen Primitivismus und Yoshidas Vorliebe für Plötzliches, eher subtil in neue Bahnen, statt mit Getöse neu loszupoltern.</p>
<p>Interessant, wie gut man sich in rund zwanzig Minuten an solche Musik gewöhnt und die an Spielautomaten erinnernden Späße, die zwischendurch gemacht werden, als störend empfinden kann. Toll dennoch, auch was das mal wieder gelungen Kollagen-Artwork des auch visuell tätigen Musikers angeht (<a href="http://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-mit-yasutoshi-yoshida-alias-government-alpha/"><span style="text-decoration: underline;">mehr dazu übrigens in dem ausfühlichen Interview mit dem Künstler, das wir vor einigen Jahren führten</span></a>). Dies wäre natürlich bei einem großformatigeren Release besser zur Geltung gekommen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Debila Records</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2018/03/20/government-alpha-afterlife-is-warped/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>HEDEROMERUHEN: 2</title>
		<link>https://africanpaper.com/2014/09/13/hederomeruhen-2/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2014/09/13/hederomeruhen-2/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 13 Sep 2014 03:04:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Daisuke Ichiba]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Govt. Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Hederodata]]></category>
		<category><![CDATA[Hederomeruhen]]></category>
		<category><![CDATA[Staalplaat]]></category>
		<category><![CDATA[Xerxes]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=9288</guid>
		<description><![CDATA[Als der Grafiker Daisuke Ichiba und der Noiser Yasutoshi Yoshida vor knapp zwei Jahren ihr „Antifolk“-Steckenpferd namens Hederomeruhen ins Leben gerufen hatten, konnte man die krude Mixtur aus monotonem Geschrammel, wilden Zitaten und durchaus schönen Akustiksongs auch als einmaligen Jungenstreich &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/09/13/hederomeruhen-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/hederomeruhen2.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9289" title="hederomeruhen2" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/hederomeruhen2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als der Grafiker Daisuke Ichiba und der Noiser Yasutoshi Yoshida vor knapp zwei Jahren ihr „Antifolk“-Steckenpferd namens Hederomeruhen ins Leben gerufen hatten, konnte man die krude Mixtur aus monotonem Geschrammel, wilden Zitaten und durchaus schönen Akustiksongs auch als einmaligen Jungenstreich abtun – schon weil einer der beiden Japaner nicht einmal primär aus der Musik kommt. Doch die beiden sind Serientäter: In regelmäßigen Abständen produziert Ichiba neue Tusche-Zeichnungen mit der gewohnt brutalen Erotik, die trotz ihrer Vielzahl an Sujets eine eigene Handschrift und die Lust an der Repetition offenbaren. Ähnliches gilt<span id="more-9288"></span> für die neodadaistischen Bildkollagen Yoshidas sowie natürlich für sein psychedelisches Noiseprojekt Government Alpha. Kein Wunder also, dass auch Hederumeruhen nun seine erste Fortsetzung findet.</p>
<p>Die Stücke auf Album numero zwei entstanden wohl zum letzten Jahreswechsel, stilistisch knüpfen sie allerdings so stark an den Vorgänger an, dass sie ohne weiteres auch aus der gleichen Session stammen könnten. Beim Versuch, ein Stück Ordnung in das heillose Durcheinander des nicht nur akustischen Strudels an Musikfragmenten zu bringen, könnte man grob drei Arten von Tracks ausmachen: Da sind zum einen wahre Sample-Orgien, kollagiert wie Yoshidas Bilder aus Noisefetzen und allerhand Geschrei aus Radio, Film und TV, die zusammen mit einer rumpeligen Drummachine dafür sorgen, dass es hier etwas lauter als auf dem Debüt zugeht. Schwere Riffs, an Grunge und Doom angelehnt und lediglich Zitat bleibend, bilden eine Kategorie für sich.</p>
<p>Den Hauptteil bildet jedoch das, was man im Hederomeruhen-Kontext Folk nennen könnte: Strumming auf locker gestimmten Gitarrensaiten, bei denen das Instrument ein gewisses Eigenleben entwickelt und dezente Obertöne erklingen lässt, und das durch Beckenrauschen und murmelnden Singsang etwas Beschwörendes a la Magick Lantern Cycle bekommt. Dass der Gesang ab und an in überdrehtes Jaulen übergeht, lässt die Frage aufkommen, wo bei den beiden die Ironie beginnt (denn dass sie eine Rolle spielt, steht außer Frage). Bisweilen entstehen echte Hippie-Idyllen, die erwartungsgemäß nicht sein dürfen, denn analoge Störgeräusche sind dagegen. So wird auch hier das Märchen („Meruhen“) zum namensgebenden Abwasser-(„Hedero“)-Märchen. Als Novy Svet einmal einen wunderschönen Chanson zerquietscht und zersägt hatten, beteuerten sie, die Störsounds seinen der eigentliche Song. Ichiba und Yoshida würden sicher ähnliches sagen.</p>
<p>Ohne kluges Brimborium: Ich finde es gut, dass Hederomeruhen lebt, und ich würde mich über ein paar weitere Fortsetzungen ihrer anarchischen Musik freuen, die kraftvoll und erschöpft zugleich klingt und von der ruhig einmal etwas auf Ecstatic Peace erscheinen sollte. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Hederodata</strong></p>
<p><iframe width="560" height="315" src="//www.youtube.com/embed/zqFp1964JqA" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2014/09/13/hederomeruhen-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>HEDOROMERUHEN: s/t</title>
		<link>https://africanpaper.com/2013/07/20/hedoromeruhen-st/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2013/07/20/hedoromeruhen-st/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 20 Jul 2013 00:01:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Daisuke Ichiba]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Govt. Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Hederomeruhen]]></category>
		<category><![CDATA[Hedrodata]]></category>
		<category><![CDATA[Xerxes]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=7299</guid>
		<description><![CDATA[Dass Noisemusiker nebenher ein Akustikprojekt betreiben oder ab einem bestimmten Alter sogar komplett auf Folk umsatteln, ist vielleicht nicht die Regel, aber durchaus auch nicht ganz ungewöhnlich &#8211; haben beide Großsparten doch einen so diametralen Bezug zu Materialismus, Geschwindigkeit und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/07/20/hedoromeruhen-st/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/07/Hederomeruhen-x.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7300" title="Hederomeruhen x" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/07/Hederomeruhen-x-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dass Noisemusiker nebenher ein Akustikprojekt betreiben oder ab einem bestimmten Alter sogar komplett auf Folk umsatteln, ist vielleicht nicht die Regel, aber durchaus auch nicht ganz ungewöhnlich &#8211; haben beide Großsparten doch einen so diametralen Bezug zu Materialismus, Geschwindigkeit und Disharmonie, dass man sie kaum ohne Bezug zueinander denken kann. Es gibt Fälle, die wie ein Kompensieren des Atonalen durch trivialen Schmalz anmuten und an das berühmte Diktum denken lassen, dass Sentimentalität und Grausamkeit oft nah beieinander liegen. Natürlich gibt es auch äußerst gelungene Beispiele, bei denen auch im akustischen Gewand die Spuren des<span id="more-7299"></span> Schrägen gewahrt bleiben. Überlegt man eine Weile, fallen einem eine ganze Reihe westlicher Künstler dazu ein, doch auch auf der anderen Seite des Erdballs findet sich dieses Phänomen, bislang am prominentesten vertreten durch Jun Konagaya alias Grim und seine von eigenwilligen Überraschungen geprägte Diskographie.</p>
<p>Seit diesem Sommer darf man dieses Thema nur noch ansprechen, wenn man dabei auch Hedoromeruhen erwähnt. Hinter dem Zungenbrecher (der wohl so etwas wie &#8220;Abwassermärchen&#8221; bedeutet) verstecken sich zwei Haudegen der japanischen Gegenkultur, die bisher v.a. durch die bildende Kunst verbunden waren. Da wäre zum einen <a href="http://http://africanpaper.com/2012/10/03/daisuke-ichiba-zeichnungen-und-holzschnitte-in-der-tradition-des-ero-guro/">Daisuke Ichiba, der neben Videoarbeiten v.a. als Zeichner einen Namen hat</a> und durch seine splatterhaften Erotikdarstellungen bekannt ist. Bekannter hierzulande noch ist Yasutoshi Yoshida, nicht einmal primär für seine bunten Kollagen, die Techniken und Humor der klassischen Avantgarde wiederbeleben, sondern für sein musikalisches Werk, für den psychedelischen Harsh Noise, den er unter seinem Pseudonym veröffentlicht: <a href="http://http://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-mit-yasutoshi-yoshida-alias-government-alpha/">Government Alpha</a>.</p>
<p>Oberflächlich betrachtet ist der Musiker Yoshida also eher in seinem Element als der bislang nur visuell aktive Kollege, genau genommen sind akustische Songs jedoch für beide Neuland. Noch genauer betrachtet enthalten die fünfzehn Songs alle Attribute, die man von beiden Künstlern kennt und liebt: kantig, spartanisch, dilletantisch, lofi, sprunghaft, kaputt würden mir da als erstes einfallen, und natürlich ist Folk unter der Voraussetzung ein Genrebegriff, der unter Vorbehalt fallen sollte. Nahezu alle Passagen des Albums sind von starken Kontrastierungen geprägt: Ohne Vorwarnung gehen mysthische Flöten und Trommelklänge über in das Feedbackrauschen deftiger Noiserock-Momente, kurz anzitierte Jazzgitarren leiten über in akustische Rockriffs, und irgendwann ist man mittendrin im Govt. Alpha Harsh Noise – für zwanzig Sekunden. Anarchischer Humor allerorten, von der Art, dass man zwischen Schlumpfgesang und Spielzeugsound auch einen Noddy auf Speed erwarten würde, und stets dominiert das Gefühl, dass sich Spaß und Herzblut die Waage halten.</p>
<p>Hedoromeruhens Debüt bietet einen anarchischen Antifolk, der auch auf Thursden Moores Ecstatic Peace-Label seinen Platz gefunden hätte, und ich hoffe sehr, dass das Werk in Europa nicht untergehen wird. Einen Eindruck von den eingängigeren Momenten des Albums kann man sich im Video zu „Bloody Doorway“ verschaffen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Hedrodata</strong></p>
<p><iframe src="//www.youtube.com/embed/Y7md3PDsCwY" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2013/07/20/hedoromeruhen-st/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>TORTURING NURSE VS. GOVERNMENT ALPHA: Split</title>
		<link>https://africanpaper.com/2012/02/11/torturing-nurse-vs-government-alpha-split/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2012/02/11/torturing-nurse-vs-government-alpha-split/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Feb 2012 08:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Govt. Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Harsh Noise]]></category>
		<category><![CDATA[Japanoise]]></category>
		<category><![CDATA[Junky Cao]]></category>
		<category><![CDATA[Noise]]></category>
		<category><![CDATA[Torturing Nurse]]></category>
		<category><![CDATA[Xerxes]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=3711</guid>
		<description><![CDATA[Auf dieser lakonisch „Split“ genannten Doppel-CD treffen zwei gestandene Größen fernöstlicher Lärmkunst aufeinander. Der japanische Harshnoiser Yasutoshi Yoshida alias Government Alpha wurde hier bereits mehrfach vorgestellt, Torturing Nurse ist eine vierköpfige Band aus Shanghai und sicher die bekannteste Noisekapelle der &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/02/11/torturing-nurse-vs-government-alpha-split/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/es611.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3713" title="es61" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/es611-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf dieser lakonisch „Split“ genannten Doppel-CD treffen zwei gestandene Größen fernöstlicher Lärmkunst aufeinander. Der japanische Harshnoiser Yasutoshi Yoshida alias Government Alpha wurde hier bereits mehrfach vorgestellt, Torturing Nurse ist eine vierköpfige Band aus Shanghai und sicher die bekannteste Noisekapelle der Volksrepublik China. Bekannt sind sie unter anderem für wütende Liveshows, die an Hijokaidan denken lassen, für ätzendes Gitarrenfeedback und eine visuelle Gestaltung, die gern mit Motiven spielt, die in weniger abgeklärten Zeiten als provokativ galten.<span id="more-3711"></span> Es ist nicht das erste mal, dass dieser Austausch zwischen Tokio und Shanghai stattfindet, und das simple wie durchschlagende Konzept scheint sich zu bewähren. Brutales japanisches Noisehandwerk trifft auf Unberechenbarkeit und – Achtung Klischee – Transgression aus der Stadt der Global Player. Was beide Projekte verbindet, ist die Lust an der unvermittelt eruptiven Klanggewalt und am Schrei.</p>
<p>Dem Eindruck nach ist die Vorliegende 2CD die Persiflage eines Konzeptalbums, und selbst das im ganz basalen Sinne, wie es der unverquasten Direktheit der Akteure entspricht: Dunkle Leidenschaften, ganz kurz angeschnitten – so oder schlimmer ließe sich der thematische Rahmen grob fassen, und dass man um die Musik keine allzu großen Worte machen muss, ist keinesfalls abwertend zu verstehen und spricht im Harsh Noise ohnehin meist für die Sache. Auf der ersten Seite tobt sich die jüngere Gruppe (Torturing Nurse ging 2004 aus diversen Experimental/Post Punk/No Wave-Bands hervor) auf knapp hundert Noisefragmenten aus, die erwartungsgemäß in keinem Fall die Minutengrenze erreichen. „95 Songs of Sin“ bietet schrille Feedbacks, ultraverzerrte Schreikrämpfe, Brüche, die wie der Auftakt zu einem (selbstredend verweigerten) Breakcore-Stück anmuten, und wenn es etwas Konsequentes gibt, dann dass die Band durchweg an-archisch (un-beherrscht) zu Werke geht. Und natürlich der Tick mit der Kürze der Stücke, die immer ganz unvermittelt enden – so ähnlich müssen sich einst die Psychoanalyse-Patienten bei Jacques Lacan gefühlt haben, der aus therapeutischen Gründen seine Sprechstunden oft schon nach Minuten abrupt abbrach (einige Patienten brachten sich um). Ex negativo brachte Mastermind Junky Cao sein Konzept mal in einem lustigen Interview auf den Punkt: „I hate all kinds of rhythm and melody!“ Und Dauer hasst er im Moment wohl ganz besonders.</p>
<p>Auch die von Government Alpha unter dem Titel „32 Souls With Dark Desire“ bestrittene Seite zeichnet sich nicht gerade durch komplexe Rhythmik, melodische Vielfalt und epische Längen aus. Etwas mehr klangliche Varianz und Entwicklung, raue, flächige Sounds, die einem wie eine Splitlawine entgegen prasseln, deutlicheres Gebrülle. Eben Government Alpha, wie man ihn kennt und hören will. Und auf gewisse Weise löst er auch ein, was die erste Seite nur verspricht, nämlich das eine oder andere Noisebad, in das man für ein oder zwei Minuten abtauchen kann. Dass Yoshida auch als bildender Künstler und Illustrator einiges vorweisen kann, belegt die optische Gestaltung, für die zwei seiner gelungensten Kollagen Verwendung fanden. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.geocities.jp/xerxes_alpha2001/">Xerxes</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2012/02/11/torturing-nurse-vs-government-alpha-split/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Like Hunting In The Wild. Interview mit Yasutoshi Yoshida alias Government Alpha</title>
		<link>https://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-mit-yasutoshi-yoshida-alias-government-alpha/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-mit-yasutoshi-yoshida-alias-government-alpha/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 08:43:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alpha Ailuros]]></category>
		<category><![CDATA[Angura]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Govt. Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Reiko A.]]></category>
		<category><![CDATA[Reiko Azuma]]></category>
		<category><![CDATA[Staalplaat]]></category>
		<category><![CDATA[Venus in Virgo]]></category>
		<category><![CDATA[Xerxes]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=3537</guid>
		<description><![CDATA[Der in Tokyo lebende Yasutoshi Yoshida ist Musiker und Grafiker, und wenn es etwas gibt, das seine brachiale Noisemusik mit seinen bunten Kollagen verbindet, dann ein Moment des Plötzlichen, das eine entfesselte Wucht unmittelbar auf den Rezipienten loslässt. Die plötzlichen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-mit-yasutoshi-yoshida-alias-government-alpha/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yasutoshiyoshidajazzk.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3538" title="yasutoshiyoshidajazzk" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yasutoshiyoshidajazzk-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der in Tokyo lebende Yasutoshi Yoshida ist Musiker und Grafiker, und wenn es etwas gibt, das seine brachiale Noisemusik mit seinen bunten Kollagen verbindet, dann ein Moment des Plötzlichen, das eine entfesselte Wucht unmittelbar auf den Rezipienten loslässt. Die plötzlichen Schreikaskaden während seiner Auftritte und die zum Teil schockierende Gleichzeitigkeit ganz verschiedener Bildkomponenten sind nur zwei offensichtliche Beispiele dafür. Mit seinem Projekt, das er in den frühen 90ern in Anlehnung an einen bekannten Godard-Film Government Alpha nannte, hat er in den letzten zwanzig Jahren eine große Zahl an Tonträgern heraus gebracht, zunächst auf Tape, später auch in allen anderen Formaten <span id="more-3537"></span>und meist auf seinem eigenen Label Xerxes, auf dem er von Zeit zu Zeit auch andere Künstler protegiert. Grafiker wurde er mehr oder weniger aus Not, als er sich Gedanken über die visuelle Gestaltung seiner Alben machte. Was dabei herauskam, wird er im folgenden Interview mit dem Werk Steven Stapletons in Verbindung bringen, eine Nähe zu Dadaisten wie Hannah Höch fällt ebenfalls ins Auge. Längst haben sich seine teils digitalen, teils mit Schere und Kleber entstandenen Grafiken von der Musik emanzipiert, u.a zeigte er einige Arbeiten auf der ersten Angura-Austellung bei Staalplaat Berlin, des weiteren zieren seine Arbeiten das Cover von David F. Hoenigmans Roman „Bury Your Belongings“. Wir trafen Yasutoshi auf der zweiten Berliner Angura-Nacht, bei der er sich die Bühne mit der früheren Merzbow-Kollaborateurin Reiko Azuma und dem Laptop-Noiser Venus in Virgo teilte.</strong></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-with-yasutoshi-yoshida-aka-government-alpha/"><strong>Read the English Version</strong></a></p>
<p><strong>Du warst gerade im Rahmen einer Mini-Tour in Europa. An welchen Orten bist du aufgetreten und wie waren deine Erfahrungen?</strong></p>
<p>Wir waren für fünf Tage in Berlin und Kopenhagen und hatten zwei Auftritte an jedem Ort. Auf der &#8220;Angura&#8221;-Show in Berlin hatten Reiko A., Arima von Venus in Virgo und ich jeweils zwei Auftritte in unterschiedlicher Zusammensetzung. Ich denke, wir hatten ein ganz gutes Spektrum an Stilrichtungen wie Harsh Noise, Drone, Lap Top und Vocals mit abstraktem Lärm. Wir waren wirklich sehr zufrieden mit dem Event, aber es ging auch viel Zeit für den Transport drauf.</p>
<p><strong>Du sagtes einmal, dass du als Alternative Rock-Musiker begonnen hattest – wie hörte sich deine Musik damals an? Wie kam es zu dem Wechsel in Richtung Noise, und wie sicher warst du damals, dass das der Weg ist, dem du langfristig folgen wirst?</strong></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/governmentalpha7.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-3540" title="governmentalpha7" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/governmentalpha7-300x210.jpg" alt="" width="300" height="210" /></a>Mir schwebte damals eine Band in der Art wie Missing Foundation oder Einstürzende Neubauten vor, mit einem etwas näher am Progressive Rock orientierten Sound. Ich machte irgendwann Demoaufnahmen, um nach Mitgliedern zu suchen, aber es war sehr schwierig jemanden zu finden, der sich für solche Sounds interessiert. Irgendwann traf ich dann auch mal einen Typen, der sich für mein Demo interessierte, und ich gab ihm die Tracks. Er sagte &#8220;deine Tracks sind &#8216;Noisemusik&#8217;&#8221;, und erzählte mir von Künstlern wie Whitehouse, SPK und Nurse With Wound etc.. Also machte ich mich auf die Suche nach diesen und nach ähnlichen Bands. Es fiel mir überraschend leicht, in die Welt der Noisemusik einzutauchen, und im Zuge dessen kam ich auch dazu, selbst welche zu machen.</p>
<p>Als ich zum ersten mal Harsh Noise von Gruppen wie Hijokaidan und Incapacitants auf CD hörte, verstand ich die Musik nicht. Für eine Weile nahm ich herkömmlichen Industrial und experimentelle Stücke auf, die weniger Harsh Noise-Elemente enthielten. Du kannst sie dir auf einem 4-CD-Boxset anhören, das auf Pica Disk erschienen ist. Nach ein paar Jahren hatte ich dann die Gelegenheit, eine Show der Incapacitants zu sehen, was eine große Wirkung auf mich hatte. Es war eine sehr starke Show, die aber keineswegs negativ bei mir ankam, und nach dieser Erfahrung nahm ich mir vor, weitaus kraftvollere Musik als bisher zu machen. Nein, noch stärkere Musik als sie. So kam ich zum Harsh Noise.</p>
<p>Ich dachte zuerst, Harsh Noise wäre einfach nur Lärm, und es wäre einfach, so einen Sound zu machen, ich unterschätzte es total, und es war schwer für mich, meinen eigenen Zugang dazu zu finden. Es dauerte vielleicht 3 oder 4 Jahre, um so etwas wie einen typischen Government Alpha-Stil zu entwickeln. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich aufhören würde, sollte es mir jemals leicht fallen, Harsh Noise zu machen. So gesehen bin ich immer noch auf der Suche, vielleicht geht sie endlos weiter.</p>
<p><strong>Es gibt diese Vorstellung, dass Noise im Vergleich zu Rockmusik reduktiv ist, weil man keine Instrumente beherrschen muss, und herkömmliche Kompositionsweisen keine Rolle spielen. Auf der anderen Seite ist oft von mehr Möglichkeiten die Rede, da bestimmte Klänge und Kompositionsstrukturen auch Grenzen setzen. Wo siehst du die Hauptunterschiede zwischen der Musik, die du spielst und “normaler“ Rock- and Popmusik?</strong></p>
<p>Eigentlich vergleiche ich Noise nicht unbedingt mit typischer Musik, ich denke, dass sie jenseits all dieser Kritierien ist. In einer gewissen Weise ist Noisemusik frei von allem, aber ich denke meistens, dass das Kategorisieren von Musik sowieso die größten Grenzen setzt. Ich spiele zum Beispiel als Government Alpha Harshnoise, ich mache keine Ambientsounds oder ähnliches unter diesem Namen. Das habe ich einfach selbst so entschieden..</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yoshida4.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3541" title="yoshida4" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yoshida4-233x300.jpg" alt="" width="233" height="300" /></a>Nate Young (Wolf Eyes, Demons etc.) sagte vor kurzem: “Die Noise-Szene ist dabei, zu implodieren. Jeder ist so sehr damit beschäftigt, was Noise ist und was nicht, so dass es sich total aufgesplittet hat.“ Wie denkst du darüber?</strong></p>
<p>Ich sehe das ebenso. Als ich vor rund achtzehn Jahren mit der Noisszene in Kontakt kam, waren die Kategorien noch sehr eng. Es musste nur Industrial sein, Ambient/Drone oder Harshnoise. Aber heutzutage ist Noise unterteilt in immer mehr kleine Subgenres. Damals war ich beeinflusst von Musik wie Heavy Metal, Hardrock und Industrial, aber auch das wurde mit der Zeit immer mehr unterteilt und diversifiziert. Heutzutage hört jeder die unterschiedlichste Musik und ist von verschiedensten Szenen und Genres beeinflusst. Ich denke aber, dass es ein natürlicher Vorgang ist, wenn Dinge sich mit der Zeit immer mehr ausdifferenzieren.</p>
<p><strong>Denkst du, dass Noise eine Art transzendenten Zustand herbeiführen kann, eine Art Ekstase durch exzessive Atonalität?</strong></p>
<p>Ich denke schon. Manchmal bei Auftritten fühle ich mich wie in einem spirituellen Zustand der Selbstvergessenheit, wie verbunden mit einem inneren Raum, dem Unbewussten. Und mein Hirn scheint voller Adrenalin zu sein.</p>
<p><strong>Es gibt dieses Stereotyp, dass westliche Noismusik immer sehr dystopisch und apokalyptisch ausgerichtet ist, während Japanoise hedonistischer und spielerischer in seiner Aggressivität sei. Wie sehr würdest du bei einer solchen (sicher stark verallgemeinernden) Beschreibung mitgehen, und wo siehst du in dem Zusammenhang die zentralen Themen und Stimmungen von Government Alpha?</strong></p>
<p>Bis vor zehn Jahren sah auch ich das genau so. Aber mittlerweile ist Noisemusik für jede Kultur grenzenlos. Es gibt amerikanische Noisebands, deren Stil man als typisch japanisch ansehen würde, auf der anderen Seite sind viele japanische Bands von europäischen oder amerikanischen Stilrichtungen wie Gothic, Dark Ambient oder Power Electronics inspiriert. Mit Government Alpha versuche ich immer wieder, neue Sounds zu machen, die ich nirgendwo höre, die ich aber immer hören wollte. Ich hab keine besonderen Themen oder Motive in der Musik, das würde dem Sound nur Grenzen setzen.</p>
<p><strong>Über die zunehmende Ausdifferenzierung von Genrebegriffen im Noise haben wir ja schon gesprochen (zuletzt gab es beispielsweise eine Diskussionüber &#8220;wall noise&#8221;). Denkst du, so etwas zeigt die Vitalität der Szene oder eher ihren Niedergang?<br />
</strong></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/governmentalpha5.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-3543" title="governmentalpha5" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/governmentalpha5-300x211.jpg" alt="" width="300" height="211" /></a>Ich würde zu allen Musikrichtungen auch außerhalb des Noise sagen: Musik sollte sich immer zu etwas Neuem hin entwickeln, auch wenn sich die Musikgeschichte in vielen Dingen auch immer wiederholen wird. Persönlich interessiere ich mich viel mehr für Sounds als für Diskussionen, und das Wichtigste ist, ob ein Sound interessant ist oder nicht. Nun, prinzipiell setzen mir Genrelabels keine Grenzen.</p>
<p><strong>Welche Art vom Equipment benutzt du für Aufnahmen und Gigs?</strong></p>
<p>Mein Basisequipment ist Boss HM-3,FZ-2, DOD Buzz Box, Death Metal, Ibanez WH10 , LAL Cyber Psychic, Korg Kaoss Pad KP3 und ein Mikrophon. Auf der Tour letztens kaufte ich ein MFB KRAFTWERG SYNTH und ein iPad für Animoog Synth Application. Wenn ich Sachen aufnehme, dann kommen immer noch ein paar Pedale dazu.</p>
<p><strong>Deine Performances sind sehr physische Events. Sind dir die Auftritte wichtiger als die Arbeit im Studio?</strong></p>
<p>Ich kann das Livespielen nicht wirklich mit dem Aufnehmen im Studio vergleichen, für mich sind das ziemlich unterschiedliche Dinge. In einem Heimstudio aufzunehmen ist immer wie in einem Labor herum zu experimentieren, ich bin frei, alles zu versuchen, was ich will. Live zu spielen ist ein bisschen wie Jagen in der Wildniss: Fehler werden nicht vergeben. Ich muss nervös sein, um zu spielen und um für den inneren Raum bereit zu sein. Wenn ich neue Sounds im Studio entwickelt habe, versuche ich sie natürlich auch immer auch auf der Bühne zu verwenden.</p>
<p><strong>Mich beeindruckt der plötzliche Wechsel von konzentrierter Soundarbeit und völlig entfesselten Schreianfällen bei deinen Konzerten. Siehst du beide Aspekte als gegensätzlich, und falls ja, ist es sehr schwierig, sie zusammen zu bringen?</strong></p>
<p>Was ich wirklich mag, ist schnellen Cut Up Noise zu machen, kontrastierende Elemente erschaffen und sie dann spontan zusammen zu bringen. Im besten Fall ist es nur chaotischer Sound.. Wahrscheinlich.</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yoshida1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3545" title="yoshida1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yoshida1-300x238.jpg" alt="" width="300" height="238" /></a>Da ich kein Japanisch spreche, würde mich interessieren, ob du echte Sprache bei deinen Performances benutzt. Falls ja, sind die Lyrics improvisiert und gibt es wiederkehrende Themen?</strong></p>
<p>Ich gebrauchte mal für eine Zeitlang englische Lyrics. In den letzten Jahren habe ich allerdings keine Sprache mehr benutzt, denn ich fand, dass meine Stimme doch eher als Instrument funktioniert. Aber deine Stimme zu gebrauchen ist ein guter Weg, bei Liveshows noch was hinzu zu geben, es bringt dich dem Publikum näher, wenn die Leute eine menschliche Stimme hören. Ich denke, wenn ich irgendwas über ein bestimmtes Thema mitteilen will, dann würde ich es eher schreiben. Es sollte einfach sein, jemandem was zu erzählen.</p>
<p><strong>Leider kam ich etwas zu spät, um noch deine Performance mit Reiko Azuma beim Angura-Abend zu sehen. Könntest du etwas zu eurer Kollaboration namens <strong>Alpha Ailuros</strong> sagen? Wie lange kennt ihr euch und wie kam die Zusammenarbeit zustande?</strong></p>
<p>Die Musik, die wir als Alpha Ailuros machen, ist eine Art elektronischer Ambient Drone. Wir spielen zusammen seit 2007 oder 2008. In dieser Zeit wollte ich mit Government Alpha verschiedene Stile ausprobieren, aber am Ende war ein neuer Name wohl das beste für eine angemessene Klassifizierung. Unser Kontakt kam zustande, nachdem wir uns mehrmals bei Konzerten begegnet sind, Reiko fragte mich, ob wir nicht mal zusammen auftreten sollten, sie hatte ja schon mit vielen anderen Künstlern live zusammengearbeitet.</p>
<p><strong>War die Musik, die ihr gespielt hattet, identisch mit euren gemeinsamen Studioaufnahmen?</strong></p>
<p>Ja, im Großen und Ganzen. Wir haben das 2008 auf meinem Label als CDr heraus gebracht.</p>
<p><strong>Auf der ersten „Angura“-Veranstaltung bei Staalplaat hattest du eine Art Ambient Set gespielt und bist mit iPad und anderem digitalen Equipment aufgetreten. War das etwas komplett außer der Reihe, und warum lief das nicht unter Government Alpha?</strong></p>
<p>An dem Abend bei Staalplaat trat ich nur als &#8220;Yasutoshi Yoshida&#8221; auf, nicht unter dem Namen Government Alpha, so dass ich mehr Freiraum hatte bei der Ausrichtung meiner Musik. Ich verwendete iPad und Nintendo DS-10. Tatsächlich war einer der Gründe dafür, dass ich nicht so viel Equipment zu der Eröffnungsparty mitbringen konnte, da ich ja mein ganzes Artwork dabei hatte.</p>
<p>Wie auch immer, ich habe mich entschieden, mit Government Alpha Harsh Noise zu machen. Mache ich etwas anderes, dann benutze ich auch einen anderen Namen.</p>
<p><strong><a><img class="alignright size-medium wp-image-3547" title="governmentalpha4" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/governmentalpha4-300x222.jpg" alt="" width="300" height="222" /></a></strong></p>
<p><strong>Die meisten deiner Aufnahmen erscheinen auf deinem eigenen Label Xerxes, wo du auch Sachen von anderen Musikern herausbringst. Was sind deine wichtigsten Kriterien bei der Auswahl?</strong></p>
<p>Einfach nur, ob ich es mag oder nicht. Vor Jahren suchte ich noch mehr nach guten Künstlern. Heute gibt es aber eine solche Menge guter Bands aus der ganzen Welt, und es ist unmöglich für mich alles zu überprüfen, und es fällt mir schwer, genug Zeit für den Labeljob zu finden. Ich bin sehr beschäftigt mit meinen eigenen Sachen (Auftritte, Aufnahmen, Gestaltung etc..), und darauf konzentriere ich mich zur Zeit am meisten.</p>
<p><strong>Neben Reiko A. hast du mit einigen andern japanischen Künstlern wie Astro und Koji Tano gespielt. Wie klein und &#8220;privat&#8221; ist die Noise Szene bei euch? Ist es so, dass die meisten leute ich dort persönlich kennen?</strong></p>
<p>Ja, die Noiseszene ist immer noch sehr klein in Tokyo. Aber es gibt sehr viele Konzerte hier, so dass es leicht ist, neue Freunde zu finden, aber es ist auch leicht, die Szene wieder zu verlassen.</p>
<p><strong>Du bist außerdem bildender Künstler und hast eine Reihe von Tonträgern und mittlerweile auch ein Buch gestaltet. Warst du auf der Kunsthochschule, oder bist du Autodidakt?</strong></p>
<p>Ich bin nie auf einer Kunsthochschule gewesen, ich begann einfach, Artwork für meine Veröffentlichungen zu machen, als ich unter meinen Freunden niemanden finden konnte, der sich um die Cover kümmert. So fing ich an, alles selbst zu machen und fand dann irgendwann meinen eigenen Stil.</p>
<p><strong>Gibt es irgendwelche (japanische oder internationale) Künstler, die besonders einflussreich für dich waren?</strong></p>
<p>Ich hab viel Einflüsse von der Art-brut aufgesogen, speziell von Adolf Wölfli. Ich fand außerdem die Albencover von Nurse With Wound immer sehr inspirierend, und hätte gerne derart gute Cover für meine Veröffentlichungen.</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yoshida6.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3549" title="yoshida6" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/01/yoshida6-209x300.jpg" alt="" width="209" height="300" /></a>Für mich wirken deine Kollagen oft wie ein dokumentarisches Panorama der heutigen Welt mit all den Traditionen, die wir mit uns herum tragen. Würdest du dich selbst als Realist bezeichnen, oder willst du eher eine eigene Welt für sich zeigen?</strong></p>
<p>Ich glaube, ich zeige eher meine eigene Welt, indem ich Material aus der realen Welt benutze, das möglichst nichts mit Politik oder Religion zu tun hat. Ich rearrangiere diese Welt wie ein DJ, und ich denke, ich bin dabei mehr Eskapist als Realist. Wenn ich also mit meinem Artwork beschäftigt bin, lebe ich einfach in meiner ganz eigenen Welt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Deine visuellen Arbeiten sind sehr detailliert und komplex, scheinen auf viele Elemente fokussiert zu sein. Deine Musik dagegen ist eher geradlinig und komprimiert. Siehst du Musik und Artwork als zwei verschiedene Seiten deines Outputs, oder mehr als ein Ganzes?</strong></p>
<p>Musik und Artwork zu machen ist eigentlich nicht derart unterschiedlich für mich. Meine kreative Methode ist einfach, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, und Noise und Visuelles ist in meinem Bewusstsein stark miteinander gekoppelt. So fange ich zum Beispiel an, Noise zu machen und komme auf die Idee für ein Cover, das genau zu diesem Sound passt. Aber es kann auch genau umgekehrt sein, dass ich Artwork mache und mir ein Sound dazu einfällt. Es kann nur manchmal passieren, dass ich mich über einen längeren Zeitraum so sehr auf das Visuelle konzentriere, dass ich vorübergehend das Gefühl für Noise verliere.</p>
<p><strong>In einem früheren Interview sagtest du einmal, du würdest dich nicht gerne verkaufen um berühmt zu sein, und würdest die geschäftliche Seite der Musik so gut wie möglich meiden. Zum Glück entwickeln sich die experimentellen Genres aber ohnehin auch ganz gut ohne die Kulturindustrie. Wie optimistisch bist du im Bezug auf die Zukunft der Subkulturen als Hort der Nonkonformität?</strong></p>
<p>Ich erinnere mich nicht mehr so genau daran, wo ich das gesagt hatte. Früher war Noise viel mehr Underground als heute, niemand nahm es wirklich zur Kenntniss. Deshalb sagte ich das. Aber mittlerweile ist Noisemusik wesentlich populärer als vor etwa zwanzig Jahren. Einige berühmte Künstler integrieren Methoden der Noisemusik in ihre eigenen Arbeiten. Was mich betrifft, ich denke ich kann dem Publikum schon mehr bieten und habe mehr Fähigkeiten und Selbstvertrauen als früher. Noisemusik ist nicht mehr wirklich Gegenkultur, aber ich denke, sie hat immer noch ihren Charme für mich.</p>
<p>(M.G. &amp; U.S.)</p>
<p>Konzertfotos: Maja Szerszen</p>
<p><a href="http://www.geocities.jp/xerxes_alpha2001/">Webseite von Government Alpha und Xerxes</a></p>
<p><a href="http://xerxes-alpha.tumblr.com/">Artwork von Yasutoshi Yoshida</a></p>
<p><iframe width="420" height="315" src="//www.youtube.com/embed/Dy5D6Obc7ts" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2012/01/28/like-hunting-in-the-wild-interview-mit-yasutoshi-yoshida-alias-government-alpha/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Angura – Experimentelle Kunst und Musik aus Japan</title>
		<link>https://africanpaper.com/2011/09/01/angura-%e2%80%93-experimentelle-kunst-und-musik-aus-japan/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2011/09/01/angura-%e2%80%93-experimentelle-kunst-und-musik-aus-japan/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 14:48:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Daisuke Ichiba]]></category>
		<category><![CDATA[Government Alpha]]></category>
		<category><![CDATA[Le Petit Mignon]]></category>
		<category><![CDATA[midori hirano]]></category>
		<category><![CDATA[Staalplaat]]></category>
		<category><![CDATA[Yasutoshi Yoshida]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=303</guid>
		<description><![CDATA[Dass Staalplaat auch eine deutsche Dependence besitzt, hat sich mittlerweile sicher bis in die entferntesten Winkel der Subkultur herumgesprochen. Mit seinem Umzug von Berlin-Mitte erst nach Kreuzberg und schließlich nach Neukoelln ist der Laden wie viele weitere idealistische Unternehmen dieser &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/angura-%e2%80%93-experimentelle-kunst-und-musik-aus-japan/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/staallogo.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-304" title="staallogo" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/staallogo-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dass Staalplaat auch eine deutsche Dependence besitzt, hat sich mittlerweile sicher bis in die entferntesten Winkel der Subkultur herumgesprochen. Mit seinem Umzug von Berlin-Mitte erst nach Kreuzberg und schließlich nach Neukoelln ist der Laden wie viele weitere idealistische Unternehmen dieser Art Gentrifizierungsflüchtling und -vorhut zugleich und würde ausreichend Stoff für ein kleines Kapitel urbaner Kulturgeschichte abgeben. <span id="more-303"></span>Staalplaat ist jedoch noch mehr als ein Label mit Plattenladen, sondern beinhaltet seit der Quasi-Fusion mit der Galerie „Le Petit Mignon“ eine gute Auswahl an Drucken, Büchern, Magazinen und Kleinerzeugnissen aus den Bereichen Illustration und Grafik. Hinzu kommen ein uriger Konzertkeller, eine Bar und ein weiterer untervermieteter Veranstaltungsraum namens „Quiet Cue“.In dem so gewachsenen Kulturzentrum en miniature finden regelmäßig Themenevents statt, so jüngst „Angura“, eine Ausstellungseröffnung plus zweier Konzerte zum Thema japanischer Undergroundkultur. Durch die schiere Vielzahl an meist bunten Bilderzeugnissen auf recht kompaktem Raum ist der Ort vielleicht nicht die erste Adresse für Besucher, die schnell Schwierigkeiten mit Reizüberflutung haben. Dennoch hatten die Veranstalter Guillaume Siffert und Christoph Petermann (letzterer vom Noise-Projekt KAKAWAKA) ausreichend Platz geschaffen für die meist mittelgroßen Drucke und Kollagen der Künstler Daisuke Ichiba und Yasutoshi Yoshida.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/daisukeichiba-273x300.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2636" title="daisukeichiba-273x300" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/daisukeichiba-273x300.jpg" alt="" width="273" height="300" /></a>Daisuke Ichiba ist nach eigenen Angaben stark von Mangas und anderen Comics beeinflusst. So ist ein entsprechend comicartiger Lowbrow-Charakter auch in seinen meist schwarzweißen Holzschnitten und Zeichnungen zu erkennen. Als Japan-Laie hatte ich zunächst noch viel traditionellere Kunst des Landes assoziiert – wiederbelebt zu einem mitunter recht derben Popsurrealismus, dessen Fokus auf sexualisierte Szenen von Gewalt und Verfall umso irritierender wirken muss aufgrund der recht filigranen Linienführung und der Eleganz der meist weiblichen Figuren, die wie asiatische Pendants des Modigliani-Typus wirken. Doch in den Gesichtern seiner Figuren findet sich fast durchgehend auch eine Aura des Desolaten, die mehr als bloß ästhetisierte Melancholie ist. Ichiba spricht von dem beinahe zwanghaften Bedürfnis, die weniger glatten, schönen, gesunden und erfolgreichen Seiten der Lebenswirklichkeit an die Oberfläche zu bringen. In Japan bezeichnet man Bilder wie diese als erotische Grotesken und verwendet den Genrebegriff „Ero Guro“. Ein derartiges Interesse am Abjekt ist natürlich konzeptuell nicht neu, und dennoch dauerrelevant in anhaltenden Zeiten von Wellness, Entertainment, Konsum und Leistung. Japans Kreative scheinen ohnehin ein besonderes Verhältnis zu derart aufklärerischen Funktionen von Kunst zu haben, schon aufgrund der oft angesprochenen Klarheit und Disziplin, die Ichiba bereits in Interviews als wesentliches Merkmal seiner Kultur hervorhob. Ähnlich wie beispielsweise „A Snake of June“, ein Film des „Tetsuo“-Regisseurs Shinya Tsukamoto und vielleicht eines der renommiertesten Vergleichsmomente, spülen seine Bilder das regressive, kranke, bizarre Gegenbild zutage und plädieren für dessen Recht auf eine eigene Schönheit.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/daisuke_25.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2638" title="daisuke_25" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/daisuke_25.jpg" alt="" width="181" height="151" /></a>Das „Dekadente“ in Daisukes Bildern sorgte dann auch für einen im Grunde erfreulichen Unmut, als eine Besucherin den Künstler in ironiebefreiter Streitlaune fragte, wie man als Japaner nach Fukushima bloß derartige „Horrortrips“ (O-Ton) produzieren könne. Unnötig zu sagen, dassBenefizveranstaltungen auch bei mäßigem Ertrag wertvolle Leistungen der Kunst sein können (an dieser Stelle sei anerkennend an eine jüngst stattgefundene Japan-Performance erinnert, an deren musikalischer Seite auch John Murphy und andere Mitglieder von LAST DOMINION LOST teilnahmen), aber es ist bedauerlich, wenn dies über politisch korrekte Verpflichtungsvorstellungen funktionieren muss, über die sich jedes weitere Wort erübrigt. Durch Ichibas kurz angebundenen Schalk noch mehr angestachelt, war die Dame auch nach besten Diskussionsbemühungen anderer Besucher nicht zu besänftigen, und es war beeindruckend zu sehen, dass Provokation – ob intendiert oder nicht – tatsächlich noch funktionieren kann, wenn man nur die richtigen Leute auf die falschen Veranstaltungen lockt.</p>
<p>Einen recht farbenprächtigen Gegenpart bilden die Kollagen von Yasutoshi Yoshida, dessen Name einigen sicher geläufig ist, denn er ist der Mann hinter dem seit den frühen 90ern aktiven Noiseprojekt GOVERNMENT ALPHA. Einen Teil der gezeigten Arbeiten bildeten dann auch eigens gestaltete Alben-Cover quer durch seinen Backcatalogue, und einige seiner Werke sind (ähnlich wie bei jemandem wie Steven Stapleton) allein schon wegen des Artworks besitzenswert. Noch mehr ins Auge fallen allerdings eine Reihe neuer Kollagen, die im Unterschied zu den Coverillustrationen ganz undigital mit Schere und Kleber angefertigt worden sind. Yoshida teilt mit seinem älteren Kollegen das Interesse am vermeintlich Abseitigen, doch die Stimmung auf seinen Bildern ist eine gänzlichandere. Ich würde Ichiba bei aller Vorsicht, die die Projektion solch westlicher Vorstellungen gebietet, als Vertreter einer Art „Schwarzen Romantik“ im Sinne Mario Praz’ bezeichnen, der sich dem Abgründigen mit einer ambivalenten Schmerzlust nähert. Yoshidas bunte Popart-Kollagen versprühen dagegen einen eher nüchternen Realismus, dessen kontrastreiche Panoramen einer rasanten Welt so anschaulich wie ein unkommentiertes Lehrbuch sind. Figuren aus Illustrierten oder aus alten Fotografien, <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/yasutoshiyoshida-271x300.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2639" title="yasutoshiyoshida-271x300" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/yasutoshiyoshida-271x300.jpg" alt="" width="271" height="300" /></a>Texte aus deutschen Zeitungen, überhaupt jede Menge „Internationales“, technische und anatomische Abbildungen, Tiere und Pflanzen, Fantastisches: Die Zusammenstellung wirkt meist überraschend stimmig – dies ist dann ein ambivalenter Zug speziell von Yoshidas Werk, da die Bilder so etwas wie eine chaotische Enzyklopädie „postmoderner“ Welterfahrung sind. Gelegentlich schlafende oder aber ekstatisch anmutende Gesichter lösen hin und wieder das „Psychedelische“ ein, mit dessen Erwartung die Farbgestaltung der Kollagen nur zu gerne spielt.</p>
<p>Elemente des Transgressiven dürfen darin freilich nicht fehlen, und wenn sie bisweilen wie selbstverständlich auf der Bildfläche erscheinen, dann wirkt ihre skandalöse Plötzlichkeit eher genügsam als zynisch. Vielleicht mag man sich angesichts seiner Musik wundern, dass bei den Bildern ein demonstrativer Schwerpunkt auf dem Dystopischen fehlt, aber bei genauer Überlegung sollte auch dies nicht überraschen: Japanische Krachkünstler sind Nerds (MERZBOW), Schweinerocker (MASONNA) oder beides (THE GEROGERIGEGEGE), doch selten Untergangsprediger. Man kann die fiktiven Schauplätze, die derartige Kunst und Musik entwirft, freilich als endzeitlich interpretieren. Ganz abgesehen von der Frage, wie westlich schon eine solche Deutung ist, lassen sich neutral thematisierende, partiell kritische, aber auch hedonistische Haltungen beobachten. Das Apokalyptische als zentrale Message ist weit eher typisch für westliche Kollegen. Spätestens seit seinen Illustrationen für David Hoenigmans Roman „Bury Your Belongings“ (Seattle 2010) wächst Yoshidas Anerkennung auch außerhalb einschlägiger Musikszenen, und es bleibt zu hoffen und zu erwarten, dass sich dies auch hierzulande noch steigern wird.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/midorihirano-300x199.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2641" title="midorihirano-300x199" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/midorihirano-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Den musikalischen Teil eröffnete die in Deutschland lebende Pianistin und Soundkünstlerin Midori Hirano, deren ruhige, wellenförmige Klangwelten wie eine Oase der Besinnung inmitten einer Welt voller Drastik und Aufgewühltheit wirkten. Ihrer Musik, die meist auf geloopten Elektroniksounds, E-Piano und Streichern basiert, wird gerne ein märchenhafter und traumwandlerischer Charakter nachgesagt. Vokabeln wie meditativ und hypnotisch beschreiben ihre Version von Ambient vielleicht ebenso sehr, die sich bei aller Dezentheit früher oder später zu kleinen intensiven Höhepunkten steigert, ganz ähnlich dem, was die Musikwelt vor Jahren auf den Namen Postrock taufte. An diesen Stellen müsste selbst unaufmerksamen Ohren bewusst werden, wie beweglich die Musik ist, deren Statik auch in den unscheinbarsten Momenten nur eine scheinbare ist. In ihrem neuen Projekt MIMICOF kombiniert sie diese Eigenschaften mit rhythmischen Strukturen, auf ihr in wenigen Wochen erscheinendes Album darf man gespannt sein. Die zusammenhängende Livedarbietung war weit entfernt von Chillout-Seichtheit, ihre schlichte Melodik frei von jedem Kitsch. Das Moment des Unprätentiösen schlug dann auch die Brücke zu der unverblümten Direktheit der übrigens Künstler, weswegen Hiranos Auftritt auch keineswegs wie ein Fremdkörper wirkte. Die ernsthafte Art der Künstlerin, die Gelöstheit mit Konzentration verband, trug ihren Teil dazu bei, dass der knapp fünfundvierzigminütige Auftritt zu den eindringlichsten Momenten des Abends zählte.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/yasutoshi_2-150x150.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2642" title="yasutoshi_2-150x150" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/yasutoshi_2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als eine Art Headliner eroberte Yoshida anschließend als Musiker Mikro und Mischpult. Ob sein Auftritt nun als GOVERNMENT ALPHA oder als improvisierte Soloshow gelten sollte, blieb bewusst offen, und mein Einblick in seine Diskographie ist zu gering, um bekanntes Material erkennen zu können. Fakt ist allerdings, dass Yoshida zunächst ausgesprochen verhalten dröhnte und somit auch formal ganz gut an die eher flächig schwebende Musik Midori Hiranos anknüpfte. Lautstärke, Intensität und Rauheit des Klangmaterials steigerten sich jedoch im gefühlten Minutentakt, und auf der anvisierten Höhe angekommen, entpuppte sich Yoshidas energiegeladener Japanoise als stürmischer Geräuschwall, der nach etwa dreißig Minuten in einem aufwühlenden, beinahe kathartischen Schrei endete. Das „Befreiende“ und betont Durchgeknallte, das so charakteristisch für Government Alpha und ähnliche Arten des Lärmens ist, steht im erfreulichen Gegensatz zum aufschneiderischen Konfrontationsgepolter und zur militanten Steifheit so mancher Projekte, die andere Post Industrial-Traditionslinien bevölkern. Von der trivialen Tanzversion des Noise ganz zu schweigen.</p>
<p>Wer an einem repräsentativen Einblick in die Welt derzeitiger japanischer „Underground“-Kunst intreressiert ist, hat noch bis zum 18. Mai Gelegenheit, sich die Arbeiten von Daisuke Ichiba und Yasutoshi Yoshida im Staalplaat-Store in der Berliner Flughafenstraße 38 anzusehen. Gerüchten zufolge soll der musikalische Teil des Abends im Herbst wiederholt werden. (U.S.)</p>
<p><a href="http://staalplaat.wordpress.com">http://staalplaat.wordpress.com</a></p>
<p><a href="http://www.staalplaat.com">http://www.staalplaat.com</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2011/09/01/angura-%e2%80%93-experimentelle-kunst-und-musik-aus-japan/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
