<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Hardi Kurda</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/hardi-kurda/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 13 May 2026 05:51:39 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>No To War: Neue, fortlaufende Anthologie auf Post Orientalism</title>
		<link>https://africanpaper.com/2024/10/17/no-to-war-neue-fortlaufende-anthologie-auf-post-orientalism/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2024/10/17/no-to-war-neue-fortlaufende-anthologie-auf-post-orientalism/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 03:58:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Dave Seide]]></category>
		<category><![CDATA[Emad Khankeshipour]]></category>
		<category><![CDATA[George Christian]]></category>
		<category><![CDATA[Hardi Kurda]]></category>
		<category><![CDATA[Itaru Ouwan]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Benzola]]></category>
		<category><![CDATA[Kurator Ehsan Saboohi]]></category>
		<category><![CDATA[Post-Orientalism Music]]></category>
		<category><![CDATA[RDKPL]]></category>
		<category><![CDATA[T-Noll]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=43111</guid>
		<description><![CDATA[Die Betreiber von Post Orientalism Music, denen scheinbar nie die Ideen ausgehen, haben eine neue digitale Anthologie gestartet, die bis zum Jahresende wachsen soll, und sich &#8211; angeregt natürlich durch die furchtbaren Konflikte der jüngsten Zeit &#8211; dem Thema des &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/10/17/no-to-war-neue-fortlaufende-anthologie-auf-post-orientalism/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Betreiber von Post Orientalism Music, denen scheinbar nie die Ideen ausgehen, haben eine neue digitale Anthologie gestartet, die bis zum Jahresende wachsen soll, und sich &#8211; angeregt natürlich durch die furchtbaren Konflikte der jüngsten Zeit &#8211; dem Thema des Krieges widmet und letzterem auf eine intelligente Art ein Nein entgegenschleudert. Einige der beitragenden Musiker und Klangkünstler sind bereits öfter im Umkreis des Labels aufgetreten, andere nicht, zu hören sind bislang Beiträge von RDKPL, Joseph Benzola, Emad Khankeshipour, George Christian, Hardi Kurda, Itaru Ouwan, Kurator Ehsan Saboohi, Dave Seidel und T​​-​Noll. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/10/notowar.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-43112" title="notowar" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/10/notowar.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-43111"></span></p>
<p>Angesichts des als Motto vorangestellten, konventionell gedacht eher pessimistisch klingenden Samuel Beckett-Zitats &#8211; &#8220;All of us are born into a catastrophe. The world is nothing but an endless waiting for the end&#8221; &#8211; finden sich auf der Sammlung auch viele dem Thema angemessen verstörende Momente, beispielsweise turbulenter Noise, in manchen Stücken aus reinem Feedback geboren, in anderen ratternder, salvenartiger Lärm, bei dem man sich &#8211; immersiv, wie es immer wieder heißt &#8211; in ein entfesseltes Kriegsgeschehen versetzt fühlt. Dann niederdrückende, schwere Soundscapes, aber auch Szenarien, die, wenn so viel Interpretation zulässig ist, eher für das Schöne stehen können, das von kriegerischer Gewalt bedroht ist &#8211; filigrane, sensible Sounds, die eine rituelle Folkigkeit anklingen lassen, hinter deren Ritzen menschliche Stimmen zu hören sind. Ferner hörspielartige Szenarien, bei denen klassische Kompositionen auf Rezitation trifft, metallene Soundscapes, bei denen rumpelnde Perkussion und Saitenstrumming eine ebenso lebendige wie destruktive Atmosphäre schaffen. Dann wieder subtile, von kratzenden und stetig anschwellenden Sounds untermalte Lesungen wie die von Ehsan Saboohi, die einem Manifest gleichkommt und unten auf deutsch wiedergegeben wird. Die Anthologie, deren Zusatz &#8220;Vol. 2&#8243; auf <a href="https://postorientalism.bandcamp.com/album/post-orientalism-music-anthology-vol-1">eine frühere Compilation</a> verweist, ist über die Streaming-Plattformen des Labels erhältlich.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=120700241/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p>1. Ja zur Menschenwürde, jenem unauslöschlichen Konzept, das als fragile Grundlage für alle rechtlichen und moralischen Konstrukte dient.</p>
<p>2. Ja zum Frieden, jenem schwer fassbaren Zustand, in dem die Maschinerie des ewigen Fortschritts Ruhe findet.</p>
<p>3. Ja zur Vernunft, jener kalten, leidenschaftslosen Kraft, die uns unbequem daran erinnert, dass Gewalt die Zuflucht gescheiterter Logik ist.</p>
<p>4. Ja zur sozialen Gerechtigkeit, jener schwer fassbaren Chimäre, die sich dem Zugriff sowohl von Idealisten als auch von Realisten ständig entzieht.</p>
<p>5. Ja zum dialektischen Widerspruch, bei dem Negation Transformation statt Zerstörung hervorbringt.</p>
<p>6. Ja zur menschlichen Kommunikation, dem unvollkommenen, chaotischen Mechanismus, durch den wir vergeblich versuchen, einander zu verstehen.</p>
<p>7. Ja zum Dialog und zur Verhandlung, den Werkzeugen, die wir in der absurden Hoffnung einsetzen, Krisen ohne Blutvergießen zu lösen.</p>
<p>8. Ja zur wirtschaftlichen Produktion, nicht zu der, die sich selbst in endlosen Zyklen von Verschwendung und Krieg verschlingt, sondern zu der, die Leben aufbaut, erhält und fortbestehen lässt.</p>
<p>9. Ja zum technologischen Fortschritt, der für die Schöpfung genutzt wird, trotz unserer Begabung, ihn in Instrumente der Vernichtung zu verwandeln.</p>
<p>10. Ja zu internationalen Institutionen, jenen bröckelnden Gebäuden, die es irgendwie immer noch schaffen, zwischen uns und dem Abgrund zu stehen.</p>
<p>11. Ja zur rationalen Organisation von Gesellschaften, in denen Gesetze und Gerechtigkeit gelegentlich das Chaos der rohen Macht übertrumpfen können.</p>
<p>12. Ja zum historischen Bewusstsein, dieser bitteren Pille, die wir schlucken, in der Hoffnung, dass die Lehren aus vergangenen Konflikten uns davor bewahren, unsere Selbstzerstörung zu wiederholen.</p>
<p>13. Ja zur Umverteilung der Ressourcen in einer Welt, in der Überfluss herrscht, die von uns erfundene Knappheit uns jedoch dazu bringt, uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen.</p>
<p>14. Ja zur Rechtsstaatlichkeit, jenem fragilen Rahmen, der zwar unvollkommen ist, aber die Alternative des Rechts des Stärkeren schlägt.</p>
<p>15. Ja zu einer globalen Ethik, in der kein Mensch weniger menschlich ist als ein anderer, egal wie oft wir das Gegenteil behaupten.</p>
<p>16. Ja zu intellektueller Vielfalt, der notwendigen Reibung, die die Stagnation des Denkens und die Tyrannei des Dogmas verhindert.</p>
<p>17. Ja zu Freiheit und individueller Autonomie, obwohl wir genau wissen, wie leicht diese auf dem Altar des kollektiven Wahnsinns geopfert werden können.</p>
<p>18. Ja zur kritischen Rationalität, die wie ein ungebetener Gast offenbart, dass Gewalt nichts anderes als das endgültige Zugeständnis an intellektuelles Versagen ist.</p>
<p>19. Ja zu stabilen sozialen Strukturen, nicht wie sie sind, sondern wie sie sein könnten, sollten wir jemals lernen, zu leben, ohne sie auseinanderzureißen.</p>
<p>20. Ja zur politischen Selbstbestimmung, die den Nationen die tragische Freiheit gibt, durch ihre eigene Hand aufzusteigen oder zu fallen, anstatt der Laune von Imperien zu unterliegen.</p>
<p>21. Ja zum wissenschaftlichen und intellektuellen Austausch, bei dem Kooperation theoretisch die Nullsummenspiele der Machtpolitik übertrumpft.</p>
<p>22. Ja zur friedlichen Koexistenz, bei der es widerstreitenden Mächten in absurder Weise gelingt, ein empfindliches Gleichgewicht zu wahren, ohne der Gewalt zu erliegen.</p>
<p>23. Ja zu einer dialektischen Analyse der Geschichte, bei der jeder Krieg kein Endpunkt ist, sondern eine traurige Lektion darüber, was man als nächstes nicht tun sollte.</p>
<p>24. Ja zur kooperativen Spieltheorie, bei der rationale, vielleicht wahnhafte Akteure den gegenseitigen Nutzen der gegenseitigen, sicheren Zerstörung vorziehen.</p>
<p>25. Ja zu universellen menschlichen Werten, obwohl wir wissen, wie leicht sie angesichts von Nationalismus und Gewalt zerbröckeln.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2024/10/17/no-to-war-neue-fortlaufende-anthologie-auf-post-orientalism/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>V.A.: Uchronia</title>
		<link>https://africanpaper.com/2018/05/26/v-a-uchronia/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2018/05/26/v-a-uchronia/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 May 2018 04:27:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Basar Ünder]]></category>
		<category><![CDATA[Crazy Eels Society]]></category>
		<category><![CDATA[Dinelka]]></category>
		<category><![CDATA[Fiona Lee]]></category>
		<category><![CDATA[Hardi Kurda]]></category>
		<category><![CDATA[Ito]]></category>
		<category><![CDATA[Jad Atoui]]></category>
		<category><![CDATA[Jawad Nawfal]]></category>
		<category><![CDATA[Khabat Abas]]></category>
		<category><![CDATA[Kok Siew-Wai]]></category>
		<category><![CDATA[Lydia Ang]]></category>
		<category><![CDATA[Phyu Hnin Thwin]]></category>
		<category><![CDATA[Saadet Türköz]]></category>
		<category><![CDATA[Sharif Sehnaoui]]></category>
		<category><![CDATA[Syrphe]]></category>
		<category><![CDATA[Syrphe Records]]></category>
		<category><![CDATA[Yuko Araki]]></category>
		<category><![CDATA[Zeynep Sarikartal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=15376</guid>
		<description><![CDATA[Mit dem Begriff Uchronia oder Uchronie bezeichnet man alternative geschichtliche Entwicklungen, die entweder als Fiktion oder als Korrektiv die gängige Vostellung von Zeitabläufen herausfordern. In der Geschichtswissenschaft gab es immer wieder Paradigmenwechsel, bei denen der Ablauf historischer Ereignisse unter ganz &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/05/26/v-a-uchronia/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/04/uchronia.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-15377" title="uchronia" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/04/uchronia-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit dem Begriff Uchronia oder Uchronie bezeichnet man alternative geschichtliche Entwicklungen, die entweder als Fiktion oder als Korrektiv die gängige Vostellung von Zeitabläufen herausfordern. In der Geschichtswissenschaft gab es immer wieder Paradigmenwechsel, bei denen der Ablauf historischer Ereignisse unter ganz neuen Blickwinkeln betrachtet wurde oder der Fokus auf bislang wenig beachtete Ereignisfolgen gerichtet wurde. Im Zuge dessen entstanden neue Fachrichtungen wie die Sozialgeschichte oder die feministische Geschichtsschreibung, um nur<span id="more-15376"></span> zwei Beispiele zu nennen, die als Uchronien angefangen hatten und nun seit langem zu den Mainstream-Disziplinen zählen.</p>
<p>Ob in den schlauen Büchern oder im Plauderton &#8211; wenn in unserer Kultur von Weltgeschichte (oder auch von der Geschichte der Kunst) die Rede ist, sind die meisten assoziierten Gegenstände nach wie vor abendländisch, die Geschichte der Gesellschaften und Kulturen außerhalb der westlichen Kernländer erscheinen als Nebenschauplätze, die meist erst dann mit Interesse betrachtet werden, wenn sie mit unserer Region in Beziehung treten, und im Zuge des Exportes westlicher Wissensbestände wurde dieser Themenkanon in vielen Ländern für lange Zeit adaptiert.</p>
<p>Das in Berlin ansässige Label Syrphe hat unter dem Titel „Uchronia“ gerade eine drei CDs umspannende Sammlung an „elektroakustischer, experimenteller und Noise-Musik“ herausgebracht, auf der lediglich asiatische Künstler vertreten sind. Wie ich dem im Booklet abgedruckten Erfahrungsbericht entnehme, geht es Kurator Cedrik Fermont darum, mit viel Beweismaterial zu zeigen, dass es auch im Bereich experimentierfreudiger Musik eine rege Welt außerhalb Europas und Nordamerikas gibt, deren Erzeugnisse kein randständiger Abklatsch westlicher Musik sind. Asien ist dabei der Kontinent, auf dem Cedrik sich wohl am besten auskennt, doch der Sampler knüpft an den Vorgänger „30.2“ an, der im kleineren Rahmen bereits Afrika dokumentierte. Dass Asien kein homogener Raum ist und dass es geografische, sprachliche und kulturelle Überschneidungen zwischen Regionen Asiens und Europas (sowie Afrikas) gibt und immer gegeben hat, wird in seinem Text ausführlich reflektiert.</p>
<p>Folgt man dem Narrativ, nach welchem experimentelle Musik ihren Anfang bei den Futuristen nahm, von der Musique Concrete weiterentwickelt wurde und durch die Einflüsse von Krautrock, Punk, Wave etc. irgendwann Industrial, Soundart und diverse Technokünste hervorbrachte, ginge man von einer rein okzidentalen Geschichte aus – selbst dann würde die schiere Menge an nichtwestlichen Erzeugnissen in den letzten Jahrzehnten ihre besondere Hervorhebung rechtfertigen. Hört man irgendwann von diversen Pionieren elektronischer Musik aus Nahost, von den Wurzeln vieler Drone- oder Ritualmusik in den unterschiedlichsten regionalen Traditionen oder von der Entstehung eines veritablen Genres wie Harsh Noise im Osaka der 70er, dann bekommt das Bild von der experimentellen Musik als einem rein westlichen Exportartikel weitere Risse.</p>
<p>Damit das Projekt nicht aus den Fugen gerät, wurden musikalisch sinnvolle Grenzen gesetzt, so wurde auf Tanzbares wie Techno, Dubstep, Drum&#8217;n'Bass etc. komplett verzichtet und der Fokus auf etwas abstraktere, auf manipulierten Sounds und teilweise Fieldrecordings basierende Kunstmusik gelegt, und dennoch ein spannendes Panorama vom Libanon bis nach Indonesien, von Korea und Zentralasien bis zu den Golfstaaten und dem indischen Subkontinent ausgebreitet, bei dem sich Gemeinsamkeiten und lokale Unterschiede, die nicht immer in der traditionellen Musik eines Landes begründet sein müssen, die Waage halten.</p>
<p>Um endloses Namedropping zu vermeiden beschränke ich mich hier auf eine subjektive Auswahl an Beiträgen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Dazu zählen schon die beiden ersten, aus dem Libanon stammenden Beiträge: Improv-Gitarrist und Irtijal-Kurator Sharif Sehnaoui eröffnet die Sammlung mit einem geheimnisvoll klingelnden und tremolierenden Stück, das sich stetig zu einer verzerrten und von perkussivem Klappern aufgepeitschten Rauschorgie steigert. Der zwischen New York und Beirut pendelnde Jad Atoui und der von Munma und Tasjiil Moujahed bekannte Jawad Nawfal, beides passionierte Kollaborateure, liefern zusammen ein raues, flächiges, von unregelmäßigen Dröhn- und Klapperwellen durchzogenes Stück ab. Die vielleicht bizarrste Dröhnung, ein schwindeliger Ambient-Irrgarten aus summenden Sounds, stammt aus Singapur und wurde von der Musikerin Lydia Ang eingespielt.</p>
<p>Zwei Beiträge aus dem irakischen Kurdengebiet arbeiten mit unterschiedlich stark verfremdeten Field Recordings. Während der Beitrag von Hardi Kurda wie ein bedrohlicher Kontrollverlust aus fragmentiertem Klangschutt anmutet, gerät Khabat Abas&#8217; Stück, bei dem Gesampletes und eine traditionelle Melodie auf einem Blasinstrument verschmelzen, wie ein surreales Hörspiel. Dinelka aus Sri Lanka setzt ebenfalls stark auf vorgefundene Sounds. Sein „Whistler on the Tree“ klingt zunächst wie ein Readymade, erst mit der Zeit registriert man die Verfremdung, die geloopte Struktur und die Verdichtung des Soundmaterials. Die ebenfalls in Sri Lanka aufgewachsene Kei Watanabe kombiniert spannungsgeladene hintergründige Dröhnung mit einem sich immer mehr zuspitzenden Flötenton und betont so die Wichtigkeit des Atems, der in ihrem Titel &#8220;We have forgotten how to breathe&#8221; betont wird. So atmosphärisch wie ein Thriller ist „Mist on Sea“ von der aus Hongkong stammenden Multimedia-Künstlerin Fiona Lee, die mit Dröhnen und klopfenden Wassertropfen ein Setting von ungeahnter Dichte hervorbringt.</p>
<p>Vokalexperimente, bei denen sich Stimme und Instrumente zeitweilig zu einem Zopf verflechten, sind ein weiterer Schwerpunkt, mit Sounds, die an einen quietschenden Ballon erinnern sowie allerlei Geräuschen mit Kehle, Zunge und Lippen zeigt die aus Malaysia stammende Kok Siew-Wai, dass man mit diesen Organen weit mehr als nur konventionell singen kann und überdies, dass Humor und Atmosphärik sich nicht ausschließen müssen. Experimentell im engsten Sinne gehen Phyu Hnin Thwin, Crazy Eels Society und Ito aus Myanmar zuwerke: Ihr Stück ist eine von Hauchen, Jaulen und Kichern durchzogene „Konversation“ der beteiligten Künstler, die in ihrem Dialog rein musikalische Mittel gebrauchen. Das aus Kasachstan und der Türkei stammende Trio Saadet Türköz, Zeynep Sarikartal und Basar Ünder kippt beständig von einer erschöpften Vokalperformance zu elektronischen Spielereien und verhinderten Songanfängen und wieder zurück. Krach von rein primitivistischer Räudigkeit spielt auf dem Sampler eine untergeordnete Rolle, trotzdem dürfen ein paar Minuten wellenförmiger Japanoise nicht fehlen, und dieser stammt von der hierzulande noch recht unbekannten Yuko Araki – ein tosender Abschluss!</p>
<p>Das Anliegen der Compilation ist ehrenhaft: über eine große, aber immer noch ausschnitthafte Auswahl experimenteller Musik das kreative Potential und Output einiger Regionen zu präsentieren, das von Presse und akademischer Welt oft ignoriert und durch auch dadurch erzeugte Blickverengungen von vielen Veröffentlichungs- und Vertriebswegen abgeschnitten ist. Wieviel Arbeit in einem solchen Projekt steckt, lässt sich allenfalls erahnen – sollte der eine oder andere Name im Gedächtnis von Schreibern, Verlegern, Kuratoren und v.a. Musikliebhabern stecken bleiben, dann war sie nicht vergebens. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://syrphe.com/">Syrphe</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2018/05/26/v-a-uchronia/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
