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	<title>African Paper &#187; Jacques Brel</title>
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		<title>DIAMANDA GALÁS: At Saint Thomas the Apostle Harlem</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Aug 2017 06:32:26 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/07/galasatsaintthomas.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14068" title="galasatsaintthomas" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/07/galasatsaintthomas-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ganze neun Jahre nach „Guilty, Gultiy, Guilty“, einer Sammlung von Konzertmitschnitten aus Neuseeland und den USA, ist Diamanda Galás in diesem Jahr mit gleich zwei Longplayern zurückgekehrt. Während &#8220;On All the Way&#8221; sowohl Live-Aufnahmen von verschiedenen Konzerten als auch Studiotracks enthält, ist die vorliegende Veröffentlichung ein etwas gekürzter Mitschnitt eines im letzten Jahr in New York gespielten Konzerts. Auf beiden Platten basiert Galás&#8217; Gewaltmusik wieder nur auf Gesang und Piano, auf beiden finden sich zudem nur Stücke, die nicht<span id="more-14067"></span> aus ihrer eigenen Feder stammen, sondern Coverversionen und literarische Vertonungen, denen die für ihre einschüchternde Expressivität bekannte Sängerin eine eigene, ihrer intendierten Aussage entsprechende Gestalt verliehen hat.</p>
<p>Für Galás selbst haben die neuen Stücke eines gemein, sie sind &#8211; wie im Grunde fast alle ihre vorherigen Arbeiten &#8211; &#8220;Death Songs&#8221;, die den zentralen menschlichen Konflikt, auf den sich jede Sehnsucht und jede tragische Anstrengung herunterbrechen lässt, zum Thema haben &#8211; das Ringen des Menschen mit dem Tode, aber auch mit dem Leben, dem Weiterleben angesichts der Sterblichkeit und ihrer untrüglichen Zeichen. Gálas ist also im Grunde bei ihrem zentralen Thema, aber sie geht dieses allgemeiner und umfassender an als auf vielen der früheren Alben. Ein durchgehender Zug und m.E. das Charkteristikum, dass das tragische Ringen am deutlichsten illustriert, ist der stete Widerstreit zwischen einem genügsamen, fast friedvollen Einvernehmen und einem gleizeitig vorhandenen Aufruhr, dem stets lodernden und in regelmäßigen Abständen eskalierenden Gefühl von Wut und Verzweiflung, das so mitreißend ist, dass Gálas&#8217; Handschrift schon dadurch den Ursprung der Songs im Werk anderer fast vergessen macht.</p>
<p>Schon im Operner, einem kunstliedartig vertonten Gedicht von Cesare Pavese, zeigt sich dieses Gefühlsgemisch. Die anfangs zaghaften Klavieranschläge und die lyrische Schönheit der melodischen Passagen passen zu dem genügsamen Sprachfluss des Textes, dessen Titel auf deutsch &#8220;Der Tod wird kommen und deine Augen haben&#8221; bedeutet. Doch Gálas&#8217; tremolierender Sopran wird schnell gepresster, schriller und zeigt, dass manche Schönheit ihren Preis hat und einer emotionalen Tortur gleichkommen kann. Ich fragte mich an vielen solchen Stellen, wie viel Galgenhumor da mitschwingen mag &#8211; die wenigen Momente, wo ich diesen auszumachen glaubte, erschien er in Form kleiner Enklaven eines comic relief, der die kompromisslose Ernsthaftigkeit der Songs nur umso mehr hervorhebt.</p>
<p>Es ist schwer, einzelne Stücke herauszupicken, den alle haben etwas Episches, und von der leicht hallastigen Aufnahme kann man auf eine beeindruckende Liveerfahrung in dem mittelgroßen, heute wohl als Musik-Location fungierenden Kirchengebäude schließen. Das griechische &#8220;Anoixa Petra&#8221; switcht von rollenden Pianosoli zu tiefen Stimm-Beiträgen, von fast heiteren zu erschöpften Momenten und zeigt, das die Sängerin dann am überwältigendsten ist, wenn sie selbst überwältigt wirkt. Auf dem Jazzsong &#8220;Angels&#8221; immitiert sie Albert Aylers Saxophon mit einer stimmlichen Echolalie. Das einzige Stück in deutscher Sprache ist zugleich eines der berührendsten &#8211; Gálas machte aus Ferdinand Freiligraths eindringlichen &#8220;Oh lieb, so lang du lieben kannst&#8221; den elegischen Song &#8220;Die Stunde Kommt&#8221; &#8211; mit eigenwilligen Phrasierungen formt sie, mehr als durch die Wirkung ihres Akzents, die Sprache des Gedichtes um und macht dieses zu einem enormen Plädoyer für die Kraft des Verzeihens.</p>
<p>Dass Gálas auch eine fähige Rollenspielerin ist, fällt auf, wenn sie zwischendrinn immer wieder von der exaltierten in eine eher derbe Ausdrucksweise fällt. Dies hat seine größten Momente in einem schon von früheren Performances her bekannten Song, nämlich in dem von hämmernden Klaviertasten vorangetragenen Gospel-Stück &#8220;O Death&#8221;, bei dem sich ihre Stimme guttural im tiefsten Schlamm wälzt, sowie bei zwei Jacques Brel-Interpretationen. Ich bin angesichts der Versionen von Scott Walker und John Denver eher gegen weiteren &#8220;Amsterdam&#8221;-Cover, aber Gálas tendentiell monoton-kehlige Version ist so weit vom Original entfernt, das sie jeden überflüssigen Hommage-Charakter verliert, und wenn der Song gegen Ende dann doch noch melodisch wird, scheint ein Damm gebrochen und der furiosen Klage über Verfall und Absurdität kein Halt mehr gegeben.</p>
<p>Man kann &#8220;At Saint Thomas The Apostle, Harlem&#8221; und &#8220;On All the Way&#8221;, das aus Gálas&#8217; Repertoire bekannte Songs wie &#8220;The Thrill is Gone&#8221; und &#8220;Round Midnight&#8221; enthält, als Geschwisteralben betrachten, aber ich gebe dem reinen Konzertmitschnitt aufgrund seines kohärenten emotionalen Narrativs den Vorzug, aufgrund seiner Bandbreite an Stimmungen ist es außerdem ein Album, das sich für den Einstieg lohnt. Der anfangs genannte Widerstreit zwischen Wut und besinnlichem Einvernehmen &#8211; im Laufe des Konzertes wird klar, dass beides immer mehr zu einem einzigen Gefühl wird, vielleicht weil man in den blanken Emotionen diffus spürt, wie sehr auch die eruptive Emotionalität ganz selbstverständlich angenommen wird. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Intravenal Sound Operations</strong></p>
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		<title>MARC ALMOND / SOFT CELL: Hits and Pieces</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Apr 2017 06:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/02/marcalmondsoftcellhitsandpieces.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-13399" title="marcalmondsoftcellhitsandpieces" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/02/marcalmondsoftcellhitsandpieces-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Im Rahmen einer Compilation ein umfassendes Bild von jemandem wie Marc Almond zu zeichnen, ist bei der Größe und Vielfalt seines Outputs kaum möglich. Will man zumindest einen Überblick über seine Karriere geben, so kann, je nachdem wer sich dessen annimmt, etwas ganz unterschiedliches dabei herauskommen. Da wäre Marc Almond als schwarzromantischer Exzentriker mit einem Faible fürs Okkulte, für&#8217;s Queere und Abseitige, ein melancholischer<span id="more-13398"></span> Dandy, der wie kaum sonst jemand demonstriert, dass die New Wave-Phase um 1980, zu der er mit seinem Duo Soft Cell fraglos zählte, auch ein Revival der Decadénce des Fin de Siecle war.</p>
<p>Ein Musiker abseits der ausgetretenen Pfade, der bei Psychic TV und Coil, später bei Current 93 und X-TG mitsang, und dessen Songs immer wieder den Wahn („Martin“, „Madame de la Luna“), die obsessive Liebe („Bedroom Shrine“) das Scheitern („Champaign“, „Lonely Go-Go-Dancer“, „Cabaret Clown“), Tod und Vergänglichkeit („Death&#8217;s Diary“, „Swan Song&#8221;), Narzissmus („Sex Dwarf“, „The Champion“), Abhängigkeit („The Heel“, „Scar“), Illusionen („Idiot Dancing“) und Regression („Mother Fist“, „Under Your Wing“,) besingen und all dem immer wieder ein ambivalentes Denkmal setzen, das Leid, Scham und Faszination zugleich anklingen lässt, aber auch immer wieder &#8211; in späteren Jahren auf betont liebevolle Art &#8211; zur Selbsterhebung der und des Abseitigen („Beautiful Losers“, „The Exhibitionist“) aufruft.</p>
<p>Es ist im großen und ganzen auch dieser Marc Almond, der trotz seiner eigenen Songwriterqualitäten mit der Erfucht, die großen Charakteren eigen ist, die Texte anderer singt und ganze Alben beispielsweise französischen und russischen Songs in englischen Übersetzungen widmet, nicht zu vergessen auch sein Interesse an Dichtung und Literatur, freilich auch meist obskurer Art, was sich in den letzten Jahren v.a. in Alben wie „Feasting With Panthers“ (mit Michael Cashmore) und der Huysmans-Hommage „Against Nature“ (Mit Jeremy Reed und Othon Mataragas) abzeichnete.</p>
<p>Daneben &#8211; und freilich kann man das nicht vollkommen voneinander trennen &#8211; gibt es den Popstar Marc Almond, der von vielen, die ihre Jugend in den 80ern erlebten, noch heute mit wavigem Synthiepop und Hits wie „Tainted Love“ in Verbindung gebracht wird, und dessen berühmtes Duo mit etwas mehr Glück und Zusammenhalt vielleicht einmal eine stadionfüllende Karriere hingelegt hätte. Dieser Marc Almond mit seiner maniriert-eleganten Stimme bringt seit bald vierzig Jahren auf jedem Album ein paar Songs unter, die man nach wenigem Hören auswendig mitsingen kann, und die man aufgrund ihrer eingängigen Melodien kaum mehr aus dem Kopf bekommt. Es ist auch v.a. dieser Marc Almond, den die unfallbedingte Pause zu Beginn des Millenniums so sehr aus der Bahn gehauen hat, der aber seit Jahren, ganz ohne begleitende Hipsterei, ein mehr als solides Comeback inklusive Mojo-Award feiert.</p>
<p>Man könnte bei einem repräsentativen Überblick versuchen, diese beiden Hauptstränge irgendwie unter einen Hut zu bringen, bei einer Compilation, die dem Titel nach schon eine Auswahl der größten Hits ist, darf das Pendel gerne mehr in Richtung der zweiten Kategorie ausschlagen. „Hits and Pieces“ jedoch, mit dem Universal an die dicke „Trials of Eyeliner“-Box anknüpft, konzentriert sich nahezu ausschließlich auf den populären, radiotauglichen Aspekt seiner Musik und bietet mit dem diachronen Abriss seit der Soft Cell-Zeit quasi Marc Almond light.</p>
<p>Das heißt nicht, dass die Wahl hier auf schlechte Songs gefallen wäre, und ich wüsste auch nicht, welche das dann sein sollten. Dass „Tainted Love“, einer der meistgecoverten Songs „der Achziger“, selbst ein Gloria Jones-Cover ist, sollte sich mittlerweile bis in die letzte Kirmesdisko herumgesprochen haben. Die anderen Soft Cell-Stücke (u.a. „Memorabilia“, „Bedsitter“, „Say Hello Wave Goodbye“, „Torch“, „Where The Heart Is“), die hier ungefähr die Hälfte der ersten CD bestreiten, verdeutlichen ebenso, wie sehr der Synthiepop seines Duos mit Dave Ball auch von Soul, Disco und dem, was man heute Black Music nennt, beeinflusst war. Auf forsche Art und immer nah am Camp enthalten die Songs schon im Kern all die typischen Almond-Themen um Liebe, Wahn und Magie. Es wird vielleicht immer ein Geheimnis bleiben, wie sehr Ball an der Aura der Songs beteiligt war, ganz sicher war der betont unglamouröse, trockene Synthiefreak mehr als nur ein Techniker, der seinem Kollegen, der Diva mit Stirnband oder im Kaiser Nero-Look, das entsprechende Forum gebaut hat.</p>
<p>Nach einem seiner bekanntesten Duette &#8211; „I Feel Love“ mit Jimmy Summerville – gibt es einen kurzen Abstecher zu Marc and the Mambas, die den Übergang zum Solowerk bestreiten: „Black Heart“ ist einer seiner typischen Songs und repräsentiert erstmals Almonds an Chanson und mediterraner Folklore orientierte Seite, in dem Fall mittels feurigem spanischen Kolorit im simplen Synthiegewandt mit Saxophon und filmreif aufjaulenden Violinen. Mit „Stories of Johnny“, „Melancholy Rose“, „Tears Run Rings“ und „Ruby Red“ folgen einige der eingängigsten seiner melodramatischen Perlen, sein zweitgrößter Hit darf an der Stelle natürlich nicht fehlen: „Something&#8217;s Gotten Hold Of My Heart“ von und mit Gene Pitney, das ein von Vergänglichkeit verdorbenes und dennoch wunderschönes pastorales Märchenland ausbreitet und für viele, die bei Soft Cell noch zu jung waren, den Auftakt einer treuen Fankarriere bot.</p>
<p>Mit „The Desperate Hours“, „My Hand Over My Heart“, „Jacky“ als einziger (und leider der untypischsten) Brel-Interpretation, David McWilliams&#8217; „The Days Of Pearly Spencer“ und einer Live-Version von „What Makes A Man A Man“ wird die Reihe an Hits auf der zweiten Seite erst einmal weitergeführt. Danach folgen Stücke ab Mitte der 90er, als die Spotlights vorübergehend etwas gedämpfter waren, so die Upbeat-Nummer „Adored and Explored“ und das rockige „The Idol“ vom bei Fans und Presse zwiespältig aufgenommenen „Fantastic Star“-Album. „Tragedy (Take A Look And See)“ und „Glorious“ stehen für die Phase, in der er kurzzeitig mit Triphop liebäugelte. Vom „Varieté“-Album ist leider nur der Titelsong vertreten, und überhaupt ist die Zeit unmittelbar nach seinem Comeback, zu der auch die Alben „Stardom Road“, „Orpheus in Exile“ und „Feasting With Panthers“ gehören, schmerzlich unterrepräsentiert.</p>
<p>Das euphorische „The Dancing Marquis“ vom gleichnamigen Longplayer und zwei Songs von „The Velvet Trail“ repräsentieren die unmittelbare Gegenwart, die von einem noch exklusiven Stück, dem frohsinnigen „A Kind Of Love“ gekrönt wird &#8211; sehr Late 70s bietet der Song und das Video dazu ein gelöstes &#8220;Disco meets Flower Power&#8221;-Feeling. Manche stört das überschminkte Auftreten des immer noch wie ein Mann in den Zwanzigern singenden Sängers, und ich musste an die Zeilen aus „Cabaret Clown“ denken: „And what the hell did you do with your face, can&#8217;t you let in the grey and grow old with grace?“ Aber ihm scheint es dabei gut zu gehen, und letztlich: Selbst wenn Almond die Würde mal kurz an der Garderobe abgibt, macht er selbst dies noch mit Stil. Den Schlusspart übernimmt noch einmal „Tainted Love“ als Livetrack mit Jools Holland and the Rhythm &amp; Blues Orchestra im Latenight Revue-Stil.</p>
<p>Wie gesagt, die Sammlung hätte die „transgressive“ und weniger poppige Seite Marc Almonds nicht derart ausklammern müssen, und ein paar der dunklen Chansons und der sleazigen Sea Shanties, die sich in seinem Werk immer wieder finden, hätten auch hier ihren Platz gefunden. Als Hits-Sammlung allerdings funktioniert die Platte, präsentiert gute Songs, und mehr will sie auch nicht. (U.S.)</p>
<p><strong>Label:<a href="http://www.universalmusic.com/"> Universal</a></strong></p>
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		<title>NATURE AND ORGANISATION: Snow Leopard Messiah</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Sep 2015 05:13:35 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/07/NatAndOrgSnowLeopardMessiah.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-10632" title="NatAndOrgSnowLeopardMessiah" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/07/NatAndOrgSnowLeopardMessiah.jpg" alt="" width="167" height="150" /></a>Um den Werdegang von Michael Cashmore zu verstehen, muss man sich v.a. von der Vorstellung verabschieden, dass der Kopf einer Band oder eines Musikprojektes immer die Person am Mikrophon sein muss. Schon in seiner Zeit bei Current 93 war der Gitarrist weit mehr als ein ausführendes Organ, sondern drückte der Musik seinen unverkennbaren Stempel auf. Seine scheinbar einfachen, in Wirklichkeit aber äußerst feinsinnigen Kompositionen bezeugen eine ganz eigene Handschrift, die man im Vergleich zu Current 93-Alben ohne seine Mitwirkung sofort heraushört. Als in den frühen 90ern vermehrt Tonträger von Cashmores eigenem Projekt<span id="more-10631"></span> Nature and Organisation erschienen, betrachteten es einige als reines Nebenprojekt, da David Tibet bei den meisten Stücken sang. Man musste mit Platten wie „Beauty Reaps the Blood of Solitude“ oder der EP „A Dozen Summers Against the World“ schon eine tiefere Freundschaft eingehen, um ihren eigenen Stil zu erkennen.</p>
<p>Der aus der Region um Birmingham stammende Cashmore begründete Nature and Organisation schon Jahre vor dieser Zeit. 1986 erschien ein Tape, auf dem er unter diesem Namen sowie als Bone Clinic noisige Kollagen herausbrachte, die im Kern vieles enthielten, was seine Musik bis heute ausmacht: Schöne, damals an spanische Folklore angelehnte Gitarrenmotive und eher harsche Sounds, die noch sehr in der Tradition der Industrial Culture standen; emotionaler Überschwang in Form eines heillosen Chaos, ebenso wie die zahlreichen Details zur Ruhe gezwungen durch eine fast bildhauerische Form, bei der kein Aspekt dem Zufall überlassen scheint. So ausbalanciert Cashmores Musik seit jeher anmutet, herrscht unter ihrer Oberfläche ein mühsam gebändigter Widerstreit, der sich – ob intendiert oder nicht – auch im Bandnamen spiegelt. Er scheint für eine Art asketischer Strenge zu stehen, die sich bis heute in Cashmores Arbeiten findet, auch wenn man sie oft nur vage hinter der sanften Schönheit seiner Musik erahnt.</p>
<p>Auf der bald erscheinenden 2CD „Snow Leopard Messiah“ sind diese Aufnahmen nicht enthalten, doch ihr Echo findet sich auch in den Werken, die in den 90ern im Dunstkreis der World Serpent-Family entstanden sind. Das 1994 erschienene und seit einer gefühlten Ewigkeit vergriffene „Beauty Reaps the Blood of Solitude“ gilt vielen als einer der Klassiker des Apokalyptik Folk, enthielt es doch die dramatische ebenso wie die wehmütige Seite dieser Musik in einer bemerkenswerten Ausgewogenheit, und mit David Tibet, Douglas P. und Rose McDowall sind einige der Protagonisten des vermeintlichen Genres beteiligt. Das Werk beginnt mit einem monumentalen Intro, das auf ein bedrohlich-apokalyptisches Szenario einstimmt. Wenn Rose die Hörer in der darauf folgenden Version des „Wickerman Song“ sanft in den Schlaf wiegt, ist alles wieder offen, denn bis dahin erinnert die atmosphärische Bandbreite an ein kleines Spagat.</p>
<p>Das Gros der Platte machen Stücke mit Texten und Gesang von Tibet aus, dessen Stimme damals auch in den rezitativeren Momenten noch Markanz bewies, ganz im Gegenteil leider zu den eher müden Endlosvorträgen von heute, an deren Saft- und Kraftlosigkeit auch die berühmtesten Folk-, Rock-, und Jazzmusiker der Welt nichts ändern. Das beliebte „Bloodstreamruns“, aber auch „Bonewhiteglory“, „Skeletontonguedworld“ und „Tears for an Eastern Girl“ hätten sich teilweise gut auf Current 93s „Of Ruin or Some Blazing Starre“ gemacht &#8211; die apokalyptischen Reiter, lachende und weinende Kinder, die London Bridge in Flammen und viele weitere Motive waren damals Current pur, ebenso Cashmores finger pickings und die durch all dies evozierte pastorale Besinnlichkeit. Es sind nicht nur die Streicher, die den Stücken etwas Eigenes verleihen, denn der Gesamteindruck wirkt in Ganzen konzentrierter als die vergleichsweise erratischen Werke von Tibets bekannterer Band. Einen Kontrapunkt zu den folkigen Stücken bilden zudem die weitgehend instrumental gehaltenen Interludien, die – besonders „Obsession Flowers as Torture“– recht martialisch anmuten, ebenso Pierce&#8217; Beitrag „My Black Diaries“, das auch als DIJ-Track auf einem Sampler veröffentlicht wurde. Dier hier enthaltene Version ist die dynamischere.</p>
<p>Von den beiden Bonustracks, die die erste Seite abrunden, gehört nur „A Dozen Winters of Loneliness“ in diese Phase, das Brel/McKuen-Cover „To You“ (mit Gesang von Stephen Harry Mason eines der schönsten Stücke von Nature and Organisation) könnte man als Link zur Spätphase betrachten, die ganz im Zeichen des zweiten Albums steht. „Death in a Snow Leopard Winter“ ist ein Fragment geblieben, bei dem Cashmore am Piano von einem Streichquartett begleitet wird, ursprünglich waren Bläser, Gesang und einiges mehr vorgesehen. Man sollte das Wort Fragment aber Cashmores Bescheidenheit zuschreiben, denn ohne entsprechendes Wissen fällt die Unvollendetheit nur an wenigen Stellen auf. Die aus zwölf Sätzen bestehende Musik ist leitmotivisch aufgebaut, findet immer wieder ihren Ausgangspunkt bei zurückgenommenen Passagen, die beinahe in Stille übergehen. Ausgehend von diesen kontemplativen Momenten schwingt sich die Musik jedoch mit expressivem Streichereinsatz zu immer wieder neuen Höhen empor. Was die musikalischen Zutaten betrift, hat das Album nur wenig mit seinem Vorgänger gemein, und von der Musik her hätte es auch schon in die Zeit gepasst, als Cashmore unter seinem eigenen Namen veröffentlichte – man denke an die EP „The Snow Abides“ mit Antony und das aller (Melo-)Dramatik enthobene „Sleep England“.</p>
<p>In der meditativen Konzentriertheit des „Snow Leopard“-Albums oder des gerade genannten Soloalbums entdeckt man vieles, was sich etwas versteckter auch da findet, wo diverse Sänger den vorderen Bühnenraum einnehmen. Ein ganzer symbolischer Kosmos an Nature and Organisation-Motiven öffnet sich aber beim Blick auf Außermusikalisches wie Titelgebung und Artwork. In diesem Motivkomplex aus Vitalität und Vergänglichkeit, Begierde und Schmerz, Schönheit und Trauer – mit einer pathosgetränkten Bildwelt aus Rosen und Statuen, die oft mehr an Death in June als an Current 93 erinnert – steckt vieles, das gerade in den Kollagen des Coverartworks chaotisch durcheinander gewirbelt wird und seltsame Hybride aus Organik und Mechanik, aus Mensch, Tier und Kunstwerk bildet. Die Kollagen selbst wirken wie eine Momentaufnahme davon, wie die für ein Sekundenbruchteil eingefrorene Unruhe, in der all dies koexistiert. Auch hier, die Strenge und der Wunsch, alles in eine umfassende Form zu bringen. All dies bildet den Rahmen, der die Beiträge von Tibet und anderen so ganz anders kontextualisiert. Gerade das Pathos aber und die offene Brutalität dieses Symbolismus ist aus Cashmores späteren Arbeiten nahezu verschwunden. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.trisol.de/">Trisol</a></strong></p>
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		<title>ROMA AMOR: Occhi Neri</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 06:29:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Duo Roma Amor ist in unseren Breiten noch nicht so richtig bekannt geworden, und trifft man einmal jemanden, der die Gruppe kennt, dann sieht man sich oft mit vorschnell produzierten Fehlinformationen konfrontiert. Euski und Michele kommen weder aus Rom, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/03/31/roma-amor-occhi-neri/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/romaamorocchineri1.jpeg"><img class="alignleft size-full wp-image-4082" title="romaamorocchineri" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/romaamorocchineri1.jpeg" alt="" width="166" height="150" /></a>Das Duo Roma Amor ist in unseren Breiten noch nicht so richtig bekannt geworden, und trifft man einmal jemanden, der die Gruppe kennt, dann sieht man sich oft mit vorschnell produzierten Fehlinformationen konfrontiert. Euski und Michele kommen weder aus Rom, noch hat der Stil der beiden mit Neofolk im engeren Sinne zu tun. Die beiden stammen aus der Region Emilia-Romagna und singen gelegentlich im Dialekt ihres Landstriches. Die Musik, die sie spielen, ist eine italienische Ausprägung des klassischen Torch Song. Bisweilen auch lupenreiner Chanson.<span id="more-4080"></span></p>
<p>Man könnte es sich leicht machen bei der Beschreibung ihrer Musik, denn die Songs sind gewollt einfach gestrickt, zumindest was ihre vordergründige Gestalt betrifft. Eine stimmungsvolle Quetschkommode und die klassische Zupfgitarre bilden das Hauptinstrumentarium, das nur an ausgewählten Stellen durch diverse Perkussions- oder Streichinstrumente bereichert wird. Auch Euskis Stimme ist stets eingängig, aber zugleich verweigert sich ihr Gesang jeder leichten Kategorisierung – ihr oft heißer klingendes Alt versprüht eine sanfte Wärme, und ist doch an vielen Stellen verraucht und herb, und schon deshalb passt ihre Musik, die die beiden in größeren Abständen auf die Bühne bringen, auch nicht an allzu gestylte Aufführungsorte. Roma Amor spielen eine Musik für leicht verwahrloste Kaschemmen, in denen der Staub auf den Gläsern und die vergilbten Porträts an den Wänden nur für unkreative Geister Obsoletheit offenbaren. Will das rote Licht, dass da aufblinkt, mich gerade vor der Retrokitsch-Falle warnen? Na dann soll es das mal, denn es gibt diese Fälle, bei denen das nicht stört und man nur „aber ja“ skandieren möchte.</p>
<p>Ihre Rückgriffe auf Vergangenes zeigen zugleich die Vielfalt dessen, was sich hinter Walzertakt und schlichter Melodie verbirgt: Italofolk der 60er, der große Jacques Brel und Musiker wie Émile Carrara. Auch die sogenannte Weltmusik von Ochtopus, Stilfremdes wie die Synthie Popper Japan und nicht zuletzt die autoerotischen Shanties des jungen Marc Almond. All dies sind Inspirationsquellen, zu denen die beiden sich offen bekennen, denn um eine spontane Coverversion als Konzertzugabe sind sie niemals verlegen. Dass bei ihren Shows gerne Ausschnitte aus Pupi Avatis „The House of the Laughing Windows“, dem wohl einzigen neorealistischen Giallo, gezeigt werden, symbolisiert ihren Platz zwischen allen Stühlen vielleicht am besten, und dass Michele mit seinen früheren Bands Dogs in Space und Homoplastik in der italienischen Punk- und Grindcoreszene unterwegs war, ist noch mal ein ganz anderes Kapitel.</p>
<p>Mit „Occhi Neri“ bringen die beiden gerade ihr drittes Studioalbum heraus – eine Sammlung von insgesamt zwölf Chansons in italienischer und französischer Sprache, die vom Instrumentarium her noch reduzierter wirken als die Songs auf dem letzten Longplayer „Femmina“ und alle eine Stimmung evozieren, die gekonnt die Balance zwischen derb und schmachtvoll aufrecht erhält. Der in Italienisch gesungene Titelsong erfüllt dieses Anliegen gleich perfekt, mit leidenschaftlicher Sehnsucht und nicht ohne eine desolate Note beizumischen besingt Euski die schwarzen Augen als (nicht vollends obskures) Objekt der Begierde, begleitet von sinnlich aufreizendem Kastagnettengeklapper. Micheles Gitarrenpicking ruft zu Beginn Erinnerungen an Charles Aznavours „La Mamma“ wach.</p>
<p>Es ist nicht das einzige Stück, das direkt aus den Sechzigern stammen könnte, auch das Nouvelle Vague-Feeling im schlicht &#8220;Mon Amour&#8221; betitelten Song versetzt den Hörer in das Paris einer interessanteren Zeit, als an der Saine das Kino, die Philosophie und einmal mehr der Chanson erneuert wurde. Gegen Ende wird das Stück immer ekstatischer und exaltierter, und dass hier ein berühmter Flame Pate gestanden haben könnte, erwähne ich nur am Rande. Der Märchenwalzer „Le Coeur Au Chaud“ präsentiert mit seinen traurigen Harmonien so etwas wie die Kehrseite dieser Euphorie und verweist (je nach Assoziation) vielleicht sogar auf eine noch ältere, vormoderne Zeit. Mein Französisch hat über die Jahre stark gelitten, aber ein heißes Herz, dass sich gerne mal mit einem Glas Bier abkühlt scheint in dem Text der anrührenden Ballade eine besondere Rolle zu spielen. Verbindendes Element ist stets das strömende Akkordeon, das immer wieder wie ein breiter Pinselstrich das Tableau durchzieht.</p>
<p>Im Unterschied zu Vorgängeralbum, das sich unterschiedlichen Frauenbildern im Italien des 20. Jh. widmete, bleibt „Occhi Neri“ thematisch offener. Das Liebesmotiv hält die Platte als vages Konzept zusammen, ebenso sehr die ungefähr gleiche Verteilung der beiden Sprachen. „A Te Che Mi Vinci“ und „Disertore“ erfassen die Liebe auf eine sehr italiensiche Art, leidenschaftlicher Freudentaumel im einen Stück wird im anderen durch einen etwas abgeklärteren (aber ebenso feierlichen) Ton geerdet. Ein ähnliches Kontrastbild auf Französisch erschaffen das getragene „Melancholie“ und das aufwühlende „Elle Est Seule“. Im letzten Drittel der Platte gibt es Momente, die das europäische Klangbild transzendieren und dezente Latinoelemente einbeziehen – was jedoch auf einen kulturellen Veredelungsvorgang referiert, der sich irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jh. wie selbstverständlich vollzog – es ist die Passgenauigkeit, die einen Charles Aznavour und Astrud Gilberto in einem Atemzug nennen lässt, oder eben Paolo Conte und Astor Piezolla.</p>
<p>Freilich, Spötter hätten bei solcher Musik einmal mehr die heiß ersehnte Chance, ein Unkenkonzert anzustimmen – Retro, Vintage, Nostalgiepop, Eskapismus sind Begriffe, die es hageln könnte, wenn man vorschnellen Abtuern das Feld überlässt. Natürlich produziert die Retroindustrie viel musealen Schrott, der von Ideenarmut zeugt. Viele Künstler jedoch tragen auf kreative Art dazu bei, dass die Errungenschaften vergangener Musikströmungen nicht nur hinter Glas betrachtet werden müssen, sondern weiterleben und im besten Fall in ganz neue Bereiche führen. Neben großen Namen wie Little Annie und Marc Almond sollte im Buch des Torch Song, des Chanson und des dunklen Cabaret auch ein Platz für Roma Amor reserviert sein.</p>
<p><strong>Label: OEC</strong></p>
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