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	<title>African Paper &#187; Litter</title>
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		<title>ELYSE TABET: Seaside</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Feb 2024 07:36:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fast ein bisschen klammheimlich im Eigenvertrieb erschien vor ein paar Wochen eine kleine EP der libanesischen Klangkünstlerin und Producerin Elyse Tabet, vormals Litter, deren Kollaborationen mit Jawad Nawfal sowie mit Yara Asmar und Pascal Semerdjian immer noch aktuell sind. &#8220;Seaside&#8221; &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/02/10/elyse-tabet-seaside/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/02/seaside1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-39447" title="seaside" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/02/seaside1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Fast ein bisschen klammheimlich im Eigenvertrieb erschien vor ein paar Wochen eine kleine EP der libanesischen Klangkünstlerin und Producerin Elyse Tabet, vormals Litter, deren <a href="https://vv-va.bandcamp.com/album/outpost">Kollaborationen mit Jawad Nawfal</a> sowie mit <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Yara Asmar und Pascal Semerdjian</a> immer noch aktuell sind. &#8220;Seaside&#8221; enthält eine gute Handvoll kompakter, aber umso eindringlicherer Kompositionen, wohl primär auf <span id="more-39446"></span>der Basis modularer Synthese und gesampleter Sounds, deren verhuschter Hypnotik man sich nur schwer entziehen kann.</p>
<p>Verrauscht und mit einem Sound, der an abgeklärt-melancholische Dark Jazz-Bläser erinnert, startet der Opener &#8220;4 AM&#8221; und wirft die Hörerinnen und Hörer in ein frühmorgendliches Szenario, das an eine Fahrt durch desolate Industrielandschaften vor Sonnenaufgang erinnert &#8211; und dabei eher an eine durchwachten Nacht als an eine von Aufbruchstimmung und Tatendrang durchdrungene Morgenstunde. Eine gewisse Offenheit und die trotz bohrender Dröhnung ausbleibende Beklemmung wirken dem entgenen, und diverse Instrumentenzitate und Sounds, die an gespenstische Stimmen erinnern, wecken eine Menge Neugier.</p>
<p>Der Titel des folgenden &#8220;Riding in your car at night down by the seaside no street lights&#8221; lässt eine Vorstellung der ablaufenden Geschichte entstehen: Tremolierendes Zischen wie von artifiziellen Beckenanschlägen und propellernde Sounds lassen die Vorstellung einer einsamen Fahrt entstehen, die, vielleicht bewirkt durch die umgebende Dunkelheit, durch monotone Landschaften führt. Die Monotonie verflüchtigt sich bald, doch die gefühlte Schwermut steigert sich noch durch nostalische, an Jahrmarktsinstrumente erinnernde Orgelsounds.</p>
<p>Spannender, aufwallender, konfrontativer gestaltet sich &#8220;Other cars in sight&#8221;, eine kurze aber intensive Empfindung von Lichtfülle und Intensität entsteht, deren fließender Charakter sich völlig in der vermeintlichen Statik der tastenden Synthies von &#8220;Come Down&#8221; auflöst, bevor auch hier eine beinahe monumentale Dröhung, flankirt von den gelösten Drums von Maya Abignadis (Flugen) die ganze Szene emporhebt. Auf einer solchen Plattform fühlt man sich noch auf dem viel zu kurzen Ambientstück &#8220;Prequel&#8221;, aus dem so mancher Epigone der elektronischen Avantgarde heute ein halbes Album gemacht hätte.</p>
<p>Ob die finalen zweieinhalb Minuten des hypnotisch-entrückten &#8220;Sequel &#8211; live to tell&#8221; dem Ankommen oder dem sich entgültigen Verlieren gelten, sollte offenbleiben &#8211; auch angesichts der goldenen Flocken, die in Nadine Makarems Gedicht, das hier von der Autorin selbst eingesprochen wird, über dem Staub tanzen, während Organisches und Meschinelles immer mehr zu einer rostigen Einheit geraten. (U.S.)</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3703497341/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>TASJIIL MOUJAHED: The Death of Permanence</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2016 06:57:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein interessantes Oxymoron ist er, der Titel „The Death of Permanence“, denn wenn etwas Beständiges zu Ende geht, ist es nie beständig gewesen. Vielleicht klingt darin der zaghafte und zugleich mutige Wunsch an, das Unmögliche wirklich werden zu lassen. Vielleicht &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/10/01/tasjiil-moujahed-the-death-of-permanence/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/09/tasjiilmoujahed.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12798" title="tasjiilmoujahed" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/09/tasjiilmoujahed-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein interessantes Oxymoron ist er, der Titel „The Death of Permanence“, denn wenn etwas Beständiges zu Ende geht, ist es nie beständig gewesen. Vielleicht klingt darin der zaghafte und zugleich mutige Wunsch an, das Unmögliche wirklich werden zu lassen. Vielleicht auch die Furcht davor, doch dafür klingt die dunkle Electronica von Tasjiil Moujahed nicht idealistisch und auch nicht konservativ genug.<span id="more-12797"></span></p>
<p>Tasjiil Moujahed ist nicht, wie manchmal behauptet wurde, eine Einzelpersonen, sondern ein Duo, dessen Name so viel wie „Kulturrevolutionäre“ bedeutet – bestehend aus dem libanesischen Musiker Jawad Nawfal alias Munma und dem in Berlin ansässigen Cedrik Fermont, der solo und kollaborativ unter zahlreichen Namen aktiv ist. Beide spielen jeweils eigene Arten experimenteller Elektronik, die je nach Kontext ambiente, tanzbare oder auch lärmende Gestalt annehmen kann. In gewissen Abständen loten die beiden die Möglichkeiten aus, die sich ergeben, wenn ihre Ideen zusammenfinden.</p>
<p>Auf ihrem vor vier Jahren erschienenen Debüt „<span style="font-family: Tahoma;">مسافر </span>/ Moussafer“ entstand dabei ein herausfordernder musikalischer Hybrid an der Schnittstelle zwischen experimentell-improvisierter und technoider Electronica, in dem harter Electro im Stil der 80er ebenso nachhallte wie kühle Dubstep-Aleihen. Eingängige Strukturen wurden immer wieder angedeutet, aber nie – auch nicht im songorientierten „Aviatrix“ mit Gastsängerin Maria Kassab – soweit ausgeführt, dass Pop in Sicht gewesen wäre. Der gerade erschienenen Nachfolger ist in vieler Hinsicht zurückgenommener und konzentrierter, verzichtet auf Opulenz und allzu rasantes Tempo, und viel vom sperrigen Chaos der Kompositionen weicht einer eher fließenden Form.</p>
<p>All dies bleibt mehr denn je nur schwer greifbar, bereits in den sich unterschwellig überschlagenden Takten und dem schwer verständlichen Gemurmel der Samples im introartigen Opener „Septième Terre“. Die fatalistisch hallenden Soundflächen leiten über in das kühle „Encelade“, in dem dezente, aber leicht verzerrte Rhythmen eher tastend ihre Richtung suchen. Erst mit der Zeit, wenn die gedoppelten Vocals die Oberhand haben, findet man Orientierung, erkennt auch in der Detailverliebtheit einen roten Faden, der sich durch das Album zieht. Viele der Stücke haben Introcharakter, könnten Auftakt von Rhythm Noise oder anderer tanzbarer Musik sein, aber sie bleiben andeutend, überlassen viel der Fantasie des Hörers und vertrauen auf die subtile Wirkung des Fragmentarischen. Manchmal, wie in „Le Filmographe“ werden wie es scheint auch akustische Instrumente verwendet, auch hier gewinnt die Ausstrahlung am lediglich punktuellen Einsatz.</p>
<p>Lässt man sich davon einlullen, so könnte einen das kurze, zentrale „Mémoire d&#8217;outre-espace“ hochschrecken, das wesentlich extrovertierter daherkommt mit seinen kämpferischen Eispickelbeats und der unterschwelligen Aggression in den französischen Vocals, die sich nicht nur hier im Themenspektrum von Technik, Science Fiction und Dystopie bewegen. „Chronique organique“ und „Future Grounds“ setzen dem in jeder Hinsicht noch eins drauf. Immer mehr wird deutlich, dass &#8220;The Death of Permanence&#8221; einen deutlich politischen Grundtenor hat, doch auch wenn Bilder wie das einer Zombie-Armee, die durch eine „brave new world order“ marschiert für Momente kaum Fragen offen lassen, verweigern die Texte, so down to earth sie auch sind, jede einfache Didaktik und harmonieren so bestens mit der Subtilität der Musik.</p>
<p>Dass Tasjiil Moujahed ein Händchen für Klanggestaltung und auch für tolle Melodien haben, beweißen sie einmal mehr, ein Alleinstellungsmerkmal des neuen Albums (mit Artwork von Elyse Tabet alias Litter, die hier nicht das einzige Lebenszeichen von sich gibt) ist seine gelungene Mischung aus latenter Aggression und feinsinniger Andeutung, die immer einen irritierenden Augenschein von Ruhe und Moderation bewirkt. Als ich vor kurzem hörte, dass die beiden schon wieder an neuem Material arbeiten und diesmal wohl eine Pop-Platte anstehen soll, war ich nicht wenig überrascht – doch das heißt nicht weniger als dass man gespannt sein kann. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Syrphe</strong></p>
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		<title>MUNMA: No Apologies</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Mar 2014 00:09:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da die Neigung, Unterschiede als Gegensätze wahrzunehmen, recht verbreitet ist, klafft auch zwischen den Welten der „elektronischen“ und der „experimentellen“ Musik ein Abgrund, der weniger über die Musik aussagt, als über einen Großteil ihre Hörer. „No Apologies“ von dem hierzulande &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/03/22/munma-no-apologies/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/munmanoapologies.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8000" title="munmanoapologies" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/munmanoapologies-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Da die Neigung, Unterschiede als Gegensätze wahrzunehmen, recht verbreitet ist, klafft auch zwischen den Welten der „elektronischen“ und der „experimentellen“ Musik ein Abgrund, der weniger über die Musik aussagt, als über einen Großteil ihre Hörer. „No Apologies“ von dem hierzulande noch mysteriösen Geheimtipp Munma ist eine Platte, die in Gazetten wie De:Bug passt und in Locations gespielt wird, in die sich der Staalplaat-Hörer und A-Musik-Kunde in der Regel nicht verläuft. Was schade ist, denn die dunklen Kollagen des Bastlers aus Beirut dürften genreübergreifend Gefallen finden, vorausgesetzt, man braucht es nicht allzu eingängig und hat grundsätzlich eine Schwäche für Frickeleien.<span id="more-7999"></span></p>
<p>Es braucht anfangs eine ganze Weile, bis man peilt, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Nicht, dass Jawad Nawfal, die Person hinter Munma, einen bei der Suche nach dem roten Faden völlig im Regen stehen ließe, doch er lässt sich zunächst Zeit und tastet sich ausgiebig durch eine Vielzahl musikalischer Gefilde. In „Early Early Moring“, das tatsächlich etwas von einer frühmorgendlichen Orientierungsphase hat, lässt er frickelige Sounds und verhallte Keyboardflächen noch recht unvermittelt aufeinander treffen, konsequentes Fiepen und Pochen sorgt dafür, dass die divergierenden Rhythmen, die miteinander um die Vorherrschaft ringen, nichts von ihrem herausfordernden Charakter verlieren und der unheilvolle Beiklang, der das Album von ersten bis zum letzten Ton an prägt, beibehalten wird. Im weiteren Verlauf gewinnen die Stücke mehr und mehr an Form, doch nie geraten Rhythmen und Sounds derart kohärent, dass Tanzbares dabei herauskäme. Ambient, wie beim befreundeten Projekt Litter, mit dem ein steter Austausch stattfindet, wird allenfalls angedeutet, wie beim ethnolastigen „Land of Debris“, das auch ohne den Titel weit entfert ist von jeder beschaulichen Weltmusik. Die meisten Stücke haben von Klang her einen düsteren Grundton, wobei die vielen kleinteiligen Sounds allerdings jeder Schwere entgegenwirken. Die können dann auch mal auffallend akustisch ausfallen wie bei „Eastern Promises“ (eine Referenz an David Cronenberg?), oder mit allerlei levantinischem Metropolenflair aufwarten wie im hörspielartigen „The Funeral“, das zu den Höhepunkten des Albums zählt.</p>
<p>Aus dem Rahmen fallen das vokallastige „Yoga Revisited“, bei dem Rapper Mazen El Sayed seine Künste in einem französisch durchdrungenen Arabisch beisteuert, sowie eine Reihe an Remixen, von denen vor allem Kirdecs harte Synthiebearbetung von „The Funeral“ heraussticht. Beiruts Ruf, in den unterschiedlichsten (Sub-)Kulturen mit westlichen Standards mithalten zu können, ohne die oft beklagte Saturiertheit aufzuweisen, ist nicht neu, doch wenn man die hier beteiligten Musiker recherchiert, erhärtet sich der Verdacht, dass er nicht zu Unrecht existiert. „No Apologies“ würde sich zum Einstieg eignen, gleichwohl es auch ohne diesen Hintergrund überzeugt.</p>
<p>A. Kaudaht</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.syrphe.com/">Syrphe</a></strong></p>
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		<title>LITTER: Newfound Grids</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Aug 2013 08:44:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Freilich, es gibt immer wieder Debütalben, die einen ausgesprochen reifen Eindruck hinterlassen, und beim heutigen Stand der Aufnahme- und Produktionstechnik lässt sich Musik auch ohne viel Erfahrung gut frisieren und klanglich ausdifferenzieren. Ab und an klingt so etwas dann nicht &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/08/24/litter-newfound-grids/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/08/litternewfoundgrids1.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7492" title="litternewfoundgrids" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/08/litternewfoundgrids1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Freilich, es gibt immer wieder Debütalben, die einen ausgesprochen reifen Eindruck hinterlassen, und beim heutigen Stand der Aufnahme- und Produktionstechnik lässt sich Musik auch ohne viel Erfahrung gut frisieren und klanglich ausdifferenzieren. Ab und an klingt so etwas dann nicht einmal leer und seelenlos. „Newfound Grids“ dagegen, der Erstling der Künstlerin Elyse Tabet, hinterlässt den Eindruck, auf guter Vorarbeit aufzubauen. Das mag damit zu tun haben, dass die unter dem Pseudonym Litter zeichnende Musikerin schon seit Jahren im Metier Videokunst aktiv ist und dort Erfahrungen im Umgang mit Technologie, Ästhetik und nicht zuletzt auch Sound sammeln konnte. <span id="more-7487"></span>Diverse Gastmusiker haben ihren Teil beigetragen.</p>
<p>„Newfound Grids“ ist ein kompaktes, ambientes Electronica-Album, dessen introvertierte Grundhaltung keineswegs vielfältigen Variationen im Weg steht. So hat schon das eröffnende „Light You Cast“ einen unverkennbar „orientalischen“ Beiklang. Die modern klingenden Aufnahmen haben so nicht nur einen zeitliches, sondern auch ein räumliches Setting, in dem man gerne den Entstehungsort der CD, Tabets Heimatstadt Beirut identifizieren darf. Dass das Ganze von jedem liebliche Exotismus weit entfernt ist (von dem auch elektronische Musik nicht gefeit ist, und trotz der medial präsenten Kehrseite wird der Libanon gerne auch als „Schweiz des Nahen Ostens“ romantisch besetzt), dankt sich der subtilen Doppelbödigkeit der flächigen Komposition, die schon zu Beginn den Eindruck erweckt, dass sich etwas Ungreifbares, eventuell Unheilvolles anbahnt. Ob der Ort buchstäblich oder oder im Sinne eines fiktiven Schauplatzes gemeint ist, erscheint sekundär angesichts der starken Intensität, die er im Laufe des Albums gewinnt, und die visuell-narrative Assoziationskraft dankt sich vermutlich auch der filmischen Arbeit Tabets. Stets schwebt ein Hauch von Unbehagen über dem Szenario, Titel wie „Land of Half-Truth“ und „Hanging by a String“ implizieren in all ihrer Ambiguität, dass es sich kaum um Spielerei handelt, ebenso das Rasseln und Klappern im düsteren „Helicopters over Motorcity“. Verspielter, doch nicht weniger schräg, klingen Stücke wie „Trial Park“ und das auf plastischen Feldaufnahmen basierende „Homecoming“. Hier und da verlieren sich solche Stücke – deren Titel gewiss nicht zufällig wieder auf Orte bezogen sind – in der panoramaartigen Schau zahlloser Klangobjekte, doch der eingängige Charakter des Albums wird niemals vollkommen suspendiert und kommt am besten in den eher rhythmusbetonten Momenten zum Zug. Die haben dann so unterschiedliches wie paganen Techno („Pan’s Monologue“) und Schlenker in Richtung Dub („Hummingbird“) zu bieten.</p>
<p>Litter sollte auch in Zukunft zweigleisig fahren und keinen ihrer beiden favourisierten Sinneskanäle schonen, gerade weil sich beides immer wieder gegenseitig herausfordern und inspirieren kann, von den vielfältigen Verknüpfungsmöglichkeiten ganz zu schweigen. Auftritte in unseren Breiten wären wünschenswert, vielleicht zusammen mit MimiCof oder einigen Exponenten des Kompakt-Labels. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.syrphe.com/">Syrphe</a></strong></p>
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