<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Luce Sia</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/luce-sia/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 13 Apr 2026 02:34:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>LYKE WAKE / NOISE CLUSTER: Let the Universe Fall</title>
		<link>https://africanpaper.com/2020/08/08/lyke-wake-noise-cluster-let-the-universe-fall/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2020/08/08/lyke-wake-noise-cluster-let-the-universe-fall/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 08 Aug 2020 06:57:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Arianna Degni]]></category>
		<category><![CDATA[Flavio Rivabella]]></category>
		<category><![CDATA[Luce Sia]]></category>
		<category><![CDATA[Lyke Wake]]></category>
		<category><![CDATA[Noise Cluster]]></category>
		<category><![CDATA[Stefano Di Serio]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=21779</guid>
		<description><![CDATA[Da die Personen hinter den beiden römischen Projekten Lyke Wake und Noise Cluster schon seit Unzeiten befreundet sind, überrascht eine Zusammenarbeit zwischen dem erfahrenen New-Waver und dem von Flavio Rivabella (alias Der bekannte postindustrielle Trompeter) und Arianna Degni Lombardi betriebenen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2020/08/08/lyke-wake-noise-cluster-let-the-universe-fall/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/lykewakenoisecluster.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-21780" title="lykewakenoisecluster" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/lykewakenoisecluster.jpg" alt="" width="150" height="211" /></a>Da die Personen hinter den beiden römischen Projekten Lyke Wake und Noise Cluster schon seit Unzeiten befreundet sind, überrascht eine Zusammenarbeit zwischen dem erfahrenen New-Waver und dem von Flavio Rivabella (alias Der bekannte postindustrielle Trompeter) und Arianna Degni Lombardi betriebenen Electronica-Duo eigentlich nicht &#8211; man wundert sich eher, dass es nicht schon viel früher zu dieser &#8220;Collaboration for Doomsday&#8221; gekommen ist.<span id="more-21779"></span></p>
<p>Dabei sind die musikalischen Ansätze des überzeugren Drum Machine-Verweigerers Stefano Di Serio, der sein Projekt nach <a href="https://www.youtube.com/watch?v=R46Aue8R_Fc">einem englischen Folk-Traditional</a> benannt hat, und des IDM-Duos ziemlich verschieden, aber das muss ja nicht unbedingt ein Kriterium sein. Ich vermute, die drei haben zusammen gejammt oder zunächst mit verschiedenen Synthies und Instrumenten wie einer tibetischen Klangschale improvisiert und sich dann die Entwürfe ohne genaueren Masterplan hin und hergeschickt. Das Ergebnis zeigt aber eine originelle Handschrift, bei der Reminiszenzen an Kosmische Musik und urige, &#8220;industrielle&#8221; Klangwelten zusammenkommen.</p>
<p>Man braucht eine Weile, um den roten Faden zu finden, der sich durch die mal verspielten, mal schwermütigen, aber immer vielschichtigen Synthiescapes zieht. Sind es die Scifi-Zitate, die man gerade aus früheren Arbeiten von Noise Cluster gewohnt ist, die sich im Opener &#8220;Gamma Ray Scenario&#8221; ebenso finden wie im soghaften Korgsound von &#8220;Deranged Solar Flares&#8221;, und die ihre Wiedergänger in synthetischen Tierstimmen finden, im Quaken und Zwitschern nach Art der Black Lesbian Fishermen, das aus einer fernen Zukunft oder einer ebenso fernen Urzeit herübergeweht scheinen?</p>
<p>Oder sind es eher die wechselvollen Takte, die sich oft komplex und wagemutig geben, einige Stücke aber fast clubtauglich machen? Oder doch eher die wuchtigen Zeichen eines apokalyptischen Heroismus, der sich in dunkel ausgeleuchteten Passagen quer durch das Tape zieht: Durch die Echos von Chorälen und das schwere Orgelpathos von Tracks wie &#8220;A Stream Inside The Dark Of The Universe&#8221; und &#8220;The Black Light Beyond Lensed Star 1&#8243;, aber auch durch monumentale Synthiebrocken von neoklassischer Wucht in &#8220;And Then The Dark&#8221; oder das organisch-anorganische Soundchaos in &#8220;The Shadowed Universe Of Pain&#8221;?</p>
<p>Wahrscheinlich ist all das von einer gewissen Bedeutung und wird nur noch von einem Stimmungsaspekt übertroffen, nämlich einer stoischen Ambivalenz angesichts eines kontingenten Universums, welchs es in einem vitalen Totentanz zu feiern gilt. Der leidenschaftliche Die Hard kann dies tun, während eines von sechzig Tapes im Deck rotiert. (U.S.)</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3195947551/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><strong>Label: Luce Sia</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2020/08/08/lyke-wake-noise-cluster-let-the-universe-fall/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>GERMAN ARMY: Pyura Chilensis</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/07/01/german-army-pyura-chilensis/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2017/07/01/german-army-pyura-chilensis/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 2017 06:51:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[German Army]]></category>
		<category><![CDATA[Luce Sia]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=13657</guid>
		<description><![CDATA[Wer German Army mal ein Jahr lang nicht verfolgt hat, merkt schnell, wie viel man in so kurzer Zeit verpassen kann. Seit dem bisher einzigen Vinyl-Album „Kalash Tirich Mir “ und der Split mit Novy Svet, die beide Ende 2015 &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/07/01/german-army-pyura-chilensis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/04/germanarmypyruachilensis.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-13658" title="germanarmypyruachilensis" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/04/germanarmypyruachilensis.jpg" alt="" width="150" height="231" /></a>Wer German Army mal ein Jahr lang nicht verfolgt hat, merkt schnell, wie viel man in so kurzer Zeit verpassen kann. Seit dem bisher einzigen Vinyl-Album „Kalash Tirich Mir “ und der Split mit Novy Svet, die beide Ende 2015 erschienen sind, sind von der mysteriösen Formation aus dem kalifornischen San Bernardino wieder eine Reihe an Tapes heraus gekommen, und wenn die online hörbaren Aufnahmen repräsentativ sind, dann hat sich an der grundsätzlichen Ausrichtung im Grenzbereich von Rhythm Noise, Minimalismus und ritueller Exotik erst einmal nichts geändert. Das ist auch<span id="more-13657"></span> nicht nötig, bedenkt man, wie viel man in diesem Rahmen unterbringen kann.</p>
<p>Ein Markenzeichen der Band sind obskure, anspielungsreiche Titel, die eine gewisse inhaltliche Richtung vorgeben und zugleich auf absurde falsche Fährten locken, die German Army einen von großen Fragezeichen markierten Dada-Touch verleihen. Eines ihrer neueren Tapes nennt sich „Pyura Chilensis“ &#8211; der Titel bezeichnet ein den Manteltieren verwandtes Lebewesen, das auf deutsch Chilenische Aszide genannt wird.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob die Tatsache, dass das wie ein Stein aussehende Tier immer männlich zur Welt kommt, irgendwann sein Hirn verdaut und daraufhin zu einem Hermaphroditen wird, in irgendeinem Bezug zum Konzept des Tapes steht, interessant ist das alles gewiss. Das gilt aber auch für den restlichen Inhalt des Releases: Eine heruntergepitchte Stimme schwebt über monotonen Tribal Beats, mysteriöses Klingeln ertönt im Hintergrund, mit der Zeit verdichtet sich die beklemmende Stimmung immer mehr &#8211; keine guten Omen für einen Song namens „Believe System“ &#8211; alles wirkt desolat, auch die hineinmontierten kitschigen Computersounds. Manche der meist eher kompakten Tracks haben Interludiumscharakter, sind mitreißend in ihrer flächigen Ausrichtung, andere leben von vertrauten German Army-Motiven: Latent aggressive Ethnobeats, teils mit Breakbeat-Einschlag, ein niemals geerdeter Untergrund, verstörender Sprechgesang, dessen Inhalt so hermetisch ist wie die Songs mit Titeln wie „Castle Hill Enclosed“, „Great Plain Szeged“, „Kaieteur Mist“ oder „Populist Theory“. Politische, „interkulturelle“ Themen klingen an, ein nerdiger Exotismus ohne viel Kitsch, vielleicht eine angedeutete westliche Wahrnehmung der Welt.</p>
<p>Zwischen den vielen Soundideen, zwischen Dub-Momenten, gebrochenem Noise und blubbernden Rhythmen finden sich vereinzelte Momente von etwas Monumentalem, das für einige Minuten die ironisch wirkende Ausrichtung der Musik vergessen macht. Am ehesten vielleicht in „Festival of Future“, wo mit wabernden und flickernden Komponenten immer größere Kreisbewegungen vollzogen werden, ein immer größerer Gegenzoom, der in einem weiträumigen Panoramaschwenk gipfelt, bei dem man die ganze Zukunft überschaut. Auf den Boden des hier und jetzt holt uns spätestens „Populist Theory“ zurück, ein kaum zu verstehender (und damit den Titel irgendwie schon kommentierender) Vortrag zu einem Feuerwerk an martialischen Drums, die jede Industriehalle zum Kochen bringen würde. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://lucesia.bandcamp.com/">Luce Sia</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2017/07/01/german-army-pyura-chilensis/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>OFFICINE SCHWARTZ: Colonna Sonora Di Remanium Dentaurum Cr Co Mo (CD / DVD &#8211; Reissue)</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/06/17/officine-schwartz-colonna-sonora-di-remanium-dentaurum-cr-co-mo-cd-dvd-reissue/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2017/06/17/officine-schwartz-colonna-sonora-di-remanium-dentaurum-cr-co-mo-cd-dvd-reissue/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 17 Jun 2017 01:58:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Again Records]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Bano-Schwartz]]></category>
		<category><![CDATA[Fonoarte]]></category>
		<category><![CDATA[Luce Sia]]></category>
		<category><![CDATA[Officine Schwartz]]></category>
		<category><![CDATA[Osvaldo Arioldi]]></category>
		<category><![CDATA[Osvaldo Schwartz]]></category>
		<category><![CDATA[U.T. Comunicazioni]]></category>
		<category><![CDATA[Ugo Crescini]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=13906</guid>
		<description><![CDATA[Als der Begriff Industrial erstmals in der Musikgeschichte auftauchte, bezog er sich primär auf den Einfluss von Produktions- und Konsumverhältnissen auf den gesellschaftlichen Stand der Dinge in den 70ern. Dass die „Industrial Music for Industrial People“ des nach diesem Begriff &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/06/17/officine-schwartz-colonna-sonora-di-remanium-dentaurum-cr-co-mo-cd-dvd-reissue/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/06/officineschwartz.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-13907" title="officineschwartz" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/06/officineschwartz-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als der Begriff Industrial erstmals in der Musikgeschichte auftauchte, bezog er sich primär auf den Einfluss von Produktions- und Konsumverhältnissen auf den gesellschaftlichen Stand der Dinge in den 70ern. Dass die „Industrial Music for Industrial People“ des nach diesem Begriff benannten Labels in ihren rauen und kühlen Klängen zumindest entfernt an das Maschinelle der Industrieproduktion erinnerte, lässt sich als konsequente Symbolsprache begreifen. Dass dieser Sound einmal das Urbild einer bis<span id="more-13906"></span> heute anhaltenden Musiktradition werden sollte, die oft mit allerlei düsteren Dingen, nur nicht mit den Konzepten der Industrial Culture zu tun hat, ist ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung.</p>
<p>Vereinzelt gab es aber v.a. in der frühen Zeit Musiker, die sich – ob sie sich nun Industrial nannten oder nicht – der Arbeiterwelt inner- und außerhalb der Fabriken zuwandten. Einen konsequenten Zoom auf die Arbeitsvorgänge und ihre Geräusche und eine stilisierte Feier der motorisch-kreatürlichen Seite der Arbeit lieferte der Franzose Vivenza, sein Werk war eine perfekte Musealisierung des jünger&#8217;schen Arbeiters. Einen wesentlich breiteren Fokus auf die kulturellen und politischen Zusammenhänge in Industrie-Gesellschaften hatten Test Dept., die auf einigen Releases mit Bergarbeiterchören zusammenarbeiteten und deren Archaik auch den folkloristischen Spuren Rechnung trägt, die immer Teil der Moderne waren. Ähnliches, wenngleich mit anderen Schwerpunktsetzungen und auf typisch italienische Art, findet sich bei dem aus dem lombardischen Bergamo stammenden Kollektiv Officine Schwartz.</p>
<p>In ihren Anfangstagen zu Beginn der 80er steckten die Musiker um Osvaldo Arioldi noch tief im New Wave und Post Punk ihrer Zeit, mit dem hypnotisierend monotonen „Fräulein“ und seinem erschöpften, deutschsprachigen Nuschelgesang haben sie genau den NDW-Song geschaffen, auf den man in Deutschland vergebens gewartet hatte, auch wenn der Text damals sicher nicht in der Bravo abgedruckt worden wäre. Mit Klavier, Handclaps a la Theatre of Hate und einer Folkmelodie auf den Akkordeon hat der Song aber auch schon Züge des späteren Officine-Sounds. Das eingängige „Rambo“ von der gleichen 7&#8221; ist netter Italo Disco avant la lettre. Dem Re-Release ihres ersten Albums „Colonna Sonora Di Remanium Dentaurum Cr Co Mo“ (1988), der letztes Jahr mit einigem Bonus-Material in Zusammenarbeit mit verschiedenen Labels erschien, stellen sie die beiden Songs voran, um danach gleich zum Wesentlichen, oder besser: zum Typischen zu kommen:</p>
<p>Eine Ansprache, fernes Glockengeläut, ein verhallter, wie vom Wind herbei gewehter Chor, dessen Gesang sich bald als das bekannte Partisanenlied „Bella Ciao“ entpuppt, das den Hörern weiter hinten noch einmal als von Detonationen erschütterte Klage begegnen wird. Kraftvolle Pauken mischen die Szene auf, Samples von Metall (Ketten u.s.w.) zerstören für Momente jedes Idyll. Officine Schwartz lieben das Untypische, dem Anschein nach Deplazierte, lassen unter einem Titel wie „Inno di Lavoratori e delle Officine“ („Hymne der Arbeiter und der Fabriken“) ein Cembalo aufspielen, und wenn später nicht nur Walzertakt und Bläsersätze, sondern auch Hupen und Gehämmer hinzukommen, passt es trotzdem, und es hat vor allem viel Seele und authentisch wirkendes Kolorit, das mit einem Hauch von frühem 20. Jahrhundert schon damals in den 80ern nostalgisch gewirkt haben muss.</p>
<p>Genau dieses Lebensgefühl, diese atmosphärische Mischung aus Neo Realismo, No Future und einer paradoxen Aufbruchstimmung, hält die verschiedenen musikalischen Ideen mehr als alles andere zusammen: Aufwühlende Industrial-Tracks von perkussiver und oft auch orchestraler Wucht, anheimelnde Akkordeonstücke und Jahrmarktsnummern mit Leierkasten und ebenso leierndem Gesang &#8211; verblasste Zeugnisse einer Lebenswelt, in deren Zerstreuungen auch viele Reminiszenzen aus einer vorindustriellen Zeit, und sei es als liebeswürdiger Kitsch, zu finden sind. Letztlich immer wieder von Samples, Lärm und folkigen Instrumentalparts getragene Kollagen – all dies bildet eine Einheit, die sich nicht nur durch die Album-Tracks, sondern auch durch die als Bonus vorhandenen Konzertmitschnitte zieht, die oft noch eine Spur infernalischer ausfallen und vom „Einheitsfrontlied“ bis zu (relativen) Popstücken noch einiges zu bieten haben. Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1989 und erschienen zuerst auf einem Bootleg namens „Live a El Paso&#8221;, das für diese Veröffentlichung jüngst von Maurizio Pustianaz (Gerstein) digitalisiert wurde.</p>
<p>Neben weiteren Extra-Tracks („Rambo“ live und einer bassig wubbernden Neuauflage von „Fräulein“ aus dem Jahr 2016) zählt die 2014 von Osvaldi selbst produzierte autobiografische Banddoku „Da qui alla Ruggine“ auf der beiliegenden DVD natürlich zum interessantesten Bonus-Material: In einer Montage aus alten Konzertmitschnitten, sich überschlagende Kamerafahrten durch symbolträchtige Schauplätze, Stilleben aus dem Schutt von Industrieruinen sowie alten und neuen Interviews mit Mitgliedern und Weggefährten wird ein umfassendes, meist stilvoll grobkörniges Bild aus dreißig Jahren im Leben der Band gezeichnet.</p>
<p>Ich kann zu den zahlreichen Kommentaren, die die einstündige Doku durchziehen, nichts sagen, da ich nur Bruchstücke des Italienischen verstehe, doch die Atmosphäre der Aufnahmen gibt beredte Auskunft über einen im Laufe der Jahre kaum statisch gebliebenen Kosmos, der von Urban Decay verrottete Arbeits- und Wohnstätten ebenso enthält wie verwunschene Renaissancebauten, und demonstriert, dass die Musik des Kollektivs in die verschiedensten Orte unserer Zivilisation passen, so lange sie zumindest ein Stück heruntergekommen sind. Darüber hinaus belegt der Film den sozial und personell offenen Charakter der Officine, der sich in späteren Jahren selbstredend neue, jüngere Sänger, Instrumentalisten und Theaterleute angeschlossen haben, und die &#8211; ob bei der &#8220;offiziellen&#8221; Performance, beim Feuerwerk glühender Spänen während einer Bootsfahrt oder bei einer Prozession durch die Altstadt inklusive Fässerrollen und Stelzentanz &#8211; stets eine ganz selbstverständliche Nähe zu seinem Publikum pflegt.</p>
<p>Trotz ihres langjährigen Bestehens und des einzigartigen, multimedialen Charakters sind Officine Schwartz außerhalb ihres Landes nicht annähernd so bekannt wie sie es sein sollten. Vielleicht kann diese Veröffentlichung daran ja etwas änderrn, und in diesem Sinne wären bei einer Neuauflage Untertitel wünschenswert. Doch auch so ist sie nicht bloß ein Klassiker, den sich kein Freund Industrial-naher Subkulturen entgehen lassen sollte, sondern auch ein Dokument, das einige Wissenslücken im Rahmen spätkapitalistischer Kulturen und Gegenkulturen zu füllen weiß. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Again Records / Luce Sia / Fonoarte</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2017/06/17/officine-schwartz-colonna-sonora-di-remanium-dentaurum-cr-co-mo-cd-dvd-reissue/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>NOISE CLUSTER: Planet of the Lost Dolls</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/05/06/noise-cluster-planet-of-the-lost-dolls/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2017/05/06/noise-cluster-planet-of-the-lost-dolls/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 06 May 2017 06:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Arianna Degni]]></category>
		<category><![CDATA[DBPIT]]></category>
		<category><![CDATA[Flavio Rivabella]]></category>
		<category><![CDATA[Luce Sia]]></category>
		<category><![CDATA[xXeNa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=13646</guid>
		<description><![CDATA[In einem Gewirr verschiedener Kanäle am Stadtrand von Mexico City liegt die Isla de las Muñecas oder Puppeninsel, ein moorastiges, von Dickicht bewuchertes Eiland, auf dem unzählige grotesk entstellte Spielzeugpuppen an Bäumen und Sträuchern hängen. Hintergrund dieses seltsamen Kultes ist &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/05/06/noise-cluster-planet-of-the-lost-dolls/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/04/noiseclusterplanet.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-13647" title="noiseclusterplanet" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/04/noiseclusterplanet.jpg" alt="" width="150" height="251" /></a>In einem Gewirr verschiedener Kanäle am Stadtrand von Mexico City liegt die Isla de las Muñecas oder Puppeninsel, ein moorastiges, von Dickicht bewuchertes Eiland, auf dem unzählige grotesk entstellte Spielzeugpuppen an Bäumen und Sträuchern hängen. Hintergrund dieses seltsamen Kultes ist die Legende um ein Mädchen, das auf dieser Insel in den 50er Jahren ertrunken aufgefunden wurde, und von dem gesagt wird, dass sein Geist in ihrer Puppe, die nie gefunden wurde, weiterleben soll. So sah es zumindest Don Julian Santana Barrera, ein Fischer, der allein auf der Insel lebte und<span id="more-13646"></span> die Leiche des Kindes fand. In den Jahren danach fühlte er sich zunehmend von der Puppe, die er mehrfach gesehen haben wollte, verfolgt, und versuchte sie zunächst mit gefundenen Puppen zu besänftigen, doch als der Spuk nicht nachließ, verstümmelte er die Puppen, um sie hundertfach zur Abschreckung des Gespenstes auf der ganzen Insel aufzuhängen.</p>
<p>Die Geschichte entwickelte sich schnell zu einer urbanen Legende, die über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt und auch zu einem literarischen Stoff wurde. Die jüngste Bezugnahme darauf ist allerdings musikalischer Natur. Auf ihrem Tape „Planet of the Lost Dolls“ verlegen die römischen Noise Cluster die Geschichte auf einen fernen Planeten und verpassen ihr die eine oder andere reißerische Beigabe, wie es auch ein Jess Franco in seinen Filmen getan hätte &#8211; hier ist das Mädchen schon kein Kind mehr und wurde von einem obsessiven Mann, der ihr Ehemann, ihr Liebhaber oder ihr Vater sein könnte, auf diesen Planeten entführt, um sie vor einem gefahrvollen Leben auf dem dekadenten Planeten Erde zu bewahren. Auch in dieser Geschichte stirbt das Mädchen und lässt nur ihre Puppe zurück und verwandelt den Planeten in einen spukhaften Ort. Soweit die Liner notes.</p>
<p>Noise Cluster sind im Grunde ein audiovisuelles Projekt, und vor einigen Monaten gab es zu dem Stoff auch bereits eine Ausstellung mit Fotoarbeiten. Doch auch ohne diese Referenz ist die ästhetische Ausgestaltung der Geschichte, die linear erzählt und durch Titel und gelegentliche Vokalpassagen erzählt wird, musikalisch sehr anschaulich gemacht: ein kühl ausgeleuchtetes, cartoonhaftes, an die Popart-Ästhetik retrofuturistischer Sci Fi-Filme und Groschenhefte erinnerndes Szenario bildet das Setting für eine Räuberpistole, deren pessimistischer Verlauf vielleicht am ehesten noch die Industrial-Roots des Duos in Erinnerung ruft.</p>
<p>Ein monoton kreisendes, aufgerautes Dröhnen bildet den Auftakt, ein gesampleter Nachrichtensprecher und weitere Ansagen künden die kommende Dramatik an, die sich irgendwann in harschen Rhythmen entläd. Der mal analoge, mal digitale Sound zwischen ambienter Elektronik und rhythmischem Noise erinnert stark an<a href="http://africanpaper.com/2015/10/24/dbpit-xeena-daniele-pinti-lympha-obscura/"> „Lympha Obscura“, auf dem Arianna und Flavio noch nicht Noise Cluster hießen</a>, und wie schon zuvor sorgen die zurückgenommenen, subtilen Passagen für einige der größten Momente. So in „The Chase“, das keine Action bietet, aber eine Menge an mysteriösen Sounds, die wie angedeutete Gefahren schemenhaft um die Ecke lurken und unerkannt bleiben. Sorgt die erste Seite für die größte Spannung, so finden sich auf der zweiten die reißerischsten Momente: Gut gestaltete technoide Spielereien, nostalgischer Pulp, Ariannas beschwörende (italienische?) Vocals und Flavios schnatternde Trompete machen aus der extraterrestrischen Utopie eine Tour de Force, die als lärmender, quiekender Psychotrip endet. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://lucesia.bandcamp.com/">Luce Sia</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2017/05/06/noise-cluster-planet-of-the-lost-dolls/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>ARTICO CVLTO / GERSTEIN: Live Al Museo Della Fantascienza &amp; Mental Hospital P14</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/01/21/artico-cvlto-gerstein-live-al-museo-della-fantascienza-mental-hospital-p14/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2017/01/21/artico-cvlto-gerstein-live-al-museo-della-fantascienza-mental-hospital-p14/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 Jan 2017 05:45:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Artico Cvlto]]></category>
		<category><![CDATA[Dario Neri]]></category>
		<category><![CDATA[Gerstein]]></category>
		<category><![CDATA[Luce Sia]]></category>
		<category><![CDATA[Maurizio Pustianaz]]></category>
		<category><![CDATA[SKR]]></category>
		<category><![CDATA[Stefano Olflorenz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=13076</guid>
		<description><![CDATA[Der nostalgisch aussehende Subwoofer, der dieses Tape ziert, ist Programm, denn er ist Teil fast jeder Performance des Turiner Ambient und Multimedia-Duos Artico Cvlto, das vor einigen Monaten die hier dokumentierten Konzerte aufführte und an einem der Abende das italienische &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/01/21/artico-cvlto-gerstein-live-al-museo-della-fantascienza-mental-hospital-p14/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/12/articocvltogerstein.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-13077" title="articocvltogerstein" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/12/articocvltogerstein.jpg" alt="" width="150" height="240" /></a>Der nostalgisch aussehende Subwoofer, der dieses Tape ziert, ist Programm, denn er ist Teil fast jeder Performance des Turiner Ambient und Multimedia-Duos Artico Cvlto, das vor einigen Monaten die hier dokumentierten Konzerte aufführte und an einem der Abende das italienische Ritual- und Industrial-Urgestein Maurizio Pustianaz <strong></strong>alias Gerstein mit ins Boot holte. Für die Shows hatte man sich mit dem Turiner Sci Fi-Museum und dem im benachbarten Collegno gelegenen Padiglione 14 zwei besondere Orte ausgesucht. Letzteres ist eine Räumlichkeit in einem ehemaligen psychiatrischen Krankenhaus, das seit rund zwanzig Jahren geschlossen ist und in der letzten Zeit vermehrt für Kulturveranstaltungen genutzt wird.<span id="more-13076"></span></p>
<p>Schon auf der ersten Seite meint man die Live-Atmosphäre zu spüren: Im recht langsam anschwellenden Brodeln der undefinierbaren Sounds, im verfremdeten Stimmengewirr und der alles verschlingenden Wolke aus Rauschen, in die recht plötzlich, aber wie aus der Ferne, aggressives Power Noise-Shouting einbricht wie ein Unwetter in eine, nun ja, zumindest vergleichsweise harmonische Welt. Erst nach geraumer Zeit erkennt man typische Stilmerkmale des Duos, die auch auf ihremr Split mit Noise Cluster zu hören sind: die typische ambiente Dröhnung und ungewöhnliche, wenngleich unterschwellige Rhythmik, die in ihrem archaischen Scheppern schon auf Gerstein vorauszudeuten scheint.</p>
<p>Die erste Seite hat etwas von einem Dokument, das die Intensität der Darbietung nur zu gut erahnen lässt, und man darf vermuten, dass das Ganze im multimedialen, installationartigen Rahmen von Artico Cvlto noch intensiver wirkt. Die zweite Seite funktioniert auch perfekt für sich als Musik, was sicher zum Teil an der brüchigeren und leicht episodisch anmutenden Struktur des Materials liegt: Die Rhythmen sind kunstvoll fragmentiert, und immer wieder gibt es Abschnitte lärmenden, rhythmischen oder auch ansatzweise melodischen Charakters, die wie Anfänge von nie realisierten „Songs“ erscheinen, und alles bleibt immer etwas erratisch und unregelmäßig und wirkt an den besten Stellen so mysteriös wie ein nur spärlich erleuchteter Spiegelsaal, der bei der kleinsten Detonation zu zerbersten und zu zerklirren droht.</p>
<p>In seinen besten Abschnitten wirkt das Trio wie eine organische Einheit, und man vergisst für Momente, das hier Musiker aus ganz unterschiedlichen Generationen des italienischen Post Industrial fusionieren – beide Acts verdienen auch hierzulande, etwas mehr in den Fokus genommen zu werden. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.facebook.com/LUCE-SIA-168848936784613/">Luce Sia</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2017/01/21/artico-cvlto-gerstein-live-al-museo-della-fantascienza-mental-hospital-p14/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
