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	<title>African Paper &#187; Nebüla</title>
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		<title>Transformation ist ein Leitmotiv in meinem Leben. Ein Interview mit Daniela Bedeski von RosaRubea</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2026 05:14:43 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Über zehn Jahre sind seit &#8220;Chrysalide&#8221; vergangen, dem bisher jüngsten Studioalbum der im Raum Mailand ansässigen Band RosaRubea. In dieser Zeit hat Daniela Bedeski, die auch als Lehrerin und in der Astrologie aktive Gründerin und Sängerin des Projektes, die Combo &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/09/05/transformation-ist-ein-leitmotiv-in-meinem-leben-ein-interview-mit-daniela-bedeski-von-rosarubea/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span dir="auto"><span dir="auto"><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-24-1042451.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-52245" title="Screenshot 2026-08-24 104245" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-24-1042451-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Über zehn Jahre sind seit <a title="ROSARUBEA: Chrysalide" href="https://africanpaper.com/2015/10/10/rosarubea-chrysalide/">&#8220;Chrysalide&#8221;</a> vergangen, dem bisher jüngsten Studioalbum der im Raum Mailand ansässigen Band RosaRubea. In dieser Zeit hat Daniela Bedeski, die auch als Lehrerin und in der Astrologie aktive Gründerin und Sängerin des Projektes, die Combo zu einem offenen, experimentierfreudigen Kollektiv ausgebaut, das Klang, Sprache und spirituelle Suche auf ganz eigene Weise verbindet. Nun kehrt RosaRubea mit &#8220;Biancanæve&#8221; (dt. &#8220;Schneewittchen&#8221;) zurück – ein Album, das <span id="more-52244"></span>Mythologie, kollektive Trauer und die Suche nach Erneuerung in musikalische Bilder übersetzt, angereichert mit satter Elektronik, Piano sowie neuen Instrumenten wie Oud, Saxophon und Akkordeon. Um dies, aber auch um zahlreiche andere aktuelle und vergangene Zusammenarbeiten und einiges mehr geht es in unserem kürzlich geführten Interview.</span></span></strong></p>
<p><strong><a title="Transformation is a leitmotif in my life. An interview with Daniela Bedeski of RosaRubea" href="https://africanpaper.com/2026/09/05/transformation-is-a-leitmotif-in-my-life-an-interview-with-daniela-bedeski-of-rosarubea/">Englisch</a> | <a title="La trasformazione è un leitmotiv nella mia vita. Una intervista con Daniela Bedeski de RosaRubea" href="https://africanpaper.com/2026/09/05/la-trasformazione-e-un-leitmotiv-nella-mia-vita-una-intervista-con-daniela-bedeski-de-rosarubea/">Italienisch</a></strong></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Du wurdest bisher selten in deutschsprachigen Ländern interviewt: Möchtest du uns erzählen, wie dein Werdegang als Musikerin und insbesondere Sängerin begann? Gab es einen bestimmten Moment oder eine Phase in deinem Leben, in der du erkanntest, dass Musik für dich mehr als nur ein Hobby war?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Musik war schon immer Teil meines Lebens: Als kleines Kind erinnere ich mich, dass meine Welt aus Klängen bestand; durch die Klänge trat ich in Beziehung zu allem um mich herum – Klänge, die Musik, Worte, Silben, Töne waren. Aus dem Plattenspieler oder Kassettenrekorder drangen die Stimmen italienischer Sängerinnen und Sänger wie Adriano Celentano, Nada, Patti Pravo, Ornella Vanoni, Milva, Dalidà, Caterina Caselli und Mia Martini: Ihre Stimmen verzauberten mich; ich verpasste keine Folge von „Canzonissima“, dem damaligen italienischen Gesangswettbewerb. Durch die Klänge veränderte sich die Welt, und ich veränderte mich mit ihr: Es ergab Sinn. Ich begann sehr früh aufzutreten und überwand meine Schüchternheit: Mit sechs Jahren, in einer Ferienkolonie, stand ich vor tausend Kindern auf der Bühne und bekam ein Mikrofon an die Hand. Als Kind nahm ich alles auf: Lieder, die ich sang, Dialoge, die ich aufsagte, Rollenspiele, Naturgeräusche. In der Schule organisierte ich Aufführungen mit Tanz, Gesang und Choreografien. Als Jugendliche hatte ich weitere Inspirationsblitze: Patti Smith hatte mich tief berührt. Musik hat mich schon immer gerufen: Nennen wir es DAIMON.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">F: Du bist auch als Lehrerin für verschiedene Sprachen tätig. Wie beeinflusst deine Beziehung zu Sprachen deine Arbeit als Sängerin und Songschreiberin?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Ich war schon immer von Fremdsprachen und Musik fasziniert: Als Kind lernte ich Sprachen sehr leicht; es war für mich ganz normal, Englisch oder Italienisch zu sprechen, ich wiederholte einfach, was ich hörte. Der Klang fremder Sprachen hat mich schon immer in seinen Bann gezogen. Eine Sprache ist eine Brücke zwischen zwei Welten. Wenn ich komponiere, entstehen Worte und Musik in der Regel gemeinsam, als Einheit. Je nachdem, was ich ausdrücken möchte, entsteht ein Lied in einer Sprache – Englisch, Italienisch, Französisch, manchmal Deutsch –, die für mich klanglich stimmig ist. Manchmal entscheide ich mich auch für ein Cover in der Originalsprache, und in diesem Fall kann es sich auch um ein Lied handeln, dessen Text in einer Sprache ist, die ich nicht gut beherrsche, aber trotzdem aussprechen kann.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Wie kam es zu deinem wichtigsten Musikprojekt, RosaRubea, und welche künstlerische Idee steckte dahinter?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. RosaRubea entstand ursprünglich als Duo mit dem Elektronikmusikkomponisten Pino Carafa und mir um das Jahr 2008. Im September eines Sabbatjahres reiste ich mit Pinos Musik an die Küste Liguriens, zu der ich zunächst Melodie und Text auf Französisch hinzufügte. Weitere englische Texte stammen aus Gedichten verehrter Autoren wie T. S. Eliot, dem wir den Titel unseres Debütalbums „The Fire and the Rose“ verdanken, der einer Strophe seines Gedichts „Little Gidding“ entlehnt ist. Wieder andere Texte sind meine eigenen italienischen Gedichte, die ich vertont habe. Damals, nach langjähriger Tätigkeit als Sängerin bei der Camerata Mediolanense und anderen Ensembles, verspürte ich einen tiefen kreativen Drang, sicherlich auch bedingt durch schmerzliche Verluste. So entstand das Projekt RosaRubea ganz spontan. Es ging um den Willen, dem Wunsch nach Verbundenheit mit der Welt Form und Ausdruck zu verleihen und dabei den Kern des transformativen Prozesses von Geburt, Tod und Wiedergeburt des Seins zu erreichen.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Der Name RosaRubea verweist eindeutig auf alchemistische Symbolik. Was bedeutet er für dich? Diese Themen spielten auch in einigen Liedern Ihres Projektes „De L&#8217;Amor Sospeso E De L&#8217;Amor Rubeo“ eine wichtige Rolle.</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Transformation ist ein Leitmotiv in meinem Leben; ja, sie ist eine Konstante im Leben eines jeden Menschen, nur bemerken die meisten sie nicht wirklich, denken nicht darüber nach oder leben ihr Dasein eher stagnierend und oberflächlich oder begnügen sich damit, sich von ihr treiben zu lassen, ohne sie wirklich zu bewohnen, wenn nicht sogar zeitweise. RosaRubea ist das alchemistische Rubedo, also die Phase vor der Verwandlung von unedlem Metall in Gold: Es verweist daher auf einen fundamentalen Moment im Prozess der Materietransformation, der in der Alchemie mit dem Prozess der spirituellen Transformation einhergeht – denn Materie und Geist sind keineswegs getrennt – hin zu einem lebendigen, pulsierenden Kern; tatsächlich bedeutet das Erreichen des alchemistischen Goldes am Ende eines feinen, geschickten Transformationsprozesses für den Alchemisten, das Elixier des Lebens zu erhalten, vielleicht das Bewusstsein, eins mit dem Kosmos zu sein, in Transformation hin zu höheren Sphären. „De l&#8217;Amor suspend e de l&#8217;Amor rubeo“ ist eine Sammlung von Gedichten von mir, die in Zusammenarbeit mit Cropcircle vertont und von dem verstorbenen Maler Massimo Bertocchi und der Digitalkünstlerin Valentina Mangieri illustriert wurden; natürlich ist auch hier das Thema der Metamorphose mit ihrem Prozess von Geburt, Tod und Wiedergeburt von grundlegender Bedeutung.<a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/IMG_9604-highres.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-52239" title="IMG_9604-highres" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/IMG_9604-highres.jpg" alt="" width="2473" height="1744" /></a></span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Du arbeitest derzeit an einem neuen Album mit dem Titel „Biancanæve“, das noch in diesem Jahr erscheinen wird, elf Jahre nach deinem Album „Chrysalide“. Wie unterscheidet sich das neue Werk von deinem vorherigen, und in welchem ​​Verhältnis steht es zu Elementen, mit denen du vertraut bist? Hat sich deine künstlerische Perspektive seitdem wesentlich verändert?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Ich glaube nicht, dass sich die künstlerische Perspektive verändert hat. Der Ausdrucksdrang ist im Grunde derselbe geblieben: der Wunsch zu kommunizieren und zu teilen, und die grundlegende Idee, dass Kunstschaffen sowohl den Künstler als auch den Betrachter verändert. Es stimmt jedoch, dass seit „Chrysalide“ einige Zeit vergangen ist, und auch ich habe mich entwickelt. Wir alle haben individuelle und kollektive Erfahrungen gemacht, die uns geprägt haben, und ich glaube, das wird sich in unserem neuen Album widerspiegeln. „Biancanæve“ hat den vergifteten Apfel gekostet, in dieser mehr denn je kranken Zeit; die Hexe ist eine kopflose Hydra, die Blut erntet, der Körper schreit überall, der Schleier schützt, wie der Chrysalis-Kokon, und kündigt eine Wiedergeburt an. Verglichen mit unseren früheren Werken suchen Text und Musik hier nach sich selbst. Gesang und gesprochenes Wort verschmelzen oder wechseln sich ab, denn, wie ich in einem unserer Lieder singe: „Die Vernunft versagt, ich glaube, Musik kann die Hölle, die wir durchmachen, nicht beschreiben.“ In „Biancanæve“ erscheinen neue Sprachen auf der Suche nach einer Begegnung mit neuer Musik. Hier hat sich die kollektive Dimension erweitert: Aus der „Chrysalide“ hat sich der Schmetterling selbst geboren und sucht nach einer größeren, tieferen, höheren Perspektive.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Du hast die Rolle neuer Instrumente wie Oud, Saxophon und Akkordeon sowie neue Stimmregister erwähnt. Wie haben diese Elemente den Sound von RosaRubea verändert?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. In „Biancanæve“ ist die Elektronik – vom exzellenten Yann Turrini – generell präsenter als in „Chrysalide“. Dort sind die erwähnten Instrumente integriert oder wechseln sich kontrapunktisch ab, wie Aufrufe an einen geheimnisvollen Hintergrund, der neu gewoben und wie ein Mosaik aus verschiedenen kulturellen und stilistischen Identitäten zusammengesetzt werden will. Diese stehen nicht im Gegensatz zueinander, sondern verschmelzen zu einer kollektiven Chorkomposition, die mitunter von Momenten intimer Lyrik geprägt ist. So spielt beispielsweise das Klavier eine wichtige Rolle: Seit einigen Jahren spiele ich wieder Klavier und habe mich daher oft selbst begleitet. Einige Lieder des aktuellen Albums, die ich selbst eingespielt habe, entstanden aus Gedichten von mir, die ich später vertonte. Im Vergleich zu „Chrysalide“ gibt es hier mehr Klangforschung, würde ich sagen, mal hin zu einer ungewohnten Trockenheit, mal hin zur Verschmelzung von Instrumental- und Vokalklängen.</span></span></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/rQ3T0ok9pbU?si=Xkx2c4Wikk7e_HVm" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Welche persönlichen und kollektiven Themen werden uns im Album begegnen?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Ich möchte ungern zu viel über die Themen des kommenden Albums verraten, aber ich kann sagen, dass sich ein Kreislauf ganz natürlich herausgebildet hat – vom Individuum zum Kollektiv und wieder zurück zum Individuum. Beide sind eng miteinander verbunden, zumindest vermute ich, dass es so wahrgenommen werden wird. Stimmen aus der Antike und der jüngeren Vergangenheit durchziehen das Album. Ich wage zu behaupten, dass „Biancanæve“ ein zeitloses Album ist, das aus unserer Zeit hervorgegangen ist.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Deine Musik auf „Chrysalide“ umfasste ein breites Spektrum an Genres, irgendwo zwischen Kammermusik, Psychedelic und Chanson. War diese stilistische Offenheit von Anfang an beabsichtigt oder hat sie sich eher organisch entwickelt? Ich vermute, dass einiges davon auch heute noch hörbar ist, vielleicht sogar noch deutlicher.</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Wenn man etwas erschafft, folgt man nicht absichtlich einem vorgegebenen Weg, sondern ist einfach dazu berufen, ein Netz zu spinnen, das sich auf geheimnisvolle Weise entwickelt, während man sich selbst zusammen mit ihm erschafft: Offenheit ist der charakteristische Stil von RosaRubea und dies wird auf unserem kommenden Album wahrscheinlich noch deutlicher zutage treten.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">F: Würdest du RosaRubea als eine Band mit fester Besetzung beschreiben oder eher als ein offenes Projekt mit wechselnden Mitwirkenden? Welche Musiker sind diesmal an den Aufnahmen beteiligt?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Im Laufe der Zeit hat sich RosaRubea zu dem entwickelt, was ich gerne als „experimentelles elektroakustisches Musikkollektiv“ bezeichne, also definitiv ein offenes Projekt, dessen Kern jedoch seit Jahren von einigen wenigen festen Musikern gebildet wird: neben mir natürlich dem Gründer des Ensembles, Yann Turrini, der als Arrangeur eine wichtige Rolle spielt, Ermanno Fabbri, ein talentierter und sehr feinfühliger Gitarrist, der auf dem kommenden Album auch Oud spielt, und Zeno Gabaglio, der Magier des akustischen und elektrischen Cellos, mit dem wir uns aufgrund unserer ähnlichen Experimentierfreude immer verbunden gefühlt haben. Außerdem haben wir in „Biancanæve“ den außergewöhnlichen Schlagzeuger und Perkussionisten Fabrizio Carriero, den herausragenden Akkordeonisten Nadio Marenco, die vielseitige Saxophonistin Azzurra Buccoliero vom Projekt Nebüla, die auch bei einem Stück Backing Vocals beisteuert, und den fantasievollen Musiker und Songwriter Pier Adduce, der hier Slide-Gitarre und Mundharmonika spielt, zu Gast gehabt; Auf dem Album spielte dann abwechselnd mit mir am Klavier der engagierte und einfühlsame Federico Martinoni, der vor einem Jahr zum Ensemble stieß. Möglicherweise wird sich uns noch ein weiterer bedeutender Musiker anschließen, aber das können wir noch nicht mit Sicherheit sagen. </span></span><br />
<span dir="auto"><span dir="auto"> Ich möchte auch die Grafikdesigner, Künstler und Fotografen erwähnen, die mit uns zusammenarbeiten oder zusammengearbeitet haben, da RosaRubea ein Multimedia-Projekt ist: Das Cover und die Aquarelle in „The Fire and the Rose“ stammen vom verstorbenen Maler Massimo Bertocchi, die außergewöhnlichen Bilder in „Chrysalide“ von Luca Baldi, während das gesamte Grafikdesign für „Biancanæve“ von der exzellenten Anna Taschini gestaltet wurde.<a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/rr.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-52332" title="rr" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/rr.jpg" alt="" width="4000" height="2666" /></a></span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Neben RosaRubea betreibst auch ein Projekt mit dem gerade erwähnten Akkordeonisten Nadio Marenco, das sich auf europäische Volksmusik, insbesondere aus dem frühen 20. Jahrhundert, konzentriert. Ist dieses Projekt noch aktiv? Und was reizt dich an diesen Neuinterpretationen?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Ja, das Projekt ist noch aktiv. Wir denken auch darüber nach, gemeinsam mit anderen talentierten Musikern ein Album zu veröffentlichen. Nadio und ich lernten uns kennen, als wir während einer Show mit Moni Ovadia bei David Maria Turoldo ein paar Mal zusammen auf der Bühne standen. Ich sang damals nicht nur im Ensemble Vocale In… Canto als Chorsängerin, sondern auch „Lili Marleen“ als Solistin mit Nadio Marenco und Maurizio Dehò (dem verstorbenen Geiger). Wir interpretierten das Stück, ohne es vorher geprobt zu haben. Mir wurde sofort klar, dass eine außergewöhnliche Verbindung bestand, auch dank Nadio Marencos beeindruckender musikalischer Sensibilität und seines unglaublichen Talents. Schließlich konnte ich mir vorstellen, ihm vorzuschlagen, das lang gehegte Repertoire des Berliner Kabaretts zusammenzustellen, das ich so definiert hatte. Es basiert hauptsächlich auf Kompositionen von Friedrich Hollænder, Kurt Weill und Hans Eisler aus der ersten Nachkriegszeit, später bis zum Zweiten Weltkrieg und sogar noch etwas darüber hinaus. So fügten wir einige Lieder italienischer und russischer Komponisten hinzu. Unser Hauptanliegen war es, den Geschmack einer Zeit, der Weimarer Republik, wieder aufleben zu lassen – einer Zeit, die von unglaublicher künstlerischer Fruchtbarkeit und politischer sowie sozialer Lebendigkeit geprägt war, mit ihrer respektlosen, spielerischen Ironie und ihrer bissigen Satire, aber auch ihrer tragischen und subtil melancholischen Seite. Ich denke hier an „Der Blaue Engel“, meisterhaft interpretiert von Marlene Dietrich in ihrer Rolle als die sinnliche und skrupellose Lola Lola. Die Zeiten haben sich geändert, die Bettler der Dreigroschenoper sind nicht mehr dieselben, aber im Grunde haben sich die Verhaltensmuster nicht verändert, und die moderne Menschheit erlebt im Zeitalter der Globalisierung einen kollektiven Horror unter ständiger diktatorischer Bedrohung; deshalb finde ich Kurt Weill, Bertolt Brecht und Hans Eisler sehr relevant.</span></span></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/8zUF_xx9fXQ?si=p4qEErVtnvhIZlov" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. In diesem Projekt interpretierr ihr auch das Lied „O Gorizia tu sei maledetta“, das eine sehr berührende und trostlose Perspektive auf den Krieg und das Schicksal einfacher Soldaten vermittelt. Kannst du uns etwas über die Geschichte hinter diesem Stück erzählen und welche Bedeutung es für dich hat? Das Thema scheint, soweit ich es verstehe, wieder aktuell zu sein – und wann war es das nicht?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. „Gorizia“ ist ein berührendes, anonym verfasstes Lied aus dem Ersten Weltkrieg. Es entstand spontan unter den italienischen Truppen während der blutigen Schlacht um Görz, wo im August 1916 Zehntausende italienische und österreichische Soldaten fielen. Es schildert die harte Realität der Front im Gegensatz zur damaligen Regimerhetorik. Der Text prangert die Militärkommandeure und die konformistische Bourgeoisie, die den Krieg unterstützte, scharf an und bezeichnet den Krieg als sinnloses Blutvergießen (im Italienischen: „verkauftes Fleisch“). Es heißt, wer es während des Krieges sang, sei des Defätismus beschuldigt und habe sofort getötet werden können. „Gorizia“ wurde aufgrund seines subversiven und pazifistischen Charakters lange Zeit zensiert. Im Laufe der Zeit wurde es wiederentdeckt und von bekannten italienischen Folksängerinnen wie Giovanna Marini, Lucilla Galeazzi und Rosa Balistreri aufgenommen. </span></span><br />
<span dir="auto"><span dir="auto"> Dieses Lied liegt mir besonders am Herzen, wie auch andere Antikriegs- und Protestlieder im Allgemeinen: Ich hörte sie zum ersten Mal dank meines Vaters, eines Freigeistes mit einer Leidenschaft für Geschichte, und sie berührten mich sofort durch ihr Pathos. Sowohl die Familie meines Vaters als auch die meiner Mutter erlitten im Zweiten Weltkrieg schwere Verluste.</span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Du warst viele Jahre lang die Leadsängerin der Camerata Mediolanense. Wie hat diese Erfahrung dich als Künstlerin geprägt? Und hat sich deine Herangehensweise an Musik verändert, seit du deine eigene künstlerische Vision mit RosaRubea entschlossener verfolgst?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Camerata Mediolanense hat eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt, meine Zusammenarbeit mit ihnen dauerte fast zwanzig Jahre. Es war eine prägende Erfahrung, die uns als Künstler und Freunde verband und in der wir Momente großer kreativer Intensität, lustige wie tragische Episoden unserer Jugend teilten. Einige von ihnen kannte ich schon seit dem Studium; wir teilten den gleichen Geschmack, die gleichen Interessen, die gleichen Wahlfächer, Reisen nach London, die ganze „Gothic“- und Underground-Szene, perkussive und gesangliche Experimente. Der gemeinsam beschrittene Weg hat einen langen Abschnitt meines Lebens geprägt, auch unser Leben in Mailand, unserer Heimatstadt – einem Mailand, das sich mittlerweile deutlich verändert hat. Als Künstlerin hat mich all das durchdrungen; ich glaube, dass ich in den Jahren mit ihnen die Kraft und Intensität ihrer Musik sehr spontan vokal, körperlich und szenisch interpretiert habe. Elena ist eine sehr talentierte und sensible Komponistin; Die Interpretation ihrer Musik, sei es das Singen von Versen Petrarcas, Dantes oder Torquato Tassos, war für mich immer eine Herausforderung. Ich habe mich stimmlich als Sopranistin, aber auch als Altistin, immer wieder selbst herausgefordert. Ich habe meine Stimme gefunden, mit ihr experimentiert und mich in die Töne, in die Worte hineinversetzt. Ich habe mich auf der Bühne vertraut gemacht – die mir zwar nicht fremd war –, aber mit der Camerata auf Tournee durch Europa, insbesondere Deutschland, konnte ich jedes Mal meine verschiedenen Stimmen entdecken, da mir das Publikum seine Energie und seine Wertschätzung zurückgab. </span></span><br />
<span dir="auto"><span dir="auto"> Mit RosaRubea, meinem eigenen Projekt, das ich nun schon seit fünfzehn Jahren betreibe – trotz der langen Pause seit unserem letzten Album „Chrysalide“ von 2015 –, habe ich mich neben dem Gesang und der Bühnenpräsenz auch mit dem kompositorischen Aspekt auseinandergesetzt: Das bedeutete, tief in meine Seele einzutauchen, in die Erfahrungen, die mein Leben geprägt haben, und manchmal einen Weg zu finden, Trauer und Verluste zu verarbeiten und ihnen so eine umfassendere symbolische Bedeutung zu verleihen. Gleichzeitig habe ich mich intensiv mit der Suche nach Sinn auseinandergesetzt, die, wie bereits erwähnt, heute immer umfassender und kollektiver wird. Im Vergleich zu Camerata Mediolanense ist RosaRubea meiner Meinung nach stärker auf innovative Vielseitigkeit und Experimentierfreude ausgerichtet, was uns auf natürliche Weise dazu anregt, unsere Umgebung zu betrachten und uns selbst zu hinterfragen, auch in der Musik.<a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/IMG_2879-highres.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-52240" title="IMG_2879-highres" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/IMG_2879-highres.jpg" alt="" width="2744" height="4116" /></a></span></span></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Du hast dich in den letzten Jahren sehr intensiv und systematisch mit Astrologie beschäftigt und arbeitest nun auch offiziell als Astrologin. Was hat dich dazu bewogen, dein persönliches Interesse zum Beruf zu machen? Und was fasziniert dich am meisten an dieser Arbeit?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Die Leidenschaft für die Astrologie begleitet mich seit meiner Jugend; in jüngerer Zeit habe ich mich systematisch damit auseinandergesetzt, um mein Wissen zu vertiefen. Dies führte schließlich zur Entscheidung, die akkreditierte italienische Schule CIDA (Italienisches Zentrum für Astrologie) zu besuchen, wo ich mein Diplom in Astrologie und damit auch eine berufliche Qualifikation erwarb. </span></span><br />
<span dir="auto"><span dir="auto"> Ich habe immer eine Verbindung zum „Ganzen“ gespürt, das die Astrologie, ein sehr altes Wissen, in ihren vielfältigen Facetten und Verbindungen zu anderen Wissensformen so treffend zum Ausdruck bringt und die Menschen tief mit dem Kosmos verbindet. Ich denke, die astrologische Analyse ist ein wertvolles Mittel zur Selbsterkenntnis, das das Leben als Ganzes respektiert. Ein Beruf, der mit den eigenen Bestrebungen, der eigenen Sensibilität und Denkweise übereinstimmt, muss Sinn ergeben. Für mich ist die Astrologie in ihrer professionellen Dimension besonders hilfreich, da sie dank ihrer symbolischen Sprache neue Wege zum Verständnis des Selbst in der Beziehung zum Anderen eröffnet. Genau das fasziniert mich an astrologischen Beratungen: das Entstehen möglicher neuer Geometrien der Existenz dank der Analyse von Zeit, Raum und der Qualität der wirkenden Energie.</span></span></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/angurV-50TQ?si=-cgW0oSG7sEIfiOI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong><span dir="auto"><span dir="auto">U. Du bist gleichzeitig Sängerin, Musikerin, Autorin und Astrologin: Sind das für dich unterschiedliche Ausdrucksformen oder Teile eines gemeinsamen künstlerisch-spirituellen Prozesses?</span></span></strong></em></p>
<p><span dir="auto"><span dir="auto">D. Es sind Ausdrucksformen, jede mit ihren spezifischen Merkmalen, die aber alle den Wunsch teilen, dem Sein eine neue Form zu geben und Verbindungen zu schaffen: Durch Musik, Poesie und auch Astrologie existieren wir nicht mehr nur als Individuen, sondern leben in Synergie nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit anderen Existenzformen. Musik ist Zahl, sie ist numerische Beziehung, übersetzt in Klang, wahrgenommen durch unsere Sensibilität. In der Astrologie ist die Raum-Zeit-Beziehung, hier ebenfalls im Wesentlichen numerisch, fundamental. Das poetische Wort hat viel mit der Musik gemeinsam und teilt mit der Astrologie die Verwendung von Symbolen. All diese Künste, diese Ausdrucksformen, sind für mich eine Möglichkeit zur spirituellen Erforschung in einem völlig offenen Sinne.</span></span></p>
<p>Interview: U.S., Übersetzung: U.S. und A.Kaudaht</p>
<p>Fotos: Anna Lucylle Taschini</p>
<p><strong>Daniela Bedeski @ <a href="https://www.instagram.com/danielabedeski">Instagram</a> | <a href="https://www.facebook.com/danielabedeski">Facebook</a> | <a href="https://www.youtube.com/thesussuria">YouTube</a></strong></p>
<p><strong>RosaRubea @ <a href="https://www.instagram.com/rosarubeaofficial">Instagram</a> | <a href="https://www.facebook.com/rosarubeaproject">Facebook</a> | <a href="https://www.youtube.com/rosarubea">YouTube</a></strong></p>
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