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	<title>African Paper &#187; Nick Cave</title>
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		<title>Neue Single von Nick Cave exklusiv auf Cave Things</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Sep 2021 04:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nick Cave bringt eine neue Single heraus mit zwei Spoken Word-Tracks, die zusammen mit Warren Ellis und dem Sydney Symphony Orchestra aufgenommen wurden. Die Stücke &#8220;Shyness&#8221; und &#8220;Witness&#8221; basieren auf Texten, die Cave vor einigen Jahren bereits auf seiner Q&#38;A-Seite &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2021/09/27/neue-single-von-nick-cave-exklusiv-auf-cave-things/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nick Cave bringt eine neue Single heraus mit zwei Spoken Word-Tracks, die zusammen mit Warren Ellis und dem Sydney Symphony Orchestra aufgenommen wurden. Die Stücke &#8220;Shyness&#8221; und &#8220;Witness&#8221; basieren auf Texten, die Cave vor einigen Jahren bereits auf seiner Q&amp;A-Seite <a href="https://www.theredhandfiles.com/what-is-shyness/">The Red Hand Files</a> herausgebracht hatte. Die Single erscheint als schwarze Vinly-7&#8243; und ist ausschließlich über die Webseite Cave Things erhältlich.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/09/nickcaveshyness.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-27151" title="nickcaveshyness" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/09/nickcaveshyness.jpg" alt="" width="732" height="733" /></a><span id="more-27150"></span></p>
<p>2021 ist ein ereignisreiches Jahr für Nick Cave und seine Arbeiten jenseits der Bad Seeds &#8211; vor einigen Monaten erschien das ebenfalls zusammen mit Warren Ellis produzierte Album &#8220;Carnage&#8221;, bereits für Ende Oktober angekündigt ist der zweite Teil der Sammlung &#8220;B-Sides &amp; Rarities&#8221;. Desweiteren wird Cave in einem <a href="https://www.stereogum.com/2161707/nick-cave-plays-hg-wells-in-new-benedict-cumberbatch-movie-about-cat-illustrator-louis-wain/news/">Film über den Maler Louis Wain</a> zu sehen sein, in welchem er den Autor H.G. Wells verkörpert.</p>
<p><a href="https://cavethings.com/collections/cave-things/products/shyness-single"><strong>@ Cave Things</strong> </a></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/9cp2u9_WyWw" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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		<title>ANNA CALVI: Strange Weather</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2014 04:46:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unter den Newcomern des laufenden Jahrzehnts belegt die Britin Anna Calvi einen der renommiertesten Plätze, ihr Debüt bescherte ihr zahlreiche Fans und gute Kritiken. Dass alte Recken wie David Byrne und Nick Cave ihrem Zauber erlagen und entsprechend Starthilfe gaben, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/07/12/anna-calvi-strange-weather/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/06/annacalvistrangeweather.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9059" title="annacalvistrangeweather" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/06/annacalvistrangeweather-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Unter den Newcomern des laufenden Jahrzehnts belegt die Britin Anna Calvi einen der renommiertesten Plätze, ihr Debüt bescherte ihr zahlreiche Fans und gute Kritiken. Dass alte Recken wie David Byrne und Nick Cave ihrem Zauber erlagen und entsprechend Starthilfe gaben, wurde fast immer als verdient erachtet, selten wurde über Beziehungen und Patronage geunkt. In der Tat sind ihre Songs, die meist auf gezupften E-Gitarren oder Harmonium basieren, auf eine nur schwer festzulegende Weise geheimnisvoll und zugleich enorm wuchtig. Und auch wenn man sie nicht als Callas an der Gitarre bezeichnen muss, ist die Frau mit der wandlungsfähigen Stimme<span id="more-9058"></span> doch mehr als eine etwas ungekünsteltere Alternative zu Lana del Rey, mit der sie den Hauch von David Lynch und das Flair amerikanischer Bonny und Clyde-Geschichten teilt.</p>
<p>In einem Interview betonte sie einmal ihre Liebe zum Flamenco. Musikalisch hört man das ihren Songs nicht an, aber die leidenschatliche Wucht vieler Stücke, die oft recht beschaulich beginnen und sich dann ganz plötzlich zu einer musikalischen Achterbahnfahrt emporschwingen, lässt auch dies widerhallen. Ihre Stimme, die sie erst spät als Medium für sich entdeckte, scheint wie gemacht für große Bühnen und wirkt doch, als sei sie einem düsteren Roadmovie entsprungen. Ganz überrascht ist man, wenn man sie einmal im gepflegten British English reden hört. Calvi betonte mehrfach, wie perfektionistisch sie sich jedem einzelnen Detail, jeder Note in einem Lied widmet, das nicht mehr das selbe wäre, würde sich auch nur ein einzelner Ton ändern. Dass sie unter der Vorausetzung bei Coversongs kein Interesse am bloßen Nachspielen hat, lässt sich ahnen, und so steht ihre neue EP „Strange Weather“, auf der sie fünf Lieblingsstücke covert, auch vollkommen im Zeichen der Neugestaltung.</p>
<p>„Papi Pacify“ war im Original von den mir bislang unbekannten FKA Twigs ein forscher R&#8217;n'B-Song, unter Calvis Bearbeitung wird daraus eine zerfledderte Jazzballade, die vordergründige Sexyness weicht einer schwül laszive Erotik, bei der die Grenze zwischen Lust und Wahn immer wieder zu verschwimmen scheint. In eine ähnliche Richtung, wenngleich rockiger, gehen die Interpretationen von Connan Mockasin- und Keren Ann-Stücken, die sie im Duett mit David Byrne singt. Bowies „Lady Grinning Soul“ wird mit Piano und viel Pathos interpretiert und klingt wie der emotionale Höhepunkt eines Musicals. Am meisten Spaß dagegen mach die trunken pochende Version von Suicides „Ghostrider“, das schon etliche Coverversionen über sich ergehen lassen musste und auch diese Entschleunigung verträgt.</p>
<p>Dass Anna Calvi einen breiten musikalischen Horizont besitzt, sollte nicht überraschen, und so ist „Strange Weather“ auch nicht in erster Linie ein Beweis für ihre vielfältigen Einflüsse, sondern primär ein Beleg für ihre eigene sichere Handschrift, mit der sie die unterschiedlichsten Dinge anverwandeln kann. Selbst bei den Stücken, die man im Original kennt, vergisst man dies bald und hat schnell das Gefühl, einfach nur Anna Calvi zu hören. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.dominorecordco.de">Domino Records</a></strong></p>
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		<title>CURRENT 93: I Am The Last Of All The Field That Fell</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Feb 2014 04:29:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/02/C93sph7v_84e52947-d05d-4c48-9cfd-56160449cd0f_1024x10241.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8274" title="C93sph7v_84e52947-d05d-4c48-9cfd-56160449cd0f_1024x1024" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/02/C93sph7v_84e52947-d05d-4c48-9cfd-56160449cd0f_1024x10241-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Current 93 war von (An)Beginn immer ein Vehikel für David Tibets Obsessionen, künstlerischer und vor allem spiritueller Art. Daraus folgte vielleicht unweigerlich, dass Ideen und später dann die Worte und Wörter im Mittelpunkt standen, gerade da Current 93 eben keine Band im herkömmlichen Sinne war/ist, sondern vielmehr ein loses Kollektiv um den Fixstern Tibet. Dabei haben die immer umfangreicher werdenden Texte &#8211; die vielleicht der in den letzten Jahren stärker gewordenen kosmischen Perspektive („And did you call the night &#8216;bright&#8217;/And drink the sex of stars?“ wird auf dem letzten Stück gefragt) Rechnung tragen sollen &#8211; dazu geführt, dass ein Singen – das es bei Current 93 sowieso nie im herkömmlichen Sinne gegeben hat – noch stärker einem Rezitieren gewichen ist. <span id="more-8269"></span>Gab es z.B. auf „Black Ships&#8230;“ trotz des umfangreichen Konzepts noch Stücke, die in gewissem Maße (eine konventionelle) Songstruktur hatten &#8211; „Sunset“ oder „Then Kill Caesar“ etwa-, so kann man das für das neue Album nur sehr bedingt sagen. Insofern dürfte das nach einem unveröffentlichten Gedicht John Clares benannte Album kaum dem Gelegenheitshörer gefallen, keinem der nach <em>catchy</em> <em>tunes</em> sucht – was aber sicher nicht gegen das Album spricht oder sprechen sollte.</p>
<p>Tibet hat in den Jahren öfter von seinem Wunsch nach Simplizität gesprochen, zumindest musikalisch ist das der Fall, denn trotz vieler Musiker (insgesamt 14 Personen waren an „I Am The Last Of All The Field That Fell“ beteiligt, wohingegen das Myrninerest-Album von Tibet lediglich zusammen mit James Blackshaw, der hier kurz am Bass zu hören ist, eingespielt wurde) sind die einzelnen Stücke primär um das Klavierspiel des neuen Pianisten Reinier van Houdt zentriert. Der verhältnismäßig ruhige Opener ist noch recht opulent instrumentiert: „The Invisible Church“ kombiniert Klavier mit dem Akustikgitarrenspiel von Groundhogs&#8217; Tony Mc Phees (dessen „Sad Go Round“ Tibet auf der „Lucifer over London&#8221;-12&#8242; gecovert hatte), Schlagzeug, an dem hier Carl Stokes zu hören ist und der Bassklarinette von Joe Seagrott (der nach der Reunion Rob Young bei Comus ersetzt hat). Die Backingvocals der scheinbar ewig jugendlichen Bobbie Watson erinnern an Rose Mc Dowall, deren Gesang auf früheren Current 93-Alben wiederum ohne Comus kaum denkbar gewesen wäre. Das darauf folgende„Those Flowers Grew“ ist dramatischer, hier hat Tibets Vortrag wie schon auf früheren Alben einen unglaublich intensiven, fast manischen Charakter, was durch John Zorns Saxophonspiel und Tony Mc Phees E-Gitarre noch unterstrichen wird. Diese Art des Vortragens wird auf „And Onto PickNickMagick“ noch deutlicher und dies macht ein Nebenbeihören und letztlich Indifferenz eigentlich unmöglich. „The Heart Full of Eyes“ hat einen etwas stärkeren Rockcharakter, hier stehen die Gitarrenriffs gleichberechtigt neben dem Klavier– etwas, das auch einigen der anderen Stücken bei der Aufführung des Albums in London gut zu Gesicht stand. „Spring Sand Dreamt Larks“ bekommt durch Zorns durchdringendes Saxophon ebenfalls etwas Unruhiges, Getriebenes. Zurückhaltender ist ein Stück wie das von melancholischem Klavierspiel bestimmte „With the Dromedaries“, das nur gegen Ende eruptive „Kings and Things“ oder aber das nachdenkliche „Why Did The Fox Bark?“. Etwas aus dem Rahmen fällt das beschwingte „I Remember The Berlin Boys“, das mit seinen knapp vier Minuten der kürzeste Track ist. Antony, dessen Arbeiten der letzten Jahre mir manchmal etwas zu glatt waren, beweist auf „Mourned Winter Then“ (lediglich von Klavier begleitet), warum der Legende nach Lou Reed geweint hat, als er ihn zum ersten Mal singen hörte. Wenn er manche der Zeilen fast atemlos vorträgt, dann meint man wahrlich, die im Text genannten „angelic yells“ zu hören. Abgeschlossen wird das Album von dem von Nick Cave gesungenen „I Could Not Shift The Shadow“, einer ruhigen Klavierballade, die das Album zurückhaltend ausklingen lässt. Zwischen einzelnen Stücken hört man immer wieder den für seine selbst so betitelten „apocalyptic visual parables” bekannten Dichter, Maler, <em>outsider</em> <em>artist</em> Norbert Cox.</p>
<p>Die Texte sind erneut eine Apotheose einer (Privat)Mythologie, deren Referenzen, Anspielungen und Bildlichkeit nur noch partiell zu dekodieren ist. Wie auch auf den Arbeiten der vergangenen Jahre findet sich eine Gegenüberstellung von Sakralem und Profanem: Gary Glitter, Strichcodes, Saulus, Paulus und das Jüngste Gericht treffen in „Those Flowers Grew“ alle aufeinander. In seiner Studie <em>The Lyre of Orpheus</em> postuliert Christopher Partridge in einem etwas anderen Zusammenhang, dass sich „[t]he sacred-profane ambiguity“ in den Arbeiten Current 93s zeige. Es finden sich auch immer wieder intertextuelle Referenzen auf die Alben der letzten Jahre: so tauchen „ships in the sky“ auf, der bellende Fuchs verweist auf „Aleph&#8230;“, man findet sich erneut im „Baalstorm“, während „SunFlower“ und „Queendom“ an den Vorgänger „Honeysuckle Æons“ erinnern. Ebenfalls wird wieder wie schon zuvor (ein frühes Beispiel wäre Nature and Organisations „Bloodstreamruns“) die eigene (als fehlerhaft) betrachtete Vergangenheit thematisiert. Auf „I Remember The Berlin Boys“ heißt es: „the Nodding God span webs/In the distance“, „The message is <em>I ran evil“, </em>„When I was young in body/But old in soul/Now older and in vice“.</p>
<p>Das Arbeiten mit partieller Homophonie („mews/noose“, „diseased and deceased“), das teils (vermeintlich) Assoziative, die Gegenüberstellung scheinbar konträrer Bilder und Themen weisen (literaturgeschichtlich gesehen) modernistische Züge auf. Ich habe früher schon auf Parallelen zum expressionistischen Reihenstil hingewiesen. Seine Erschaffung eines eigenen und eigenständigen mythologischen Systems erinnert aber auch natürlich an einen anderen Autoren, der konstatierte, er müsse (s)ein eigenes System schaffen, um nicht von einem anderen versklavt zu werden. Und wenn man Formulierungen wie „The field of bled woods“ oder „When we are naked as bone“ hört, entstehen Bilder, von denen man eigentlich nicht unberührt bleiben kann, die einen aufs Tiefste anrühren.</p>
<p>Ein Album von Current 93 ist oftmals eine Offenbarung – das kann, muss man aber nicht theologisch lesen – man kann es auch rein profan verstehen.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://www.copticcat.com/">The Spheres</a></p>
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		<title>MICK HARVEY: Four (Acts Of Love)</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 05:52:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mick Harvey gehört nicht zu denen, die sich übermäßig viel Zeit lassen für ihre Alben, und wenn man bedenkt, was in der jüngeren Vergangenheit alles auf dem Plan stand – u.a. Touren mit den Neubauten, die Produktion des letzten PJ &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/05/04/mick-harvey-four-acts-of-love/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/mickharveyfour.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6749" title="mickharveyfour" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/mickharveyfour-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mick Harvey gehört nicht zu denen, die sich übermäßig viel Zeit lassen für ihre Alben, und wenn man bedenkt, was in der jüngeren Vergangenheit alles auf dem Plan stand – u.a. Touren mit den Neubauten, die Produktion des letzten PJ Harvey-Albums, die Arbeit an einer umfangreichen Serge Gainsbourg-Hommage – dann wundert man sich fast, dass zwischen „Sketches From the Book of the Dead“ und dem jüngst erschienenen „Four (Acts of Love)“ nur knapp zwei Jahre vergangen sind. Aber das passt umso besser, denn in dieser doch sehr australisch geprägten Saison darf neben Simon Bonney, Nick Cave und Hugo Race natürlich auch ein Lebenszeichen des ehemaligen Crime- und Bad Seeds-Mitstreiters Harvey nicht fehlen.<span id="more-6748"></span></p>
<p>Harveys Aufnahmen haben meist Konzeptcharakter, und „Four (Acts of Love)“ ist dem Popthema schlechthin, der romantischen Liebe gewidmet. Über das Attribut „romantisch“ könnte man ganze Bibliotheken füllen. Hier soll genügen, dass wenige Begriffe derart unterschiedlich gebraucht werden, und dass alle, die in Harveys Album ein süßliches Melodrama erwarten, ein paar – wie ich hoffe, erfreuliche – Überraschungen erleben werden. Die romantische Liebe &#8211; „ihr Werden, ihr Bestehen, ihren Verlust und ihren Platz im Universum“, wie das Label mitteilt – offenbart sich hier in ihrer projektiven, mitunter tragischen, v.a. aber stets flüchtigen und ungriffigen Form und wird am Ende doch mehr gefeiert als dämonisiert. Bekennt sich der Sänger in „Praise the Earth“ zur uncoolen, idealisierenden Projektion, dann geschieht dies im Wissen um Vergeblichkeit und Irrealität, ein trauriger, aber auch genügsamer Beiklang ist weder im Timbre, noch in der Wortwahl zu überhören. Liebe ist Staub, überschattet von Kummer, heißt es im schlussgebenden „Fairy Dust“, und zwischen diesen Polen ist mancher Perspektivwechsel möglich.</p>
<p>Geht es zu Beginn noch recht schöngeistig und voller Songwriter-Pathos zu, so verleiten mich ein paar weitere Songs zu einem der größten Verbrechen der Musikschreiberei: einem Tom Waits-Vergleich. Interessanterweise betrifft dies zwei der Coverversionen. PJ Harveys „Glorious“ wird mit Distortion und viel Whiskey in der Stimme zu einem vordergründig abgeklärten Lamento über das Scheitern, während die Gezeiten wie immer ihren Gang gehen und das Universum sich einen Dreck um die Tragik der kleinen Seele schert. Die aufgewühltesten „Swordfishtrombones“-Momente beinhaltet „Summertime in New York“ von Outsider-Folkie Exuma, das bei Harvey kurzerhand im Noiserock-Koffer landete. Stücke von Van Morrisson, The Saints und Roy Orbison wurden wohl wegen der passenden Texte ausgewählt und geraten zu Chansons und nettem Folkpop. Zu den überzeugendsten Arbeiten zählen allerdings Harveys zum Teil abstraktere Eigenkompositionen, die hier und da mit rauem Feedback und dämonischem Flüstern aufwarten. Hervorhebung verdient das grandiose Instrumentalstück „Midnight on the Ramparts“ &#8211; selten habe ich einen so überzeugenden Morricone-Abklatsch gehört mit feierlicher Lagerfeuergitarre und einem pfeifenden Outlaw, wahrscheinlich direkt via Zeitmaschine eingeflogen aus einem der andalusischen Western-Drehorte.</p>
<p>Will man Harvey nun mit einschlägigen Kollegen vergleichen, dann sollte das nicht irgendwelchen Schubladen Vorschub leisten, und dass die Melbourner Veteranen alle düsterromantisch-angebluest sind, ist ja hinlänglich bekannt. Man könnte nun darauf hinweisen, dass Harvey als Songwriter weniger doppelbödig-abstrakt vorgeht als Simon Bonney, sein Instrumentarium weniger rustikal klingen lässt als Hugo Race und zuguterletzt weniger den verwegenen Edel-Hobo raushängen lässt als Meister Cave. Anders gewendet könnte man auch seine ernsthafte, etwas manirierte und bei aller Sensibilität doch direkte Emotionalität betonen. Dass all dies hier viel souveräner umgesetzt wurde als auf dem noch etwas rührseeligen Vorgänger sollte die Hoffnung nähren, dass seine Post-Bad Seeds-Phase noch einiges zu bieten hat.</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.mute.com">Mute</a></strong></p>
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		<title>NICK CAVE AND THE BAD SEEDS: Push The Sky Away</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Feb 2013 23:14:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der erste Gedanke, der mir beim Hören der neuen Bad Seeds-Platte kam, lief auf die Frage hinaus, wie es wohl für die einzelnen Bandmitglieder sein mag, „nur“ Teil einer längst zur Institution gereiften Gruppe zu sein, von der hauptsächlich Frontmann &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/02/15/nick-cave-and-the-band-seeds-push-the-sky-away/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/02/cavebadseedspushsky.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6214" title="cavebadseedspushsky" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/02/cavebadseedspushsky-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der erste Gedanke, der mir beim Hören der neuen Bad Seeds-Platte kam, lief auf die Frage hinaus, wie es wohl für die einzelnen Bandmitglieder sein mag, „nur“ Teil einer längst zur Institution gereiften Gruppe zu sein, von der hauptsächlich Frontmann und Chefcharismatiker Nick Cave öffentliche Wahrnehmung genießt. Freilich, die Frage kommt von jemandem, dessen musikalische Sozialisation in Biotopen stattfand, in denen Musiker meist egozentrische „Projekte“ betreiben, sich untereinander zwar aushelfen, aber nur selten feste Bands mit klaren Hierarchien bilden. Darüber hinaus ist die Frage als Kompliment zu verstehen, denn wenn es etwas gibt, das auf „Push The Sky Away“ besonders überzeugt, dann ist es die<span id="more-6213"></span> Interaktion aller Beteiligten, die zusammen ein uriges, stellenweise improvisiert wirkendes und zugleich schöngeistiges Narrativ spinnen. Dass dieses nicht nur den Singer Songwriter-Künsten des Meisters ein sicheres Fundament gibt, sondern auch einige Durststrecken aufzufangen weiß, ist einer der Gründe, weshalb man auch heute noch außerhalb der Redanktionsstuben von Spex und Rolling Stone über die Combo aus dem sonnigen Brighton berichten kann.</p>
<p>Der Auftakt mit dem berufsjugendlichen Titel „We No Who U R“ wirkt mit seiner heimeligen Lounge-Orgel wie ein Gegenpart zum lauten Geschruppe von Grinderman, das ich dann doch mochte, auch wenn mich das ganze aufgesetzte Theater wohl immer an infantile Männerneurosen erinnern wird. Nick Cave ist ein guter Texter mit Gespür für das Zusammenspiel von Wort und Klang, und wird nicht müde seine Band zu loben, die im Studio regelmäßig zu einem symbiotischen Gebilde zusammenwächst (und man könnte hier noch die Komponente Bild dazunehmen, wenngleich Gaspar Noe in seinem Video einen Beitrag liefert, den sicher auch ein Filmstudent hinbekommen hätte). „The threes all stand like bleeding hands/We go down with the dew in the morning“ ist nur eine der Versgruppen, die pathetisch klingen würde, wären Gesang und Instrumentierung aufdringlicher. Viele der poppigeren Stücke des Albums sind nichts besonderes und wirken auch nicht so, als wollten sie das sein. Herausragende Momente – große Gesten im Refrain, tolle Melodien, kantiges Songwriting – fallen gerade deshalb so sehr ins Gewicht, weil sie in einen dezenten Rahmen gebettet sind, bzw. auf einem Fundament sitzen, in dem sich im Kleinen viel tut: ein grooviger Jazzbass, entgrenzte Trommelwirbel, hier und da fast noisiges Gefrickel auf den Gitarrensaiten – die Neubauten fabrizierten mit so etwas einst ausladende Stücke, hier fungiert es als kleines, grenzüberschreitendes Stilmittel einer Kammermusik, in der auch Bluesakkorde und Surfsounds ihre Momente haben, schließlich liegen die Wurzeln ja im typisch australischen Postpunk.</p>
<p>Darüber hinaus ist „Push The Sky Away“ so anglophil-akustisch wie keine Nick Cave-Platte mehr seit „Henry&#8217;s Dream“, und keine Komponente ist diesmal so stilprägend wie Warren Ellis&#8217; Violine, die in den nicht wenigen filmscoreartigen Momenten an Matt Howdens Beitrag zu einer bekannten Folkband erinnert. Im Zusammenspiel mit Klampfe und Piano entsteht bisweilen eine altbackene Stimmung verfallener viktorianischer Urbanität, rau und nostalgisch wie ein Fischerpub, das Rye Whiskey der alten Schule ausschenkt und schon bessere Tage gesehen hat. Textlich und musikalisch herausragend sind „Jubilee Street“, von dem es gleich noch das Making Of gibt, und „Water&#8217;s Edge“, bei dem der Geschichtenerzähler Cave zur Höchstform aufläuft. Nur ein Schöpfer von Murder Ballads kann einem von derber Erotik knisternden Song über „the will, thrill and chill of love“ eine derart unheilschwangere Atmosphäre verleihen, mit seinen zotigen Reinem müsste er in unserer auf Etikette so viel Wert legenden Zeit eigentlich persona non grata sein. Aber vielleicht ist man ja mit &#8220;Shaking their asses&#8221;-Lyrik schon längst wieder ein Rebell.</p>
<p>Zu mäkeln bleibt, dass das Album in der Mitte die eine oder andere Länge aufweist, an Stellen, wie beispielsweise bei „Mermaid“, wo die Melodien allzu nett ausfallen und die Stimmung vorübergehend ins Fade abgleitet und der Bogen zu den pastoralen Tönen zurückliegender Alben geschlagen wird. Das ist allerdings verschmerzbar.</p>
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		<title>GRINDERMAN: 2 RMX</title>
		<link>https://africanpaper.com/2012/04/21/grinderman-2-rmx/</link>
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		<pubDate>Sat, 21 Apr 2012 06:49:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Irgendwann konnte es mir Nick Cave einfach nicht mehr recht machen. Schon seit Jahren pastoral und selbstergriffen, wurden die Bad Seeds nach &#8220;No More Shall We Part&#8221; auch noch immer gefälliger, und als dann die erste Grinderman erschien, war mein &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/04/21/grinderman-2-rmx/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/grinderman2rmx.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3957" title="grinderman2rmx" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/grinderman2rmx-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Irgendwann konnte es mir Nick Cave einfach nicht mehr recht machen. Schon seit Jahren pastoral und selbstergriffen, wurden die Bad Seeds nach &#8220;No More Shall We Part&#8221; auch noch immer gefälliger, und als dann die erste Grinderman erschien, war mein erster Eindruck der von schlecht gelaunten Männern jenseits der fünfzig, die über angebluesten Garagenrock einmal ordentlich das Tier rauslassen wollten. Interessant, dass mich dann doch am ehesten die Bad Seeds-nahen Stücke überzeugt hatten, <span id="more-3956"></span>&#8220;I Don&#8217;t Need You (To Set Me Free)&#8221; beispielsweise, und irgendwann kam dann auch der verrockte Primitivismus verspätet bei mir an. Als die vier Urgesteine irgendwann den Support für The White Stripes machen mussten, taten sie mir schon etwas leid, denn gewiss hatten die wenigsten der Kids im Publikum eine Ahnung, wen sie da eigentlich vor sich hatten. Beim zweiten Album wusste ich schon in etwa, was mich erwartet, und inzwischen bin ich dann doch irgendwie Fan geworden. Bei der Stiltreue hatte Grinderman 2 das zweifelhafte Glück, weder stark überraschen, noch groß enttäuschen zu können, doch mit der Zeit und den nötigen Hördurchgängen entdeckt man immer mehr Facetten in dem ungeschliffenen Rock &#8216;n&#8217; Roll, den Cave und seine Multiinstrumentalisten Warren Ellis, Martin Casey und Jim Sclavunos mal zu trockenen Stooges-Brettern, mal zu beinahe leichtfüßigen Balladen gerinnen lassen.</p>
<p>Es gibt wohl kaum ein approbateres Mittel, die Vielfalt im scheinbar einfachen und grobschlächtigen aufzuzeigen, als ein Remixalbum, dass ohne den Originalen Gewalt anzutun die wichtigsten Klangarrangements umstülpt und aus einzelnen Sounds gerade das macht, was sie noch nie und zugleich schon immer sein wollten. Wenn Robert Fripp aus dem „Heathen Child“ ein „Super Heathen Child“ macht, meint dies ein schnörkelloses und chaotisches Hardrockmonster, trotz des eher spartanischen Klanges, trotz der immer nur kurz beigemischten Gitarrensalven. Unter der Bearbeitung von Andy Weatherell wirkt es noch reduzierter, im Grunde fast Dub: Leichte Perkussion und diffuses Rasseln treiben sich gegenseitig voran und entfalten den leicht hypnotischen Effekt, für den in der Grinderman-Welt sonst primär die dreist-einfachen Akkordwiederholungen zuständig sind. Die meisten Versionen gibt es zu „Evil“ &#8211; wie schon auf dem Album eines der experimentellsten und zugleich soundverliebtesten Grinderman-Stücke. Sclavunos selbst fabriziert zusammen mit Matt Burger von The National eine eher trockene und grummelige Interpretation, der ein basslastiger Elektromix von Factory Floor und die eigene ungehobelte Demofassung gegenüber stehen. Die Hit-Single „Worm Tamer“ kommt nach der Bearbeitung von Unkle entspannt rockig daher und bringt Caves Stimme besonders zur Geltung. A Place To Bury Strangers machen etwas gewohnt Verrauschtes und Treibendes aus dem Song, der in der Form glatt ein eigenes Stück mit Gastsänger Nick Cave sein könnte. Jushua Homme von Queens Of The Stone Age liefert eine rifflastige Version des Micky Mouse-Songs ab, während Barry Adamsons „Palaces of Montezuma“ poppiger und beschwingter ist als das Original. Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs) macht aus „Bellringer Blues“ ein Folkstück mit schrägem Tremolo und schunkeligen Handclaps.</p>
<p>Die gelungensten Bearbeitungen erfährt aber meines Erachtens die Ballade „When My Baby Comes“. Sixtoes huldigen in ihrer Bearbeitung einem ethnolastigen Sound, der stilvoll mit Streichern und Klarinetten angereichert ist. Wird hier noch mit überschaubaren Mitteln beachtliches erreicht, geht Horrors-Sänger Faris Badwin zusammen mit Opernsängerin Rachel Zeffira auch formal in die Vollen: Etherisches entfaltet sich über postindustriellen Schrottplätzen, man meint eine von Metallklappern begleitete Isobel Campbell zu hören, bis das Ganze in einen rituell angehauchten Metalsound kulminiert.</p>
<p>Wenn es ein gemeinsames Element gibt, dann liegt es in der stufenweisen Struktur der Songs, die alle meist verhalten beginnen und sich zu einem Höhepunkt hin entweder sukzessive entwickeln oder aber zu einem plötzlichen Sprung ansetzen. Dass dies auf Albumlänge etwas vorhersehbar ist, ändert nichts an der Vielseitigkeit der Platte, die dem rauen Grinderman-Image durchaus zugute kommt.</p>
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		<title>ROWLAND S. HOWARD: Pop Crimes</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 08:21:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rowland S. Howard verdient es wie wenige, als Pionier und Urgestein des Postpunk bezeichnet zu werden. Zusammen mit Nick Cave und Mick Harvey schrieb der Australier mit Bands wie BOYS NEXT DOOR und THE BIRTHDAY PARTY Musikgeschichte, emanzipierte sich als &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/rowland-s-howard-pop-crimes/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/popcrimes.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-660" title="popcrimes" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/popcrimes-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Rowland S. Howard verdient es wie wenige, als Pionier und Urgestein des Postpunk bezeichnet zu werden. Zusammen mit Nick Cave und Mick Harvey schrieb der Australier mit Bands wie BOYS NEXT DOOR und THE BIRTHDAY PARTY Musikgeschichte, emanzipierte sich als Gitarrist mit der Band CRIME AND THE CITY SOLUTION und als Sänger mit THESE IMMORTAL SOULS. Später arbeitete er mit Lydia Lunch, den NEUBAUTEN und vielen anderen und legte zum Millennium sein erstes Soloalbum vor. Letztes Jahr arbeitete er an dessen Nachfolger „Pop Crimes“, das sein Comeback einleiten sollte. Aus dem Comeback wurde allerdings ein Abschiedsgeschenk, da Howard kurz vor Jahresende an einem Leberleiden verstarb.<span id="more-155"></span></p>
<p>Ein besseres Vermächtnis als das posthum nun auch in Europa erschienene „Pop Crimes“ kann man sich allerdings schwer vorstellen, und es zeigt vor allem auf schöne Weise, dass in Melbourne, der Hauptstadt des typisch australischen Bluespunk, die Uhren schon immer etwas langsamer gingen und musikgeschichtliche Entwicklungen schon mal in etwas größeren Schritten vonstatten gehen. Leicht scheppernde Gitarrenriffs, erdige Bassläufe, monotoner, aber nie zu simpler Schlagzeugeinsatz und mit gedämpftem Wave-Bariton vorgetragene Texte über die Hoffnungen und Fatalismen des Lebens schicken den Hörer zurück in die Tage Mitte der 80er, als Punk’n&#8217;Wave zwar nicht mehr unbedingt wild und provokant war, die Vitalität und Innovationsfreude einiger Musiker jedoch ungebrochen. Der Nick Cave-Vergleich ist sicher vermeidbar, aber auch kein Verbrechen, und wo der bekanntere Kollege über die Jahre von Schreihals zum Schöngeist mutiert ist, setzt Howard auf warmherzigen Realismus. Das traurige „(I Know) a Girl Called Johnny“, das wohl in keinem Bezug zum fast gleichnamigen Song der WATERBOYS steht, ist mit seiner distanzierten, wie mit einem leichten Film belegten Stimme und einer entspannten Surfgitarre exemplarisch. Dezente Keyboardflächen konterkarieren die Rauheit von „Shut me Down“. Hier behauptet sich eine Stimme, die sich in ihrer Brüchigkeit gerade noch aufrecht zu halten vermag, gegen eine Wand aus kraftvollen Gitarren – und strahlt eine Ruhe aus, die an Leonard Cohen erinnert. „Popcrimes“ enthält zwei ziemlich gelungene Coverversionen. Die beschwörende, repetitive Interpretation von TALK TALKs „Life’s What You Make It“, deutlich langsamer als der eindringliche Öko New Wave des Originals, zählt zu den größten Momenten des Albums, einen der Höhepunkte stellt das Townes van Zandt-Cover „Nothin’“ dar, dessen geheimnisvolles Picking hier in kernigen, basslastigen Bluesrock umgemünzt wurde, der dem um Verzicht und Askese kreisenden Text etwas Trotziges verleiht.</p>
<p>„Pop Crimes“ ist eine Platte, die das Zeug zu einem dezenten, unaufdringlichen Comeback hat, welches Howard auch posthum voll zustatten kommt. Es wäre mühsam zu fragen, ob die Kommentare zur Platte unter anderen Umständen verhaltener ausgefallen wären und der eine oder andere Kritiker die stilistischen Retromomente eventuell bemängelt hätte. Meines Erachtens sehr gelungen, stellt dieses Album nicht nur ein berührendes Vermächstnis dar, sondern auch eine aus der Innensicht motivierte Hommage an ein wichtiges Kapitel nicht nur der australischen Musikgeschichte. (U.S.)</p>
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		<title>CURRENT 93 &#8211; Interview (2006)</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 19:11:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[”Good-ol’ time Armageddon Music“ Zu CURRENT 93 ließen sich Seiten schreiben, was in David Keenans “England’s Hidden Reverse“ ja auch schon geschehen ist. Ob die langen, düsteren Soundscapes der Frühphase, der spätere “Apocalyptic Folk“ oder die jetzige Verortung als “Urhorde &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/08/31/current-93-interview-2006/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="post-2057">
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview2006.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1622" title="C93-Interview2006" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview2006.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>”Good-ol’ time Armageddon Music“ Zu CURRENT 93 ließen sich Seiten schreiben, was in David Keenans “England’s Hidden Reverse“ ja auch schon geschehen ist. Ob die langen, düsteren Soundscapes der Frühphase, der spätere “Apocalyptic Folk“ oder die jetzige Verortung als “Urhorde des neuen Folk“ (Berliner Zeitung) durch die Mainstreampresse: Umfangreich ist das Werk David Tibets, zahlreich die Veröffentlichungen und auf den ersten Blick scheint es erratisch zu sein, bei näherer Betrachtung finden sich aber immer wieder Konstanten, wie auch im folgenden Interview betont wird.<span id="more-1609"></span> Gleichzeitig haben sich wenige Künstler in den vergangenen Jahren so rar gemacht, was öffentliche Äußerungen betrifft. Anlässlich des neuen Albums “Black Ships Ate the Sky“ und der für CURRENT 93-Verhältnisse recht umfangreichen Europa-Tour brach David Tibet sein Schweigen und zeigte sich als offener und sehr humorvoller Gesprächspartner, der etwas zur Konzeption des neuen Albums sagte und dessen Thema immer wieder Spiritualität war. Wie kaum ein anderer Künstler setzt Tibet in CURRENT 93 seine allerpersönlichsten Obsessionen um, was in fast jeder seiner Zeilen deutlich wird. </strong></p>
<div>
<p><strong></strong><strong><em>An dem neuen Album habt ihr vier Jahre gearbeitet, hing dieser lange Zeitraum zum Teil mit dem Zusammenbruch World Serpents zusammen oder waren es hauptsächlich kreative Gründe? </em></strong></p>
<p>Ich denke, vielen war klar, dass World Serpent Bankrott gehen würde. Es war nicht ein ganz so großes Problem. Natürlich gab es deswegen schon ein paar Probleme, aber es hat nicht die Aufnahmen an dem Album zum Stillstand gebracht. Wir haben diese Subskription gemacht, hast du davon gehört?</p>
<p><strong><em>Ja, ich habe ein Exemplar. </em></strong></p>
<p>Vielen Dank für die Hilfe. Dadurch konnten wir weitermachen. Der Grund, warum es so lange gedauert hat, war, dass ich es mit Michael Cashmore, Marc Almond und Antony vor etwa vier Jahren angefangen habe, nachdem ich einen Traum gehabt hatte, in dem schwarze Schiffe den Himmel stürmten und diese Träume hielten an, die Texte flossen aus mir heraus und es wurde immer komplexer; ich wollte einfach nicht mit den Aufnahmen aufhören, bis ich den Eindruck hatte, dass es hundertprozentig fertig war. Am Schluss hatten wir etwa 29 verschiedene Stücke, von denen wir 21 für das Album verwendet haben und wir hatten ungefähr 100 Mixe, so dass wir allein schon für die Auswahl der richtigen Mixe ziemlich lange gebraucht haben. Zu dieser Zeit verkauften wir auch unser Haus, zogen nach Schottland und dann verkauften wir dieses Haus und kamen wieder runter nach England. Ich arbeitete an verschiedenen anderen Projekten, Aufnahmen und Büchern und ich hatte natürlich auch mein Privatleben. Zudem wollte ich es diesmal nicht übereilen. Bei “Imperium“ oder “Dawn“ war das so. Für “Dawn“ brauchte ich zwei, für “Imperium“ drei bis vier Tage, und zwar für die Aufnahmen und das Abmischen. Natürlich ist das ziemlich lange her, aber ich wollte einfach sichergehen, dass das Album die Träume, die ich hatte, akkurat wiedergab. Ich habe es “Hallucinatory Patripassianist Narrative“ genannt und ich wollte, dass es genau das widerspiegelte, was die Träume mir bedeuteten. Und das brauchte seine Zeit. Ich wollte in der Lage sein, es aufzunehmen, mich hinzusetzen und darüber nachzudenken. Und es machen so viele Leute mit, durch die es sich permanent entwickelte.</p>
<p><strong><em>Von den Reaktionen, die ich bisher gehört habe, halten es viele, mich eingeschlossen, für ein Meisterwerk. </em></strong></p>
<p>Vielen Dank. Natürlich bin ich mit dem Album glücklich oder zumindest so glücklich, wie man eben sein kann. Ich denke, du machst beim Schreiben ähnliche Erfahrungen. Man denkt nie, dass es perfekt ist. Aber manchmal hat man das Gefühl, dass es ganz nah daran ist, das auszudrücken, was man sich vorgestellt hat. Manchmal höre ich mir das Album an und denke: “Mmh, das sollte etwas anders sein.“ Aber das sind nur kleine Sachen. Beim nächsten Album sorge ich dafür, dass es etwas schneller geht und dass nicht ganz so viele Leute mitmachen (Lachen). Wir haben so lange gebraucht, das Booklet fertig zu machen. Ich will nicht sagen, dass es ein Alptraum war, aber es hat einen ziemlich erschöpft. Und sich die ganzen Tracks über vier Jahre immer und immer wieder anzuhören, kann einen wahnsinnig machen.</p>
<p><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview2-300x195.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1623" title="C93-Interview2-300x195" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview2-300x195.jpg" alt="" width="300" height="195" /></a>Du hast vorhin gesagt, dass du mit Michael Cashmore angefangen hast und später Ben Chasny dazugestoßen ist. Michael Cashmore scheint nicht mehr im Livelineup vertreten zu sein. Hat das mit seinem Umzug nach Deutschland zu tun? </em></strong></p>
<p>Primär hat das damit zu tun. Michael ist vor einigen Jahren nach Berlin gezogen und ist gerade Vater geworden. Michael spielt ungefähr die Hälfte der Gitarrentracks, Ben Chasny in etwa die andere Hälfte. Michael ist zwar momentan nicht im Livelineup – auch wenn er in Berlin kurz dabei war – aber ist immer noch ziemlich stark in CURRENT 93 involviert. Heute Nachmittag war ich in seiner Wohnung und bin eben wiedergekommen. Wir haben über neue Aufnahmen gesprochen, sowohl was ich auf seinen Solosachen machen werde als auch was er auf dem nächsten CURRENT 93-Album machen wird. Die Mitgliedschaft bei CURRENT 93 ändert sich ständig, aber weil Steve Stapleton und Michael auf so vielen Veröffentlichungen gewesen sind, hat man den Eindruck, dass sie immer dabei sein werden. Manchmal muss man einfach Urlaub machen. Textlich, thematisch und konzeptionell sind es meine Ideen, aber andererseits ist es wie bei einer Familie: Alle anderen stecken ihre emotionale Kreativität hinein. Michael wird zweifelsohne wieder mit CURRENT 93 live spielen und sicher auch mit Ben Chasny. Es ändert sich einfach immer wieder. Niemand ist notwendigerweise auf dem nächsten Album, mich einmal ausgenommen, das macht es zu CURRENT, im Gegensatz zu NURSE oder SIX ORGANS oder Michael Cashmore. Michael kann mit einem kleinen Kind nicht mal eben so auf Tour gehen. Wir sind immer noch enge Freunde und arbeiten noch immer zusammen.</p>
<p><strong><em>Ich habe eine Frage zur Symbolik des Albums. Als ihr in Berlin “Time Of The Last Persecution“ gespielt habt, hast du den Text leicht verändert, du sprachst von den “Black ships“ und nicht mehr nur von den “Ships“. Ich habe mich gefragt, ob du vielleicht hinsichtlich deiner Träume auf unbewusste Art und Weise von dem Bill Fay-Text beeinflusst worden bist oder von dem, was Tiny Tim auf “Just What Do You Mean By ’Antichrist’?“ sagt? </em></strong></p>
<p>Tiny hatte immer sehr seltsame Ideen bezüglich Theologie und Kosmologie. Es war aber sicher nichts Bewusstes. Bil Fay und Tiny Tim sind Künstler, die ich sehr bewundere, ich bin bzw. im Fall von Tiny war mit beiden befreundet. Es war nicht bewusst, aber wer weiß, was im Unterbewusstsein vor sich geht? Ich spiele den Bill Fay-Song jetzt seit ein paar Jahren live, aber ich habe erst auf der jetzigen Tour damit begonnen, “Black Ships“ zu singen. Ich weiß nicht, woher das kommt, ich hatte nur diesen Traum, dass sich schwarze Schiffe, schwarze Umrisse, im Himmel bewegten, der Himmel wurde von den Schiffen beschmutzt und verdorben und in dem Traum war ich mir bewusst, dass der letzte Cäsar, der Antichrist, kommt und die Bühne für die Wiederkunft Christi vorbereitet wird. Aus diesem anfänglichen Traum entwickelte sich alles. Es war kein Zitat.</p>
<p><strong><em>Deine Interpretation von “Time…“ ist sehr intensiv. </em></strong></p>
<p>Na ja, ich fühle diese Sachen auf eine sehr intensive Art und Weise. Bei Bill Fay war das seltsam. Es war das erste Mal, dass ich jemanden über den Antichristen singen hörte, jemanden, der apokalyptische, christliche Bilder verwendete, von einem religiösen Standpunkt, der meinem ähnlich ist und das in der Welt der – wie auch immer man es bezeichnen will – Rockmusik. All die anderen Lieder über den Antichristen kamen aus einer evangelikalen, christlich-religiösen Ecke. Meiner Ansicht nach kann keiner besser sein als Bill Fay, seine Version ist die Version. Es ist nur meine Interpretation, Bill Fay singt sie auf eine sehr intensive Weise, die weniger dramatisch ist als meine, aber sie ist unglaublich bewegend. Sowohl Michael Cashmore als auch ich bewundern Bill so sehr. Jim O’ Rourke hat mir zuerst von Bill Fay erzählt. Ich hatte noch nie von ihm gehört und Jim sagte, ich solle mir mal Bill Fay anhören.<strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Es gibt so viele Verbindungen.</em></strong></p>
<p>Absolut. Es ist eine seltsame Familie und sie ist groß.</p>
<p><strong><em>In Berlin saß jemand neben mir, der noch nie von Baby Dee gehört hatte und nach dem Auftritt ganz begeistert war. </em></strong></p>
<p>Und ich habe Baby Dee durch Antony kennen gelernt. Das ist ähnlich wie bei Freunden. Man lernt neue Freunde durch Freunde kennen. Bei CURRENT 93 verstehen wir uns einfach. Matt Sweeney habe ich durch Will [Oldham] getroffen. Ich habe jeden durch jemand anderen kennen gelernt. Maja habe ich durch Steve Stapleton kennen gelernt. Ben schickte mir eine E-Mail, aber ich war schon ein Fan von ihm und er war ein großer CURRENT-Fan. Wir sind eine große glückliche Familie, die noch immer wächst.</p>
<p><strong><em>Shirley Collins` Version von “Idumæa“, die das Album abschließt und die ich für sehr gelungen halte…</em></strong></p>
<p>Shirley mag sie gar nicht. Sie ist froh, dass sie sie gemacht hat, aber sie sagt, dass sie nicht mehr so wie früher klingt. Und natürlich ist sie älter. Ich höre mich auch nicht mehr an wie früher.</p>
<p><strong><em>Ihre Version hat mehr Strophen. Ich habe den Eindruck, dass man anfangs diese Reflexion über die Sterblichkeit hat und dann kommt der religiöse Aspekt. Das Gericht Gottes usw. Bei Shirleys Version scheint mir dieser Aspekt noch stärker zu sein. </em></strong></p>
<p>Das ist so. Das ist die Version, die Shirley vor vielen Jahren gelernt hat. Sie meinte, sie würde eine andere Version singen und ich fand das prima. Kennst du das englische Wort “serendipity“ [glücklicher Zufall]?</p>
<p><strong><em>Ja. </em></strong></p>
<p>Es gibt glückliche Zufälle und alles, was passiert, ist notwendig. Das heißt, dass die Version, die Shirlely singt, sich von den anderen unterscheidet – genauso wie ihre Version von “All The Pretty Little Horses“ sich von der Version unterscheidet, die Nick Cave und ich gemacht haben. Das macht es noch bedeutsamer. Ich sehe Gott die ganze Zeit über in der Welt. Ich sage nicht, dass Gott uns geheime Botschaften gibt oder dass er sich besonders für das neue CURRENT 93-Album interessiert. Natürlich nicht. Was ich sage, ist, dass solche Dinge nicht grundlos passieren. Alles geschieht aus einem Grund. Auf die lange Sicht wird alles gut werden. Als Shirley diese Version gesungen hat, wusste ich, dass sie perfekt war. Sie rundet das Album natürlich mit einem Moment der Melancholie ab, einem Gefühl der Verzweiflung, aber auch mit einem starken Gefühl der Hoffnung. Wenn die Leute denken, dass ich apokalyptisch, melancholisch, depressiv oder pessimistisch sei, dann stimmt das nicht. Ich bin wirklich eine sehr optimistische Person. Ich schaue mir die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Apokalypse an und die ist eben Offenbarung. Es heißt nicht Zerstörung und Weltuntergang. Natürlich wird es sehr harte oder Besorgnis erregende Zeiten geben. Aber durch die Wiederkehr Christi wird sich das Paradies wieder für uns öffnen. Ich bin also voller Hoffnung und so sollte das Album auch enden: ein Gefühl der Hoffnung, aber auch ein Bewusstsein dessen, was die Katholiken die vier letzten Dinge nennen: Tod, Gericht, Himmel, Hölle. Denk daran, was passieren wird. Lebe dein Leben danach. Ich bin kein Evangelist und sage den Menschen, dass sie mir zuhören sollen. Was ich versuche, ist mich selbst daran zu erinnern, dass man sich nicht von Halluzinationen vom Ende der Welt und dem Kommen des Antichristen – die vielleicht verrückt sind – ablenken lassen sollte. Für mich ist das faszinierend, aber man sollte sein Augenmerk auf die wichtigsten Dinge richten: Jeder wird sterben und wird gerichtet werden und “Idumæa“, verweist darauf, bringt mir immer wieder diese Botschaft. Ich habe jetzt wahrscheinlich deine Frage nicht beantwortet, aber ich wollte gerne darüber reden, warum mir Shirleys Version so viel bedeutet.</p>
<p><strong><em>Vor einigen Jahren hast du das “Hypnagogue“-Minialbum veröffentlicht. Ich glaube, du hast es als Prolog eines künftigen Albums bezeichnet. Auf “Black Ships…“ finden sich Textzeilen aus diesem Album, z.B. bei “And Then Kill Ceasar“ und bei “Black Ships Were Sinking Into Idumæa“ hört man die Zeilen “God Gave Noah A Rainbow Sign“. Wolltest du die Verbindung zwischen “Hypnagogue“ und “Black Ships…“ verdeutlichen? </em></strong></p>
<p>“Hypnagogue“ ist der Prolog zu einem anderen Album. Aber es gab Verbindungen zwischen den Alben. Dieses Album verwandelte sich teilweise in “Black Ships..“, da die Bilder in meinen Träumen und in meinem Kopf waren. Als “Hypnagogue“ veröffentlicht wurde, arbeitete ich an einem anderen Album und etwas von den Bildern und Texten floß in “Black Ships…“ ein. Es gibt allerdings keine direkte Verbindung. “Hypnagogue“ ist wirklich für ein anderes Album gedacht. Es lag einfach daran, dass “Black Ships…“ aufgrund dieser intensiven Träume zuerst kam.</p>
<p><strong><em>Ich musste etwas an William Blake denken, den du auch schätzt.</em></strong></p>
<p>Nicht so sehr. Ich halte ihn für sehr interessant und habe ihn einige Male zitiert. Mir gefallen die Ideen von William Blake sehr, aber ich finde, dass er sehr schwer zu lesen ist. Von den frühen Werken abgesehen sind die Sachen zu komplex für mich. Man braucht ein Lexikon.</p>
<p><strong><em>Es gibt tatsächlich ein “Blake Dictionary“. </em></strong></p>
<p>Ja. Das habe ich früher benutzt. Ich habe mich vor einiger Zeit mit Thomas Ligotti unterhalten und ich habe ihn nach seinen Lieblingsdichtern gefragt. Und er meinte, dass es keine Dichter gebe, die er hassen würde, ausgenommen Wordsworth und Blake und irgendwie habe ich verstanden, was er meinte. Blakes Vorstellungskraft war so atemberaubend…Das ist einfach nicht meine Sache. Es ist so, dass ich ihn bewundernswert finde und ich mag einige seiner Formulierungen. Aber was das Gesamtwerk anbelangt, ist es so, dass es mich emotional nicht anspricht. Ich denke, dass es sehr intelligent ist, aber mein Herz reagiert nicht. Ich sage nicht, dass er kalt ist, er ist ganz offensichtlich ein sehr emotionaler und leidenschaftlicher Künstler, es ist einfach zu komplex und ich schätze Einfachheit. Mein ganzes Leben über habe ich Raum und Einfachheit gemocht. Wenn man sich Samuel Palmer, einen seiner Schüler, anschaut, muss ich sagen, dass mir seine Arbeit besser gefällt. Sie ist spiritueller.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview3-225x300.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1624" title="C93-Interview3-225x300" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview3-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><strong><em>Ich bin auf den Vergleich gekommen, weil ich daran dachte, wie er religiöse mit ganz persönlicher Symbolik verknüpft. </em></strong></p>
<p>Das ist sehr schmeichelhaft. Meine Arbeit ist sehr persönlich, wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass einige meiner theologischen, meiner eschatologischen Interessen oder Obsessionen sehr präzise sind und meine ganz persönliche Weltsicht widerspiegeln. Das klingt sehr pompös und so als ob ich die kleinen Dinge, die wichtig sind, nicht wirklich schätze. Das ist aber nicht so. Deshalb kann es eine Zeile geben, in der es heißt: “And the Sky Splits Open/And Christ Returns/And The Postman Is At The Door“. Das ist das Große im Kleinen und das Kleine im Großen. Man kann diese beiden Aspekte nicht voneinander trennen. Manche sind auf einer kosmischen oder makrokosmischen Ebene enorm wichtig und dann ist es wieder so, dass der Toast anbrennt oder der Tee kalt wird. Aber sie sind alle ein Teil der gleichen geheimnisvollen, faszinierenden Welt voller Überraschungen, in der wir leben. Für mich liegt in allem ein Wunder. Es ist nicht immer nur das Gericht oder die Rückkehr Christi. Diese Dinge sind für mich schrecklich wichtig, aber die kleinen Sachen, z. B. das Lächeln meiner Katzen und der Klang des Regens sind es ebenfalls. Ich bin sehr begeisterungsfähig und ich interessiere mich für alles, in dem Sinne, dass ich versuche Dinge wahrzunehmen, so gut ich kann. Ich bin von Natur aus ziemlich obsessiv und gleichzeitig will ich meine Augen für die kleinen Dinge offenlassen und nicht nur koptische Texte lesen oder mich nur mit esoterischen, akademischen Dingen beschäftigen. Ich schaue mir genau an, was auf den Nahrungsmitteln und der Seife steht, die ich kaufe. Ich interessiere mich für die Zutaten, aus denen die Welt besteht und manche davon sind sehr tief gehend, andere sind billig und schön.</p>
<p><strong><em>Wenn du deine spirituelle Entwicklung ansprichst…Mir ist aufgefallen, dass sich in deiner Arbeit Verweise darauf finden. Auf dem NATURE AND ORGANISATION-Album “Beauty Reaps The Blood Of Solitude“ heißt es: “As I Descended With The Dogs Blood Rising/So Then I Ascended To The Thunder Perfect Mind“, in einem Interview, das Thomas Ligotti mit dir für das “Esoterra”-Magazin geführt hat, sagst du, dass es Perioden deines Lebens gibt, die du nicht noch einmal durchleben willst und auf “Soft Black Stars“ heißt es…</em></strong></p>
<p>“If I Could Have One Wish/As In The Fairytales”</p>
<p><strong><em>Würdest du nicht sagen, dass all diese Dinge notwendig waren, um dich dahin zu führen, wo du jetzt bist oder denkst du, dass du einiges davon besser nicht gemacht hättest? </em></strong></p>
<p>Ich denke schon, dass sie absolut notwendig waren. All das, was wir sind oder Teile von dem, was wir sind, ist unsere Vergangenheit. Selbst die Dinge, von denen ich vor einigen Jahren noch dachte, dass sie nicht hilfreich gewesen seien, waren – wie mir jetzt klar wird – hilfreich. Als kleines Kind habe ich in Malaysia gelebt, ich war von Religion fasziniert, ich hielt mich selbst für einen Christen, aber mit großem Interesse an Buddhismus und Hinduismus. Als ich zwölf war, begann ich mich für Crowley zu interessieren und er wurde ein anderer Teil meiner Entwicklung. Mit den Jahren entstand eine Spannung zwischen diesen Dingen, zwischen Christentum, Buddhismus, Crowley – und zwar eine kreative Spannung. Ich denke, dass es im Hinblick auf die Geschichte von CURRENT 93 immer ein Problem war, dass anfangs die Leute dachten, dass ich bei weitem mehr an Crowley interessiert sei, als das der Fall war und jetzt glauben die Leute, dass ich Crowley weniger mag, als ich das tatsächlich tue. Crowley ist immer mein böser Onkel gewesen, mit dem ich aufgewachsen bin. Er ist wichtig für mich gewesen, aber auch als ich mehr mit ihm zu tun hatte, bezeichnete ich mich als Christen. Wenn man sich “Nature Unveiled“ anhört, dann heißt es da „Ach Golgotha (The Great In The Small“), es ist ein christliches Werk. Ich begann mit christlichen, eschatologischen und dogmatischen Interessen und das hat sich einfach entwickelt. Manchmal scheint es gegensätzlich zu sein, aber meine Arbeit war immer von meiner Liebe zu den Evangelien inspiriert, die ich mochte, seit ich ein kleiner Junge war. Seit “Thunder Perfect Mind“ ist es auf eine offensichtlichere Weise christlich. Ich wurde mir der Natur meines Herzens mehr bewusst. Ich bedauere nichts von dem, was ich gemacht habe, lediglich Schmerz, den ich anderen zugefügt habe, ob absichtlich oder zufällig. Wir können unsere Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Alles, was wir machen können, ist von ihr zu lernen. Jetzt versuche ich jeden Tag in die Messe zu gehen. Natürlich mache ich es manchmal nicht. Ich habe immer noch Verbindungen zu Crowley und dem O.T.O. Der Kopf des O.T.O. ist einer meiner besten Freunde.</p>
<p><strong><em>Er spielt Geige für dich, oder? </em></strong></p>
<p>Ich kann das nicht sagen (Lachen). Aber er ist einer meiner besten Freunde. In meinem Arbeitszimmer habe ich viele Louis Wain Gemälde und ich habe ein Originalgemälde von Aleister Crowley über meinem Schreibtisch. Und ich habe auch eine Statue von Christus, eine Statue von Maria und die Bibel. Es gibt immer Spannung. Aber es ist eine Spannung, über die ich glücklich bin. Crowley ist der notwendige Judas für die katholische Kirche. Er ist wichtig für mich, weil er mir Mut und Kraft gab, als es mir als kleines Kind an der Schule, an der ich war, nachdem ich von meinem Zuhause in Malaysia weggeschickt worden war, ziemlich schlecht ging.</p>
<p><strong><em>Die Spannung von der du sprichst. Ist das so eine Sache zwischen Orthodoxie und Häresie? </em></strong></p>
<p>Spielst du auf das G. K. Chesterton-Zitat an?</p>
<p><strong><em>Ja, genau. </em></strong></p>
<p>Während der ganzen Zeit mit CURRENT hatte ich nie ein Interesse daran, was die Leute denken. Ich definiere mich selbst durch das, was mich bewegt. Ich habe meinen Glauben und Kraft durch meinen Glauben. Es gibt immer Leute, die Meinungen haben wollen. So nach dem Motto: Tibet hat Verbindungen zum O.T.O. Wie kann er Christ sein? Das können die Leute ruhig sagen, aber es ist mir scheißegal. Sie kennen mich nicht. Ich kenne mich ein wenig, ich kenne mich besser, als irgendjemand anderes und ich kenne mich noch immer nicht gut. Man kann sich nur durch sich selbst definieren. Wir sind uns alle gegenseitig Rätsel, wir kennen uns selbst nicht, wie können wir dann sagen, dass wir andere Menschen kennen? Wie können wir sagen: Wenn das so ist, dann sollte er auch das mögen. Menschen sind unvorhersehbar.</p>
<p><strong><em>Du hast auch gesagt, dass du es nicht magst, kategorisiert zu werden. </em></strong></p>
<p>Natürlich. Aber ehrlich gesagt, nicht, weil ich so etwas Besonderes bin. Das ist nicht so. Ich bin recht normal. Niemand mag in Schubladen eingeordnet werden. Die gruftigste Gruppe der Welt, die hart an ihrem Image arbeitet, wäre wahrscheinlich ganz schön angenervt, wenn sie die als die gruftigste Band der Welt bezeichnet würde. Wir alle denken, dass wir Individuen sind, dass wir uns von allen anderen unterscheiden, und auf gewisse Weise tun wir das auch. Aber auf eine andere Weise sind wir absolut identisch. Wir sind alle Menschen mit vielen Fehlern und mit bewundernswerten Charaktereigenschaften. Wir tun das Beste, was wir können. Wir sind Menschen – und Menschen haben Fehler und positive Eigenschaften. Es ist ziemlich schwer andere zu beurteilen und zu sagen, wie sie sich verhalten sollten. Es ist eher so, dass manche wollen, dass man die Vorstellung, die sie von dir haben, ausleben soll.</p>
<p><strong><em>Hast du eigentlich viele Briefe von Leuten bekommen, die dich zu ernst genommen haben? Ich erinnere mich daran, dass auf dem Poster, das der “Loony Runes“-12’ beilag, eine Kontaktadresse für die “Final Chruch Of The Noddy Apocalypse“ zu finden war. Gab es da Leute, die das für einen neuen, geheimen Kult hielten? </em></strong></p>
<p>Oh ja, viele. Ich bekomme immer noch Briefe von Leuten, die wollen, dass ich ihnen eine Geheimgesellschaft oder einen Kult nenne, weil sie denken, dass ich die Macht dazu habe. Es geht sogar so weit, dass Leute sagen: Du bist Christ, aber wir wissen, dass du kein orthodoxer Christ sein kannst, du musst Teil eines geheimen gnostischen christlichen Kultes sein. Wenn ich diese Macht und dieses Wissen hätte, würde ich das anderen nicht mitteilen. Aber ich sage eben auch ganz kategorisch, dass ich diese Macht nicht habe. Ich denke, es gibt immer Leute, die denken, dass das, was du sagst, ironisch gemeint ist. Ich habe mich kürzlich mit einer Freundin von mir unterhalten, die Theologieprofessorin ist, und die meinte, dass viele glaubten, ich sei ironisch. Und das hat mich so überrascht, ich soll seit 14 Jahren ironisch sein? Ich finde es einfach merkwürdig, Briefe von Leuten zu bekommen, weil das so eine persönliche Sache ist. Meine Frau hat einmal zu mir gesagt: “David, es ist seltsam, dass es Menschen gibt, die deine Arbeit so bewundern, denn nicht jeder denkt 24 Stunden am Tag über die Wiederkehr Christi nach.“ Das war ein guter Punkt. Viele Leute teilen nicht meine speziellen Interessen und ich teile nicht ihre. Aber es liegt wohl in der Natur der Sache, dass künstlerische Tätigkeit deine Ansichten widerspiegelt. Ich dachte nie, dass sich jemand für das, was ich machte, interessieren würde, aber ich wollte es trotzdem machen. Es ist eigentlich immer nur für mich. Es macht nichts, ob wir 100 oder 100 000 verkaufen. CURRENT 93 bin ich, der versucht, seine eigene Person sich selbst zu erklären.</p>
<p><strong><em>Du hast kürzlich gesagt, dass du dir gewünscht hättest, dass “England’s Hidden Reverse“ etwas kritischer gewesen wäre. </em></strong></p>
<p>Es war eher so, dass ich mir gewünscht hätte, dass es etwas ausgewogener gewesen wäre und David Keenan dürfte da zustimmen. Ich hatte viele Freunde drin, die alle sehr nette Sachen über mich, Steve und Geoff gesagt haben. Jim Thirlwell hat zwar gesagt, dass er nie so ganz verstanden hat, was ich mache. Er ist aber immer noch ein Freund und ich habe ihn erst gestern getroffen. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass Leute da gewesen wären, die negative Sachen gesagt hätten. Nicht weil ich denke, dass ich eine beschissene Person bin, sondern weil es dadurch etwas ausgewogener geworden wäre. Ich hätte es auch gut gefunden, wenn andere Personen berücksichtigt worden wären; die Peripherie dieser drei Gruppen. Sie waren genauso wichtig wie wir, aber das Buch hat eben nicht von ihnen gehandelt. Es gab viele andere Gruppen, wir waren alle in der gleichen Szene. Ich sage einfach, dass ich mir gewünscht hätte, dass das Buch umfangreicher und länger gewesen wäre. Das lag nicht am Autor, er hat sehr gute Arbeit gemacht. Er hat wohl einige Leute angeschrieben, die negative Sachen über mich gesagt hätten oder eine etwas andere Sicht der Dinge gehabt hätten, aber sie wollten nicht interviewt werden. Ich rede jetzt nicht nur von den ganz offensichtlichen Personen. Aber prinzipiell sind fast alle Leute, die ich kenne, seit ich angefangen habe, meine Freunde geblieben. Mich freut das. Wer will schon Feinde haben? Wer will gehasst werden? Es wäre eben nur gut gewesen, wenn jemand eine andere Sicht gehabt hätte, als: David ist so toll oder Balance ist so toll oder Steve ist so toll. Es ist für mich schwierig, objektiv zu sein, weil das Buch von mir handelt. Es war sehr wohlwollend und es hat mir gefallen, aber ich versuche zumindest etwas objektiv zu sein.</p>
<p><strong><em>Ich glaube, als das Buch herausgekommen ist, hielten es viele für eine Art von Verschwörung und glaubten, dass aufgrund von World Serpent einige Gruppen bewusst ausgeschlossen worden seien. </em></strong></p>
<p>Am Anfang des Buches heißt es, dass der Autor gerne mit weiteren Personen gesprochen hätte, diese aber ablehnten. Das ist in Ordnung. Du weißt, dass ich nicht über Personen reden möchte, mit denen ich mich überworfen habe, aber du weißt, wen ich meine. Eine Person wurde gebeten mitzumachen, antwortete und wollte Texte sehen, die der Autor vorher geschrieben hatte, und lehnte dann ab. Da kann man wenig machen, man kann niemanden zwingen, mitzumachen. Ich verstehe es, wenn er besorgt war und dachte: Ich werde vielleicht etwas Negatives sagen und sie werden es nicht drucken. Es gab jedenfalls keine Verschwörung. Der Autor hat die Leute angeschrieben und mehr konnte er nicht machen. Es ist kein Gerichtssaal, wo man jemanden dazu zwingen kann.</p>
<p><strong><em><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview5-225x300.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1625" title="C93-Interview5-225x300" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/C93-Interview5-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Lass uns noch einmal zu einer musikalischen Sache kommen. In den letzten Jahren hast du auch einige experimentelle Alben veröffentlicht (z.B. die Ligotti-Arbeiten). Wird es so etwas in naher Zukunft noch einmal geben? Du hast kürzlich gesagt, dass du experimentelle Musik nicht magst. </em></strong></p>
<p>Ich mag sie auch nicht, na ja, ich mag sie und auch wieder nicht. Experimentelle Musik hat verschiedene Bedeutungen. Gestern Abend unterhielt ich mich mit Matt Sweeney und wir kamen darin überein, dass CURRENT 93, so wie wir jetzt sind, in Berlin zum Beispiel, eine experimentelle Gruppe ist. Es gibt einen einfachen, zyklischen Song, aber innerhalb dessen testen wir ganz verschiedene Grenzen aus. Vielleicht hängt das wieder mit dem Zitat von Chesterton zusammen: “Ein Mann muss bei den meisten Sachen orthodox sein, andernfalls würde er nie seine eigene Häresie erschaffen.“ Ich denke, dass CURRENT so ist. Auf der einen Seite ist es einfach und zyklisch, es ist eine Art den Raum einzurahmen. Darin geschehen aber viele Dinge. Wir rütteln immer an den Grenzen. Die Ligotti-Arbeiten oder “Faust“ sind nicht unbedingt anders. Es gibt diese Vorstellung, dass wenn ein Lied eine Gitarre und eine gewisse Struktur hat, es nicht experimentell ist und wenn Musik formloser scheint oder wie ein Soundscape ist oder zufällige Elemente aufweist, dann ist sie experimentell. Aber wenn man jemand ist, der Zufallsmusik oder klassisch experimentelle Musik, wie es z. B. “Nature Unveiled“ und “Dogs Blood Rising“ auf gewisse Weise waren, macht, und dann Songs macht, wie wir auf “Swastikas For Noddy“, dann ist das experimentell. Verstehst du, was ich meine?</p>
<p><strong><em>Klar. </em></strong></p>
<p>Für mich ist es immer CURRENT. Ich mache die Sachen, die mich bewegen. Mir gefällt experimentelle Musik nicht, wenn die Macher glauben, sie befänden sich über jeder anderen Form von Musik. Für mich ist das so, als ob man sagt: Wir servieren immer Fleisch, verschiedene Sorten, aber es ist immer Fleisch. Und darauf sind wir stolz. Wenn man immer experimentelle Musik macht, wo ist die Überraschung und wo ist die Herausforderung? Experimentelle Musik sollte eine Herausforderung sein, aber wenn es ein weiteres Album mit zufälligen Saxophontönen oder Glitches ist, warum sollte das dann experimentell sein?</p>
<p><em><strong>Das ist es ja gerade, was die Arbeit von Steve Stapleton so interessant macht. Er verändert seinen Stil permanent</strong></em>.</p>
<p>Steve würde sich selbst als Rockmusiker bezeichnen. Er interessiert sich für Surrealismus und Dada und er hat seine eigene Sicht auf die Welt entwickelt. Ich denke nie an Steve als: Steve, der experimentelle Musiker. Er ist sehr innovativ, er sieht die Dinge auf eine erstaunlich interessante Weise. Im Moment hört er sich nur Hip Hop und Rap an, für mich ist das die konservativste Musik, die man sich vorstellen kann, ich finde sie wirklich schrecklich, aber für ihn ist sie radikal. Wie du schon vorhin gesagt hast, gefallen mir einfach keine Kategorisierungen.</p>
<p><strong><em>Wirst du auf einem der nächsten NURSE WITH WOUND-Alben mitmachen? </em></strong></p>
<p>Sicher, ich glaube, ich bin beim nächsten dabei. Wir machen immer Sachen zusammen, wenn es das nächste nicht ist, ist es ein anderes. Das ist die Weise, wie Steve aufnimmt. Ich arbeite immer noch intensiv mit Steve Stapleton zusammen und ich werde mit ihm in San Francisco bei den NURSE WITH WOUND-Auftritten sein. Ich sehe da kein Ende. Ich bin nicht immer dabei. Wir sind eben eine experimentelle Gruppe (lacht).</p>
<p><strong><em>Du hast davon gesprochen, schon an dem nächsten Album zu arbeiten und du meintest vorhin, da seien weniger Leute dran beteiligt. </em></strong></p>
<p>Nein, das war eher als Witz gedacht, man macht es einfacher um es schneller fertig zu stellen. Ich hatte gedacht, dass es vielleicht weniger Leute wären, aber es sieht wohl so aus, als ob eine Menge Leute mitmachen. Ich arbeite gerade an den Ideen dafür. Ich werde auch ein Album mit Ben Chasny und Stephen O’ Malley von SUNN O)))) machen, welches nicht das CURRENT-Album werden wird. Ich habe eine Reihe neue Freunde, deren Arbeit ich bewundere, wie z.B. Al Cisneros und Chris Hakius von OM. Das nächste Album wird anders als “Black Ships Ate the Sky“ sein.</p>
<p><strong><em>Glaubst du, dass das nächstes Jahr veröffentlicht werden wird? </em></strong></p>
<p>Ja, nächstes Jahr. Wer weiß, ich hoffe, Gott hört gerade diesem Gespräch zu und ist auch der Meinung, dass es nächstes Jahr rauskommen soll.</p>
<p><strong><em>Wird sonst noch etwas veröffentlicht? Wie sieht es mit “Whilst The Night Rejoices Profound And Still“ aus? </em></strong></p>
<p>Ich arbeite noch daran, weil ich mit dem Gesang nicht so zufrieden war. Das wird aber demnächst rauskommen. Wir arbeiten an weiteren Auftritten und wollen einiges aus dem Backkatalog wiederveröffentlichen. Das Album mit Ben und Stephen O’ Malley, das neue Buch von Thomas Ligotti und die gesammelten Werke von Count Stenbock sollen veröffentlicht werde und ich arbeite an weiterem Artwork, ich studiere Koptisch, ich versuche, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich bin 46 und ich werde langsam etwas müde. Ich denke immer über neue Ideen nach. Manchmal sind es ganz schreckliche, aber selbst bei den schrecklichen mache ich mir eine Notiz und denke: Jetzt ist es schrecklich, aber wer weiß: In fünf Jahren ist es vielleicht genial oder noch schrecklicher. Man muss seine Augen und Ohren immer offen halten.</p>
<p>(M.G. &amp; D.L., S.L.)</p>
<p><a href="http://www.copticcat.com/">copticcat.com</a></p>
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