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	<title>African Paper &#187; Nico Muhly</title>
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		<title>JOANNA NEWSOM: Divers</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2015 08:14:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über Joanna Newsom konnte man sich in der Zeit ihres großen Durchbruchs vortrefflich streiten. Da gab es die mit starker Folkidentifikation, die nicht einmal Puristen sein mussten, aber Fräulein Newsom ihre Popularität unter den Spexlesern übelnahmen. Jedes hybride Stilelement kam &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/11/14/joanna-newsom-divers/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/10/JoannaNewsomDivers.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11100" title="JoannaNewsomDivers" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/10/JoannaNewsomDivers-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Über Joanna Newsom konnte man sich in der Zeit ihres großen Durchbruchs vortrefflich streiten. Da gab es die mit starker Folkidentifikation, die nicht einmal Puristen sein mussten, aber Fräulein Newsom ihre Popularität unter den Spexlesern übelnahmen. Jedes hybride Stilelement kam ihnen zu gefällig vor und hatte für sie den Beigeschmack von Ausverkauf und Hipstertum. Dann waren da aber auch jene Spexleser selbst sowie ihre schreibenden Stichwortgeber, die in Joanna schon deshalb ein Wunderkind sehen wollten, weil sie ihre folkig grundierten Songs mit allerlei stilfremden alten und neuen<span id="more-11099"></span> Elementen anreicherte und überhaupt so gar nicht konservativ wirkte. Dass all dies gar keine Ausnahme darstellte, hatte man in dieser seltsamen Parallelwelt oberhalb der Wahrnehmungsgrenze verschlafen. Wahr ist, dass Jonanna Newsom auf ihre Art ein durchaus originelles Phänomen ist. Sie hat das Zeug zur radikalen Innovatorin mit Sinn für Abstraktion und Weite und mit &#8220;Emily&#8221; vom &#8220;Ys&#8221;-Album einen der großartigsten Songs überhaupt geschaffen. Zugleich ist sie ein hübsches Postergirl für Studentenzimmer. Ihr kindlicher Gesang ist schräg und süß zugleich und über Vergleiche mit Björk und Kate Bush erhaben. Trotzdem hat sie auch nicht alles erfunden, was sie macht.</p>
<p>Joannas Stil ist stets im Wandel begriffen, nach einem noch am ehesten folkigen Frühwerk, in dessen Zentrum das nur auf Gesang und Harfe basierende Album &#8220;The Milk Eyed Mender&#8221; stand, schuf sie mit dem orchestral instrumentierten Epos &#8220;Ys&#8221; ein frühes, manche sagten zu frühes opus magnum, dem zumindest quantitativ das auf drei Platten verteilte &#8220;Have One On Me&#8221; noch eins drauf setzte &#8211; ein ganz eigener Kosmos, bei dem zahllose Seiten amerikanischer Populärkultur zum Setting eines märchenhaften Paralleluniversums zusammengesetzt wurden, in dem die Geschichten Hemingways schon mal ganz plötzlich auf Jugenderinnerungen in den Hügeln des ländlichen Kaliforniens treffen. Seitdem sind nun fünfeinhalb Jahre vergangen, in denen Newsom wohl konsequent an ihrem jüngst erschienenen Longplayer &#8220;Divers&#8221; gearbeitet hat, ein zirka einstündiges Werk, das der Tonqualität zuliebe auf zwei LPs gepress wurde. Viele haben sich bei &#8220;Have One On Me&#8221; gefragt, warum nicht zumindest zwei zeitversetzt veröffentlichte Alben daraus gemacht wurden, doch dies wären zwei stilistisch nahezu identische Releases gewesen. Man merkt das nur zu gut, wenn man im Kontrast &#8220;Divers&#8221; hört, das sound- und stimmungsmäßig wieder einen gewaltigen Sprung in eine neue Richtung darstellt.</p>
<p>Drückte das Debüt &#8211; in dem die Verszeile &#8220;I killed my dinner with karate&#8221; vorkommt, die mich sofort für die junge Sängerin einnahm &#8211; noch am ehesten eine jugendliche Aufbruchstimmung aus, so stand &#8220;Ys&#8221; stark im Zeichen einer nostalgischen Aufarbeitung von Vergangenem und Verlorenem. Einer seltsamen Dialektik entsprechend kehrte &#8220;Have One On Me&#8221; wieder zu den lebensbejahenden Anfängen zurück, doch unter musikalisch und dem Anschein nach aus persönlich gereifteren Voraussetzungen und brachte einen verwegenen Hedonismus zum Ausdruck, der einen bei dem fragil wirkenden Persönchen zum Schmunzeln bringen konnte. &#8220;Divers&#8221; wendet seinen Fokus wieder den kontingenten Seiten der Existenz zu, kündet von Zeit und Vergänglichkeit, Untergang und Tod. Was das Album mit &#8220;Ys&#8221; verbindet, ist die konsequent unlamoryante Hinwendung zu diesen Sujets und die alles umschließende Liebe und Freundlichkeit, mit der sie dem Zerronenen ein ums andere Mal ein Denkmal setzt. Ein großer Unterschied dagegen ist, dass sie ihren Themenkreis diesmal nicht aufs Persönliche begrenzt, sondern ins historische und z.T. beinahe Kosmische ausweitet. Bisweilen fühlt man sich als Hörer geradezu erschlagen von den vielen mythologischen und geschichtlichen Bezügen, die die episodisch wirkenden Stücke zusammenhalten. Doch dies passt zumindest sehr gut zu denjenigen Stücken, die mit Unterstützung von Nico Muhly, Dave Longstreth und Ryan Francesconi ein orchestrales Arragement verpasst bekamen.</p>
<p>Nach einem in mehrere Abschnitte gegliederten Intro entführt „Sapokanikan“ in ein mit einem soliden Westcoast-Popsound erfülltes winterliches New York. Im von Paul Thomas Anderson inszenierten Video flaniert Newsom durch Greenwich Village, doch in den Lyrics erfahren wir, dass es sich bei dem Stadtviertel um einen Palimpsest-Ort mit einem tragischen historischen Subtext handelt, denn an dem Ort befand sich früher das titelgebede Ureinwohnerdorf, das einer ethnischen Säuberung zum Opfer fiel und von der Sängerin mit Versen aus Shelleys &#8220;Ozymandias&#8221; bedacht wird. &#8220;Leaving the City&#8221; führt uns aus diesem Ort hinaus in ein eher fantastisches Szenario, in dem Newsoms Harfe im Zentrum steht wie lange nicht mehr, wenngleich die von Mellotron durchwirkten Rockinstrumente ab einem bestimmten Moment jeden Eskapismus verneinen, ebenso wie die fast metallastige Gewandung des barocken &#8220;Goose Eggs&#8221;. Am intensivsten jedoch gebärden sich diejenigen Songs, bei denen Newsom lediglich zu Harfe, Piano oder sogar Banjo singt. Wenn sie in „The Things I Say“ ihre letztlich doch hoffnungsfrohen Evokationen der Erinnerung der Brandung entgegensingt, ist das nicht nur einer der stärksten und aussagekräftigsten Momente des Albums, sondern auch einer, der Lust auf etwas weniger Bombast macht. Bei allem Lob wünsche ich mir so etwas für künftige Aufnahmen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.dragcity.com">Drag City</a></strong></p>
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		<title>ANNA CALVI: Strange Weather</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2014 04:46:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anna Calvi]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/06/annacalvistrangeweather.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9059" title="annacalvistrangeweather" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/06/annacalvistrangeweather-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Unter den Newcomern des laufenden Jahrzehnts belegt die Britin Anna Calvi einen der renommiertesten Plätze, ihr Debüt bescherte ihr zahlreiche Fans und gute Kritiken. Dass alte Recken wie David Byrne und Nick Cave ihrem Zauber erlagen und entsprechend Starthilfe gaben, wurde fast immer als verdient erachtet, selten wurde über Beziehungen und Patronage geunkt. In der Tat sind ihre Songs, die meist auf gezupften E-Gitarren oder Harmonium basieren, auf eine nur schwer festzulegende Weise geheimnisvoll und zugleich enorm wuchtig. Und auch wenn man sie nicht als Callas an der Gitarre bezeichnen muss, ist die Frau mit der wandlungsfähigen Stimme<span id="more-9058"></span> doch mehr als eine etwas ungekünsteltere Alternative zu Lana del Rey, mit der sie den Hauch von David Lynch und das Flair amerikanischer Bonny und Clyde-Geschichten teilt.</p>
<p>In einem Interview betonte sie einmal ihre Liebe zum Flamenco. Musikalisch hört man das ihren Songs nicht an, aber die leidenschatliche Wucht vieler Stücke, die oft recht beschaulich beginnen und sich dann ganz plötzlich zu einer musikalischen Achterbahnfahrt emporschwingen, lässt auch dies widerhallen. Ihre Stimme, die sie erst spät als Medium für sich entdeckte, scheint wie gemacht für große Bühnen und wirkt doch, als sei sie einem düsteren Roadmovie entsprungen. Ganz überrascht ist man, wenn man sie einmal im gepflegten British English reden hört. Calvi betonte mehrfach, wie perfektionistisch sie sich jedem einzelnen Detail, jeder Note in einem Lied widmet, das nicht mehr das selbe wäre, würde sich auch nur ein einzelner Ton ändern. Dass sie unter der Vorausetzung bei Coversongs kein Interesse am bloßen Nachspielen hat, lässt sich ahnen, und so steht ihre neue EP „Strange Weather“, auf der sie fünf Lieblingsstücke covert, auch vollkommen im Zeichen der Neugestaltung.</p>
<p>„Papi Pacify“ war im Original von den mir bislang unbekannten FKA Twigs ein forscher R&#8217;n'B-Song, unter Calvis Bearbeitung wird daraus eine zerfledderte Jazzballade, die vordergründige Sexyness weicht einer schwül laszive Erotik, bei der die Grenze zwischen Lust und Wahn immer wieder zu verschwimmen scheint. In eine ähnliche Richtung, wenngleich rockiger, gehen die Interpretationen von Connan Mockasin- und Keren Ann-Stücken, die sie im Duett mit David Byrne singt. Bowies „Lady Grinning Soul“ wird mit Piano und viel Pathos interpretiert und klingt wie der emotionale Höhepunkt eines Musicals. Am meisten Spaß dagegen mach die trunken pochende Version von Suicides „Ghostrider“, das schon etliche Coverversionen über sich ergehen lassen musste und auch diese Entschleunigung verträgt.</p>
<p>Dass Anna Calvi einen breiten musikalischen Horizont besitzt, sollte nicht überraschen, und so ist „Strange Weather“ auch nicht in erster Linie ein Beweis für ihre vielfältigen Einflüsse, sondern primär ein Beleg für ihre eigene sichere Handschrift, mit der sie die unterschiedlichsten Dinge anverwandeln kann. Selbst bei den Stücken, die man im Original kennt, vergisst man dies bald und hat schnell das Gefühl, einfach nur Anna Calvi zu hören. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.dominorecordco.de">Domino Records</a></strong></p>
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		<title>ANTONY AND THE JOHNSONS: Cut The World</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Aug 2012 06:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Vorstellung, dass unsere moderne Kultur von einer patriarchalen Denk- und Lebensweise geprägt ist, geht mindestens bis ins 19. Jahrhundert zurück und begleitet alle technokratischen Errungenschaften und ihre Schattenseiten als ein untilgbares Korrektiv. Das Anliegen dahinter ist keinesfalls bescheiden, will &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/08/18/antony-and-the-johnsons-cut-the-world/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/08/antonyandthejohnsonscuttheworld.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4947" title="antonyandthejohnsonscuttheworld" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/08/antonyandthejohnsonscuttheworld-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Vorstellung, dass unsere moderne Kultur von einer patriarchalen Denk- und Lebensweise geprägt ist, geht mindestens bis ins 19. Jahrhundert zurück und begleitet alle technokratischen Errungenschaften und ihre Schattenseiten als ein untilgbares Korrektiv. Das Anliegen dahinter ist keinesfalls bescheiden, will man doch dem phallogozentischen Denken (Derrida) eine feminine Sprache und je nach Credo auch Spiritualität nicht nur an die Seite stellen. <span id="more-4946"></span>Was gefordert wird, ist oft ein radikaler Paradigmenwechsel, der Übergang in ein von weiblich konnotierten Eigenschaften geprägtes Zeitalter.</p>
<p>Fasst man dies sehr weit, so findet man Ansätze dieser Art nicht nur beim knochentrockenen Trivialfeminismus, der die entsprechenden Eigenschaften ohnehin meist allzu moralingesäuert „den Männern“ und „den Frauen“ zuweist. Einen Hang zum Androgynen und eine Wertschätzung des Weiblichen als Antidot zu Militanz und Strebertum und einem allzu einseitigen Schwerpunkt auf dem Rationalen – das findet sich in der modernen Gegenkultur bereits in Zeiten von Décadence und Jugendstil, zieht sich über einige Schulen der Psychoanalyse durch das gesamte 20. Jahrhundert. Immer wieder auf den Tisch kommt die stets kontrovers diskutierte These matriarchaler Kulturen in frühgeschichtlicher Zeit. Nicht selten ist die Rede vom weiblichen Prinzip naturmystisch eingefärbt, und da bei den akademischen Konstrukteuren der offiziellen Kulturgeschichte nach wie vor entmystifizierende Diskurskritik hip ist, bildete sich in weniger offiziellen Bereichen der Kultur längst eine fast entgegengesetzte Art von Genderbewusstsein heraus, bei dem pagane Naturnähe und ein Hochhalten des Weiblichen Hand in Hand gehen.</p>
<p>Im musikalischen Bereich hat sich seit Dekaden eine Tradition herausgebildet, die mit populären Vorstellungen von Queerness nur wenig zu tun hat, man denke allem voran an die Moon Music von Coil oder an die immer noch als Geheimtipp gehandelte Verbindung von Musik und Malerei bei Val Denham. Antony and the Johnsons sind eine der Bands, die aufgrund ihrer Popularität vielleicht am meisten Gehör mit solchen Ideen finden. In Antonys Lyrics haben sich Leitmotive wie geschlechtliche Identität, Spiritualität und ökologisches Bewusstsein zuletzt immer mehr zu einem stimmigen Mosaik zusammengefügt.</p>
<p>In diesem Sinne ist das im letzten Jahr in Kopenhagen aufgenommene Album „Cut The World“, Antonys erste Live-CD seit der Split „Live at St. Olave&#8217;s Church“ mit Current 93, nicht nur ein klanglich hervorragendes Dokument, sondern auch ein kleines Manifest, dass die Botschaft der Gruppe recht präzise auf den Punkt bringt. Und das ist jetzt keineswegs eine übereifrige Auslegung von Texten und Gesten, denn im Zentrum der Aufnahme steht eine rund siebenminütige Ansprache, hier als „Future Feminism“ betitelt, bei der Hegarty seine Sicht in klaren Worten ausdrückt: Gegen eine monotheistische Himmelsreligion, deren drei Ausprägungen er für soziale Katastrophen und den ökologischen Kollaps unseres Planeten verantwortlich macht, bricht der katholisch erzogene Antony, längst auf Eigeninitiative „enttauft“, die Lanze für eine feminin konnotierte Erdverbundenheit, wünscht sich einen Switch hin zu einer Feminisierung von Religion und Politik und fordert den Mut ein, mentalitätsgeschichtlich gegen den Strom zu schwimmen. Er selbst macht es zweifelsohne schon an Ort und Stelle vor, mögen seine Symbole (Wasserquellen als Menstruation der Mutter Erde etc.) außer Kontext auch etwas angestaubt und seine Direktheit etwas didaktisch wirken.</p>
<p>Im eröffnenden Titelsong, Teil eines Musikdramas, dass Antony gerade zusammen mit Marina Abramovic und Robert Wilson auf die Bühne bringt, ist sehr viel von diesem Umkehrgedanken enthalten. Antony gibt nicht viel auf die bestehenden Verhältnisse, und schwere, angstbesetzte Erinnerungen kommen zu Wort: „My heart is a record of dangerous scenes“. Und doch ist das Stück von einer fast euphorischen Aufbruchstimmung durchdrungen, von der Hoffnung auf einen klaren Schnitt hin zu einem neuen Menschen. Das feinfühlige Spiel des Danish National Chamber Orchestra legt dazu ein dichtes Fundament. Der Rest der an zwei aufeinanderfolgenden Konzertabenden gespielten Stücke stammen aus sämtlichen Werkphasen, und alle fügen sich im Nachhinein in das stimmige Konzept ein. Da wäre „Another World“, wo das Loslassen und die Suche als hoffnungsfroher Aufbruch besungen werden &#8211; verbildlicht mit der Lichtmetapher, die bei „The Crying Light“ und beim elegischen „Swanlights“ eine deutlich mystische Komponente erhält. Die Abwesenheit des Lichts kommt im düsteren „Twilight“ zur Sprache, wenngleich ich das Ausbleiben des eruptiven Höhepunktes bedauere, der den Song ursprünglich zu dem machte, was ein sonst eher trocken formulierender Autor einmal voller Pathos die Axt für das gefrorene Meer nannte.</p>
<p>Das von Nico Muhly und den langjährigen Johnsons-Musikern Rob Moose und Maxim Moston dirigierte Orchester beweist sein Können auch gerade da, wo es sich zurückzunehmen versteht, was u.a. bei den leichtfüßigeren Stücken wie „Epilepsy Is Dancing“ und dem beschwingt verliebten „Kiss My Name“ gelingt, erst recht bei „I Fell In Love With A Dead Boy“, bei dem Streicher und Bläser, ganz anders als in der behutsameren Pianoversion, zu euphorischen Höhen auffahren um sich anschließend in feierlicher Stille zurücknehmen.</p>
<p>Wenngleich „Cut the World“ auch ein Querschnitt durch das Schaffen der Johnsons ist, ist es doch mehr ein Konzeptalbum als eine Compilation. Deutlich zelebriert die Band hier den Schnitt und den Neubeginn – auf eine Art, die man hier und da als predigend empfinden mag, aber bei Antony nimmt man das auch mal in Kauf. Eventuell ist all dies auch biografisch gemeint. Wie immer es mit Antony und seinen Musikern künftig weitergehen wird, werden sie das aktuelle Jahrzehnt sicher noch ebenso mitprägen wie das letzte.</p>
<p><strong>Label: Rough Trade</strong></p>
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