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	<title>African Paper &#187; OEC</title>
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		<title>DAVID E. WILLIAMS: Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2022 02:09:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man sollte sparsam umgehen mit Begriffen wie Opus magnum im Zusammenhang mit Neuerscheinungen altgedienter Musiker, denn man kann nie wissen, was die Zukunft noch an Überraschungen bereithält. Im Falle von David E. Williams&#8217; &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2022/08/06/david-e-williams-get-me-a-ladder-get-me-a-ladder/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/07/fotor_1659265513429.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-30749" title="fotor_1659265513429" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/07/fotor_1659265513429-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Man sollte sparsam umgehen mit Begriffen wie Opus magnum im Zusammenhang mit Neuerscheinungen altgedienter Musiker, denn man kann nie wissen, was die Zukunft noch an Überraschungen bereithält. Im Falle von David E. Williams&#8217; &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!&#8221; ist die Versuchung allerdings groß, denn es handelt sich bei diesem Album – so viel vorweg – um einen ganz großen Wurf.<span id="more-30748"></span></p>
<p>Zählt man kleinere Tape-Releases dazu, dann ist Williams bereits seit über 30 Jahren auf dem musikalischen Parkett präsent, und seine klassischen Alben enthalten eine interessante Mixtur aus Death Rock-Downern, launigen Polka-Stücken und Klavierballaden im Cabaret-Stil. Atmosphärisch rangieren die darauf enthaltenen Songs zwischen einer bizarren Herzigkeit, die an Daniel Johnston in seinen besten Momenten heranreicht, derber Exploitation und einer Schwarzgalligkeit, wegen der Michel Houellebecq eigentlich sein größter Fan sein müsste. Zu den frühen Highlights zählt das treibende &#8220;Pumpernickel Crust&#8221; mit seiner stilvollen Klezmerklarinette. Aufgrund persönlicher Freundschaften wurde zunächst die Neofolk- und Industrial-Gemeinde auf ihn aufmerksam, mit der ihn rein musikalisch gar nicht einmal so viel verband.</p>
<p>Die bereits in den vergangenen Jahren zu beobachtende Hinwendung zu mehr Synthesizer-Einsatz wird auf dem aktuellen Album endgültig zum zentralen stilprägenden Element und entpuppt sich als z.T. beinahe brachiale Elektronik. Nach einem spannungsgeladenen Intro, das wie eine mit unruhiger Kamera inspizierte abgedunkelte Szenerie Zwiespältiges erwarten lässt, wirft einen der Titeltrack gleich ins Zentrum des Geschehens: Hektische Takte, die wie Faustschläge in alle Richtungen ausschlagen und doch mehr als EBM sind, bilden die wuchtige Kulisse für ein männlich-weibliches Duett, bei dem kein vertrautes Nancy und Lee-Feeling mehr aufkommt, und doch schaffen es cinematisch Synthieflächen, die Szene in ein weites nächtliches Panorama zu entrücken.</p>
<p>Das kein Song wie der andere geraten ist, erweist sich als eine der größten Stärken der Platte. Da sind tanzbare Clubtracks wie das bereits vorab veröffentlichte &#8220;Bodyparts in Birdbaths&#8221; mit dem kraftvoll-stoischen Gesang von Lloyd James oder &#8220;Plane Crash People&#8221;, das auch einen stimmungsvollen Pianotrack abgegeben hätte, dessen Eingängigkeit aber irgendwann unter einer Schuttlawine begraben wird. Neben akustisch(er) ausgerichteten Balladen, die mit herausfordernden Texten an Altbekanntes anknüpfen (&#8220;Gangrenous Nebula&#8221;) gibt es heiteren B52s-Postpunk mit Schrammelgitarren und launigen Orgelparts: &#8220;The man who invented Ketchup&#8221; erzählt von der kindlichen Fantasie über den Ursprung der leckeren roten Sauce, ohne die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht dieselbe gewesen wäre, und ist Kurzweil pur. &#8220;Hats off to William Frawley&#8221;, das von der amerikanischen Sitcom <em>I Love Lucy</em> und einer ganzen Affenbande erzählt, gibt der kindlichen Seite des Albums eine berührende Ernsthaftigkeit.</p>
<p>&#8220;Girl, go forth!&#8221; mit seinen groovigen Luftpistolentakten a la The Normal und &#8220;A Seed is Scurrilous&#8221; mit seiner schwindeligen Trunkenheit stehen vielleicht für das schlüpfrige Mysterium der Pubertät, das in Williams Werk bereits das Etikett Pseudo Erotica bekommen hat. In der zweiten Hälfte des Albums treten nach und nach immer mehr schwermütige Motive und auch ein gewisses Grauen in den Vordergrund. Die tolle, an die frühen 80er erinnernde Synthesizermelodie in &#8220;We the ill are not so well&#8221; täuscht nicht darüber hinweg, dass das schleppende Piano und der zäh vorankriechende Gesang von der Hinfälligkeit des Körpers künden. Mag der gothinfizierte Kopfhänger &#8220;Testosterone as Poison?&#8221; noch Schonung bieten, so geht es in den abschließenden Stücken ans Eingemachte bzw um letzte und vorletzte Dinge: Der hörspielhafte Body Horror von &#8220;Throat Wound&#8221; geht in Wirklichkeit kaum stärker an die Substanz wie das anrührend-feierliche &#8220;Eucharist vs. Leukemia&#8221;, dessen Inhalt man aus Respekt nicht kommentieren sollte. Ein diffuses Knarren leitet daraufhin ein besonderes Finale ein, bei dem kein Geringerer als Andrew King mit John Donnes Holy Sonnet &#8220;This is my Play&#8217;s Last scene&#8221; dem Körper Lebewohl sagt und sich ganz der Transzendenz anvertraut. Der ins Grab gebettete Körper gehört nun gewissermaßen zu den &#8220;Things&#8221;, die dem abschließenden Track den Namen gibt, einem lichtdurchfluteten Gegenzoom, der noch einmal alles von Sorrow bis Joy enthält.</p>
<p>Man sollte die Songs auf &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!&#8221; und ihre Reihenfolge freilich nicht überinterpretieren, und doch beschleicht einen am Ende das Gefühl, ein ganzes Leben in all seiner Tragikomik mit seinen freudvollen, neugierigen, leidenden, friedvollen Seiten quer durch alle wichtigen Abschnitte miterlebt zu haben. Was &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!&#8221; dabei merklich fehlt, ist ein einziger Moment der Langeweile. (U.S.)</p>
<p><strong>Vertrieb: <a href="https://www.oldeuropacafe.com/catalog/category/get-me-a-ladder...-get-me-a-ladder-.html">Old Europa Cafe</a></strong><!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_220731_130754_344.sdocx--></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3441564331/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>ROMA AMOR: Miraggio</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Mar 2019 06:14:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/02/romaamormiraggio.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17206" title="romaamormiraggio" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/02/romaamormiraggio-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der Chanson ist am ehesten in dunklen Gassen französischer Altstädte und in zwielichtigen Hafenvierteln mit ihren Bordellen und Kaschemmen zuhause, und am stärksten ist er, wenn er nach Tobak riecht und eine Fuselfahne vor sich herträgt. Der Chanson ist aber auch ein durchaus experimentierfreudiger Zeitgenosse, der sich auch in etwas vornehmeren Cafés zu benehmen weiß, sich dem Jazz und sogar &#8211; man denke nur an den großartigen Leo Ferré &#8211; der Avantgarde anzunähern versteht, und dass er auch eine hippieske Seite hat, ist längst ein offenes Geheimnis.<span id="more-17205"></span></p>
<p>Ferré ist mit seinen italienischen Versionen z.T. ganzer Alben auch ein gutes Beispiel für die Mehrsprachigkeit des Genres, womit man dann auch bei Roma Amor angekommen wäre: Das Duo aus der norditalienischen Emilia Romagna begann im letzten Jahrzehnt populäre italienische, teilweise dialektale Songs des 20. Jahrhunderts in spartanischen Versionen mit Akkordeon, Gesang und Gitarre zu interpretieren und avancierte in Kennerkreisen schnell zu einem etwas DIY-lastigeren Pendant zu Gruppen wie <a href="http://africanpaper.com/2015/05/16/ardecore-vecchia-roma/">Ardecore</a>. Von Beginn an gab es, neben den ohnehin vorhandenen Gemeinsamkeiten beider Traditionen, französische Einflüsse in ihrer Musik, gelegentlich französische Texte und Cover von Jacques Brel und anderen, und mit der Zeit zeichnete sich das Chansonelement immer deutlicher ab.</p>
<p>Auf ihrem jüngst erschienenen sechsten Album &#8220;Miraggio&#8221; haben sie sich wie selten zuvor dem Walzertakt verschrieben und präsentieren elf Songs von Träumen und Wundern, die aber wie so oft an Orten des Verfalls und der sehnsuchtsvollen Einsamkeit entstehen, in öden Zimmern und nächtlichen U-Bahnen, in Hafenspelunken, Stundenhotels und einsamen Herbstszenarien.</p>
<p>Sehnsuchtsvoll und tragisch in den tiefen Versenden und zugleich von einer leidenschaftlichen Kraft beseelt klingen die ersten Verse des in französisch gesungenen Openers, der neben der berührenden Emotionalität auch eine ganz profane Suche auszudrücken scheint, nämlich die nach einer Balance zwischen den simplen, folkigen Sounds der frühen Alben und Konzerte und den elektronischeren und manchmal auch etwas weniger harmonischen Arrangements seit ihrem vor fünf Jahren erschienenen Album <a href="http://africanpaper.com/2014/04/19/roma-amor-on-the-wire/">&#8220;On the Wire&#8221;</a>. Nie schien Harmonie und Disharmonie so versöhnt wie im Zusammenspiel der anrührenden Melodien und gelegentlichen Mandolinenfiguren mit der verrauschten elektronischen Unordnung, die die luftigen Stellen der Musik ausfüllt.</p>
<p>Trotzdem steht Euskis oft etwas heisere Stimme fast immer im Vordergrund, zusammen mit Gitarre oder Akkordeon oder beidem, und in dieser Konstellation arrangieren sich die Hauptzutaten mit hippiesken Handdrums, launigen Mundorgeln, reizintensiven Hintergründen und dem karussellartigen Auf und Ab der Melodien, die auch mal eine orientalische Färbung annehmen können &#8211; ein eher seltenes und meist gewolltes Phänomen in italienischer oder französischer Musik, wohingegen ähnlich geartete griechische Populärmusik, an die mich der instrumentale Titelsong erinnert, seit langem solche Elemente aufweist. Romantik, die Sehnsucht nach dem Besonderen, Unendlichen, die schöne Utopie im Angesicht der Gosse, der versifften Stundenhotels und der vergänglichen Liebelei, die nur dann ewig währen kann, wenn auch im November Mai ist: All dies ist allgegenwärtig in den wunderbaren Songs, unter denen auch zwei Cover &#8211; Édith Piaf&#8217;s &#8220;Les Amants D&#8217;Un Jour&#8221; auf Italienisch als &#8220;Alberge A Ore&#8221; und &#8220;Liebelei&#8221; von Rolf Bauer bzw. Milva &#8211; versteckt sind.</p>
<p>Tolles Album des schönsten Palindroms südlich der Alpen, meiner Ansicht nach ihr stärkstes seit <a href="http://africanpaper.com/2012/03/31/roma-amor-occhi-neri/">&#8220;Occhi Neri&#8221;</a> und vielleicht das, welches die verschiedenen Elemente des Roma Amor-Stils am besten zusammenführt.(U.S.)</p>
<p><strong>Label: Old Europa Cafe / Wrotycz Records</strong></p>
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		<title>DAVID E. WILLIAMS: Trust No Scaffold Built Of This Bone</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Jun 2013 05:27:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[David E. Williams taucht zuverlässig in jedem Dark Folk- und Dark Cabaret-Kanon auf und liegt konsequent quer zu allen Standards solcher Musik. Gleich zweimal das Wort „dark“ in den ersten Satz zu packen war nicht einmal beabsichtigt, aber als allgemeines &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/06/29/david-e-williams-trust-no-scaffold-built-of-this-bone/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/davidewilliamsbrentley.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7158" title="davidewilliamsbrentley" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/davidewilliamsbrentley-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>David E. Williams taucht zuverlässig in jedem Dark Folk- und Dark Cabaret-Kanon auf und liegt konsequent quer zu allen Standards solcher Musik. Gleich zweimal das Wort „dark“ in den ersten Satz zu packen war nicht einmal beabsichtigt, aber als allgemeines Attribut ist es mehr als legitim. Williams ist ein Unikat, will man ihn dennoch charakterisieren, dann vielleicht am ehesten als schwarzgalligen Zwillingsbruder von Daniel Johnston, als idealen Star sämtlicher Houellebecq-Verfilmungen, als liebenswürdig-verbiesterten Anti-Crooner, der einem selbstverliebten<span id="more-7157"></span> Zeitgeist seine verqueren Schlager mit viel Zynismus und Galgenhumor entgegen schleudert. Das de Sade&#8217;sche Spiegelvorhalten, manche mögen es einseitig finden, beherrscht er besser als jede Industrial-Combo, und ich wüsste niemanden aus der Riege, der aus <a href="http://www.youtube.com/watch?v=FUO7tS3KZ_I">dem berüchtigten „General Dada“</a> je eine derart überzeugende Monty Python-Figur gemacht hätte.</p>
<p>Seiner Mischung aus Clownerie und Sarkasmus hat er nie wirklich abgeschworen, ebensowenig seinem ambivalenten Spiel mit Tabus. Dennoch gab es über die Jahre einige Veränderungen: Irgendwann verschwanden die Post Punk-Reste des Frühwerks und ließen den kabarettistischen Elementen vollends das Feld. Auch die Stimmung differenzierte sich aus, und der Bösartigkeit gesellte sich ein ernsthaftes und ebenso anrührendes Moment zur Seite, das typisch für reifere Solowerke ist. Bei Williams fand dies seinen Höhepunkt im Album „Every Missing Duck Is A Duck Missed“, in welchem er die Trauer um seine verstorbene Frau verarbeitete. „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Eutk-lLueWw">Summer Wasn&#8217;t Made for you and me</a>“ war vielleicht sein bis dato bester Song.</p>
<p>Nach vier Jahren ist nun mit „Trust No Scaffold Built Of This Bone“ sein sechster Longplayer erschienen und Williams und seine Mitstreiter sind in Hochform. Es gibt typische Stücke, bei denen man Williams sofort erkennt:„Heats Down the Seeding Missile“ zum Beispiel, bei dem er auf seine unverkennbare Art in die Tasten seines E-Pianos haut, oder das schon von Auftritten her bekannte „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=_uFExTzZWvg">What&#8217;s Your Scene, Jellybean?</a>“ im Duo mit Jane Elisabeth, auch bekannt als Tesco-Jane. Der cartoonige Kleinkunst-Charme des Songs verdankt sich u.a. auch ihrem Gesang, der lange verschüttete Erinnerungen an Singübungen im Schulchor wachruft. Dominanter als zuvor sind die orchestralen Elemente, die meist für angemessenes Melodrama sorgen und besonders erhabene Textstellen akzentuieren, wie z.B. der Auftritt des Weihnachtsmannes bei „A Patch of Fog in Purgatory“. Der lupenreine Torch Song, den Williams und Band aus Wallace Stevens&#8217; „The Emperor of Ice Cream“ gezaubert haben, wäre ohne die herzzerreißende Violine nur ein Schatten seiner selbst.</p>
<p>Neben Jane gibt es weitere Gäste am Mikro, und sie sind es letztlich, die den Gesamteindruck des Albums am stärksten ausdifferenzieren. Lloyd James schmettert einen Song, der aufgrund seines charakteristischen Gesangs auch auf ein Naevus-Album gepasst hätte, und wer dachte, dass nur Helge Schneider und Jello Biafra übers Essen singen können, wird nicht nur hier eines besseren belehrt. Auch Andrew King darf sich nach seiner eigenen Facon austoben: „Relapse“, auf dem er auch sein Harmonium dröhnen lässt, lässt mit sakraler Würde einen besonderen Moment entstehen, was keineswegs mit der Frage steht und fällt, wie viel Selbstironie da mit im Spielt sein mag. Komik der etwas offensichtlicheren Art gibt es reichlich, so singt der Meister zu Polkaklängen auf deutsch über seine Schwester, die Krankenschwester, wie einst Elvis über&#8217;s Städele, und auch das Covergirl Brentley hat seinen Auftritt. Keinem außer Williams würde man einen Song namens „Quackadoodledoo“ nachsehen, weniger tolerant bin ich allerdings bei den Old School-Synthies in „Dashing Harbour“, zu stark sind die Assoziationen zu Karottenjeans, die nicht besser werden, seit manche sie ironisch tragen.</p>
<p>Die Synthieelemente sind vielleicht das offenkundigste Novum, doch „Trust No Scaffold&#8230;“ überzeugt auch und vor allem durch Altbewährtes: durch originelles Songwriting, doppeldeutigen Humor und eine mehr als solide Begleitband, bei der auch Williams&#8217; Langzeit-Kopilot Jerome Deppe nicht fehlen darf. Bleibt zu hoffen, dass Williams nun endlich die lange überfällige Anerkennung auch außerhalb gewisser Szenekreise zukommt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Old Europa Café</strong></p>
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		<title>MACELLERIA MOBILE DI MEZZANOTTE: Hard Boiled Night Club</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Oct 2012 07:06:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/08/mmmhbnc.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5036" title="mmmhbnc" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/08/mmmhbnc-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Selten machen Klischees so großen Spaß wie bei Macelleria Mobile di Mezzanotte, kurz MMM, dem hörspielartigen Musikprojekt des fabulierenden Ganoven Adriano Vincenti. Der Bandname bedeutet „Fleischlieferung um Mitternacht“, und sicher kennt der eine oder andere die Splatternovelle gleichen Namens aus der Feder von Clive Barker, die vor einigen Jahren dann auch verfilmt wurde. Vincentis Musik, die er selbst ganz treffend Crime Jazz oder Swing Noir nennt, schickt den Hörer jedoch gleich noch ein paar Dekaden weiter zurück in die Filmgeschichte – in eine Welt <span id="more-5035"></span>abgedunkelter Hotelzimmer, schäbiger Detektivbüros und verregneter Asphaltstraßen, natürlich in gespenstisches Grau getaucht und mit einem Score unterlegt, der so staubtrocken ist wie die Drinks, die sich Antihelden hinter die Binde kippen, bevor sie ins Gras beißen. Die nächtliche Fleischlieferung scheint eher auf die garantiert nicht harmlose Dame gemünzt, die mit tödlicher Anmut durch einige Songs stöckelt und weitere, noch aufreizendere Lebenszeichen von sich gibt.</p>
<p>Hörspiel, Erzähler – das klingt im Musikbereich immer so ein bisschen nach freundlich, schlau und artsyfartsy, aber auf das schmale Brett kommt bei „Hard Boiled Night Club“ sicher allein schon wegen des Titels keiner. Die Storyline, die hier gelegentlich durch die groovigen Soundscapes und die gedämpften Bläserparts dringt wie durch die Lamellen einer schief hängenden Jalousie, könnte nach Motiven von James Ellroy oder auch Bukowski verfasst sein, durchsetzt mit einigen urbanen Mythen der italienischen Halbwelt. Da ist zum Beispiel die Hommage an das Model Wilma Montesi, dessen Leiche man 1953 in der Nähe von Rom auffand – ihr Fall, in den neben Politikern auch die Schauspielerin Alida Valli („Der dritte Mann“, „Suspiria“) verwickelt war, wurde nie vollends aufgeklärt.</p>
<p>Allgegenwärtig, wenngleich eher im übertragenden Sinne vorhanden, ist eine Stimme, die in einem seltsamen Gefühl irgendwo zwischen trunkenen Selbstmitleid und theatralischer Coolness schwelgt – derangiert und garantiert hochgradig unzuverlässig. Ebenso derangiert die Musik, die im Gegensatz zur kompakten Smoothness etwa von Bohren dilettantisch und fragmentiert wirkt: Ein monotoner Jazzbesen, gerade da zum Einsatz gebracht, wo er nicht perfekt passt. Resignatives Spiel auf einem alten Klimperkasten, bevor sich der Pianist ins Koma gesoffen hat. Der Gesangspart in Form abgründigen Gemurmels, bei dem das Englische auch nicht so wichtig ist. Slapbass im Zeitlupengroove und ein spackiges „Black Rubber Saxophon“, das jede Schöngeisterei, die den verkaterten Phlegmatismus der harten Männer durchbrechen könnte, perfekt umschifft.</p>
<p>Dass die Band ihre Wurzeln im Post-Industrial hat, möchte man fast unterschlagen, schon weil das ganze längst nicht so gothkompatibel ist wie die Songs von Kollege Hellvis, der auf seine Art eine ähnlich nihilistische Sexyness abfeiert – und doch hört man zwischen all dem Groove und all der Angejazztheit auch das heraus. Man mag dabei an die bekannten Kilimanjaro- und Mount Fuji-Ensembles denken, aber meines Erachtens ist dieser existenzialistische Sleaze nach mediterraner Art auch Teil dessen, was einst Novy Svet losgetreten haben, und sei es nur ungewollt mit ein paar Nummern wie „La Razon“ und „Vinkio Due“. Im Vergleich zu den renommierten Denovali-Acts ist die Atmosphäre bei MMM auch eher schwül als kühl.</p>
<p>Soviel auf den letzten Drücker zu einem famosen Album, dessen Nachfolger wohl schon in den Startlöchern steht und hoffentlich ebenso viel Spaß machen wird.</p>
<p><strong>Label: OEC</strong></p>
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		<title>ROMA AMOR: Occhi Neri</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 06:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Duo Roma Amor ist in unseren Breiten noch nicht so richtig bekannt geworden, und trifft man einmal jemanden, der die Gruppe kennt, dann sieht man sich oft mit vorschnell produzierten Fehlinformationen konfrontiert. Euski und Michele kommen weder aus Rom, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/03/31/roma-amor-occhi-neri/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/romaamorocchineri1.jpeg"><img class="alignleft size-full wp-image-4082" title="romaamorocchineri" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/romaamorocchineri1.jpeg" alt="" width="166" height="150" /></a>Das Duo Roma Amor ist in unseren Breiten noch nicht so richtig bekannt geworden, und trifft man einmal jemanden, der die Gruppe kennt, dann sieht man sich oft mit vorschnell produzierten Fehlinformationen konfrontiert. Euski und Michele kommen weder aus Rom, noch hat der Stil der beiden mit Neofolk im engeren Sinne zu tun. Die beiden stammen aus der Region Emilia-Romagna und singen gelegentlich im Dialekt ihres Landstriches. Die Musik, die sie spielen, ist eine italienische Ausprägung des klassischen Torch Song. Bisweilen auch lupenreiner Chanson.<span id="more-4080"></span></p>
<p>Man könnte es sich leicht machen bei der Beschreibung ihrer Musik, denn die Songs sind gewollt einfach gestrickt, zumindest was ihre vordergründige Gestalt betrifft. Eine stimmungsvolle Quetschkommode und die klassische Zupfgitarre bilden das Hauptinstrumentarium, das nur an ausgewählten Stellen durch diverse Perkussions- oder Streichinstrumente bereichert wird. Auch Euskis Stimme ist stets eingängig, aber zugleich verweigert sich ihr Gesang jeder leichten Kategorisierung – ihr oft heißer klingendes Alt versprüht eine sanfte Wärme, und ist doch an vielen Stellen verraucht und herb, und schon deshalb passt ihre Musik, die die beiden in größeren Abständen auf die Bühne bringen, auch nicht an allzu gestylte Aufführungsorte. Roma Amor spielen eine Musik für leicht verwahrloste Kaschemmen, in denen der Staub auf den Gläsern und die vergilbten Porträts an den Wänden nur für unkreative Geister Obsoletheit offenbaren. Will das rote Licht, dass da aufblinkt, mich gerade vor der Retrokitsch-Falle warnen? Na dann soll es das mal, denn es gibt diese Fälle, bei denen das nicht stört und man nur „aber ja“ skandieren möchte.</p>
<p>Ihre Rückgriffe auf Vergangenes zeigen zugleich die Vielfalt dessen, was sich hinter Walzertakt und schlichter Melodie verbirgt: Italofolk der 60er, der große Jacques Brel und Musiker wie Émile Carrara. Auch die sogenannte Weltmusik von Ochtopus, Stilfremdes wie die Synthie Popper Japan und nicht zuletzt die autoerotischen Shanties des jungen Marc Almond. All dies sind Inspirationsquellen, zu denen die beiden sich offen bekennen, denn um eine spontane Coverversion als Konzertzugabe sind sie niemals verlegen. Dass bei ihren Shows gerne Ausschnitte aus Pupi Avatis „The House of the Laughing Windows“, dem wohl einzigen neorealistischen Giallo, gezeigt werden, symbolisiert ihren Platz zwischen allen Stühlen vielleicht am besten, und dass Michele mit seinen früheren Bands Dogs in Space und Homoplastik in der italienischen Punk- und Grindcoreszene unterwegs war, ist noch mal ein ganz anderes Kapitel.</p>
<p>Mit „Occhi Neri“ bringen die beiden gerade ihr drittes Studioalbum heraus – eine Sammlung von insgesamt zwölf Chansons in italienischer und französischer Sprache, die vom Instrumentarium her noch reduzierter wirken als die Songs auf dem letzten Longplayer „Femmina“ und alle eine Stimmung evozieren, die gekonnt die Balance zwischen derb und schmachtvoll aufrecht erhält. Der in Italienisch gesungene Titelsong erfüllt dieses Anliegen gleich perfekt, mit leidenschaftlicher Sehnsucht und nicht ohne eine desolate Note beizumischen besingt Euski die schwarzen Augen als (nicht vollends obskures) Objekt der Begierde, begleitet von sinnlich aufreizendem Kastagnettengeklapper. Micheles Gitarrenpicking ruft zu Beginn Erinnerungen an Charles Aznavours „La Mamma“ wach.</p>
<p>Es ist nicht das einzige Stück, das direkt aus den Sechzigern stammen könnte, auch das Nouvelle Vague-Feeling im schlicht &#8220;Mon Amour&#8221; betitelten Song versetzt den Hörer in das Paris einer interessanteren Zeit, als an der Saine das Kino, die Philosophie und einmal mehr der Chanson erneuert wurde. Gegen Ende wird das Stück immer ekstatischer und exaltierter, und dass hier ein berühmter Flame Pate gestanden haben könnte, erwähne ich nur am Rande. Der Märchenwalzer „Le Coeur Au Chaud“ präsentiert mit seinen traurigen Harmonien so etwas wie die Kehrseite dieser Euphorie und verweist (je nach Assoziation) vielleicht sogar auf eine noch ältere, vormoderne Zeit. Mein Französisch hat über die Jahre stark gelitten, aber ein heißes Herz, dass sich gerne mal mit einem Glas Bier abkühlt scheint in dem Text der anrührenden Ballade eine besondere Rolle zu spielen. Verbindendes Element ist stets das strömende Akkordeon, das immer wieder wie ein breiter Pinselstrich das Tableau durchzieht.</p>
<p>Im Unterschied zu Vorgängeralbum, das sich unterschiedlichen Frauenbildern im Italien des 20. Jh. widmete, bleibt „Occhi Neri“ thematisch offener. Das Liebesmotiv hält die Platte als vages Konzept zusammen, ebenso sehr die ungefähr gleiche Verteilung der beiden Sprachen. „A Te Che Mi Vinci“ und „Disertore“ erfassen die Liebe auf eine sehr italiensiche Art, leidenschaftlicher Freudentaumel im einen Stück wird im anderen durch einen etwas abgeklärteren (aber ebenso feierlichen) Ton geerdet. Ein ähnliches Kontrastbild auf Französisch erschaffen das getragene „Melancholie“ und das aufwühlende „Elle Est Seule“. Im letzten Drittel der Platte gibt es Momente, die das europäische Klangbild transzendieren und dezente Latinoelemente einbeziehen – was jedoch auf einen kulturellen Veredelungsvorgang referiert, der sich irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jh. wie selbstverständlich vollzog – es ist die Passgenauigkeit, die einen Charles Aznavour und Astrud Gilberto in einem Atemzug nennen lässt, oder eben Paolo Conte und Astor Piezolla.</p>
<p>Freilich, Spötter hätten bei solcher Musik einmal mehr die heiß ersehnte Chance, ein Unkenkonzert anzustimmen – Retro, Vintage, Nostalgiepop, Eskapismus sind Begriffe, die es hageln könnte, wenn man vorschnellen Abtuern das Feld überlässt. Natürlich produziert die Retroindustrie viel musealen Schrott, der von Ideenarmut zeugt. Viele Künstler jedoch tragen auf kreative Art dazu bei, dass die Errungenschaften vergangener Musikströmungen nicht nur hinter Glas betrachtet werden müssen, sondern weiterleben und im besten Fall in ganz neue Bereiche führen. Neben großen Namen wie Little Annie und Marc Almond sollte im Buch des Torch Song, des Chanson und des dunklen Cabaret auch ein Platz für Roma Amor reserviert sein.</p>
<p><strong>Label: OEC</strong></p>
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