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	<title>African Paper &#187; OEC</title>
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		<title>DAVID E. WILLIAMS: Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2022 02:09:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man sollte sparsam umgehen mit Begriffen wie Opus magnum im Zusammenhang mit Neuerscheinungen altgedienter Musiker, denn man kann nie wissen, was die Zukunft noch an Überraschungen bereithält. Im Falle von David E. Williams&#8217; &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2022/08/06/david-e-williams-get-me-a-ladder-get-me-a-ladder/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/07/fotor_1659265513429.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-30749" title="fotor_1659265513429" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/07/fotor_1659265513429-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Man sollte sparsam umgehen mit Begriffen wie Opus magnum im Zusammenhang mit Neuerscheinungen altgedienter Musiker, denn man kann nie wissen, was die Zukunft noch an Überraschungen bereithält. Im Falle von David E. Williams&#8217; &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!&#8221; ist die Versuchung allerdings groß, denn es handelt sich bei diesem Album – so viel vorweg – um einen ganz großen Wurf.<span id="more-30748"></span></p>
<p>Zählt man kleinere Tape-Releases dazu, dann ist Williams bereits seit über 30 Jahren auf dem musikalischen Parkett präsent, und seine klassischen Alben enthalten eine interessante Mixtur aus Death Rock-Downern, launigen Polka-Stücken und Klavierballaden im Cabaret-Stil. Atmosphärisch rangieren die darauf enthaltenen Songs zwischen einer bizarren Herzigkeit, die an Daniel Johnston in seinen besten Momenten heranreicht, derber Exploitation und einer Schwarzgalligkeit, wegen der Michel Houellebecq eigentlich sein größter Fan sein müsste. Zu den frühen Highlights zählt das treibende &#8220;Pumpernickel Crust&#8221; mit seiner stilvollen Klezmerklarinette. Aufgrund persönlicher Freundschaften wurde zunächst die Neofolk- und Industrial-Gemeinde auf ihn aufmerksam, mit der ihn rein musikalisch gar nicht einmal so viel verband.</p>
<p>Die bereits in den vergangenen Jahren zu beobachtende Hinwendung zu mehr Synthesizer-Einsatz wird auf dem aktuellen Album endgültig zum zentralen stilprägenden Element und entpuppt sich als z.T. beinahe brachiale Elektronik. Nach einem spannungsgeladenen Intro, das wie eine mit unruhiger Kamera inspizierte abgedunkelte Szenerie Zwiespältiges erwarten lässt, wirft einen der Titeltrack gleich ins Zentrum des Geschehens: Hektische Takte, die wie Faustschläge in alle Richtungen ausschlagen und doch mehr als EBM sind, bilden die wuchtige Kulisse für ein männlich-weibliches Duett, bei dem kein vertrautes Nancy und Lee-Feeling mehr aufkommt, und doch schaffen es cinematisch Synthieflächen, die Szene in ein weites nächtliches Panorama zu entrücken.</p>
<p>Das kein Song wie der andere geraten ist, erweist sich als eine der größten Stärken der Platte. Da sind tanzbare Clubtracks wie das bereits vorab veröffentlichte &#8220;Bodyparts in Birdbaths&#8221; mit dem kraftvoll-stoischen Gesang von Lloyd James oder &#8220;Plane Crash People&#8221;, das auch einen stimmungsvollen Pianotrack abgegeben hätte, dessen Eingängigkeit aber irgendwann unter einer Schuttlawine begraben wird. Neben akustisch(er) ausgerichteten Balladen, die mit herausfordernden Texten an Altbekanntes anknüpfen (&#8220;Gangrenous Nebula&#8221;) gibt es heiteren B52s-Postpunk mit Schrammelgitarren und launigen Orgelparts: &#8220;The man who invented Ketchup&#8221; erzählt von der kindlichen Fantasie über den Ursprung der leckeren roten Sauce, ohne die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht dieselbe gewesen wäre, und ist Kurzweil pur. &#8220;Hats off to William Frawley&#8221;, das von der amerikanischen Sitcom <em>I Love Lucy</em> und einer ganzen Affenbande erzählt, gibt der kindlichen Seite des Albums eine berührende Ernsthaftigkeit.</p>
<p>&#8220;Girl, go forth!&#8221; mit seinen groovigen Luftpistolentakten a la The Normal und &#8220;A Seed is Scurrilous&#8221; mit seiner schwindeligen Trunkenheit stehen vielleicht für das schlüpfrige Mysterium der Pubertät, das in Williams Werk bereits das Etikett Pseudo Erotica bekommen hat. In der zweiten Hälfte des Albums treten nach und nach immer mehr schwermütige Motive und auch ein gewisses Grauen in den Vordergrund. Die tolle, an die frühen 80er erinnernde Synthesizermelodie in &#8220;We the ill are not so well&#8221; täuscht nicht darüber hinweg, dass das schleppende Piano und der zäh vorankriechende Gesang von der Hinfälligkeit des Körpers künden. Mag der gothinfizierte Kopfhänger &#8220;Testosterone as Poison?&#8221; noch Schonung bieten, so geht es in den abschließenden Stücken ans Eingemachte bzw um letzte und vorletzte Dinge: Der hörspielhafte Body Horror von &#8220;Throat Wound&#8221; geht in Wirklichkeit kaum stärker an die Substanz wie das anrührend-feierliche &#8220;Eucharist vs. Leukemia&#8221;, dessen Inhalt man aus Respekt nicht kommentieren sollte. Ein diffuses Knarren leitet daraufhin ein besonderes Finale ein, bei dem kein Geringerer als Andrew King mit John Donnes Holy Sonnet &#8220;This is my Play&#8217;s Last scene&#8221; dem Körper Lebewohl sagt und sich ganz der Transzendenz anvertraut. Der ins Grab gebettete Körper gehört nun gewissermaßen zu den &#8220;Things&#8221;, die dem abschließenden Track den Namen gibt, einem lichtdurchfluteten Gegenzoom, der noch einmal alles von Sorrow bis Joy enthält.</p>
<p>Man sollte die Songs auf &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!&#8221; und ihre Reihenfolge freilich nicht überinterpretieren, und doch beschleicht einen am Ende das Gefühl, ein ganzes Leben in all seiner Tragikomik mit seinen freudvollen, neugierigen, leidenden, friedvollen Seiten quer durch alle wichtigen Abschnitte miterlebt zu haben. Was &#8220;Get me a Ladder&#8230; Get me a Ladder!&#8221; dabei merklich fehlt, ist ein einziger Moment der Langeweile. (U.S.)</p>
<p><strong>Vertrieb: <a href="https://www.oldeuropacafe.com/catalog/category/get-me-a-ladder...-get-me-a-ladder-.html">Old Europa Cafe</a></strong><!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_220731_130754_344.sdocx--></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3441564331/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>ROMA AMOR: Miraggio</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Mar 2019 06:14:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Chanson ist am ehesten in dunklen Gassen französischer Altstädte und in zwielichtigen Hafenvierteln mit ihren Bordellen und Kaschemmen zuhause, und am stärksten ist er, wenn er nach Tobak riecht und eine Fuselfahne vor sich herträgt. Der Chanson ist aber &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/03/16/roma-amor-miraggio/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/02/romaamormiraggio.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17206" title="romaamormiraggio" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/02/romaamormiraggio-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der Chanson ist am ehesten in dunklen Gassen französischer Altstädte und in zwielichtigen Hafenvierteln mit ihren Bordellen und Kaschemmen zuhause, und am stärksten ist er, wenn er nach Tobak riecht und eine Fuselfahne vor sich herträgt. Der Chanson ist aber auch ein durchaus experimentierfreudiger Zeitgenosse, der sich auch in etwas vornehmeren Cafés zu benehmen weiß, sich dem Jazz und sogar &#8211; man denke nur an den großartigen Leo Ferré &#8211; der Avantgarde anzunähern versteht, und dass er auch eine hippieske Seite hat, ist längst ein offenes Geheimnis.<span id="more-17205"></span></p>
<p>Ferré ist mit seinen italienischen Versionen z.T. ganzer Alben auch ein gutes Beispiel für die Mehrsprachigkeit des Genres, womit man dann auch bei Roma Amor angekommen wäre: Das Duo aus der norditalienischen Emilia Romagna begann im letzten Jahrzehnt populäre italienische, teilweise dialektale Songs des 20. Jahrhunderts in spartanischen Versionen mit Akkordeon, Gesang und Gitarre zu interpretieren und avancierte in Kennerkreisen schnell zu einem etwas DIY-lastigeren Pendant zu Gruppen wie <a href="http://africanpaper.com/2015/05/16/ardecore-vecchia-roma/">Ardecore</a>. Von Beginn an gab es, neben den ohnehin vorhandenen Gemeinsamkeiten beider Traditionen, französische Einflüsse in ihrer Musik, gelegentlich französische Texte und Cover von Jacques Brel und anderen, und mit der Zeit zeichnete sich das Chansonelement immer deutlicher ab.</p>
<p>Auf ihrem jüngst erschienenen sechsten Album &#8220;Miraggio&#8221; haben sie sich wie selten zuvor dem Walzertakt verschrieben und präsentieren elf Songs von Träumen und Wundern, die aber wie so oft an Orten des Verfalls und der sehnsuchtsvollen Einsamkeit entstehen, in öden Zimmern und nächtlichen U-Bahnen, in Hafenspelunken, Stundenhotels und einsamen Herbstszenarien.</p>
<p>Sehnsuchtsvoll und tragisch in den tiefen Versenden und zugleich von einer leidenschaftlichen Kraft beseelt klingen die ersten Verse des in französisch gesungenen Openers, der neben der berührenden Emotionalität auch eine ganz profane Suche auszudrücken scheint, nämlich die nach einer Balance zwischen den simplen, folkigen Sounds der frühen Alben und Konzerte und den elektronischeren und manchmal auch etwas weniger harmonischen Arrangements seit ihrem vor fünf Jahren erschienenen Album <a href="http://africanpaper.com/2014/04/19/roma-amor-on-the-wire/">&#8220;On the Wire&#8221;</a>. Nie schien Harmonie und Disharmonie so versöhnt wie im Zusammenspiel der anrührenden Melodien und gelegentlichen Mandolinenfiguren mit der verrauschten elektronischen Unordnung, die die luftigen Stellen der Musik ausfüllt.</p>
<p>Trotzdem steht Euskis oft etwas heisere Stimme fast immer im Vordergrund, zusammen mit Gitarre oder Akkordeon oder beidem, und in dieser Konstellation arrangieren sich die Hauptzutaten mit hippiesken Handdrums, launigen Mundorgeln, reizintensiven Hintergründen und dem karussellartigen Auf und Ab der Melodien, die auch mal eine orientalische Färbung annehmen können &#8211; ein eher seltenes und meist gewolltes Phänomen in italienischer oder französischer Musik, wohingegen ähnlich geartete griechische Populärmusik, an die mich der instrumentale Titelsong erinnert, seit langem solche Elemente aufweist. Romantik, die Sehnsucht nach dem Besonderen, Unendlichen, die schöne Utopie im Angesicht der Gosse, der versifften Stundenhotels und der vergänglichen Liebelei, die nur dann ewig währen kann, wenn auch im November Mai ist: All dies ist allgegenwärtig in den wunderbaren Songs, unter denen auch zwei Cover &#8211; Édith Piaf&#8217;s &#8220;Les Amants D&#8217;Un Jour&#8221; auf Italienisch als &#8220;Alberge A Ore&#8221; und &#8220;Liebelei&#8221; von Rolf Bauer bzw. Milva &#8211; versteckt sind.</p>
<p>Tolles Album des schönsten Palindroms südlich der Alpen, meiner Ansicht nach ihr stärkstes seit <a href="http://africanpaper.com/2012/03/31/roma-amor-occhi-neri/">&#8220;Occhi Neri&#8221;</a> und vielleicht das, welches die verschiedenen Elemente des Roma Amor-Stils am besten zusammenführt.(U.S.)</p>
<p><strong>Label: Old Europa Cafe / Wrotycz Records</strong></p>
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		<title>DAVID E. WILLIAMS: Trust No Scaffold Built Of This Bone</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Jun 2013 05:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[David E. Williams taucht zuverlässig in jedem Dark Folk- und Dark Cabaret-Kanon auf und liegt konsequent quer zu allen Standards solcher Musik. Gleich zweimal das Wort „dark“ in den ersten Satz zu packen war nicht einmal beabsichtigt, aber als allgemeines &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/06/29/david-e-williams-trust-no-scaffold-built-of-this-bone/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/davidewilliamsbrentley.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7158" title="davidewilliamsbrentley" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/davidewilliamsbrentley-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>David E. Williams taucht zuverlässig in jedem Dark Folk- und Dark Cabaret-Kanon auf und liegt konsequent quer zu allen Standards solcher Musik. Gleich zweimal das Wort „dark“ in den ersten Satz zu packen war nicht einmal beabsichtigt, aber als allgemeines Attribut ist es mehr als legitim. Williams ist ein Unikat, will man ihn dennoch charakterisieren, dann vielleicht am ehesten als schwarzgalligen Zwillingsbruder von Daniel Johnston, als idealen Star sämtlicher Houellebecq-Verfilmungen, als liebenswürdig-verbiesterten Anti-Crooner, der einem selbstverliebten<span id="more-7157"></span> Zeitgeist seine verqueren Schlager mit viel Zynismus und Galgenhumor entgegen schleudert. Das de Sade&#8217;sche Spiegelvorhalten, manche mögen es einseitig finden, beherrscht er besser als jede Industrial-Combo, und ich wüsste niemanden aus der Riege, der aus <a href="http://www.youtube.com/watch?v=FUO7tS3KZ_I">dem berüchtigten „General Dada“</a> je eine derart überzeugende Monty Python-Figur gemacht hätte.</p>
<p>Seiner Mischung aus Clownerie und Sarkasmus hat er nie wirklich abgeschworen, ebensowenig seinem ambivalenten Spiel mit Tabus. Dennoch gab es über die Jahre einige Veränderungen: Irgendwann verschwanden die Post Punk-Reste des Frühwerks und ließen den kabarettistischen Elementen vollends das Feld. Auch die Stimmung differenzierte sich aus, und der Bösartigkeit gesellte sich ein ernsthaftes und ebenso anrührendes Moment zur Seite, das typisch für reifere Solowerke ist. Bei Williams fand dies seinen Höhepunkt im Album „Every Missing Duck Is A Duck Missed“, in welchem er die Trauer um seine verstorbene Frau verarbeitete. „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Eutk-lLueWw">Summer Wasn&#8217;t Made for you and me</a>“ war vielleicht sein bis dato bester Song.</p>
<p>Nach vier Jahren ist nun mit „Trust No Scaffold Built Of This Bone“ sein sechster Longplayer erschienen und Williams und seine Mitstreiter sind in Hochform. Es gibt typische Stücke, bei denen man Williams sofort erkennt:„Heats Down the Seeding Missile“ zum Beispiel, bei dem er auf seine unverkennbare Art in die Tasten seines E-Pianos haut, oder das schon von Auftritten her bekannte „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=_uFExTzZWvg">What&#8217;s Your Scene, Jellybean?</a>“ im Duo mit Jane Elisabeth, auch bekannt als Tesco-Jane. Der cartoonige Kleinkunst-Charme des Songs verdankt sich u.a. auch ihrem Gesang, der lange verschüttete Erinnerungen an Singübungen im Schulchor wachruft. Dominanter als zuvor sind die orchestralen Elemente, die meist für angemessenes Melodrama sorgen und besonders erhabene Textstellen akzentuieren, wie z.B. der Auftritt des Weihnachtsmannes bei „A Patch of Fog in Purgatory“. Der lupenreine Torch Song, den Williams und Band aus Wallace Stevens&#8217; „The Emperor of Ice Cream“ gezaubert haben, wäre ohne die herzzerreißende Violine nur ein Schatten seiner selbst.</p>
<p>Neben Jane gibt es weitere Gäste am Mikro, und sie sind es letztlich, die den Gesamteindruck des Albums am stärksten ausdifferenzieren. Lloyd James schmettert einen Song, der aufgrund seines charakteristischen Gesangs auch auf ein Naevus-Album gepasst hätte, und wer dachte, dass nur Helge Schneider und Jello Biafra übers Essen singen können, wird nicht nur hier eines besseren belehrt. Auch Andrew King darf sich nach seiner eigenen Facon austoben: „Relapse“, auf dem er auch sein Harmonium dröhnen lässt, lässt mit sakraler Würde einen besonderen Moment entstehen, was keineswegs mit der Frage steht und fällt, wie viel Selbstironie da mit im Spielt sein mag. Komik der etwas offensichtlicheren Art gibt es reichlich, so singt der Meister zu Polkaklängen auf deutsch über seine Schwester, die Krankenschwester, wie einst Elvis über&#8217;s Städele, und auch das Covergirl Brentley hat seinen Auftritt. Keinem außer Williams würde man einen Song namens „Quackadoodledoo“ nachsehen, weniger tolerant bin ich allerdings bei den Old School-Synthies in „Dashing Harbour“, zu stark sind die Assoziationen zu Karottenjeans, die nicht besser werden, seit manche sie ironisch tragen.</p>
<p>Die Synthieelemente sind vielleicht das offenkundigste Novum, doch „Trust No Scaffold&#8230;“ überzeugt auch und vor allem durch Altbewährtes: durch originelles Songwriting, doppeldeutigen Humor und eine mehr als solide Begleitband, bei der auch Williams&#8217; Langzeit-Kopilot Jerome Deppe nicht fehlen darf. Bleibt zu hoffen, dass Williams nun endlich die lange überfällige Anerkennung auch außerhalb gewisser Szenekreise zukommt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Old Europa Café</strong></p>
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		<title>I feel free to create without superstructure. Interview with Marcello Fraioli a.k.a. Spectre</title>
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		<pubDate>Mon, 20 May 2013 11:27:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In every cultural sphere, the figures that operate in an elusive manner and, on the surface, appear contradictory, usually happen to be the most intriguing. Naturally, such modus operandi can easily turn out to be a scam&#8211;inconsistencies can be contrived and &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/05/20/i-feel-free-to-create-without-superstructure-interview-with-marcello-fraioli-a-k-a-spectre/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/ggfraioli.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7051" title="ggfraioli" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/ggfraioli-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In every cultural sphere, the figures that operate in an elusive manner and, on the surface, appear contradictory, usually happen to be the most intriguing. Naturally, such modus operandi can easily turn out to be a scam&#8211;inconsistencies can be contrived and nothing is more tiresome than a forced, pretentious ambivalence. Furthermore, such ambiguity can be a mere symptom of a helpless inability to find and establish one&#8217;s artistic identity. There are those types of characters, and then there are personalities such as Spectre. Marcello Fraioli aka Spectre mainly evokes two associations: some confuse him with his American namesake, known for his sinister dub experiments; those who are in the know, however, immediately think of Ain Soph, probably the most renowned band in which Marcello has ever been involved. Considering the traditionalist themes in many releases of Ain Soph, one might be surprised to discover Fraioli’s love for all sorts of things that are distinctly modern. Spectre’s passion for contemporary art and urban rock/pop culture, embodied in his solo works, does not manifest itself as a resigned designation to ride the tiger of modernity, something that one must harness and come to terms with. In his unembellished manner, Fraioli gave us a little insight into his artistic biography and intrigued us with some interesting announcements.</strong></p>
<p><em><strong>You are active both in the field of music and visual arts (such as painting and video). What can you tell our readers about your beginnings and your first creative endeavours?</strong></em></p>
<p>I began displaying my visual works in public in the end of 80&#8242;s the early 90’s, mostly in collective exhibitions. I also realized personal performances, set design for movies and large scale paintings, like scenery for concerts. Then I began using computers for multimedia, computer graphic, animation and video editing. Since the early 80&#8242;s I played in several bands, some of them formed by me: I realized many recordings produced by independent labels, and sometimes self-productions, and I am still doing it. I consider music and visual arts (painting performances, video art) as two parallel ways that often cross each other, becoming one.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/spectre3456-202x300.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-7047" title="spectre3456-202x300" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/spectre3456-202x300.jpg" alt="" width="202" height="300" /></a>What kind of pop or counter cultural climate was there in Rome, as you started? Have you been involved in the early punk or industrial scenes and what kinds of memories do you have?</strong></em></p>
<p>I start playing since I was a kid. My aim was to follow the path of my musical idols, Lou Reed, the Velvet Underground, and then 60&#8242;s/70&#8242;s psychedelic, garage, punk, new wave, experimental music, minimalism and also classical and renaissance music. As it may have happened with many musicians, it started for fun and then become an important activity.</p>
<p><em><strong>I read that you have a sort of academic education as an artist. How would you describe the good and bad experiences of such a start?</strong></em></p>
<p>I remember many positive experiences, I&#8217;m fond of the memories. I liked being part of the artistic milieu, seeing and organizing exhibitions, conferences and so on. There was a nice atmosphere, we all wanted to break art&#8217;s institutional boundaries: we founded operative groups for performances, installations, action painting&#8230; then things changed as years pass on and on and dreams grow weak when you have to cope with the harsh necessities of everyday living.</p>
<p><em><strong>Today, the term &#8220;experimental&#8221; is used quite much to stress the unconventional nature of an artistic work, maybe a bit too often. Do you regard your music and art as an act of experimentation?</strong></em></p>
<p>In my opinion art is, first of all, an experiment of new languages, or trying to modify a traditional language. I always wanted go through in this direction, both in music and in visual arts: the experimental mode, avant-garde, underground. I always tried to work and design that way.</p>
<p><em><strong>Do you see your visual and music activities as something separate, or more as two sides of the same creative endeavour?</strong></em></p>
<p>I think I freed myself from this division. I mean, of course visual and music are different because they live on different formats and use different materials, but as I said before, I don&#8217;t consider the division as absolute. I like to combine music and visuals for my concerts, video projections or live painting.</p>
<p>„<em><strong>Mantra Voluntatis“ and „10 Pezzi Facili“ are probably your major music works of recent years. As they are very song based and we don&#8217;t understand most lyrics – are there any concepts behind these albums, and what can you tell us about their background and how they developed?</strong></em></p>
<p>These are not concept albums, but they represent my style, the choice of specific sounds and arrangements, existential lyrics or citations from other authors. Each song lives for its own, it&#8217;s like a holography of the whole album: it contains the elements that made the overall style and it concatenates itself with other songs.</p>
<p><em><strong>What are the desires and impulses, that usually inspire you to write and to record music?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/frai7184700_7839935_n-300x225.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7046" title="frai7184700_7839935_n-300x225" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/frai7184700_7839935_n-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>A lot of<strong> </strong>desires and they are so different&#8230; most of them came from my deep moods and emotions, and also from external factors as well, both positive and negative, that give me creative inputs and push me to play, in studio or live. I love audience which listen and appreciate my music, and quite often I give them my cd as a gift when I go to some musical or art events.</p>
<p><em><strong>Are there any particular works, of which you are especially proud, maybe a favourite song or something like this?</strong></em></p>
<p>There are songs I prefer to others, the ones that came better off with composition and arrangements, or are better recorded. When a track come out as I thought it should be it gives me great personal satisfaction.</p>
<p><em><strong>Seems you have a faible for adaptating songs and lyrics on your records. How did these songs (for instance by Edoardo de Angelis, Serge Gainsbourg or John Barry) find their way on the albums? Are they rather hommages, or is there a certain story in the albums, where they fit into?</strong></em></p>
<p>I always liked doing covers of famous and less famous songs. I enjoy rearrange or modify songs I like or songs I listened during my childhood from records bought by my parents: I&#8217;d like to consider cover songs as a tribute to my musical idols from my childhood to present.</p>
<p><em><strong>With „Gli Amanti Tristi“ and „Datemi Pace“ there are also former Ain Soph songs on them. Has this to do with a certain autobiographical or retrospective character of the albums, or what was the reason for reinterpreting them?</strong></em></p>
<p>As I said before I have a lot of creative fun in reinventing songs. But it&#8217;s also a way to review and correct some songs I wrote and performed with Ain Soph (band), representing them with some variations and a kind of exercises in style.</p>
<p><em><strong>Your „L&#8217;Avvelenata“ interpretation is one of my favourite songs, I love the adventurous mood in the song and the video. As we and many of our readers don&#8217;t understand Italian: What is the song about, and what was your personal intention by covering it?</strong></em></p>
<p>“L&#8217;Avvelenata” is an old hit of the Italian songwriter Francesco Guccini. The lyrics represent argue against the public image of the “good” songwriter, who should respect the canons of costume and market and should not tread on the toes of politicians or middle class values. Guccini criticizes all of them: journalists, fellow musicians, priests, politicians, record labels&#8230; this song is a protest which I agree with because I experienced by myself that this is the way things are working out when an artist try to be himself.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/l_918f22868943acdd468d0d64f434ba14-213x300.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-7045" title="l_918f22868943acdd468d0d64f434ba14-213x300" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/l_918f22868943acdd468d0d64f434ba14-213x300.jpg" alt="" width="213" height="300" /></a>It seems that you enjoy a lot of rock and pop culture of earlier decades, so for instance the sixties and the seventies. What is it that fascinates you so much in this periods of the 20th century? And in that context, how enthusiastic or frustrated are you about rock and pop culture of today?</strong></em></p>
<p>I like every kind of music. I think there are many interesting bands in several musical genres, from rock to electronic. I&#8217;m open mind to listen everything, and I like to see a lot of concerts I can admit that my favorite genre remains 60&#8242;s and 70&#8242;s beat and psychedelic, experimental rock, especially the Velvet Underground, but I also like ancient music from middle age and renaissance, as well as contemporary and minimalism.</p>
<p><em><strong>As you are also a great Andy Warhol fan, would you agree with his statement that „all is beautiful“?</strong></em></p>
<p>I was fascinated for a long time by Andy Wahrol. I used one of his texts to compose two tracks which included in album “ Mantra Voluntatis”. I&#8217;m intrigued by the deep superficiality that spring out by watching his works and studying his texts. “everything is beautiful” is a typical statement of his philosophy. Anyway I disagree with this statement. Not everything is beautiful. There are beautiful things and ugly things. Beauty can&#8217;t exist without ugliness and vice-versa.</p>
<p><em><strong>Today, the pop art of Warhol, Lichtenstein and all these artists has gained a somehow nostalgic aura, and I think today&#8217;s people love this kind of art for different reasons than in the time when they were new. What do you see as the great achievements of this movement? Do you think consume and commerce of nowadays could also bring about such artists, who point out it&#8217;s beauty?</strong></em></p>
<p>Pop art was a revolutionary art movement. The artists you named, active between the 60&#8242;s and the 80&#8242;s, were a sort of pioneers. They prophesy by painting the serial reproduction: silk screen printing will be replaced by color laser printing, 16 mm movies would become the video clips of today. They have foreseen the future. But art can always invent something new.</p>
<p><em><strong>In our impression, your works as a solo musician have the aura of the counter cultural side of urban life. Would you agree, and do you see yourself as sort of an urban type? Could you imagine another place than Rome for you to live?</strong></em></p>
<p>Yes, I live in the city. My work exists in a metropolitan context. Life in the city, in the streets, in the bars, in the clubs: it&#8217;s from such kind of context that the stories for my songs or the subjects for my visual works come from. I like live in Rome, but I&#8217;d like also to experience life in even larger cities as London, Berlin or New York. Nevertheless I am fond of nature, of the country. I&#8217;m fond of any kind of animal.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/l_2dea15d1acf94387bc7a544e224a1ab3-300x225.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7044" title="l_2dea15d1acf94387bc7a544e224a1ab3-300x225" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/l_2dea15d1acf94387bc7a544e224a1ab3-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Which are the achievments of modern life(style), that the person Marcello Fraioli didn&#8217;t want to be without?</strong></em></p>
<p>I try to stay up to date with information technology and hi tech digital devices to record music or video. I often buy and trade musical instruments, guitars, synthetizers and other devices. Technology is very important to me, but as I said before living in harmony with nature and respecting the environment as much as possible it&#8217;s very important to me.</p>
<p><em><strong>On first sight, this „rock and pop“ side of Spectre seems contradictory to many former works of your band Ain Soph, which have a traditionalist and sometimes occult attitude. Apart from the fact that Ain Soph did rock music later on, would you regard this as two sides of the same coin? Or has it more to do with different periods of your world view and aesthetics?</strong></em></p>
<p>I feel free to create without superstructures. I firmly believe this is the right way to make art. One should not necessarily follow trends or self-label himself. I would like to point out that Ain Soph never disbanded. We re-released “Ottobre” with an unpublished track recorded in 2008. Our work is a continue research: we start from the esoteric traditionalism and we move through neofolk, then hard rock and psychedelic. At the moment we are working on a new album to be released soon with Old Europa Café.</p>
<p><em><strong>Have you ever met people who were surprised or even irritated by the fact, that you create music that is far away from the so called ritual or traditional folk music?</strong></em></p>
<p>I couldn&#8217;t care less about that. People who appreciate my music should be respected, and I feel free to move ahead with my research.</p>
<p><em><strong>You had performed in London recently, with Circus Joy as well as solo. What can you tell us about the shows and your time there? Which musicians assist you on stage in the Spectre show?</strong></em></p>
<p>London is a beautiful city. Everytime I go there to play I try to explore it as much as I can. Our concert went very well, we played on a boat moored to the port. The concert was organized by Klarita, a dear roman friend of us who lives and works in London for a long time now. We enjoyed a lot playing with many friends and fans. It was a beautiful evening and we will surely repeat it.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/spectrelondon1-300x227.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-7043" title="spectrelondon1-300x227" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/spectrelondon1-300x227.jpg" alt="" width="300" height="227" /></a>You play in a number of music groups, and most of them perform or record after great intervals. Is there still a sort of „band feeling“ with regular meetings and the feeling of friendship and togetherness in Ain Soph or Circus Joy? How important are such things for you, when you cooperate with others?</strong></em></p>
<p>First of all we are all good friends. This is important to be creative in the best conditions and to experiment together. It may happen that sometimes someone don&#8217;t get along so well with the others, or that someone split to create a new group more close to his current artistic inclinations, but this is just right and normal. Our activity is very far from the market necessities that dictates that you have to produce an album every year or two. We took all the time we need with respect to our personal evolution and research. Luckily we don&#8217;t have contractual obligations.</p>
<p><em><strong>Were Babbo Nasale and Space Alliance rather temporary projects, or do they still exist?</strong></em></p>
<p>Babbo Nasale were a band which played popular Christmas songs punk style. We played just for fun and only during Christmas festivities. We stopped in 2004. Space Alliance is a “spatial” music project I created with a friend of mine trumpeter dibpt. Space Alliance navigate the space continuum of musical genres: from electronic to kraut-rock, from psychedelic to minimal and surf. Our first release, some years ago, was titled “Space Alliance volume 2” because the first one was lost in space and who know if we will find it again. Anyway Space Alliance is a free project, we will work on it again for sure when we feel like it.</p>
<p><em><strong>As to the nearer future, are you more the spontaneous person, or do you have particular plans for what comes next? Do you already think about new albums?</strong></em></p>
<p>There are many projects. The new Ain Soph album, and the new Circus Joy one. As for Spectre, I am working on cover songs as I always wanted to play. For now I only publish them on my youtube channel and then on facebook. In 2012 I&#8217;d like to release a new album of original Spectre songs. Last year I produced Claudedi&#8217;s album “Claudedi e nemici” (Claudedi and enemies). This year I am working on the artistic production of the first album of THX, a member of Ain Soph.</p>
<p align="JUSTIFY">(U.S.)</p>
<p align="JUSTIFY">Translation: Polina Eliseeva, Luca Boccianti</p>
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		<title>MACELLERIA MOBILE DI MEZZANOTTE: Hard Boiled Night Club</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Oct 2012 07:06:13 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/08/mmmhbnc.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5036" title="mmmhbnc" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/08/mmmhbnc-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Selten machen Klischees so großen Spaß wie bei Macelleria Mobile di Mezzanotte, kurz MMM, dem hörspielartigen Musikprojekt des fabulierenden Ganoven Adriano Vincenti. Der Bandname bedeutet „Fleischlieferung um Mitternacht“, und sicher kennt der eine oder andere die Splatternovelle gleichen Namens aus der Feder von Clive Barker, die vor einigen Jahren dann auch verfilmt wurde. Vincentis Musik, die er selbst ganz treffend Crime Jazz oder Swing Noir nennt, schickt den Hörer jedoch gleich noch ein paar Dekaden weiter zurück in die Filmgeschichte – in eine Welt <span id="more-5035"></span>abgedunkelter Hotelzimmer, schäbiger Detektivbüros und verregneter Asphaltstraßen, natürlich in gespenstisches Grau getaucht und mit einem Score unterlegt, der so staubtrocken ist wie die Drinks, die sich Antihelden hinter die Binde kippen, bevor sie ins Gras beißen. Die nächtliche Fleischlieferung scheint eher auf die garantiert nicht harmlose Dame gemünzt, die mit tödlicher Anmut durch einige Songs stöckelt und weitere, noch aufreizendere Lebenszeichen von sich gibt.</p>
<p>Hörspiel, Erzähler – das klingt im Musikbereich immer so ein bisschen nach freundlich, schlau und artsyfartsy, aber auf das schmale Brett kommt bei „Hard Boiled Night Club“ sicher allein schon wegen des Titels keiner. Die Storyline, die hier gelegentlich durch die groovigen Soundscapes und die gedämpften Bläserparts dringt wie durch die Lamellen einer schief hängenden Jalousie, könnte nach Motiven von James Ellroy oder auch Bukowski verfasst sein, durchsetzt mit einigen urbanen Mythen der italienischen Halbwelt. Da ist zum Beispiel die Hommage an das Model Wilma Montesi, dessen Leiche man 1953 in der Nähe von Rom auffand – ihr Fall, in den neben Politikern auch die Schauspielerin Alida Valli („Der dritte Mann“, „Suspiria“) verwickelt war, wurde nie vollends aufgeklärt.</p>
<p>Allgegenwärtig, wenngleich eher im übertragenden Sinne vorhanden, ist eine Stimme, die in einem seltsamen Gefühl irgendwo zwischen trunkenen Selbstmitleid und theatralischer Coolness schwelgt – derangiert und garantiert hochgradig unzuverlässig. Ebenso derangiert die Musik, die im Gegensatz zur kompakten Smoothness etwa von Bohren dilettantisch und fragmentiert wirkt: Ein monotoner Jazzbesen, gerade da zum Einsatz gebracht, wo er nicht perfekt passt. Resignatives Spiel auf einem alten Klimperkasten, bevor sich der Pianist ins Koma gesoffen hat. Der Gesangspart in Form abgründigen Gemurmels, bei dem das Englische auch nicht so wichtig ist. Slapbass im Zeitlupengroove und ein spackiges „Black Rubber Saxophon“, das jede Schöngeisterei, die den verkaterten Phlegmatismus der harten Männer durchbrechen könnte, perfekt umschifft.</p>
<p>Dass die Band ihre Wurzeln im Post-Industrial hat, möchte man fast unterschlagen, schon weil das ganze längst nicht so gothkompatibel ist wie die Songs von Kollege Hellvis, der auf seine Art eine ähnlich nihilistische Sexyness abfeiert – und doch hört man zwischen all dem Groove und all der Angejazztheit auch das heraus. Man mag dabei an die bekannten Kilimanjaro- und Mount Fuji-Ensembles denken, aber meines Erachtens ist dieser existenzialistische Sleaze nach mediterraner Art auch Teil dessen, was einst Novy Svet losgetreten haben, und sei es nur ungewollt mit ein paar Nummern wie „La Razon“ und „Vinkio Due“. Im Vergleich zu den renommierten Denovali-Acts ist die Atmosphäre bei MMM auch eher schwül als kühl.</p>
<p>Soviel auf den letzten Drücker zu einem famosen Album, dessen Nachfolger wohl schon in den Startlöchern steht und hoffentlich ebenso viel Spaß machen wird.</p>
<p><strong>Label: OEC</strong></p>
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		<title>ROMA AMOR: Occhi Neri</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 06:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Duo Roma Amor ist in unseren Breiten noch nicht so richtig bekannt geworden, und trifft man einmal jemanden, der die Gruppe kennt, dann sieht man sich oft mit vorschnell produzierten Fehlinformationen konfrontiert. Euski und Michele kommen weder aus Rom, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/03/31/roma-amor-occhi-neri/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/romaamorocchineri1.jpeg"><img class="alignleft size-full wp-image-4082" title="romaamorocchineri" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/romaamorocchineri1.jpeg" alt="" width="166" height="150" /></a>Das Duo Roma Amor ist in unseren Breiten noch nicht so richtig bekannt geworden, und trifft man einmal jemanden, der die Gruppe kennt, dann sieht man sich oft mit vorschnell produzierten Fehlinformationen konfrontiert. Euski und Michele kommen weder aus Rom, noch hat der Stil der beiden mit Neofolk im engeren Sinne zu tun. Die beiden stammen aus der Region Emilia-Romagna und singen gelegentlich im Dialekt ihres Landstriches. Die Musik, die sie spielen, ist eine italienische Ausprägung des klassischen Torch Song. Bisweilen auch lupenreiner Chanson.<span id="more-4080"></span></p>
<p>Man könnte es sich leicht machen bei der Beschreibung ihrer Musik, denn die Songs sind gewollt einfach gestrickt, zumindest was ihre vordergründige Gestalt betrifft. Eine stimmungsvolle Quetschkommode und die klassische Zupfgitarre bilden das Hauptinstrumentarium, das nur an ausgewählten Stellen durch diverse Perkussions- oder Streichinstrumente bereichert wird. Auch Euskis Stimme ist stets eingängig, aber zugleich verweigert sich ihr Gesang jeder leichten Kategorisierung – ihr oft heißer klingendes Alt versprüht eine sanfte Wärme, und ist doch an vielen Stellen verraucht und herb, und schon deshalb passt ihre Musik, die die beiden in größeren Abständen auf die Bühne bringen, auch nicht an allzu gestylte Aufführungsorte. Roma Amor spielen eine Musik für leicht verwahrloste Kaschemmen, in denen der Staub auf den Gläsern und die vergilbten Porträts an den Wänden nur für unkreative Geister Obsoletheit offenbaren. Will das rote Licht, dass da aufblinkt, mich gerade vor der Retrokitsch-Falle warnen? Na dann soll es das mal, denn es gibt diese Fälle, bei denen das nicht stört und man nur „aber ja“ skandieren möchte.</p>
<p>Ihre Rückgriffe auf Vergangenes zeigen zugleich die Vielfalt dessen, was sich hinter Walzertakt und schlichter Melodie verbirgt: Italofolk der 60er, der große Jacques Brel und Musiker wie Émile Carrara. Auch die sogenannte Weltmusik von Ochtopus, Stilfremdes wie die Synthie Popper Japan und nicht zuletzt die autoerotischen Shanties des jungen Marc Almond. All dies sind Inspirationsquellen, zu denen die beiden sich offen bekennen, denn um eine spontane Coverversion als Konzertzugabe sind sie niemals verlegen. Dass bei ihren Shows gerne Ausschnitte aus Pupi Avatis „The House of the Laughing Windows“, dem wohl einzigen neorealistischen Giallo, gezeigt werden, symbolisiert ihren Platz zwischen allen Stühlen vielleicht am besten, und dass Michele mit seinen früheren Bands Dogs in Space und Homoplastik in der italienischen Punk- und Grindcoreszene unterwegs war, ist noch mal ein ganz anderes Kapitel.</p>
<p>Mit „Occhi Neri“ bringen die beiden gerade ihr drittes Studioalbum heraus – eine Sammlung von insgesamt zwölf Chansons in italienischer und französischer Sprache, die vom Instrumentarium her noch reduzierter wirken als die Songs auf dem letzten Longplayer „Femmina“ und alle eine Stimmung evozieren, die gekonnt die Balance zwischen derb und schmachtvoll aufrecht erhält. Der in Italienisch gesungene Titelsong erfüllt dieses Anliegen gleich perfekt, mit leidenschaftlicher Sehnsucht und nicht ohne eine desolate Note beizumischen besingt Euski die schwarzen Augen als (nicht vollends obskures) Objekt der Begierde, begleitet von sinnlich aufreizendem Kastagnettengeklapper. Micheles Gitarrenpicking ruft zu Beginn Erinnerungen an Charles Aznavours „La Mamma“ wach.</p>
<p>Es ist nicht das einzige Stück, das direkt aus den Sechzigern stammen könnte, auch das Nouvelle Vague-Feeling im schlicht &#8220;Mon Amour&#8221; betitelten Song versetzt den Hörer in das Paris einer interessanteren Zeit, als an der Saine das Kino, die Philosophie und einmal mehr der Chanson erneuert wurde. Gegen Ende wird das Stück immer ekstatischer und exaltierter, und dass hier ein berühmter Flame Pate gestanden haben könnte, erwähne ich nur am Rande. Der Märchenwalzer „Le Coeur Au Chaud“ präsentiert mit seinen traurigen Harmonien so etwas wie die Kehrseite dieser Euphorie und verweist (je nach Assoziation) vielleicht sogar auf eine noch ältere, vormoderne Zeit. Mein Französisch hat über die Jahre stark gelitten, aber ein heißes Herz, dass sich gerne mal mit einem Glas Bier abkühlt scheint in dem Text der anrührenden Ballade eine besondere Rolle zu spielen. Verbindendes Element ist stets das strömende Akkordeon, das immer wieder wie ein breiter Pinselstrich das Tableau durchzieht.</p>
<p>Im Unterschied zu Vorgängeralbum, das sich unterschiedlichen Frauenbildern im Italien des 20. Jh. widmete, bleibt „Occhi Neri“ thematisch offener. Das Liebesmotiv hält die Platte als vages Konzept zusammen, ebenso sehr die ungefähr gleiche Verteilung der beiden Sprachen. „A Te Che Mi Vinci“ und „Disertore“ erfassen die Liebe auf eine sehr italiensiche Art, leidenschaftlicher Freudentaumel im einen Stück wird im anderen durch einen etwas abgeklärteren (aber ebenso feierlichen) Ton geerdet. Ein ähnliches Kontrastbild auf Französisch erschaffen das getragene „Melancholie“ und das aufwühlende „Elle Est Seule“. Im letzten Drittel der Platte gibt es Momente, die das europäische Klangbild transzendieren und dezente Latinoelemente einbeziehen – was jedoch auf einen kulturellen Veredelungsvorgang referiert, der sich irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jh. wie selbstverständlich vollzog – es ist die Passgenauigkeit, die einen Charles Aznavour und Astrud Gilberto in einem Atemzug nennen lässt, oder eben Paolo Conte und Astor Piezolla.</p>
<p>Freilich, Spötter hätten bei solcher Musik einmal mehr die heiß ersehnte Chance, ein Unkenkonzert anzustimmen – Retro, Vintage, Nostalgiepop, Eskapismus sind Begriffe, die es hageln könnte, wenn man vorschnellen Abtuern das Feld überlässt. Natürlich produziert die Retroindustrie viel musealen Schrott, der von Ideenarmut zeugt. Viele Künstler jedoch tragen auf kreative Art dazu bei, dass die Errungenschaften vergangener Musikströmungen nicht nur hinter Glas betrachtet werden müssen, sondern weiterleben und im besten Fall in ganz neue Bereiche führen. Neben großen Namen wie Little Annie und Marc Almond sollte im Buch des Torch Song, des Chanson und des dunklen Cabaret auch ein Platz für Roma Amor reserviert sein.</p>
<p><strong>Label: OEC</strong></p>
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