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	<title>African Paper &#187; Play It Again Sam</title>
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		<title>LIZ GREEN: Haul Away!</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jun 2014 05:28:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Liz Green]]></category>
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		<description><![CDATA[Liz Green gehört zu denjenigen Folksängerinnen, die vor ihrer &#8220;Entdeckung&#8221; ein reges subkulturelles Vorleben weit unterhalb der Wahrnehmungsgrenze derjenigen führten, die sich zum Bescheidwissen über musikalische Zeitgeschichte berufen fühlen. Als die Experten für die Spitzen von Eisbergen gerade mit dem &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/06/28/liz-green-haul-away/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/04/lizgreenhausaway.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8622" title="lizgreenhausaway" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/04/lizgreenhausaway-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Liz Green gehört zu denjenigen Folksängerinnen, die vor ihrer &#8220;Entdeckung&#8221; ein reges subkulturelles Vorleben weit unterhalb der Wahrnehmungsgrenze derjenigen führten, die sich zum Bescheidwissen über musikalische Zeitgeschichte berufen fühlen. Als die Experten für die Spitzen von Eisbergen gerade mit dem Ende des Weird Folk beschäftigt waren, spielte Liz Green zahlreiche Konzerte in Wohnzimmern und kleinen Bars, wo zur Bezahlung der Hut herumging, kleine DIY-Releases entstanden ohne PR und Management. In diesen Jahren entstand ein üppiger Erfahrungs- und Songfundus, aus dem die Künstlerin nun in ihrer <span id="more-8621"></span>professionellen Phase ausgiebig schöpfen kann. Keine Frage also, dass nach &#8220;O, Devotion!&#8221; längst ein zweites Album in den Regalen steht.</p>
<p>Wirkte &#8220;O, Devotion!&#8221; zum Teil noch wie eine Sammlung von etwas heterogenem Songmaterial, so erscheint &#8220;Haul Away!&#8221; um einiges stimmiger arrangiert. Das heißt keinesfalls, dass die Stücke alle aus einem Guss sind oder gar stilistisch eindimensional wären. Der Grundcharakter ihrer Musik, die reizvolle Mixtur aus Folk-, Ragtime- und Chansoneinflüssen verteilt sich auch diesmal recht ungleichmäßig über die elf Stücke. Es gibt recht urtümliche, traditionelle Songs wie &#8220;Battle&#8221; mit seiner klassischen Folkmelodie und dem unbegleiteten, intim wirkenden Banjospiel. Aber auch weniger luftig arrangierte Momente, die an beschwingte Musik aus dem frühen 20. Jahrhundert erinnern, kommen zum Zug, manche Songs könnten auf einer normalen Swingplatte enthalten sein (&#8220;Island Song&#8221;), richtig opulent dagegen wird es bei den melodramatischen Chansons, die urig (&#8220;Little I&#8221;) oder mit einer gewissen Glasur (&#8220;Rybka&#8221;) daher kommen können. Woran es wohl liegt, dass die Songs insgesamt doch eine Einheit zu bilden scheinen? An den Übergängen, durch die die Stücke so passgenau angeordnet sind? An der gleichmäßigen Durchmischung beschwingter und getragener Nummern und dem ausgewogenen Verhältnis von europäischen und amerikanischen Spielweisen? An dem nostalgisch anmutenden Begleitwerk wie Tuba, Saxophon, Jazzbesen und eben Banjo, das jeden Song wie ein Echo aus dem Geogian Age klingen lässt?</p>
<p>Sicher von all dem etwas, doch v.a. fällt eine schwermütige Grundstimmung auf, ein schon stimmlich-melodisches Künden vom Zuendegehen, das auch in den Texten widerhallt, wenn es um den Tod einer Sprache oder um den Verfall alter Theaterhäuser geht. Diese sanfte Melancholie ist auch in den Zwischentönen der beschwingteren Songs zu vernehmen, leise und hintergründig, und so entsteht z.B. in dem endorphingeschwängerten  &#8220;Empty Handed Blues&#8221; jenes bittersüße Stimmungsgemisch, das man mittlerweile als eines der Markenzeihen von Liz Green betrachten muss.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Label: PIAS</strong></p>
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		<title>BOHREN &amp; DER CLUB OF GORE: Piano Nights</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jan 2014 03:40:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bohren & Der Club Of Gore]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Zeitalter der Retromanie, das testcard schon in den 90ern ausrief, brachte neben anderen Stilblüten auch das Phänomen der radikalen Drosselung hervor, bei der der Zugriff auf historische Musikstile in Zeitlupe erfolgt, was beim fertigen Resultat dann meist sehr cool &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/01/24/bohren-der-club-of-gore-piano-nights/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/01/bohrenpianonights.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8184" title="bohrenpianonights" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/01/bohrenpianonights-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das Zeitalter der Retromanie, das testcard schon in den 90ern ausrief, brachte neben anderen Stilblüten auch das Phänomen der radikalen Drosselung hervor, bei der der Zugriff auf historische Musikstile in Zeitlupe erfolgt, was beim fertigen Resultat dann meist sehr cool und trocken klingt. Nicht wenige Hardcore-Kapellen mutierten im Zuge dessen zu Doom-Acts, und dass man nahezu jede Musikart durch Langsamkeit dekonstruieren kann, bewiesen mehr noch als die Herunterpitcher der Witch House-Fraktion die italienischen Surfrocker Heroin In Tahiti, die wie Link Wray auf Benzos klingen. Es gibt in dem Kontext keinen wichtigeren Namen als Bohren &amp; der Club of Gore, die gerne als<span id="more-8183"></span> die langsamste Jazzcombo der Welt bezeichnet werden, und bei deren Songs man, einem anderen Klischee zufolge, zwischen jedem Taktschlag einen Espresso kippen kann.</p>
<p>Die Wurzeln des Mühlheimer Quartetts liegen im Hard- und Grindcore ebenso wie in der nerdigen Leidenschaft für Genrefilme aus besseren Zeiten. Was sie selbst, neben ihren stilvollen Klanggebilden, in die Welt gesetzt haben, ist die Grundsteinlegung des sogenannten Doomjazz, den viele (vielleicht nicht ganz zu Unrecht) als genregewordene Hommage an zwei Nummern Angelo Badalamentis betrachten. Ich weiß nicht, ob man hier Freuds Theorie des Unheimlichen aus der Kiste kramen muss, aber die besondere Stärke der Band war stets die stimmige Zusammenführung unbehaglicher Düsternis und anheimelnder Entspanntheit. Etwas vereinfachend könnte man die abgründige Seite den ambienten Klangflächen und dem coolen Bassspiel zuordnen, während Mellotron, Vibrafon, Fender Rhodes und mittlerweile auch ein klassischer Konzertflügel für den wohligen, betont kitschigen Gegenpart sorgen. Verknüpft wird dies dann durch den breiten Pinselstrich eines gedämpften Saxophons, der in allen fatalistischen Farben schillert. Auch in den anspielungsreichen Songtiteln wechselt sich smooth und scary in staubtrockener Ironie miteinander ab. Man nennt das Ganze dann Protestsongs gegen die Teilnahmslosigkeit.</p>
<p>Der jüngst erschienene Longplayer &#8220;Piano Nights&#8221; spielt im Großen und Ganzen auf dieser vertrauten Klaviatur, wobei der (diesmal eher schmusig anmutende) Titel schon der Tatsache Rechnung trägt, dass das besagte Gegensatzpaar in den letzten Jahren zugunsten des Schönen etwas aus der Balance geraten ist. „Im Rauch“, der erste von neun Downern, lässt vertraute Bilder entstehen, die hallunterlegte Keyboardfläche ist so heimelig-unheimlich wie eine nächtliche Spazierfaht über den Mulholland Drive, und spätestens wenn sich der Jazzbesen und die Brass Section dazugesellen, stellt sich mir einmal mehr die Frage, weshalb so viele in Bohrens Musik etwas Negatives, Deprimierendes heraushören wollen, aber vielleicht haben sie zu den ultraentspannenden Klängen ja nur das Falsche geraucht. In der Folge wechseln sich molllastige, dick aufgetragene Bläsernummern („Fahr zur Hölle“) ab mit derangierten Momenten („Verloren(Alles)“), aber auch mit verspieltem Phlegmatismus („Bei Rosarotem Licht“), der für Momente fast Züge herkömmlicher Barmusik annehmen kann („Irrwege“). Am hervorstechendsten ist „Segeln Ohne Wind“, bei dem die Musik auch schon mal lauter und rauer wird, fast könnte man „dynamisch“ sagen, klänge das bei Bohren nicht so absurd.</p>
<p>Und das Piano – ist tatsächlich ab und an zu hören, fügt sich allerdings recht nahtlos wie alle anderen Ingredienzien ins musikalische Gesamtbild ein. Ebenso trocken wie Bohren selbst zu Werke gehen, sollte man also feststellen, dass auch fünf Jahre nach „Dolores“ und drei Jahre nach „Beileid“ alles Wesentliche beim Alten geblieben ist, und dass das in Ordnung geht.</p>
<p>A. Kaudaht</p>
<p><strong>Label: PIAS</strong></p>
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		<title>THESE NEW PURITANS: Fields of Reeds</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jun 2013 06:15:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Elisa Rodrigues]]></category>
		<category><![CDATA[Henry Lauder]]></category>
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		<description><![CDATA[Puritanisch waren These New Puritans nie, ganz gleich, ob man darunter Stilpurismus oder unterkühlte Reduktion versteht. In der Folge ihrer zweiten Platte „Hidden“ galten die vier Engländer eine zeitlang als die Shootingstars des – ja, des was eigentlich? Dass gerade &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/06/15/these-new-puritans-fields-of-reeds/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/thesenewpuritansfieldofreeds.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7179" title="thesenewpuritansfieldofreeds" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/thesenewpuritansfieldofreeds-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Puritanisch waren These New Puritans nie, ganz gleich, ob man darunter Stilpurismus oder unterkühlte Reduktion versteht. In der Folge ihrer zweiten Platte „Hidden“ galten die vier Engländer eine zeitlang als die Shootingstars des – ja, des was eigentlich? Dass gerade die gute alte Punk&#8217;n'Wave-Zeit wieder hochleben durfte kam ihnen gerade recht, auch wenn sie von den gängigen Stereotypen weit entfernt waren. Neoklassiche Elemente sind im Pop immer mal angesagt, nur die Art und Weise ändert sich stetig, und auch in der Hinsicht war das Quartett um die Barnett-Brüder keines Geistes Kind und passte umso besser auf die nicht festgelegte Agenda kurz vor<span id="more-7178"></span> dem Startschuss für Chill Wave und Co, von deren Anhängerschaft sie ebenfalls gebührend wahrgenommen wurden. These New Puritans sind in vieler Hinsicht eine singuläre Erscheinung und kaum Bestandteil von etwas größerem, auch die Teilnahme am Geburtstagsfestival des umtriebigen David Tibet, wozu anschließend kaum mehr ein Wort verloren wurde, wirkte irgendwie konstruiert.</p>
<p>Auch von der Klangfülle her passen TNP viel eher in die opulente Welt marmorner Konzertsäle als in jede calvinistische Bretterbude. Wer mit der etwas schöngeistigeren Seite der Minimal Music klar kommt (also eher Glass und Nymen als Reich und Young) und zugleich auf gestylte Elektronik mit Raum für Poesie steht, war bei den Puritans an der richtigen Adresse. Auf „Fields of Reeds“ erkennt man sie vielleicht nicht sofort, mit der Zeit jedoch stellt sich umso mehr heraus, dass all die bekannten Elemente erhalten geblieben sind. Alles wurde nur neu durchmischt, und vieles ist subtiler. Die orchestrale Wucht des Vorgängers ist einem kammermusikalischen Klangbild gewichen, der elektronische Bombast überlässt das Feld über weite Strecken dem Klavier. Setzen die Drums ein, meint man hier und da dem Auftakt eines grundanständigen Indie-Songs bezuwohnen. Sowohl die wuchtigeren, als auch die schrägen Elemente werden punktuell eingesetzt und akzentuieren besondere Momente, dabei wirken Bläsereinsätze, primär vertreten durch den neuen Trompeter Henry Lauder, fast wie entspannte Lounge-Beigaben. Stellenweise musste ich sogar an Campbell Finleys Beitrag zu Death in June denken. Elektronik hat diesmal primär die Funktion des Verfremdens und Konterkarierens, gerne wird mit der Stimme gespielt, was bisweilen irritieren kann. Ist der Gesang merkwürdig gedoppelt, oder bildet er eher eine Dissonanz mit anderen Sounds? Man wird sich vielleicht nicht einig, denn der Song ist in steter Bewegung und längst ganz woanders.</p>
<p>Auch entgrenzte, turbulente Augenblicke haben Raum, oft bilden sie die Höhepunkte der Stücke, die sukzessive angesteuert werden. Dies kann in Form der wenigen Noisemomente geschehen oder durch furioses Hämmern auf die Klaviertasten. Neben dem Trompeter ist Sängerin Elisa Rodrigues als weiterer Neuzugang zu verzeichnen. Ihre ursprüngliche Heimat ist der portugiesische Fado und klassischer Jazzgesang, was sich im Gesamtbild als interessanter, warm klingender Kontrapunkt erweist, auch wenn ihre Stimme meist die hinteren Bereiche ausfüllt. Hauptvocalist ist nach wie vor Jack Barnett, der diesemal anscheinend eine Art müdes Nuscheln als Stilmittel des Intimen entdeckt hat. Das mag in geringer Dosierung ganz gut funktionieren, und irgendwelche Thom Yorke- oder Rufus Wainwright-Vergleiche sollte man sich verbitten. Aber ein bisschen nervt es auf Dauer schon.</p>
<p>These New Puritans spielen 2013 Musik für&#8217;s Wohnzimmer, oder besser: für&#8217;s lufitig-loftige Appartment, eingerichtet mit einem kunstvoll minimalistischen Mobiliar, auf dem man es sich aber auch bequem machen kann, denn von frostigem Puritanismus kann keine Rede sein. In vielerlei Hinsicht sind sie sich aber auch sehr treu geblieben – aufgeräumt, spontan und vielseitig wie immer, auch so verliebt in die Repetition wie eh und je.</p>
<p><strong>Label: PIAS</strong></p>
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		<title>DEAD CAN DANCE: Anastasis</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jul 2012 07:18:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Brendan Perry]]></category>
		<category><![CDATA[Dead Can Dance]]></category>
		<category><![CDATA[Lisa Gerrard]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Nachricht von der Wiederbelebung Dead Can Dance&#8217; erreichte viele Fans sicher zu einem Zeitpunkt, als man sich längst damit abgefunden hatte, einer mittlerweile klassisch gewordenen Formation aus einer anderen Zeit die Treue zu halten &#8211; einer Band, die sich &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/07/27/dead-can-dance-anastasis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/07/dcdanastasis.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4856" title="dcdanastasis" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/07/dcdanastasis-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Nachricht von der Wiederbelebung Dead Can Dance&#8217; erreichte viele Fans sicher zu einem Zeitpunkt, als man sich längst damit abgefunden hatte, einer mittlerweile klassisch gewordenen Formation aus einer anderen Zeit die Treue zu halten &#8211; einer Band, die sich bestenfalls alle Schaltjahre für retrospektive Konzerttourneen reformiert. Tatsächlich planten Lisa Gerard und Brendan Perry schon vor ein paar Jahren eine Reunion, die nach einer ausgiebigen Tour dann doch nicht stattfand, da die Musiker sich konzeptuell wohl nicht einig wurden. Nach zahlreichen <span id="more-4855"></span>Kollaborationen und Soloarbeiten, in denen sich die beiden Hauptakteure als Filmmusiker und als Singer Songwriter bewähren konnten, steht nun nach 15 Jahren endlich der Nachfolger ihres Albums &#8220;Spiritchaser&#8221; in den Regalen.</p>
<p>Wie sehr ist der Idee nun zu trauen? &#8220;Spiritchaser&#8221; stieß seinerzeit auf gemischte Reaktionen &#8211; nicht nur, weil es sich in seiner musikalischen Substanz gegen die in den Jahren zuvor geschaffenen Werke wie &#8220;Into The Labyrinth&#8221; und den Konzertmitschnitt &#8220;Towards The Within&#8221; (für Fans beinahe ein konzeptuelles Manifest der Band) nur mäßig behaupten konnte. Es hatte in den Augen vieler auch eine zu starke Schlagseite auf der tribalistisch-archaischen Seite des Bandkosmos, zuungunsten der eher sakralen, „abendländischen“ Seite ihrer Musik. Früheren Werken wie &#8220;Within the Realm of a Dying Sun&#8221; nachtrauernd suchten einige ihren Ersatz bei Gruppen wie Arcana, welche die Gothic- und Fantasy-Aspekte betonten, die sich im Werk Gerards und Perrys stets eher zufällig fanden. Eher übersehen wurden Künstler wie Ronan Quays, deren Weg entlang der Fußstapfen der Australier bei allem Nacheifern zumindest weniger trivial vonstatten ging. Dead Can Dance könnten nun eine ganze Reihe von Fehlern begehen. Sie könnten wieder eine ihrer beiden Hauptseiten betonen, auch könnten sie bei dem Versuch, an den letzten Stand der Dinge anzuknüpfen, etwas schaffen, dass zu sehr in den 90ern verhaftet ist. Die Vorstellung, dass das Gegenteil der Fall ist, dass die Musiker nach anderthalb Jahrzehnten mit einem derart großen Bruch aufwarten, dass man nur noch schwer den Bezug zu früher erkennt, ist fast noch naheliegender. Das Schöne an &#8220;Anastasis&#8221; ist, dass sich all diese Bedenken schon in den ersten Minuten als unberechtigt erweisen.</p>
<p>Inhaltlich – d.h. sowohl lyrisch als auch bezogen auf die musikalische Attitüde – sollte „Anastasis“ nichts für diejenigen sein, die sich unabhängig ihres genauen weltanschaulichen Standpunktes kein positiv konnotiertes Außerhalb eines von Ratio und Zivilisationsaspekten geprägten Raumes vorstellen können, denn von einer solchen Warte aus betrachtet muss vieles an dem Album regressiv erscheinen. Die spirituell grundierte Beschwörung eines maritimen Lebensursprungs, gar das Begehren, zu diesem Ursprung, zu „our ancestral home“ zurück zu kehren, gibt dem epischen Opener „Children of the Sun“ eine idyllische Note, die viele dank des „guten Sounds“ vermutlich nur als Gratiseskapismus für die Feierabendmuse zu konsumieren wissen. C.G. Jung-Leser indes könnten sich mit Ethnologiebegeisterten darauf einigen, dass der Song mit seinen feierlichen Bläsern und den fast jazzigen Snaredrums eine ernsthaftere Aufbruchstimmung verbreitet, auch wenn man sich an einigen Textstellen etwas weniger Hippiepathos gewünscht hätte – schließlich wurde die „vorübergehende Rückkehr ins Formlose, der eine neue Schöpfung, ein neues Leben oder ein &#8216;neuer Mensch&#8217; folgen“ (Eliade) bereits auf das Niveau eines „Klümpchen[s] Schleim in einem warmen Moor“ herunter gebrochen und dabei nicht weniger eindringlich beschworen.</p>
<p>Bei „Anastasis“ ist vieles in Balance: Die männlichen und weiblichen Gesangsbeiträge, die an ausgewählten Stellen gekonnt in einander verwoben werden. Die Tendenz zum Song und der Hang zur reinen Lautpoesie. Die klassischen und die weltmusikalischen Bauformen. Letztlich auch vertrautes und neues. Novum, wenngleich kein demonstratives, ist eine hell klingende Blechperkussion, die in mehreren Songs vorkommt und den Kunstcharakter, das re-inszeniert Archaische, offenlegt. In Form ungewöhnlicher Rhythmen und mit Hall unterlegt interagiert sie mit Handclaps und diversen Feldaufnahmen, bis traditionelle Instrumente mediterraner oder orientalischer Herkunft hinzukommen. Selten gerät die Musik allzu bekömmlich, und wenn, dann scheint es gewollt: In „Opium“ feiert Perry die Erinnerung an ein (inneres) Paradies und veranschaulicht, wie nah verschiedene Grenzerfahrungen einander sind, mögen sie nun dem Rausch, der Psychose oder der religiösen Ekstase zugehören. Das sublime „Agape“, von Celloklängen und Lisas Gesang geprägt, ist über jede Betulichkeit erhaben. Es gibt auch beinahe harte, fatalistische Momente, wie im dezent rockigen „Amnesia“, das den unfreien, oft mediengesteuerten Verlauf (kollektiver) Erinnerungsprozesse kritisiert.</p>
<p>Dead Can Dance haben das wichtigste ihrer Musik in die Jetztzeit herüber gerettet: Ihre (sub-)tropische Atmosphäre, ihren virtuosen Multiinstrumentalismus und ihre kompositorische Stärke. Einige werden „Anastasis“ gewiss als reaktionäres Hippiewerk abtun. Dies nicht einmal zu Unrecht, aber das muss nichts per se schlechtes heißen. Ich wünsche der Band für ihren jetzigen Karriereabschnitt eine etwas ungruftigere Rezeption, die der Vielseitigkeit der vermeintlichen „Neoklassik“-Band gerecht wird.</p>
<p><strong>Label: PIAS</strong></p>
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		<title>It&#8217;s Nice To Make Things. Ein Gespräch mit Liz Green</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 10:14:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Humble Soul]]></category>
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		<category><![CDATA[Woodland Recordings]]></category>

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		<description><![CDATA[Wäre Liz Green ein halbes Jahrzehnt früher auf der medialen Bildfläche erschienen, dann wäre ihr Name sicher noch mehr durch aller Munde gegangen als es nun nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums &#8220;O, Devotion!&#8221; der Fall ist. Damals nämlich hatten &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/04/14/its-nice-to-make-things-ein-gesprach-mit-liz-green/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4228" title="lizgreen1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wäre Liz Green ein halbes Jahrzehnt früher auf der medialen Bildfläche erschienen, dann wäre ihr Name sicher noch mehr durch aller Munde gegangen als es nun nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums &#8220;O, Devotion!&#8221; der Fall ist. Damals nämlich hatten akustische Klänge folkloristischer Grundierung gerade Hochkonjunktur &#8211; vorzugsweise wenn sie über eine gewisse Schrägheit und ihre Erzeuger über einen deutlich erkennbaren Außenseitergestus verfügten. Von diesen Modephänomenen hätte sie nicht nur profitiert, sie hätte die ganze Bewegung auch bereichert. Zum einen, weil sie Engländerin ist, was in dem doch sehr amerikanisch geprägten Folk 2.0 selten war. Zum anderen aber auch, <span id="more-4173"></span>weil sie eine bislang unbekannte Note beigegeben hätte: Ihre Durchmischung britischer Trockenheit mit der Beschwingtheit amerikanischer Ragtime-Schlager ist bislang einzigartig und passt genau genommen zu keinem der gängigen Retro-Trends. Schon deshalb begrüßen wir es, dass ihre Musik in einer Zeit entdeckt wird, in der Folk wieder ein Musikphänomen unter vielen ist und die Feinheiten ihres Stils viel deutlicher ins Auge fallen. Zu den Feinheiten zählen auch die vielen außermusikalischen Details wie ein konzeptuell stimmiges Artwork, Releases in kleineren Formaten und Videos, fast ausschließlich in Eigenregie kreiert &#8211; it&#8217;s nice to make things, wie sie im Interview resümieren wird. Im Rahmen ihrer Europatournee trat sie wieder einmal im King Georg in Köln auf, an das alle Bandmitglieder nur positive Erinnerungen haben. Das Konzert machte deutlich, dass ihre im folgenden Interview gemachten Aussagen kein bloßes Kokettieren sind, denn ihr Auftritt war geprägt von Spielfreude, einer beeindruckenden Bühnenpräsenz und ihrer Fähigkeit Geschichten zu erzählen. Dafür war sie auch bereit unter einer Kapuze singend die Rolle eines Vogels anzunehmen.<br />
</strong></p>
<p><a title="It’s Nice To Make Things. An Interview With Liz Green" href="http://africanpaper.com/2012/04/14/its-nice-to-make-things-an-interview-with-liz-green/"><strong>Read the English Version</strong></a></p>
<p><em><strong>Denkst du, dass der Ort, an dem du aufgewachsen bist, wichtig war für die Art Musik, die du spielst?</strong></em></p>
<p>Ja, das ist eine gute Frage. Ich bin in West Kirby auf dem Wirral aufgewachsen, das ist ein wirklich kleiner Ort in Großbritannien, der an drei Seiten von Wasser umgeben ist.</p>
<p><em><strong>Ich kenne den Ort, denn ich habe auch eine Zeit lang dort gelebt. </strong></em></p>
<p>Oh, wirklich?</p>
<p><em><strong>In West Kirby. </strong></em></p>
<p>Oh, was hat dich dorthin verschlagen?</p>
<p><em><strong>Ich hatte dort ungefähr ein Jahr lang als Fremdsprachenassistent für Deutsch gearbeitet. </strong></em></p>
<p>In der West Kirby Grammar School?</p>
<p><em><strong>West Kirby Grammar School for Girls and Calday Grange oben auf dem Hügel. </strong></em></p>
<p>Oh, das ist dir Schule, auf der ich war. West Kirby&#8230;</p>
<p><em><strong>Wann war das? </strong></em></p>
<p>1994 bis 2000.</p>
<p><em><strong>Das ist witzig. </strong></em></p>
<p>Warst du in der Zeit dort?</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen2.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-4229" title="Liz Green" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen2-300x180.jpg" alt="" width="300" height="180" /></a><em>Ja, ich begann im Herbst 1994 dort zu arbeiten und blieb bis zum Sommer 1995.</em></strong></p>
<p>Oh wow. Ich war damals im ersten Jahr der Sekundarstufe. Das ist wirklich witzig (lacht). West Kirby ist ein lustiger Ort und auch etwas merkwürdig. Für einen Teenager ist die ganze Szenerie dort ziemlich langweilig, verstehst du, ziemlich öde.</p>
<p><em><strong>Das kann ich mir vorstellen. </strong></em></p>
<p>Aber Liverpool ist ganz in der Nähe. So hatte ich dann quasi diese zwei Leben. Auf dem Wirral hing ich zuhause fest, da war nicht viel zu machen. So las ich viel und war kreativ. Ich saß viel in meinem Zimmer&#8230; nachdenkend (lacht). Und dann hatte ich dieses andere Leben, als ich anfing nach Liverpool zu gehen und in Rock Clubs rumhing mit 14, 15 und ein lautes, verrücktes Leben hatte. Ja, es hat die Musik definitiv beeinflusst.</p>
<p><em><strong>Wenn über deine Musik gesprochen wird – ich denke da an etwas aus dem Guardian, dass du auf deiner Website gepostet hattest – betonen anscheinend alle das Vintage-Element. Kommst du mit diesem Stempel klar? </strong></em></p>
<p>Nun ja, es hört sich schon so an. Du weißt schon, die Instrumentierung und mein Gesang. Es fällt den Leuten schwer, das auf den Punkt zu bringen. Für mich klingt es nicht nach Vintage und ich versuche auch nicht so zu klingen. Es ist einfach das, was dabei herausgekommen ist. Ich war in keinen Bands, als ich aufgewachsen bin, ich hatte auch nicht gesungen oder Gitarre gespielt als ich aufgewachsen bin. Ich verdaute eine Menge Musik und eine Menge Bücher und eine Menge Informationen anderer Art und irgendwann kam einfach etwas dabei heraus, und dies ist es nun, was dabei heraus kam. Ich denke es ist eine Art Schmelztiegel all der Dinge, die mich beeinflusst haben.</p>
<p><em><strong>Auf unserer Webseite gibt es eine Review zu deinem Album und der Redakteur musste bei deiner Musik an Autoren denken, die teilweise mit dem sogenannten Southern Gothic assoziiert werden, Flannery O&#8217; Connor zum Beispiel oder auch William Faulkner. Interessierst du dich für diese Autoren? </strong></em></p>
<p>Ja, ich mag Geschichten und ich interessiere mich für Southerrn Gothic, es gibt da eine Geschichte von Richard Brautigan. Wie heißt sie noch mal? Die Gothic-Artige jedenfalls. Ich mag seine Art zu schreiben, dieses Geisterhafte. Mich faszinieren Orte, die nicht da sind, wo du bist. Das geht jedem so, nicht wahr? Weil sie dieses Element des Exotischen haben. Amerika zum Beispiel erscheint als eine riesige Wüste voller Freakshows und Coney Island und Tom Waits singt irgendwo um die Ecke und Bluesleute kommen die Straße runter auf mich zu. Amerika ist so ein neues Land, aber all die Mythen, die darum entstanden sind&#8230; Das ist ziemlich beeindruckend für etwas, dass erst ein paar Jahrhunderte alt ist.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreenblackandwhite.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4240" title="lizgreenblackandwhite" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreenblackandwhite.jpg" alt="" width="517" height="351" /></a></p>
<p><em><strong>Gibt es englische Autoren, die du besonders magst?</strong></em></p>
<p>Ich mag Bücher generell, ich lese eine Menge. Ich kann mich gar nicht erinnern, wer ist englisch?</p>
<p><em><strong>Macht nichts. </strong></em></p>
<p>Ich mag alle Bücher. Ich kann mich gar nicht erinnern, ich lese so viel. Aber ich mag auch Geschichten aus anderen Ländern. Ich mag Hermann Hesse sehr, Dostojevski, sie sind ziemlich philosophisch, aber vor allem Dostojewski ist auch sehr witzig. Oh, George Orwell. Er ist großartig.</p>
<p><em><strong>Erst heute hab ich mit einer Gruppe Schüler über </strong><strong>&#8220;1984&#8243;</strong><strong> gesprochen. </strong></em></p>
<p>Wow. &#8220;1984&#8243; ist unglaublich. Eines meiner Lieblingbücher von George Orwell ist &#8220;Coming up for air&#8221;, es handelt von einem Mann mittleren Alters, der mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Dorf lebt und über seine verlorene Jugend klagt.</p>
<p><em><strong>Als ich so 16 war hatte ich eine Reihe an Orwell-Büchern gelesen: </strong><strong>&#8220;1984&#8243;</strong><strong>, </strong><strong>&#8220;Road to Wigan Pier</strong><strong>&#8220;,</strong><strong> &#8220;Down and out in Paris and London&#8221;. </strong><strong>Ich erinnere mich noch an das Ende von &#8220;1984&#8243;, wenn er schließlich Big Brother liebt &#8211; ich war wie erstarrt. es gab einfach kein Entkommen</strong><strong></strong><strong>.</strong></em></p>
<p>Ja, es gibt ähnliche Themen in &#8220;Coming up for air&#8221;. Ich ging an die Uni um einen Abschluss in Englisch zu machen. Ich liebe Bücher, deshalb dachte ich, dass ich das machen sollte, aber es stellte sich heraus, dass ich zwar die Bücher liebte und auch gerne darüber forschte, allerdings nicht so gut im Schreiben von Essays war. Ich wollte nichts auf eine vorgeschriebene Art zurück geben. Es kam anders. Aber während ich da war, entwickelte ich ein großes Interesse an der Idee des gesellschaftlichen Außenseiters. Jeder findet manchmal, dass es niemanden wie ihn gibt oder dass er unsichtbar ist. &#8220;Aufzeichnungen aus dem Kellerloch&#8221; von Dostojewski und Ralph Ellisons &#8220;Der unsichtbare Mann&#8221;. Dieser Mann sitzt im Keller unter dem Gebäude und zweigt Elektrizität ab. Er hat tausende von Glühbirnen, und mir gefiel diese Vorstellung dieses stillen Trotzes.</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen3.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4234" title="lizgreen3" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen3-300x281.jpg" alt="" width="300" height="281" /></a><em>Da du dein Interesse an Außenseitertum erwähnst &#8211; du hast zwei Singles herausgebracht, war das auch ein Statement gegen Downloading? </em></strong></p>
<p>Wir wollten sogar eine Grammophon-Platte machen, aber wir konnten niemand finden, der das preiswert genug macht (lacht). Es war das erste, was wir heraus brachten. Er ist nun mein Manager, aber damals waren wir nur Freunde und wollte nur so zum Spaß was rausbringen. Eine Grammaphon-Platte wäre gut gewesen. Es ist fast so, als wollten wir, dass keiner sich das anhört. Ich denke tatsächlich, dass 7&#8242;-Singles heutzutage ein nettes Format sind. Musik hat sich verbilligt, na ja, nicht wirklich verbilligt, aber sie ist jetzt so einfach verfügbar. CDs sind nun irgendwie obsolet geworden. Wenn du jemandem eine 7&#8242; gibst, hat das eine Art taktilen Wert. Du weißt, dass es zurück kommt. Die Leute kaufen eher Vinylplatten als CDs. Es ist schön, Sachen zu machen.</p>
<p><em><strong>Es ist schön, sie zu haben. Wenn alles sofort erhältlich ist, verliert es seinen Wert. </strong></em></p>
<p>Es ist das gleiche wie mit vielem in der Gesellschaft. Wir müssen nicht sparen. Wir haben Kreditkarten und keiner spart mehr Geld. Die Vorstellung, limitierte Auflagen zu machen, die etwas Besonderes sind, ist großartig.</p>
<p><em><strong>Ich denke, dass jemand wie Stephen [Burch, The Great Park, Woodland Recordings] tolle Sachen macht. </strong></em></p>
<p>Ja, ich war zuvor auch auf einem Label namens Humble Soul. Wir machten genau das gleiche, ein Freund von mir hat ein Label namens Red Deer Club, auch das geht in die gleiche Richtung. Alles, was wir machen, sind kleine Auflagen handgemachter Schönheit. Ja, es ist wirklich wichtig, dass man es persönlich und besonders und sammelbar hält. Es macht Spaß, diese Dinge zu sammeln. Sie sind nicht nur wegen der Musik wertvoll. Wenn du weißt, dass die Person, die die Musik macht, auch die CD gepresst oder das Artwork gemacht hat, ist es etwas Zusätzliches.</p>
<p><em><strong>Wenn du ein Tetrabyte Musik auf deiner Festplatte hast, dekontextualisiert es alles vollkommen. </strong></em></p>
<p>(Lacht) Ich hab immer noch all meine CDs, ich kann sie nicht einfach loswerden. Und dann habe ich meine CD gemacht, obwohl alles, was ich bisher gemacht hatte, selbst gemacht war, wie mit der Hand genäht. Was mich am meisten davor zurückschrecken ließ, auf ein größeres Label zu wechseln, war die Angst, dass ich das verlieren könnte – klar ist es unmöglich, so viel Kontrolle über das ganze Zeug zu behalten. Aber ich versuche immer noch so gut es geht, kleine Sachen zum Verkauf herzustellen und was ich machen wollte, als wir die CD machten, war, dass es auf dem Karton drauf war, der mir gefiel und dass ich die Zeichnungen dafür machte, obwohl sie eigentlich mein Gesicht auf das Cover machen wollten. Ich habe gesagt: Nein, das wird nicht passieren. Ich werde euch Artwork geben. Und sie meinten: OK. Es hat ihnen gefallen. Als ich das Textbooklet machte, sorgte ich dafür, dass es all die Dinge enthielt, die mir gefallen, wenn ich eine CD kaufe. Ich will die Texte, ich will eine Dankesliste. Mir gefällt es zu lesen, wem gedankt wird. Ich habe versucht, es mit so viel Liebe wie möglich zu machen, ohne es tatsächlich eigenhändig zu machen.</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen5.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-4236" title="lizgreen5" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen5-300x280.jpg" alt="" width="300" height="280" /></a><em>Als du die CD aufgenommen hattest, hast du glaube ich auch altes Material verwendet, und dafür noch einmal überarbeitet. </em></strong></p>
<p>Ja.<strong> </strong></p>
<p><em><strong>Wieso hast du dich dazu entschieden? </strong></em></p>
<p>Nun, es war eine natürliche Entwicklung, und die Idee zu dem Album als “O Devotion“ gab es schon seit etwa drei Jahren. Ich versuchte es in vielen verschiedenen Formen aufzunehmen, und die Trackliste veränderte sich über die Jahre nur sehr gering. Ich wusste, es sollte diese fast chronologische Reihenfolge der ersten Songs haben, die ich aufgenommen hatte. So in etwa wollte ich es machen. Und obwohl ich zum Zeitpunkt der Aufnahme schon fast wieder genug Songs für ein weiteres Album fertig hatte, wollte ich immer noch dieses Album zuerst fertig bekommen. Als ich die Songs in ihrer ursprünglichen Form gespielt hatte, konnte ich mir immer noch andere Dinge dazu vorstellen, selbst wenn es nur ich und meine Gitarre war. Ich hatte diese Dinge die ganze Zeit in meinem Kopf. Ich konnte die Bilder sehen, die Klänge hören. Ich hatte damals keine Band und ich kannte niemanden, der spielen konnte. Ich hatte dieses Schattenspieltheater und ich schnitt mir einen kleinen Saxophonisten und einen kleinen Doublebass-Schatten und einen kleinen Klavier-Schatten aus. Bei der Show würde ich dann ankündigen: &#8220;Dies ist mein kleiner Saxophonist&#8221; und mir vorstellen, wie wir zusammen spielen. Es ist die Imagination und es hilft. Es passierte alles ganz natürlich, ich freundete mich mit diesen Typen an und wir begannen zusammen Musik zu spielen. Es war wichtig, dass die Leute auf dem Album Freunde sind und ich mich zu nichts gezwungen fühlte. Ich hätte ja auch ein reines Akustikalbum machen können. Ich dachte, ich bekommen vielleicht nur ein Album hin und ich wollte etwas von Dauer darin haben, so egoistisch das auch ist. Etwas, woran man sich erinnert, wenn ich nicht mehr da bin. Aber wenn das das einige war, wollte ich es so gut wie möglich machen (lacht).</p>
<p><em><strong>Was denkst du haben Leute wie du und Stephen gemeinsam? </strong></em></p>
<p>Ich denke, wir würden immer noch diese Songs spielen, auch wenn niemand sie hören würde. Wir würden immer noch exakt das gleiche machen. Wir lieben wirklich was wir tun, und es macht uns Spaß, wir müssen das tun. Das ist es was wir gemeinsam haben. Seele. Ein kleines bisschen Seele.</p>
<p><em><strong>Wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt? </strong></em></p>
<p>Stephen und ich trafen uns als wir zusammen auf Shows spielten. Wir gingen zu dem selben Festival in Schottland, ich sah ihn spielen und war hin und weg. Er sah meinen Show ebenfalls und wir fanden uns dann gegenseitig auf Myspace, das damals immer noch relevant war. Ich schickte ihm einen Nachricht, während er mir die gleiche Nachricht schickte. Ich hatte dann Gigs für ihn in Manchester organisiert und er organisierte welche für mich in Brighton. Wir erweiterten unseren Kreis, es gibt mittlerweile eine gute Verbindung zwischen Manchester und Brighton. Als er dann nach Berlin gezogen ist, gab er meine CDs einem Freund, der Shows in Deutschland organisierte, und der machte dann ein paar Sachen für mich. Und nun bin ich in Deutschland (lacht). Es ist alles Stephens Schuld.</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen6.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4238" title="lizgreen6" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/04/lizgreen6-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><em>In welchem Bezug stehen bei dir die britischen und amerikanischen Einflüsse zueinander? </em></strong></p>
<p>Ich war nie so gut beim Analysieren. Die Leute fragen: Was hat es damit auf sich? Und ich sage: Ich habe das irgendwie einfach so gemacht. Ich hab mir da nie wirklich Gadanken drüber gemacht. Der Bezug? Es ist nicht nur amerikanisch und britisch. Ich mag einfach gerne amerikanische Musik. Englische Folkmusik gefällt mir nicht so richtig, ich weiß auch nicht weshalb. Ich mag Seemannslieder. Ich hab keine Ahnung, wie das mit dem Bezug ist. (Lacht) Das ist wirklich eine schwere Frage. Gut für einen Essay.</p>
<p><em><strong>Was ist dein Lieblings-Plattenladen in Liverpool? </strong></em></p>
<p>Probe und Harry Records. Ich interessierte mich damals sehr für amerikanische Garage Music und die Typen von Probe haben mir immer CDs rausgesucht. Sie sagten, ich könnte sie nach einer Woche zurück bringen, wenn sie mir nicht gefallen.</p>
<p><em><strong>Gibt es Probe echt immer noch? </strong></em></p>
<p>Auf jeden Fall. Sie haben mein Album (lacht). Es ist wirklich toll, dass es imemr noch gut läuft. Es gibt nur noch wenige Independentläden.</p>
<p><em><strong>Vielleicht noch eine letzte Frage. Ich hatte vor einiger Zeit mit einem Freund über deine Musik geredet und kurze Zeit später kaufte ich am Bahnhofskiosk ein Musikmagazin, und da war diese Compilation mit Leonard Cohen-Covers und plötzlich tauchte da auch dein Name auf. Was war der Grund, dass du das Piano als Hauptinstrument für deine Version von “Sisters of Mercy“ ausgewählt hattest? </strong></em></p>
<p>Eine Sache ist, dass ich eine viel bessere Pianistin als Gitarristin bin. Ok, vielleicht nicht viel besser, aber ich bekomme ganz gut was hin, weil ich die Noten sehen kann. Ich weiß nie, was ich gerade mit der Gitarre mache, ich weiß nicht, wie man die Noten bezeichnet. Aber auf dem Klavier habe ich wenigstens C, D, E, F. Dann kommt dazu, dass es sehr schwer ist, einen Leonard Cohen-Song zu covern. Es ist mehr eine Art Hommage. Du kannst ihn nicht wirklich neu interpretieren, das ist unmöglich. Er hat den Song auf der Gitarre gespielt, so dachte ich dann, dass ich es auf dem Klavier mache. Es war wirklich nett, ich mag den Song besonders, und er hat ziemlich einfache Akkorde. Ich konnte ihn in ungefähr zwei Tagen lernen. Als ich meine Mutter anrief, und sie ist ein großer Leonard Cohen-Fan, sagte ich ihr, dass ich &#8220;Sisters of Mercy&#8221; spiele und sie sagte nur &#8220;mein Lieblingssong&#8221;. Und als ich nachhause kam zeigt sie mir ein Buch mit seinen Gedichten, dass sie schon seit einer Ewigkeit hat und hinten hatte sie etwas reingeschrieben, als die zwanzig war. Sie hatte handschiftlich den Text von “Sisters of Mercy“ ans Ende des Buches geschrieben. Das war wirklich schön.</p>
<p>(M.G./U.S.)</p>
<p><a href="http://www.lizgreenmusic.co.uk">lizgreenmusic.co.uk</a></p>
<p><a href="http://www.facebook.com/lizgreenmusic">facebook</a></p>
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		<title>LIZ GREEN: O, Devotion!</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Mar 2012 07:14:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Im Zuge der vielen (mal mehr, mal weniger gelungenen) Wiederbelebungsversuche des Folk erschien eine beachtliche Reihe an Stilmischungen auf der Bildfläche, und die Überblendung englischer und angloamerikanischer Traditionen wurde um einige interessante Facetten bereichert. Je nach Ausrichtung lassen sich solche &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/03/03/liz-green-o-devotion/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/lizgreen.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3884" title="lizgreen" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/lizgreen-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Im Zuge der vielen (mal mehr, mal weniger gelungenen) Wiederbelebungsversuche des Folk erschien eine beachtliche Reihe an Stilmischungen auf der Bildfläche, und die Überblendung englischer und angloamerikanischer Traditionen wurde um einige interessante Facetten bereichert. Je nach Ausrichtung lassen sich solche Hybride auch kaum vermeiden, wenn man bedenkt, wie eng beide Linien miteinander verknüpft sind. Dennoch bringt die junge Engländerin Liz Green, die in der britischen Musikpresse derzeit unzählige Lobeshymnen erfährt, eine markante neue Nuance ins Spiel, denn die Bandbreite ihrer Songs geht weit über den Einbezug von Blues und Apallachian Folk hinaus.<span id="more-3883"></span></p>
<p>Wie wenige populäre Folksänger dieser Tage scheint sie ein starkes Interesse an der Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu haben, an den synkopisch aufgebauten Ragtime-Schlagern aus Louisiana und Missouri, aus denen vor ungefähr hundert Jahren dann der Jazz entstehen sollte. Was bei vielen anderen sicher in nostalgischen Kitsch für die nächste Oldtimershow ausgeartet wäre, erweist sich bei Liz Green zum Glück als derart unaufdringlich und dezent, dass einem die Exotik ihrer Songs schon nach kurzer Zeit vertraut und selbstverständlich erscheinen mag. Als vielleicht wichtigster Garant dafür muss das Zusammenspiel aus raumgreifender Produktion und minimaler Instrumentierung genannt werden, das sich von der ersten bis zur letzten Minute durch das Debütalbum zieht. Green selbst begleitet sich je nach Song an der akustischen Gitarre oder am Klavier, doch eine vierköpfige Band ergänzt das Grundgerüst an ausgewählten Stellen durch punktuellen Bläsereinsatz, coolen Slap-Bass und minimale Perkussion – eine passende Klanggestaltung, denn der im besten Sinne „säuerliche“ Alt-Gesang Greens hätte sich kaum mit einem Orchester vertragen, wie man es auf „Ys“ von Joanna Newsom zu hören bekam, mit der die Sängerin gelegentlich (und meines Erachtens etwas willkürlich) vergleichen wird. Ihr Gesang lässt ohnehin viel eher an Nina Simone und Karen Dalton denken, aber auch an zeitgenössische Sängerinnen wie Sharron Kraus, die mit Banjo und ähnlicher Stimmlage auf ihre Art amerikanische Spielweisen mit einer englischen Tradition verknüpft. Man könnte „O, Devotion!“ nun als den Endpunkt von Greens Karriereauftakt begreifen, denn das Album schließt an eine Reihe von Singles und ein ausgiebiges Tourleben an, bei dem sie sich die Bühnen mit Musikern wie Mary Hampton und The Great Park teilte.</p>
<p>Fast alle Stücke des Albums sind seit längerem Teil ihres Live-Repertoires, auch die A-Seiten ihrer Singles sind enthalten – klanglich leicht überarbeitet, und so auch für die Vinyl-Besitzer interessant. Erfreulich, dass ein vier Jahre alter Song wie das stimmungsvoll-tanzbare „Bad Medicine“ zwar etwas weniger verrauscht klingt, aber keinesfalls einer taktischen Glättung unterzogen wurde. Das hätte zu dem gewollt holprigen Finger Picking auch ebenso wenig gepasst wie zu dem derben Text über eine Medizin, die den Körper zerfallen lässt – ein Vorgang, den Green eindrucksvoll zu schildern weiß. Fokussiert man den amerikanischen Aspekt, so könnte die heraufbeschworene Szenerie einem Roman von Faulkner oder O&#8217;Connor entsprungen sein – ein Szenario, das zeigt, dass auch die Welt jenseits der großen Gatsbys und ihrer glamourösen Bälle beschwingt war und ihre ganz eigene Tragikomik hatte. Auch das urige „Midnight Blues“ erschien schon vor Jahren auf einer 7&#8221;, die auch ein Cover des The Great Park-Songs „I Do Wrong“ enthielt. Der Song könnte irgendwann in den Dreißigern oder Vierzigern am Mississippi entstanden sein, und wie in „Bad Medicine“ gibt es auch in diesem merkwürdigen Liebeslied eine Überblendung von alltäglichen Erlebnissen und abergläubischer Folklore, die in Wortwahl und Darbietung fast en passant umgesetzt wird. Manchmal wirkt die schnoddrige Beiläufigkeit beinahe abweisend, aber man bekommt schnell das nötige Gespür für den trockenen Humor der Songs. Kurze Ausflüge in Dixiejazz sorgen immer wieder mit hintergründigem Bläsergegrummel für Heiterkeit, wirken aber nie wie eine Retromasche im Interesse des schnellen Effekts.</p>
<p>Ein ganz eigenes Spannungsverhältnis aus Trockenheit und gefühlvoller Emphase gehört zu den Hauptmerkmalen von „O, Devotion!“, wenngleich die Balance immer mal in eine der beiden Richtungen zu kippen scheint. Zum weniger beschwingten „Rag &amp; Bone“ könnte man glatt schunkeln, wäre es nicht so spröde, beim „Displacement Song“ wird der betuliche Walzertakt mit humorigem Tubaeinsatz kontrastiert – was vielen, denen solche Musik neu ist, als Ironie erscheinen mag, und vielleicht spielt die Künstlerin ja gerade auch mit solchen einkalkulierbaren Reaktionen. Ausflüge in den Bereich des Chanson („French Singer“, das Antony Hegarty covern sollte) oder in hispansiche Musik („Luis“) geben der Melancholie etwas mehr Raum, „Hey Joe“ mit seinem hintergründigen Beckenrauschen ist vielleicht Greens nachdenklichstes Stück, aber dank des schlicht-herben Gesangs weit entfernt von dem, was man Retroschmachtfetzen nennen könnte.</p>
<p>Dass von unzähligen jungen Folkmusikern der letzten Jahre nur ein kleiner Teil die Popwelt erobern konnte, versteht sich. Doch selbst im Hinblick auf größere Publikumstauglichkeit machten nicht immer die Besten Karriere, und so manche originelle Musik blieb weit unter der Oberfläche dessen verborgen, was die Musikindustrie gemeinhin als Indie klassifiziert. Im Falle Liz Greens jedoch findet gerade eine originelle Stimme Gehör, die uns hoffentlich auch weiterhin mit Songs von derart spröder Kauzigkeit erfreuen wird.</p>
<p><strong>Label: PIAS/Rough Trade</strong></p>
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		<title>SOAP&amp;SKIN: Narrow</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Feb 2012 07:59:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Soap&#38;Skin polarisiert. Die einen stecken ihre Songs gar zu schnell in die Ecke für sensible und leicht überdrehte Mädchenmusik – eine Drama Queen, die sich psychisch entblößt und der neurotischen Jugend von heute ihr Identitätsfutter gibt. Andere setzen auf hohen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/02/25/soapskin-narrow/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/soapskinnarrow.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3872" title="soap&amp;skinnarrow" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/soapskinnarrow-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Soap&amp;Skin polarisiert. Die einen stecken ihre Songs gar zu schnell in die Ecke für sensible und leicht überdrehte Mädchenmusik – eine Drama Queen, die sich psychisch entblößt und der neurotischen Jugend von heute ihr Identitätsfutter gibt. Andere setzen auf hohen Stil und fahren schwere Geschütze klassischer Bildung auf, holen die Gedichte Trakls aus der Kiste und bemühen das romantische Kunstlied, um sich einen Reim auf die Anziehungskraft zu machen, die ihr Debüt „Lovetune for Vacuum“ vor ein paar Jahren ausstrahlte. Natürlich nicht ganz zu unrecht. Anja Plaschg, die Person hinter dem Namen, sieht sich als Popmusikerin, und ihr Unbeeindrucktsein gegenüber all den klugen Fachsimpeleien<span id="more-3871"></span> wirkt echt. Ebenso die derangierte Theatralik ihrer Texte und Auftritte, die von den Rezipienten zwar einiges fordern, die aber immer im Rahmen dessen bleiben, was die Musik verlangt. Was mich am meisten überzeugt, ist das Ausbleiben eines markanten Imagewechsels, den man im Zuge eines solchen Hype fast erwartet, zumal bei einer noch recht jungen Künstlerin. Keine Blondierung, kein Retro, kein aufgesetzt dilettantischer Galerien-Chic, dafür hundert Prozent Soap&amp;Skin.</p>
<p>Was keineswegs andeuten soll, dass es auf dem knapp halbstündigen Mini-Album namens „Narrow“ keine Neuerungen zu hören gäbe – die gibt es nämlich schon ganz vordergründig in einem etwas volleren Sound und in der Tatsache, dass Anja sich textlich nicht mehr mit dem Englischen begnügt. „Vater“ ist ihr erstes Lied in der eigenen Muttersprache, gerichtet an den vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Vater. Über ein Jahr lang soll sie immer wieder an dem Song gebastelt haben, und herausgekommen ist eine berührende Auseinandersetzung über die Schmerzen des Loslassens und Erinnerns. Ein derart persönliches Stück soll hier keiner Deutung unterzogen werden, doch mit dem stufenweisen Aufbau, dem Text und Musik zusammen bis zum eruptiven Höhepunkt und kleineren Nachbeben folgen, gehört der Song für mich zum mitreißendsten, das S&amp;S bisher zustande gebracht hat. Es mag weit hergeholt klingen, ihre Musik mit der von Othon Mataragas zu vergleichen, da beide in ganz unterschiedlichen Kontexten aktiv sind, doch schiebt man einmal alles leidige Denken in „tags“ beiseite, fallen Ähnlichkeiten im Klavierspiel auf, das meist in pastoral anmutenden Melodien ihren Anfang nimmt und sukzessive an Dramatik gewinnt. Beide kontrastieren das Romantische mit kabarettartigen Showtunes und sind in den letzten Jahren opulenter geworden. In Anjas Fall ist das nicht nur der Produktion zu danken, sondern auch ihrem erweiterten Instrumentarium. „Vater“ gipfelt in einem großen Finale mit Streichern, Bläsern und Trommeln, und wer das schon effektgeladen findet, der hat das Stück noch nicht bis ganz zum Schluss gehört, denn Anja weiß genau, wann und wie plötzlich man einem Song den Stecker herausziehen muss.</p>
<p>Die ersten drei Stücke enthalten die wichtigsten Facetten der aktuellen S&amp;S-Welt in nuce. Nach dem dramatischen Auftakt lässt ihre „Voyage Voyage“-Interpretation wehmütigere Töne anklingen. Eine leichte Schwermut findet sich schon im Original von Desireless, aber Anjas Version (die schon in einem Film Verwendung fand, in dem sie auch mitspielt) ist frei von jeder verträumten Beschaulichkeit. Ziel- und wurzellos mutet die Reise an, und wenn Anja an einigen Stellen die Melodie einfach loslässt, bekommt der Song etwas schmerzvoll abgeklärtes. Dies sind auch die Momente, in denen ihre Stimme am besten zur Geltung kommt: brüchig, fragil, fast rauchig und immer mit starkem Akzent. „Deathmental“ könnte sich nicht stärker davon unterscheiden, technisch ausgefeilter Elektrosound, fast Midtemporock. Dass mir diese Seite als die Schwächste erscheint, mag Gewohnheiten geschuldet sein, und klar – S&amp;S sollte nicht ewig auf melancholische Kammermusik abonniert sein. Aber Pathos und technische Opulenz dieser Art gehen oft eine Symbiose ein, die nicht nur nach Stadion klingt, sondern auch nach Zillo und Orkus. Weitere perkussive Stücke wie „Boat Turns Toward The Port“, bei dem der anfangs dezente Stimmeinsatz sich mehr und mehr gegen klappernde Field Recordings durchsetzt, wirken eindringlicher. Der gesamte Mittelteil besteht aus anrührenden Downtempo-Stücken mit Klavier und Gesang, aus denen vor allem „Wonder“ hervorsticht – durch ein ständiges Wiederholen des hermetischen Textes wird der anfangs noch etwas kitschig wirkende Song zu einer eindrucksvollen Variation über Verlorenheit und Rettung.</p>
<p>Es gibt auf &#8220;Narrow&#8221; Augenblicke aufgewühlter Verzweiflung, doch Momente kontemplativer Trauer behalten die Oberhand bei den acht Liedern, die stets zwischen Bedrücktheit und Trost schwanken. Dies macht die Sammlung, die man durchaus als Album betrachten kann, zu einer ebenso unberechenbaren wie stimmigen Sache.</p>
<p>Label: <strong>PIAS/Rough Trade</strong></p>
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