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	<title>African Paper &#187; Retarder</title>
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		<title>V.A.: The Seventh Continent</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2026 04:57:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Michael Hanekes Ende der 80er entstandenes Spielfilmdebüt Der siebente Kontinent schildert den Zerfall einer bürgerlichen Familie, deren Alltag in langweiligen Routinen und emotionaler Entfremdung erstarrt ist, schon die eröffnende Waschstraßenszene illustriert die Normalitätshölle in all ihrer hohlen Ödnis. Der titelgebende &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/10/31/v-a-the-seventh-continent/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/theseventhcontinent.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-51921" title="theseventhcontinent" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/08/theseventhcontinent-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Michael Hanekes Ende der 80er entstandenes Spielfilmdebüt <em>Der siebente Kontinent</em> schildert den Zerfall einer bürgerlichen Familie, deren Alltag in langweiligen Routinen und emotionaler Entfremdung erstarrt ist, schon die eröffnende Waschstraßenszene illustriert die Normalitätshölle in all ihrer hohlen Ödnis. Der titelgebende siebente Kontinent erscheint dabei weniger als geografischer Ort denn als Chiffre für eine unerreichbare Utopie – oder vielleicht für jenen letzten Fluchtpunkt jenseits einer als unerträglich empfundenen Wirklichkeit.<span id="more-51920"></span></p>
<p>Von dieser vielschichtigen Symbolik ließ sich das Santa Sangre Magazine für seine bezeichnenderweise siebte Compilation inspirieren, die vor einigen Wochen unter dem Titel &#8220;The Seventh Continent&#8221; erschienen ist. Sechsundsiebzig exklusive Beiträge unterschiedlichster Künstlerinnen und Künstler kreisen um die Idee eines imaginären Zufluchtsortes, eines inneren Kontinents, der sich den Ängsten und Zwängen der Gegenwart entzieht, wobei der Bezug zum Film je nach Beitrag von eher lose bis sehr direkt rangiert. Entstanden ist so kein thematisch eng gefasstes Konzept, sondern ein weit verzweigter Kosmos persönlicher Klangwelten, dessen stilistische Bandbreite von dunklem Ambient über experimentelle Elektronik bis hin zu Folk, Drone, Postpunk und den lärmigen Künsten reicht.</p>
<p>Auf sämtliche Beiträge einzugehen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Einige der Stücke sollen jedoch stellvertretend einen Eindruck von der Vielfalt der Zusammenstellung vermitteln. Die stärker elektronisch geprägten Beiträge eröffnen dabei ein faszinierendes Spektrum. Mode In Gliany überrascht mit einem tanzbaren Synthiestück an der Grenze zwischen melancholischem Elektropop und Eurodisco, deren entfernte Stimmen wie durch einen alten Telefonhörer dringen. This Morn&#8217; Omina bleibt seinem hypnotischen Midtempo-Ansatz treu und verbindet pulsierende Elektronik mit entrückten Ambientflächen und raffinierten Klangdetails. Ganz anders nähert sich der japanische Producer Sunao Inami dem Thema: Seine filigranen, repetitiven Strukturen wirken zunächst fast beruhigend, offenbaren jedoch mit zunehmender Dauer eine feine innere Unruhe, die den harmonischen, stellenweise dubartig schimmernden Flächen eine erstaunliche Spannung verleiht. Auch Philippe Neau entwirft eine elektrifizierte Nachtlandschaft voller geheimnisvollen Klapperns, Rumpelns und kaum identifizierbarer Geräusche, als rolle irgendwo im Dunkeln langsam ein Zug vorbei. Nam-Khar beginnt mit kaum wahrnehmbaren, knarzenden Synthieflächen, die sich nach und nach zu monumentalen Klanggebilden verdichten, ehe eine unerwartet berührende melodische Ebene hinzutritt und der düsteren Architektur zusätzliche emotionale Tiefe verleiht.</p>
<p>Im Feld von Ambient und Drone zeigt sich die Sammlung besonders eindrucksvoll. Tho-So-Aa entwickelt aus beinahe lautlos beginnenden Soundflächen ein traumhaft schönes Mosaik halb verborgener Details voll filigraner Texturen. Ashtoreth, seit Jahren eine feste Größe im Umfeld des Santa Sangre Magazins, liefert mit dem von der indischen Mythologie inspirierten &#8220;Rudra&#8221; einen der absoluten Höhepunkte der Sammlung. Gewitter, rituelles Rasseln, psychedelische Gitarren, doomige Schwere und schamanisch anmutende Improvisationen halten ein beeindruckendes Gleichgewicht zwischen Aufruhr und Harmonie. Auch Ivo São Bento baut seinen langen Beitrag langsam zu einer mächtigen, dynamischen Klanglandschaft auf, deren schwebende Drones, kratzenden Texturen und geisterhaften Stimmsplitter eine filmische Sogwirkung entfalten. Pas Musique wiederum verbindet Chorsamples mit Donnern, metallischem Klimpern und surrealen Klangverschiebungen zu einem ebenso rätselhaften wie faszinierenden Gebilde.</p>
<p>Andere Beiträge schlagen leisere, organischere Töne an. Hybryds eröffnen ihren Beitrag mit ätherischem Frauengesang, ehe Atemgeräusche, perkussive Einschläge und immer neue klangliche Facetten Weite entstehen lassen. Sieben präsentiert sich elektrifiziert, ohne auf Matt Howdens unverwechselbare Verbindung aus eindringlichem Gesang, elektronischen Loops und expressiver Violine zu verzichten. Rapoon widmet seinen Beitrag den Erinnerungen an die nordenglischen Marschlandschaften seiner Kindheit, wo sich Gezeiten, Wasser, weibliche Stimmen und ferne Glockenklänge zu einer ebenso persönlichen wie universellen Meditation über Erinnerung verbinden. Cor Mortuum beginnt mit filigranem Gitarrenpicking und hellem Gesang, bevor schwere Gitarrenriffs das zunächst fragile Gefüge aufbrechen. Cosa Magnetica bleiben ihrem Postpunk- und Darkwave-Ansatz treu und erzählen in &#8220;The Vessel&#8221; von zwei Seelen, die gemeinsam einen Ort jenseits der bisherigen Wirklichkeit erreichen und diesen als dauerhafte Heimat begreifen möchten. Mike Seed und R.Loftiss a.k.a. The Winter Residence bewegt sich zwischen hypnotischem Drone Folk und einem Gesang an der Grenze zu Spoken Words, während 400 Lonely Things mit verrauschten, organischen Soundscapes eine fast geisterhafte Melancholie entfalten.</p>
<p>Einen besonderen Platz nehmen die folkigen Beiträge ein. Buzzard verbindet sanftes Gitarrenpicking mit berührendem Gesang zu einem hypnotischen Lied über Boten und Botschaften. Twelve Thousand Days, das gemeinsame Projekt von Martyn Bates und Alan Trench, liefert mit &#8220;Hunting The Greenland Whale&#8221; ein episches Panorama aus Field Recordings, entrücktem Gesang, Flöten, lärmenden Hintergrundgeräuschen und jener bewusst aufgerauten Ästhetik, mit der Alan Trench seine musikalische Arbeit einst treffend als den Versuch beschrieb, Tradition produktiv aus den Angeln zu heben. NIMH wiederum kontrastiert rauschendes Wasser, das stellenweise fast Harsh-Noise-Qualitäten entwickelt, mit sanftem Gitarrenpicking und erschafft daraus einen stillen instrumentalen Höhepunkt. Besonders beklemmend gerät schließlich Retarder, hinter dem Lloyd James von Naevus steht: Akustische Gitarren treffen hier auf atonales Kratzen und Quietschen und greifen damit als einer der wenigen Beiträge den Film Hanekes bereits im Titel unmittelbar auf.</p>
<p>Neben den hier beschriebenen Beiträgen versammelt die Compilation weitere zum Teil bekannte Namen des internationalen Underground, die da wären: Covenant of Grace, Sauljeris feat. Stephen Page, Remains Fluid, Rakshäsa, PoKrzyK, Quantum Fractal, Project Blue Book &amp; Maxim Novikov, Sonisk Blodbad, Transcendent Visions, Simply Dead, Children Of Danu, Digard, Kryoscope, Ruptured World, Le Morte d&#8217;Abby, Avskedsrum, Ideal Father, DRESDEN7, Northr, Subverge, Philippe Blache (Day Before Us), Bang of Hearts, Maris Anguis, ma~i, Hierophania, The Black Monolith, Neosintetico, Glass Isle, Veil of Secrecy, Psychogram, Dodenskald, Vortex, Yndalongg, ElectronicDeathBlackDogs, Insectarium, Shinkiro, Esoteric Ethiopia, Stahlwerk 9, Fulci, Devil&#8217;s Breath, Nothvs Filivs Mortis, Lonsai Maïkov, Black Hair Rolled In Dried Blood, Cultura Obscura, Forez Noir x fourthousandblackbirds, Black Jerusalem, Arvo Zylo, Salò Salon, AGDISTIZ, Michael Idehall, Dawid Chrapla, Remora, {AN} EeL, Small Life Form sowie Kaarlo Herden &amp; IT904.</p>
<p>Rückzug, Sehnsucht, Erinnerung und innere Zufluchtsorte – Themen, die den Ausgangspunkt bei Haneke aufnehmen, werden auf &#8220;The Seventh Continent&#8221; zahllose individuelle Klangsprachen übersetzt und zum Gegenstand ganz unterschiedlicher musikalischer und lyrischer Reflexionen. Gerade diese stilistische Offenheit macht den besonderen Reiz der Sammlung aus, die man sich am besten in mehreren Anläufen erschießt. (U.S.)</p>
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		<title>NAEVUS: Stations (2CD inkl. Bonus Disk „Others“ lim. 111)</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Sep 2013 07:28:30 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/09/naevusstations.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7623" title="naevusstations" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/09/naevusstations.jpg" alt="" width="167" height="150" /></a>Lloyd James von Naevus hat eine angenehme Stimme und wenn es sein muss auch ein Händchen für schöne Melodien. Wahrscheinlich verstören seine Songs deshalb niemals direkt, auch wenn die Musik stets das Gefühl vermittelt, von etwas Ernstem, mitunter Drastischem zu künden. Erst mit der Zeit registriert man, dass die eingängigen Stücke einen doppelten Boden haben. Heterogene Elemente harmonieren nie ganz miteinander, oft wirken die Drums wie Versatzstücke einer Kollage, die dem Gesang und den restlichen Spuren kurzerhand aufgeklebt wurden. In die Melodik schleicht sich immer wieder eine Verweigerungshaltung ein, die dem Wohlklang eine spröde Monotonie entgegenhält. Den Songtexten<span id="more-7622"></span> mag oft ein Element von Trost innewohnen, und doch künden sie nicht selten von Sackgassen. Der Bandname, den James zusammen mit seiner früheren Partnerin Joanne Owen wählte, passt ganz gut zu dieser Doppelbödigkeit, verweist er doch auf etwas Unangenehmes, das auf den ersten Blick so unscheinbar wirkt wie der eigene Klang.</p>
<p>In vielen Naevus-Rezensionen geht es um Aspekte der stilistischen Einordnung, konkreter um die Frage, ob die Musik nun zur weiten Welt der Postpunk-Retromanie zählt oder doch eher einer eigenwilligen Spielart des Folk entspricht. Schon weil man beides zugleich bejahen und verneinen kann wirken solche Fragen immer etwas langweilig. Und doch gibt es bei Naevus bestimmte Songtypen, deren Abgrenzung sich zum Großteil entlang solcher Stilfragen abzeichnet. Das kann man ganz gut anhand einer respektablen Werkschau aufzeigen, die vor kurzem unter dem bezeichnenden Titel &#8220;Stations&#8221; erschienen ist. &#8220;Stations&#8221; ist keine Best-of, auch wenn die Band nach fünfzehn Jahren und sieben Alben im adäquaten Alter dafür wäre, sondern eine Sammlung fast aller Tracks, die nicht auf Alben, sondern auf Compilations, Singles oder Split-Veröffentlichungen erschienen sind, ergänzt von einigen unveröffentlichten Aufnahmen.</p>
<p>Wollte man Naevus-Songs nun in Schubladen packen, müsste man Akustiksongs von solchen mit aggressivem Punkverve unterscheiden, eine weitere Kategorie würden schunkelige Seemannslieder mit Akkordeon bilden, eine kleinere zuguterletzt wären soundscapeartige Experimentalstücke. Schematisch wäre das, weil die Songs solchen Kategorien nur selten in Reinform entsprechen, so beginnt &#8220;The Orchard&#8221; mit sanftem Folkpathos, um irgendwann kurzerhand den Schauplatz zu wechseln: Was im beschaulichen Obstgarten beginnt endet in einen düsteren Gothkeller der verwahrlosten Metropole. Auch die Urversion von &#8220;Body Speaks in Tongues&#8221; ist bloß dann ein netter Folksong, wenn man sich das atonale Quietschen und Jaulen wegdenkt, bei dem neueren „Oracle, Oracle“ zerstört noisiges Gitarrenfeedback jeden Gedanken an einen Ohrwurm. Freilich gibt es auch lupenreine Songwriterballaden, doch alle warten mit ihren eigenen Extras auf: das hier als Titelstück fungierende „Stations“ mit einem whiskeyseligen Honky Tonk-Piano, „Untold“ mit stimmungsvollen Surf-Twangs oder „Kill deep“ aus der rauen Frühzeit mit ritueller Repetition.</p>
<p>Durch Joannes Akkordeon bekommen einige Stücke einen starken Sea Shanty-Charakter, exemplarisch hervorgehoben seien hier das frühe „Torn Wheat Deap“ oder „Recovery is not Permitted“ von der Split-EP mit Spiritual Front. Für viele sind sie das Sahnehäubchen der Bandkarriere, ich persönlich bevorzuge allerdings die härteren, agressiveren Stücke mit der oft leicht atonalen Handschrift der Drummer John Murphy und Hunter Barr. „Occasion Table“, ursprünglich auf einem musikalisch durchwachsenen Sampler erschienen, ist auch hier eines der Highlights und verbindet Noise mit einer rumpeliger Perkussion, die einer ganze Reihe an Stücken ihren Stempel verpasst. Gallopierende, fast westernartige Stücke sind nicht das, was man als erstes mit Naevus in Verbindung bringt, umso mehr mag das neuere Uptempo-Stück &#8220;The Beast&#8221; all die überraschen, die „The Devil“ vom Split mit KnifeLadder noch nicht kannten.</p>
<p>James hatte stets ein Faible für Neuinterpretationen, und so bilden Coverversionen eine Kategorie für sich. Auf der limitierten Bonus-CD „Others“ sind sämtliche Cover, meist Beiträge zu Tribute-Samplern, zusammengetragen. James nimmt auch die Herausforderung an, große Namen zu covern, und zum Teil handelt es sich dabei um Songs, denen man nicht einfach im Handumdrehen eine neue Gestalt verleiht. Die eigenständige Interpretation (und Übersetzung) von Ain Sophs „Uomini Perduti“ oder die nur subtil veränderte Version von Tom Waits&#8217; „Walking Spanish“ sind jedoch mehr als gelungen, ebenso die im Rahmen seines Seitenprojektes Retarder aufgenommene Akustikversion von Fine Young Cannibals&#8217; „Johnny Come Home“. Zwei Scott Walker-Songs und eine Hommage an die seit Jahren überschätzten Joy Division dagegen betrachte ich als solide Fingerübungen. Neben einigen Traditionals und einer Umsetzung von Sol Invictus&#8217; &#8220;Oh What Fun&#8221; (bei der das Wort „Fun“ mit einer äußerst ironisch wirkenden Langsamkeit kontrastiert) stechen ein paar Songs über grausame Mädchen und feistes Essen hervor, die aus dem Repertoire von James Freund David E. Williams stammen.</p>
<p>Naevus ist durchaus eine Art Konsensband, insofern, dass sie Hörer ansprechen könnten, die klassischen World Serpent-Neofolk ebenso gemocht haben wie New Model Army, Echo and the Bunnymen oder die Smiths. Wären sie frühzeitig bei einem hippen Label gelandet, wäre zuletzt weit weniger Wind um Gruppen wie Cult of Youth gemacht worden. „Stations“ und „Others“ dürften sich zum Kennenlernen der Band eignen, da viele Songs den Albumtracks in nichts nachstehen.</p>
<p><strong>Label: Tourette</strong></p>
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