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	<title>African Paper &#187; Richard H. Kirk</title>
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		<title>CABARET VOLTAIRE: Collected Works 1983-1985 (#8385)</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Nov 2013 00:17:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/11/cabaretvoltaire8385.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7921" title="cabaretvoltaire8385" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/11/cabaretvoltaire8385-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Man kann sich heute kaum vorstellen, wie nah der Industrial mit all seinen Begleiterscheinungen in den besten Jahren der Eighties (die bekanntlich schon tief in den Seventies begannen) am elektronischen Pop war. Dass man SPK oder Psychic TV in einem Atemzug mit Soft Cell oder Depeche Mode nannte, Non und TG im gleichen Satz wie Fad Gadget oder The Normal, trägt nicht nur der Tatsache Rechnung, dass all diese Bands oft von den gleichen Leuten gehört wurden. Einige dieser Künstler arbeiteten auch zusammen, und letztlich war der frühe Industrial ohnehin viel poppiger und danciger, als das, womit die Folgegeneration<span id="more-7919"></span> der Power- und Harsh Noiser dieser Tradition eine irreversible Prägung verpasste. Für den Autor Simon Reynolds war all dies ohnehin nur Teil einer weit gefassten Epochen-Strömung, für die er den etwas unglücklich gewählten Post Punk-Begriff vorschlug.</p>
<p>Kaum eine Band verkörperte diesen Konnex so stark wie Cabaret Voltaire. Ihre beatlastigen Synthie-Kracher evozierten eine nächtliche Urbanität, wie sie poptauglicher kaum sein könnte. Wenn abgefuckte, schöne Nachtmenschen aus den Crack-Ecken von London oder Tokyo ihre Hymnen suchten, wurden sie auf den Alben der Band aus Sheffield fündig. Und doch fehlte den Songs das Gelackte, Beschauliche, mit dem New Waver – was vielleicht ihr originellstes Vermächtnis ist – auch die Dystopie verzaubern und in eine Romanze umdichten konnten. Die Cabs, die mit dieser Kunst spielten und sie durch zahlreiche Brüche und gewollte Überdrehtheiten nur als Fragment gelten ließen, legten durch ihre Position zwischen den Stühlen den Grundstein für ihren Status als Kritikerliebling, während andere, die erkennbar Fleisch oder eben Fisch waren, noch heute die Playlists der Retro-Events bevölkern. Die erste „Collected Works“-Box, in der Mute vier Vinyl-Alben, sechs CDs (auf denen die vier Alben ebenfalls enthalten sind) und zwei DVDs zusammenfasst, deckt den unmittelbaren Zeitraum nach „Red Mecca“ ab – die Ära, in der die Industrial Culture endgültig in ihr Nachleben überging, die Eighties quietschbunt wurden und Cabaret Voltaire noch lange nicht so weit waren, ihre Mixtur aus postindustriellem Synthiesound, Dub und allerlei funky Referenzen in technoidere Bahnen zu lenken.</p>
<p>Was die Box nicht nur für Neueinsteiger interessant macht, ist die Menge an Material jenseits der regulären Veröffentlichungen, wozu allem voran ein unveröffentlichter Soundtrack namens „Earthshaker“ und eine Compilation mit allen damaligen 12&#8221;-Tracks gehört. Die zwei DVDs geben einen Überblick über die Konzerte und die Videoästhetik der Band &#8211; „Cabaret Voltaire Live“ präsentiert visuell solide Auszüge aus zwei Londoner Konzerten aus dem Jahr 1984, das auf VHS lange vergriffene „Gasoline in your Eye“-Tape ist mehr als die Clip-Version der „Drinking Gasoline“-EP und enthielt von Beginn an weitere Songs, im Appendix finden sich weitere Videos aus dem Zeitraum. Abgerundet wird das ganze durch ein vierzigseitiges Booklet mit Liner Notes und einem Essay.</p>
<p>Natürlich sind die vier Alben das Herzstück der Box. Da wäre das in Zusammenarbeit mit Dave Ball entstandene „The Crackdown“, das kurz nach „Red Mecca“ erschienen ist und an dessen Affinitiät zu orientalischen Melodien und Jazzzitaten ebenso anknüpft wie an die rasseligen Beats, die untrennbar mit den Cabs der Industrial-Ära verbunden sind. Insgesamt etwas markanter klingt die 1984 erscheinene LP „Micro-Phonies“, deren härtere Elektro-Nummern („The Operator“) auch Cooljazz-Bläser enthalten dürfen, während der funky Sound des Diskostampfers „Do Right“ nie zu sauber klingt und sich einen Rest Chaos bewahrt. Dubbing und das dazugehörige Kingston-Repertoire, das nicht nur für PIL relevant war, hat auch hier seine Momente („Digital Rasta“). „Spires in the Wire“ hätte eigentlich manchen Hits von The Human League die Show stehlen müssen. Noch mehr Songs mit Hitpotential enthält der 85er Longplayer „The Covenant, The Sword and the Arm of the Lord“. Manches wäre fast schon etwas cheesy, wäre es nicht zugleich enorm sperrig. Düsteres („Whip Blow“, „Golden Halos“) trifft auf Schweißtreibendes („Warm“) und auf gewagte Sample-Kollagen („Motion Rotation“, „The Arm of the Lord“). Die ählich gelagerte EP „Drinking Gasoline“, bei der Gastdrummer Mark Tattersall (Element, Transelement, Chakk) vielleicht die deutlichsten Spuren hinterlassen hat, rundet die Werkschau ab.</p>
<p>Über all dieses Material ließe sich so viel sagen, dass es Stoff für ein Buch abgäbe – für dessen zweiten Teil allerdings, denn die Geschichte der Sheffielder Pioniere beginnt ja bereits anfang der 70er. Dieser frühe Zeitraum soll schon Anfang nächsten Jahres in einer weiteren Box abgedeckt werden. Schon jetzt ein lobenswertes Stück Musik-Archäologie, und irgendwie auch bewundernswert, dass die Idee nicht bereits verheizt wurde, als die Eighties gerade der neue Hype waren. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Mute</strong></p>
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		<title>CABARET VOLTAIRE: Red Mecca (LP Re-Release)</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jul 2013 00:02:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/07/cabredmecca.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7312" title="cabredmecca" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/07/cabredmecca-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Seit ihrer Wiedergeburt als Indie legen Mute einen besonderen Schwerpunkt auf den historiografischen Aspekt ihrer Veröffentlichungspolitik, womit nicht nur die Geschichte des Labels gemeint ist, sondern mit Größen wie Laibach oder Crime And The City Solution auch die Geschichte der Subkultur der letzten gut dreißig Jahre. Dass die Reihe an (Re-)Releases der Sheffielder Pioniere Cabaret Voltaire ausgerechnet mit der neuen Vinylauflage ihres dritten Albums „Red Mecca“ (Rough Trade 1981) startet, ließe sich mit der Scharnierfunktion des Albums erklären, denn es stellt in mehrerer Hinsicht einen End-, Anfangs- und Wendepunkt in der Diskografie der Briten dar.<span id="more-7311"></span></p>
<p>Auf „Red Mecca“ ist zum letzten mal Christopher Watson zu hören, der in der Folge bekanntlich Teil von MacKenzies The Hafler Trio wurde und anschließend primär auf Solopfaden experimentierte. Des Weiteren findet sich auf dem Album zum letzten Mal dieser von eigenwilligem Feedbacklärm überschüttete Analogsound mit seinem schon immer leicht tribal anmutenden Takt, der die Band in den 70ern prägte und ihr fast zwangsläufig ein Zuhause im gerade angesagten Industrial verschaffte, auch wenn man bei dem dreckigen Minimalismus aus heutiger Sicht eher an Punk und abseitigen Wave-Pop denken muss. Ebenso präsent sind hier aber bereits Ansätze all der Klänge, die den weiteren Weg der verbliebenen Cabs Richard H. Kirk und Stephen Malliner begleiten werden: funkige Elektronik, Jazzzitate und eine Rhythmik, die sich außereuropäischen Einflüssen verdankt. Auch klangliche Elemente sogenannter Weltmusik finden sich auf „Red Mecca“, die hier ausschließlich orientalischen Ursprungs sind und dem vagen Konzept des Album entsprechen.</p>
<p>Den zeitgeschichtlichen Hintergrund bilden die politischen Umwälzungen im Afghanistan der 70er. Ein paar Jahre zuvor kam es zum Staatsstreich durch die kommunistische „Afghanische Volkspartei“, die aufgrund ihrer inneren Gespaltenheit kaum Stabilität zustande brachte, was dann zum Einmarsch der Sowjets führte. Die folgenden Unruhen dauern bis heute an, und in früheren Interviews setzte Kirk die Ereignisse in einen epochalen Querschnitt, zog Verbindungen zwischen dem gleichzeitigen Aufkommen von Islamisten und Evangelikalen, sowie zur Zuspitzung des östlichen und westlichen Hegemonialstrebens. Der symbolträchtige Titel „Red Mecca“ umfasst all dies, denn neben der kommunistischen und religiösen Semantik offenbart sich auch der westliche Blick, der all dies gerne in griffige Stereotypen packt.</p>
<p>Dass das Album eher Reaktion als Komentar ist, offenbart sich in der Punktualität des Themas auf musikalisch-textlicher Seite, was dem Titel recht unterdeterminiert erscheinen lässt. Es begnügt sich in einem fremdsprachigen (arabischen?) Sample über groovigen Bassläufen in „Black Mask“ und der orientalischen Melodie in „A Thoussand Ways“, die zusammen mit der spacigen Orgel und altertümlichen Maschinensounds eine verdrehte, psychedelische Stimmung entstehen lässt. Viele der Songs haben die kompakte Straightness, die jeder nostalgische Clubgänger an einem Überhit wie „Nag Nag Nag“ liebt, doch stets begleiten Berge unaufgeräumten Soundmülls den Taktschlag und machen jedes Gruftiediskoidyll zunichte, für das die demonstrativ nach hinten gemischten Vocals ohnehin zu viel des Guten waren. Wie zur Untermauerung der eigenen Unberechenbarkeit verbreitet der hörspielartige Vor- und Nachspann, eine lupenreine Dekonstruktion von Henry Mancinis „Touch of Evil“-Soundtrack, ein kaputtes Lounge-Ambiente, das einige Dark Jazzer um Jahrzehnte vorwegnimmt.</p>
<p>In den letzten Jahren sind Cabaret Voltaire ein bisschen zu einer Band mutiert, zu der jeder subkulturell interessierte Hörer eine respektvolle Meinung hat, der jedoch zugleich wenig Bezug zur Jetztzeit zugestanden wird. Dass ihre klassischen Werke nicht derart im Gedächtnis der Industrial-Hörer verankert sind wie TG, SPK oder NON könnte mit oben genannten Gründen zusammenhängen und könnte zugleich ein Beleg für jemanden wie Simon Reynolds sein, der in <em>Rip It Up And Start Again</em> den bedeutsamen, quantitativ aber überschaubaren Industrial lediglich als Teil des ohnehin sehr heterogenen Punk&#8217;n'Wave-Phänomens gelten lies. Wie dem auch sei lohnt eine Auseinandersetzung mit CV durchaus. Bleibt zu wünschen, dass diese Wiederveröffentlichung und die bald folgenden dazu einen Anstoß geben. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.mute.com">Mute</a></strong></p>
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