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	<title>African Paper &#187; Roky Erickson</title>
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		<title>V.A.: Alien I Creator &#8211; A Tribute To Roky Erickson Vol. 2</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2026 02:35:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mit &#8220;Alien I Creator – A Tribute To Roky Erickson Vol. II&#8221; setzt das Oberhausener Label Gruselthon seine im vergangenen Jahr begonnene Hommage an einen der eigenwilligsten und zugleich prägendsten Musiker der amerikanischen Gegenkultur fort. Schon der erste Teil &#8220;I &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/06/06/v-a-alien-i-creator-a-tribute-to-roky-erickson-vol-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/05/alienicreator.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-51272" title="alienicreator" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/05/alienicreator-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit &#8220;Alien I Creator – A Tribute To Roky Erickson Vol. II&#8221; setzt das Oberhausener Label Gruselthon seine im vergangenen Jahr begonnene Hommage an einen der eigenwilligsten und zugleich prägendsten Musiker der amerikanischen Gegenkultur fort. Schon <a title="V.A.: I Think Of Demons – A Tribute to Roky Erickson Vol. 1" href="https://africanpaper.com/2024/08/24/v-a-i-think-of-demons-a-tribute-to-roky-erickson-vol-1/">der erste Teil &#8220;I Think Of Demons&#8221; </a>machte deutlich, wie tief die Faszination reicht, die von Roky Erickson und seinem Werk bis heute ausgeht – und wie offen und <span id="more-51271"></span>wandelbar diese Musik und die sich dahinter entfaltende Ideenwelt geblieben ist und wie gegenwärtig sie zumindest im Rahmen kreativer Subkulturen sein kann. Die nun vorliegende zweite Sammlung, dessen Optik mit etwas Fantasie an einen Cherubim erinnert, knüpft daran an, erweitert den Kosmos aber noch einmal in andere Richtungen und wagt sich mit großer Selbstverständlichkeit an Transformationen, die manchmal weit über klassische Coverversionen hinausgehen.</p>
<p>Dass Erickson bis heute eine solche Projektionsfläche darstellt, liegt nicht allein an seiner Rolle als Frontmann der 13th Floor Elevators, die in den Sechzigern entscheidend an der Herausbildung dessen beteiligt waren, was bald Psychedelic Rock heißen sollte. Es liegt ebenso an der seltsamen Spannung seiner Musik selbst: Diese Songs wirkten oft zunächst wie energiegeladener Garage Rock oder angeblueste, rhythmusbetonte Beatmusik, bis sich in ihnen langsam etwas Fremdes, Verstörtes und Visionäres bemerkbar machte. Tremolierende Gitarren, fiebrige Dröhnungen, surreale Texte und Ericksons zwischen Euphorie und Zusammenbruch schwankende Stimme verliehen dem Ganzen eine Intensität, die selbst Jahrzehnte später kaum an Wirkung verloren hat. Gerade das Solowerk mit seinen Monstern, Geistern, Aliens, Vampiren und metaphysischen Liebesvisionen bleibt ein Faszinosum zwischen Horrorfilm, Outsider-Kunst und zutiefst menschlicher Verletzlichkeit. Im Kontext des ersten teils schrieb ich noch mehr dazu.</p>
<p>Bereits der Auftakt dieser neuen Anthologie macht klar, dass es auch hier nicht um museale Ehrfurcht geht. The Creeping Candies eröffnen die Sammlung mit &#8220;Fire in My Bones&#8221; schwülheiß und dreckig. Die Augsburger Garage Blues-Veteranen, einst von Nikki Sudden gefördert, bewegen sich zwar relativ nah am Original, doch die leicht klarere Produktion legt andere Schichten frei: quiekende Gitarrensoli, ein bluesiger, taumelnder Rhythmus und verwegene Vocals voller Tradition im Gepäck. Es klingt bisweilen, als würden The Cramps und The Raymen nachts gemeinsam durch zähes Öl waten. Das genaue Gegenteil folgt mit <a title="Die Tränen und das Zittern unter der Discokugel. Ein Interview mit L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé" href="https://africanpaper.com/2024/06/15/die-tranen-und-das-zittern-unter-der-discokugel-ein-interview-mit-leglise-du-mouvement-peristaltique-inverse/">L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé</a> und ihrer Version von &#8220;White Faces&#8221;, hier &#8220;Visages Blancs&#8221; genannt und vollständig auf Französisch gesungen. <a title="You’re Mine Again: Reissue des Albums von Nick Grey And The Random Orchestra" href="https://africanpaper.com/2026/05/24/youre-mine-again-reissue-des-albums-von-nick-grey-and-the-random-orchestra/">Nick Grey</a> und Charles Pietri verwandeln den Song vom Soloalbum &#8220;The Evil One&#8221; in eine geisterhafte Cold Wave-Meditation. Der halb geflüsterte Gesang, die eleganten Synthesizerlinien und die latent cembaloartigen Klangfarben erzeugen eine seltsam feierliche Abgründigkeit und sorgen für einen der frühen Höhepunkte der Sammlung.</p>
<p>Weltraumservice gehen mit &#8220;Splash 1&#8243; noch stärker in Richtung Auflösung und Traumlogik. Gitarrenpickings tauchen aus verrauschtem Rumoren auf und werden davon beinahe verschluckt, ehe elektronische Rhythmen allmählich Struktur hineinbringen. Der fragile Tenorgesang und die weiblichen Backing Vocals verleihen dem Stück eine empfindsame Schwerelosigkeit. Aus dem ohnehin schon entrückten Elevators-Original wird hier ein schimmernder Schwebezustand zwischen kosmischem Folk und zerfledderter Erinnerung. Ganz anders wiederum Eklipse beziehungsweise Maline Zickow und Justin, die &#8220;You Don’t Love Me Yet&#8221; in ein melancholisches Kammerstück überführt. Wo das Original noch deutlicher in hippiesker Songwriter-Tradition verwurzelt war, dominieren nun kratzige Streicher, verrauschte Texturen und eine eigentümliche Eleganz. Dass das Ganze instrumental bleibt, verstärkt die Wehmut zusätzlich. Das Stück wirkt wie ein kurzer Blick in ein verlassenes Theater kurz nach Mitternacht.</p>
<p>Mit Crayon Moon wird es wieder laut und exzessiv. &#8220;The Wind and More&#8221; bleibt recht dicht am Original von &#8220;The Evil One&#8221;, doch die belgischen Musiker um Aldo Struyf – der unter anderem mit Mark Lanegan und Masters of Reality gearbeitet hat – verwandeln den Song in ein derbes Nachtstück psychedelischen Hardrocks. Besonders eindrucksvoll ist die Stimme des Sängers mit ihrer deutlichen Patina &#8211; die trägt eine unterschwellige Paranoia in sich, die sich hinter der Ekstase verbirgt und dadurch umso stärker wirkt. Der aus Brooklyn stammende Komponist Kyle Acheson, der inzwischen viel Musik für Film und Theater schreibt, macht aus &#8220;Anthem (I Promise)&#8221; eine der originellsten Neuinterpretationen des Albums. Das schmissige Strumming und die heulenden Vocals des Originals verschwinden hinter Staubwolken aus Synthesizer-Glissandi und verträumter Distanz. Zweieinhalb Minuten lang scheint man durch eine surreale Traumlandschaft zu schweben, halb romantisch, halb verloren.</p>
<p>Auch Heron &amp; Crane bleiben vergleichsweise nah an Ericksons Vorlage von &#8220;I Had to Tell You&#8221;, versehen den Song aber mit subtilen räumlichen Verschiebungen. Das psychedelisch-elektronische Minimalisten-Duo erzeugt eine leicht schwindelerregende Tiefenwirkung, als würde man &#8211; auch die Liner Notes legen das nah &#8211; alte Science-Fiction-Literatur in einem langsam rotierenden Planetarium lesen. Ein weiteres Highlight folgt mit Santa Maria Death Trip und ihrer Interpretation von &#8220;Reverberation&#8221;. Tremolierende Gitarren, ein insgesamt vibrierender Sound und Emmanuelle Dayons starke Stimme machen aus dem Klassiker vom 1966er Elevators-Debüt ein rauschhaftes Psych-Stück voller nächtlicher Energie. Zwar geht dabei etwas von der subtilen Nervosität des Originals verloren, doch dafür entsteht ein hypnotischer, beinahe euphorischer Sog, in dem irgendwo auch Klapperschlangen mitrasseln.</p>
<p>Das lose Hamburger Kollektiv Dreaming Strange Pedal Steel Orchestra verwandelt &#8220;Be and Bring Me Home&#8221; anschließend fast vollständig. Nach einem kurzen Auftakt mit weiblichem Gesang (wohl solo, gleichwohl es an Mehrstimmigkeit erinnert) übernimmt die Pedal Steel das Kommando und zieht das Stück in verträumte Americana-Weiten. Aus dem schrammeligen, hypnotischen Original wird eine sehnsüchtige instrumentale Meditation über Sehnsucht und Trost. Mit Jeff Gallagher a.k.a. Jeff, Unfortunately und Kryssi B. wird es deutlich folkiger. &#8220;For You&#8221; erscheint hier als verschlafene, verstaubte Ballade mit Akustikgitarre und Mundharmonika. Alles klingt gedämpft, als läge eine Filzdecke über den Mikrofonen, und gerade diese Müdigkeit verleiht dem kindlich-direkten Liebesbekenntnis des Originals jedoch eine eigentümliche Zerbrechlichkeit.</p>
<p>Besonders faszinierend gerät Clay Cameros Version von &#8220;She Lives (In a Time of Her Own)&#8221;. Field Recordings von Schritten und aufgewühlten Vögeln eröffnen das Stück, ehe sich helle Droneflächen darunter schieben. Darüber liegen wehmütige Pianoparts und somnambule Vocals an der Grenze zum Flüstern. Ericksons Text über eine Frau, die gleichsam außerhalb der linearen Zeit existiert und Liebe als eine spirituelle Kraft verkörpert, erhält dadurch etwas geisterhaft Intimes. Später brechen plötzlich kratzigere Psychrock-Elemente und ein tänzelnder Beat herein, als würde die ganze Szenerie unbewusst in eine nächtliche Clublandschaft kippen. Die Griechin Ren Water, hauptberuflich Frontfrau bei Echo Train, liefert mit &#8220;Burn the Flames&#8221; schließlich einen hochdramatischen Beitrag. Ihre eindringliche Stimme wechselt zwischen leidenschaftlichem Gesang, Sprechpassagen und dem dämonischem Lachen, das auch durch das Original spukt, begleitet von psychedelischer Orgel, griffigen Gitarren und Klängen, die wie Theremin oder singende Säge wirken. Der Song, dessen Original in <em>The Return of the Living Dead</em> zu hören war, entfaltet hier erneut seine vampirische Bildwelt aus Dunkelheit und nie verlöschenden Flammen.</p>
<p>Mit Sarg Usuk und Dispens erreicht die Sammlung ihren vielleicht hypnotischsten Moment. Ihre fast achtminütige Version von &#8220;Slip Inside This House&#8221; baut sich langsam aus verrauschten Klanglandschaften, Fingerpicking-Motiven und orientalisch anmutenden Arabesken auf. Das Original wird nur noch geisterhaft angedeutet; man meint seine melodischen Konturen eher zu erinnern als tatsächlich zu hören. Die geflüsterten Lyrics im letzten Drittel wirken wie Botschaften aus einer postapokalyptischen Traumwelt. Den Abschluss bildet Karen Zanes mit &#8220;Unforced Peace&#8221;. Orgelartige Synthies, rasselnde Percussion und ein entrückter Gesang verschmelzen beinahe vollständig miteinander. Nach all den Nachtstücken, Geistererscheinungen und psychedelischen Umwegen wirkt dieses Finale wie ein leiser, hoffnungsvoller Ausblick – ein ruhiger Nachhall inmitten des so kurzweiligen wie abgründigen Roky-Universums.</p>
<p>Im Vergleich zu &#8220;I Think Of Demons&#8221; wirkt &#8220;Alien I Creator&#8221; insgesamt etwas geschlossener. Der erste Teil, auf dem einige unserem Leserinnen und Lesern vertraute Gestalten wie Allysen Callery, Violet Nox, Walker Phillips und Caira Paravel, Giant Crow und nicht zuletzt Trappist Afterland vertreten waren, setzte stärker auf stilistische Sprünge zwischen Acid Folk, Synth-Wave, Doom, Garagenrock und elektronischer Psychedelia, während Vol. II die nokturnale Traumlogik und das Somnambule deutlicher zusammenführt. Elektronische Elemente bleiben zwar wichtig, treten diesmal aber subtiler in Erscheinung, stattdessen dominieren verrauschte Nachtstimmungen, tremolierende Gitarren, geisterhafte Stimmen und eine eigentümliche Form von sehnsüchtiger Introspektion.</p>
<p>Gerade dadurch gelingt Gruselthon erneut weit mehr als eine bloße Tribute-Compilation: Diese Anthologie zeigt, wie lebendig, wandelbar und inspirierend Roky Ericksons Werk geblieben ist – und wie viele verborgene Türen in diesen Songs auch heute noch darauf warten, geöffnet zu werden. Und übrigens besticht die Veröffentlichung auch diesmal wieder durch tolles Bonusmaterial &#8211; neben einem Sticker, einem stylischen Pop Art-Poster zwischen Pharaonenkult und extraterrestrischem Fiebertraum ist auch ein Bastelspaß für die ganze Familie dabei. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Gruselthon</strong></p>
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		<title>Birds That Change Colour spielen in Oberhausen</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 07:12:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am 15. November spielt Koen Kohlbacher mit seinem originellen Bandprojekt Birds That Change Colour eines seiner raren Konzerte im Oberhausener AKA 103 in den Räumlichkeiten der Ruhrwerkstatt. Das belgische Folkprojekt, benannt nach einer optischen Täuschung bei der Wahrnehmung bestimmter Vogelfedern &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/10/26/birds-that-change-colour-spielen-in-oberhausen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 15. November spielt Koen Kohlbacher mit seinem originellen Bandprojekt Birds That Change Colour eines seiner raren Konzerte im Oberhausener AKA 103 in den Räumlichkeiten der Ruhrwerkstatt. Das belgische Folkprojekt, benannt nach einer optischen Täuschung bei der Wahrnehmung bestimmter Vogelfedern und bekannt für seinen in Americana, Blues(-Rock) und eine reizvolle Melancholie getauchten Psych Folk, hat im <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/btcc.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-48779" title="btcc" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/btcc.jpg" alt="" width="1643" height="2048" /></a><span id="more-48778"></span></p>
<p>vergangenen Jahrzehnt mit Alben wie &#8220;On Recording the Sun&#8221; und &#8220;On Recording Birds&#8221; erstmals im heimischen Antwerpen und darüber hinaus von sich reden gemacht &#8211; unseren Leserinnen und Lesern wurden sie im Rahmen der furiosen <a title="V.A.: I Think Of Demons – A Tribute to Roky Erickson Vol. 1" href="https://africanpaper.com/2024/08/24/v-a-i-think-of-demons-a-tribute-to-roky-erickson-vol-1/">Anthologie &#8220;I Think Of Demons – A Tribute to Roky Erickson Vol. 1&#8243; </a>vorgestellt, auf der sie den 13th Floor Elevators-Klassiker &#8220;Don’t Fall Down&#8221; interpretierten und sich damit verdientermaßen in eine Reihe mit internationalen Acts wie Allysen Callery, Trappist Afterland, Kristina Jung und die Eheleute Paraval und Phillips stellten. Der Abend wird präsentiert von den Labels Cosirecords und Gruselthon.</p>
<p>Samstag, 15.11.2025<br />
Beginn 19:30 Uhr<br />
AKA 103, Ruhrwerkstatt<br />
Akaziensraße 103<br />
46045 Oberhausen</p>
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		<title>V.A.: I Think Of Demons &#8211; A Tribute to Roky Erickson Vol. 1</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Aug 2024 00:33:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Manchmal kommt zusammen was zusammenkommen muss. Das von dem Oberhausener Enko Landmann betriebene Label Gruselthon feierte seit Beginn seiner Aktivitäten nicht nur die unterschiedlichsten Spielarten abwegiger Musik, sondern auch allerhand finstere Gestalten, die unsere fantastischen Tag- und Albträume heimsuchen und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/08/24/v-a-i-think-of-demons-a-tribute-to-roky-erickson-vol-1/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/08/itod.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-42041" title="itod" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/08/itod-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal kommt zusammen was zusammenkommen muss. Das von dem Oberhausener Enko Landmann betriebene Label Gruselthon feierte seit Beginn seiner Aktivitäten nicht nur die unterschiedlichsten Spielarten abwegiger Musik, sondern auch allerhand finstere Gestalten, die unsere fantastischen Tag- und Albträume heimsuchen und den kreativeren Teil der Menschheit bereits zu unzähligen Romanen, Filmen, Comics und Platten inspirierten. <span id="more-42039"></span>Keinesweg wunderte es mich dann vor einigen Monaten zu erfahren, dass der Kurator auch ein glühender Fan des legendären texanischen Sängers, Gitarristen und Songschreibers Roky Erickson ist, der bereits in den 60ern mit seiner Band 13th Floor Elevators Musikgeschichte schrieb und nach deren Auflösung solo und in verschiedenen Konstellationen weiterhin großartige Alben aufnahm.</p>
<p>Erickson zählte mit besagter Combo zu den maßgeblichen Begründern dessen, was als Psychedelic Rock in die Annalen der Musikgeschichte eingehen sollte. Viele der auf den drei regulären Alben, v.a. aber auf dem bahnbrechenden Debüt &#8220;The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators&#8221; vertretenen Songs muten für ein paar Sekunden wie angenehm hörbare, mit viel Rhythm &amp; Blues-eingefärbte Beatmusik an, bis die kleinen Störfaktoren, für die der eine oder andere schon das passende Ohr haben mag, die bei vielen aber noch für einige Momente der Verdrängung anheimfallen, immer deutlicher werden und bald unüberhörbar an die Oberfläche dringen. Garagige Omen eines schnoddrigen Protopunk, zerfletterte Kompositionsstrukturen, trippiges Tremolo allenthalben, schwindelerregende dionysische Dröhnung, die u.a. dem basswummernden Einsatz eines elektrifizierten Jug zu verdanken war, und vor allem die Signatur eines Getriebenen in den intensiven, wandlungsvollen Vocals des Frontmannes erhoben die 13th Floor Elevators von Beginn an über die Doors und Jefferson Airplanes dieser Welt und machten ihren Konsum für viele zu einer reizvoll riskanten Angelegenheit.</p>
<p>Auch wenn neunmalkluge Berufsdenker den Autor an sich seit Jahrzehnten bereits für tot zu erklären versuchen, kann man die Abgründigkeit der musikalischen Trips dieser Band nicht ohne die Persönlichkeit ihres Sängers und Chefideologen betrachten. Erickson war wahrscheinlich das, was man heute eine hochsensible Persönlichkeit nennen würde, und sein schonungsloser Umgang mit den Potenzialen seines Geistes und recht bald auch mit Substanzen aller Art brachten ihn über kurz oder lang an die Grenze zur Psychose und zeitweise wohl ein paar Schritte darüber hinaus. So verbrachte er dann auch immer wieder gewisse Zeiten in Kliniken und Besserungsanstalten und vor allem auch für Jahre in relativer Zurückgezogenheit, in der nur seine fürsorgliche Mutter und einige wenige Freunde persönlichen Zugang zu ihm hatten.</p>
<p>Für seine Musik hatten diese Persönlichkeitszüge gute und schlechte Auswirkungen, die zu beurteilen auch immer von den Geschmacksfragen des jeweiligen Publikums abhängen. Oft kam es mit seinen Kollegen zu getrennten Wegen und gerade in Zeiten nach den Elevators gab es zahlreiche stilistische Brüche. In weniger erschöpften Zuständen hätte es vielleicht noch mehr Musik gegeben, doch die Abgründigkeit und fantasievolle Natur seiner Musik profitierten in jedem Fall von den Richtungen, die sein Leben nahm (während ein anderer Bandkollege musikalisch verstummte und später Karriere bei Scientology machte, doch das ist freilich eine andere Story). Die unberechenbaren Stimmen und Nachtgesichte in seinem Kopf flossen in reichhaltigen Bildern in die Texte gerade seines Solowerks, dabei bediente er sich eines Arsenals an Figuren, die er Filmen und Büchern entlehnte: Vampire, Dämonen, Geister, Teufel, Aliens, hybride Kreaturen und Mutanten, und dann der immer wieder gefühlt im Minutentakt zwischen Himmel und Hölle hin und her springende Hop Scotch des vielleicht mysteriösesten aller Bewusstseinszustände, nämlich der Liebe, die oft fälschlicherweise als Gefühl bezeichnet wird.</p>
<p>Mit dem Tribute &#8220;I Think of Demons&#8221;, das den hoffnungsfroh stimmenden Zusatz &#8220;Vol. 1&#8243; trägt, setzt Gruselton dem Genie dieses Musikers ein kreatives Denkmal, welches darüber hinaus auch einige der wichtigsten musikalischen Acts aus dem Umfeld des Labels zusammenbringt – plus einige Künstler, deren Werk Landmann bisher aus der Ferne bewunderte. Das Resultat ist beachtlich, und eine der Qualitäten, die gleich in den ersten Minuten des ersten Hördurchgangs auffallen, ist die Bandbreite hinsichtlich der Entscheidungen, wie nah bzw. fern sich die beteiligten Acts an dem Originalmaterial bewegen wollten. Die folgende, gezielt auf Abwechslung setzende Anordnung der einzelnen Beiträge leistet diesem Eindruck freilich Vorschub.</p>
<p>Das mir bislang unbekannte Projekt BAR eröffnet die Sammlung gleich mit einem Gassenhauer, nämlich dem Titeltrack des Mitte der 80er erschienenen Soloalbums &#8220;Clear Night for Love&#8221;, und schaltet bei dem sehr eingängigen beschwingten Stück mit seinen vulnerablen Untertönen ein oder zwei Gänge herunter – der Song könnte in der Version wunderbar den Abspann eines Films untermalen. Eher auf Transformation setzen die vielen unserer Leser wohl bekannten Bostoner Violet Nox: Wie interessanterweise die meisten Beteiligten wählten die futuristischen Psych-Elektroniker mit &#8220;Stand for the Fire Demon&#8221; einen Song des ebenfalls aus den 80ern stammenden Roky Erickson and the Aliens-Albums &#8220;The Evil One&#8221;, dessen von Ericksons gepresster Stimme und einem zünftigen Hardrocksound geprägten Stil sie in eine ergreifend sehnsuchtsvolle Synthienummer verwandeln, die wie aus einem verhallten,  nebelverhangenen Club herübergeweht scheint und dabei das Nokturnale unangetastet lässt. Würde man das Original nicht kennen, könnte man den Song glatt für einen ihrer eigenen halten, und sollte jemals jemand die Zeitmaschine erfinden, so sollte man die Version wie sie ist in die besten Clubs der 80er verpflanzen, sie wäre ein Höhepunkt in jeder dunklen Tanzveranstaltung.</p>
<p>Während sich Los Buerlecitiños wieder recht nah am Original bewegen, und einem der bekanntesten Klassiker der Elevators, dem ratternden, wusseligen und von Verzweiflung getriebenen Abgesang auf eine unbalancierte Liebe &#8220;You&#8217;re gonna miss me&#8221; ein Denkmal setzen, überführt Allysen Callery das in seinem akustischen Strumming und der endlos anmutenden Repetition des Titels beschwöhrend anmutende 86er Solostück &#8220;I am&#8221; in das Dämmerlicht eines spukhaften Neuengland, wo der Teufel sich zwischen dem sanften Finger Style und dem traumwandlerischen Gesang gerade so gut zu verstecken weiß wie er will. Birds That Change Colour nehmen sich mit &#8220;Don&#8217;t Fall Down&#8221; einen Elevatorsklassiker vor und heben dessen exzentrische Details noch deutlicher hervor, Fenton Weills dagegen spielen das unglaublich aufwühlende &#8220;Roller Coaster&#8221; vom Debüt etwas dumpfer, kauziger und zugleich introvertierter, besonders stark wirkt hier der Kontrast zwischen federleichten Takten und kernigem Saitenspiel. Die Nürnberger Garage Psych-Rocker Shiney Gnomes wissen besonders die Melancholie aus dem 69er &#8220;May the Circle Remain Unbroken&#8221; mit seinem sensiblen Gesang vor zerfleddderter Klangkulisse herauszukitzeln.</p>
<p>Weiter geht&#8217;s mit zwei weiteren Stücken vom &#8220;The Evil One&#8221;-Album. Mit berührenden Streichern, ätzenden Saiten, einem aufgeweckt klingelnden Banjo und vor allem dem feierlichen Pathos eines stark in den Vordergrund gemischten Gesangs demonstrieren die Hamburger Newcomer Giant Crow, wie viel Drama in dem Song &#8220;If you have Ghosts&#8221; mit seinen im Original kraftvollen Rockriffs steckt, einem eindringlichen Stück über den Reichtum der Besessenheit &#8211; kein schlechtes Thema für all jene, die sich wie der Verfasser dieser Zeilen für eine hanseatische Antwort auf den sogenannten Denver Sound begeistern können. Die Cosmic Kangaroos, bei denen ein Frosch, eine bewaffnete Gangsterbraut und einer der Marx Brothers am Werk sind, haben sich &#8220;Creature with the Atom Brain&#8221; vorgenommen, im Original ein Paradebeispiel für den abgründigen nächtlichen Bikerrock des Erickson der 80er. Ohne sich allzu stark von diesem zu entfernen, schlagen die Kängurus in ihrer Interpretation die Brücke zum klassischen Elevators-Feeling, in dem sie den Song besonders psychedelisch kratzen, piepen, orgeln, jaulen und klingeln lassen.</p>
<p>Im finalen Drittel der Sammlung dominieren &#8211; abgesehen von Aeon Crypt mit ihrer staubig schleppenden und dennoch die klanglichen Kontraste stark konturierenden Doom-Stoner-Hardrock-Version von &#8220;Two Headed Dog&#8221;– die filigraneren Töne und lassen wahrscheinlich viele Leser unseres Magazins besonders auf ihre Kosten kommen. Da wäre zum einen die originelle Interpretation des (ebenfalls wieder vom besagten 80er Album stammenden) &#8220;Night of the Vampire&#8221; von keinen Geringeren als Walker Philips und Caira Paraval, die privat ein Paar sind und neben ihren Soloarbeiten noch zusammen in der Band Tabernacle spielen. Im Gegensatz zu ihrem ansonsten eher akustisch dominierten Acid Folk gehen die beiden hier mit nostalgischen Synthies zu Werke. Griffige kreisende Klangflächen, unterschwellige Dröhnung, Eispickelbeats, männlich-weiblicher Gesang und markerschütternde Schreie, die direkt aus einem Film von Mario Bava gefallen sein könnten, machen hier aus der energischen Rocknummer ein ganz anderes Stück. Ein weiteres besonderes Highlight ist Kristine Jungs originelle Interpretation des kraftvollen Nachtstücks &#8220;Cold Night For Alligators&#8221;, dem sie mit fragilem Gesang, Kinderstimmen, einer versteckten instrumentellen Opulenz und v.a. einer leisen, unprätentiösen Beiläufigkeit gerade eine besondere Intensität verleiht.</p>
<p>Den Abspann bestreitet dann Adam Geoffrey Cole alias Trappist Afterland, dessen neues Album bald in den Startlöchern stehen wird. Und da sich für ein gutes Finale kaum etwas besser eignet als ein Song, der mit wenigen Mitteln ganz großes sagt, hat er &#8220;Mighty is our Love&#8221; vom den 87er &#8220;Holiday Inn&#8221;-Tapes. Dem fisselig-improvisiert wirkenden Strumming aus locker gespannten Saiten und dem berührenden Text stellt er zusätzlich auch durch seinen sensibel tremolierenden Stimmeinsatz eine versöhnende Note zur Seite, die niemanden kalt lassen sollte. Mein Fazit ist kurz und besagt, dass diese gelungene Anthologie &#8211; mit Vorfreude auf Teil 2 &#8211; ein wunderbarer Anlass ist, den Ericksonkosmos kennen zu lernen und obendrein mehr als zwei Handvoll Acts, deren Oeuvres einen mehr als soliden Kern einer &#8220;neopsychedelischen&#8221; Plattensammlung bilden können. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Gruselthon</strong></p>
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