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	<title>African Paper &#187; Sehnsucht</title>
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		<title>VIVIANKRIST / RISARIPA: Fuyu</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Feb 2022 06:16:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf &#8220;Fuyu&#8221; treffen wir auf zwei Musikerinnen, die die Bühne bereits zusammen in den Jahren nach 2000 betraten: Eri Isaka alias Viviankrist als Shouterin und Bassistin der Crust-Doom-BM-Combo Gallhammer und Risa Egawa alias Risaripa am Schlagzeug derselben Band. Beide sind &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2022/02/12/viviankrist-risaripa-fuyu/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/01/fuyurisaripa.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-28519" title="fuyurisaripa" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/01/fuyurisaripa-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf &#8220;Fuyu&#8221; treffen wir auf zwei Musikerinnen, die die Bühne bereits zusammen in den Jahren nach 2000 betraten: Eri Isaka alias Viviankrist als Shouterin und Bassistin der Crust-Doom-BM-Combo Gallhammer und Risa Egawa alias Risaripa am Schlagzeug derselben Band. Beide sind auch nachdem die Gruppe vorerst auf Eis gelegt wurde aktiv und haben in der Zwischenzeit dunkle, meist lärmende elektronische Musik als Ausdrucksmedium entdeckt, oder besser<span id="more-28518"></span> wiederentdeckt, denn beide waren schon vor Gallhammer in ähnlichen Gefilden unterwegs. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu musikalischen Zusammentreffen in Form von Splits, Kollaborationen und gemeinsamen Auftritten, das Gros ihrer Arbeiten erfolgt jedoch solo. Gerade Risaripa ist seit einiger Zeit ungemein produktiv, seit ihrem Tape &#8220;Kuniumi&#8221; erschienen bereits zwei weitere digitale Alben.</p>
<p>&#8220;Fuyu&#8221;, das im japanischen &#8220;Winter&#8221; bedeutet und den Themenrahmen klar vorgibt, ist gewissermaßen Kollaboration und Split zugleich, denn beide Künstlerinnen steuern neben gemeinsamen Tracks auch einzelne Stücke bei. Dass das Album dennoch wie aus einem Guss wirkt, ist sicher nicht nur der Verwendung der gleichen Klangquellen &#8211; neben Risas Stimme modulares Eurorack-Gerät &#8211; geschuldet, sondern auch einer gemeinsamen musikalischen Vision.</p>
<p>Viviankrist eröffnet die Sammlung mit den kreisenden, rhythmischen Loops von &#8220;Soar Into Spring&#8221;. Was immer dort erwacht, erfährt leichte Veränderungen bzw. Ergänzungen, die so subtil bleiben, dass man sie kurzzeitig für Illusionen halten könnte. Alles ist kühl und prescht nach vorn, verweigert aber konzequent den Absturz in konventionelle Techno-und Elektrostrukturen, bliebt so etwas wie einer elektronischen Minimal Music (nicht Minimal Electro) verpflichtet. Etwas tastender und zugleich nervöser gestaltet sich das ebenfalls von ihr im Alleingang produzierte &#8220;Slipping On Ice&#8221;, dessen Rhythmik in einem inneren Widerstreit begriffen ist, obwohl sie vordergründig so simpel wirkt. Wer bislang eher die wärmeren doomigen Klanglandschaften kennt, die sie unter dem Namen Gallkrist produziert, lernt hier eine ganz andere Seite der Künstlerin kennen, die heute im kühlen Norden Europas lebt.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/01/fuyuviviankrist.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-28520" title="fuyuviviankrist" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/01/fuyuviviankrist-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>An die vordergründig aufgeräumte Taktung knüpft Risaripa mit &#8220;The Broken Heater&#8221; an, dessen brummende und fiepende Analogsounds eine surreale Komponente einbringen, die durch weitere Details &#8211; die stete Veränderung der Takte und nicht zuletzt Risas verfremdete, unverständliche Vocals &#8211; unterfüttert wird. Auch hier steigert sich einiges, und wenn man irgendwann merkt, dass man wie eine Staubschicht von einer Tischplatte gewischt wird, ist es bereits zu spät. Auch ihr &#8220;Omiwatari&#8221; nimmt das Tempo zurück und illustriert ebenso subtil wie harsch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Suwa-See">das Aufbäumen des Eises, das auf einem zugefrorenen See beeindruckende kleine Bergrücken bildet</a>. Ihr kehliger Gesang wird einige an gewisse Horrorfilme erinnern. Dass ein Sinn für bizarre Komik ein (gar nicht immer verstecktes) Kennzeichen ihrer Musik ist, zeigt sich auch hier.</p>
<p>In besseren Zeiten wäre das Werk auf Vinyl erschienen und die zweite Seite wäre dann ganz den gemeinsamen Aufnahmen der beiden vorbehalten. Auf das gebrochen rhythm-noisige &#8220;Creatures of Winter&#8221;, das in beide Richtungen an der Dynamikschraube dreht, folgt &#8220;Exreme Omochi-tsuki&#8221;, ein von flirrenden und quietschnden Analogsounds begleiteter Marsch, und selbst der gefrorene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mochi">Reiskuchen</a> im Titel hat die Kälte mit den Referenzen der anderen Songs gemeinsam.</p>
<p>&#8220;In The Night Sky&#8221; lässt eine wilde Jagd mit recht straightem Klappern übers Firmament ziehen, &#8220;Story Of Snowy Night&#8221; schließt das Album dann wie ein sehnsuchtsvoller Klangegesang ab &#8211; auch wenn Risas typische Stimmarbeit, aus der man die Wurzeln im Metal deutlich erkennt, nicht für jeden ins elegische Bild passen mag, aber die Musik auf &#8220;Fuyu&#8221; mit ihrem winterkalten Sound ist auch nicht für jeden gedacht. Man darf gespannt sein, was die kommenden Jahreszeiten bringen. (U.S.)</p>
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		<title>ANDREW LILES: Muldjewangk, Morgawr &amp; Other Monsters</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:31:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Kryptozoologie ist eine Art Parawissenschaft, die sich im Schatten des Hochbetriebes unserer Wissensfabriken eine kleine Nische gesichert hat. In ihrem Wesen oft spekulativ, versucht sie höchst interessanten Fragen auf den Grund zu gehen. Wie viele unentdeckte Tierarten mag es &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/andrew-liles-muldjewangk-morgawr-other-monsters/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/muldjiwangk.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-243" title="muldjiwangk" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/muldjiwangk-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Kryptozoologie ist eine Art Parawissenschaft, die sich im Schatten des Hochbetriebes unserer Wissensfabriken eine kleine Nische gesichert hat. In ihrem Wesen oft spekulativ, versucht sie höchst interessanten Fragen auf den Grund zu gehen. Wie viele unentdeckte Tierarten mag es wohl auf unserem Planeten geben, und wird man sie jemals alle entdecken? Wie groß war die Fauna vergangener naturgeschichtlicher Epochen, über die man nur Bruchstücke weiß? Und welche Tiere waren eigentlich die Urbilder der vielen Fabelwesen, die die Mythen aller Kulturen bevölkern?<span id="more-241"></span></p>
<p>Gerade letztere Frage muss zwangsläufig immer ein Stückweit offen bleiben, und vielleicht teilen sich die Forscher den Bereich auch deshalb seit jeher mit Künstlern, Schriftstellern und anderen Mythenschöpfern, denen an einer sachlichen Demystifikation (zum Glück) nur am Rande gelegen ist. Einer der zur Zeit umtriebigsten Erforscher bizarrer Wesen ist Musiker und kein geringerer als NURSE WITH WOUND-Kollaboratuer Andrew Liles, seit Monaten als unermüdlicher Serientäter im Rahmen seiner „Monster“-Reihe aktiv und Lesern dieser Seite hinlänglich bekannt. Sein neuestes Werk ist eine fast hörspielartige Reise durch ein abenteuerliches Bestiarium, das nicht nur die Mythen fast aller Kontinente wie in einer barocken Wunderkammer präsentiert, sondern auch eine leidenschaftliche Hommage an den zum Teil naiven Exotismus unserer eigenen Populärkultur darstellt.</p>
<p>Die Reise beginnt mit „Tomte (Solitaire)“ im hohen Norden. Wer bei dem Namen und der Himmelsrichtung jetzt an eine Hamburger Indieband denkt, ist allerdings auf dem Holzweg, denn in dem Fall geht es um einen skandinavischen Kobold, der in den nordischen Ländern so beliebt war, dass er es sogar in die Märchen von H.C.Andersen schaffte. Wenngleich Teil von Liles’ monströsem Sammelsurium, ist Tomte doch ein eher freundliches Gespenst, was sich im Musikalischen durchaus spiegelt. Der auf russisch gesungene Text und das aus verwobenen Stimmen geformte Drone stimmen zunächst wohlige Klänge an und erinnern an „Mind Mangled Trip Monster“, den vorherigen Teil der Reihe.</p>
<p>Doch nur wohlig soll es auf Liles’ Expedition ins kuriose Tierreich nicht zugehen. Zwei der Stücke spielen sozusagen in Australien, in der mythischen Welt der Ureinwohner, und beschwören die Erinnerung an zwei äußerst bedrohliche Chimären namens Muldjewangk und Bunyip herauf, amphibische Wesen, die im Algengewirr zuhause sind und unvorsichtigen Fischern und übermütigen Kindern in den Dämmerstunden schon mal zum Verhängnis werden. Passend zum Kolorit gibt es ekstatische Klänge aus dem Didgeridoo zu hören – und bedrohliches Raubtierknurren, das einen für Momente ebenso erschaudern lässt wie die zunächst strukturlosen Perkussionseinlagen auf Töpfen und anderen Metallteilen. Doch Liles ist Bastler und Humorist, bringt mit Wes Cravens „Swamp Thing“ die moderne Pulp Fiction mit hinein und lässt Trommler einen Ethnobeat einspielen, der so sehr ins Bein geht, dass man schon ein ziemlich harter Mann sein muss, um nicht tanzen zu wollen.</p>
<p>Auch die restlichen Stationen der Reise bilden thematisch wie musikalisch ein beeindruckend stimmiges Panorama des Monströsen, das oftmals gerade dann seine furchterregende Wirkung entfaltet, wenn liebliche Melodien auf der Violine oder kindliches Glockenspiel eigentlich für ein heimeliges Gefühl, letztlich aber doch für Schauer sorgen. Ähnliches gilt für die Vokalbeiträge der Geschwister Taylor, deren Kinderstimmen schon auf dem „Baalstorm“-Album von CURRENT 93 zu hören waren. Die Route führt unter anderem in die karibische Welt der Zombies und des Voodoo (aus dem Off begleitet von einer Ansage von seltsam erotischer Verdrehtheit), in die indische Mythologie (passend eingespielt mit psychfolkartigen Gitarren- und Sitharklängen), auf die Müllhalden der posthistorischen Zivilisation (untermalt von Breakbeats) und zuguterletzt zu den (fast wieder freundlichen) Seeungeheuern der schottischen Inselwelt. Lob gebührt dabei auch den Mitmusikern, die dem Klang zu seiner vollen Gestalt verholfen haben: Ehefrau Melon Liles, Maniac (bekannt von MAYHEM, SKITLIV und SEHNSUCHT), Geigerin Annie Kerr und Alexi Borisov (ein russischer New Wave- und Industrial-Veteran) sind vielleicht die bekanntesten.</p>
<p>Bei all diesen Stationen wird Liles seinen im Interview geäußerten Ansprüchen gerecht. Er demonstriert, dass die sogenannte Experimentalmusik unterhaltend im besten Sinne sein kann, und dass ein virtuoses Zitieren und Zweitverwerten im besten Fall einer Veredlung gleichkommt. Auf „Muldjewangk…“ trägt Liles ein Stück zum Erhalt kurioser Mythen bei, schafft den Schulterschluss zwischen volkstümlicher und moderner Mythologie und verhilft auch dem sogenannten „Trash“ einmal mehr zu einer eigenen Größe. (U.S.)</p>
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		<title>ANDREW LILES &#8211; Interview</title>
		<link>https://africanpaper.com/2011/09/01/andrew-liles-interview/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 08:23:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es mag ein ungewöhnliches Kompliment sein, bei einem Vertreter sogenannter Experimentalmusik zuallererst auf das große Unterhaltungspotential hinzuweisen. Seit den 80ern geht ANDREW LILES seiner Leidenschaft, dem Sammeln, Bearbeiten und Zusammensetzen ungewöhnlicher Klänge nach, machte irgendwann sein Steckenpferd zum Beruf und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/andrew-liles-interview/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/liles_by_yoursister.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-386" title="liles_by_yoursister" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/liles_by_yoursister.jpg" alt="" width="198" height="150" /></a>Es mag ein ungewöhnliches Kompliment sein, bei einem Vertreter sogenannter Experimentalmusik zuallererst auf das große Unterhaltungspotential hinzuweisen. Seit den 80ern geht ANDREW LILES seiner Leidenschaft, dem Sammeln, Bearbeiten und Zusammensetzen ungewöhnlicher Klänge nach, machte irgendwann sein Steckenpferd zum Beruf und zählt heute nicht nur zu den wichtigsten Figuren im Dunstkreis von NURSE WITH WOUND, sondern auch mit seinem Solowerk zu den ganz Großen an der Schnittstelle von Electronica und Musique Concrète. <span id="more-385"></span>Er selbst bezeichnet seine Musik (gewiss mit einem zwinkernden Auge) als Lounge, was sicher auch auf seine in den letzten Jahren evidente Vorliebe für eine Unterhaltungsmusik anspielt, die an die Scores von Genrefilmen der 70er erinnert. Auf seiner aktuellen „Monster“-Reihe demonstriert er, wie man Derartiges sehr unterhaltsam gegen den Strich kämmen kann und zum Teil verstörende Effekte erreicht. Was immer Liles zur Vorlage nimmt – Cartooniges, bizarre Victoriana, frühe Aufnahmen von CURRENT 93 oder zuletzt Metal – erscheint am Ende wie demontiert und zur Gestalt eines somnambulen Wechselbalgs neu zusammengesetzt. Surreal also im besten Sinne. Dass Liles nicht nur ein interessanter und produktiver Künstler ist, sondern auch ein angenehmer und reflektierter Dialogpartner, zeigt das folgende Interview.</strong></p>
<p><em><strong>Ich denke, die meisten Hörer würden dich als „experimentellen” Künstler bezeichnen (wie unscharf auch immer dieser Begriff sein mag), aber ich habe das Gefühl, dass du dich auch für Songs interessierst. Siehst du das ähnlich? </strong></em></p>
<p>Für mich bezeichnet der Begriff „experimentell” etwas „Erfundenes”, etwas wie eine einzigartige Tonleiter, eine originelle Art zu spielen oder eine neue musikalische Theorie. Stockhausen war experimentell, Varese war ein experimenteller Komponist, ebenso Zappa – alles große Pioniere. So gern ich auch als Teil dieser Spitze gesehen werden möchte, weiß ich, dass ich auch nicht nur ansatzweise diese Innovationsebene erreiche, insofern betrachte ich mich überhaupt nicht als experimentellen Künstler. Ich interessiere mich für viele verschiedene Arten von Musik und „Song“ orientierte Musik höre ich mir wesentlich häufiger an als „experimentelle“ Musik. Was meine eigene Musik betrifft, denke ich, dass es da viele verschiedene Komponenten gibt, die auf eine goutierbare Weise zusammengefügt werden. Ich möchte, dass man sie genießt, sie soll also nicht schwierig und aggressiv sein, deswegen finden sich musikalische Elemente und nicht etwa Lärm oder Monotonie. Ich mag Melodien, die einen zum Fußwippen animieren!</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/gone.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1544" title="gone" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/gone.jpg" alt="" width="283" height="285" /></a>Du hast einmal erwähnt, dass du deine Musik als „introspektiv und idiosynkratisch“ betrachtest. Überrascht es dich, dass sich immerhin einige für deine Arbeit interessieren und auch einen Zugang zu ihr finden? </strong><br />
</em></p>
<p>Nein, das überrascht mich gar nicht. Das soll nicht arrogant klingen, aber ich habe einige Leute getroffen, die sich meine Musik anhören, und die scheinen ziemlich „introspektiv und idiosynkratisch” zu sein, normalerweise sind das sehr sanfte und nette Leute und ich denke, dass selbst viel der Musik, die von hoch gelobten und kommerziell erfolgreichen Künstlern stammt, introspektiv und idiosynkratisch ist.</p>
<p><em><strong>Uns interessiert, wie spielerisch du während des kreativen Prozesses bist. Betrachtest du dich als Komponisten (im Sinne von jemandem, der bewusst plant), oder neigst du dazu, Elemente auch durch Herumprobieren zusammenzufügen</strong>?</em></p>
<p>Manchmal habe ich eine sehr klare Vorstellung davon, was ich machen will und ich schreibe es komplett in Worten und Diagrammen auf (ich kann Musik weder lesen noch schreiben). Das kann mit einem Wort oder einer Phrase beginnen, die ich in einem Buch gelesen habe oder mit einem Witz oder einem Verweis auf einen Film, eigentlich mit allem. Von dieser Idee ausgehend, wird alles vor der Aufnahme ausgearbeitet, darauf bezogen könnte ich vielleicht als „Komponist“ betrachtet werden. Manchmal stelle ich Stücke zusammen, die auf einem Loop oder einer Melodie basieren, mit denen ich herumexperimentiert habe, und der Song entwickelt sich aus dieser Phrase oder diesem Rhythmus. Dann schichte ich andere Klänge darüber, indem ich herumexperimentiere. Andere Lieder sind durch selbst auferlegte Parameter entstanden. Z.B. schreibe ich eine Liste mit Regeln auf, die der Song einhalten muss. Ich habe etwa eine festgelegte Anzahl von Beats im Song, ich darf keinerlei Effekte verwenden, ich darf nur drei Tasten des Keyboards verwenden… Das sind kleine Ideen, die ich habe, um den Prozess einzuschränken oder zu erschweren. Es macht Spaß, mir selbst dumme Regeln aufzuerlegen, wie etwa, dass ich 47 verschiedene Schlagzeugsounds, 200 Klicks, nur die schwarzen Tasten des Keyboards verwende und der Song nicht länger als zwei Minuten sein darf. Ich denke, dass mich das auf gewisse Weise kreativer machen kann. Manchmal denke ich, dass je mehr Klänge und Werkzeuge man zur Verfügung hat, um so verschwommener und unfokussierter ein Track ausfallen kann. Ich glaube, dass das beste Beispiel für diese selbstauferlegten Einschränkungen meine Arbeit auf „A Dying Submariner“ ist, das nur aus Klavier und Hall besteht.</p>
<p><em><strong>Deine Musik ist in einem früheren Artikel als „Handbuch der vergessenen Folklore“ bezeichnet worden; das ist bezogen auf experimentelle elektronische Musik ziemlich ungewöhnlich. Falls du dem zustimmst, wo würdest du in deiner Arbeit das folkloristische Element verorten? </strong></em></p>
<p>Ich denke, dass Folklore auch modern sein kann. Urbane Mythen sind auch eine Art Folklore. Aber ich glaube, dass sich das erwähnte Zitat auf das „Mother Goose“-Album bezog, auf dem sich eine Reihe von Kinderreimen fand. Ich glaube nicht, dass meine Musik irgendwelche Märchen abbildet, aber manchmal hat sie eine ätherische „Atmosphäre“.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/goose1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1545" title="goose1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/goose1.jpg" alt="" width="205" height="322" /></a>Es ist interessant, dass du viel Inspiration aus Büchern ziehst. Gibt es augenblicklich (fiktionale oder nichtfiktionale) Werke, die dich begeistern?</strong><br />
</em></p>
<p>Ich habe gerade ein paar Bücher gekauft, die bei Taschen veröffentlicht worden sind: <em> </em>„The Big Butt Book“, „The Big Book of Legs“ and „The Big Book of Breasts“.<em> </em>Ich liebe diese Kunstbände von Taschen. Ich habe auch sechs Bücher über Salvador Dali gekauft; nachdem ich einige Jahre gar kein Interesse mehr an ihm hatte, bin ich jetzt wieder ganz angetan. Ich war gerade in Cadaques<em> </em>in Spanien, wo Dali gelebt hat, und mein Interesse ist neu entfacht. Ich lese selten fiktionale Texte. Mein Ding sind Kunstbücher und populäre Wissenschaftsbücher. Wissenschaftsbücher sind großartig um Titel und Inspiration zu finden. Die Namen und Lebenszyklen und das Verhalten von Tieren, Insekten und Parasiten faszinieren mich immer wieder.</p>
<p><em><strong>Du hast in den 80ern angefangen Musik zu machen, aber deine ersten Veröffentlichungen kamen erst viel später. War das für dich eine frustrierende Zeit? </strong><br />
</em></p>
<p>Nein, nicht wirklich. Ich war damals so jung, dass ich nicht wusste, wie man eine Platte macht oder sie selber rausbringt. Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben anstellen sollte und ich glaube, dass ich das heute immer noch nicht weiß, aber damals bin ich nur so rumgedriftet. In vielerlei Hinsicht war es jenseits meiner Vorstellungskraft, dass ich jemals dazu in der Lage sein würde, eine Aufnahme zu veröffentlichen. Die Technologie und billigere Möglichkeiten aufzunehmen haben mich befreit.</p>
<p><em><strong>In den letzten Jahren hast du sehr viele Alben veröffentlicht und manchmal fragt man sich, wo du all diese vielen Ideen herbekommst. Da du auf deinem Profil die „unglaubliche, verblüffende und permanent überraschende Dummheit, den Egoismus, die Arroganz, Faulheit und Ignoranz der Mehrheit“ als Einfluss nennst, würdest du sagen, dass auch die trivialsten und ärgerlichsten Dinge in Kunst verwandelt werden können, wenn man sie nur aus der richtigen Perspektive betrachtet? </strong></em></p>
<p>Auf jeden Fall. Die langweiligsten Dinge können in etwas absolut Fantastisches übertrieben werden. Ich denke niemals, dass man Wissen über Kunsttheorie oder eine spießbürgerliche Arroganz haben muss um die Ironie in Alltagsgegenständen zu entdecken, Alltagssituationen – es gibt keine richtige oder falsche Interpretation von irgendetwas, nur Meinungen.</p>
<p>Menschen sind eine große Inspirationsquelle für mich, ich muss Menschen nur beobachten, Gespräche mithören, mir deren Glaubenssysteme anschauen, die Natur, Biologie, Anagramme – alles inspiriert mich. Es kann sein, dass sich eine Idee in der „normalsten“ Situation zeigt, oder in den banalsten Objekten, Zeichen, Bekanntmachungen an öffentlichen Plätzen. Ich denke, auf indirekte Weise habe ich die surrealistische Idee des „Readymades“ genommen – alles ist da draußen bereit um adaptiert und integriert und pervertiert und verändert zu werden. Aber ja, Menschen und was sie tun und sagen ist eine niemals versiegende Quelle der Verwunderung für mich.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/sehnsucht.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1546" title="sehnsucht" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/sehnsucht.jpg" alt="" width="300" height="257" /></a>Was hat euch dazu bewogen, die Band SEHNSUCHT zu gründen? Ist das eine einmalige Sache oder wird es da künftig noch mehr geben? </strong></em></p>
<p>Sehnsucht ist Maniacs und Vivian Slaughters Band; sie haben mich gefragt, ob ich mitmachen will. Sie haben schon aufgenommen, lange bevor ich dazugestoßen bin. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, ich hoffe, dass eines Tages noch etwas aufgenommen werden wird. Maniac ist jemand, dessen Gesellschaft ich sehr schätze, er ist ein sehr intelligenter und witziger Mann. Ich würde gerne mit ihm noch einmal etwas machen.</p>
<p><em><strong>Dir scheinen Kollaboratioenn mit anderen Spaß zu machen (THE WARDROBE mit Tony Wakeford, die gerade genannten Sehnsucht ebenso wie die Arbeit mit all den Künstlern, die zu deinen Veröffentlichungen etwas beitragen, besonders auf „Ouarda”). Ist das ein Gegenmittel gegen das Los des (elektronischen) Künstlers, der den ganzen Tag (und die ganze Nacht) alleine vor seinem Rechner verbringt?</strong></em></p>
<p>Im meisten Teil der Fälle werden mir Audiodateien per E-Mail oder mit der Post geschickt. Was also die physische Seite, das tatsächliche Aufnehmen mit anderen (wie bei NWW oder C93) anbelangt, ist es noch immer eine sehr einsame Tätigkeit. Ich mag es sehr, wenn andere auf meinen Platten sind, weil sie ihr Talent und verschiedene Farben und Atmosphären einbringen. Ich hasse meine eigene Stimme, deswegen frage ich immer Sänger oder jemand anderen, um meine Worte zu erzählen und zu artikulieren.</p>
<p><em><strong>Was macht eine gute Zusammenarbeit aus? Denkst du, dass die Interaktion von sehr verschiedenen Konzepten und künstlerischen Naturen zu den überraschendsten und interessantesten Ergebnissen führt? </strong><br />
</em></p>
<p>Eine gute Zusammenarbeit ist es für mich, wenn ich mit jemandem arbeite, den ich wirklich mag. Menschen, die die gleiche Weltsicht und einen ähnlichen Geschmack und Sinn für Humor haben. Kurz gesagt, jemand, mit dem ich viel Spaß haben kann. Ich denke, wenn Leute eingeladen werden, auf meinen Platten mitzumachen, dann habe ich schon eine ziemlich klare Vorstellung davon, was sie machen sollen und ich bitte sie dann, gewisse Dinge zu machen. Es ist vor der Aufnahme ziemlich klar. In anderen Fällen, wie z.B. mit Daniel Menche, läuft es etwas anders: Er hat mir ziemlich viele Aufnahmen geschickt, mit denen ich arbeiten sollte und das kann auch ziemlich befriedigend sein. Im Großen und Ganzen mag ich es bei einer solchen Art der Zusammenarbeit, das Ausgangsmaterial in etwas völlig Unerwartetes zu verwandeln. Es ist immer großartig, eine Aufnahme zu formen und zu bearbeiten, wenn man Ausgangsmaterial von anderen nimmt. Deswegen mache ich auch so gerne Remixe.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/ouarda.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1547" title="ouarda" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/ouarda.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Kannst du uns etwas über den Schreib- und Aufnahmenprozess des Albums „</strong><strong>No Birds Do Sing“ sagen? Da es an zwei unterschiedlichen Orten aufgenommen wurde, stellt sich die Frage, ob du die Musik gemacht hast, nachdem du Dianas Gesang gehört hattest?</strong></em></p>
<p>Dianas Stimme stammte zum Teil von den Sessions für das „Lights are on…”-Album. Sie wurden aber für diese Aufnahme nicht verwendet. Ich habe mir das Material angehört und das hat mich völlig umgehauen. Ich dachte mir, dass das großartig sei. Deswegen habe ich sie gefragt, ob ich das Material verwenden könne. Dann habe ich die Musik für und um Dianas Stimme herum gemacht. <strong><br />
</strong></p>
<p><em><strong>Auf eine vage Weise handelt das Album von Verführung und vom Weiblichen, zumindest wenn man sich auf Songs wie </strong><strong>„Can I Tempt You With All This?“ oder den Albumtitel konzentriert, der ein Zitat aus John Keats’ „La Belle Dame Sans Merci“ ist. Welche Aspekte der „Femme Fatale“-Mythen haben euch zu dem Album inspiriert?</strong></em></p>
<p>Du müsstest Diana fragen, was die “Femme Fatale”-Thematik und die Bedeutung ihrer Worte anbelangt. Eigentlich habe ich die Musik um das Ausgangsmaterial herum gebaut und die Musik ist entstanden, beeinflusst von dem, was ich über Diana und ihre Interessen und ihre Persönlichkeit weiß. Es war Musik, die für die Stimme gemacht war und bei der ich musikalische Themen und Stile verwendet habe, von denen ich wusste, dass sie Diana interessieren würden.</p>
<p><strong><em>Eine deiner jüngsten Aufnahmen ist die EP „Monster Munch“, die eine Art unbehagliche Tanzmusik mit einem schmutzigen Artwork kombiniert (du gehst sogar so weit, dass du eine „Parental advisory“-Warnung benutzt). Wie würdest du die Monstrosität dieses Werks beschreiben und was kannst du uns zu den angekündigten Nachfolgern sagen?</em></strong></p>
<p>Die „Monster”-Serie ist ironisch zu verstehen. Geschmacklos, knallbunt und überzogen. Die Idee entwickelte sich aus einem Gedicht, das ich geschrieben hatte und das irgendwann dieses Jahr als Buch rauskommen soll. Es ist ziemlich grotesk und – wie ich denke – sehr amüsant. Diese Monstergeschichte ist eine Möglichkeit als Sammlerstück ein thematisch kohärentes Set von Sachen zu veröffentlichen, die eine Facette meines Wesens darstellen. Mir gefallen Trashkultur, Witze unter der Gürtellinie, bizarre Apparate, Erotika, gewalttätige japanische Filme, Fluchen und idiotisch zu sein im Allgemeinen, absonderliche Kunst und bizarre Geschichten. Auf gewisse Weise soll dies in einer übersteigerten Weise widergespiegelt werden. Andererseits soll es aber auch dazu dienen, mich von den „strengeren“ und pseudointellektuellen Versuchen abgrenzen, die man von einem „experimentellen“ Künstler erwartet. Für mich ist es eine Art „Leck mich!“ an die Tradition, dass man eine großartige oder hochgestochene Philosophie haben muss um „experimentelle“ Musik zu machen. Viel von der „Monster“-Serie basiert sehr stark auf dem Visuellen und Narrativen. Diese Veröffentlichungen sind mehr als nur Musik, es ist ein ganzes Paket. Es soll ein Buch namens „Dreamy Gorgeous Monster“ geben, eine LP namens „Miraculous Mechanical Monster“, die im September herauskommen wird. Ich bin sehr stolz auf die Platte. Es ist eine sehr brutale und abgefuckte Aufnahme zusammen mit einer Erzählung über einen Roboter, der verrückt wird. Alle Worte sind auf der Rückseite des Covers abgedruckt, so dass man der Geschichte folgen kann. Es gibt auch noch eine weitere 7’ namens „Honey Monster“, die im Oktober herauskommen wird. Eine andere Platte, die für nächstes Jahr geplant ist, ist eine Art Heavy Metal-Platte. Dann wird das Projekt weiter und weiter laufen…hoffentlich.</p>
<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/nwwliveindublin1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1548" title="nwwliveindublin1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/nwwliveindublin1.jpg" alt="" width="300" height="212" /></a><em>Du bist das sicher schon öfter gefragt worden, aber mich interessiert, wie du mit Steven Stapleton und den anderen Personen um NWW herum in Kontakt gekommen bist. Kannst du das unseren Lesern kurz darstellen? Betrachtest du dich als echtes „Mitglied“ dieser Gruppe oder eher als „Beitragenden“?</em></strong></p>
<p>Ich habe Steve erstmalig 2005 getroffen, als ich für die “Salt Marie”-Show in Wien als Opener dabei war. Ihm schien es zu gefallen, was ich spielte und er fragte, ob ich bei der Show mitmachen wolle und natürlich habe ich da sofort ja gesagt. Seitdem sind wir Freunde. Colin Potter traf ich ein paar Jahre davor und wir wurden schnell Freunde. Was es anbelangt, ob ich ein „echtes“ Mitglied von NWW bin, so weiß ich nicht, ob das möglich ist. Ich, Matt Waldron und Colin Potter<em> </em>sind sicher „echte” Mitglieder, wenn NWW live auftreten. Aber Steve ist NWW und das ist ein sich fortwährend entwickelndes Gefährt für seine Kunst, er wird mit anderen arbeiten und sich nicht auf ein „Line Up“ beschränken. Ich habe die letzten paar NWW-Alben mit Steve gemacht und wir arbeiten im Studio großartig zusammen und auf diesen Veröffentlichungen war unser Input jeweils Hälfte/Hälfte. Kurz gesagt: Ja, ich bin ein Mitglied der Gruppe, wenn wir zusammenarbeiten, aber es gibt nur eine feste Person in NWW und das ist Steve. Wenn ich sage, dass ich ein richtiges Mitglied der Gruppe bin, ist das auf gewisse Weise eine Beleidigung des Erbes und dieses Berges an Werken, die Steve geschaffen hat, bevor ich mit ihm und all den anderen, die im Laufe der Jahre etwas beigesteuert haben, gearbeitet habe. Ich bin sowohl ein echtes Mitglied als auch ein Beitragender.</p>
<p><em><strong>Du spielst jetzt eine wichtige Rolle bei CURRENT 93. Wie bist du beim Remixen der frühen Alben (die jetzt auf „Like Swallowing Eclipses” zusammengestellt sind) vorgegangen?</strong></em></p>
<p>Die Current 93-Remixe sind aus einer Fusion von sowohl Multitracks als auch fertigen Werken entstanden. Einige der Masterbänder der frühen Alben existieren nicht mehr. Zum Teil ging es also darum, isolierte Teile des fertigen Albummixes zu finden und so anzupassen, dass sie klangen, als ob sie von den Masterbändern stammen würden. Die Current-Mixe waren ein sehr intensiver Prozess, bei dem ich die endgültigen Ursprungsmixe angepasst habe und ziemlich viel neues Material sowohl digital am Rechner als auch neu aufgenommene Sachen hinzugefügt habe. David gab mir etwas von der Originalmusik, die er auf dem Album verwendet hatte, Gregorianische Choräle etc. und ich fügte viel subliminale Stimmen, neue musikalische Stücke, die ich selbst aufgenommen hatte, hinzu. Es war ein gewaltiges Unterfangen, das mir sehr großen Spaß gemacht hat. Remixe sind für mich so etwas wie das Lösen einer riesigen mathematischen Gleichung oder das Zusammenfügen eines Puzzles. Es spricht einen Teil von mir an, der genaueste und präzise Organisation verlangt.</p>
<p><em><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/c931.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1549" title="c931" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/c931.jpg" alt="" width="390" height="159" /></a>In deiner Musik und deinem Artwork gibt es viele Verweise auf das Viktorianische und Edwardische Zeitalter oder Elemente, die an traditionell Englisches erinnern. Manchmal sind diese Motive leicht surreal oder karikiert. Inwiefern ist das beabsichtigt? </strong></em></p>
<p>Auf gewisse Weise denke ich, dass das eine Wahrnehmung des „Englischen“ von außen ist. Der größte Teil meiner Musik wird außerhalb des Vereinigten Königreichs verkauft und viel von der gefundenen Kunst, die ich verwende, kommt aus Second Hand- und Antikläden hier in England. Da ich also Engländer bin und in England lebe, wird es immer diese Interpretation geben. Ich denke, du spielst auf das Bild auf „My Long Accumulating…“ an. Ich habe dieses Bild ausgewählt, weil es antiquiert, etwas merkwürdig und etwas bedrohlich war…wie die Musik auf der Platte. Und ja, es ist beabsichtigt, alles etwas leicht surreal, leicht „nicht ganz ok“ darzustellen. Ich möchte, dass ein leichtes Unwohlsein bezogen auf meine Kunst und Musik da ist…Es ist sehr beabsichtigt.</p>
<p><em><strong>Du hast in Italien einige australische Fans erwähnt, die dich ansprachen und die – wie sich herausstellte – alles, was sie von dir hatten, illegal runtergeladen hatten. Du hast jetzt auch einen Download-Shop eingerichtet, auch weil du mit iTunes etc. unzufrieden zu sein scheinst. Denkst du, dass dies in unserem digitalen Zeitalter notwendig ist und wie sind deine bisherigen Erfahrungen? </strong></em></p>
<p>Ich habe diese Download-Seite ins Leben gerufen, so dass ich zumindest versuchen kann etwas Vergütung zu bekommen und auch um etwas Verkehr in Richtung meiner Kunst zu lenken. Ich sage ganz freimütig, dass ich für die Zeit, die ich in das, was ich mache, investiere, bezahlt werden möchte. Ich arbeite ziemlich viel und ich investiere alle meine Hingabe, in das, was ich mache, warum sollte es umsonst sein? Ich denke, die Leute betrachten Musik als Sache, die „umsonst“ ist und die man auf einer Non-Profit-Basis teilt. Die Downloadseite ist auch eingerichtet worden, um auf vergebliche Weise zu versuchen, die Arschlöcher, die meine Musik einfach weggeben, etwas zu bekämpfen. Wie ich schon gesagt habe, investiere ich Zeit und Hingabe in meine Arbeit, ich will nicht, dass sie einfach so weggegeben wird! Im Grunde habe ich von den anderen Quellen sehr wenig oder gar nichts zurückbekommen. Ich denke, dass die Leute gerne Sachen herunterladen, aber sie wollen nicht dafür bezahlen. Meines Erachtens sind die, die Musik herunterladen, keine Sammler, sie haben nicht die „Leidenschaft“ für Musik, wie ich sie habe. Sie haben nur ein vorübergehendes Interesse und sind nicht süchtig. Jeder kann sich einloggen und jede Aufnahme von praktisch jedem Künstler in der Welt sofort umsonst runterladen. Wie kann man sich in das Riesenwerk welches Künstlers auch immer vertiefen, es verschlingen und es wertschätzen ohne Zeit da hinein zu investieren. Es ist bezeichnend für die Zeit, in der wir leben – jeder will alles JETZT ohne irgendetwas dafür zu tun. Was ich aber interessanterweise von der Downloadseite gelernt habe, ist, dass viele Leute, die meine Musik sammeln, sich nicht für Downloads interessieren. Sie sind wie ich <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/fleshcreepinggonzoid.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1550" title="fleshcreepinggonzoid" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/fleshcreepinggonzoid.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Plattensammler; ich will das physische Produkt und nicht die Datei. Ich mag das Artwork, Vinyl, Textblätter, all die Sachen, die zum Sammeln gehören. Ich finde es beruhigend, dass ich Produkte für einen Markt veröffentliche, auf dem Menschen wie ich sind. Sie wollen ein „reales“ Objekt sammeln und halten und anschauen. Kurz gesagt, sind Downloads ein Format für Leute, die es wollen. IPods sind großartig und tragbar und nützlich, ich möchte Musik auf meinem iPod, wenn ich reise oder gerade das Essen zubereite, aber ich will auch das Originalvinyl und Prägecover zuhause in meinem Regal. Für mich sind Downloads etwas zum Wegwerfen, ich würde es noch nicht einmal Format nennen, es ist nur ein Päckchen Daten mit überhaupt keiner greifbaren Qualität, insofern verstehe ich es, wenn Leute nicht dafür zahlen. Perfekt auf Reisen und für den häuslichen Gebrauch, aber ohne jedweden Wert für Leute, die wirklich Musik sammeln und lieben.</p>
<p><em><strong>Du wirst mit Steven Stapleton auf dem “Schlagstrom Festival” auftreten. Ist das eher ein Konzert oder ein DJ-Set und inwiefern wird sich das von den NWW-Auftritten unterscheiden?</strong></em></p>
<p>Es wird eine Show sein, kein DJ-Set. Es wird HEAVY und intensiv und sehr verschieden von einer normalen NWW-Show sein. Das ist alles, was ich dazu sagen werde!</p>
<p><strong>Interview: M.G. &amp; U.S., C93-Bandfoto: Giulio di Mauro, NWW-Konzertfotos: Agnieszka Zwara @ Hand On Eye Photography (<a href="http://handoneye.com/">http://handoneye.com/</a>)</strong></p>
<p><a href="http://www.andrewliles.com/">andrewliles.com</a></p>
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