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	<title>African Paper &#187; Southern Records</title>
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		<title>BODUF SONGS: Burnt Up On Re-Entry</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Feb 2013 23:14:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/02/bodufsongsburntuponreentry.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6204" title="bodufsongsburntuponreentry" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/02/bodufsongsburntuponreentry-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein Musiker, der sich während eines Konzertes den Applaus verbittet, kann kein uninteressanter Mensch sein. Wenn der gleiche Musiker es schafft, mit trashigen Horrormotiven immer noch eine geheimnisvolle Aura zu entfalten, dann ist er ein Könner obendrein. Mat Sweet alias Boduf Songs, der kauzige Eigenbrötler von der englischen Riviera, ist mit seinem idiosynkratischen Lofi-Folk, der von Platte zu Platte opulenter wird, ein außergewöhnliches Original. Seine dunklen Akustiksongs verströmen den Charme einer vergessener Helloween-Folklore, manche versetzen den Hörer regelrecht in einen düsteren Animationsfilm, der auf <span id="more-6203"></span>Kings „Children of the Corn“ basieren könnte – ein schier endloses, labyrinthisches Maisfeld und gespenstische Sonnenblumen im Dämmerlicht, visuell ausgestaltet von jemandem wie Tor Lundval. Auf ihre trockene, spielerische und zugleich ernste Art verweisen seine Stücke das verblichene Witch House-Spektakel, dessen unhippe Vorläufer sie sind, auf einen der hinteren Plätze. Zugleich ist seine Musik das, was Dark Folk sein könnte, wenn dieses Genre nicht Tiefe und Haltung längst gegen Schmalz und Verkniffenheit eingetauscht hätte. Dass er ohne weiteren Feinschliff auf dem Label von Tim Hecker und Stars of the Lid veröffentlichen konnte, machte ihn etwas bekannter und bestätigte sein musikalisches Format.</p>
<p>Wer mit dem Stil des Briten vertraut ist, erkennt ein Boduf Songs-Stück sofort. Abgesehen von wenigen abstrakten Zwischenspielen fehlt bei keinem der Songs das filigrane Gitarrenpicking, dessen hypnotische Einfachheit stets ähnliche Tonfolgen exerziert. Daran ändert sich auch nichts, wenn er die akustische Gitarre ab und an gegen eine elektrische vertauscht. Ebenso Teil seiner Handschrift ist der immer leicht ins Hauchen und Murmeln abgleitenden Gesang, dessen leicht unbeholfene Melodie bei den meisten Songs die gleiche ist. Dass dieses einfache Grundgerüst als Basis für weiträumige Entwicklungen funktioniert, wird einmal mehr auf dem just erschienenen Album „Burnt Up On Re-Entry“ deutlich. Trockenheit, dick aufgetragen – so könnte man das zentrale Paradoxon dieser Musik bezeichnen, eine Eigenschaft, die schon in den ersten Minuten zur Geltung kommt. „Fiery the Angels Fell“ zitiert im Titel „Blade Runner“ und indirekt ein Gedicht William Blakes, und auch bei der textlichen Anspielung auf The Weather Girls gibt sich Boduf Songs nicht mit Kleinigkeiten ab: Die Männer, die hier – Hallelujah! &#8211; von den Dächern regnen, sind wohl nichts weniger als die Opfer eines Terroraktes und erfahren ihre Apotheose in gewohnt beiläufigem Ton. Was ebenfalls schon im Opener deutlich wird, ist Sweets derzeitiges Interesse an Uptempo und rauen Gitarrenriffs, denn bevor man sich versieht, hat sich das Stück in etwas verwandelt, das der kindlichen Vorstellung eines Punksongs nahekommt.</p>
<p>Keiner der folgenden Songs ist so skelettiert und unplugged wie die rauen, dilettantischen Aufnahmen der frühen Jahre, doch einige bewahren deren introvertierten Charme. „A Brilliant Shaft Of Light From Out Of The Night Sky“ verbindet diesen mit nerdigen Scifi-Motiven. Wer die beschwörende Kindermelodie und den naiv wirkenden Text als Klamauk abtut, hat wenig verstanden. Das gleiche gilt für alle, die darin Pathos zu erkennen glauben. In all ihrer Exzentrik haben die Stücke immer wieder eingängige Momente, allem voran das getragene, fast sakrale „Everyone Will Let You Down in the End“ oder das trotz psychedelischer Fuzzgitarren melodische „Between The Palisades And The Firmament“. Der fast poppige „Song To Keep Me Still“ ist, falls es das gibt, eine halbe Grungeballade, und wurde anderswo bereits mit Nine Inch Nails und Radiohead in Verbindung gebracht. Vielleicht bringen ihm solche Tags noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, aber letztlich vermute ich, dass der typische gymnasiale Alternativie der 90er weiten Teilen des Albums nicht viel Verständnis entgegen gebracht hätte.</p>
<p>Sweets Mittelweg zwischen Wiedererkennbarkeit und Erneuerung erscheint mir weniger kalkuliert als bei vielen Akustikbarden des letzten Jahrzehnts, die sich von Legitimitätsfragen getrieben zu teilweise absurden Stilsprüngen verleiten ließen. Das spricht für ihn. Als Fan des Frühwerks frage ich mich dennoch, ob die neuen Songs nicht ebenso gut in der bekannten minimalistischen Lofi-Gestalt funktioniert hätten, und ob die Erweiterungen des Klangrepertoires nicht doch teilweise Eselsbrücken sind, damit auch ein paar Indiekids auf den Geschmack kommen. „Burnt Up On Re-Entry“ gibt es neben der regulären Fassung noch in einer limitierten Artist&#8217;s Edition, die eine soundtrackartige Bonus-CD enthält. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.southern.com/">Southern Records</a></strong></p>
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		<title>MUERAN HUMANOS: Culpable/Amuleto 7&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Sep 2012 05:45:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Carmen Burguess]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/09/MueranHumanosSingleArtworkByCarmen-Burguess.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5201" title="MueranHumanosSingleArtworkByCarmen Burguess" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/09/MueranHumanosSingleArtworkByCarmen-Burguess-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Laut knarrende Bässe, hämmernde Rhythmen, skandierte Slogans zwischen cooler Resignation und vitaler Rebellion &#8211; irgendwann in den letzten ein bis zwei Jahren hatte man vielleicht etwas zuviel von dem gehört, das Autoren wie Simon Reynolds aus Verlegenheit Post Punk nannten, und was zuerst Frische in unser bislang dröges Millenium brachte, erwies sich schnell als weitere Retro-Masche unter vielen. Leider. Mueran Humanos, die gerade mit der 7&#8221; &#8220;Give A Party&#8221; beweisen, dass ihr selbstbetiteltes Debüt keine<span id="more-5200"></span> Eintagsfliege war, darf man getrost zu den rühmlichen Ausnahmen zählen. Warum? Alles auf die argentinische Herkunft von Carmen Burguess und Tomas Nochteff zu schieben, auf Sprache und Exotik, wäre vorschnell. Mueran Humanos sind provokanter, „dionysischer“ und vor allem weit weniger phlegmatisch als so manche Kollegen, die sich geschlossen an einer Band aus Manchester orientieren, die trotz zugestandener Meriten längst nicht die enorme Wirkkraft hatte, die ihnen heute Legionen von Schreibern und T-Shirt-Trägern andichten wollen. Wenn Vergleiche erlaubt sind, dann höre ich eher noch The Fall heraus, oder den Rock&#8217;n Roll von Suicide.</p>
<p>Die beiden Songs auf der Single markieren äußerste Eckpunkte im Stil des Duos, kein Song ihres Albums war so poppig wie &#8220;Culpable&#8221;, keiner so noisig und songfern wie &#8220;Amuletto&#8221;. Ich möchte hier kein philosophisches Fass aufmachen und über Dualismus und über männliche und weibliche Prinzipien sprechen, und doch hat &#8220;Culpable&#8221; sehr viel von Carmen, ein leichter, tänzelnder Popsong mit weiblichen Vocals, aber er würde der Sängerin (die auch für die Elektronik zuständig ist) nur wenig entsprechen, wenn er einfach nur nett wäre, und nicht zumindest unter der Oberfläche einiges von der Ästhetik der Narben und Verkrustungen hätte, die Carmens visuelle Arbeiten auszeichnen und in anderen Songs präsenter sind. Oberflächlich einfacher Electroclash (zu rotzig und psychedelisch für Vive la Fête, zu wenig ironische Kulleraugen für Stereo Total), lebt der Song von dem altbewährten Verfahren, Schweres auf leichte Art zu sagen. Die gefallene Taube, zerfetzt unter Adlerklauen, stählerne Vorboten eines Luftkrieges, TOPY und Nico, die Imitatio Christi auf einem Dach in Berlin-Neukölln &#8211; Bilder aus dem dogmaesken Video-Clip von Txema Novelo, die ein von Ennui und Erotik durchdrungenes Unheil ankündigen und doch nichts offenbaren. Das geschieht dann um so mehr auf der zweiten Seite, wenn „Amuletto“ das Unbehagen, das im anderen Song eine vage politische Note aufweist, mit religiöser Apokalyptik vermischt. Von der Stimmung her kriegerisch zählt der Song, geprägt von Tomas&#8217; Bassdröhnen, martialischer Perkussion und verrückten Zitaten aus der Welt religiöser Fanatiker zum Bedrohlichsten und zugleich Derangiertesten, das die beiden bislang auf Platte gebannt hatten. Da wünscht man sich glatt in die Zeit zurück, als man zum ersten mal Zeuge der agressiven Energie von Savage Republic wurde.</p>
<p>Mueran Humanos drehen zwar keine Zeit zurück, erfinden auch kein Rad neu, aber da ihre Version von Post Punk ohnehin kein bloßes Verschachern von Zeitkolorit darstellt, sollte man anerkennen, dass sie ohne taktische Brüche ihr Konzept verfolgen. Die 7&#8221; erscheint im Rahmen der von John Robb kuratierten Louder Than War-Reihe in gediegener Aufmachung, und wer die Wartezeit bis zum nächsten Release mit den beiden Exklusivstücken überbrücken will, sollte zeitig zugreifen. (U.S.)</p>
<p><strong><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;"><strong>Label: <a href="http://shop.southern.com/louder-than-war/">Louder Than War</a>/<a href="http://www.southern.com/">Southern </a></strong></span></span></span></strong><br />
<iframe src="http://player.vimeo.com/video/47903477" frameborder="0" width="500" height="375"></iframe></p>
<p><a href="http://vimeo.com/47903477">CULPABLE DE MUERAN HUMANOS</a> from <a href="http://vimeo.com/txemanovelo">Txema Novelo</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
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		<title>LITTLE ANNIE &amp; PAUL WALLFISCH: Genderful</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 07:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anne Bandez]]></category>
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		<description><![CDATA[Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/little-annie-paul-wallfisch-genderful/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/genderful.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-649" title="genderful" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/genderful-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit denen sie neben MARC ALMOND, COIL und CRASS noch gearbeitet hat und – potentielle Neu-Fans damit hoffnungslos verschrecken. Annie Bandez verfügt über eine großartige Soulstimme in Alt, und hat in Paul Wallfisch, bekannt von den Gruppen BOTANICA und FIREWATER, einen virtuosen Pianisten gefunden, dessen Spielweise bestens mit ihrem Gesang fusioniert – zur nicht unwesentlichen Bereicherung jenes musikalischen Feldes, das der gängige Jargon gerne Torch-Song nennt.<span id="more-147"></span></p>
<p>“Genderful” ist nicht nur die 160ste Veröffentlichung von Southern Records, sondern auch der zweite gemeinsame Longplayer von Annie und Paul. Während die beiden vor etwa zwei Jahren auf “When Good Things Happen To Bad Pianos” noch ihren Idolen von Jacques Brel über Frank Sinatra bis Tina Turner ihren Tribut zollten, stammen hier alle elf Songs aus eigener Feder. Schon auf den ersten Höreindruck unterschiedet sich “Genderful” durch vielfältigere stilistische Zutaten vom Vorgänger. Man bekommt hier natürlich keinen vollkommen anderen Sound geboten, auch wenn das erste Stück „Tomorrow Will Be“ fast ein wenig in Richtung Elektronica geht. Nach wie vor prägen markante Klaviermelodien das Bild, die, je nach Song, direkt aus einem Jazzkeller in Harlem oder einem Pariser Existentialisten-Club der späten 50er importiert scheinen. Dezent eingesetzte Streicher und Blasinstrumente kommen hinzu, und gerade die kommen weitaus variierter und vor allem häufiger zum Einsatz. Am stärksten fällt dies bei Stücken ins Gewicht, die an alte Filmmusik oder an Musicals erinnern, und sich wie „Suitcase Full of Secrets“ mit dem gut ausbalancierten Verhältnis von Herbheit und Gefühlsbetontheit messen können, das man von Sängerinnen wie Nina Simone her kennt. Auch „Because You’re Gone“, mit den schmachtenden Backing Vocals von Paul vielleicht der Höhepunkt des Albums, fällt in diese Kategorie. Das sind Songs, die eine emotionale Tiefe haben, die man bei vergleichbarer Musik heute bestenfalls in Alben wie Marianne Faithfulls „Before The Poison“ geboten bekommt. Ich halte es für eine positive Entwicklung, dass der Minimalismus des Vorgängers, dessen klangliche Reduktion als einmaliges Statement sehr wirkungsvoll war, nicht im gleichem Maß wiederholt wurde. So finden auch vereinzelt Gitarren ihren Einsatz, und bei „Billy Martin Requiem“ sorgt ein leicht gebrochener Rhythmus für das passende Fundament einer berührenden Hommage an zwei New Yorker (Gender-)Originale: den markig-maskulinen Sportmanager und die in ihrer Fragilität ebenso markante “She Male”. Zum Bossa Nova-Tanzen fordern uns die beiden dann in „The God Song“ auf, einem Stück, das lebensfroher fast gar nicht sein könnte. Das Gros des Albums machen allerdings stimmungsvolle Chansons wie “Miss Annie Regrets” und „In The Bar Womb“ aus. Letzteres könnte direkt aus der „Dreigroschenoper“ gefallen sein und erinnert an Songs wie das Cabaret-Shanty „Good Ship Nasty Queen“ auf Annies 2005er Album “Songs From The Coalmine Canary”, bei dem noch Antony Hegarty (JOHNSONS) und Joe Budenholzer (BACKWORLD) als (weniger graue) Eminenzen fungierten. Noch unterhaltsamer und kabarettistischer geht es auf dem von einer an Woody Allen erinnernden Klarinette begleiteten „Cutesy Bootsies“ zu, eine kurzweilige Satire auf das Klischee des eitlen, pubertären Dummchens, oder „Sexy Zen Sage“, dessen Pianopart glatt von einer bestens gelaunten Baby Dee stammen könnte.</p>
<p>Vieles in „Genderful“ ruft Sternstunden amerikanischer Populärkultur in Erinnerung. Man könnte lange überlegen, warum Annie gerade in den Texten auf so Vieles zurückgreifen kann, ohne dabei selbst ideenlos zu wirken. Wenn Phrasen wie „I see you on the other side of heartache“ oder „Some times when nights are long“ in ihren Texten vorkommen, wirkt dies, als transportiere jemand bewusst und voller Absicht die ganze Geschichte dieser Worte mit, die in zahlreichen Evergreens vorkamen und längst kulturelles Allgemeingut sind. Man hat das Gefühl, die ganze Geschichte solcher Zeilen in einem intertextuellen Chor zu hören und wird auf einmal der Bedeutsamkeit gewahr, die unter ihrer abgegriffenen Oberfläche steckt. Aber nicht nur im Rahmen solcher Wendungen wird die Freude an der Wiederbelebung demonstriert: Ob Manhattan in Leonard Cohen-Manier eingenommen wird, oder ob man Gott ganz nebenbei auch für Judy Garland dankt, auch auf direkter Verweisebene bekennen sich Annie und Paul zu ihren Vorbildern. Manchmal kommen mir die beiden so vor, als wollten sie nur eine Fußnote zu all diesen Dingen sein. Unter anderem liegt auch darin ihre Größe. Für mich ist “Genderful” bereits eines DER Alben des anstehenden Sommers. (U.S.)</p>
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