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	<title>African Paper &#187; Stephen Meixner</title>
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		<title>CONTRASTATE: Seven Flies Feeding In The Tears Of A Woman&#8217;s Eye</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 01:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit Ende der 80er gehören die Pestmaskenträger von Contrastate zu den eigenständigsten Formationen in der Folge des Industrial. Während die museale Feier vergangener Zivilisationsbrüche seit Jahrzehnten Standard geworden ist, hat sich das Projekt um Jonathan Grieve, Stephen Meixner und Stephen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/07/04/contrastate-seven-flies-feeding-in-the-tears-of-a-womans-eye/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/07/sevenflies.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-51646" title="sevenflies" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/07/sevenflies-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Seit Ende der 80er gehören die Pestmaskenträger von Contrastate zu den eigenständigsten Formationen in der Folge des Industrial. Während die museale Feier vergangener Zivilisationsbrüche seit Jahrzehnten Standard geworden ist, hat sich das Projekt um Jonathan Grieve, Stephen Meixner und Stephen J. Pomeroy immer wiede rauf die Suche nach Ungekanntem begeben. Nach dem 2024 erschienenen <a title="CONTRASTATE: Life Without Agriculture" href="https://africanpaper.com/2024/04/13/contrastate-life-without-agriculture/">&#8220;Live Without Agriculture&#8221;</a> folgt nun <span id="more-51644"></span>mit &#8220;Seven Flies Feeding In The Tears Of A Woman&#8217;s Eye&#8221; ein Album, dessen Entstehung sich über ein ganzes Jahrzehnt erstreckte. Unterstützt wurden Contrastate dabei durch zusätzliche Klangquellen von <a href="https://africanpaper.com/tag/ralf-l-wechowsky/">Ralf Wehowsky alias RLW, dessen eigene Arbeiten auf unseren Seiten bereits ausgiebig vorgestellt wurden</a>.</p>
<p>Der Titel weckt unweigerlich Erinnerungen an Dario Argentos Giallo-Klassiker <em>Four Flies on Grey Velvet</em> von 1971, und tatsächlich versteht sich das Album als Soundtrack zu einem Film, der nie gedreht wurde. Ein vollständiges Drehbuch existierte zwar zeitweise, wurde jedoch verworfen – übrig geblieben ist eine verborgene Erzählung, deren Spuren sich durch alle acht Stücke ziehen und die den Hörer zum Detektiv macht. Musikalisch orientiert sich Contrastate dabei weniger an den orchestralen Arbeiten eines Ennio Morricone oder Bruno Nicolai als vielmehr an jener experimentellen Seite der italienischen Filmmusik dieser Ära, für die etwa Goblin berühmt wurden. Auch die Tracktitel scheinen mehrfach auf reale Giallofilme anzuspielen – &#8220;Spasmo&#8221; etwa auf Umberto Lenzis gleichnamigen Film von 1974 –, wodurch sich das Konzept noch weiter verzweigt.</p>
<p>Schon der Auftakt &#8220;Broken Mirrors, Broken Minds&#8221; wirft den Hörer ohne Umschweife in die Mitte des Geschehens. Gehetzt nach vorne preschende Drums treiben das Stück voran, werden heftiger, während gehauchte, geflüsterte Stimmen einzelne Wortfetzen ausstoßen, bis sie vollständig vom Lärm verschluckt werden: Man kann sich die dahinter versteckte imaginäre Filmszene leicht als eine Verfolgungsjagd vorstellen. Nach einem abrupten Bruch öffnet sich kurz eine ruhige Passage, doch sie dient lediglich als Vorbereitung auf ein hörspielartiges Szenario: ein klingelndes Telefon, Gesprächsfetzen, räumlich versetzte Samples, Fliegensummen als dominierendes Motiv. Bereits in diesen ersten Minuten geschieht mehr, als manch andere Projekte auf Albumlänge entwickeln würden. &#8220;Spasmo&#8221; setzt dagegen auf eine völlig andere Form der Spannung. Organische Droneflächen winden und drehen sich, schwellen an und ab, begleitet von aquatischem Blubbern und immer schärfer hervortretenden Geräuschen – fast meint man, jemanden würgen zu hören. Allmählich schleicht sich ein Rhythmus ein, während undefinierbar melierte Klangfarben das Stück immer dichter werden lassen. &#8220;Immersiv&#8221; ist ein heute deutlich überstrapazierter Begriff, hier beschreibt er den Eindruck erstaunlich treffend.</p>
<p>Noch stärker hörspielartig entwickelt sich &#8220;The Tongue Of Fire&#8221;: Kratzen, Rasseln, Orchestrales, schrille Hochtöner, leicht jazzige Ansätze, manisches Gequake und tiefes Gebrummel bilden eine fragmentierte Geräuschwelt, deren Atmosphäre permanent kurz vor dem Zerreißen steht. Gerade diese bis aufs Äußerste gespannte Nervosität hält sämtliche Elemente zusammen wie eine unsichtbare Klammer. &#8220;My Colours Run Through Your Veins&#8221; startet zunächst ruhig und desolat, ehe es sich überraschend in ein beatbetontes, beinahe hiphopartiges Szenario verwandelt. Schmutziges Gelächter, harte Grooves und fiebrig-verwahrloste Klangräume evozieren Bilder eines heruntergekommenen New Yorks, wie man es aus Filmen von Abel Ferrara kennt, in dene ja auch so einiges durch die Adern der Figuren fließt. Zu den Höhepunkten zählt &#8220;Interrabang&#8221;, dessen jazziger Groove direkt einem Jess-Franco-Film gefallen scheint, während im Hintergrund jemand hartnäckig versucht, ein Motorrad zu starten. Straßengeräusche, undefinierbares Grunzen – irgendwo zwischen Schwein und Motor – verschmelzen zu einer Szene, die sich hervorragend als Auftakt von Nurse With Wounds &#8220;Cruisin&#8217; For A Bruisin&#8217;&#8221; vorstellen ließe. Plötzlich wird dieses gesamte Klangbild jedoch von einer hellen orchestralen Welle fortgerissen. Verzweifelte Schreie erklingen wie unter Sirup, hektisches Flüstern erfüllt den Raum, bis schließlich der Jazz-Groove zurückkehrt und den Kreis schließt.</p>
<p>&#8220;House Of Tears&#8221; greift die monumentalen Trommelschläge des Albumauftakts wieder auf. Das gehetzte Hecheln, zahllose kleine Lärmdetails und die rastlose Dynamik lassen unmittelbar an eine Verfolgungsjagd denken. Auch hier bleibt nichts statisch, ständig verändern kleine Wendungen die Richtung. Mit &#8220;The Perfumed&#8221; beginnt zunächst ein Geflecht aus kratzigem Rauschen und hektischem Flüstern. Das Ganze besitzt stellenweise eine beinahe psychedelische Qualität, ehe Contrastate überraschend in eine lieblich-melancholische Passage kippen – jenes typisch giallohafte Moment, das häufig vorschnell als Kitsch abgetan wurde, tatsächlich aber gerade aus seinem Kontrast lebt. Doch auch diese Harmonie bleibt brüchig. Schaben, Reiben und Klopfen nagen unaufhörlich an ihr, steigern sich immer weiter und begraben sie schließlich unter einer neuen Geräuschlawine.</p>
<p>Den Abschluss bildet &#8220;An Exercise In Defascination&#8221;. Schwindelerregend rückwärts abgespielte Stimmen treffen auf orchestrale Lieblichkeit, die sich zunächst wie eine melancholische Fanfare aus einem Morricone-Score entfaltet. Noisige Trommelwirbel, brodelnde Klangmassen, Messerwetzen und rotierende Bohrer greifen immer stärker in die fragile Schönheit ein, deren Anmut aber nie agnz verschwindet. Contrastate ziehen hier noch einmal sämtliche Register und liefern eine veritable Studie der Desillusionierung. Die Kollegen des niederländischen <a href="https://www.darkentries.be/recensies/contrastate-seven-flies-feeding-inside-the-tears-of-a-woman-s-eye">Dark Entries-Magazins schrieben</a> treffend, man müsse dieses Album als Ganzes hören und weniger als Sammlung einzelner Stücke verstehen. Dem lässt sich nur zustimmen. Ebenso bemerkte das italienische <a href="https://www.sodapop.it/phnx/contrastate-seven-flies-feeding-inside-the-tears-of-a-womans-eye-final-muzik-2026/">Sodapop-Magazin</a>, dass die klar identifizierbaren Alltagsgeräusche – das Telefon, der Motor, die geschärften Messer – nicht bloß Dekoration seien, sondern den eigentlichen narrativen Motor bildeten. Gerade darin liegt tatsächlich eine der größten Stärken dieser imaginären Filmmusik.</p>
<p>Ebenso entscheidend ist jedoch noch etwas anderes: &#8220;Seven Flies Feeding In The Tears Of A Woman&#8217;s Eye&#8221; gibt sich niemals mit einem einmal erreichten Zustand zufrieden. Kaum scheint ein Motiv etabliert, tauchen neue Details auf, neue Wendungen, neue Steigerungen oder abrupte Perspektivwechsel. Kein Stück verharrt auf seinem vermeintlichen Höhepunkt oder kostet ihn aus, stattdessen entfaltet sich die Musik unaufhörlich weiter, als würde sie ihren eigenen Verlauf immer wieder neu konzipieren, und jeder Klang scheint ausschließlich für genau den Moment geschaffen zu sein, in dem er auf den Plan tritt.</p>
<p>Gerade diese permanente Verwandlung macht Contrastates imaginären Giallo zu weit mehr als einer stilistischen Hommage: Das Album funktioniert als eigenständiges &#8220;Hörkino&#8221;, das mit jedem Hören neue Szenen, neue Zusammenhänge und neue Verdachtsmomente freilegt. (U.S.)</p>
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		<title>CONTRASTATE: Life Without Agriculture</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Apr 2024 02:15:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von all den weitgehend dem Postindustrial entstammenden Projekten gehören die (inzwischen zum Trio angewachsenen) Contrastate sicher zu den interessantesten, bewegten sie sich in den (von einer Pause unterbrochenen) Jahrzehnten musikalischen Schaffens immer wieder außerhalb all zu enger Genregrenzen. Zuletzt waren &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/04/13/contrastate-life-without-agriculture/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/04/Contrastate-Life-without-CD.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-40604" title="Contrastate-Life without CD" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/04/Contrastate-Life-without-CD-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Von all den weitgehend dem Postindustrial entstammenden Projekten gehören die (inzwischen zum Trio angewachsenen) <a href="http://africanpaper.com/tag/contrastate/">Contrastate</a> sicher zu den interessantesten, bewegten sie sich in den (von einer Pause unterbrochenen) Jahrzehnten musikalischen Schaffens immer wieder außerhalb all zu enger Genregrenzen.<span id="more-40602"></span> Zuletzt waren Contrastate auf diesen Seiten mit der 10&#8221; <a href="http://africanpaper.com/2022/12/03/contrastate-35-project/">„35 Project“</a> besprochen worden, die auf <a href="http://africanpaper.com/tag/stephen-r-meixner/">Stephen Meixners</a> Label <a href="http://africanpaper.com/tag/black-rose-recordings/">Black Rose Recordings</a> erschien. Dort veröffentlicht Meixner regelmäßig anspruchsvolle Geräuschmusik verwandter Künstler.</p>
<p>Jetzt erscheint im Rahmen von<a href="http://africanpaper.com/tag/drone-records/"> Drones</a> CD-Serie „Sym“ das von Meixner, Jonathan Grieve und Stephen J. Pomeroy eingespielte Vollzeitalbum „Life Without Agriculture“. Konzeptionell geht es um die Auseinandersetzung mit den Orten und Daten, die für einige der vielen „-ismen“ des 20. Jahrhunderts relevant waren: <a href="https://dronerecords.de/album.view.html?album=22013">„An album &#8216;re-imagining&#8217; some of the dadaist, futurist, and surrealist clubs of the 20th century, from Moscow 1918 over Tehran 1966 to Münster 1997“. </a></p>
<p>Manche der Orte und Jahreszeiten sind sehr leicht zu dekodieren, &#8220;Zurich 1916&#8243; verweist natürlich auf das Gründungsjahr des Cabaret Voltaire, bei anderen ist es schwieriger und vielleicht nicht immer ganz eindeutig. Für das kommende Bad Alchemy hat R. Dittmann eine offenbar weitgehend korrekte Entschlüsselung<a href="https://www.facebook.com/contrastate/"> vorgenommen</a>. Was auffällt, ist dass die einzelnen Tracks abseits der Titel nur sehr eingeschränkt ganz eindeutige Bezugnahmen erkennen lassen. Auf „Strasbourg 1928 “gibt es immer wiederkehrende Momenete, eine Frau erzählt etwas („He was a storyteller, he was a magician, he didn&#8217;t really wanna give the answers. I also thought he was a trickster and then there&#8217;s a moment when you&#8217;ve been tricked“). Es kommen leiernde Sounds hinzu, ein kurzer Bruch, flirrende Passagen. „Moscow 1918“ beginnt mit dissonanten Momenten, aber dann sind auch melodische Augenblicke zu hören, etwas erinnert an eine Sirene, dann scheinen Streicher zu erklingen, man hört Wasserrauschen. „Rome 1921“ ist dagegen mit seinen dröhnend-dräuenden Sounds wesentlich düsterer. „Berlin 1968“ setzt mit dunklem Dröhnen ein, Blubbern, Quietschen, vielleicht ist da irgendwo ein Orchestersample. „London 1912“ ist von der Stimmung anders, beginnt mit melancholischen Klavierpassagen, Stimme, Metal wird geschlagen, eine Stimme intoniert wortlos.  Auf „Zurich 1916&#8243; erzählt jemand, eine Frau lacht, sagt „a woman is made of pork chops“, jemand anderes spricht, nennt den „Mulholland Drive“, beklagt „I&#8217;m limited to doing indoor exercises“. Diesem Sprachsample entstammt dann auch der Titel des Albums. „Münster 1997“, auf Contrastates Auftritt  im Müsterer Cuba verweisend, kombiniert Knirschen, Schritte, vielleicht zupft jemand einen Bass oder eine Stahlfeder, kurzzeitig tauchen orientalisch klingende Stimmen auf. „Tehran 1966“ schließlich beendet das Album. Der Track beginnt lärmig, es gibt metallisch klingendes dissoanntes Dröhnen, eine verfremdete Stimme sagt: „you never shall return“.</p>
<p>Contrastate gelingt es, durch dieses Kollagieren, Zusammenfügen und Konstrastieren von scheinbar Disparatem dann vielleicht letztlich doch eine Brücke zu den Zeiten und Orten zu schlagen, an denen radikale Herangehensweisen an die Kunst und das Leben zu finden waren. (MG)</p>
<p>Label: <a href="www.dronerecords.de">Drone Records </a><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/ACZmOWEB8Eo?si=wvc9htllAdTv1KCX" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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		<title>RLW &amp; SRMEIXNER: Just Like A Flower When Winter Begins</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jan 2014 07:17:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schlager – und in diesem Fall kann man/muss man natürlich über Geschmack streiten &#8211; sind ein Schlag ins Gesicht und man muss sich fragen, was schlimmer ist: die Geschmacksverirrten, denen es aber z. B. nicht peinlich ist, ihre Ergebenheit zu &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/01/18/rlw-srmeixner-just-like-a-flower-when-winter-begins/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/01/Meixnermono060.gif"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8164" title="Meixnermono060" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/01/Meixnermono060-150x150.gif" alt="" width="150" height="150" /></a>Schlager – und in diesem Fall kann man/muss man natürlich über Geschmack streiten &#8211; sind ein Schlag ins Gesicht und man muss sich fragen, was schlimmer ist: die Geschmacksverirrten, denen es aber z. B. nicht peinlich ist, ihre Ergebenheit zu Michael Wendler, dem „König des Popschlagers“, in großen Lettern auf ihrem Auto zum Ausdruck zu bringen oder diejenigen, die entweder mit dem vermeintlichen Zaubertrick Ironisierung anderen weismachen wollen, Schlager würden von ihnen rein auf einer Metaebene goutiert oder aber hehre Gründe vorschieben (ähnlich dem einmal von Ralf König porträtierten Mann, der behauptet, sich Pornofilme aus rein soziologischer Motivation anzuschauen).<span id="more-8161"></span></p>
<p>Stephen Meixner (Contrastate) und Ralf L. Wechowski (P16 D4), die sich auf diesem Album mit dem Schlager auseinadersetzen, kann man diesen Vorwurf nicht machen, denn in den sehr umfangreichen Linernotes, in denen man auch einiges zur Gensese des Projekts erfährt, wird klar, was ihre Haltung zu dieser Art von Musik ist: „Some weeks ago I did a horrible dj-set for a 75<sup>th</sup> birthday celebration, including Heino and other German schlager cruelties.“ (rlw) und Meixner, der als Kind mit seinen Großeltern in Deutschland Schlagerfestivals im Fernsehen sah, spricht zwar von einem Changieren zwischen dem tiefen Wunsch den Sender zu wechseln und einer Faszination ob „the bizarreness, absurdity and shittiness of it all“, sein Urteil aber lautet: „inane and dumb lyrics/music, inane jolliness&#8221;. Auf „Just Like a Flower When Winter Begins“ geht es allerdings weniger darum, zu zeigen, wie grauenhaft diese Musik ist, sondern es geht um den (altbekannten) alchemistischen Prozess aus Scheiße Gold zu machen. Insofern sollte man „Just Like A Flower When Winter Begins“<strong> </strong>nicht als Album im herkömmlichen Sinne verstehen, vielmehr lässt es sich &#8211; wie die Künstler selbst schreiben &#8211; als „Hörstück“ verstehen.</p>
<p>Es gibt einige Instrumentalstücke: Bei „Gummidorf (simply happiness)“ handelt es sich um eine dichte Collage, die an die Stücke auf Nurse With Wounds Zusammenstellung „A Sucked Orange“ erinnert. „Gummidorf“ ist dagegen eher eine atmosphärische Klangfläche, bei der das Collagenhafte, das eine Reihe der anderen Tracks bestimmt, zurückgenommen wird, „Spaßbremse“ ein atmosphärisch dichtes Stück mit geisterhaft anmutenden Stimmfragmenten- wobei der Spaß noch größer ist, wenn man in den Linernotes etwas über das verwendete Klangmaterial erfährt.</p>
<p>Bei den textbasierten Stücken entsteht aus Schlagerdefinitionen ein babylonisches Stimmengewirr („Definition (Degustation)“,), eine Aufzählung von Schlagergrößen wird mit verfremdeten Stimmen und Soundfetzen ad absurdum geführt („Alle (Everyone)“) – in den Linernotes kann man dann auch lesen, dass es sich bei solch einer Aufzählung um ein „enzyklopädisches“, schllicht „unmögliches“ Unterfangen handele. Auf „Old Hearts Rejuvenated“ kann man kurz jemanden sagen hören, dass früher „die Welt noch in Ordnung war“. Dieses Stück ist laut Meixner als Hörspiel konzipiert – etwas, das man kurz vorm Einschlafen hört – immer vor dem Hintergrund der Be-Drohung: gleicht könnte ein Stück von dem „Mama“ singenden Jungen kommen. Und der Erfolg Heintjes macht sehr deutlich, wie wenig in Ordnung die Welt damals war.</p>
<p>„Just Like A Flower When Winter Begin“ funktioniert durchaus als hervorragendes Album origineller Geräuschmusik, bei dem es nicht unbedingt nötig ist, etwas über die Entstehung der Stücke oder das verwendete Klangmaterial zu wissen – ein großartiger Track wie „The Man with the Sunglasses“ beweist das &#8211; , allerdings fügen die sehr intelligenten Reflexionen der beiden Künstler dem ganzen eine weitere Ebene hinzu – etwas, das MP3s kaum leisten können. Dass es sich natürlich nicht um ein Album handelt, bei dem man wie bei einer Schlagerparade (oder einem „evangelical &#8216;happy clappy&#8217; service“ &#8211; O-Ton Meixner) zombiehaft klatschen und stampfen kann, versteht sich von selbst.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://www.monotyperecords.com/en/index.html">Monotype Records</a></p>
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