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	<title>African Paper &#187; Thor Harris</title>
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		<title>LAWRENCE ENGLISH: Cruel Optimism</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Feb 2017 05:54:13 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/02/lawrenceenglishcrueloptimism.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-13369" title="lawrenceenglishcrueloptimism" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/02/lawrenceenglishcrueloptimism-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es mag etwas einseitig sein, den doch recht allgemeinen Begriff des Optimismus einzig auf die Optimierungsideologie zu münzen, die v.a. seit den 90ern den Subjektpraktiken der westlichen Gesellschaften ihren Stempel aufgedrückt hat. Mit ihrem Essayband &#8220;Cruel Optimism&#8221; hat die amerikanische Autorin Lauren Berlant jedenfalls einige Gedanken angestoßen zu den zwiespältigen Phantomjagden, die in unserer Gesellschaft unter Werten wie Leistung und Wellness vonstatten gehen. Ein Schlüsselwort ist dabei der eher im spirituellen Kontext gebräuchliche Begriff der Anhaftung, der eine starke<span id="more-13368"></span> Abhängigkeit von Dingen, Personen, Ideen und Zielen bezeichnet.</p>
<p>Lawrence English hat das Buch bereits vor einem halben Jahrzehnt gelesen. hauptsächlich wegen Berlants Ausführungen zum Trauma als Blockade wie auch Motor menschlichen strebens, doch es waren die ereignisse der jüngsten Vergangenheit &#8211; die Flüchtlingskrise, die auch in seiner australichen Heimat ihre Auswirkungen hatte, die Drohnenkriege des Westens, die Notwendigkeit einer Black Lives Matter-Bewegung, die jüngsten Veränderungen in Großbritannien und den USA &#8211; die English dazu bewegten, ein ganzes Album dem Buch zu widmen und nach ihm zu benennen. So wie er in Berlants Schriften einen Teil der Essenz seiner eigenen gedanken fand, sollte das Werk ein bisschen wie eine Summa seiner zurückliegenden Kreativität enthalten &#8211; mit anderen Worten war klar, dass es ein besonderes und besonders persönliches Album werden sollte, und gerade deshalb hat er eine ganze Reihe an Kollegen (Thor Harris, Mats Gustafsson, Mary Rapp und Norman Westberg, um nur die Bekanntesten zu nennen) aufgesucht oder ins eigene Studio geladen und auf Dialog gesetzt.</p>
<p>Wenn ein rein musikalisches Werk nun derart stark vone iner nichtmusikalischen Quelle inspiriert ist, ist der Bezug freilich nur schwer zu bewerten. Man mag den einfluss eindringlicher Gedanken zwar in der musikalischen Intensität spüren (oder zu spüren glauben), letztlich aber liegt in solchen Fällen immer zweierlei vor: Zum einen ein autonomes Werk, das auch ohne die Referenz funktionieren kann und sollte, das zum anderen aber auch ein Hinweis auf die zugrundeliegende Quelle, ein Dokument der Dankbarkeit und nicht zuletzt auch ein neuer, quasi interpretatorischer Kontext für diese Quelle sein kann.</p>
<p>In all diesen Funktionen ist &#8220;Cruel Optimism&#8221; ein ungewöhnlich intensives Album geworden: Infernalisch oft in seinem hallenden Rauschen und vibrierenden Dröhnen, oft laut, dynamisch und prasselnd wie in &#8220;Hard Rain&#8221;, doch nicht zuletzt auch wegen der melancholie, die alle Stücke durchwirkt, niemals prahlerisch, sondern auf eine Art genügsam, die das Erhabene, auch die erhabene Ernsthaftigkeit echter, pathosfreier Schwermut zu würdigen weiß. Doch es hat auch eine besinnliche Seite, die in &#8220;Requiem for a Reaper&#8221; und &#8220;The Quietest Shore&#8221; ganz nah an Stille heranreicht. In letzterem winden sich abstrahierten Kirchenglocken aus dem ruhigen Szenario, und man denkt schnell an das Foto des ertrunkenen Alam Kurdi, das English im Begleittext erwähnt. Dann wieder scheint die Musik in ihrer kernigen Materialität auf sich selbst zu verweisen, wie in &#8220;Object of Projection&#8221;, bei dem gesampletes Metallrasseln auf Xenakis-Art durch den Klangraum gezogen wird. Unerbittlich schrecken &#8220;Hammering a Screw&#8221; und &#8220;Exquisit Human Microcosm&#8221; auf, die ein heroisches Pathos anklingen lassen, eines jedoch, das aus der Niedergeschlagenheit herausbricht, diese mit der Wucht eines expressionistischen Schreis in die Welt schleudert und gleichsam durchbricht.</p>
<p>Was am Ende fehlt, ist ein erneuertes, von Labsal geprägtes Tableau. Genau dies würde der Kritik am obsessiven Machbarkeitsglauben auch zuwiderlaufen. Dass &#8220;Cruel Optimism&#8221; allem zum Trotz dennoch kein schwarzmalerisches Werk geworden ist, ist eine seiner starken Seiten. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://room40.org/">Room40</a></strong></p>
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		<title>LARSEN: Of Grog Vim</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2016 04:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/08/imprec440_0.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12660" title="imprec440_0" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/08/imprec440_0-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ich weiß nicht viel über Grog Vim, aber der Legende nach soll er eine moderne Renaissance-Figur gewesen sein, und selbst das mit der Vergangenheitsform ist so eine Sache, denn niemand weiß genau, ob er nicht vielleicht doch noch unter uns weilt. Als man noch mehr von ihm mitbekam, war er auf der Suche nach einer Art Weltformel, und sein letztes Lebenszeichen war eine Mondfahrt, die allgemein als Fahrt nachhause interpretiert wurde, da er bereis zu Forschungszwecken auf unserem Trabanten war. Man findet ihn übrigens in keiner Enzyklopädie, aber das macht nichts, denn der Mythos, den<span id="more-12659"></span> Larsen auf ihrem aktuellen Album spinnen, ist in seinem rein andeutenden Charakter aussagekräftig genug.</p>
<p>Man muss dazu sagen, dass die Angaben, die die Band um Fabrizio Modonese Palumbo über die Geschichte macht, nicht weit über diese kurze Zusammenfassung hinausgehen, aber das macht nichts, denn das musikalische Narrativ, das sie auf ihrem derzeit wieder rein instrumentalen Album entwerfen, lässt an emotionalem Reichtum kaum Wünsche offen. Am Ende fällt auf, dass man den ominösen Grog Vim ganz vergessen hat, aber irgendwie hat man zugleich das Gefühl, einiges über die Geschichte zu wissen.</p>
<p>Larsen, diesmal nur vom Swans-Drummer Thor Harris unterstützt, arbeiten mit vertrauten Mitteln, und es ist schön zu sehen, dass sie nach einer Zeit intensiver Kollaborationen mit Sängern wie zuletzt Little Annie, immer noch das können, was ihre klassischen Arbeiten ausmachte: Mit auf den ersten Eindruck recht einfachen Mitteln wie repetitiven Rockstrukturen, anrührenden Pianopassagen, spacigen Synthies und einer subtilen Steigerung von Fülle und Intensität eine Stimmung zu erzeugen, die nicht primär zur Konzentration einlädt, die aber eine fast meditative Wirkung erzeugt, wenn man die Konzentration aus eigenem Wunsch vornimmt.</p>
<p>In der Musik, die gerne ein bisschen wehmütig, doch nie klagend und immer genügsam rüberkommt, wirkt alles stimmig und jeder Ton scheint an der richtigen Stelle zu sitzen. Und doch gibt es eine Menge, über das man auf Grog Vims Reise von der Geburt zur finalen entgrenzten Mondfahrt stolpern kann: Treibende Snares und überraschend lärmendes Scheppern und Rauschen, zudem drängendes, disharmonisches Feedback, fast metallastige Passagen – viele Details, die die noisigen Anfänge der Band in Erinnerung rufen. Aber ebenso Schöngeistiges, das an traditionelle Instrumente aus verschiedenen Kulturen erinnert, manchmal sogar Einsprengsel, die wie das Summen menschlicher Stimmen klingen. Viele der musikalischen Motive werden auch eher „sanft“ angedeutet, wecken Assoziationen und verschwinden wieder im Fluss der weiterziehenden Musik, aber ähnlich wie bei Kafkas „Proceß“ bemerkt man das Fragmentarische nicht unmittelbar.</p>
<p>All dies ist schon deshalb erwähnenswert, weil es so gekonnt in den harmonischen Fluss der Musik eingebettet und auf die Reise mitgenommen wird, aber auch weil es den jeweiligen kleinen Wegstrecken, die die einzelnen Stücke darstellen, eine spezielle Kulisse mit eigenen Farben und Figuren gibt. Über den Helden muss man dabei nicht viel Worte verlieren, und Larsen haben ihm sicher nicht grundlos ein Instrumentalalbum gewidmet.</p>
<p>Übrigens gab ich früher immer den Alben bzw. Tracks den Vorzug, bei denen die Turiner mit Gastsänger(innen) arbeiteten. Während Larsen und David Tibet meines Erachtens nur bedingt funktionierten, überzeugten Jaboe etwa und Little Annie in diesem Kontext besonders gut, man denke nur an das Album „Le Fever Lit“ mit dem großartigen Song „Lefrac City Limits“. „Of Grog Vim“ lässt mich diesen Eindruck jedoch leicht korrigieren, nicht nur weil hier nichts fehlt, sondern auch weil die Band so ganz mit sich allein einen noch besseren Blick auf das Wesen ihrer Musik offenbart. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.importantrecords.com/">Important Records</a></strong></p>
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		<title>SWANS: The Glowing Man</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jun 2016 04:04:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/06/Swans.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12359" title="Swans" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/06/Swans-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In Richard Powers Roman <em>The Time of Our Singing</em> sagt der Ich-Erzähler an einer Stelle: „most people wanted from music not transcendence but simply companionship, a tune just as bound by gravity as its listeners were“. Wer die Swans bei einem ihrer zahlreichen Auftritte erlebt hat, der braucht nicht einmal auf Michael Giras <a href="http://younggodrecords.com/products/the-glowing-man">Äußerung</a> zum neuen Album zu verweisen (“I’m decidedly not a Deist, but on a few occasions – particularly in live performance – it’s been my privilege, through our collective efforts, to just barely grasp something of the infinite in the sound and experience generated by a force that is definitely greater than all of us combined.”), <span id="more-12358"></span>der weiß auch so, dass die Musik, die die Swans in den letzten Jahren gespielt haben, tatsächlich weit davon entfernt ist, dem Gesetz der Gravitation zu folgen – wenn man die Metapher wieder aufgreift -, zu sehr waren die Auftritte physische wie die Songform erschöpfende Momente &#8211; vielleicht letztlich ein gigantischer Potlatch (wie ich bezogen auf den Vorgänger &#8220;To Be Kind&#8221;<a href="http://africanpaper.com/2014/05/24/swans-to-be-kind/"> schrieb</a>).</p>
<p>Insofern ist es eventuell letztlich nicht so überraschend, dass Gira einige Zeit vor Veröffentlichung des Albums davon sprach, dass „The Glowing Man“ das letzte in der jetzigen Inkarnation der Band sei, denn nach vier Alben (drei davon Doppelalben) und vielen Tourneen ist vielleicht ein Punkt erreicht, an dem ein Weitermachen in dieser Form einfach nicht mehr möglich ist.</p>
<p>Das Album wird von dem 12-minütigen „Cloud of Forgetting“ eröffnet: Drones, zu denen eine Akustikgitarre und ein Piano hinzukommen. Dann ein Anruf Gottes „Save us“ (Gira selbst nennt das Stück „Gebet“), um am Ende dann „I am blind“ auszustoßen. Das ist ein fast meditatives Stück, das allerdings mit perkussiver Wucht ausklingt. “Cloud of Unknowing” knüpft daran an: Geigen driften ins Atonlale, erst nach sechs Minuten setzt das Schlgazeug ein. Zuerst das Changieren zwischen „Ah I am, I am NOT“, dann schließlich die Ausrufe:„Jesus feeler, Zombie sucker, Zombie healer, Monster eater&#8221;.  Das kurze „People Like Us“ weist Amerikanaeinflüsse auf, knüpft vielleicht an Angels of Light an. Hieß es schon auf &#8220;The World Looks Red / The World Looks Black&#8221;  &#8220;Follow the Sleeper&#8221;, so singt Gira hier: “People like us need a dream to escape. People like us, we need to sleep to awake”, damit dem Somnambulen einen Moment des Erkennens zuweisend. Das Drogenabusus thematisierende “Frankie M” wird von Drones eröffnet und die Stimmen Giras und Kaela Sinclairs erzeugen fast eine transzendente Atmosphäre– dass Gira Charlemagne Palestine-Fan ist und vor Jahren auf Young God Records<a href="http://younggodrecords.com/pages/palestine-coulter-mathoul"> ein Album </a>von ihm veröffentlichte, überrascht nicht. Natürlich gibt es  hier wieder Passagen, die endlos so weitergehen könnten. Überhaupt wird hier erneut stark mit Wiederholung(en) gearbeitet. Auch das Crescdendohafte der meisten Tracks knüpft an die beiden Vorgänger an. Das Titelstück enthält sogar eine Passage aus „Bring the Sun“ von „To Be Kind“. Dennoch hat man den Eindruck, dass das Album leichter/lichter als die beiden Vorgänger ist und es trotz aller Wucht Momente der Kontemplation gibt: „Cloud of Unknowing“ hat Passagen, auf denen Thor Harris‘ Perkussion fast wie Kirchengocken klingen. Textlich gibt es aber immer noch und immer wieder Momente der Gewalt, was exemplarisch an Zeilen wie „Break a glass, stab his eye, choke his neck, nothing’s left“ („Frankie M“), “The sky shows a bruise where our fingers have touched“ („Peolple Like Us“) oder „Joseph is cutting my arm on his bed“ (&#8220;The Glowing Man“) deutlich wird. Das von Giras Frau Jennifer gesungene folkige „When Will I Return?“ beschreibt offensichtlich eine Sexattacke auf sie: “When will this pig-man stop?“ singt sie, um dann aber die Kraft des Überstehens zu feiern: „Then I crawl across the road […] I’m alive“. Das Stück ist vor dem Hintergrund der Anschuldigungen Larkin Grimms sicher doppelt kontrovers. Eine <a href="http://www.tinymixtapes.com/music-review/swans-glowing-man">ganze</a> <a href=" http://thequietus.com/articles/20439-swans-the-glowing-man-album-review">Reihe</a> <a href="http://consequenceofsound.net/2016/06/album-review-swans-the-glowing-man">von</a> <a href=" http://drownedinsound.com/releases/19480/reviews/4150146">Besprechungen </a>des Albums thematisieren die Problematik des Rezensierens vor diesem Hintergrund durchaus differenziert. Dass Gira in seinem Werk (anders als z.B Cliff Richard oder Bill Cosby)  selten(st) eine heile Welt präsentiert hat, sondern sich immer mit den Schatten-,  und Nachtseiten des (Zusammen-)Existierens auseinandergesetzt hat und dabei auch schon einmal Realität und Fiktion<a href=" https://www.youtube.com/watch?v=GeNc4tI5km8"> vermischt </a>hat, macht die Sache vielleicht nicht einfacher, gleichzeitig sollten Urteile nicht von dem entfesselten Mob in den sozialen Netzwerken gefällt werden.</p>
<p>Abschließend kann man noch sagen, dass sich wieder eine Lichtmetaphorik findet, die es schon weitaus länger als erst seit den letzten Alben gibt (vgl. das ambivalente „I am the Sun“ auf „The Great Annihilator“ oder „God Damn the Sun“ auf dem von Gira gehassten Album „The Burnng World“). Auf dem Abschlusstrack „Finally, Peace“ wird die Sonne zu „A ruinous eyesore&#8221;, bevor es dann „all creation is hollow – and a picture’s a shadow“ heißt. Beendet wird das Album dann aber &#8220;friedlich&#8221; (?) mit den endlos wiederholten Worten „your glorious mind“. Sieht man das Album als Abschluss einer Trilogie, wie es einige Rezensenten getan haben, dann kommt dieser letzte Teil einem <em>happy ending </em>vielleicht nicht nahe, aber näher als e<em>s </em>den Swans je zuvor gelungen ist. (M.G.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://mute.com/">Mute</a> / <a href="http://younggodrecords.com/">Young God Records</a></strong></p>
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		<title>SWANS: To Be Kind</title>
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		<pubDate>Sat, 24 May 2014 05:43:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Musik, die die Swans seit ihrer von Gira so betitelten „reconstitution“ spielen, kann man partiell zwar als aggressiv charakterisieren, viel angemessener lässt sie sich – und zwar gilt das für die Ohren zerstörenden Auftritte ebenso wie die Alben &#8211; &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/05/24/swans-to-be-kind/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/05/swans_to_be_kind_cover.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8883" title="swans_to_be_kind_cover" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/05/swans_to_be_kind_cover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Musik, die die Swans seit ihrer von Gira so betitelten „reconstitution“ spielen, kann man partiell zwar als aggressiv charakterisieren, viel angemessener lässt sie sich – und zwar gilt das für die Ohren zerstörenden Auftritte ebenso wie die Alben &#8211; als enorm physische, fast schon körperlich vielleicht nicht anstrengende, aber herausfordernde Musik beschreiben und zwar für Band wie für Hörer gleichermaßen – und das sollte man rein deskriptiv, nicht als Kritik verstehen. Allein die schiere Menge an Material kann einschüchternd wirken: Nach dem etwa zweistündigen „The Seer“ folgen wieder etwa 120 Minuten, diesmal auf 10 Songs, Tracks (auf dem die Aufnahmen für das Album finanzierenden Live-Album „Not Here / Not Now“ schrieb Gira dann auch: „it&#8217;s admittedly a stretch to call some of them &#8216;songs&#8217;“ ) verteilt.<span id="more-8881"></span></p>
<p>Der Opener „Screenshot“ beginnt nur mit Schlagzeug und Bass, dann kommt eine Gitarre hinzu, Giras Stimme ist weit vom Bariton der (teilweise als „failure“ betrachteten) Mittelphase der Band, die die <a href="http://thequietus.com/articles/15163-michael-gira-swans-to-be-kind-interview">„edible turds“</a> von „The Burning World“ hervorbrachte, entfernt, stattdessen hat sie etwas durchaus Dämonisches und wenn man ihn gegen Ende „Love! Now! Breathe, now!“ raunen hört, dann kann man sich vor diesen Aufforderungen durchaus fürchten. Hört man, wie sich im letzten Teil die Instrumente verdichten, dann ist das ganz weit weg von der gähnenden Langeweile, die inzwischen viele Postrockbands ausströmen. Auf dem prosaisch betitelten „Some Things We Do“, auf dem Gira von Little Annie stimmlich unterstützt wird, entfaltet er ein Panorama menschlicher Tätigkeiten, einen Abriss der menschlicher Existenz, das/der zwar mit “we love” endet, aber insgesamt eine gnadenlose Reduzierung des Menschen auf seine Triebe und Begierden und seine Fähigkeit zu verletzen ist: „We learn, we lie, we wound, we waste“ [...] „with tooth, and claw“ – blutrot, so wie nach Tennyson die Natur ist. Hier wird auf jedweden Rhythmus verzichtet, stattdessen hört man Klangflächen im Hintergrund, die etwas durchgängig Beunruhigendes haben. Auf dem Howlin&#8217; Wolf gewidmeten „Just a Little Boy“  klingt Giras Stimme („And I sleep in the belly of rhythm“), als wäre sie in einer Blechhütte aufgenommen worden, Lachen ertönt, Gira stöhnt, schreit und am Ende heißt es dann: „I&#8217;m not human. I need love!“. Das leicht funkige – zugegebenermaßen ein Attribut, das bislang kaum zur Musik der Swans passte &#8211; „A Little God in my Hands“ bewegt sich dann thematisch zwischen Abjekt („Oh shit and blood“) und Transzendenz (“The universal mind“). Auf „She Loves Us“ klingt Jennifer Kirchoffner, Giras Verlobte, kurzzeitig wie eine Jarboe-Wiedergängerin. Dabei bekommt dieses Stück ein Eigenleben: Kurzzeitig denkt man, dass  nach sieben Minuten der Track im Klanggewitter untergeht, aber dann beginnt es erst richtig: Noch zehn Minuten lang brüllt Gira “Fun fun fun! / Mau mau mau / Fuck fuck fuck / Your name is fuck / I&#8217;m going home / Hallelujah!” und man muss unweigerlich an eine von Michael Douglas verkörperte Filmfigur denken, die auch nur nach Hause gehen wollte. War das Titelstück des letzten Albums 32 Minuten lang, so ist das dem haitianischen Revolutionär Toussaint Louverture gewidmete „Bring the Sun/Toussaint L&#8217;Ouverture“ ein 34-minütiges Monster aus Drones, Samples und Gitarreneruptionen, auf dem verkündet wird: „Sangre es vida! Vida es sangre“. Das von einer Szene aus Lars von Triers Weltuntergangsepos „Melancholia“ inspirierte „Kirsten Supine“ („May planets crash/May god [sic] rain ash“ heißt es da) entwickelt sich von einem von flächigen Sounds mit dezentem, harmonischem Gesang von Gira und Annie Clark (aka St Vincent) geprägten Stück nach fünf Minuten in einen von einem monotonen Beat durchzogenen Track, auf dem die Gewalt, die die Swans live erzeugen, mehr als spürbar wird. „Oxygen“, das ursprünglich in völlig anderer Form und mit anderem Text auf Giras Soloalbum „I Am Not Insane“ zu hören war, ist eine rabiate Rocknummer.</p>
<p>Die Momente der Repetition, die sich immer wieder finden, haben etwas, das man nicht sakral nennen kann oder will, aber das Album hat durchaus rituellen, transzendenten, transzendierenden Charakter. Ein Grund die Swans wieder ins Leben zu rufen, war dann auch der Wunsch nach „<a href="http://thequietus.com/articles/15163-michael-gira-swans-to-be-kind-interview">transcendental sounds</a>“ und wenn ein weiterer Impetus vielleicht das Anschreiben und -spielen gegen den Tod ist <a href="http://consequenceofsound.net/2014/05/swans-michael-gira-a-brutal-kindness">(&#8220;Not that it’s about death, but it’s about trying to cheat it&#8221;</a>), dann gelingt dies auf „To Be Kind“ zumindest so weit, wie solch etwas Vergebliches überhaupt möglich ist. „Energy is eternal delight“ schrieb William Blake vor langer Zeit. Wem das alles zu metaphysich ist, der kann in der Verausgabung, in dem Ausufernden dieses grandiosen Albums &#8211; das zeigt, dass man tatsächlich in Würde altern kann &#8211; vielleicht den ultimativen Potlatch sehen.</p>
<p>(M.G.)</p>
<p>Label: <a href="http://mute.com/">Mute</a></p>
<p>Label:<a href="http://younggodrecords.com/"> Young God Records</a></p>
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		<title>SWANS: The Seer</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Oct 2012 20:30:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als die Swans 1996 mit „Soundtracks For The Blind“ das letzte Studioalbum für 14 Jahre  veröffentlichten, waren das zwei CDs voller Loops, Collagen, Fragmente, ausufernder Stücke, die das vorwegnahmen, was später Postrock genannt werden sollte und auf gewisse Weise war &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/10/04/swans-the-seer/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/10/Swans-seer.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5435" title="Swans seer" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/10/Swans-seer-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als die Swans 1996 mit „Soundtracks For The Blind“ das letzte Studioalbum für 14 Jahre  veröffentlichten, waren das zwei CDs voller Loops, Collagen, Fragmente, ausufernder Stücke, die das vorwegnahmen, was später Postrock genannt werden sollte und auf gewisse Weise war das auch ein Eingestehen, dass man das, was musikalisch möglich war, ausgeschöpft und erschöpft hatte, ähnlich vielleicht wie das Spätwerk Shakespeares Theaterkonventionen und das, was zur damaligen Zeit aufführungstechnisch möglich war, sprengte.<span id="more-5434"></span> Als Gira dann verkündete, er wolle nach sieben Alben mit seinem Folkprojekt Angels of Light ein neues Album mit den Swans aufnehmen, betonte er, es handele sich nicht um eine Reunion, sondern um eine<a href=" http://www.rockfeedback.com/feature/1324/swans-to-reconstitute-an-open-letter-from-michael-gira"> „reconstitution“</a>. Man mag das als semantische Spitzfindigkeit abtun, aber als dann „My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky“ 2010 erschien, war man erstaunt ob der Wucht der Stücke, die sich allerdings alle in einem relativ überschaubaren Songformat bewegten, und die das Epische und Fragmentarische des 1996 veröffentlichten Doppelalbums zurücknahmen, was sicher auch damit zu tun hatte, dass der Großteil der Songs eigentlich für ein Angels of Light-Album gedacht war. Schon in damals entstandenen Interviews thematisierte Gira allerdings den Wunsch aus diesen Formaten auszubrechen und die dann folgende lange Tour zeigte dann eine Band, die diese Strukturen tatsächlich aufbrach und überschritt – nachzuhören auf dem Livedoppelalbum „We Rose From Your Bed With The Sun In Our Head“.</p>
<p>Schon „Lunacy“, der Opener des neuen Doppelalbums &#8220;The Seer&#8221;,  verdeutlicht, dass man sich von dem Vorgänger entfernt, dabei scheinen die Texte bei den ausufernden Songs nur eine untergeordnete Rolle zu spielen und Gira hat schon mehrfach<a href="http://www.guardian.co.uk/music/2010/oct/19/swans-michael-gira-lyrics"> darauf hingewiesen</a>, dass sich das oft von Slogans beeinflusste Texten für die Swans von der Herangehensweise bei den eher narrativen Angels of Light-Stücken unterscheidet. Auf sechs Minuten wird ein Klangwall erzeugt, bei dem es überrascht, dass Giras Gesang recht sanft ausfällt, auch dann, wenn er mit der Unterstützung der Low-Mitglieder Al und Mimi Zeilen wie „hide beneath / your monkey skin / feel his love / nurture him / kill the truth /or speak the name: Lunacy!“ intoniert. Das zehnminütige „Mother of the World“ wird von Singen und Stammeln und repetetiven Momenten bestimmt und die Wiederholung spielte schon immer eine zentrale Rolle im Werk Giras, was David Keenan vor einiger Zeit zu der Metapher der „paucity of architectural vision behind [Gira's] songwriting“ greifen ließ. Dass das aber sogar bei akustischen Stücken gelingen kann, beweist <a href="http://www.youtube.com/watch?v=1UkctuGlOug">dieser Auftritt</a><a>.</a></p>
<p>Im Gegensatz zu diesen vitalistischen Tracks gibt es aber auch so etwas wie den Eineinhalbminüter „The Wolf“, auf dem Giras Stimme nur von Rauschen im Hintergrund begleitet wird und dessen letzte Zeilen man fast unter das Erlebnis eines Swans-Auftritts setzen könnte: „I am bruised/but I am raised“. Das Titelstück ist eine Kakophonie, die fast gänzlich ohne verständliche Worte auskommt. Auf „The Seer Returns“ (mit Backing Vocals von Jarboe) vernimmt man ebenfalls Ekstase und Entgrenzung und den ruhigen, fast dämonischen Sprechgesang: „All the people are fucking: they&#8217;re just a pile of writhing, selfish bliss“. Man könnte fast glauben, der oftmals Cowboyhut tragende Gira habe „love“ und „hate“ auf die Knöchel seiner Hände tätowiert. Etwas ruhiger, aber nicht weniger verstörend, fällt die Wüstenharmonianummer „93 Ave. B Blues“ aus, die in einem Crescendo aus Schlagzeug und Gitarre untergeht, bevor die erste CD mit der reduzierten Akustiknummer „The Daughter Brings The Water“ ausklingt. Das von der Yeah Yeah Yeahs-Sängerin Karen O vorgetragene folkige „Song For a Warrior“, das das zweite Album eröffnet, wirkt – wie schon an <a href="http://www.brainwashed.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=9373:swans-qthe-seerq&amp;catid=13:albums-and-singles&amp;Itemid=133">anderer Stelle </a>bemerkt wurde, trotz des brachialen Textes („use your sword, use your voice and destroy, and destroy, then begin again“) etwas deplatziert, was vielleicht (auch) daran liegen mag, dass die Swans in ihrer jetzigen Inkarnation eine extremst maskuline Band, die kein bisschen das ist, was von manchen Personen mit dem äußerst unschönen Wort &#8220;durchgegendert&#8221; bezeichnet wird. „Avatar“ dagegen ist ein weiterer von Phil Puleos und Thor Harris&#8217; Perkussion geprägtes Stück; die beiden erzeugen eine wahre Klangmauer, in die Giras vergleichsweise milder Gesang einbricht. „A Piece Of The Sky“ beginnt mit unidentifizierbaren knisternden Klängen, bevor Jarboes Vokalfragmente und dann dichte Streicherdrones einsetzen. Nach etwa zehn Minuten Experiment beginnt dann ein Song, den man fast auf einem der Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre verröffentlichten Alben verorten könnte, die die melodischste Phase der Bandgeschichte dokumentieren. Aber auch hier ist der Text weit von Entspannung entfernt: „in the blood of the swans as the sun fucks the dawn“. Abgeschlossen wird das Album von &#8220;The Apostate“, das nach einem mehrminütigen Vorspiel zu einer aus Perkussion und Gitarren bestehenden Klangwand wird und an dessen Ende Gira singt, stammelt und in Zungen spricht: „We&#8217;re on a ladder to god / we are blessed! We are blessed! Fuck! Bliss! Fuck! Bliss!“</p>
<p><a href="http://networkawesome.com/mag/article/the-road-gang-an-interview-with-michael-gira-of-the-swans">Kürzlich </a>meinte Gira: „the actual, human-generated sounds are what interest me. I don’t really like music that isn’t made physically by a human being. I like some electronic music, but I really like performers that, kind of&#8230; have to struggle. It’s like working on the road gang, or something.“  In diesem Zitat steckt vieles drin, was die Swans ausmacht(e): Die Betonung des „Ringens“ und das (sowohl für die Musiker als auch für die Zuschauer und Zuhörer) extrem Physische der Musik. Man könnte jetzt ein Riesenfass aufmachen und das Dionysische der Musik betonen, Georges Bataille aus dem Hut zaubern und das Erreichen von Ekstase und Transzendenz durch Entgrenzung und Überschreitung thematisieren, aber vielleicht führt das alles zu weit und es reicht zu sagen, dass „The Seer“ ein Album ist, das das besitzt, was gute Musik ausmachen sollte: Es ist aufregend! Und obwohl die Texte des Albums von einer Lichtmetaphorik durchzogen sind, sollte man bedenken, dass auf dem Cover von Coils &#8220;Love&#8217;s Secret Domain&#8221; zu lesen war:„out of light cometh darkness“. Nach dem Hören von „The Seer“ kann man das glauben. Falls Gira dann der &#8220;Seher&#8221; des Titels ist, ist er ein Haruspex.</p>
<p>(M.G.)</p>
<p>Label: <a href="http://younggodrecords.com/">Young God Records </a></p>
<p>Band: <a href="http://www.facebook.com/pages/Swans/13879391977">Facebook</a></p>
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