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	<title>African Paper &#187; Wertham</title>
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		<title>NEW PROCESSEAN ORDER: CrucifEgo</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Dec 2015 07:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/12/npocrucifego.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11335" title="npocrucifego" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/12/npocrucifego-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nach eigener Angabe ist der New Processean Order keine Band, und das nicht nur deshalb, weil die Besetzung neben Hauptinitiator Alessandro Papa bei jeder Veröffentlichung variiert und sich primär aus bekannten Musikern anderer Projekte zusammensetzt. NPO versteht sich darüberhinaus als musikalischer Arm einer Neugründung der von Robert DeGrimston gegründeten Process Church of the Final Judgement, was ein hehres Anliegen ist. Wie sehr die mitwirkenden Musiker hinter diesem Konzept stehen, ist nicht entscheidend für ihre Teilnahme, und vermutlich sind von<span id="more-11334"></span> persönlicher Freundschaft über Interesse an der musikalischen Umsetzung bis hin zu echter Anhängerschaft alle möglichen Schattierungen vertreten.</p>
<p>Auf der ersten Veröffentlichung des Kollektivs waren Musiker von Kirlian Camera und Teatro Satanico sowie DBPIT und XxeNa vertreten. Auf dem gerade erschienenen zweiten Teil finden sich erneut illustre Gäste wieder, die bekanntesten sind diesmal Marcello Fraioli alias Spectre (Ain Soph), ClauDEDI (Malato, ex-Ain Soph), Marco Deplano (Wertham, Foresta di Ferro) und Simon Ballestrazzi (Kino Glatz, Dream Weapon Ritual und T.A.C., in denen auch Papa Mitglied war). Der bislang noch recht herkömmlichen elektronischen Ritualsound des Debuts wird somit merklich ausgeweitet.</p>
<p>Das Debüt stand ganz im Zeichen einer hymnischen Huldigung göttlicher Kräfte. Auf „CrucifEgo“ geht es darum, das Ego als Haupthindernis spirituellen Wachstums rituell zu zerstören, was beim ersten Stück auch textlich umnissverständlich klar wird, ohne jede romantische Verklärung, denn es geht um die totale Destruktion unserer imaginären Ich-Grenzen und die Möglichkeit, etwas anderes, bislang ungekanntes entstehen zu lassen – etwas, das das Album auch wieder zum Abschluss bringt, denn auch in der gesampleten Interview-Passage mit C.G. Jung berichtet der bekannte Psychologe von einem anderen Selbst, und wie dieses sich bisweilen über den Kanal eines Wahnsystems Bahn zu brechen versteht. Zu Beginn des Albums erfährt der Hörer ein symbolisches Selbstopfer in Form einer psychoakustischen Rezitation, die repetitive Struktur des Openers suggeriert Konsequenz und wenn am Ende kraftvolle Gitarren und der Gruselfaktor Glocken dazu kommt, hat man das Gefühl, dass sich gerade etwas Bedeutsames ereignet hat.</p>
<p>„CrucifEgo“ ist v.a. ein Album, dass sehr stark über die physische Wirkung starker Emotionen arbeitet, und um dies zu erreichen, ziehen die Musiker etliche Register aus dem großen Fundus okkulter, ritueller Musik, und wenn einem typische Klänge aus dem indischen Kulturraum, „kosmische“ Elektronik oder ein Sound, der gelegentlich an Hilmar Hilmarsons Arbeiten mit Current 93 erinnert, sollte man das nicht als fehlende Eingenständigkeit, sondern als Partizipation am Erfahrungsschatz esoterischer Klänge, als ein Channeln bewährter Strukturen betrachten. Bisweilen, wenn sich über wabernde Synthies ein lateinischer Vortrag entfaltet und die backing vocals von Gloria Bazzocchi für das nötige Kolorit sorgen, kann man gar nicht anders, als an die Ain Soph der späten 80er denken, aber das bleibt ja dann in der Familie.</p>
<p>Dass nicht alle Beteiligten ihre Roots im Industrial haben, kommt dem zuguten, und die vielen hybriden Momente, in denen die Musik zwischen Noise, Folk und leidenschaftlic<strong>h</strong>em Desert Rock changiert, gehören zu den Höhepunkten des Albums und überbrücken auch die eine oder andere Länge. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://kaliyugaeditions.weebly.com/">End of Kali Yuga Editions</a></strong></p>
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		<title>V.A.: Songs For A Child – A Tribute To Pier Paolo Pasolini</title>
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		<pubDate>Sat, 09 May 2015 06:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/03/songsforachildpasolinihommage.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-10023" title="songsforachildpasolinihommage" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/03/songsforachildpasolinihommage.jpg" alt="" width="150" height="213" /></a>Dass der Regisseur und Autor Pasolini so unterschiedliche Fans hat und einen Rattenschwanz an verschiedensten Interpretationen und Vereinnahmungen hinter sich herzieht, ist sicher auch seiner eigenen schwer greifbaren Position geschuldet. Dass er zugleich Katholik, Kommunist und bekennender Schwuler war, ist meist das erste, was man über ihn hört, doch auch jede dieser drei Eigenschaften für sich verkörperte er auf jeweils untypische Art. So bekannte er sich auch nach seinem Parteiaustritt – er wurde wegen seiner Homosexualität geschasst – zu kommunistischen Ideen, gleichwohl seine konkreten Ansichten eher kommunitaristisch oder anarchistisch anmuteten, wenn sie nicht ohnehin eher der katholischen Soziallehre ähnelten. Sein<span id="more-10022"></span> Katholizismus war volksnah und bodenständig, traditionell und ohne jeden elitären Pomp. All dies und weitere Ambiguitäten schlugen sich auch in seinen Filmen nieder, die hoch stilisiert waren und mit ihren Laiendarstellern und den schlichten, neorealistischen Bildern zugleich die unprätentiöse Hand der Improvisateurs verraten. Vollkommen erwartbar also, dass sein Vermächtnis die unterschiedlichsten Menschen anspricht und so manches nachträglich gezeichnete Pasolinibild Konturen aufweist, die sich einer allenfalls ausschnittweisen Betrachtung seines Werks verdanken.</p>
<p>Schon recht früh zeigten sich auch Musiker von Pasolinis Werk und Person inspiriert, und neben Scott Walkers „Farmer in the City“ und Diamanda Galas&#8217; „Supplicia di mia Madre“ (beides Gedichtvertonungen) ist Coils „Ostia“, das die vorliegende Compilation eröffnet, sicher eines der prominentesten Beispiele. In dem Song vom morbid-apokalyptischen „Horse Rotorvator“-Album vergegenwärtigen sie den Tod des Regisseurs in mysteriösen Sprachbildern und verpassen dem Ereignis ein musikalisches Gewand, das kaum einem Genre nahe kommt und wohl am besten als cinematich bezeichnet werden kann. Folk und Chanson, die vage anklingen, finden sich deutlicher in dem melodramatischen Song von Spiritual Front, womit die songorientierten Beiträge – es sei denn, man subsumiert In Slaughter Natives&#8217; auf Cembalo und Grummeldröhnen aufgebautes Duett noch darunter – auch schon genannt wären. Alles weitere ist wesentlich sperriger und abstrakter.</p>
<p>Viele der Beiträge, die außer „Ostia“ wohl selten älter sind als die Idee zu diesem Sampler, bauen ihre thematischen Referenzen auf Samples aus Filmen oder aus den zahlreichen kontroversen Interviews des Regisseurs auf. Einen Höhepunkt dessen stellt das subtile Ambientstück von Alio Die dar, das in gewohnt ethnolastiger Manier gestrickt ist. Fast gegensätzlich dazu die ebenfalls ambienten Bahntier, die einen monströsen elektronischen Track um eine emotionsgeladene Interviewpassage aufbauen, die in puncto Intensität nur noch vom noisigen Wertham-Stück überboten wird. Black Sun Productions schlagen (auch hier) thematisch die Brücke zu Coil und liefern mit dem ethnokulturell untermalten Text über den Mordfall eines der ergreifendsten Stücke ab. Bei einigen Stücken wie dem martialisch anmutenden „Dresden“ von Nueva Germania erschließt sich mir der Bezug kaum, wohingegen Teatro Satanico mit technoidem Geblubber und erst recht Catholic Boys in Heavy Leather (Joke Lanz und Roger Rotor) mit launigem Rhythm Noise für Kurzweil sorgen.</p>
<p>Soweit so gut, und rein musikalisch könnte man es – trotz einiger Qualitätsunterschiede – bei einem Lob belassen. Dennoch könnten die Bezüge zu Leben und Werk Pasolinis etwas ausgewogener sein, und um das festzustellen, muss man nicht – wie in Italien wohl mehrfach geschehen – spekulieren, dass dem Regisseur die Musik, die es zu seinen Lebzeiten auch kaum so gab, nicht gefallen hätte. Es ist nicht so, dass die Beitragenden ein total einseitiges Pasolinibild zeichnen würden, und doch gibt es hier eine gewisse Schlagseite auf dem Image eines transgressiven, queeren Provokateurs, und der Fokus scheint mir insgesamt doch so stark einerseits auf den Todesumständen, andererseits auf den „120 Tagen von Sodom“, also seinem letzten, eher utypischen Film, zu liegen, dass Ah Cama-Sotz&#8217; feinziselierte Referenz auf die „Erotischen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“ schon positiv herausstechen.</p>
<p>Pasolini war ein leidenschaftlicher Stilist und hatte ein gutes Händchen für ungewöhnliche choreografische Arrangements und entsprechende Bühnenbilder. Zugleich war er aber auch aus Überzeugung unstylisch und das Gegenteil eines manirierten Snob. Die barfüßigen, sonnengebräunten und (wenn männlich) unrasierten Gestalten, die trotz ihrer Staubigkeit eine jugendliche Vitalität und Lebensfreude ausstrahlen, sind ebenso sehr sein Markenzeichen wie all die bodenständigen Szenarien, die v.a. deshalb kein Idyll waren, weil ihnen jegliche Glättung fehlte. Pasolini hatte eine große Achtung für maginalisierte Gemeinschaften weit jenseits dessen, was man „queer“ nennt, für „einfache“ Menschen der unteren Gesellschaftsschichten und für unterdrückte Völker der Dritten Welt, denen er viele antiimperialistisch intendierte Texte widmete. Jedes popkulturelle Spektakel hätte ihm vielzusehr nach Konsum gerochen, und seinen homoerotisch in Szene gesetzten Jungen von der Straße würde heute im Berghain wahrscheinlich der Einlass verweigert werden. Nicht zuletzt spielten Frauen in seinem Werk eine überragende Rolle und waren in drei Fällen Titelheldinnen. All diese Dinge kommen hier entweder gar nicht oder nur am Rande vor. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Rustblade</strong></p>
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		<title>FORRESTA DI FERRO: Bury Me Standing</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jan 2015 07:09:45 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/fdfbms.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9727" title="fdfbms" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/fdfbms-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit „Seppelliscimi in Piedi“, dem ausklingenden zweiten Titelsong ihres bisher einzigen Albums, ist Forresta di Ferro ein seltsames Meisterstück gelungen – vordergründig ein simpler Italofolksong mit Akkordeon und zirkushaftem Walzertakt wirkt das Stück durch seine effektunterlegte Vokalspur, die wie aus einem Telefonhörer herüberweht, ins nahezu Unwirkliche, Gespenstische entrückt. Mit seinem kämpferischen Text und der repetitiven Struktur suggerierte das Lied für mich stets die Vorstellung einer ausladenden Kamerafahrt durch ein Ruinenfeld irgendwo im Italien<span id="more-9726"></span> zum Ende des zweiten Weltkrieges. Wie eine Platte mit Sprung, die noch Stunden nach der Zerstörung auf einem unversehrt gebliebenen Grammophon rotiert, evoziert der Song eine zweifelhafte, aber auch mitreißende Leidenschaft, die nicht untergehen kann und will, auch wenn ihre Zeit längst abgelaufen ist.</p>
<p>Forresta di Ferro ist quasi das zweite Projekt von Marco Deplano, der mit Wertham dystopischen Powernoise spielt. Mit Forresta di Ferro wandte er sich um die Jahrtausendwende einem organischeren, traditionelleren und irgendwie auch freundlicheren Sound zu, wenngleich die musikalischen Resultate keineswegs optimistisch klingen. Schon der Bandname – einerseits auf die Edda, andererseits auf eine Industrieruine in Deplanos norditalienischer Heimatstadt Como referierend – lässt da keine Zweifel aufkommen. Ein Markenzeichen in der bis dato etwas abgebrochen wirkenden Bandgeschichte ist neben dem Kollaborationscharakter (John Murphy und Richad Levy waren mit an Bord) die musikalische Unverortbarkeit, die nur bei Klischeedenkern den Verlegenheitsbegriff Neofolk aufkommen lässt, während die Songs unentschieden zwischen folkigen, postpunkigen, noisigen und auf der Doppel-7&#8221; mit Novy Svet auch jazzigen Anleihen oszillieren, was Deplano und seine Combo anscheinend auch nie kitten wollten.</p>
<p>Inhaltlich befasst sich „Bury me standing“ mit den vielfältigen idelogischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderst, mit Obsession und Fanatismus politischer wie konfessioneller Art, und zeigt das ganze als vor allem tragisches Geschehen. Die Weltkriege, Jugoslawien, der Nahe Osten, rechte, linke, neokonservative und religiös motivierte Phänomene, ihr Idealismus, ihr Terror und ihr Scheitern &#8211; all das mag auf den ersten Blick etwas dick aufgetragen wirken, doch Deplano und seine Kollegen umgehen gekonnt so manchen Fallstrick: Kein Zeigefinger erhebt sich in dem Panorama, das den liner notes nach als Filmmusik „für ein imaginäres Dokudrama über Glaube, Unglück und Fanatismus“ gedacht war, keine Parteinahme für oder gegen ideologische Sackgassen wird auf dem Serviertablett gereicht, vielmehr hält die Umsetzung in den episodisch angelegten Stücken eine Balance zwischen Empathie und Bloßstellung und will eher thematisieren und anregen statt zu erklären und zu belehren.</p>
<p>Referenzen wie Evola, Jünger, Kustorica, Mishima, von Trier (von denen einige im Post-Industrial freilich längst zur zernudelten Standardfolklore mutiert sind) bilden einen allenfalls vagen Hintergrund. Eine solche Balance zeichnet auch die Musik aus, bei der chansonartige Folksongs auf beklemmende Soundscapes und heroische Hymnen an der Grenze zur Tollwut aufeinander treffen, auch die Kontrastierung von sakralen oder opernhaften Samples mit Kriegslärm und markanter Perkussion hält ihr fragiles Gleichgewicht. Ob einem Levys songorientiertere Beiträge, die einen Hauch von Fin de Siecle-Stimmung einbringen, nicht etwas zu weit entfernt vom Rest erscheinen, bleibt ähnlich wie seine jungenhafte Stimme dem Geschmack des Hörers überlassen.</p>
<p>Ein besonderer Fokus liegt auf der kodexgeleiteten Haltung von Männerbünden, Phänomenen, denen immer etwas Faszinierendes und zugleich auch rührend Lächerliches anhaftet, die Tatenokai (dt. &#8220;Schildgesellschaft&#8221;) Mishimas während des symbolischen Umsturzversuchs 1970, der in &#8220;Harmony Of Pen And Sword&#8221; ein düsteres Mahnmal gesetzt wird, ist eines der bekanntesten Beispiele. In der Hinsicht durchzieht die Themenwahl auch eine gewisse Ahistorizität. Der Bruch nach dem Ende der Ostblocks, den kulturalistische Geister wie Huntington oder sein an integraler Tradition geschultes russisches Pendant als Übergang vom Zeitalter der Ideologien zum Revival der Kulturen deuteten, spielt hier keine nennenswerte Rolle, und mit Phänomenen wie dem indischen Kriegeradel der Kshatriya-&#8221;Kaste&#8221; und den Kreuzrittern als &#8220;Militia Christi&#8221; kommt auch Vormodernes zur Sprache. Die Brücke zum Rest sowie ihre Gemeinsamkeit untereinander ist zunächst nur dem Leser einschlägiger traditionaler Literatur bekannt, was das Ain Soph-Cover mit Bassgrummeln, Drummrolls und Brüllstimme allerdings nicht davon abhält, das zweite Highlight des Albums zu sein.</p>
<p>Gut zehn Jahre nach der Ertveröffenlichung erschien das Album dieser Tage neu auf dreihundert schwarzen Scheiben. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.trips-und-traume.com/">Trips + Träume</a></strong></p>
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