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	<title>African Paper &#187; William Shakespeare</title>
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		<title>ACEZANTEZ: s/t</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Nov 2018 21:11:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Acezantez]]></category>
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		<description><![CDATA[Als der Komponist Dubravko Detoni 1970 das Kollektiv Acezantez ins Leben rief, hatte er v.a. ein Live-Ensemble im Hinterkopf, das experimentelle Arbeiten von z.T. unbeachteten kraotischen Musikern der damaligen Zeit aufführen und somit etwas bekannter machen sollte &#8211; der nach &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/11/30/acezantez-st/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/09/acezantezfrontcover.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-16406" title="acezantezfrontcover" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/09/acezantezfrontcover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als der Komponist Dubravko Detoni 1970 das Kollektiv Acezantez ins Leben rief, hatte er v.a. ein Live-Ensemble im Hinterkopf, das experimentelle Arbeiten von z.T. unbeachteten kraotischen Musikern der damaligen Zeit aufführen und somit etwas bekannter machen sollte &#8211; der nach etwas eigenwilligem Spanisch klingende Name ist dann auch eine Abkürzung und bedeutet übersetzt &#8220;Ensemble des Zentrums für neue Richtungen in Zagreb&#8221;. Immer mehr Virtuosen unterschiedlicher Streich-, Blas- und Perkussionsinstrumente beteiligten sich an dem Projekt, und mit der Zeit entwickelte es sich zu einem lokalen <span id="more-16405"></span>Garanten für ausgefallene Neue Musik von zumindest dem Anschein nach improvisierter Ausrichtung, die im Jugoslawien der späten Tito-Ära schnell Schule machte. Nach sieben Jahren brachten Detoni und seine Mitstreiter dann ihr erstes und streng genommen einziges Album heraus, und die zwei seitenfüllenden Tracks, die zuvor schon aufgeführt wurden, nehmen vieles vorweg, was kurze Zeit später die experimentverliebten Geschmäcker dominieren sollte.</p>
<p>Detoni ist auch in seinen Soloarbeiten, in die ich mich gerade reinknie, ein Meister der Kombination von abenteuerlicher Verzerrung und fast anheimelnder Melodik. Man könnte den Titel des Tracks auf der ersten Seite, &#8220;Kic Varijacije&#8221; (Kitsch-Variationen), damit in Verbindung bringen, denn die mitunter turbulente Klangreise startet wie ein Märchenhörspiel mit lieblichem Glöckchengebimmel, unter dem sich allerdings immer mehr das Frickeln und Klimpern eines Jazzinstrumentariums bemerkbar macht. Es könnte der Auftakt zu einem Gialloscore sein, der gerade eine kitschige Szene mit Kindern untermalt, die auf kein gutes Ende hinausläuft &#8211; es ist nicht das Miauen einer Katze, das Vogelkonzert inklusive Entenquaken, das Jaulen diverser Stimmen, die Quietschmäuse und das atonale Saxophon, die das ungute Gefühl erzeugen, eher noch bringen sie und andere gesamplete Sounds eine bizarre Heiterkeit und somit etwas Licht in die Szenerie, die wie in David Lynch-Manier durch den Türspion eines Puppenhauses gefilmt anmutet. Elektronisches, wellenförmiges Dröhnen wechselt sich mit impulsiven Pianoparts, Saitenbrummen und -knarren und einer anheimelnden Klarinettenmelodie ab, und die sepiafarbene Tönung des Ganzen hat Jahre später einen würdigen Nachklang in den organischeren Arbeiten Doc Wörr Mirrans erfahren.</p>
<p>Das die zweite Seite füllende &#8220;Bajka&#8221; (Fabel) wirkt mit dem elektrifizierten Windrauschen anfangs futuristischer und behält die erste Hälfte den etwas leiseren Tönen vor. Die haben es aber dennoch in sich, und aus Stimmakrobatik in der Art von Audrey Chen, polyrhythmisch hämmernden Maschinen und der Simulation von Pferdehufen ein feinsinniges Gewebe zu erzeugen, beweist echtes Können. Das alte viktorianische Backsteinhaus, das anfangs wie eine Fabrik aus dem 19. Jahrhundert anmutete, entpuppt sich aber als eine Art Bedlam, sobald Vokalistin Veronika Durbešić die Bühne betritt und ein ganzes Repertoire an surrealen Details beisteuert &#8211; von verwundertem kindlichen Hauchen und gespenstischem Flüstern über wirres Lachen und hysterisches Schnattern und Heulen bis zu rückwärts gespieltem Singsang mit und ohne Text wird allein gesangstechnisch eine große Bandbreite abgespielt, bei der man zwangsläufig auch an Diana Rogerson denken muss, und auch beim Zusammenspiel mit plätschernden, tremolierenden Sounds und wüsten Tempospielereien ist die Nähe zu den fast zeitgleich gegründeten Nurse With Wound derart groß, dass man als Schelm glatt Böses denken könnte. Bezug nimmt das Stück übrigens auf den Schlussmonolog von Shakespeares <em>Macbeth, </em>was man, wenn man es weiß, auch an einigen Wortfetzen heraushören kann.</p>
<p>Die vor kurzem erschienene Neuauflage als LP kann man nicht genug begrüßen, da es sich hier um einen weitgehend unbekannten Klassiker handelt, der auch international Beachtung verdient. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.subrosa.net/en.html">Sub Rosa</a></strong></p>
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		<title>KATARINA GLOWICKA: Seven Sonnets</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/08/05/katarina-glowicka-seven-sonnets/</link>
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		<pubDate>Sat, 05 Aug 2017 07:44:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Arnon Zlotek]]></category>
		<category><![CDATA[ARTEkSOUNDS]]></category>
		<category><![CDATA[Katarina Glowicka]]></category>
		<category><![CDATA[Rubens Quartet]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenige außerhalb der Anglistik und erst recht außerhalb des englischsprachigen Raums kennen heute Sir Philip Sidney, Edmund Spenser und andere Verfasser von Sonetten aus der Zeit von Königin Elisabeth I an der Schwelle zum 17. Jahrhundert. William Shakespeares Gedichte dagegen, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/08/05/katarina-glowicka-seven-sonnets/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/03/glowickasevensonnetts1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-13487" title="glowickasevensonnetts" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/03/glowickasevensonnetts1.jpg" alt="" width="166" height="150" /></a>Wenige außerhalb der Anglistik und erst recht außerhalb des englischsprachigen Raums kennen heute Sir Philip Sidney, Edmund Spenser und andere Verfasser von Sonetten aus der Zeit von Königin Elisabeth I an der Schwelle zum 17. Jahrhundert. William Shakespeares Gedichte dagegen, gleichwohl „the bard“ primär für seine Dramen bekannt wurde, sind in den folgenden Jahrhunderten nie aus der Mode gekommen, haben spätere Dichter inspiriert und zugleich Versuche angestoßen, diese entweder rezitativ oder in gesungener Form zu vertonen.<span id="more-13485"></span></p>
<p>Diese Ausnahmestellung wurde tausendfach zu erklären versucht, mit nur schwer zu belegenden und zugleich auch nie ganz indiskutablen Qualitätsmerkmalen, auch mit dem Zufall, mit einer spielerischen, pathosfreien Gewitztheit, die über die Jahrhunderte an Aktualität gewinnen konnte, und vielleicht noch am plausibelsten mit einer gewissen Offenheit, die Shakespeares Bildsprache, seinen Sprachwitz und seine Vorstellung von Liebe und Gefühlen generell für die unterschiedlichsten kulturellen Kontexte andockbar macht. Zu den zeitgenössischen musikalischen Interpretationen von Shakespeares Sonetten zählt die vorliegende Sammlung der jungen polnischen Komponistin Katarina Glowicka, in der der von einem kleinen Ensemble, dem Rubens Quartet, begleitete Tenor Arnon Zlotnik eine feierliche, fast sakrale Umsetzung der Gedichte präsentiert.</p>
<p>Der Zyklus beginnt besinnlich, bleibt aber – ganz Shakespeares Themen entsprechend – keineswegs im Pastoralen, und ebenso wenig wie das anfangs noch anheimelnde Zupfen der Saiten romantisch gerät, laufen die reißerischen Passagen Gefahr, im Sumpf des Melodrama stecken zu bleiben. Schrille Töne, verhalten Geräuschhaftes, Dröhnung hier und da und andere Arten der Verfremdung sind ebenfalls Teil der Kulisse für diese Texte voller Ambiguität. Sehr gut wissen der Sänger und das kleine Ensemble dem Narrativ der Lyrik zu folgen, u.a. durch Spannung erzeugende Singpausen vor besonders markanten Stellen und erwartungsvolles Stauen des musikalischen Flusses. Hört man einen guten Vortrag von Shakespeares Lyrik, so vergisst man oft völlig, welch strenge Form der Gattung Sonett zugrunde liegt, da die Texte die Regulierungen der Strophen, der Metrik und der Reimformen originell zu nutzen und gelegentlich auch auszutricksen verstehen. Glowicka nutzt gerade dies in ihrer Umsetzung und schafft so eine Musik, deren Struktur im stetigen Wandel bleibt.</p>
<p>Die Adaptionen sind über einen Zeitraum von beinahe zwanzig Jahren entstanden, denn Glowicka widmete sich immer erst nach größeren Pausen wieder neuen Sonetten. In Wahrheit muss man Zeitkategorien aber ohnehin außen vor lassen: Der Literaturwissenschaftler Harold Bloom behauptete in seinem Mammutwerk <em>The Western Canon</em>, Shakespeare habe nach seinem Tod im Alleingang die gesamte westliche Literatur bis heute verfasst, alle sogenannten Autoren seit dem 17. Jahrhundert seien in Wirklichkeit schon zu Lebzeiten von Shakespeare ferngesteuert gewesen. <em>Faust I</em> habe er z.B. nur geschrieben, um für <em>Hamlet</em> zu üben. Ganz sicher gilt das auch für musikalische Umsetzungen, und mit „Seven Sonnets“ ist ihm – mit nicht zu unterschätzender Hilfe des Mediums Katarina Glowicka und ihren ausführenden Musikern – ein weiterer epochaler Streich gelungen.</p>
<p><strong>Label: ARTEkSOUNDS</strong></p>
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		<title>THOMAS LIGOTTI: Teatro Grottesco</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 20:28:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Durtro]]></category>
		<category><![CDATA[E.M. Cioran]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Kafka]]></category>
		<category><![CDATA[H.P. Lovecraft]]></category>
		<category><![CDATA[Robinson Jeffers]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Bernhard]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Ligotti]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description><![CDATA[“Eines Nachts, in längst vergangenen Zeiten, erwachte der Mensch und sah sich selbst. Er sah, dass er nackt war unter dem Kosmos, unbehaust in seinem eigenen Körper.“ Peter Wessel Zapffe, Der letzte Messias Schon seit einigen Jahren angekündigt, erscheint bei &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/08/31/thomas-ligotti-teatro-grottesco/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/Teatro-Grottesco-150x150.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-537" title="Teatro-Grottesco-150x150" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/Teatro-Grottesco-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>“Eines Nachts, in längst vergangenen Zeiten, erwachte der Mensch und sah sich selbst. Er sah, dass er nackt war unter dem Kosmos, unbehaust in seinem eigenen Körper.“</p>
<p>Peter Wessel Zapffe, <em>Der letzte Messias</em></p>
<p>Schon seit einigen Jahren angekündigt, erscheint bei David Tibets Kleinverlag Durtro die neueste Sammlung mit Kurzprosa des Amerikaners. Neu muss allerdings relativiert werden, denn einige der Geschichten wurden ursprünglich schon 1996 in der Sammlung “The Nightmare Factory“, der Anthologie Ligottis, die im angloamerikanischen Raum sicher die verbreitetste ist, unter dem Titel “Teatro Grottesco“ publiziert. <span id="more-536"></span>Neben den hier über verschiedene Sektionen verteilten Texten findet man u.a. noch die vier lose zusammenhängenden Erzählungen, die “In A Foreign Land, In A Foreign Town“ ausmachten (als Buch erstmals mit einer CD von CURRENT 93 veröffentlicht), einige Gedichte und auch zwei der so genannten Geschichten des “Corporate Horror“, in denen Ligotti das Grauen des Arbeitsplatzes thematisiert und die ihren Höhepunkt in der Erzählung “My Work Is Not Yet Done fanden – dem bisher längsten Prosatext Ligottis (der allerdings hier nicht abgedruckt ist).</p>
<p>Die “Teatro Grottesco“-Geschichten sind – wie Ligotti selbst sagt –  von Thomas Bernhard beeinflusst, was durch verstärkte Kursivsetzungen recht deutlich wird, man findet aber auch Verweise auf den Expressionisten Trakl (vgl. den Namen Theodore Groddeck in der Titelgeschichte). Prinzipiell geht es bei Ligotti immer eher um Stimmung als um Plot, was manchmal eine Schwäche sein kann (insofern ist das zusammen mit Brandon Trenz verfasste und vor einigen Jahren bei Durtro veröffentlichte Drehbuch “Crampton“ schon aufgrund seiner textsortenimmanenten Eigenschaften sehr zu empfehlen). Es geht um die Erzeugung einer merkwürdigen Art von (Alp-)Traumatmosphäre, in der alles in einen gelblichen Nebel gehüllt zu sein scheint, ganz so, wie die Stadt in der (hier nicht abgedruckten) Erzählung “I Have A Special Plan For This World“.</p>
<p>Mit der Äußerung, er schätze Lovecraft mehr als Shakespeare, nicht weil dieser besser schreibe, sondern weil man in jeder Zeile Lovecraft und seine Weltanschauung spüre, sorgte Ligotti vor einiger Zeit bei manchem für Unmut. Diese Äußerung ließe sich auch als Credo des literarischen Schaffens Ligottis verstehen, denn in jeder der Geschichten formuliert der (Ich-)Erzähler oder aber eine Figur eine (An-)Sicht der Welt, die dem Mund des Autors entsprungen sein könnte. Dieser eigentlich billigste hermeneutische Kurzschluss wird durch Äußerungen des Autors nahe gelegt. Exemplarisch für die Weltanschauung seien hier die (Selbst-)Diagnose, die ein Kollege des Ich-Erzählers in “My Case For Retributive Action“ stellt (“I’ve even come to believe that the world itself, by its very nature, is unendurable“) und eine längere Passage aus “The Shadow, The Darkness genannt:</p>
<p>”There was only this blackness above and this blackness below. There was only this consuming, proliferating blackness whose only true and final success was in the mere perpetuation of itself as successfully as it could in a world where nothing exists that could ever hope to be anything else expect what it needs to thrive upon…until everything is entirely consumed and there is only one thing remaining in all existence and it is an infinite body of blackness activating itself and thriving upon itself with eternal success in the deepest abyss of entity.”</p>
<p>Bei letzterem Zitat, dessen Kernaussage vielleicht auch durch das äußerst schwarz gestaltete Buch illustriert wird, wird natürlich eine Gefahr der Prosa Ligottis deutlich: Das Wandeln am Abgrund des Klischees. Dennoch entgeht dem Ligotti meistens und es gibt beeindruckende Texte: “Our Temporary Supervior“ ist eine überaus gelungene Darstellung des Drucks, dem man am Arbeitsplatz im sich immer dreister gebärenden Kapitalismus ausgesetzt ist. Wie Ligotti dies im Rahmen einer unheimlichen Geschichte verdeutlicht, ist beeindruckend und erinnert ebenso wie “The Town Manager“ – die Bewohner einer der üblichen diffusen (und nie klar zu lokalisierenden) Städte (“Degenerate towns near the northern border“ möchte man sie in Anlehnung an Ligotti nennen) sind dem arbiträren Kommen, Gehen und Agieren verschiedenster “Town Manager“ ausgesetzt – an Kafka. Die Protagonisten sind immer (auch sich selbst) Ausgelieferte (wie in “The Bungalow House“, das CURRENT 93s “I Have A Special Plan For This World“ inspirierte), sie leiden an (physischen wie psychischen) Gebrechen (wie z.B. Magenproblemen), die manchmal zu gesteigerter Erkenntnis führen können (“The Shadow, The Darkness“). Realität(en) verschwimm(t)en (wie in dem beklemmenden “Gas Station Carnivals“), die Menschen leben in “Marionettenkolonien“ und die drei Dinge, die eine reine Wahrnehmung behindern, sind Länder, Gottheiten und Familien (wie es der Vater des Erzählers in “Purity“ formuliert).</p>
<p>Diese willkürlich gewählten Beispiele machen vielleicht deutlich, dass es wenige Autoren gibt, in deren Werk sich die Insignifikanz der menschlichen Existenz so sehr widerspiegelt, wie im Werk Ligottis. Wird bei einem Autoren wie Jeffers noch eine beeindruckende Natur evoziert und finden sich bei  Cioran (Rest-)Spuren Gottes, gibt es solche Hilfskonstruktionen – um letztlich doch noch eine Art von Sinn durch die Hintertür hineinzulassen – bei Ligotti nicht, es sei denn, man spräche von einer Metaphysik der Abwesenheit. Auf den ersten Blick mag man fragen, warum ein gläubiger Christ wie Tibet solch ein – auch wenn dieser Begriff zum Schlagwort verkommen ist – nihilistisches Werk schätzt, aber zum einen ist das Werk des “Privatmythologen“ (R. Dittmann) Tibet zu komplex um in einfache Schubladen gesteckt zu werden, zum anderen gibt Tibet selbst in “The Thomas Ligotti Reader“<em> </em>eine Erklärung, wenn er darauf hinweist, dass sie beide eine ähnliche Sicht der Welt hätten, aber daraus unterschiedliche Schlüsse zögen: Für beide sei die Welt gefallen, aber er (Tibet) glaube an Erlösung.</p>
<p>Die Zusammenstellung wird von dem Gedicht “Envoi“ beendet, dessen letzte Zeilen “nothing is for all / and all is for nothing“ lauten und die diese Veröffentlichung adäquat abschließen (und kommentieren).</p>
<p>[Nachtrag: Inzwischen ist die Sammlung (allerdings ohne die Gedichte des letzten Teils) in einem günstigen Paperback bei Virgin Books veröffentlicht worden.]</p>
<p>(M.G.)</p>
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