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	<title>African Paper &#187; WKN</title>
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		<title>DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND: Wish I Weren&#8217;t Here</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Apr 2019 03:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der allgemeinen Vorstellung ist die große Zeit der Psychedelik immer noch sehr an die Hippiekultur mit all ihren Nettigkeiten gekoppelt. Verwegenheit, Wagemut, Machismo und ein Schuss cooler Zynismus haben darin wenig Platz und sind als Kehrseite des Idylls doch &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/04/13/der-blutharsch-and-the-infinite-church-of-the-leading-hand-wish-i-werent-here/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/03/bhwish.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17373" title="bhwish" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/03/bhwish-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In der allgemeinen Vorstellung ist die große Zeit der Psychedelik immer noch sehr an die Hippiekultur mit all ihren Nettigkeiten gekoppelt. Verwegenheit, Wagemut, Machismo und ein Schuss cooler Zynismus haben darin wenig Platz und sind als Kehrseite des Idylls doch wichtige Bestandteile des ganzen Phänomens, das damit ein gutes Stück näher an seine Wurzeln im Rock&#8217;n'Roll kommt. Albin Julius und seine Infinite Church of the Leading Hand sind seit einer gefühlten Ewigkeit zweierlei &#8211; zum einen<span id="more-17371"></span> passionierte Retronarren, die vom Mittelalter über martialische Filmscores bis zu Kraut- und Spacerock einen weiten und z.T. widersprüchlich anmutenden Weg zurückgelegt haben, zum anderen leidenschaftliche Störenfriede, bei denen das Staubaufwirbeln zum guten Ton gehört. Manchmal braucht es solche Leute, um rückblickend das Bild einer Subkultur vom Kopf auf die Füße zu stellen.</p>
<p>Lieber an einem anderen Ort oder nirgends, bloß nicht hier – mit ihrem Titel, dessen Nähe zu einem Pink Floyd-Album bereits erkannt wurde, zielt die Combo auf Kompromisslosigkeit, und das wagemutige Sich-Einlassen, das in den wenigen verständlichen Wortfetzen des plakativ „evil“ betitelten Openers zum Ausdruck kommt, scheint so etwas wie die Essenz des Longplayers zu enthalten. Ebenso die Musik: Die elektrifizierte Sängerin, die trancehaften elektronischen Takte, die so erstmals in der EP mit White Hills zu hören waren, die knarzig vorankriechenden Gitarren und das trockene Wüstensetting, aus dem jede Mittelaltermelodik verschwunden ist, die bis zuletzt im Kleinen spürbar war. Wie in einem wortkargen Spätwestern wird hier nichts verklärt, nichts verdammt, nichts unter den Teppich gekehrt.</p>
<p>Im abstrakt dröhnenden Titelstück, in dem man das Erbe der Velvets und tausender No Wave- und Stonerbands hinter den verzerrten Soundschichten zu halluzinieren meint, deklamiert die Sängerin, die als Frontfrau längst über den Schatten des Bandleaders hinausgewachsen ist, einen sachlich kühlen Sprechgesang, der fast in Rap zu kippen scheint. Ähnlich stoisch die hypnotisierenden Vocals, die in „Make me see the light“ mit der melodischen Musik kontrastieren. Dionysisch (oder diabolisch) entgrenzt dagegen das von Trommelwirbeln aufgepeitschte (und später von rituellen Handdrums aufgelockerte) „Forgotten“, und auf gänzlich andere Art „Just because I can“, bei dem die evokative Stimme Marthynnas wie im Fieber „just because I can I lay my hands on you“ über verwaschenes Saintenbrummen und die kurzen Karambolagen des Downtempotaktes sendet.</p>
<p>„My soul rests free“ ist m.E. das Herzstück des Albums: Nach einem ambienten, &#8220;kosmischen&#8221; Auftakt leiten an Diamanda Galas erinnernde Beschwörungen über in ein wildes Freakout, bei dem scheinbar alles einen Willen zur Transzendenz ausdrückt. Wish I weren&#8217;t here &#8211; der Wunsch scheint bestens erfüllt. Durchaus präsent ist die Combo aber bald auf europäischen Bühnen, mit <a href="https://www.facebook.com/events/356872644914459/">Koblenz (20.04.)</a>, <a href="https://www.facebook.com/events/1034241566784837/">Jena (21.04.)</a> und <a href="https://www.facebook.com/events/563769847417415/">Wien (22.04.)</a> kommt auch der deutschsprachige Raum auf seine Kosten.</p>
<p><strong>Label: WKN</strong></p>
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		<title>DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND: Sucht und Ordnung</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Dec 2016 08:31:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/11/berblutharschandtheinfinitesuchtundordnung.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12993" title="berblutharschandtheinfinitesuchtundordnung" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/11/berblutharschandtheinfinitesuchtundordnung-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Viel ist bereits geschrieben worden zu den Wandlungen und Transformationen in der Musik von Albin Julius und seinen Mitstreitern, von den kühlen, oft martialischen Soundscapes von Der Blutharsch zum krautigen, auf räudige Art lebensbejahenden Stonerrock von Der Blutharsch and the Infinite Church of the Leading Hand. Es wäre interessant zu erfahren, wie im einzelnen die Fans darauf reagiert haben. Sicher sind einige abgesprungen, viele allerdings freundeten sich mit dem neuen Stil an und haben, einmal Blut geleckt, vielleicht sogar schon die eine oder andere Hawkwind-Platte im Regal stehen. Ganz sicher sind auch<span id="more-12992"></span> neue dazu gekommen, auf der anderen Seite gibt es gewiss auch die, die brav jede neue Scheibe ins Regal stellen und doch nur die alten Sachen hören – wie es bei vielen Bands ist, auch bei denen, die weit weniger markante Veränderungen hinter sich haben.</p>
<p>Ins Abseits gespielt hat sich die Band jedenfalls ganz und gar nicht und kann ganz zufrieden auf das bisher erreichte zurückblicken. Das neue Album mit dem griffigen Titel „Sucht und Ordnung“ hat etwas von einem solchen Zwischenresümee – nicht im Sinne einer ordinären Best of, aber insgesamt lässt man hier, wenn auch nicht immer offensichtlich, einiges aus der jüngeren Vergangenheit Revue passieren, lässt Musikalisches und Textliches aus vorausgegangenen Releases einfließen, integriert das Ganze in ein komplett neues Muster, so dass am Ende ein vollwertiges, wenngleich etwas kurzes Album daraus wird.</p>
<p>„Sucht und Ordnung“ enthält wie „The Wolvennest Sessions“ drei längere Stücke, was man diesmal aber nicht zwingend merkt, denn es gibt mehrere spontane Brüche, die den live im Studio entstandenen Songs eine episodisch anmutende Struktur geben. Ein Mix aus schönen Melodien, die ganz entfernt an Julius&#8217; mittelalterlich angehauchte Musik mit The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud denken lassen, kreisende Synthiedrones, viel Hall und ein von Beginn an verspieltes Drumming lassen schon beim ersten der seit längerem mal wieder unbetitelten Tracks den inzwischen vertrauten Sound der Infinite Church erkennen. Der Opener zeigt die Band am ehesten von ihrer Rock&#8217;n'Roll-Seite und wirkt – trotz ausladender Gitarren- und Orgelparts – so straight wie selten.</p>
<p>Eher rituell-beschwörend und streckenweise nah am Metal präsentiert sich das zweite Stück, bei dem Marthynna, deren Gesang zuletzt mehr und mehr zu einem zentralen Teil der Musik wurde, auf eindringliche Art den Genesis-Text über den Baum der Erkenntnis vorträgt, der schon im Zentrum der Kollaboration mit Josef Dvorak und Fuckhead stand. Man muss ein Faible für solch hexige Vocals haben, meines Erachtens hat Marthynna ihren großen Auftritt eher beim dritten Stück, das neben hypnotischen Orgeln und einem straighten Rocksound auch den Text von „Today I Want to Catch Clouds“ erklingen lässt. Dem Stück, dass auf der Split mit White Hills und der gleichnamigen Remix-Sammlung zu hören ist, steht die kernige, saubere und zugleich verspielte musikalische Gewandung gut zu Gesicht – schnell entpuppt es sich als Ohrwurm, den man in Dauerschleife hören kann, was dann auch für die relative kurze Spieldauer des Albums entschädigt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: WKN</strong></p>
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		<title>DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND PRESENTS: The Wolvennest Sessions</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2015 06:56:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dem Cover dieser Veröffentlichung kann man entnehmen, dass Der Blutharsch und seine Infinite Church of the Leading Hand dieses Album lediglich „präsentieren“, wie es seinerzeit diverse World Serpent-Musiker gerne getan hatten. Jegliche Erwartung, dass hier Musiker jenseits von Albin Julius&#8217; &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/11/21/der-blutharsch-and-the-infinite-church-of-the-leading-hand-presents-the-wolvennest-sessions/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/11/wolvennest.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11167" title="wolvennest" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/11/wolvennest-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dem Cover dieser Veröffentlichung kann man entnehmen, dass Der Blutharsch und seine Infinite Church of the Leading Hand dieses Album lediglich „präsentieren“, wie es seinerzeit diverse World Serpent-Musiker gerne getan hatten. Jegliche Erwartung, dass hier Musiker jenseits von Albin Julius&#8217; Combo am Werk sind, zerstreuen sich jedoch schon nach einigen Minuten, wenn das eröffnende Stück erst einmal in die Gänge gekommen ist und es sich abzeichnet, dass hier keine dunkle Ambientband zugange ist, sondern niemand anderes als die Infinite Church höchstselbst.<span id="more-11166"></span></p>
<p>Man kann mutmaßen, dass die drei langen Stücke auf „The Wolvennest Sessions“ im Rahmen der Aufnahmen zum aktuellen Album „Joyride“ entstanden sind, denn atmosphärisch, textlich und soundmäßig gibt es einige Parallelen, auch hier setzt man auf einen eher breiigen, nicht sonderlich ausdifferenzierten Klang, schätzt das Repetitive und eine eher minimal-primitivistische Krautigkeit, zudem singt auch hier ausschließlich Marthynna. Der Themenkreis ist auch schnell benannt: Entgrenzung, der Wunsch danach, die Freude daran sowie die unmissverständliche Klarheit, dass all dies kein Idyll ist, sondern Überwältigung. Ein zentraler Unterschied: Die Stücke sind wie schon erwähnt sehr lang und über weite Passagen von einer eher schleppenden Gangart. Außerdem spielten Drumparts eine wesentliche Rolle.</p>
<p>Das eröffnende „Out Of Darkness Deep“ grollt und dröhnt in den ersten Minuten noch wie eine waschechte Doom-Industrial-Nummer, nur das retrolastige Synthiegedudel stört die Szenerie, so dass die irgendwann einsetzenden Twangs nicht mehr ganz so überraschen. Wenn Drumming, Stonerriffs und die Sängerin das Feld übernehmen, besteht endgültig kein Zweifel mehr, mit wem man es zu tun hat, zugleich wird einmal mehr klar, wie wenig man es hier mit Puristen von welchem Stil auch immer zu tun hat. Stellenweise dachte ich an die langsameren Stücke auf Lards „Power of Lard“-EP, und ein anderenorts aufgeschnappter Vergleich mit Ministry scheint das halbwegs zu bestätigen.</p>
<p>Ein gesampelter Vortrag auf Arabisch leitet über in das hypnotische „Unreal“, bei dem gekonnt plazierte Moog-Tupfer in eine rauschende Gitarrenwolke gehüllt die Melodie bestimmen. Für mich ist dies das Highlight des Albums und definitiv auch einer von Marthynnas besten Momenten. Ganz klar liegen ihr die monotoneren Melodieführungen, und wenn sie mit leichtem Akzent wie hypnotisiert Wörter wie „Faces“ und „Traces“ intoniert, bekomme ich Lust, mal wieder Nicos „The Falconer“ zu hören.</p>
<p>Auch hier stellen sich noch abenteuerlichere Assoziationen ein, und zwar an Burzums „Dunkelheit“, dem bei „Evil Love“ gleich das nächste Deja-Vu folgt, nämlich „Jesus Tod“ vom gleichen Album. Das Stück braucht eine Weile, um seine Richtung zu peilen und findet diese in einem holprig-schleppenden, fast sludge-artigen Sound. Die verruchte Liebe entpuppt sich als gegenseitige Verfolgungsjagd, bei der alle Beteiligten anscheinend ihre gewünschte Beute bekommen &#8211; auch hier also wieder: die schöne, wilde Utopie eines hardboiled wonderland, das &#8211; um die in einem früheren Albumtitel einmal gestellt Frage zu beantworten &#8211; nicht enden muss.</p>
<p>Jetzt fällt mir auf, dass ich nicht einmal „Psychedelic“ gesagt habe, dafür aber „Stoner“ und „Kraut“ . Wie dem auch sei, „The Wolvennest Sessions“ sagt mir persönlich noch mehr zu als „Joyride“, in jedem Fall ist es eine schöne Platte zwischendurch, die sich hoffentlich nicht allzu viele entgehen lassen aufgrund des „presents“, das ich tatsächlich weggelassen hätte. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: WKN</strong></p>
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		<title>DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND: Joyride</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Aug 2015 05:51:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass die Musik von Albin Julius seit den 90ern große Veränderungen durchlaufen hat, ist ein Gemeinplatz und sollte sich mittlerweile bis in die letzten Winkel der etwas eigenwilligeren Musikwelten herumgesprochen haben. Noch interessanter vielleicht ist die Tatsache, dass die Entwicklung &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/08/08/der-blutharsch-and-the-infinite-church-of-the-leading-hand-joyride/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/07/DBJoyride.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10568" title="DBJoyride" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/07/DBJoyride-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dass die Musik von Albin Julius seit den 90ern große Veränderungen durchlaufen hat, ist ein Gemeinplatz und sollte sich mittlerweile bis in die letzten Winkel der etwas eigenwilligeren Musikwelten herumgesprochen haben. Noch interessanter vielleicht ist die Tatsache, dass die Entwicklung von Der Blutharsch And The Infinite Church Of The Leading Hand auch im Kleinen, z.B. von einem Album zum nächsten, kaum vorherzusehen ist und stets Überraschungen bereithält. „Joyride“ folgt – abgesehen von einer Compilation und zwei EPs – auf das vor gut anderthalb Jahren erschienene<span id="more-10567"></span> „The Cosmic Trigger“, und auch wenn der undefinierbare psychedelische Genremix nach wie vor besteht, könnten die beiden Platten kaum unterschiedlicher sein.</p>
<p>Knapp auf den Punkt gebracht reduziert „Joyride“ die schon im Titel von „The Cosmic Trigger“ angedeutete Weite auf&#8217;s wesentliche und gestaltet ich strukturell und auch klanglich oft derart aufgeräumt und konzentriert, dass man sich fast wundern mag, dass Albin, Marthynna und Jörg auch diesmal von einer ganze Bande an Mitstreitern &#8211; u.a. Matt Howden, Alan Trench und Mitglieder von Changes und Seven That Spells &#8211; unterstützt werden. Auf die kosmische Ganzheit folgt ein kurzer, wenn auch nicht ganz folgenloser Trip durch gefahrvolles, aber irdisches Gelände.</p>
<p>Die markanteste Veränderung liegt im Gesang, denn der stammt (backing vocals ausgenommen) erstmals ausschließlich von Marthynna, was sicher einige Schlaumeier auf Moon Lay Hidden-Vergleiche bringen wird. Ihrem diesmal klar nach vorn gemischten Gesang allerdings ist es zu verdanken, dass die Stimmung des Albums – ob mit Absicht oder nicht – ausgesprochen ambivalent und spannungsreich geraten ist. Marthynnas Vocals stimmen einen durchweg kühlen und reservierten Ton an, kommen über viele Strecken nah an Sprechgesang und schlagen automatisch eine für die Invisible Church heute eher untypische Brücke zum Post Industrial mit seinen knapp bemessenen Gesten und grimmigen Blicken. Ambivalent und spannungsreich wirkt sich das deswegen aus, weil der eher ausdrucksreduzierte Gesang ziemlich klar mit der krautig-hippiesken Musik und den durchgehend auf Grenzüberschreitung abzielenden Texten kontrastiert. Bei der noch wesentlich ausladenderen Klanggestalt der letztjährigen Releases hätte dies vermutlich kaum funktioniert</p>
<p>„Drive me far“ beginnt ohne Umschweife, wabernde Synthies und ein wummernder Bass, der über weite Strecken des Albums den Rhythmus nur andeutet, lassen die Fahrt gleich im easy tempo beginnen. Das Ziel ist ungewiss, und diese Unsicherheit des Erkundens von neuem Terrain scheint das eigentliche Thema des Albums zu sein. Schon hier scheint der eher coole Gesang zu implizieren, dass Grenzen, auch wenn man sie überschreiten will, zunächst einmal Statik erzeugen und dass die größten Träume von Freiheit bekanntlich in Ketten geträumt werden. Erst mit der Zeit gerät die Musik ornamentaler und tremolierende Wahwahs, die für Momente an Stimmen erinnern, wirken der Übersichtlichkeit entgegen.</p>
<p>Der große Ausbruch ist auf „Joyride“ kein romantisches Idyll und auf keinem der Stücke führt die Reise in die heile Welt. Viel zu aufwühlend und unterschwellig aggressiv mutet das knarzige „Falling out of Time“ an, viel zu hardboiled klingen die Gitarren und der schwüle Groove in „Cold Freedom“, bei dem man Howdens Violige erstmals deutlich heraushört. Stets fragt man sich, ob die Überschreitung und der Schrei nach Freiheit nicht doch nur ein scheuer Tagtraum ist, der sich ebenso sehr als Alptraum entpuppen könnte, zu sehr durchzieht ein düsterer Grundtenor die Stücke. „Innocent“ könnte glatt ein martialisches Stück aus alten Blutharsch-Tagen sein, neu eingespielt im neuen Sound der Chruch. Dann gibt es Songs, die fast so etwas wie eine klare Ansage vermitteln: Denk nicht zu viel, handle, mit deiner verbummelten Passivität taugst du bestens zum psychischen Vampir, oder schlimmer noch &#8211; zu einem Opfer der „Mighty Might“, wie es im gleichnamigen Stück heißt, während der kauzige Takt rumpelnd das Weite sucht.</p>
<p>„Joyride“ ist wie gesagt kompakter und aufgeräumter als andere Releases der Infinite Church und verzichtet auf vielschichtige Panoramas und ein großes Aufgebot an Gastsängern. Letztlich bleibt es Geschmackssache, welche Version man lieber mag, doch dass die aktuelle Version auf Albumlänge kurzweilig bleibt, sollte man anerkennen. Und spannend bleibt es allemal.</p>
<p><strong>Label: WKN</strong></p>
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