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	<title>African Paper &#187; Wrotycz Records</title>
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		<title>LLOVESPELL: That Summer There Was No Honey</title>
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		<pubDate>Sat, 15 May 2021 05:45:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/05/llovespellthatsummertherewasnohoney.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-25433" title="llovespellthatsummertherewasnohoney" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/05/llovespellthatsummertherewasnohoney-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Obwohl viele es versuchen, gelingt es nur wenigen, das oft so widersprüchliche Emotionsgemisch, das im New Wave der frühen 80er perfektioniert wurde, zu neuem Leben zu erwecken: eine hypnotisierende Monotonie, die resigniert und aufwühlend zugleich sein kann, eine Mixtur aus Klängen, Stimme und Worten, die oberflächlich betrachtet reduziert und kühl wirkt, bei genauerem Hinhören aber eine große Feinfühligkeit offenbart.<span id="more-25432"></span> Ich weiß nicht, inwiefern die Leipziger von Llovespell irgendetwas wiederbeleben wollen oder diesbezüglich überhaupt ein Konzept haben, und es ist auch nicht weiter von Belang. Auf ihrem aktuellen Longplayer „That Summer There Was No Honey“ jedenfalls verkörpern sie gerade die genannten Qualitäten auf beeindruckende Art.</p>
<p>Llovespell, trotz gelegentlicher Variationen ihres Namens nicht zu verwechseln mit den Postpunkern Lovespells, sind das Projekt von Stephan Spreer und Mandie Kunze und waren lange Zeit eines der Zugpferde des Labels Sonderübertragung!, das heute primär als Veröffentlichungsplattform für Antlers Mulm fungiert. Trotz ihres eingängigen und immer etwas verhuschten elektronischen Songwriterpop relativ obskur geblieben, sind die beiden ein interessanter Geheimtipp für alle, die sich in der Welt des melancholischen Pop ebenso zuhause fühlen wie in ambienten Klangwelten. Neueinsteiger, die ihre Färte aufnehmen, stoßen bei der Suche womöglich noch auf weitere interessante Acts wie Casia, die verblichenen Radio Eichenlaub oder Sunday Strain.</p>
<p>Die Songs des aktuellen Albums bewegen sich zwischen ambienter und rhythmischer Elektronik, die auch mit kleinen Sperrigkeiten nicht geizt. Das eröffnende „Straight up in Time“ beginnt als kristalline, hallumhüllte Klanglandschaft von der Entrücktheit eines Transmillenial Consortiums, doch rauschende und quietschende Sounds vermitteln schnell den Eindruck, dass sich hier Dramatischeres zusammenbraut, und ehe man sich versieht, hat der Track eine treibende Dynamik angenommen. In einigen Stücken wird diese aufgegriffen und zum Teil noch um einiges forscher ausgestaltet, so in „Burrowed Time“ oder im einige Stufen experimentelleren „Stay“, dessen zackige Takte mit einer grummeligen männlichen Stimme und Synthies, die an eine versteinerte Harfe erinnern, eine seltsame Melange bilden. Manchmal, wie in „Child in Red“, werden die Rhythmen mit entrückten Synthies und dem melancholischen Pop-Sopran der Sängerin kontrastiert. Oder sie ziehen sich in die Andeutungen eines leichten Knackens und melodischer Tupfer zurück, um den anmutigen Gesang in „Receip“ noch mehr in den Vordergrund rücken zu lassen. Beim Titelstück versinkt all dies im fast lärmenden Chaos der Fragmente, in dem selbst die repetitiven Stimmloops kaum noch als Worte erkennbar sind.</p>
<p>Heraus ragen m.E. Songs wie das zaghafte „I dream so quietly of you“ oder das sehnsuchtsvolle „Longing for Elsewhere“, bei dem der Gesang nur in eine sanfte Ambienthülle gepackt ist, vielleicht weil in diesen Songs der emotionale Kern des Albums am deutlichsten offenbar wird. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Wrotycz Records / Symmetric Poetry<br />
</strong></p>
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		<title>LES PARADISIERS: Indian Summer</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Dec 2020 05:25:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/09/lesparadisiersindiansummer.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-22495" title="lesparadisiersindiansummer" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/09/lesparadisiersindiansummer-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wenn die Sommersonne im östlichen Teil der USA, vor allem in den Neuengland-Staaten, im Herbst noch einmal ihr Recht einfordert und Licht durch die längst braungefärbten Blätter fluten lässt und das Land in der frühen Abenddämmerun rot färbt, spricht man landläufig vom Indian Summer. Die beiden Paradisiers, die wohl mit dieser Bedeutung spielen, da einer von ihnen in der Region zuhause ist, nehmen den Begriff wörtlich, denn auf ihrem<span id="more-23219"></span> so betitelten neuen Album besingen sie damit eine imaginäre Reise auf den indischen Subkontinent. Einen ganzen Sommer lang ließen sie das Land, seine Menschen, Dinge, Geister und mehr auf sich wirken.</p>
<p>Unter dem Namen Les Paradisiers firmieren seit gut zehn Jahren kein Geringerer als Demian Recio von Ô Paradis und Thomas Nöla, der solo und in zahlreichen Konstellationen musiziert, wenn er sich nicht gerade im Medium Film austobt. Im Medium einer hybriden Musik irgendwo zwischen chansonhaftem Songwriterpop und psychedelisch dröhnender Experimente suchen sie in unterschiedlichen Ecken der Welt das Paradies, das nicht existiert. So zumindest beschreiben sie selbst ihr raison d&#8217;etre als Band, und mir scheinen die Worte nicht zufällig gewählt: Im Unterschied zum künstlichen oder imaginären Paradies klingt hier das verlorene, nie erreichbare in all seiner ent-täuschenden Gestalt viel deutlicher an. Meines Erachtens entspricht das auch der Musik, die neben dem sehnsüchtigen, vielleicht idealisierenden Moment auch etwas abgeklärtes, kaputtes offenbart. Für den imaginären Trip in ein &#8220;exotisches&#8221; Indien ist das vielleicht keine schlechte Ausgangshaltung.</p>
<p>Das eröffnende &#8220;The Ghat&#8221; stößt einen geradewegs in die Mitte des Geschehens, genauer an die Uferböschungen des Ganges, wo rituelle Waschungen vorgenommen werden, die hallunterlegte, landestypische Dröhnung lässt bis zum tremolierenden Schluss eine feierliche Welt entstehen. Auf dem Wellen des Flusses, dessen Verlauf bis Bangladesh von Demian in sehnsüchtigen Worten besungen wird, beginnt die eigentliche Reise, und wer nur das sanfte Plätschern vernimmt, dem ist die wusselige Unterströhmung entgangen, die in der subtilen Unordnung der Musik ihre Entsprechung findet.</p>
<p>Diese Mischung aus paradiesischer Fremdheit und abgeklärt stimmender Brechungen findet sich überall in diesem schwülheißen Sommer. In &#8220;Ballad of the Great Goan Train Robbery&#8221; lässt Nölas melancholischer Gesang fast einen amerikanischen Roadmovie über kräftigen Drones lebendig werden, in dem Schnödes, Profanes seine langen Schatten ins Paradies wirft. Eine ähnliche Ambivalenz durchdringt &#8220;Samsara Hotel&#8221;, ein allegorischer Ort, an dem Dröhnen, Klappern und Verlorenheit den Zyklus des Werdens und Vergehens begleiten. Dramatisches spielt sich im Moloch von Kalkutta ab: Eingeleitet von Gastsängerin Rosa Solés kindlich-melancholischem Gesang über Soundtrümmern entsteht in &#8220;Teresa&#8217;s Purgatory&#8221; ein apokalyptischer Höhepunkt, bei dem man meint, Cabaret Voltaire, Hunting Lodge und Karl Blake hätte sich für fünf Minuten ein Studio geteilt &#8211; letzterer ist übrigens ein viel passenderes Vergleichsmoment für Nöla als der inflationär genannte Nick Cave. Es steckt viel Abenteuer im reißerischen Ritualismus des Tracks, und ich musste an den <em>Mitternachtspalast</em> des Katalanen Carlos Ruiz Zafon denken, in dem die schwarze Altstadt von Kolkata zum Schauplatz eines dunklen Mysteriums wird.</p>
<p>In einigen Songs kommt das Schöne, Würdevolle stärker zum Ausdruck, doch auch hier hat alles seine zwei Seiten. In &#8220;En Los Ojos de Vivekananda&#8221;, bin welchem Demian in Ô Paradis-Manier zu Sitarklängen einen indischen Gelehrten und Sozialreformer des 19. Jahrhunderts besingt, mag noch alles wie aus einem Guss klingen, &#8220;Bhagavan&#8221; dagegen, das keine Hommage an Osho a.k.a Guru Baghvan ist, hat im Grunde alle verquere Qualitäten eines guten Ô Paradis-Songs: ein knatternder, zisseliger Takt und feierlicher, hallunterlegter Gesang, der wie ein eingeblendeter Schriftzug durch einen luftigen Raum schwebt und eine Stimmung evoziert, die einen ganz eigenen Ort zwischen Euphorie und Wehmut beansprucht. Auf &#8220;The Road to Koovagam&#8221; mit seiner geerdeten Harmoniumdröhnung klingt schon einiges von der friedvollen Abgeklärtheit an, mit der die beiden im finalen Pianostück &#8220;Godavona Express&#8221; dem Horizont entgegenpaddeln.</p>
<p>Wenngleich &#8220;Indian Summer&#8221; für mich ein primär ästhetisches Statment ist, ein leidenschaftliches Spiel der Fantasie zweier verwandter Seelen, finden sich in den allgegenwärtigen Brechungen doch einige vielleicht unbeabsichtigte Spitzen gegen jeden schönfärberischen Exotismus, die auch den hippiesken und backpackerhaften Projektionen ihr Idyll vergällt und ganz nebenbei ein eigenes, besseres erschafft. Ich empfehle als Begleitlektüre Christian Krachts gesammelte Asien-Reportagen <em>Der Gelbe Bleistift</em> und zur Abkühlung eine Portion Kulfir mit Pistazien und Vanille. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Wrotycz Records</strong></p>
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		<title>Ô PARADIS: Weiter Weg</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2020 07:30:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/11/oparadisweiterweg.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-23125" title="oparadisweiterweg" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/11/oparadisweiterweg-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf musikalische Überraschungen sind die meisten Fans bei Ô Paradis längst gefasst, denn in einem gewissen Rahmen erfindet sich Demians Musik immer wieder neu, gibt sich schwerer oder luftiger, elektronischer oder akustischer, eingängiger oder herausfordernder. Die spanischen Texte im mollastigen Ton und vorgetragen mit warmer Baritonstimme gelten eigentlich als verbindende Konstante &#8211; &#8220;eigentlich&#8221; deshalb, da es bereits ein Album zusammen<span id="more-23124"></span> mit <a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/val-denham-o-paradis-transform-thyself/">Val Denham</a> gab, bei dem Demian nur kurz zu hören war und alle Texte auf Englisch gesungen wurden. Und dann waren da zwei Alben mit <a href="http://africanpaper.com/tag/novy-svet/">Nový Svět</a>, auf denen beide Acts wie zu einer temporären Band verschmolzen sind und Demian nur die Hälfte der Gesangsbeiträge bestritt. Das jüngst erschienene &#8220;Weiter Weg&#8221; knüpft an all diese Sachen an, denn zum einen überlässt Demian wieder einmal zwei anderen Stimmen den vorderen Bühnenrand, zum anderen steht fast das ganze Album diesmal im Zeichen der deutschen Sprache.</p>
<p>Dass die Stimmung des Albums eher schwermütig ist und der Soundcharakter unaufgeräumt, offenbart sich gleich beim Opener &#8220;No One&#8221;. Raues, von Störgeräuschen durchdrungenes Brummeln öffnet die Tür zu einem Raum, in dem ein niederdrückender Fatalismus mit wunderschönen Melodien gefeiert wird, die man leicht zwischen den rumpelnden Ecken und Kanten ausmachen kann. Irgendwer murmelt etwas, aber vielleicht ist es auch nur eine Maschine, mit anderen Worten &#8220;no one&#8221;? Das hier entfaltete Gemisch aus einer gewissen Unordnung, eines damit kontrastierenden, klammheimlichen Minimalismus und einer starken Emotionalität, die ohne große Gesten auskommt, wird in der folgenden guten halben Stunde jedenfalls Programm sein.</p>
<p>Auf &#8220;Abrigo&#8221;, dem einzigen komplett auf Spanisch gesungenen Stück, tritt mit Rosa Solé eine gute Bekannte aus früheren Ô Paradis-Tagen auf die Bühne und plaziert mit heller Stimme eine anrührende Weise auf den Schichten der vibrierenden und von einem simplen Takt noch ein bisschen mehr bewegten Sounds. Neben Solés Backing Vocals für Ô Paradis gab es und gibt es vielleicht noch immer ihr neoklassisches Soloprojekt Circe, dessen Schmachtfetzen &#8220;Piel&#8221; sie hier auf deutsch neu interpretiert: &#8220;Haut&#8221; entfaltet sich in gebrochenen Worten und im Kampf mit der eigenen Zaghaftigkeit über ein von Demian kongenial entworfenes Setting aus scheinbar ohne Muster verstreuten Soundbrocken &#8211; ein Kontrast, der im intensiven Finale des Stücks eine würdige Auflösung findet. Ihren früheren Aufnahmen am nächsten kommt die Vertonung von Arthur Schopenhauers &#8220;Sonnet, Weimar 1808&#8243;, &#8220;Zu Hause&#8221; dagegen ist am weitesten entfernt von ihrer leicht an Gurdjieff und De Hartmann erinnernder Klaviermusik. Diese Unterschiede sind natürlich zu einem großen Teil Demians Werk, der sich hier als graue Eminenz in den dunklen Ecken seiner klanglichen Rumpelkammer versteckt und mit frechem Augenzwinkern die Fäden zieht.</p>
<p>Stehen Rosas Beiträge eher für die zaghafte, wehmütige Seite von Ô Paradis, so sorgt ein anderer Freund des Hauses für die mitreißendsten, eruptivsten Momente des Albums. Bei Jota handelt es sich um keinen Geringeren als Jürgen Weber von Nový Svět, und wer sich mit seinen nicht auf Spanisch gesungenen Songs etwas schwer tut (oder generell mit sehr leidenschaftlichen Vocals in deutscher Sprache), der hat hier die Gelegenheit, sein Vorurteil zu revidieren. Die drei Songs zählen mit zum schwermütigsten, dass man von Ô Paradis und Nový Svět kennt, und sie fordern u.U. mehrmaliges Hören. &#8220;Alter Tage Glanz&#8221; ist das vielleicht unscheinbarste, aber auch das zugänglichste der drei Lieder und entwirft ein Selbstbild als zerbombte Ruine, deren Zerstörtheit auch die Erinnerung an den Glanz früherer Tage nicht schönzufärben vermag. Es gibt schwelgerische Momente bei Ô Paradis, auch auf dieser Platte, aber hier würde man sie vergeblich suchen.</p>
<p>Die beiden anderen Jota-Tracks sind schmissiger, aber m.E. auch vieldeutiger zu verstehen. Wieviel Rollenspiel steckt in den Posen des lyrischen Ichs, wie weit geht das Spiel mit Ambivalenz und Selbstironie in &#8220;Die Krone Wiegt Schwer&#8221;, dessen schwermütiges Lamento über ratternden Soundbrocken und einem tänzelnden Takt dank der ungehobelten Stimme nicht lamoryant wirkt. Man könnte dutzende Songs aus der Diskografie von Nový Svět (oder Nový Svět und Ô Paradis) nennen, bei denen dieser Tom Waits-artige Whiskey und Tobak-Flair wie auch hier die berührenden Melodien nur umso mehr hervorgehoben hat. Beschreibt &#8220;Weiter Weg&#8221; eine verzweifelte Suche, eine raslose Flucht oder beides zugleich? Besingt es eine spirituelle oder eine zwischenmenschliche Krise oder keines von beiden? Jota wäre nicht Jota und Regisseur Demian wäre nicht Demian, wenn sich diese Fragen leicht beantworten ließen. Fast etwas Naives haftet dem Song an, und dass er mit seinem an &#8220;Naciemento&#8221; erinnernden Groove und dem launigen Gekrächze <a href="https://www.blackmagazin.com/?p=23451">ein veritabler Ohrwurm ist, bemerke ich nicht als erster</a>.</p>
<p>Man tut dem Album im Grunde Unrecht, wenn man die Stücke Rosas und Jotas separat beschreibt, denn atmosphärisch bildet &#8220;Weiter Weg&#8221; eine vielfach verschlungene Einheit. Deutlich wird das nicht erst bei dem geerdeten Instrumentalstück &#8220;Ein Zettel unter den Augenliedern&#8221;, das die derangierte Soundmatrix des Albums wie in einem perfekten Trailer komprimiert, oder bei der zweiten, finalen Coverversion: Für &#8220;Strawberry Fields Forever&#8221; betritt Meister Recio endlich den sichtbaren Bereich der Bühne und zelebriert auf Englisch über tremolierenden Synthieflächen eine grandiose Feier des Dilletantischen. Im besten Sinne, falls man das ergänzen muss.</p>
<p>Ein Ô Paradis-Album, das aus der Reihe fällt, und ein Wiederhören mit einer lange verschollenen Sängerin und einem nur noch selten an die Öffentlichkeit tretenden Sänger &#8211; all das spricht für &#8220;Weiter Weg&#8221;, das seine eigenwillige Aura erst mit der Zeit offenbart und damit ein ganz eigenes, reizvolles kleines Universum eröffnet. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Wrotycz Records</strong></p>
<p><strong>Interview mit Ô Paradis auf <a href="http://africanpaper.com/2016/03/26/das-opium-der-schonheit-interview-mit-demian-von-o-paradis/">deutsch</a> und <a href="http://africanpaper.com/2016/03/26/the-opium-of-beauty-an-interview-with-demian-of-o-paradis/">englisch</a></strong></p>
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		<title>Demian Recio und Thomas Nöla mit neuem Les Paradisiers-Album</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2020 06:32:40 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Sieben Jahre nach ihrem lezten Album &#8220;When We Had The Moon&#8221; haben die aus Demian (Ô Paradis) Und Thomas Nöla bestehenden Les Paradisiers eine weitere musikalische Reise in die Ferne unternommen und in einem fiktiven Indien ihre nie endende Suche nach dem Paradis fortbesetzt. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/09/lesparadisiersindiansummer.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-22495" title="lesparadisiersindiansummer" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/09/lesparadisiersindiansummer.jpg" alt="" width="1483" height="1483" /></a><span id="more-22494"></span>In den elf zwischen chansonhaftem Songwriterpop und psychedelischer Dröhnung angesiedelten Songs beginnt die Reise an den Uferböschungen des Ganges und endet nach einem Abstecher in den Slums von Kolkata in einer Bootsfahrt auf dem Godavari River. Unterwegs erleben die beiden einen Raubüberfall, begegnen aber auch einigen gelehrten und gesegneten Figuren. Das Album erscheint in Kürze bei Wrotycz Records.</p>
<p><a href="http://www.wrotycz.com/"><strong>Wrotycz Records</strong></a></p>
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		<title>ROMA AMOR: Miraggio</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Mar 2019 06:14:10 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/02/romaamormiraggio.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17206" title="romaamormiraggio" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/02/romaamormiraggio-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der Chanson ist am ehesten in dunklen Gassen französischer Altstädte und in zwielichtigen Hafenvierteln mit ihren Bordellen und Kaschemmen zuhause, und am stärksten ist er, wenn er nach Tobak riecht und eine Fuselfahne vor sich herträgt. Der Chanson ist aber auch ein durchaus experimentierfreudiger Zeitgenosse, der sich auch in etwas vornehmeren Cafés zu benehmen weiß, sich dem Jazz und sogar &#8211; man denke nur an den großartigen Leo Ferré &#8211; der Avantgarde anzunähern versteht, und dass er auch eine hippieske Seite hat, ist längst ein offenes Geheimnis.<span id="more-17205"></span></p>
<p>Ferré ist mit seinen italienischen Versionen z.T. ganzer Alben auch ein gutes Beispiel für die Mehrsprachigkeit des Genres, womit man dann auch bei Roma Amor angekommen wäre: Das Duo aus der norditalienischen Emilia Romagna begann im letzten Jahrzehnt populäre italienische, teilweise dialektale Songs des 20. Jahrhunderts in spartanischen Versionen mit Akkordeon, Gesang und Gitarre zu interpretieren und avancierte in Kennerkreisen schnell zu einem etwas DIY-lastigeren Pendant zu Gruppen wie <a href="http://africanpaper.com/2015/05/16/ardecore-vecchia-roma/">Ardecore</a>. Von Beginn an gab es, neben den ohnehin vorhandenen Gemeinsamkeiten beider Traditionen, französische Einflüsse in ihrer Musik, gelegentlich französische Texte und Cover von Jacques Brel und anderen, und mit der Zeit zeichnete sich das Chansonelement immer deutlicher ab.</p>
<p>Auf ihrem jüngst erschienenen sechsten Album &#8220;Miraggio&#8221; haben sie sich wie selten zuvor dem Walzertakt verschrieben und präsentieren elf Songs von Träumen und Wundern, die aber wie so oft an Orten des Verfalls und der sehnsuchtsvollen Einsamkeit entstehen, in öden Zimmern und nächtlichen U-Bahnen, in Hafenspelunken, Stundenhotels und einsamen Herbstszenarien.</p>
<p>Sehnsuchtsvoll und tragisch in den tiefen Versenden und zugleich von einer leidenschaftlichen Kraft beseelt klingen die ersten Verse des in französisch gesungenen Openers, der neben der berührenden Emotionalität auch eine ganz profane Suche auszudrücken scheint, nämlich die nach einer Balance zwischen den simplen, folkigen Sounds der frühen Alben und Konzerte und den elektronischeren und manchmal auch etwas weniger harmonischen Arrangements seit ihrem vor fünf Jahren erschienenen Album <a href="http://africanpaper.com/2014/04/19/roma-amor-on-the-wire/">&#8220;On the Wire&#8221;</a>. Nie schien Harmonie und Disharmonie so versöhnt wie im Zusammenspiel der anrührenden Melodien und gelegentlichen Mandolinenfiguren mit der verrauschten elektronischen Unordnung, die die luftigen Stellen der Musik ausfüllt.</p>
<p>Trotzdem steht Euskis oft etwas heisere Stimme fast immer im Vordergrund, zusammen mit Gitarre oder Akkordeon oder beidem, und in dieser Konstellation arrangieren sich die Hauptzutaten mit hippiesken Handdrums, launigen Mundorgeln, reizintensiven Hintergründen und dem karussellartigen Auf und Ab der Melodien, die auch mal eine orientalische Färbung annehmen können &#8211; ein eher seltenes und meist gewolltes Phänomen in italienischer oder französischer Musik, wohingegen ähnlich geartete griechische Populärmusik, an die mich der instrumentale Titelsong erinnert, seit langem solche Elemente aufweist. Romantik, die Sehnsucht nach dem Besonderen, Unendlichen, die schöne Utopie im Angesicht der Gosse, der versifften Stundenhotels und der vergänglichen Liebelei, die nur dann ewig währen kann, wenn auch im November Mai ist: All dies ist allgegenwärtig in den wunderbaren Songs, unter denen auch zwei Cover &#8211; Édith Piaf&#8217;s &#8220;Les Amants D&#8217;Un Jour&#8221; auf Italienisch als &#8220;Alberge A Ore&#8221; und &#8220;Liebelei&#8221; von Rolf Bauer bzw. Milva &#8211; versteckt sind.</p>
<p>Tolles Album des schönsten Palindroms südlich der Alpen, meiner Ansicht nach ihr stärkstes seit <a href="http://africanpaper.com/2012/03/31/roma-amor-occhi-neri/">&#8220;Occhi Neri&#8221;</a> und vielleicht das, welches die verschiedenen Elemente des Roma Amor-Stils am besten zusammenführt.(U.S.)</p>
<p><strong>Label: Old Europa Cafe / Wrotycz Records</strong></p>
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