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	<title>African Paper &#187; Ardecore</title>
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		<title>LANIAKEA: A Pot Of Powdered Nettles</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Jun 2016 05:26:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/06/laniakeaapotofpowderednettles.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12267" title="laniakeaapotofpowderednettles" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/06/laniakeaapotofpowderednettles-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt Platten, die in musikalisch-textlicher Hinsicht eine solche Reichhaltigkeit und Tiefe aufweisen, dass ihr Charisma ganz ohne einen besonderen Hintergrund auskommt. Erfährt man dann doch etwas über die Raison d&#8217;Être eines solchen Albums, bekommt man eine Ahnung, woraus sich diese Fülle speist. Im Fall von „A Pot of Powdered Nettles“, dem Debüt des aus Daniel O&#8217;Sullivan und Massimo Pupillo bestehenden Duos Laniakea, ist dieser Hintergrund nicht etwa in theoretischen Überlegungen zu finden, sondern in der Vorgeschichte, die bis in die Spätphase von Coil zurück reicht<span id="more-12266"></span>. John Balance verbrachte seine letzten Monate bei seinem letzten Freund, dem Künstler Ian Johnstone a.k.a. Mr. Todd, und lebte quasi in dessen Haus in Tottenham im Norden Londons.</p>
<p>Johnstone hatte vielseitige Interessen, getaltete Cover von Coil und anderen Bands, war außer Künstler noch Imker, zudem sammelte er okkulte Gegenstände und allerlei Kuriositäten, und nach Balance Tod befand sich sicher auch einiges aus dessen Nachlass in seinem Haus. Dieses hatte immer eine offene Tür für befreundete Künstler und Musiker, und war jemand in Not, konnte er dort auch ein provisorisches zuhause finden. Einer dieser Freunde war der Musiker Daniel O&#8217;Sullivan, der in Bands wie Mothlite, Guapa, <a href="http://africanpaper.com/2011/08/31/aethenor-faking-gold-and-murder/">Æthenor</a>, Grumbling Fur und Ulver spielte, und nachdem im letzten Jahr auch Johnstone verstarb, war er es, der sich um die Hinterlassenschaften kümmerte.</p>
<p>Dass daraus, aus der Trauer, dem Ordnen von Gegenständen und der Zeit in Johnstones Haus ein Album hervorgehen sollte, war nicht geplant, es ergab sich beinahe wie von selbst, als O&#8217;Sullivans Freund <a href="http://africanpaper.com/2016/05/04/oren-ambarchi-massimo-pupillo-stefano-pilia-aithein/">Massimo Pipillo</a>, Bassist u.a. bei Zu und <a href="http://africanpaper.com/2015/05/16/ardecore-vecchia-roma/">Ardecore</a>, auf einen Besuch vorbeikam und man sich gemeinsam all den starken Emotionen hingab. Irgendwann floss all dies in eine ganz neue kreative Bahn, und die Band Laniakea war geboren, ein Projekt, das sich ganz dem Channeln und Umwandeln starker emotionaler Energien verschrieben hat.</p>
<p>„A Pot of Powdered Nettles“ ist ein Album voller Melancholie geworden, das gleichzeitig vor Kraft und Schönheit geradezu übersprudelt, ein Amalgam aus verwaschenen Soundbrocken, Song-Ansätzen im Downtempo und jeder Menge etherischer Schönheit, das nie ganz zu einer Einheit verschmilzt, und dessen Stimmung Himmel und Hölle eher überblendet, als sie ineinander aufzulösen. Im eröffnenden „The Contagious Magick Of The Superabundance“ klingen in den Ritzen monumentaler Dröhnwellen pittoreske Regenfälle an, und ätherische Chorgesänge und sanfte Melotron-Passagen erreichen mit einfacher Klangrhetorik eine große, sich graduell steigernde Intensität, die mit Pupillos Bassknarren in einem lodernden Brand gipfelt.</p>
<p>In allen vier Stücken offenbart ich über lange Strecken ein Widerstreit zwischen Lieblichem und rauer Dunkelheit, und lange Drones, deren Richtung immer vage bleibt, halten zusätzliche Spannung aufrecht. Dennoch entsteht der Eindruck, dass in all dem Harmonie und das Gefühl vom Linderung am Ende obsiegt. In „The Sky is an Egg“ winden sich aus infernalischem Rauschen und einer Vielzahl erratischer Streicher Pupillos gedämpfte Akkordfolgen heraus, und die entspannte, eher fragile Stimme O&#8217;Sullivans erreicht auch hier im glühenden Aufruhr die Verwandlung ins Schöne. Ähnlich „Zone in Parallel Rose“, das schrägste, zugleich aber auch am ehesten songorientierte Stück des Albums, bei dem sich die Echolalien verrückter Frauen und bedrohlich ratternde Takte in ein „kosmisches“ Vokalstück verwandeln. Auch hier füllt O&#8217;Sullivan alles mit einer Trauer, die einer diffusen Hoffnung Raum gibt.</p>
<p>Doch „A Pot&#8230;“ hat wenig von einer Schnulze mit einem simplen Happy End, und so wirft einen das ausladende „Calcite“ ein weiteres mal in einen undefinierbaren emotionalen Strudel. Freilich, das liebliche ist hier noch durchgehender präsent, in den Vocals des von Coils „The Ape of Naples“ her bekannten Contertenors Francois Testory, im Bimmeln von Glöckchen, aus denen sich pastorale Akkorde herauswinden, in den entrückten Klängen einer asiatischen Flöte, doch Dinge irgendwo zwischen Verfremdung und Realitätsschock sind nicht weit, wenn es quietscht und schleift, wenn ein Kind unverständliches auf einen AB spricht und einmal mehr wenn Pupillio seinen abgründigen Bass knarren lässt.</p>
<p>Wenn diese musikalische Wunderkammer eines kann, dann eine Vorstellung davon zu geben, welche Wunderkammer Johnstones Kosmos gewesen sein muss, idyllisch, aber – etwas profan gesprochen – mit Ecken und Kanten, bei der Schalk und comic relief hinter zahlreichen Kuriositäten hervorlugen. Letztlich eine liebevolle Hommage, die – natürlich primär wegen des Bezugsg zu John Balance – auch in einem Atemzug mit <a href="http://africanpaper.com/2012/09/08/myrninerest-%e2%80%9ejhonn%e2%80%9c-uttered-babylon/">Myrninerests „&#8217;Jhonn&#8217;, Uttered Babylon“</a> genannt werden kann. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://houseofmythology.com/">House of Mythology</a></strong></p>
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		<title>OREN AMBARCHI / MASSIMO PUPILLO / STEFANO PILIA: Aithein</title>
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		<pubDate>Wed, 04 May 2016 09:06:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt in der etwas abstrakteren Musik ein paar Motive, die nie langweilig werden, vorausgesetzt sie gelingen. Eines davon ist die mit vielen kleinen Spannungsmomenten in der genau richtigen Unbestimmtheit gehaltene Steigerung von Intensität und Klangfülle, die sich &#8211; ausgehend &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/05/04/oren-ambarchi-massimo-pupillo-stefano-pilia-aithein/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/04/ambarvhipiliapupilio.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12068" title="ambarvhipiliapupilio" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/04/ambarvhipiliapupilio-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt in der etwas abstrakteren Musik ein paar Motive, die nie langweilig werden, vorausgesetzt sie gelingen. Eines davon ist die mit vielen kleinen Spannungsmomenten in der genau richtigen Unbestimmtheit gehaltene Steigerung von Intensität und Klangfülle, die sich &#8211; ausgehend von einem eher zaghaften Bündeln von Energie &#8211; an einem eruptiven Höhepunkt entlädt und ein ungewisses Nachspiel einleitet. Da denken manche an Aristoteles und die klassische Tragödie, fröhlichere Zeitgenossen vielleicht an Sex, wieder andere an<span id="more-12067"></span> Postrock, ein ganzes Musikgenre, dem dieses Motiv, so hört man bisweilen, seine Existenz sichert.</p>
<p>Ein Grund, warum man die vorliegende Kollaboration von Oren Ambarchi, Massimo Pupillo und Stefano Pilia, über deren zahlreiche Zusammenarbeiten (siehe tags am Fußende der Besprechung) man ein dickes Buch schreiben könnte, nicht unbedingt Postrock nennen sollte, liegt in der Tatsache begründet, dass die Bewegungen auf &#8220;Aithein&#8221; nicht hinter einem milchigen Film verborgen sind und ihnen jeglicher lustlose Phlegmatismus fehlt.</p>
<p>Aufgenommen wurde das Werk vor zirka einem Jahr bei einem Konzert in Bologna, und dem Titel sowie einigen spärlichen Angaben zufolge sind die beiden Tracks von verschiedenen Konzepten des Äthers inspiriert, einem Element, dass nach  antiken Kosmologien den Weltraum ausfüllt und als reine Form von Feuer ebenso wie von Luft betrachtet wurde. Etymologisch abgeleitet ist der Begriff dann auch vom Verb <span style="color: #2e271f;"><span style="font-family: Palatino Linotype,Athena;"><span style="font-size: medium;">αἴθειν</span></span></span> für &#8220;glühen&#8221;, das hier als Titel verwendet wurde. Ebenso dachte man, dass der Äther die basale Substanz der Planeten und Sternen bilde, und in der Dynamik eines planetarischen Entstehungsprozesses könnte man eventuell einen Bezug zur in der Musik vollzogenen Bewegung sehen.</p>
<p>Das gut zwölfminütige &#8220;Burn&#8221; ist noch recht verhalten und wirkt auf den ersten Eindruck wie ein Intro: Zwei Gitarren, die sich über weite Strecken geradeso als solche zu erkennen geben und auch der Stille ihren Raum lassen, zeichnen unbestimmte, dezente Figuren in den Raum, bei denen man angesichts des Titels an das Ausbrennen einer Glut denken mag, doch dies ist trügerisch &#8211; unterschwellig lodert es immer deutlicher, die Sounds geraten mit der Zeit lauter, brennender, schmerzhafter, selbst kleine Eruptionen finden statt, auch ohne die Drums, auf die man schon sehnlichst wartet. Immer mehr erinenrt das Stück an ein Glühen, das jederzeit in einen offenen Brand übergehen kann, und das wird es auch &#8211; am Übergang zu Shine, dass das eigentliche Hauptstück des Albums ist.</p>
<p>Bei dem inhaltlich zweigeteilten Stück greift Ambarchi dann auch zu seinen Drumsticks: Verspielt und minimalistisch wird zunächst nur mit den Hihats Spannung erzeugt, das Rumoren von Bass und Gitarre zeigt, dass sich hier etwas Größeres zusammenbraut, und nachdem sich die Perkussion auf eine etwas zerfranstere Struktur eingespielt hat, registriert man irgendwann ganz schnell den Zuwachs an Intensität. Heftige Trommelwirbel und eindringliche repetitive Melodie-Patterns, Soli, die streckenweise wie Schreie klingen, all dies und einiges mehr bis zum tosenden, ekstatischen Höhepunkt. Natürlich geht es noch weiter &#8211; tänzelnd, knarrend, zunächst ein kleines Nachbeben, dann beinahe so heftig wie vor den Knall und zum Schluss sogar für Minuten so etwas wie Rock.</p>
<p>Zuverlässigen Angaben zufolge sollen von den 180 chicen schwarzen Scheiben nur noch wenige zu ergattern sein, der Rest ist Bandcamp. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.karlrecords.net/">Karlrecords</a></strong></p>
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		<title>ARDECORE: Vecchia Roma</title>
		<link>https://africanpaper.com/2015/05/16/ardecore-vecchia-roma/</link>
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		<pubDate>Sat, 16 May 2015 05:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch wenn das Covermotiv vielleicht etwas anderes suggeriert, ist mit dem alten Rom, das Ardecore in ihrem dritten Studioalbum besingen, nicht die antike Weltstadt gemeint, sondern das Rom des frühen 20. Jahrhunderts. Ardecore haben in Deutschland bislang nie wirklich Fuß &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/05/16/ardecore-vecchia-roma/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/04/ardecorevecchiaroma.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10130" title="ardecorevecchiaroma" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/04/ardecorevecchiaroma-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auch wenn das Covermotiv vielleicht etwas anderes suggeriert, ist mit dem alten Rom, das Ardecore in ihrem dritten Studioalbum besingen, nicht die antike Weltstadt gemeint, sondern das Rom des frühen 20. Jahrhunderts. Ardecore haben in Deutschland bislang nie wirklich Fuß gefasst, obwohl sie in ihrer italienischen Heimat eine bekannte Größe sind. Seit Jahren stehen sie bei einem großen „Indie&#8221; unter Vertrag, ihr Name fällt in einheimischen Feuilletons und prangt von glänzenden Titelseiten, einzelne Mitglieder standen bereits mit Leuten wie Mike Patton und Peter Brötzmann auf der Bühne.<span id="more-10129"></span></p>
<p>Als die Combo sich kurz nach der Jahrtausendwende aus Musikern der legendären Jazzcore-Band Zu rekrutierte, hielten viele ihr Konzept für eine einmalige Sache – auf ihrem Debüt „Chimera“ dokumentierten und reanimierten Ardecore alte, semifolkige Gassenhauer des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts, die alle aus Rom und dem römischen Umland stammten. Stil, Slang und die anekdotenreichen Texte wurden entgegen der gerade aufkommenden Retromode zwar der neuen Zeit angepasst und waren doch von dem ganz eigenen Flair der Region und der Zeit durchdrungen und klangen wahrscheinlich für die meisten Eingeweihten schon auf den ersten Takt nicht einfach italienisch, sondern spezifisch römisch. Es war eine Musik, die man hierzulande gerne mit dem in Italien eigentlich wenig gebräuchlichen Wort Chanson umschreibt, Giampaolo Felici trug seinen wehmütig-theatralischen Gesang mit einer derben Note vor, und nicht unpassend dazu war an vielen Stellen ein erdiger Schuss Blues zu hören.</p>
<p>Spätestens mit dem Doppelalbum „San Cadoco“ war klar, dass Ardecore als feste Band gelten darf, zumal ein paar Veränderungen die für langfristige Projekte typische Dynamik aufwiesen. Der Sound war etwas schwerer, die Stimmung feierlicher, neben Felici war die auch aus anderen Projekten bekannte Sängerin Sarah Dietrich sehr präsent, und eine Zeile lang durfte man sich sogar über die Stimme eines gewissen David Tibet freuen.</p>
<p>Das vor kurzem erschienene „Vecchia Roma“ soll hier mehr vorgestellt als beurteilt werden, denn für eine wirkliche Expertise sollte man viel mehr über die römische Songtradition wissen und v.a. die Sprache – auch in ihren regionalen und slanghaften Besonderheiten – beherrschen. Laut Eigenangabe geht es einmal mehr darum, einer im Verblassen befindlichen Songkultur und ihren typischen Themen und Diskursen ein Denkmal in der Erinnerung zu setzen, was ein Kollege andernorts mit dem Verdienst der seit langem etablierten Balkanmusik oder des Irish Folk vergleicht. Die Songs stammen größtenteils aus dem Rom der Zwischenkriegszeit, eine Zeit voll wirrer Umbrüche, voll tragischer Entwicklungen – wie sehr sich das Lebensgefühl zwischen den ockergoldbraunen Fassaden und die Selbstbilder der Einheimischen von den heutigen unterschieden, rechtfertigt für den Volksmund die Rede vom „alten“ Rom, die Ardecore für den Titel übernahmen.</p>
<p>Es mag überraschen, dass man gerade auf diesem Album – zuzüglich zu den gelungenen Interaktionen aus Akkordeon und mediterranen Zupfgitarren – besonders stark an amerikanische Musik erinnert wird, sei es durch die Jahrmarktsorgel im eröffnenden „Girasole“, durch einen Drummer, der in „Serenatella amara“ mit rumpeligem Groove gegen wehmütige Mandolinen ankämpft und die Schule des Jazz nicht verleugnen kann oder einmal mehr durch den rauen Bluestouch des Sängers. Ich weiß nicht, ob sich „Serenata a Maria“ auf einen gleichnamigen Film aus den Fünfzigern bezieht, jedenfalls ist dieses Stück mit seiner Mixtur aus Euphorie und Schwermut und seinen mitreisenden Tempowechseln für mich der Höhepunkt des Albums.</p>
<p>Die sehr unterschiedlichen kulturellen Einflüsse in ihrer Vermischung mit regionalen Eigenheiten entsprechen nicht nur dem Zeitgeist schon der klassischen Moderne, sie zeigen ein weiteres Mal, dass Ardecore nicht einfach eine Folkband sind &#8211; vielleicht beherrschen sie diese alte Musik gerade deshalb so gut, weil sie eben auch anderes können. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Goodfellas</strong></p>
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