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	<title>African Paper &#187; Joris-Karl Huysmans</title>
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		<title>Against Nature: Geplante Wiederveröffentlichung der Kollaboration von Marc Almond, Othon und Jeremy Reed</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2023 02:22:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Marc Almond hat jüngst eine geplante Wiederveröffentlichung des Albums &#8220;Against Nature&#8221; angekündigt, das er 2015 zusammen mit dem Dichter und Librettisten Jeremy Reed und dem Komponisten und Pianisten Othon Mataragas produziert und veröffentlicht hatte. &#8220;Against Nature&#8221; ist eine musikalisch überwiegend &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/02/20/against-nature-geplante-wiederveroffentlichung-der-kollaboration-von-marc-almond-othon-und-jeremy-reed/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marc Almond hat jüngst eine geplante Wiederveröffentlichung des Albums &#8220;Against Nature&#8221; angekündigt, das er 2015 zusammen mit dem Dichter und Librettisten Jeremy Reed und dem Komponisten und Pianisten Othon Mataragas produziert und veröffentlicht hatte. &#8220;Against Nature&#8221; ist eine musikalisch überwiegend auf Klavier und Gesang basierende, einfühlsame Referenz an den 1884 erschienenen Roman &#8220;A Rebours&#8221; (dt Gegen den Strich, engl. Against Nature) von Joris-Karl Huysmans, eines der Klassiker der europäischen Dekadenzliteratur, der die<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/02/fotor_1676805882050.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-34007" title="fotor_1676805882050" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/02/fotor_1676805882050.jpg" alt="" width="665" height="664" /></a><span id="more-34006"></span></p>
<p>tragische Geschichte eines dem Leben und seiner Zeit überdrüssigen Antihelden erzählt, der sich in die Einsiedelei einer selbstgeschaffenen Kunstwelt zurückzieht. Die Texte der zwischen Schwermut und Aufgewühltheit wechselnden Songs geben die ambivalenten Bewusstseindvorgänge der Romanfigur in Form dramatischer Monologe wieder. Das Album war seinerzeit Thema einer längeren <a href="http://africanpaper.com/2015/12/12/marc-almond-jeremy-reed-othon-mataragas-against-nature/">Rezension</a>. Bevor eine größere Reissue realisiert wird, sind alle beim Label vorrätigen Exemplare nun über den Mailorder Lexer Music erhältlich.</p>
<p><strong><a href="https://www.lexermusic.com/marc-almond/marc-almond-jeremy-reed-othon-against-nature-limited-edition-cd-album">@ Lexer Music</a></strong><br />
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		<title>MARC ALMOND / JEREMY REED / OTHON MATARAGAS: Against Nature</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2015 00:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„I&#8217;m committing a crime against nature“ sang Marc Almond in dem Stück „In Bluegate Fields“, das extra für ein Konzert in einer viktorianischen Musikhalle unweit der so bezeichneten Gegend Londons geschrieben wurde. In diesem Song ging es – wie nicht &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/12/12/marc-almond-jeremy-reed-othon-mataragas-against-nature/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/12/almondreedmataragasagainsnature.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11340" title="almondreedmataragasagainsnature" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/12/almondreedmataragasagainsnature-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„I&#8217;m committing a crime against nature“ sang Marc Almond in dem Stück „In Bluegate Fields“, das extra für ein Konzert in einer viktorianischen Musikhalle unweit der so bezeichneten Gegend Londons geschrieben wurde. In diesem Song ging es – wie nicht selten in den Texten des Sängers – um dekadente Auschweifungen als Flucht aus einer profanen Alltagsexistenz, und er lehnte sich stark an Episoden aus Oscar Wildes „The Picture of Dorian Grey“ an. Dieses berühmte Buch wäre vielleicht nie so entstanden ohne den Einfluss, den ein anderer, damals noch populärerer Roman, auf Wilde ausübte, nämlich „A Rebours“ aus der Feder<span id="more-11339"></span> des Franzosen Joris-Karl Huysmans, das schon kurz nach seinem Erscheinen 1884 in allen europäischen Bohèmekreisen die Runde machte, worauf kurze Zeit später noch der berüchtigte „satanische“ Roman „Là-Bas“ folgte.</p>
<p>Das Buch, das sich schnell den Ruf als Bibel der Dekadenz einhandelte und im Englischen den Titel „Against Nature“ trug, dokumentiert die Gedanken des jungen französischen Adligen Floressas Des Esseintes, letzter Spross einer alten, nach dem damals naturalistischen Verständnis ausgelaugten Familie. An der Profanheit seiner Generation verzweifelnd, gab er sich eine zeitlang den dekadentesten Ausschweifungen hin, um sich, auch davon bald übersättigt, in die Einsamkeit eines Landhauses zurückzuziehen und sich dort allein allerlei Fetischen, Rauscherlebnissen und überspannten Reflexionen zu widmen.</p>
<p>Während sich Huysmans selbst – und er legt auch seiner Romanfigur einige Andeutungen dazu in den Mund – schon kurz nach der Veröffentlichung von „A Rebours“ und „Là-Bas&#8221; zum Katholizismus bekannte und eine mehr und mehr mönchische Existenz führen sollte, hat das Buch selbst eine Menge eher schillernder Figuren inspiriert: Stefan George, George Bataille und zahlreiche Künstler vom Jugendstil bis zum Surrealismus, zeitgenössische Dichter wie Jeremy Reed und im Rahmen der etwas abseitigeren Popkultur letztlich auch jemanden wie Marc Almond, der in den Credits seines aktuellen Albums sogar der Freundin dankt, die ihm vor Jahrzehnten einmal Huysmans&#8217; Buch schenkte. Wer weiß, vielleicht wäre seine Karriere ohne dieses Geschenk gänzlich anders verlaufen.</p>
<p>Zumindest hätte es ohne „A Rebous“ das aktuelle, über Crowdfunding entstandene Album „Against Nature“ nicht gegeben, und wie der Titel schon verrät, ist das Werk, das auf einem (bereits in Buchform erschienenen) Libretto von Reed, dem Klavierspiel des Griechen Othon Mataragas und natürlich dem Gesang Almonds basiert, eine einizge Hommage an Huysmans&#8217; Buch und seinen skurrilen Helden. In den Texten, die Almond vielleicht noch etwas überdrehter und leidenschaftlicher singt als sonst, werden sämtliche Register dessen gezogen, was die Figur Des Esseintes umtreibt: das verbrauchte Blut der alten, nicht mehr frischen Adelsfamilie, das Gefühl, in einer falschen Zeit geboren zu sein, die Langeweile, der blasierte Abscheu, den der Dandy zu Huysmans&#8217; Zeiten unter dem Begriff des „Ennui“ fasste – der Opener trägt diesen Titel und referiert ganz prägnant den ersten Teil des Romans, in welchem der Ich-Erzähler sein Leben resümiert bis zu dem Zeitpunkt, als er sich entschloss, vollends in seiner eigenen künstlichen Welt aufzugehen.</p>
<p>Eine besonders beeindruckende Passage kommt auch in Reeds Text zu &#8220;Foggy Harbour Day&#8221; zur Sprache, nämlich die imaginäre London-Reise des Helden, die in einer einfachen Pariser Kaschemme mit englischen Seeleuten endet. An der Stelle hat Des Esseintes seine verfeinerte Imaginationskraft endgültig unter Beweis gestellt, denn die schnöde Realität kann ihm die Vorstellung, wirklich in London zu sein, kaum mehr verderben &#8211; kaum, denn letztlich endet im Buch auch diese Episode in einem Lamento über die Begrenzungen der Realität, statt die Entgrenzug schlicht zu feiern, wie Almond, Reed und Mataragas es hier tun und somit den magischen Charakter einer solchen Fantasie betonen.</p>
<p>Es ereignet sich viel in &#8220;Against Nature&#8221;: Rauscherlebnisse mit Absinth, Haschisch und dem psychedelischen Spiel von Farben, die Lust, sich in verschlungenen arabesken Ornamenten zu verlieren, aber auch die Erfahrung, dass doch alles irgendwann im fatalen Schwarz enden muss, das das Album wie ein eben nicht roter Faden durchzieht &#8211; &#8220;black flowers please&#8221;, möchte man an einigen Stellen zitieren. Die krampfhaften Versuche, der Erzfeindin Natur, von Hysmans die &#8220;große Schwätzerin&#8221; genannt, zu zeigen, was wahre Schöpferkraft heißt – Reed und Almond besingen die kaum lebensfähigen, hybriden Pflanzen des Romanhelden, die berühmte Schildkröte mit dem juwelengespickten Goldpanzer, die schon bald an ihrer künstlichen Schönheit verenden soll. Überhaupt schätzt Des Esseintes im Künstlichen auch das Tote, der rührenden Neigung, Bücher als Freunde zu betrachten, steht die Tendenz entgegen, Menschen generell durch Dinge zu ersetzten oder als Dinge zu betrachten; nicht zuletzt auch die hier wiederholt besungene Lust an allem Kranken.</p>
<p>„Against Nature“ ist eine Platte, auf der Inhalt und musikalische Umsetzung besonders gut übereinstimmen. Almonds Gesang fehlt diesmal das Rührende und bisweilen Sentimentale, das vielen seiner neueren Veröffentlichungen ein zwispältiges Gepräge verpasst, und weicht einer Überspanntheit, die das lustvolle Suhlen in verzweifelten Ausschweifungen bestens illustriert, und da Almond sich immer noch nicht wie ein über fünfzigjähriges Sänger anhört, funktioniert die Umsetzung heute nicht weniger gut, als es vor dreißig Jahren der Fall gewesen wäre. Das musikalische Gewand aus Piano und Streichern – nur beim finalen „Liturgy“ kommt ein Frauenchor hinzu, der dem Song das Flair eines 70er Jahre-Filmscore gibt – akzentuiert Almonds Charisma, ohne zu sehr vom Gesang abzulenken. Mit seinem Klavierspiel irgendwo zwischen Romantik und Avantgarde kehrt Othon, der sich zuletzt mehr diversen Formen der Elektronik und mystischer Ethnomusik zugewandt hat, wieder zu den Stärken seiner früheren Arbeiten zurück, und man denkt beim melodramatischen Feuer seiner von spontan wechselnden Tempi bestimmten Musik zwangsläufig an sein unerreichtes Debüt „Digital Angel“.</p>
<p>Natürlich ist „Against Nature“ nicht nur eine gelungene Hommag, sondern auch eine stark subjektiv gefärbte Deutung des Franzosen und seiner Romanfigur. Marc Almond ist eine glamouröse Figur und wirkt außerdem wie einer der freundlichesten Menschen auf diesem Planeten. Das konservativ Katholische, das schon in frühen Werken Huysmans&#8217; anklang und nach „A Rebours“ manifest werden sollte, muss daher ebenso ins Hintertreffen geraten wie das oft hasserfüllte Schopenhauer-Minimum, das der Roman auf jeder Seite durchscheinen lässt – beides gelingt schon persönlichkeitsbedingt viel eher einem anderen großen Huysmans-Verehrer, nämlich Michel Houellebecq. Almond, Reed und Mataragas dagegen betonen eher die lustvolle, ästehetisch feinsinnige, libertäre Seite des Romans. Gerade dies macht die Umsetzung so aufregend, inspirierend und sympathisch und letztlich auch zu einem eigenständigen Werk. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.againstnature.co.uk">Self Released</a></strong></p>
<p><a href="https://www.kickstarter.com/projects/againstnature/against-nature-by-marc-almond-jeremy-reed-and-otho?"><strong><a>Kickstarter</a></strong></a></p>
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		<title>THE PROTAGONIST: A Rebours</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Mar 2012 07:11:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aufgrund seines gepflegten Stils assoziiert man den klassischen Dandy gerne mit Mode, doch in Wirklichkeit waren die Dandys des 19. Jahrhunderts recht unzeitgemäße Originale, die sich mit ihrem herausgeputzten Äußeren dem Stildiktak ihrer Zeit entgegen stellten. Ihr Protest gegen die &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/03/03/the-protagonist-a-rebours/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/theprotagonistarebours.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3810" title="theprotagonistarebours" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/theprotagonistarebours-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Aufgrund seines gepflegten Stils assoziiert man den klassischen Dandy gerne mit Mode, doch in Wirklichkeit waren die Dandys des 19. Jahrhunderts recht unzeitgemäße Originale, die sich mit ihrem herausgeputzten Äußeren dem Stildiktak ihrer Zeit entgegen stellten. Ihr Protest gegen die moderne Schelllebigkeit, die uns heute nichtig erscheinen muss, war so radikal wie skurril. Es wird gesagt, dass französische Dandies Schildkröten als Haustiere hielten und sie in demonstrativer Langsamkeit an der Hundeleine vor Fabrikanlagen spazieren führten. Arbeit galt laut Oscar Wilde als eines der größten Laster der trinkenden Klassen.<span id="more-3809"></span></p>
<p>Eine Schildkröte kommt auch in Joris-Karl Huysmans&#8217; Roman &#8220;A Rebours&#8221;, zu deutsch &#8220;Gegen den Strich&#8221;, vor. Der Dandy Floressas des Esseintes, anämischer Spross einer alten Adelsfamilie und dem Funktionalismus seiner Generation mehr als überdrüssig, stürzt sich dort zunächst in allerlei abseitige Abenteuer, frönt der sexuellen Ausschweifung, dem Opium und andern dekadenten Freuden der Halbwelt, bis er eines Tages erkennt, dass auch er, und sei es nur als perfekt passendes Gegenprogramm, Teil des verhassten Zeitgeistes ist. Vielleicht war es auch nur die Erschöpfung, jedenfalls wird aus dem versnobten Salonlöwen irgendwann ein Eskapist, der sich in einem abgelegenen Landhaus verbarrikadiert, um dort ganz seinen autistischen Obsessionen nachzugehen. Er häuft „Nerd“-Wissen über obskure spätrömische Literatur an, sammelt überzüchtete Pflanzen und erteilt eine wütende Absage an alles, was als natürlich gilt. Mit Düften versucht er so etwas wie Musik für die Nase zu komponieren. Mit einer Goldschicht und einem Muster aus Edelsteinen überzieht er die besagte Schildkröte, die dem Ästhetizismus freilich zum Opfer fallen muss. Auch so siegt die Kunst über eine Natur, die weg muss. Alles Störende musste radikal ausgeklammert werden, selbst die Diener durften nur auf Filzschlappen über dicke Teppiche schleichen.</p>
<p>Aus Protest gegen zeitgemäße Entfremdung pflegte Des Esseintes eine radikale Egozentrik, selten war eine Romanfigur so sehr Protagonist im wahrsten Wortsinne. Doch irgendwann macht sich auch in seiner faszinierend-morbiden Parallelwelt die Erschöpfung breit. Dem Titel entsprechend war der Roman ein Plädoyer gegen die Zeit, doch in seiner Übertriebenheit und Einseitigkeit war &#8220;A Rebours&#8221; ebenso sehr Satire. Ob Anarchisten, Träumer oder konservative Rebellen, unzählige Figuren, die mit dem Status Quo des 20. Jahrhunderts nicht einverstanden waren, verehrten den fiktiven Des Esseintes als Idol und ließen sich von ihm inspirieren &#8211; von George bis Jünger, von den Surrealisten bis zu den Situationisten war man Fan, und auch im Werk spätmodernder Autoren wie Bernhard oder Houellebecq meint man das Echo Des Esseintes&#8217; zu hören. Zahlreiche New Wave-Bands zählten „A Rebours“ zu ihrer Lieblingslektüre, Marc Almond, David Tibet und Mark Ellis von Elijah&#8217;s Mantle wären ohne Huysmans vielleicht nicht geworden, was sie sind.</p>
<p>Aus Ellis erweitertem Umfeld stammt auch Magnus Sundström, der als The Protagonist 1998 ein ganzes Konzeptalbum nach dem Roman benannte. Der Bezug besteht eher lose, so dass man den Titel auch schlicht als Slogan betrachten kann – gegen die Welt, gegen das Leben, um es mit dem deutschen Titel einer Lovecraft-Biografie aus der Feder Houellebecqs zu umschreiben. Die beiden Hauptkomponenten sind ein breiter, wuchtiger Orchestralsound und eine Reihe ausgewählter Textzitate, die auf unterschiedlichste Art einen artifiziellen Nonkonformismus teilen. Von Huysmans selbst wird ein Auszug aus seinem „Satans“-Roman „Tief Unten“ verwendet. Sundström trägt den Passus betont ungekünstelt vor, ergänzt von euphorischen Streichern, die bald zur Ruhe kommen, um martialische Snaredrums zu besänftigen. Klang und Harmonik erinnert an einigen Stellen an In The Nursery zur „Köda“- und „Stormhorse“-Zeit, sind emotional aufwühlend und spannungsgeladen. Einiges ist Keyboard, aber vielleicht passt das ja auch ganz gut zum Künstlichkeitskult der Decadence.</p>
<p>Viele der Beitragenden kommen aus Sundströms skandinavischem Umfeld, so Peter Pettersson (heute Bjärgö), der William Blakes „Song of Innocence“ vorträgt – viel deutlicher als der so anschaulich naive Text demonstriert die Musik das Betrauern einer Unschuld, die verloren ist. Mark Ellis, der ein hervorragender Rezitator ist, macht Shelleys „Mutability“ zu einem Höhepunkt. Hier wird das Monumentale etwas herunter gefahren – ein Zug, der auch einigen anderen Stücken gut getan hätte, denn an manchen Stellen wird das auf Dramatik setzende Pauken- und Streicher-Konzept etwas vorhersehbar. Das Gedicht „Imitation“ des düsteren Phlegmatikers Edgar Allen Poe in Carl Orff&#8217;sche Höhen emporzuheben mag einer Taktik des Kontrastes geschuldet sein, die bei mir ihre Wirkung verfehlt. Besser passt der reißerische Neoklassizismus zu dem Stück, das nach einer Thorakskulptur benannt ist – die gigantomanischen Wuchtklötze des Künstlers, seinerzeit in fragwürdigen Diensten, entspringen einem ähnlichen ästhetischen Fundamentalwillen wie z.B. der weltabgewandte Antivitalismus eines Cioran, auch wenn die äußeren Unterschiede nicht größer sein könnten.</p>
<p>Wie eine Klammer umfasst „A Rebours“ die Dekadenz mit all ihren Empfindungen und Ausdrucksweisen &#8211; als in sich schlüssiges, aber auch nicht zu eng gefasstes Konzeptalbum, dass nun nach über dreizehn Jahren erstmals vom Berliner Label Raubbau neu veröffentlicht wird &#8211; mit komplett neuem Artwork und zeitgleich zum Folgealbum &#8220;Songs of Experience&#8221;, über das in Kürze berichtet wird. Dass der spezifische Sound zum Teil nach Fantasie-Score klingt, mag an manchen Stellen unpassend wirken, und dass orchestraler Bombast später die (Disco-)Grüfte dieser Welt eroberte, ist schlicht der Lauf der Dinge. Deshalb auch primär ein Muss für spätgeborene CMI-Afficionados und alle Freunde der Pauken und Trompeten. Allen anderen Dandys sei zuvor eine Hörprobe empfohlen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://mailorder.ant-zen.com/products/label/id/92;jsessionid=AD87DD44D608018369245E5EBFC9041A">Raubbau/Ant-Zen</a></strong></p>
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