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	<title>African Paper &#187; L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé</title>
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		<title>NICK GREY: Sleepwalking Through A Day (2004-2024)</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jan 2025 07:08:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der französische Sänger und Musiker Nick Grey hat im vergangenen Jahr zusammen mit Charles Pietri sein lange auf Eis liegendes Cold Pop-Projekt L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé wiederbelebt und ein großartiges Comebackalbum herausgebracht. Zeitgleich arbeitete er bereits an einer umfangreichen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/01/18/nick-grey-sleepwalking-through-a-day-2004-2024/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/Screenshot-2025-01-06-170347.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-44312" title="Screenshot 2025-01-06 170347" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/Screenshot-2025-01-06-170347-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Der französische Sänger und Musiker Nick Grey hat im vergangenen Jahr zusammen mit Charles Pietri sein lange auf Eis liegendes Cold Pop-Projekt <a title="Die Tränen und das Zittern unter der Discokugel. Ein Interview mit L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé" href="http://africanpaper.com/2024/06/15/die-tranen-und-das-zittern-unter-der-discokugel-ein-interview-mit-leglise-du-mouvement-peristaltique-inverse/">L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé</a> wiederbelebt und ein großartiges <a title="L’EGLISE DU MOVEMENT PÉRISTALTIQUE INVERSÉ: Le Peintre du Soir" href="http://africanpaper.com/2024/05/25/leglise-du-movement-peristaltique-inverse-le-peintre-du-soir/">Comebackalbum</a> herausgebracht. Zeitgleich arbeitete er bereits an einer umfangreichen Retrospektive zu seinem restlichen Werk, das er in den Nuller- und Zehnerjahren entweder solo oder mit seiner früheren Band, dem stets <span id="more-44310"></span>variablen Random Orchestra produzierte. Zusammen mit dem Klangkünstler Peter James, der auch das Mastering für diese Compilation übernahm, nahm Grey zudem vier neue Songs auf, die seine aktuellen musikaischen Interessen durchscheinen lassen und sich dennoch nahtlos in seine Diskografie einfügen.</p>
<p>Die &#8220;Sleepwalking Through A Day&#8221; betitelte Sammlung bietet einen Querschnitt durch zwanzig Jahre seiner musikalischen Arbeit und ist in zwei thematische Teile untergliedert: &#8220;The Shakes&#8221; beleuchtet die zugänglichere, poppigere Seite von Greys Musik, während &#8220;The Vapours&#8221; die dunkleren, experimentelleren Facetten in den Vordergrund rückt. Beide Seiten greifen auf unterschiedliche ästhetische und emotionale Mittel zurück, die Greys Markenzeichen sind: komplexe Arrangements, ironisch gebrochene Melancholie und eine meisterhafte Balance zwischen Intimität und Theatralik. Dabei sollte man auch immer festhalten, dass diese beiden Tendenzen nicht vollkommen unverbunden nebeneinander stehen, denn in allen Shakes ist immer auch eine Brise Vapours enthalten et vice versa.</p>
<p>Ein Höhepunkt der Compilation ist zweifelsohne gleich das eröffnende Titelstück des <a title="NICK GREY AND THE RANDOM ORCHESTRA: You’re Mine Again" href="http://africanpaper.com/2014/07/26/nick-grey-and-the-random-orchestra-youre-mine-again/">&#8220;You’re Mine Again&#8221;-Albums von 2014</a>. Der Song besticht durch seine originellen Midtempo-Rhythmen und ein raffiniertes Zusammenspiel von Gitarren, Synthesizern, einem erschöpft wirkenden Gesang und einer charmant knarzenden Bläsersektion. Diese orchestrale Pop-Komposition zieht den Hörer mit ihrem ironisch-exotischen Unterton in den Bann und erzählt von der Liebe als Grenzerfahrung – zwischen Abhängigkeit, Misstrauen und der Illusion eines fragwürdigen Idylls, die trickreicherweise aber auch eine gehörige Portion echter Schönheit enthält. Doch in der Ernsthaftigkeit des Songs schimmert stets ein Hauch von Ironie, der den Abgrund hinter den Oberflächen entlarvt. Ebenfalls hervorzuheben ist das gleich folgende &#8220;Look Like Moses&#8221; aus Greys Frühwerk (&#8220;Regal Daylight&#8221;, 2004). Mit einer fesselnden Synthie-Klarinetten-Mischung und minimalen, stoischen Takten entfaltet der Song eine entrückte Schönheit, die durch die schwebenden Tenorvocals von Nicks Vater Vasile Moldoveanu noch verstärkt wird. Die mehrstimmigen Gesangsharmonien sind ein brillantes Beispiel für Greys Fähigkeit, Melodien und Emotionen zu verweben.</p>
<p>Mit &#8220;Vanisher&#8221; vom Album <a title="NICK GREY AND THE RANDOM ORCHESTRA: Breaker of Ships" href="http://africanpaper.com/2015/06/27/nick-grey-and-the-random-orchestra-breaker-of-ships/">&#8220;Breaker of Ships&#8221; (2015)</a> gelingt Grey ein emotionaler Spagat. Das akustische Gitarrenpicking, das bisweilen an ein Banjo erinnert, schafft ein sanftes, introspektives Szenario, das jedoch durch eigenwillige Percussion in ungewohnte Gefilde gleitet. Der theatralisch-resignative Song über das Verschwinden changiert einmal mehr zwischen Pathos und Ironie. Unter den neuen Songs überrascht besonders &#8220;The Monumental&#8221;. Hier zeigt sich der Einfluss von Greys Arbeit mit L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé: futuristische Synthie-Klänge, eine geschrammelte Mandoline und hypnotischer Gesang erzeugen eine entrückte Atmosphäre, die eine Spur von Unheil subtil aufscheinen lässt. Ein Hauch von Science-Fiction und düsterer Eleganz macht den Song zu einem der faszinierendsten Stücke der Compilation, und wäre das Stück auf französisch gesungen, hätte es mit ein paar Gitarrenriffs auch auf das Album der Eglise gepasst.</p>
<p>Nicht weniger beeindruckend ist das besinnliche &#8220;Juliet of the Spirits&#8221;, dessen pastorale Gitarrenpickings von von zwiespältiger Zartheit sind. Es steigert sich in eine emotionale Opulenz, die Greys meisterhafte Klangdramaturgie unterstreicht. Auch das (u.a. dank der Klarinette Gregory Dorias) düstere &#8220;The Endless Pink&#8221;, ursprünglich 2006 erschienen, fesselt mit seiner kammermusikalischen Aura, mit schrägen Texten und einer anheimelnden Piano-Begleitung. Mit &#8220;Hiding In Seaweed&#8221; zeigt Grey ein kompositorisches Händchen für die Verbindung von Sopran-Gesang und ambienten Flächen. Jasmine Pinkertons außergewöhnliche Vokalperformance verleiht diesem Stück mit hochschwingenden Ornamenten die kunstvolle Aura eines Jugenstilgemäldes. Ebenso berührend ist &#8220;The Zealot&#8221;, das mit seiner melancholischen, chansonhaften Sea-Shanty-Atmosphäre und Pinkertons Sopran eine ganz eigene Schönheit entfaltet.</p>
<p>Generell bietet zweite Hälfte der Compilation eine ebenso tiefe, aber gleichsam sperrigere, schrägere Dimension von Greys Werk. &#8220;November Fadeline&#8221;, ursprünglich 2004 auf dem &#8220;Regal Daylight&#8221;-Album erschienen, zeigt einen Nick Grey, der noch stärker introspektiv agiert. Jasmine Pinkertons Piano erzählt dabei fast eine eigene Geschichte – mit Rhythmen, die seltsam drübergeklebt scheinen, und einer ganz eigenen Intimität. Greys manchmal ins Falsett wechselnder Gesang verstärkt das heimelige Gefühl, während die leicht verschrobene Ästhetik eine charmante Schrägheit offenbart. &#8220;Your Greatest Hunger&#8221; von 2008 eröffnet mit Handclaps ein Szenario, bei dem man fast Gospel erwartet, und das mit der Zeit ein zunehmend komplexe Struktur entfaltet. Das düster-soundscapige &#8220;Tammuz&#8221; vom &#8220;Thieves Among Thorns&#8221;-Album setzt mit Dorias Klarinette ein, die an ein drohendes Nebelhorn erinnert. Das in steter Abfolge ertönende Saitenglissando und die hibbelige Rhythmik, die sich später entfaltet, sorgen für neue unorthodoxe Kontraste. Eine weitere neue Kollaboration mit Peter James ist &#8220;The Fading Light Of November&#8221;, der Song beginnt mit dunkel fatalistischen Pianofiguren und einer endzeitlichen Dröhnung, bevor Greys ergriffener Gesang einsetzt. Das Stück steigert sich zu einem schwer zu beschreibenden, schrillen Synthie-Freakout und hinterlässt einen tiefen Eindruck.</p>
<p>Ein weiterer bisher unveröffentlichter Track, der bereits 2017 in Berlin aufgenommen wurde, ist &#8220;What I’ve Become&#8221;. Dieser „Wavesong“ strahlt eine kühle Melancholie aus, die sanft, aber unaufhaltsam nach unten zieht. Louis Pontviannes Bass und Elie Grangers zirkusorgelähnliches Keyboard schaffen eine resignierte Atmosphäre, die von Greys gelassenem Gesang perfekt ergänzt wird. Das abschließende &#8220;End Of All&#8221; führt mit düsteren Klangtexturen und nachdenklichem Gesang an der Grenze zur Rezitation in die Abgründe der menschlichen Seele. Greys textliche und musikalische Tiefe erreicht hier ihren Höhepunkt, indem er ein zerbrechliches Gleichgewicht zwischen Resignation und einem Hauch von Gelassenheit wahrt.</p>
<p>Diese Sammlung ist eine regelrechte Schatztruhe für alle, die durchaus Pop suchen und zugleich bereit sind, sich auf manchmal komplexe und immer vielschichtige Klangwelten einzulassen. Insgesamt ist &#8220;Sleepwalking Through A Day&#8221; mehr als nur eine Retrospektive: Das Release zeigt einen Songschreiber, der immer wieder rmeisterhaft kleine Psychogramme skurriler Einzelgänger zu zeichnen versteht, der die absurden Kollateralfolgen der Liebe und anderer Gefühlszustände mit sperriger Songwritermusik erkundet und ihnen einen einzigartigen, niemals eindimensionalen Kommentar verleiht. Unter Greys Feder, so schrieb ich einmal, wären Fräulein Else und der junge Werther zu Thomas Bernhard-Figuren mutiert – und hätten sich, paradoxerweise, gerade deshalb nicht einmal umbringen müssen. Es zeigt außerdem einen Künstler, dem niemals die Ideen für originelle Details ausgehen und dessen Songs alldem zum Trotz nie überladen wirken. Nicht zuletzt zeigt es auch einen Meister des kreativen Dialogs, der immer wieder interessante Resultate aus unterschiedlichen Kollaborationen zieht, wobei ich besonders die Klarinette Dorias auf den frühen Alben hervorheben möchte.</p>
<p>Ob es in der nächsten Zeit weitere Arbeiten solo oder mit dem Random Orchestra geben wird oder ob Grey sich zunächst auf die Kirche der umgekehrten Verdauung konzentrieren wird steht noch in den Sternen, aber dass irgendwas interessantes passieren wird, kann als fast sicher gelten. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://linktr.ee/nickgrey">Milk &amp; Moon Recordings</a></strong></p>
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		<title>Die Tränen und das Zittern unter der Discokugel. Ein Interview mit L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jun 2024 05:21:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
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		<description><![CDATA[In Musikerkreisen gibt es den &#8211; gar nicht realitätsfernen &#8211; Mythos des schwierigen zweiten Albums, mit dem man, im Unterschied zu einem von allerlei Überraschungseffekten profitierenden Debüt, zwangsläufig auf gewisse Erwartungen reagiert, ganz zu schweigen von der Frage, ob der &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/06/15/die-tranen-und-das-zittern-unter-der-discokugel-ein-interview-mit-leglise-du-mouvement-peristaltique-inverse/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></strong><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2-credit-Michel-Lange.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-41480" title="EMPI-2-credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2-credit-Michel-Lange-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In Musikerkreisen gibt es den &#8211; gar nicht realitätsfernen &#8211; Mythos des schwierigen zweiten Albums, mit dem man, im Unterschied zu einem von allerlei Überraschungseffekten profitierenden Debüt, zwangsläufig auf gewisse Erwartungen reagiert, ganz zu schweigen von der Frage, ob der Ideenfundus des Musikers oder der Band immer noch ausreicht, um etwas relevantes neues auf die Beine zu stellen. Anders verhält es sich <span id="more-41471"></span>natürlich, wenn zwischen dem ersten und dem zweiten Album fast ein Vierteljahrhundert an Zeit verstrichen ist &#8211; eine Zeit, in der die alten Verdienste nicht mehr in jedermanns Gedächtnis lebendig sind und sich eine Menge neuer Ideen angesammelt haben. So ähnlich war er bei L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé, dem kurz nach dem Millenium gegründeten Duo des Sängers und Producers Nicolai Riccardo Grey (als Nick Grey bekannt als Solist und Bandleader) und des Gitarristen Charles Pietri, der in den vergangenen Jahren u.a. als Fotograf aktiv war. Vor einigen Wochen erschien ihr zweiter <a title="L’EGLISE DU MOVEMENT PÉRISTALTIQUE INVERSÉ: Le Peintre du Soir" href="http://africanpaper.com/2024/05/25/leglise-du-movement-peristaltique-inverse-le-peintre-du-soir/">Longplayer &#8220;Le Peintre du Soir&#8221;</a>, dessen eingängiger und zugleich experimentierfreudiger Stil irgendwo zwischen retrolastigem Pop und Wave, dunklen dystopischen Rockelementen und dramatischen Texten die Reife eines Opus Magnum und die Frische eines Debüts aufweist. Da das Album reich an Referenzen und doppelten Böden ist, gab es genug Stoff für das vorliegende Interview, in welchem man u.a. erfährt, dass L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique mittlerweile zweimal existiert.<br />
</strong></p>
<p><strong><span><span><a title="The tears and the tremors under the disco ball. An Interview with L’Eglise du Mouvement Péristaltique" href="http://africanpaper.com/2024/06/12/eglise-englisch/">Englische</a> | <a title="Ces larmes et ces tremblements sous la boule disco. Un entretien avec L’Eglise du Mouvement Péristaltique" href="http://africanpaper.com/2024/06/12/ces-larmes-et-ces-tremblements-sous-la-boule-disco-un-entretien-avec-leglise-du-mouvement-peristaltique/">Französische</a> Version</span></span></strong></p>
<p><em><strong><span><span>Ihr habt gerade ein Album mit dem Titel „Le Peintre du Soir“ veröffentlicht und viele unserer Leser werden von eurer Band jetzt wahrscheinlich zum ersten Mal hören. Tatsächlich ist dieses Album aber euer zweites, denn euer Debüt liegt schon 21 Jahre zurück. Könnt ihr uns eure beiden Bandmitglieder und euren Hintergrund vorstellen?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Genauer gesagt vor 22 Jahren, denn unser erstes Album erschien 2001 auf dem Pariser Label Brume Records. Wir besetzen in diesem Projekt immer noch die gleichen Rollen wie damals: Charles spielt Gitarre, ich singe und spiele Synthesizer. Privat habe ich zwischen 2003 und 2015 auch eine bestimmte Anzahl von Platten unter dem Namen Nick Grey veröffentlicht, alleine oder mit Kollaborateuren.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Ich hatte 22 Jahre lang keine Gitarre mehr angefasst. Sie wurde sorgfältig in ihrem Koffer aufbewahrt, während wir darauf warteten, dass die Band wieder zusammenkam. Während dieser Zeit widmete ich mich anderen Projekten, insbesondere im Bereich der Fotografie.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Hattet ihr auch während eurer langen Bandpause engen Kontakt? Wenn ich mich recht erinnere, war Charles auch an einigen Veröffentlichungen von Nick Grey and the Random Orchestra beteiligt.</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Tatsächlich habe ich an „Regal Daylight“, dem ersten Album von Nick Grey, mitgearbeitet und einige Gitarrenparts aufgenommen. Aber ich glaube, mein eher minimalistisches, wenn nicht gar träges Gitarrenspiel passte nicht wirklich zur Entwicklung des Projekts. Später führten verschiedene Lebensereignisse dazu, dass ich die Musik beiseite legen musste.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Du hast auch auf der EP „Candlelight Eyes“ mitgespielt, die in einem sehr limitierten Format veröffentlicht wurde, aber immer noch eine meiner Lieblingsplatten von Nick Grey ist.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Wie kam es zu der Idee, L’Eglise wiederzubeleben?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Wir haben uns vor zwei Jahren zu einem feierlicheren Anlass als den anderen wieder getroffen, auch in Anwesenheit anderer Leute, und wir haben direkter über die Vergangenheit gesprochen. Sehr schnell fiel der Satz: „Lasst uns zwanzig Jahre nach dem ersten ein zweites Album aufnehmen“. Ich glaube, dass es diesmal zwei Elemente waren, die es ermöglichten, „einen Pakt zu besiegeln“: erstens die Anwesenheit Dritter, die uns zwangen, Verantwortung für das zu übernehmen, was wir ankündigten, und dann auch eine Frage der Zeitlichkeit. Es war einfach zu schön, das schwierige zweite Album zwanzig Jahre nach dem ersten zu veröffentlichen. Dann geschah alles mit erstaunlicher Geschwindigkeit: Wir nahmen in wenigen Wochen etwa zehn Songs auf, kontaktierten Ian Caple, dem unsere Musik gefiel und der sich bereit erklärte, das Album (wunderbar) zu mischen usw. Ich denke, dass diese deutliche Beschleunigung auf dieser zweiten CD ein wenig zu spüren ist, die die Frische, aber auch die Unvollkommenheiten einer ersten Platte hat.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Ich würde sogar sagen, dass diese Platte mehrere Rollen vereint: Sie ist einerseits ein zweites erstes Album, da wir von vorne anfangen, andererseits aber auch ein zweites Album im wahrsten Sinne des Wortes, da es eine Fortsetzung des vorherigen ist. Es ist auch das Album unserer Reife, da seine Grundlagen solide sind, wir die Richtung, in die wir gehen wollten, etwas besser beherrschen und auch Reife im wahrsten Sinne des Wortes, da wir jetzt alt sind.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-4-Credit-Michel-Lange.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-41491" title="EMPI-2024-4-Credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-4-Credit-Michel-Lange.jpg" alt="" width="4800" height="3601" /></a></span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Habt ihr alle Songs zusammen geschrieben und produziert, oder war es eher so, dass einer von euch eine Idee hatte und der Rest sich nach und nach ergeben hat?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Wenn das für Sie in Ordnung ist, sollten wir unsere internen Abläufe lieber geheim halten – nicht aus Eitelkeit, sondern vielleicht aufgrund einer Art archaischen Aberglaubens. Sagen wir einfach, unsere Arbeitsweise basiert auf Freundschaft. So haben wir schon immer gearbeitet. Charles ist nicht nur talentiert, sondern auch extrem intuitiv: Die Kommunikation ist immer fließend. Wenn ein Konflikt entsteht, wird er durch ein Ritual erstickt, aufgelöst oder verwässert. Dieses Ritual kann die Form eines Kochwettbewerbs annehmen, eines Duells (um jeden Vorteil zu vermeiden, bevorzugen wir unangenehme Instrumente, die keiner von uns beherrscht, wie die Flöte oder das Didgeridoo) oder, wenn wir in besonders männlicher Stimmung sind, des Armdrückens. Diese letzte Option bringt jedoch ein Problem mit sich: Da unsere Muskeln unterentwickelt sind, müssen wir Seeleute oder Bergsteiger rekrutieren, die uns körperlich ähneln, um das Armdrücken für uns zu übernehmen. Das ist ein kostspieliges, langwieriges und schwieriges Verfahren – insbesondere, da wir auch schlechte Köche und noch schlechtere Didgeridoo-Spieler sind – weshalb wir Konflikten grundsätzlich aus dem Weg gehen möchten.</span></span><br />
<strong></strong></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Ich biete schon seit Jahren an, Konflikte mit Schere-Stein-Papier zu lösen, aber bisher war ich damit nicht erfolgreich. Ich hoffe, dass ich ihn eines Tages davon überzeugen kann, ein Coveralbum zu machen, das nur aus Steinen und einer Schere besteht.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Davor sollten wir dein Jazz-Opern-Projekt The primitive flies of Saturn aufnehmen, das du mir gegenüber 2009 in Kopenhagen erwähnt hast. </span></span><br />
<span><span> Charles: … Im Ernst, der kreative Prozess für diese Platte geschah ganz natürlich: Gespräche waren ein wichtiger Teil des Prozesses. Wir sind nicht die Gallagher-Brüder, die sich im Studio gegenseitig mit Dosen warmen Biers bewerfen, wir sitzen lieber da und unterhalten uns, während wir guten Käse essen. Um ihn von den Vorzügen eines Gitarrenelements zu überzeugen, muss ich ihm nur ein saftiges Stück Brie reichen.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Hat sich eure Herangehensweise an Musik und Kreativität im Laufe der Jahre stark verändert und ist euch dies bei der Arbeit an den neuen Songs aufgefallen?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Das Offensichtlichste fällt uns immer erst im Nachhinein auf. Was mir an unserer Arbeitsweise aufgefallen ist, war, dass viel Freude dabei war – die Freude, mit Charles an diesen dunklen und seltsamen Stücken zu arbeiten.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Ich denke, diese lange Pause hat uns geholfen, unsere Arbeitsweise zu rationalisieren. Wir haben vor dem Beginn des kreativen Prozesses viel miteinander gesprochen, um sicherzustellen, dass wir die gleiche Vision des Projekts haben: Das Ziel ist jetzt einfach, Spaß daran zu haben, gemeinsam Musik zu machen, auf Aufnahmen und live. Da die Grundlagen gesund sind, ist es sehr einfach, uns kreativ gehen zu lassen.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Euer Sound ist vor allem von Elektronik und Gitarre geprägt und euer musikalischer Stil verbindet Pop-Qualitäten mit Experimentierfreude – so viel zu den typischen Musikjournalisten-Floskeln… Hattet ihr vorher eine Vorstellung, wie das Album klingen soll, oder hat sich das alles erst während der Arbeit ergeben?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Etwas paradox ist, dass wir nach zwanzig Jahren Wartezeit in absoluter Eile waren, dieses Album zu schreiben und aufzunehmen. Es war etwas sehr Instinktives, als es entstand: Die Songs mussten raus. Also nein, es gab keine vorgefertigte Absicht, wir waren erstaunt, wie das Ganze so schnell entstand und Gestalt annahm. Trotzdem hast du recht: Die Freude am Experimentieren ist bei uns absolut vorhanden, und genau diese Freude findet ihren Ausdruck in den eher „poppigen“ Klängen unserer Musik.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Unsere jeweiligen musikalischen Landschaften haben sich in den letzten zwanzig Jahren entwickelt. Obwohl es eine gemeinsame Basis gibt, versuchen wir, die Songs in unterschiedliche Richtungen zu lenken. Manchmal kann meine Gitarre einem Stück eine unerwartete Wendung geben. Ich denke dabei insbesondere an Le Bleu du Ciel, das in seinen frühen Phasen ziemlich rein und trocken war, und dann kam ich mit meiner Gitarre dazu und schüttete Wellen wie traurige Schlagsahne aus.</span></span></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/xruV__ZIQvI?si=1Pd3cN0VrlxO5scy" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong><span><span>In Deutschland bezeichnen wir französische Musik, die an die frühen Achtziger erinnert und etwas düster ist, schnell als Cold Wave, was oft zu sehr verallgemeinert ist. Fühlt ihr euch mit solchen Begriffen wohl oder empfindet ihr sie als einschränkend?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Es stört mich nicht, wir haben uns letztendlich das Etikett „Cold Pop“ gegeben, weil eine Entscheidung getroffen werden musste. Natürlich sind wir keine „Cold Pop“-Band. Aber diese allgemeine Markierung hat keine wirkliche Bedeutung, außer als erster Einstiegspunkt zu dienen. Dann liegt es an jeder Interpretation, was sie für ihre Arbeit tut.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Dem stimme ich nicht zu, wir sind sehr „Cold Pop“. Selbst bei weniger offensichtlichen Stücken wie &#8220;Cloaque et Empire&#8221; oder &#8220;Cadavérologie du couple&#8221; wollen wir die Leute zum Tanzen bringen. Natürlich mehr oder weniger ausgeprägt, aber es besteht der Wunsch, auch in den experimentellsten Momenten der Platte eingängig zu bleiben.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Sag nie wieder, wir seien „Cold Pop“ oder ich hole das Didgeridoo raus. Aber ja, Charles hat recht, wir sind keine Art-Rock-Band. Wenn es uns nicht gelingt, den Zuhörern unsere Freude zu vermitteln, scheitern wir bei allem.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass Nick in vielen Stücken rezitiert und nicht singt, aber intuitiv erinnerten mich viele der Songs an dramatische Monologe, die aus dem Theater oder einem Experimentalfilm stammen könnten. Könnt ihr diese Assoziation nachvollziehen?</span></span></strong></em><br />
<strong></strong></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Sicherlich hat das Projekt eine sehr theatralische Dimension: EMPI ist „eine weitere Bühne“, die auf der Hauptbühne installiert wird. Dem Zuschauer steht es natürlich frei, diese künstlerische Verschiebung zu akzeptieren oder abzulehnen.</span></span><br />
<strong></strong></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Die Musik ist ziemlich filmisch, jedes Lied hat sein eigenes visuelles Universum, seine Farben, sogar seinen Geruch. Alexandre ist erdig, ein schwerer Schritt auf feuchtem Lehm, während Triptyques de Monarques Assis ein langsames Gleiten auf einem frisch polierten Boden ist.</span></span><br />
<em><strong></strong></em></p>
<p><em><strong><span><span>Der Eröffnungssong „Alexandre“ beispielsweise erinnert an einen mehrdeutigen dramatischen Monolog einer Person, die mit vielen Dingen zu kämpfen hat (und wahrscheinlich auch mit einer Rolle, die sie spielt). Dies gilt umso mehr im Video, in dem Nick eine erschöpfte Persona spielt, die von Charles geschminkt wird. Was für eine Art von Charakter ist dieser Alexandre und was macht ihm in seiner Tirade Sorgen?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Alexandre ist eine Figur auf der Suche nach einem Unterschlupf, einem Tresor: Solange er keinen findet, wird er Korrosion auf seinem Weg verbreiten. Woher kommt sein Aura der Bedrohung? Alexandre weiß, dass die Grenze zwischen Unterschlupf und Gewahrsam schmal ist, also muss er sich seinen eigenen Grenzen und seiner Gebrechlichkeit widersetzen. Er marschiert weiter und ruht sich gelegentlich auf seinem langen Stock aus. Ein Unterschlupf ist ein politischer Raum, ein Schutz vor dem Tod, eine fragile Grenze zwischen Ruhe und Schlaf – zwei Systeme, die von derselben Mechanik beherrscht werden. Alexandre weiß, dass Ruhe, wenn sie ihm aufgezwungen wird, zu einer tödlichen Gefahr wird, also ist er ständig auf der Hut und wandert umher. Alexandre schläft nicht. Schlaflosigkeit ist ein viel sichererer Hafen für die Gespenster seiner offenen Welt.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-1-credit-Michel-Lange1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-41492" title="EMPI-1-credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-1-credit-Michel-Lange1.jpg" alt="" width="2165" height="1624" /></a></span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Im Song „Le Bleu du Ciel“ begegnen wir Figuren aus dem gleichnamigen Roman von Georges Bataille. Es ist schon lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber woran ich mich noch gut erinnere, ist die abgründige und erschöpfte Stimmung in Europa kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Welche Aspekte des Buches haben Sie am meisten inspiriert?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass ich dich das Wort „erschöpft“ sagen höre. Bist du selbst sehr müde? Das tut mir leid. Kaffee hat bei mir auch keine große Wirkung. Aber ich habe vor kurzem von den Vorzügen von etwas namens Guarana gehört. Ich musste allerdings mit Redbull aufhören, das Zeug hat mich fertig gemacht. Um deine Frage zu beantworten: vielleicht die Figur des Lazare. Der Lazare des Buches ist jedoch nicht der Lazare unseres Liedes, aus verschiedenen Gründen, darunter der offensichtlichste – das Geschlecht –, obwohl es auch Ähnlichkeiten gibt.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Gibt es Ihrer Meinung nach Parallelen zwischen der heutigen Gesellschaft und dem in Batailles Roman beschriebenen Setting? Oder betrachtet ihr den Roman eher als zeitlose Parabel?</span></span></strong></em><br />
<strong></strong></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Wenn ich Ihre Frage richtig verstehe, fragst du mich, ob wir jetzt in eine Art sadeanische Gesellschaft abgeglitten sind? Ob die letzten Barrieren des 20. Jahrhunderts – Zensur, Unterdrückung usw. –, die die Stabilität der symbolischen Ordnung gewährleisteten, endlich aufgelöst wurden und einem universellen Ausbruch der Perversion Platz gemacht haben? Das glaube ich nicht. Im Gegenteil, es scheint mir, dass wir in einer eher binären und moralischen Ära leben: Soziale Netzwerke sind zum Beispiel sehr mächtige Generatoren normativer Vorschriften. In diesem Sinne würde ich sagen, dass die Themen von Batailles Roman zeitlos sind, ja, wie es Schreiben sein kann, auch wenn der Begriff Parabel mir nicht ganz zusagt.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Wer ist denn eigentlich der Sprecher in diesem Lied? Ich frage das vor allem, weil Nick mit einer künstlichen Falsettstimme singt?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Es ist ein Lied über Trauer, oder besser gesagt Trauern – denn wie du vielleicht weißt, verbirgt eine Trauer immer eine andere. Und doch ist es eine unendliche Litanei imaginärer Trauer, die die Essenz unserer Liebe ausmacht. Während Trauer Korrosion verursacht, einen Bruch des Gleichgewichts, schlägt andererseits unsere romantische Vorstellung vom Tod – immer da, permanent und kreisförmig – eine Rückkehr zur uterinen Ruhe vor. Hier ist ein Zitat nicht von Bataille, sondern aus Flauberts Novembre, das die Art und Weise hervorhebt, wie die fast mystische Kraft des Schreibens auf das instinktive Chaos der Adoleszenz reagiert: „Ich wurde mit dem Wunsch geboren zu sterben“. Unser Lied &#8220;Le bleu du ciel&#8221; ist eine Hommage an dieses Gefühl, an die Tränen und das Zittern unter der Discokugel.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Das Album scheint eine ganze Reihe literarischer Referenzen zu enthalten, Anspielungen auf Belletristik (neben Bataille auch Margarite Duras), Psychoanalyse (Freud, Lacan) und wahrscheinlich noch mehr. Denkst du, dass diese Stimmen aus der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts im heutigen Zeitalter des Life Coachings und der TikTok-Wissenschaft irgendwie exotisch sind (und daher ernsthaft eine Lücke füllen)?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Ich bin kein Freund der gegenwärtig vorherrschenden Ideologie des Niedergangs. Niedergangsforscher gibt es heutzutage überall! Manche behaupten, es gebe eine allgemeine Verarmung der zeitgenössischen sozialen Bindungen, die die Menschheit an den Rand des Abgrunds der Idiotie treibe. Wir müssen diese Analyse etwas differenzierter angehen, auch wenn das ziemlich erschreckende politische Klima dies ein wenig schwierig macht. Jede Epoche bleibt kulturell reich, und gleichzeitig erscheinen die Stimmen der Vergangenheit als viel mehr als bloße historische Meilensteine. Wenn wir älter werden, scheint es einen Moment zu geben, in dem der Ruf des Altbekannten erklingt: Wir sind dann versucht, Keanes „Something Only We Know“ bis zum Ende unserer Tage in Dauerschleife zu hören und alles Neue abzulehnen. Wir müssen uns nur sicher sein, ob wir diesen Moment des Übergangs akzeptieren oder ablehnen wollen. Ich stimme dir jedoch hinsichtlich der Katastrophe zu, die die Ideologie des „Life Coaching“ darstellt: Nichts Gutes kann entstehen, wenn persönliche, subjektive Lebenswege mit der Managementlogik kollidieren.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Idioten haben nicht auf das 21. Jahrhundert gewartet, um zu existieren. Das Problem liegt wahrscheinlich darin, dass manche Leute versuchen, diese Idiotie, diesen unproduktiven Teil des Gehirns, zu Geld zu machen. Wenn wir unser Recht akzeptieren würden, idiotisch zu sein, wären wir so glücklich.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Für mich ist der Song „Cadaverologie du Couple“ mit seinem hypnotischen Rhythmus und der fast schon aggressiven Aneinanderreihung von Absätzen eines der Highlights des Albums; der Text scheint von den psychischen Abgründen eines Beziehungsstreits zu handeln. Was für eine Geschichte spielt sich da ab?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Beziehungen sind eine Form des Wahnsinns, oder? Deshalb erfinden wir in der Gesellschaft Konzepte, die zwar eine gewisse Struktur bieten sollen, in Wirklichkeit aber nur zur Verwirrung beitragen – wie Liebe oder Freundschaft – und versuchen, alles durch die Macht der Bedeutung, der willkürlichen Bedeutung, zusammenzuhalten. Wenn diese imaginären Konstrukte also zusammenbrechen, können die Auswirkungen erheblich sein. Einige dieser Auswirkungen werden in diesem Lied poetisch beschrieben.</span></span></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/iEzFUkaAKpc?si=PJLXrI4sYtN8zz8R" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong><span><span>Als wie wesentlich würdet ihr das Artwork von Lysandre Cottret beschreiben, sind diese Porträts Teile einer Serie?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Lysandre Cottret ist eine Malerin aus Marseille. Ihre Malerei ist eine Mischung aus Realismus und der Einfachheit von Volltonfarben: Sie spielt mit Licht und Formen, um den Eindruck von im Raum schwebenden Körpern zu erwecken, als ob ihre Motive durch ihre Umgebung fragmentiert wären. Wir haben sie gebeten, das Cover für &#8220;Le Peintre du Soir&#8221; (ihr Selbstporträt) sowie die Cover unserer ersten beiden Singles (unsere eigenen Porträts) zu gestalten. Aus der Beschreibung, die ich hier gebe, wirst du dir problemlos vorstellen können, warum das Zusammentreffen unserer beiden Universen für uns Sinn ergab. Ihre Gemälde und insbesondere ihre Porträts sind eindringlich. Bitte seht euch hier ihr Instagram an: @lysandre.c</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>War L&#8217;EMPI für euch beide während der zwanzigjährigen Pause nie ein Thema? Oder gab es Zeiten, in denen ihr dachtet: „Wenn wir dieses Jahr ein Album machen würden, würde es so und so klingen“? Gibt es in eurer Fantasie Phantomalben?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Wir haben EMPI nur zweimal erwähnt: das erste Mal 2001 in einem öffentlichen Garten in Clermont-Ferrand, als die Gruppe tatsächlich gegründet wurde, und das zweite Mal 2022 in der Umgebung von Lyon, was der Ausgangspunkt unseres zweiten Albums war. In der Zwischenzeit wurde das Thema nie angesprochen. Wir haben lieber über andere Dinge gesprochen. </span></span></p>
<p><span><span><strong>Nicolai:</strong> Nein, du hast perfekt zusammengefasst, wie sich die Dinge zwischen uns beiden in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt haben. Es gibt Dutzende seltsamer Geisteralben, die niemals aufgenommen werden, weil sie ehrlich gesagt unvernünftig sind.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Hör nicht auf ihn. Er lügt schamlos.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Wenn das nicht zu sehr vom Thema abweicht: Ist das Kapitel „Nick Grey and the Random Orchestra“ jetzt völlig abgeschlossen?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> The Random Orchestra ist aufgelöst, ja, aber Nick Grey ist einfach mumifiziert. Und jeder weiß, was mit Mumien passieren kann. Oder vielleicht auch nicht. Schauen wir es uns auf Wikipedia an! Wir erfahren sofort etwas: „Die ersten lebenden Mumien in der Fiktion waren meist Frauen, die in einem romantischen und sexualisierten Licht dargestellt wurden, oft als romantisches Interesse des Protagonisten, was metaphorisch einen sexualisierten Orientalismus und eine koloniale Form der Romantisierung des Orients darstellen könnte.“ Nun, es stellt sich heraus, dass Nick Grey doch absolut keine Mumie ist. Nehmen wir diesen Mumienkram zurück, einverstanden? Sagen wir einfach, wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Ich kann Ihnen jedoch jetzt schon ankündigen, dass Ende 2024 der gesamte Nick Gray-Rückstand wieder in digitalem Format verfügbar sein wird, ebenso wie die gesamte 230 Divisadero-Diskographie, meine Arbeit mit Matthew Shaw. Jede CD wurde außerdem von Peter James remastered. Es war an der Zeit, diese Platten wieder verfügbar zu machen.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Ich bin nicht wirklich gut in Französisch, aber soweit die Titel (und auch der Bandname) es verraten, war das Interesse am menschlichen Körper, seinen Krankheiten und den manchmal seltsamen medizinischen Begriffen dafür ein Hauptschwerpunkt in den früheren Aufnahmen. Sind diese Motive einfach beim Interagieren entstanden oder gehen sie auf eine bestimmte Geschichte zurück?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Du musst Französisch lernen, alter Mann. Wir haben doch Deutsch gelernt! Schauen Sie mal rein: „Die Menschen haben sich nicht damit begonnen, das Komische zu genießen, wo sie im Erleben darauf stoßen, sondern danach gestrebt, es absichtlich herzustellen, und man erfährt mehr vom Wesen des Komischen, wenn man die Mittel studiert, welche zum Komischmachen dienen“.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Auch wenn ich mit den Songtexten nichts zu tun habe, verbindet mich dieses Interesse am Körper als Schnittstelle. Ich habe in meiner Jugend Cronenbergs frühe Filme studiert, in denen der Körper mit seinen Mutationen, Deformationen und Stigmata eine echte Obsession ist. Videodrome ist wirklich wunderbar.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Aber Sie haben Recht, wenn Sie den Körper als einen interessanten Punkt ansprechen, als eine Zone von Grenzen, Mäandern, Zwischenräumen und Funktionen, aber auch als einen Ort, an dem Subjektivität entstehen kann. Das obige Zitat von Freud ist sozusagen nicht vom Himmel gefallen. Und da die Rolle, die wir hier einnehmen, „künstlerisch“ ist – mit einer großen Prise Salz und den notwendigen „Anführungszeichen“ – und nicht medizinisch, ist unser Standpunkt nicht rein beschreibend. Wir schlurfen, wir schleichen, wir treten zur Seite.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Wenn ihr ein wichtiges verbindendes Element zwischen den beiden Alben nennen könnt, eine Brücke zwischen diesen zwanzig Jahren, welches würdet ihr beide nennen?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Uns.</span></span></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-7-Credit-Michel-Lange.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-41493" title="EMPI-2024-7-Credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-7-Credit-Michel-Lange.jpg" alt="" width="4800" height="3601" /></a></p>
<p><em><strong><span><span>Manche sagen, dass Bands am besten funktionieren, wenn ihre Mitglieder weniger gemeinsame Geschmäcker und Einflüsse haben. Wie ist das bei euch und welche Musikrichtungen stehen ihr heutzutage?</span></span></strong></em></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Wir haben einige gemeinsame Referenzen, aber wir hören sehr unterschiedliche Sachen. In den letzten Monaten war ich besessen von „No Decent Shoes for Rain“ von Dry Cleaning. Ich arbeite wirklich wie eine Obsession, ich höre bestimmte Songs und verschleiße sie bis auf die Knochen, wie „Pre Language“ von Disappears, das ich mir unterwegs hundertmal hintereinander anhören kann. Jedes Instrument spielt sein kleines Lied in seiner eigenen Ecke und bildet ein Ganzes, das ziemlich …</span></span></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Entschuldige, ich muss kurz unterbrechen: Ich muss zu „Something Only We Know“ von Keane zurückkommen. Natürlich wird man mir sagen, dass es ein schreckliches, geradezu bedauerliches Lied ist, dass es hier kein Thema ist, dass es das einzige Lied ist, für das die Band Keane bekannt ist, und dass sich trotz dieses immensen Erfolgs heute außerhalb der Grenzen Englands fast niemand mehr an die Band Keane erinnert. Ich werde antworten, dass ich Ihnen einerseits zustimme, andererseits aber auch nicht. Vor ein paar Wochen aßen Charles und ich zusammen ein relativ scharfes asiatisches Gericht, und ich hatte plötzlich das unbändige Verlangen, dieses Lied zu hören, dieses Keane-Lied, von dem ich Ihnen hier erzähle. In diesem Augenblick, mit dem Mund voller Teriyaki-Sauce und den dazugehörigen Gewürzen, kann ich Ihnen versichern, dass dies das schönste Lied im ganzen Universum war, ein Lied, das den Moment der Melancholie perfekt einzufangen vermochte: Dieses Lied ist ein Zyklus, ein Fort-da-Spiel, das Sie daran erinnert, dass Sie alles, was Sie lieben, bereits verloren haben und daher dazu verdammt sind, es nur durch eine Reihe symbolischer Ersatzstoffe wiedererlangen zu können. Und natürlich rührt die Subtilität daher, dass der Inhalt des Liedes durchaus ein Geheimnis sein könnte (Etwas, das nur wir wissen: Was ist es? Was ist das Geheimnis?), seine Form ist nicht weniger bombastisch: Es ist ein herausgeschrienes und verkündetes Geheimnis. Ein Geheimnis, das in gewisser Weise offen zutage liegt. Abgesehen davon, um Ihnen zu antworten, glaube ich, dass die Mitglieder einer Gruppe in guter Harmonie leben können, wenn sie sich darin einig sind, dass Megadeth Metallica immer überlegen war.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Wir können nicht so kategorisch sein, wenn es um Gruppen geht, deren Diskographie so unterschiedlich ist. Natürlich bleibt Rust In Peace – insbesondere Holy Wars – eine Referenz, aber Master of Puppets ist hörbarer als einige schlechte Megadeth-Alben. Es ist daher angebracht, alle Elemente sorgfältig zu analysieren, bevor man so entschieden ist, auch wenn ich im Großen und Ganzen immer noch Ihre Meinung teile.</span></span></p>
<p><strong><span><span>Nicolai:</span></span></strong><span><span> Megadeth mag uneinheitlich sein, aber Metallica ist und bleibt beständig mittelmäßig, und das schon immer. Außer vielleicht bei Lulu, ihrer einzigen guten Platte.</span></span></p>
<p><em><strong><span><span>Apropos heute – würdet ihr sagen, dass L&#8217;Eglise nun endlich da ist, um zu bleiben? Was steht auf eurer Liste der Pläne für die nahe Zukunft?</span></span></strong></em></p>
<p><span><span>Nicolai: Ich erzähle Ihnen eine Anekdote. Es war etwa 2007 oder 2008, also einige Jahre nach der Veröffentlichung unseres ersten Albums. Ich hatte einen Brief – einen echten Brief, per Post – von einem jungen Mann erhalten, der in einer psychiatrischen Klinik eingeliefert wurde. Dieser Brief begann folgendermaßen: „Da Ihnen die Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé anscheinend egal ist, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich Ihre Kirche übernehme.“ Natürlich weiß ich nicht, ob dieses Projekt abgeschlossen wurde und ob es tatsächlich eine Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé parallel zu unserer gibt, die noch mehr im Untergrund angesiedelt ist und nur ihrem Schöpfer bekannt ist, aber dieser Brief hebt meiner Meinung nach zwei Dinge hervor. Erstens die Fähigkeit der künstlerischen Funktion, als Vermittler zu dienen: Zwischen diesem jungen Mann und uns konnte etwas passieren, zunächst über eine künstlerische Schnittstelle, dann über einen einfachen Brief, ein „Kommuniqué“. Und dann noch etwas: Damals existierte die Kirche der umgekehrten Peristaltik für mich nur noch als Erinnerung, als Spur der Vergangenheit, als gemeinsame Erfahrung mit ein paar Freunden. Aber manche Erinnerungen haben eine überraschende Vitalität, die es ihnen ermöglicht, nicht in der Gruft des Vergessens zu landen: So blieb die Erinnerung an die Kirche der umgekehrten Peristaltik immer nicht weit von der Oberfläche entfernt und wurde regelmäßig durch eine Erinnerung an den Alltag wiederbelebt – wie diesen Brief. Und um Ihre Frage abschließend zu beantworten: Ja, dieses Mal sind wir hier, um zu bleiben. Vielen herzlichen Dank für das Interview!<br />
</span></span></p>
<p><strong><span><span>Charles:</span></span></strong><span><span> Das ist ein toller Abschluss. </span></span><span><span>Unser zweites Album Le Peintre du Soir ist gerade erschienen und eine Vinyl-Version wird Ende 2024 erhältlich sein. 2025 wird weitere Überraschungen bereithalten, die bereits geplant sind. Wir werden sie nach und nach bekannt geben.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/lepaintredusoir.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-41496" title="lepaintredusoir" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/lepaintredusoir.png" alt="" width="868" height="874" /></a></span></span></p>
<p><strong>Peristaltique @ <a href="https://www.instagram.com/peristaltique/">Instagram</a> | <a href="Linktree: https://linktr.ee/peristaltique">Linktree </a></strong></p>
<p><strong> </strong>Fotos: Michel Lange, Cover: Lysandre Cottret</p>
<p>Interview: U.S.</p>
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		<title>Ces larmes et ces tremblements sous la boule disco. Un entretien avec L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Jun 2024 16:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Pietri]]></category>
		<category><![CDATA[L'Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé]]></category>
		<category><![CDATA[L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé]]></category>
		<category><![CDATA[Nick Grey]]></category>

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		<description><![CDATA[Dans les milieux musicaux, il existe le mythe — pas tout à fait saugrenu — du « difficile deuxième album », envers lequel, contrairement au premier album bénéficiant de toutes sortes d&#8217;effets de surprise, on réagit inévitablement à certaines attentes… &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/06/12/ces-larmes-et-ces-tremblements-sous-la-boule-disco-un-entretien-avec-leglise-du-mouvement-peristaltique-inverse/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2-credit-Michel-Lange.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-41480" title="EMPI-2-credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2-credit-Michel-Lange-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dans les milieux musicaux, il existe le mythe — pas tout à fait saugrenu — du « difficile deuxième album », envers lequel, contrairement au premier album bénéficiant de toutes sortes d&#8217;effets de surprise, on réagit inévitablement à certaines attentes… sans même parler de la question la plus essentielle : le répertoire d&#8217;idées du musicien est-il encore suffisant pour créer quelque chose de nouveau et de pertinent ? Bien sûr, les choses sont différentes lorsque près <span id="more-41475"></span>d&#8217;un quart de siècle s’écoule entre le premier et le deuxième album — une époque où les mérites d’antan ne résonnent plus dans la mémoire de chacun, et où de nombreuses idées nouvelles se sont accumulées. Quelque chose de similaire se ressent avec L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique <strong>Inversé</strong>, le duo fondé à l’aube du millénaire par le chanteur et producteur Nicolai Riccardo Grey (connu sous le nom de Nick Grey en tant que musicien solo ou en groupe) et le guitariste Charles Pietri, qui a travaillé ces dernières années, entre autres, en tant que photographe. Il y a quelques semaines, le groupe publiait leur deuxième album « Le Peintre du Soir », dont le style à la fois accrocheur et expérimental, entre pop et rétro-wave, éléments rock dystopiques sombres et textes dramatiques, possède la maturité d&#8217;un magnum opus et la fraîcheur d&#8217;un commencement. L&#8217;album étant riche en références et en secrets cachottiers, il y avait suffisamment de matière pour cette interview, dans laquelle on apprend, entre autres, que L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique existe désormais deux fois.</strong></p>
<p><strong>Versions <a title="Die Tränen und das Zittern unter der Discokugel. Ein Interview mit L’Eglise du Mouvement Péristaltique" href="http://africanpaper.com/2024/06/15/die-tranen-und-das-zittern-unter-der-discokugel-ein-interview-mit-leglise-du-mouvement-peristaltique/">Allemand</a> | <a title="The tears and the tremors under the disco ball. An Interview with L’Eglise du Mouvement Péristaltique" href="http://africanpaper.com/2024/06/12/eglise-englisch/">Anglais</a><strong><a title="The tears and the tremors under the disco ball. An Interview with L’Eglise du Mouvement Péristaltique" href="http://africanpaper.com/2024/06/12/eglise-englisch/"><br />
</a> </strong></strong></p>
<p><em><strong>Vous venez de sortir un album intitulé “Le Peintre du Soir” et beaucoup de nos lecteurs vont peut-être rencontrer votre groupe pour la première fois. En fait, cet album est votre deuxième, car vous avez fait vos débuts il y a 21 ans. Pourriez-vous nous présenter les deux membres de votre groupe et votre parcours ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> 22 ans pour être précis, notre premier album est sorti en 2001 sur le label parisien Brume Records. Nous occupons toujours les mêmes fonctions dans ce projet qu’à l’époque : Charles tient la guitare, je suis au chant et aux machines. Pour ma part, j’ai également publié un certain nombre de disques sous le nom de Nick Grey, seul ou entouré de collaborateurs, entre 2003 et 2015.</p>
<p><strong>Charles :</strong> De mon côté, je n’ai pas touché de guitare en 22 ans. Elle est restée sagement dans son étui en attendant la reformation. Durant ce laps de temps, je me suis consacré à d’autres projets, notamment dans la photographie.</p>
<p><em><strong>Si je me souviens bien, Charles a également participé à certains des albums de Nick Grey et du Random Orchestra&#8230;</strong></em></p>
<p><strong>Charles :</strong> Effectivement, j’ai participé au premier album Regal Daylight en enregistrant quelques parties de guitare. Mais je pense que mon jeu de guitare, plutôt minimal pour ne pas dire fainéant, ne correspondait pas vraiment à l’évolution du projet. Puis les événements de la vie ont fait que j’ai dû mettre la musique de côté.</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Tu avais aussi participé dans la foulée au EP Candlelight Eyes qui était sorti de manière très limitée mais reste un de mes disques de Nick Grey préféré.</p>
<p><em><strong>Quelles ont été les impulsions qui vous ont amenés à faire revivre L&#8217;Eglise ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Nous nous sommes revus il y a deux ans pour une occasion plus solennelle que les autres, en présence d’autres personnes aussi, et nous avons évoqué le passé de façon plus frontale. Très rapidement la sentence est tombée : “Enregistrons un deuxième disque vingt ans après le premier”. Je crois que cette fois, deux éléments ont contribué à sceller ce pacte : la présence de tiers tout d’abord, qui nous ont obligés à assumer la responsabilité de ce qui était énoncé, et puis aussi la question de la temporalité. Vingt ans après, pour le toujours difficile deuxième album, c’était trop beau. Ensuite, tout s’est enchaîné à une vitesse ahurissante : nous avons enregistré une dizaine de morceaux en quelques semaines, contacté Ian Caple qui a aimé notre musique et a ainsi accepté de mixer (merveilleusement) l’album, etc. Je pense que cette accélération franche se ressent un peu dans ce deuxième disque, qui possède à la fois la fraîcheur mais aussi les imperfections d’un premier album. C’est ainsi.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Je dirais même que ce disque cumule plusieurs rôles : il est à la fois un second premier album puisque nous repartons de zéro mais aussi un deuxième album au sens propre puisqu’il s’inscrit dans une continuité du précédent. C’est également l’album de la maturité, les bases sont solides avec une maîtrise de la direction dans laquelle nous voulions aller, et surtout nous sommes vieux.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-4-Credit-Michel-Lange.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-41491" title="EMPI-2024-4-Credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-4-Credit-Michel-Lange.jpg" alt="" width="4800" height="3601" /></a></p>
<p><em><strong>Avez-vous écrit et produit toutes les chansons ensemble, ou est-ce que l&#8217;un de vous a eu une idée et le reste est venu petit à petit ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Si cela ne vous est pas désagréable, je pense qu’il vaut mieux laisser le rideau baissé sur les arcanes de notre fonctionnement interne — non pas par vanité, mais sans doute à cause de quelque forme de superstition archaïque. Qu’il nous suffise de dire que c’est une méthode de travail qui se fait en amitié. Nous avons toujours fonctionné ainsi. Charles est quelqu’un d’extrêmement intuitif en plus d’être talentueux : les échanges sont fluides. Lorsqu’un conflit émerge, il est alors étouffé, dissous ou dilué à l’aide d’un rite. Celui-ci peut prendre la forme d’une compétition de cuisine, d’un duel (pour éviter un quelconque avantage, nous privilégions alors des instruments haïssables que personne ne maîtrise, comme la flûte ou le didgeridoo), ou, si nous nous sentons d’humeur particulièrement virile, le bras de fer. Cette dernière option présente toutefois un problème : notre musculature est en effet sous-développée, et il nous faut alors dégotter des marins ou des alpinistes qui nous ressemblent physiquement pour effectuer le bras de fer à notre place. Procédure coûteuse, longue et difficile à mettre en place — d’autant plus que nous sommes également mauvais cuisiniers et encore pires au didgeridoo — c’est pourquoi nous préférons en général éviter les conflits.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Cela fait des années que je propose de régler les conflits au shifumi mais je n’ai jamais eu gain de cause. J’espère un jour le convaincre de faire un album de reprises à coup de ciseaux ou de caillou.</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Enregistrons déjà ton projet d’opéra-jazz intitulé Les mouches primitives de Saturne que tu avais évoqué à Copenhague vers 2009.</p>
<p><strong>Charles :</strong> … Plus sérieusement, le processus de création pour ce disque s’est installé de façon assez naturelle : la discussion a été une pièce maîtresse de l’enregistrement. Nous ne sommes pas les frères Gallagher à nous balancer des canettes de bière tiède à la figure en studio, on préfère s’asseoir et discuter en mangeant de bons fromages. Pour le convaincre du bien fondé d’un élément de guitare, il suffisait que je lui tende un morceau de Brie bien fait.</p>
<p><em><strong>Votre approche de la musique et de la créativité a-t-elle beaucoup changé au fil des ans et l&#8217;avez-vous remarqué en travaillant sur les nouveaux morceaux ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> On note toujours l’évidence dans l’après-coup. Ce que j’ai remarqué dans notre fonctionnement, c’est que la notion de plaisir était omniprésente – le plaisir de travailler avec Charles sur ces morceaux sombres et étranges.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Je pense que cette longue pause a contribué à fluidifier notre façon de fonctionner. Nous avons beaucoup discuté avant d’entamer le processus créatif, pour être sûrs que nous avions la même vision du projet : le but est juste de prendre plaisir à faire de la musique ensemble, sur disque et en concert. Comme les bases sont saines, il est très facile de se laisser aller sur le plan créatif.</p>
<p><em><strong>Votre son est principalement basé sur l&#8217;électronique et la guitare et votre style musical combine des qualités pop avec une joie d&#8217;expérimenter &#8211; voilà pour les phrases typiques des journalistes musicaux&#8230; Aviez-vous une idée préalable de ce à quoi vous vouliez que l&#8217;album ressemble, ou est-ce que tout est venu au fur et à mesure que vous travailliez dessus ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Ce qui est un peu paradoxal, c’est qu’après avoir attendu vingt ans, nous nous sommes un peu précipités pour écrire et enregistrer ce disque-ci. Il y avait quelque chose de très pulsionnel au moment de sa réalisation : il fallait que ça sorte. Donc non, aucune intention prédéfinie en amont, c’est à notre plus grand étonnement que nous avons vu l’objet émerger et se former. Cela dit, vos éléments de langage sont tout à fait justes : la joie d’expérimenter est réelle entre nous, et c’est précisément cette joie qui trouve une traduction dans les sonorités les plus pop de notre musique.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Nos paysages musicaux respectifs ont évolué en vingt ans. Même s’il y a une base commune, on a tendance à vouloir tirer les chansons dans des directions différentes. Parfois la guitare peut arriver à donner un tournant inattendu à un morceau. Je pense notamment au Bleu du Ciel qui est assez épuré et sec au départ, la guitare vient déverser des flots de crème fouettée triste.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/xruV__ZIQvI?si=E_wwyuxp75xclgqe" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>En Allemagne, nous avons tendance à qualifier de Cold Wave la musique française qui rappelle le début des années 80 et qui est un peu sombre, ce qui est souvent une généralisation excessive. Êtes-vous à l&#8217;aise avec ces termes ou les trouvez-vous restrictifs ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Ca ne me dérange pas, nous avons fini par nous qualifier nous-mêmes de “cold pop” parce qu’il fallait trancher. Bien entendu, nous ne sommes pas un groupe de “cold pop”. Mais ces points d’entrée n’ont aucune importance réelle sinon que de permettre un premier marquage identificatoire général. Ensuite, c’est à l’interprétation de tout un chacun de faire son œuvre.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Je ne suis pas d’accord avec cela, nous sommes “cold pop”. Même sur des morceaux moins évidents comme Cloaque et Empire ou Cadavérologie du couple, on cherche à ce que les gens se dandinent. De façon plus ou moins appuyée certes, mais il y a une volonté de rester catchy même dans les moments les plus expérimentaux du disque.</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Ne dis plus jamais que nous sommes “cold pop” ou je sors le didgeridoo. Mais oui, Charles a raison, nous ne sommes pas un projet conceptuel, si nous ne communiquons pas notre plaisir aux auditeurs, c’est raté.</p>
<p><em><strong>Je ne sais pas si c&#8217;est parce que Nick récite plutôt qu&#8217;il ne chante dans de nombreux morceaux, mais intuitivement, beaucoup de chansons me rappellent des monologues dramatiques qui pourraient provenir du théâtre ou d&#8217;un film expérimental. Pouvez-vous faire le lien avec cette association ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Certainement, il y a une dimension très théâtrale dans ce que nous proposons : l’EMPI, c’est une “autre scène” sur la scène. Libre au spectateur de se laisser embarquer, ou de refuser ce décalage.</p>
<p><strong>Charles :</strong> La musique est assez cinématographique, chaque chanson a en quelque sorte son univers visuel, ses couleurs, voire son odeur. Alexandre c’est la terre, le pas lourd dans la glaise humide alors que Triptyques de Monarques Assis est une lente glissade sur un sol fraîchement lustré.</p>
<p><em><strong>La chanson d&#8217;ouverture “Alexandre”, par exemple, évoque un monologue dramatique ambigu d&#8217;une personne qui se débat avec beaucoup de choses (et probablement aussi avec un rôle qu&#8217;elle joue). C&#8217;est encore plus vrai dans la vidéo, où Nick joue le rôle d&#8217;un personnage épuisé qui se fait maquiller par Charles. Quel genre de personnage est cet Alexandre et de quoi se préoccupe-t-il dans sa tirade ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Alexandre est un personnage en quête d’un abri, d’une voûte : tant qu’il ne l’aura pas trouvé, il sèmera la corrosion sur son passage. D’où lui vient ce halo de menace ? Alexandre sait que la limite entre abri et espace carcéral est ténue : il est alors forcé d’entrer en résistance contre lui-même et sa propre fragilité. Il avance, canne au bras. L’abri est un espace d’enjeux politiques et de protection contre la mort : frontière fragile entre repos et sommeil éternel, systèmes gouvernés par la même mécanique. Alexandre sait que le repos, lorsqu’il est contraint, devient un danger mortel – il devient alors un être aux aguets, condamné à l’errance. Alexandre ne dort pas. L’insomnie est un refuge bien plus sûr pour les spectres de ce monde à ciel ouvert.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-1-credit-Michel-Lange1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-41492" title="EMPI-1-credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-1-credit-Michel-Lange1.jpg" alt="" width="2165" height="1624" /></a></p>
<p><em><strong>Dans la chanson “Le Bleu du Ciel”, nous rencontrons des personnages du roman du même nom de Georges Bataille. Il y a longtemps que j&#8217;ai lu ce livre, mais ce dont je me souviens bien, c&#8217;est de l&#8217;ambiance abyssale et épuisée qui régnait en Europe juste avant la Seconde Guerre mondiale. Quels sont les aspects du livre qui vous ont le plus inspiré ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> C’est la deuxième fois déjà que je vous entends employer l’adjectif “épuisé”. Ce n’est pas un reproche : je vous comprends très bien. Le café n’a que très peu d’effet sur moi non plus. Mais on m’a vanté les mérites du guarana récemment. J’ai dû arrêter le Redbull cependant, ça m’a foutu en l’air. Pour répondre à votre question : peut-être le personnage de Lazare. Cependant, la Lazare du livre n’est pas le Lazare de notre chanson, même si quelques éléments les rapprochent.</p>
<p><em><strong>Diriez-vous qu&#8217;il existe des parallèles entre les sociétés d&#8217;aujourd&#8217;hui et le cadre dépeint dans le roman de Bataille ? Ou bien le considérez-vous plutôt comme une parabole intemporelle ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Si je comprends bien votre question, vous me demandez si nous avons basculé du côté d’une société sadienne ? si les dernières barrières du XXème siècle enterré – censure, refoulement… – assurant la stabilité de l’ordre symbolique ont été enfin dissoutes à la faveur d’une flambée généralisée de perversion ? Je ne le pense pas. Au contraire, il me semble que nous vivons une époque plutôt binaire et morale : par exemple, les réseaux sociaux sont des générateurs d’injonctions normatives très puissantes. En ce sens, je dirais que les thèmes du roman de Bataille sont intemporels oui, comme l’écriture peut l’être, même si le terme de parabole ne me convient pas tout à fait.</p>
<p><em><strong>Qui est réellement le locuteur dans cette chanson ? Je pose cette question principalement parce que Nick chante avec une voix de fausset artificielle ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> C’est une chanson sur le deuil, ou, devrais-je dire, les deuils — car comme vous le savez peut-être, un deuil en cache toujours un autre. Et c’est pourtant une litanie infinie de deuils imaginaires qui constitue notre amour pour l’autre. Là où le deuil fait corrosion, rupture d’équilibre des saisons qui précipite la chute dans la mélancolie, l’idée romantique de la mort s’impose comme une évidence : toujours là, à la fois permanente et circulaire. C’est une proposition de retour vers le calme utérin. Je termine en citant non pas Bataille mais un écrit de jeunesse de Flaubert (Novembre), qui met en lumière la manière dont le pouvoir quasiment mystique de l’écriture vient répondre au chaos pulsionnel de l’adolescence : “Je suis né avec le désir de mourir”. Notre chanson Le bleu du ciel rend hommage à ce sentiment-là, ces larmes et ces tremblements sous la boule disco.</p>
<p><em><strong>L&#8217;album semble contenir de nombreuses références littéraires, des allusions à la fiction (outre Bataille, Margarite Duras), à la psychanalyse (Freud, Lacan) et probablement à bien d&#8217;autres choses encore. Pensez-vous que ces voix de l&#8217;histoire intellectuelle du 20e siècle sont quelque peu exotiques à l&#8217;ère du Life Coaching et de l&#8217;académie TikTok d&#8217;aujourd&#8217;hui (et qu&#8217;elles comblent donc sérieusement un vide) ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Je ne suis pas friand de l’idéologie actuelle du déclin qui règne actuellement. Les déclinologues abondent ! Certains semblent observer un peu partout des symptômes d’un appauvrissement généralisé du lien social contemporain qui situerait l’humain au bord du précipice de l’idiotie. Il faut prendre un peu de recul, même si le climat politique plutôt terrifiant rend cet exercice délicat. Chaque époque reste culturellement riche, et en même temps les voix du passé figurent bien davantage que de simples repères historiques. Quand on vieillit, il semble y avoir un moment où survient l’appel du connu : on est alors tenté d’écouter Something Only We Know de Keane en boucle jusqu’à la fin de ses jours et d’entrer en résistance envers le nouveau. Il suffit de savoir si l’on souhaite accepter cet instant de passage ou le refuser. Je vous rejoins en revanche sur la catastrophe que représente l’idéologie du “life coaching” : rien de bon ne peut émerger lorsque les trajectoires personnelles, subjectives d’une existence font collision avec la logique managériale.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Les idiots n’ont pas attendu le 21ème siècle pour exister. Le problème vient sans doute du fait que certains essaient de monétiser cette idiotie, cette part non productive du cerveau. Si on laissait tranquille notre droit à être bête, nous serions tellement heureux.</p>
<p><em><strong>Pour moi, la chanson “Cadavérologie du Couple” est l&#8217;un des points forts de l&#8217;album, avec son rythme hypnotique et la liste presque agressive des paragraphes ; les paroles semblent parler des abîmes psychologiques d&#8217;un conflit relationnel. Quel genre d&#8217;histoire se passe-t-il ici ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> La relation, c’est une forme de folie, nous sommes d’accord ? C’est pourquoi du côté du social, nous inventons des concepts que nous voulons structurants mais qui ajoutent en réalité à la confusion – tels que l’amour ou l’amitié – pour tenter de faire tenir tout ça ensemble par le biais du sens, d’un sens arbitraire. Alors évidemment, quand ces précipités imaginaires s’effondrent, ça a des effets parfois plus que conséquents. Ce sont ces effets qui sont “poétisés” ici.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/iEzFUkaAKpc?si=yA6FREUQU8VW5bqr" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>Comment décririez-vous l&#8217;œuvre de Lysandre Cottret ? Ces portraits font-ils partie d&#8217;une série ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Lysandre Cottret est une artiste peintre basée à Marseille. Sa peinture est un mélange de réalisme juxtaposé à la simplicité des aplats de couleur : elle joue avec la lumière et les formes jusqu’à une impression de flottement des corps dans l’espace pictural comme si ses sujets étaient morcelés par leur environnement. Nous l’avons choisie pour réaliser la pochette du Peintre du Soir (qui est son autoportrait), ainsi que celles de nos deux premiers singles (qui sont nos portraits à nous). D’après la description que je vous ai fournie là, vous n’aurez pas de peine à imaginer pourquoi la rencontre de nos deux univers a fait sens pour nous. Ses peintures, et particulièrement ses portraits, ont de quoi hanter. Je me permets d’indiquer ici son Instagram : @lysandre.c</p>
<p><em><strong>L&#8217;EMPI n&#8217;a-t-il jamais été un sujet pour vous deux pendant les vingt ans d&#8217;interruption ? Ou y a-t-il eu des moments où vous vous disiez “si nous faisions un album cette année, il ressemblerait à ceci et à cela” ? Est-ce que certains albums fantômes existent dans votre imagination ?</strong></em></p>
<p><strong>Charles :</strong> Nous n’avons évoqué EMPI que deux fois : la première en 2001 dans un jardin public de Clermont-Ferrand qui a engendré la formation du groupe, et une deuxième fois en 2022 dans la campagne lyonnaise qui a été l’amorce du deuxième album. Entretemps, le sujet n’a jamais été évoqué. Nous préférions parler d’autres choses.</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Non, vous avez parfaitement résumé la manière dont ça s’est passé entre nous au cours de ces deux décennies. Des dizaines d’albums-fantômes grandioses existent en effet, et ne seront jamais réalisés car ce qu’ils proposent est peu raisonnable.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Ne l’écoutez pas, il ment comme un arracheur de dents.</p>
<p><em><strong>Si ce n&#8217;est pas trop hors sujet, Nick Grey et le Random Orchestra sont-ils un chapitre complètement clos ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Le Random Orchestra est dissous, oui, mais Nick Grey est simplement momifié. Et tout le monde sait ce qui peut arriver aux momies. Ou peut-être pas, d’ailleurs. Allons voir sur Wikipédia ! Nous apprenons immédiatement des choses : “Les premières momies vivantes en fiction étaient pour la plupart des femmes, présentées sous un jour romantique et sexualisé, souvent comme l’intérêt romantique du protagoniste, ce qui pourrait représenter métaphoriquement l&#8217;orientalisme sexualisé et une forme coloniale de romantisation de l’Orient.” Bon, Nick Grey n’est absolument pas une momie, finalement. Je retire cette histoire de momie. Disons simplement que nous ne savons pas ce que l’avenir nous réserve, voilà. Cependant je peux vous annoncer dès maintenant qu’en fin d’année 2024, l’intégralité du catalogue Nick Grey sera à nouveau disponible en format numérique, ainsi que tout 230 Divisadero, mon travail avec Matthew Shaw. Chaque disque bénéficiera en outre d’un remastering réalisé par Peter James. Il était temps de réaliser ce travail d’archivage.</p>
<p><em><strong>Je ne suis pas très bon en français, mais d&#8217;après les titres (et le nom du groupe), l&#8217;intérêt pour le corps humain, ses maladies et les termes médicaux parfois bizarres qui le désignent était l&#8217;un des principaux points d&#8217;intérêt des premiers enregistrements. Ces motifs sont-ils simplement apparus au cours de l&#8217;interaction, ou se rapportent-ils à une histoire particulière ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Il faut apprendre le français, mon vieux. Nous avons bien appris l’allemand ! Observez : “Die Menschen haben sich nicht damit begnügt, das Komische zu geniessen, wo sie im Erleben darauf stossen, sondern danach gestrebt, es absichtlich herzustellen, und man erfährt mehr vom Wesen des Komischen, wenn man die Mittel studiert, welche zum Komischmachen dienen”.</p>
<p><strong>Charles :</strong> Même si je n’y suis pour rien dans les textes des chansons, je me retrouve dans cet intérêt pour le corps comme interface. J’ai beaucoup étudié les premiers films de Cronenberg dans ma jeunesse, où le corps est une véritable obsession, dans la mutation, la déformation, les stigmates. Videodrome est vraiment merveilleux.</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Mais vous avez raison de pointer cet intérêt pour le corps — cette citation de Freud n’est pas apparue par hasard — qui est en effet à la fois une zone de frontières, de méandres, d’interstices et de fonctions, mais aussi le lieu de la subjectivité. Et puisque le rôle que nous assumons ici est “artistique” — avec le grain de sel et les air quotes qui s’imposent — plutôt que médical, un renversement est toujours possible : notre point de vue n’est pas purement descriptif mais relève davantage du pas de côté.</p>
<p><em><strong>Si vous pouviez nommer un élément majeur de combinaison entre les deux albums, un pont entre ces vingt années, lequel nommeriez-vous tous les deux ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Nous.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-7-Credit-Michel-Lange.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-41493" title="EMPI-2024-7-Credit Michel Lange" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/EMPI-2024-7-Credit-Michel-Lange.jpg" alt="" width="4800" height="3601" /></a></p>
<p><em><strong>Certains disent que les groupes fonctionnent mieux lorsque leurs membres ont moins de goûts et d&#8217;influences en commun. Qu&#8217;en est-il dans votre cas et quels types de musique aimez-vous en ce moment ?</strong></em></p>
<p><strong>Charles :</strong> Nous avons quelques références communes mais nous écoutons des choses très différentes. Depuis quelques mois, je suis obsédé par No Decent Shoes for Rain de Dry Cleaning. Je fonctionne vraiment par obsession, j’écoute certaines chansons en les usant jusqu’à la corde, comme Pre Language de Disappears que je peux écouter en boucle cent fois d’affilée sur la route. Chaque instrument joue sa petite chanson dans son coin et cela forme un tout qui est assez…</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Je me permets de t’interrompre : il faut que je revienne rapidement sur Something Only We Know de Keane. Evidemment vous allez me dire que c’est une chanson déplorable, épouvantable même, qu’elle n’a pas droit de cité ici, que c’est d’ailleurs la seule chanson pour laquelle le groupe Keane est connu, et que malgré même cet immense succès, quasiment plus personne aujourd’hui, en dehors des frontières de l’Angleterre, quasiment plus personne ne se souvient réellement du groupe Keane. Je vous répondrai que je suis à la fois en accord avec vous mais aussi en désaccord. Il y a de cela quelques semaines, Charles et moi mangions un plat asiatique relativement épicé et il m’est venu soudainement l’envie irrépressible d’écouter cette chanson, cette chanson de Keane dont je vous parle là. A cet instant, la bouche pleine de sauce teriyaki et d’épices relatives, je peux vous assurer qu’il s’agissait de la plus belle chanson de l’univers, d’une chanson qui parvenait à capter à la perfection l’instant de la mélancolie : cette chanson est une rengaine, un cycle, un jeu du fort-da qui vous rappelle que tout ce que vous aimez, vous l’avez déjà perdu et donc êtes condamnés à n’en saisir qu’un substitut symbolique. Et bien sûr, la subtilité vient du fait que le contenu du chanson a beau relever du secret (Something only we know : qu’est-ce que c’est ? quel est ce secret ?), sa forme n’en est pas moins grandiloquente : c’est un secret asséné, hurlé, clamé. Un secret à la vue de tous en quelque sorte. Sinon à part ça, pour vous répondre, je crois que les membres d’un groupe peuvent exister en bonne harmonie s’ils s’entendent sur le fait que Megadeth a toujours été supérieur à Metallica.</p>
<p><strong>Charles :</strong> On ne peut pas être aussi catégorique sur des groupes qui ont des discographies aussi inégales. Certes, Rust In Peace &#8211; en plus particulièrement Holy Wars &#8211; reste une référence mais Master of Puppets est plus écoutable que certains mauvais albums de Megadeth. Il convient donc de bien analyser différents éléments avant d’être aussi péremptoire, même si je partage quand même ton avis sur la globalité.</p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Megadeth est peut-être inégal mais Metallica est constant dans la médiocrité, et ce depuis toujours. A part peut-être avec Lulu, leur seul disque correct.</p>
<p><em><strong>A propos de ces jours-ci, diriez-vous que L&#8217;Eglise est enfin là pour rester ? Quels sont vos projets pour l&#8217;avenir proche ?</strong></em></p>
<p><strong>Nicolai :</strong> Je vais vous raconter une  anecdote. C’était vers 2007 ou 2008, un certain nombre d’années déjà après la parution de notre premier album. J’avais reçu une lettre — une vraie lettre, par courrier postal — d’un jeune homme hospitalisé en psychiatrie. Cette lettre débutait ainsi : « Puisque vous ne semblez plus vous soucier de L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé, je tiens à vous informer que je reprends votre Eglise à mon compte ». Naturellement je ne sais pas si ce projet a été mené à son terme, et s’il existe effectivement aujourd’hui une Église du Mouvement Péristaltique Inversé parallèle à la nôtre, encore plus souterraine, connue seulement de son créateur, mais cette lettre met en lumière d’après moi deux choses. Tout d’abord la capacité de la fonction artistique à faire médiation : entre ce jeune homme et nous, quelque chose a pu parler et se mettre en place, par l’intermédiaire de l’objet artistique dans un premier temps, puis d’un simple « communiqué ». Et puis aussi, ce que cette lettre soulignait, c’était l’idée de la trace : à l’époque en effet, l’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé n’existait plus pour moi qu’en tant que souvenir, de trace d’une expérience passée et partagée. Mais le souvenir possède parfois une vitalité surprenante qui lui permet d’éviter d’échouer dans la crypte de l’oubli : c’est ainsi que le souvenir de l’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé est toujours resté non loin de la surface, régulièrement ravivé par un rappel du quotidien — comme cette lettre. Et pour enfin répondre à votre question, oui, cette fois-ci, nous sommes là pour rester. Merci beaucoup pour cet entretien.</p>
<p><strong>Charles :</strong> C’est une bonne conclusion.</p>
<p>Notre deuxième album Le Peintre du Soir vient de sortir, et un pressage vinyle sera disponible d’ici la fin 2024. 2025 réservera d’autres surprises qui sont d’ores et déjà prévues. Nous les dévoilerons au fur et à mesure.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/lepaintredusoir.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-41496" title="lepaintredusoir" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/lepaintredusoir.png" alt="" width="868" height="874" /></a></p>
<p><strong>Peristaltique @ <a href="https://www.instagram.com/peristaltique/">Instagram</a> | <a href="Linktree: https://linktr.ee/peristaltique">Linktree </a></strong></p>
<p><strong> </strong>Fotos: Michel Lange, Cover: Lysandre Cottret</p>
<p>Interview: U.S.</p>
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		<title>L&#8217;EGLISE DU MOVEMENT PÉRISTALTIQUE INVERSÉ: Le Peintre du Soir</title>
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		<pubDate>Sat, 25 May 2024 05:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Pietri]]></category>
		<category><![CDATA[L'Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé]]></category>
		<category><![CDATA[Les Disques de l’Empire]]></category>
		<category><![CDATA[Nick Grey]]></category>

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		<description><![CDATA[Bekannt vorkommen wird der Bandname L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé hierzulande wahrscheinlich wenigen, denn eine zuverlässige Erinnerung ist ein rares Gut, und wirklich angekommen ist das einzige bereits 2002 erschienene Album des französischen Cold Wave-Duos diesseits des Rheins kaum. Für &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/05/25/leglise-du-movement-peristaltique-inverse-le-peintre-du-soir/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/05/lepaintredusoir.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-41157" title="lepaintredusoir" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/05/lepaintredusoir-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Bekannt vorkommen wird der Bandname L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé hierzulande wahrscheinlich wenigen, denn eine zuverlässige Erinnerung ist ein rares Gut, und wirklich angekommen ist das einzige bereits 2002 erschienene Album des französischen Cold Wave-Duos diesseits des Rheins kaum. Für mehr als zwei Jahrzehnte gingen die beiden Mitglieder Charles Pietri (Gitarre) und Nick Grey (Gesang und alles elektronische) musikalisch getrennte Wege, und wer unsere <span id="more-41155"></span>Seiten schon ein paar Jahre liest, hat bei letzterem Namen natürlich ein unmittelbares Déjà-vu und erinnert sich an <a href="http://africanpaper.com/tag/grey-albums/">zwei beeindruckende Alben</a> seines mittlerweile auf Eis gelegten Random Orchestra, über das wir <a href="http://africanpaper.com/2015/06/20/i-do-not-tolerate-bitterness-in-my-music-interview-mit-nick-grey/">ausführlich mit dem Sänger und Musiker sprachen</a>.</p>
<p>Im vergangenen Jahr jedenfalls beschlossen Grey und Pietri, deren Kontakt wohl nie ganz eingerissen ist, das alte Duo, dessen Name Die Kirche des umgekehrten Verdauungsvorgangs heißt und &#8211; Zwinkersmiley &#8211; ein interessantes alchemistisches Konzept vermuten lässt, bei dem Nahrung statt Gold das Ziel der Arbeit ist, wiederzubeleben. Dass dies eine lohnenswerte Idee war, bezeugt das gerade erschienene Album &#8220;Le Peintre du Soir&#8221;, das den Cold Wave-Rahmen merklich sprengt und vor kreativen Details geradezu übersprudelt.</p>
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<p>Das eröffnende &#8220;Alexandre&#8221;, das vor einiger Zeit bereits als Single veröffentlicht wurde, bezeichnete ich <a title="Alexandre: Comeback von L’Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé" href="http://africanpaper.com/2023/10/30/alexandre-comeback-von-leglise-du-mouvement-peristaltique-inverse/">in einer Ankündigung</a> als &#8220;die Quadratur des Kreises einer kraftvollen Kopfhänger-Ballade im Midempo zwischen Cold Wave und dunklem Rock, dessen nur leicht melodisch angehauchte Spoken Words einen nokturnalen Thriller entstehen lassen, bei dessen dunklen bewegten Bildern nie vollends klar wird, ob es sich vielleicht um einen Trickfilm handelt&#8221;. Ein gewisses Spannungsverhältnis aus einer kraftvoll griffigen Soundmaterialität (inklusive des Gesangs) und einer fragilen, mitunter erschöpft wirkenden Melancholie in unterschiedlichen Graden der Deutlichkeit zieht sich durch viele Momente des Albums, ebenso und fast noch deutlicher eine (vermutlich auch dann, wenn man im Unterschied zum Rezensenten mehr von der einzigen verwendeten Sprache, dem Französischen versteht) niemals ganz aufgelöste Ambiguität hinsichtlich der Frage, wie ernst die mal wehmütigen, mal dramatischen Stimmungsbilder gemeint sind, und wie viel davon auch schalkhafte, &#8220;dadaistisch&#8221; eingefärbte Ironie sein mag.</p>
<p>Etwas anrührendes und zugleich auch rollenspielhaft ironisches transportiert &#8220;Le Bleu du Ciel&#8221;, dessen melancholische Synthies und knapp abgemessene Downtempotakte einer Drummachine einen mit Kopfstimme vorgetragenen Text tragen, vergleichbar etwa der aufgesetzten Fistelstimme in einigen Songs von <a title="NOVÝ SVĚT: …Into Your Skies" href="http://africanpaper.com/2011/09/01/novy-svet-%e2%80%a6into-your-skies/">Novy Svets &#8220;Into Your Skies&#8221;.</a> Dem Titel nach vermutlich durch Georges Batailles gleichnamigen Roman inspiriert, entspricht der Text, soweit mein minimales Französisch mich nicht im Stich lässt, auch der &#8220;mal traumhaften, mal realitätsnahen Erkundung des Spektrums menschlicher Emotionen&#8221;, von denen im Begleittext die Rede ist. Nicht nur dieser Song, der sich wunderbar in einem epischen Film während einer Autofahrt machen würde, könnte von seiner Stimmung her aus den frühen 80ern stammen. &#8220;Triptyques de Monarques Assis&#8221; beispielsweise klingt mit der entrückten Melodie seiner Synthietupfer und dem untergründigen Basswummern wie das Echo einer tränennassen Neondisko. In diesem Szenario dringt eine eindringliche, ernsthafte Rezitation an den vorderen Bühnenrand und reklamiert alle Aufmerksamkeit für seine bedeutsam anmutende Geschichte, während im Hintergrund allerhand kleine Details wechseln und sogar ein paar Gitarrentwangs das Ganze für Sekunden in einen amerikanischen Roadmovie verwandeln.</p>
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<p>&#8220;Cloaque et Empire&#8221; klingt, als hätten Suicides &#8220;Ghostrider&#8221; und Throbbing Gristles &#8220;United&#8221; ein Baby gezeugt und es anschließend radioaktiven Strahlen ausgesetzt. Hält man diesen Song, in dem Grey, eigentlich mit einer soliden Tenorstimme ausgestattet, wie ein Brummbär Schimpfwörter zum besten gibt, für den Höhepunkt des Albums, so wird man von den folgenden Stücken nochmal eines Besseren belehrt. Das garantiert auf Freuds <em>Totem und Tabu </em>anspielende &#8220;Totem et Tas Mou&#8221; ist trotz der irgendwann einsetzenden rauen E-Gitarre, die dem Ganzen einen Touch der Velvets gibt, der poppigste Song das Albums und mit Nicks virtuosem Crooning irgendwo zwischen Chanson und einem radiotauglichen Pop der 80er vielleicht das einzige Liebeslied der Eglise. &#8220;Cadaverologie du Couple&#8221; dagegen präsentiert das Duo von seiner kraftvollsten Seite und hätte mit seinen über elf Minuten Spieldauer eine EP für sich allein reklamieren können: Vor der Kulisse hypnotisch federnder Takte und repetitiver, an den Nerven zerrender Riffs kämpft sich Nick wie ein in allen Stimmungsnuancen versiererter Theatermacher durch eine dramatische Abfolge von Paragrafen, mit denen ein anscheinend psychopathisches Paar im Text seine Trennung vollzieht. Gerade hier würde ein besserer Einblick in die sprachliche Seite sicher noch einiges zutragen, aber letztlich funktioniert der Song auch so. Den versöhnlich klingenden Abspann, den das skurril betitelte &#8220;Rapport Eschatologique d&#8217;un Weekend de Life Coaching en Haute Montagne&#8221; mit seinen Glöckchen und den semi-orchestralen Synthies und Gitarrentwangs bildet, haben sich Band und Hörer nach so viel Drama durchweg verdient.</p>
<p>Auch wenn &#8220;Le Peintre du Soir&#8221; durchaus so etwas wie die Frische eines Debüts hat, erscheint es nach mehrmaligem Hören doch gerade aufgrund seines Reichtums an Ideen und auch Referenzen als ein reifes Werk, das regelrecht danach geschrien haben muss, in die Welt gesetzt zu werden. Fast wirkt es, als fänden hier einige Stationen der französischen Kultur- und Geistesgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, die irgendwann an den Klischees ihrer selbsternannten Apostel niedergegangen sind &#8211; die mal surrealistisch, mal strukturalistisch eingefärbten Gesellschaftsbetrachtungen von Bataille bis Althusser (dem Würger von Paris), der anarchischen und gleichsam katholisch eingefärbten Freudrezeption Lacan&#8217;scher Prägung, der sensiblen Beziehungsanalysen in Filmen, die nicht immer so geschwätzig sein müssen wie die Eric Rohmers, und natürlich eine speziell französische Ausprägung von Pop und Wave &#8211; ihre furiose, durchaus mahnende Wiedergeburt im lachhaften Zeitalter vom TikTok, Persönlichkeitscoaching und sonstiger Pseudospiritualität.</p>
<p>Natürlich wirkt es abgedroschen, wenn man nun seiner Hoffnung Ausdruck gibt, dass bis zum dritten Album etwas weniger Zeit verstreichen möge, doch angesichts einer solch mitreißenden Musik darf man als Rezensent gerne auch abgedroschen sein. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://linktr.ee/peristaltique">Les Disques de l’Empire</a></strong></p>
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		<title>Alexandre: Comeback von L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Oct 2023 09:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Charles Pietri]]></category>
		<category><![CDATA[L'Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé]]></category>
		<category><![CDATA[Nick Grey]]></category>

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		<description><![CDATA[Das französische Duo L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé, das 2002 ein einziges seltbstbetiteltes Album bei Brume Records herausbrachte, kündet für das kommende Jahr einen neuen Longplayer an, der an den zwischen Cold Wave und elektronischem Pop angesiedelten Stil des Vorgängers &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/10/30/alexandre-comeback-von-leglise-du-mouvement-peristaltique-inverse/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das französische Duo L&#8217;Eglise du Mouvement Péristaltique Inversé, das <a href="https://www.discogs.com/de/release/401689-LEglise-Du-Mouvement-P%C3%A9ristaltique-Invers%C3%A9-LEglise-du-Mouvement-P%C3%A9ristaltique-Invers%C3%A9">2002 ein einziges seltbstbetiteltes Album bei Brume Records </a>herausbrachte, kündet für das kommende Jahr einen neuen Longplayer an, der an den zwischen Cold Wave und elektronischem Pop angesiedelten Stil des Vorgängers &#8211; und eventuell auch an dessen dadaistisch-schalkhaften Humor &#8211; anknüpfen wird. Die erste Single-Auskopplung &#8220;Alexandre&#8221; ist bereits auf den gängigen Streaming-Plattformen erschienen. Die Kirche der umgekehrten Verdauungsbewegung, wie das nach einer interessanten Idee von Alchemie benannte Projekt auf deutsch heißen würde, operiert internistisch von Monaco und Lyon aus und besteht in der Hauptsache aus dem Gitarristen Charles Pietri und dem Sänger und Producer Nicolai Grey, der in der Zwischenzeit nicht wenige Soloalben, Kollaborationen und v.a. zwei Alben seiner Combo Nick Grey and the Random Orchestra herausgebracht hat &#8211; <a title="NICK GREY AND THE RANDOM ORCHESTRA: You’re Mine Again" href="http://africanpaper.com/2014/07/26/nick-grey-and-the-random-orchestra-youre-mine-again/">&#8220;You&#8217;re Mine Again&#8221;</a> und <a title="NICK GREY AND THE RANDOM ORCHESTRA: Breaker of Ships" href="http://africanpaper.com/2015/06/27/nick-grey-and-the-random-orchestra-breaker-of-ships/">&#8220;Breaker of Ships&#8221; </a>wurden <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/09/alexandre.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-37470" title="alexandre" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/09/alexandre.jpg" alt="" width="596" height="588" /></a><span id="more-37469"></span></p>
<p>seinerzeit auf unseren Seiten besprochen und in einem ausführlichen <a title="I do not tolerate bitterness in my music. An interview with Nick Grey" href="http://africanpaper.com/2015/06/20/i-do-not-tolerate-bitterness-in-my-music-an-interview-with-nick-grey/">Interview</a> diskutiert. Ihr kommendes Album beschreiben die beiden als &#8220;mal traumhafte, mal realitätsnahe Erkundung des Spektrums menschlicher Emotionen&#8221;, als &#8220;Reise ins Innere des menschlichen Geistes undins Äußere der sozialen Bindungen unserer Zeit&#8221;, bei der die Geister von Personen wie Marguerite Duras, Angelo Badalamenti, Georges Bataille und Jacques Lacan beschworen werden. Auch für den Mix und das Mastering wurden vielversprechende Größen &#8211; Ian Caple (Alain Bashung, Tricky) und Jean-Pierre Chalbos (Jean-Louis Murat, M83) &#8211; beschworen. Das bereits veröffentlichte &#8220;Alexandre&#8221; ist die Quadratur des Kreises einer kraftvollen Kopfhängerballade im Midtempo zwischen Cold Wave und dunklem Rock, dessen nurleicht melodisch angehauchte Spoken Words einen nocturnalen Thriller entstehen lasen, bei dessen dunklen bewegten Bildern nie vollends klar wird, ob es sich vielleicht um einen Trickfilm handelt. Die Single erscheint mit Artwork von der Malerin Lysandre Cottret.</p>
<p><a href="https://linktr.ee/peristaltique?fbclid=IwAR0HpwaZsKfG66o7_K-xfuXlAdn6St37QiJySORD90hiSGXoMt6KbHbSg0g"><strong>@ Linktree</strong></a></p>
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