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	<title>African Paper &#187; Palace Brothers</title>
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		<title>THREE QUEENS IN MOURNING / BONNIE &#8216;PRINCE&#8217; BILLY: Hello Sorrow Hello Joy</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Aug 2020 06:59:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als im vorigen Jahr unter dem Titel &#8220;Songs of Love and Horror&#8221; das erste Textbuch von Will Oldham alias Bonnie &#8216;Prince&#8217; Billy herauskam, hatten Jill O&#8217;Sullivan, Alasdair Roberts und Alex Neilson die spontane Idee, ausgewählte Stücke daraus neu zu interpretieren &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2020/08/08/three-queens-in-mourning-bonnie-prince-billy-hello-sorrow-hello-joy/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/threequeensinmourning.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-21774" title="threequeensinmourning" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/threequeensinmourning-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als im vorigen Jahr unter dem Titel &#8220;Songs of Love and Horror&#8221; das erste Textbuch von Will Oldham alias Bonnie &#8216;Prince&#8217; Billy herauskam, hatten Jill O&#8217;Sullivan, Alasdair Roberts und Alex Neilson die spontane Idee, ausgewählte Stücke daraus neu zu interpretieren und gründeten dazu die wahrscheinlich einmalige Band Three Queens in Mourning, benannt nach einem berühmten Foto von der Beerdigung des englischen Königs George VI &#8211; dort wurden dessen Mutter, Frau und Tochter gezeigt, die alle<span id="more-21773"></span> Königin von England waren, sind oder einmal werden sollten. Der lockige Prinz bedankte sich und coverte je einen Song der beteiligten Musiker und steuerte als Bonus noch ein bisher unbekannten Lied bei.</p>
<p>Coverversionen von Oldhams Songs gibt es mittlerweile einige, doch die drei in Schottland lebenden Musiker sind nicht bloß Fans, sondern alte Freunde und Mitstreiter des kauzigen Barden aus Kentucky. Dieser nahm 2012 zusammen mit Neilsons Band Trembling Bells das gefeierte Album <a href="http://africanpaper.com/2012/05/26/trembling-bells-feat-bonnie-prince-billy-the-marble-downs/">&#8220;The Marble Downs&#8221;</a> auf, ein weiterer gegenseitiger Bezugspunkt ist die sich personell immer wieder neu erfindende Band Current 93. Während Oldham dort einige Gastauftritte als Sänger hinlegte, spielte Neilson über Jahre und auf mehreren ihrer Alben Schlagzeug, Roberts dagegen ist der aktuelle Gitarrist der Band. Es ist nicht auszuschließen, dass man sich dort erst näher kennelernte.</p>
<p>Obwohl so quasi ein Album des Trios und eine EP vom Meister selbst vorliegen, passt das Material, was Sound und Stil angeht, recht gut zusammen, und schon beim ersten Track &#8220;Stablemate&#8221;, das mit Frontfrau O&#8217;Sullivan (die sich Jill Lorean nennt und von der Band Sparrow and the Workshop her bekannt ist) zu einem kraftvoll hypnotischen Folkrocksong wurde. Da ihre klare Stimme den einen oder anderen sicher an Jacqui McShee (Pentangle) erinnert, entfalten die primär von ihr gesungenen Tracks &#8211; so das rührende &#8220;Tonight&#8217;s Decision&#8221; &#8211; schnell einen ganz eigenen Charakter, und nicht nur deshalb wird das bekannte &#8220;Madeline Mary&#8221; zu einem kratzigen Folkrockstück, das dem etwas filigraner anmutenden Original kaum nachsteht. Überhaupt zählen die Interpretationen der beliebtesten Stücke Oldhams zu den Höhepunkten der Sammlung, großartig ist z.B. das als Duett zwischen Roberts und Neilson interpretierte Titelstück der &#8220;I See a Darkness&#8221;, einem Album, mit dem Oldham Mitte der 90er erstmals eine größere Hörerschaft erreichte.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/bonnieprincebilly.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-21775" title="bonnieprincebilly" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/bonnieprincebilly-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Neilson verpasst den von ihm gesungenen Stücken eine eigene herbe Handschrift durch seine ungekünstelte Stimme, &#8220;Lost Blues&#8221;, das auch sehr sein von The Directing Hand, Trembling Bells und einigen Current 93-Alben her bekannte verspielte Drumming heraushören lässt, zählt zu seinen größten Momenten. Roberts dagegen gibt einigen der Songs eine ganz eigene Traurigkeit, &#8220;No More Warehouse Blues&#8221; und das besinnliche &#8220;Christmas in the Mountains&#8221; könnten Stücke seiner weniger üppig instrumentierten Alben sein. Den &#8220;Ohio Boat River Song&#8221;, der auf dem schottischen Traditional &#8220;Loch Tay Boat Song&#8221; basiert und von Oldham 1993 noch unter dem Namen Palace Brothers gecovert wurde, holen die drei im mehrstimmigen Gesang quasi heim.</p>
<p>Oldham selbst verleiht Roberts&#8217; &#8220;Coral and Tar&#8221;, das in anrührenden Vergleichen mit der Stabilität verschiedener Bäume die menschliche Schwäche und den Wunsch nach Liebe besingt, einen leichten Country-Touch. Der intensive Vortrag macht &#8220;Coward Song&#8221;, einen Walzer aus Neilsons Soloalbum &#8220;Andromeda&#8221;, so überzeugend, dass man es für ein Original halten könnte. Von Jills Geisterballade &#8220;Dead Man&#8221; legt er eine drängende, fast schmissige Version vor. Mit dem Bonusstück &#8220;Wild Dandelion&#8221; allerdings zaubert Oldham den größten Hasen aus seinem Hut: Die heitere Revuenummer mit Honkytonk-Flair könnte problemlos ein Hit auf einem seiner Alben sein, der schalkhaft-ironische Text über ein nacktes Gänseblümchen ist mindestens so schlüpfrig wie das verführerische Pflänzchen in Döblins <em>Die Ermordung einer Butterblume</em>. Wollen wir mal hoffen, dass ihm das niemand ankreidet, man weiß ja nie.</p>
<p>Gute Coverversionen gelingen bekanntlich nicht jedem, aber bei den vier Beteiligten dieser Back to Back-Veröffentlichung ist die Nähe der Musiker zueinander in jedem Song zu spüren. Statt einer Fortsetzung wäre ein komplett neues Album mit allen Beteiligten eine tolle Überraschung. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Textile Records / A-Musik</strong></p>
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		<title>WILL OLDHAM: Songs of Love and Horror</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Nov 2018 07:46:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In einer früheren Rezension schrieb ich einmal, dass Will Oldham alias Bonnie Prince Billy ein solch starkes emotionales Charisma hat, dass er auch einen simplen Satz wie &#8220;I Love You&#8221; singen könnte, ohne dabei abgedroschen zu wirken, und mit &#8220;I &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/11/03/will-oldham-songs-of-love-and-horror/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/10/willoldhamsongsofloveofhorroralbum.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-16618" title="willoldhamsongsofloveofhorroralbum" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/10/willoldhamsongsofloveofhorroralbum-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In einer früheren Rezension schrieb ich einmal, dass Will Oldham alias Bonnie Prince Billy ein solch starkes emotionales Charisma hat, dass er auch einen simplen Satz wie &#8220;I Love You&#8221; singen könnte, ohne dabei abgedroschen zu wirken, und mit &#8220;I Gave You&#8221; schrieb er einen der erschütterndsten Songs über das Scheitern in der Liebe überhaupt. Schon an diesem Beispiel lässt sich aufzeigen, wie plötzlich sich in seinen Liedern bisweilen der Abgrund auftut. Dass er sein gerade erschienenes Zwischenresümee<span id="more-16617"></span> &#8211; ein Buch mit seinen gesamten Lyrics und eine CD mit neuen Versionen diverser Songs aus den letzten 25 Jahren, die auch separat erscheint &#8211; &#8220;Songs of Love and Horror&#8221; nennt, wirkt nicht nur passend, sondern führt sein Songwriting auch auf zwei wesentliche Eckpunkte seines künstlerischen Interesses zurück.</p>
<p>Man kann die Sammlung schlecht als Best-of bezeichnen, denn Oldham hat im Laufe seiner Karriere nur wenige &#8220;Hits&#8221; produziert, die aus dem Zusammenhang herausstechen und allgemein bekannt sind. Etwas spekulativ würde ich vermuten, dass er die Songs nicht nur nach persönlichen Vorlieben, sondern auch danach auswählte, wie repräsentativ sie ihm für sein Songwriting erscheinen. Dabei hat er sich einmal mehr an das ganz Einfache herangewagt und die in unterschiedlicher Opulenz gestalteten Originale auf Stimme, Gitarre und in einem Fall Pfeifen reduziert.</p>
<p>Durch das homogene Klanggewand und eine schwer greifbare stimmungsmäßige Gemeinsamkeit hat die Sammlung durchaus etwas von einem Album &#8211; mit der emotionalen Zwiespältigkeit als Klammer, wobei bei manchen Songs das Dunkle, mitunter Tragische besonders heraussticht. So z.B. bei &#8220;I See a Darkness&#8221;, und womit hätte man eine solche Compilation auch besser einleiten können als mit diesem vielleicht bekanntesten Bonnie Prince Billy-Song vom gleichnamigen Album, das seinen Klassikerstatus auch der Interpretation von Johnny Cash verdankt. Hier ringt ein hin und her gerissenes Ich mit der Kehrseite seiner Hoffnung und schwankt bekenntnishaft zwischen genügsamer Resignation und einer Auflehnung, die im Wunsch nach Erlösung besteht. Vor einigen Jahren hat Oldham eine tanzbare Version des Songs herausgebracht, die von einigen als ironisch aufgefasst wurde. Bei dem intimen Setting der Akustikversion, bei der der Sänger seine schwermütigen Verse wie direkt neben einem sitzend vorbringt, wird das wohl nicht passieren.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/10/willoldhamsongsofloveofhorrorbook.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-16619" title="willoldhamsongsofloveofhorrorbook" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/10/willoldhamsongsofloveofhorrorbook-675x1024.jpg" alt="" width="584" height="885" /></a></p>
<p>In einigen seiner Songs treibt Oldham die bescheidene Abgeklärtheit, der jede Bitterkeit fern ist, so weit, dass eine fast verbummelte Atmosphäre aufkommt, eine entspanntes Driften, wie es vor aller anderen Folkmusik v.a. in der Americana funktioniert, so in den simplen Versen und Melodiefolgen von &#8220;Only Someone Running&#8221; oder im fast heiteren Fingerstyle in &#8220;Ohio River Boat Song&#8221;. Die meisten Stücke jedoch haben die Aura unverblümter Bekenntnisse, in denen kleine Aufgewühltheiten in die Tonfolgen dringen und die Tragik der Geschichten über verpasste Chancen und verspielte Freundschaften (&#8220;So Far and here we go&#8221;) oder das Zurücklassen wichtiger Menschen (&#8220;Most People&#8221;) untermauern. Wie Bonustracks wirken dagegen die A cappella-Interpretation von Richard und Linda Thompsons “Strange Affair” und das live in &#8220;authentischer&#8221; Qualität aufgenommene “Party With Marty (Abstract Blues)&#8221;.</p>
<p>Hier und da vermisst man die etwas üppigere Instrumentierung der ursprünglichen Aufnahmen, doch wer das vor drei Jahren im Eigenlabel erschienene unbetitelte Bonnie Prince Billy-Album kennt oder überhaupt Klassiker wie &#8220;Black&#8221;, der weiß, wie gut sich Oldhams Songwriting auch mit reduziertesten Mitteln verträgt, und der stellenweise sehr eigene Charakter der Aufnahmen gibt der Sammlung ihre Relevanz. Das Buch ist jüngst im Verlag W.W.Norton erschienen, die CD bei den üblichen Verdächtigen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.domino.com">Domino</a> / <a href="http://dragcity.com">Drag City</a></strong></p>
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		<title>BONNIE &#8216;PRINCE&#8217; BILLY: Singer&#8217;s Grave A Sea Of Tongues</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Sep 2014 06:27:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oberflächlich betrachtet kann man Will Oldhams Werdegang als eine Entwicklung vom minimal instrumentierten Lofi-Dilettantismus hin zu einem opulenten und virtuosen Bandsound interpretieren – um dann vielleicht noch die Einschränkung hinzuzufügen, dass sich diese Entwicklung nicht vollkommen linear vollzieht. In Wirklichkeit &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/09/20/bonnie-prince-billy-singers-grave-a-sea-of-tongues/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/bpbsingersgraveaseaoftongues.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9302" title="bpbsingersgraveaseaoftongues" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/bpbsingersgraveaseaoftongues-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Oberflächlich betrachtet kann man Will Oldhams Werdegang als eine Entwicklung vom minimal instrumentierten Lofi-Dilettantismus hin zu einem opulenten und virtuosen Bandsound interpretieren – um dann vielleicht noch die Einschränkung hinzuzufügen, dass sich diese Entwicklung nicht vollkommen linear vollzieht. In Wirklichkeit sind die beiden Gestaltungsweisen seiner Musik, der Purismus und das virtuose Zusammenspiel mit anderen professionellen Musikern, so stark ineinander verzahnt, dass es bei genauerem Hinsehen problematisch ist, sie einfach auf unterschiedliche Werkphasen zu verteilen. <span id="more-9301"></span><a title="BONNIE ‘PRINCE’ BILLY: s/t" href="http://africanpaper.com/2014/05/31/bonnie-prince-billy-st/">Sein erst vor ein paar Monaten im Eigenverlag erschienenes unbetiteltes Album</a> war mehr als ein bloser Beleg dafür, dass Bonnie, wenn er will, immer noch wie Palace Brothers klingen kann. Es machte auf irritierende Art klar, dass dieser obskure, eigenbrötlerische Oldham immer noch der eigentliche ist, denn es setzte musikalische und emotionale Aspekte ins Zentrum, die auch unter der Oberfläche der elaborierteren Alben der letzten Jahre durchgehend zu finden sind. Dass es wohl auf alle Zeit dasjenige Album sein wird, dass kaum jemand kennt, ist Teil der künstlerischen Aussage.</p>
<p>Weniger radikal, war auch schon sein 2011er Album &#8220;Wolfroy Goes To Town&#8221; ein Versuch, seine Erfahrung als Songwriter und Kollaborateur mit dem DIY-Anspruch der frühen Jahre zu verbinden, im Vergleich zu anderen Aufnahmen aus der Zeit wirkte es weniger wie ein Wink zurück, sondern wie ein missing link zwischen einst und jetzt, der eines deutlich machte: Im Zentrum von Oldhams Musik steht kein bestimmtes Band- oder Soundkonzept sondern die stets neu ins Werk gesetzte spirituelle Suche des lyrischen ich. In dem bald erscheinenden Remake &#8220;Singer&#8217;s Grave A Sea Of Tongues&#8221; exerzieren Oldham und ein üppiges Ensemble erstmals die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen beiden Herangehensweisen am lebenden Objekt durch.</p>
<p>Dass der Begriff Remake auch Arbeiten bezeichnen kann, die nicht sklavisch am Original kleben, belegt schon die Filmgeschichte (wo es freilich auch Gus Van Sants transferfreie „Psycho“-Version im 90er-Jahre-Gewand gibt), und so sind „Wolfroy“ und „Singer&#8217;s Grave“ durchaus verschiedene Alben, bei denen die Reihenfolge der neuinterpretierten Stücke fast konsequent nach links gedreht wurde, und die Trackliste sich auch nicht deckt – einige Stücke des Originals wurden weggelassen, neue kamen hinzu. Interessant und löblich ist Oldhams Entscheidung, nicht auf pralle Kontraste zu setzen, sondern den in Tempo und Fülle veränderten Songs ihre luftigen Stellen zu lassen. „Night Noises“ gerät mit der Slide Guitar von Paul Niehaus zu einem idealen Song für einen entspannten Roadmovie, dessen friedvolle Atmosphäre jedoch merklich trügt. Ob das nur am Titel liegt, an einigen Keywords im Text? Vielleicht ist es auch einmal mehr Oldhams brüchig-fragile Stimme, die im Kontext der sauberen Produktion verdeutlicht, wie wenig „designbar“ sie ist, wie sehr sie immer ein kollagenhaft eingefügtes Element sein muss, sobald musikalische Elemente, die über Oldham selbst hinausgehen, den Rahmen bilden.</p>
<p>Es gibt Songs, bei denen das prizipiell etwas aufgewecktere Klangbild den mystischen Grundtenor etwas herunterschraubt, doch man muss dazu sagen, dass das für Oldhamverhältnisse gilt, und bei dem leicht beschwingten „So Far and here we are“ weiß die Band das mit forschen E-Gitarren auszugleichen. Während neue Stücke wie die revueartige Gospelnummer „Mindlessness“ einem netten Bonus gleichkommen, beliben die Höhepunkte des Originals auch die des Remakes – der bitterdirekte Banjofolk in „We are unhappy“ hat nichts von seiner brüchigkeit verloren, an keiner Stelle wirkt Oldmans Gesang improvisierter und ehrlicher als hier, und „Quails and Dumplings“ mit seinen chansonartigen Versenden ist nicht weniger nachtlichtern als seine urspüngliche Version. Werden wir einst für unser Leiden entlohnt, fragt der Sänger? Dass es bei der Frage bleibt, mag ein wesentlicher Antrieb in Oldhams unermüdlichen Schaffen sein.</p>
<p>Dass ich eher die noch am wenigsten fülligen Stücke hervorhebe, lässt anklingen, dass mir der einsam improvisierende Oldham nach wie vor der Liebere ist. Genau dem lässt „Singer&#8217;s Grave“ jedoch genug Raum, und Produzent Mark Nevers (Lambchop, Silver Jews) gebührt eine Hervorhebung für den dezenten Feinschliff. Ich möchte mich nicht mit der Frage aufhalten, wie sinnvoll oder verzichtbar eine solche Überarbeitung sein mag – Oldham ist nicht gerade als Ramschproduzent bekannt, und niemand muss alle Veröffentlichungen eines Künstlers besitzen. Neueinsteigern empfehle ich für den Anfang eher das Remake, von dem man sich anschließend in die Tiefe des noch ungeschliffeneren Originals hineinwagen kann.</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.dominorecordco.de">Domino</a></strong></p>
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		<title>BONNIE &#8216;PRINCE&#8217; BILLY: s/t</title>
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		<pubDate>Sat, 31 May 2014 06:18:10 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/05/bpbst.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8865" title="bpbst" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/05/bpbst-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Bonnie &#8216;Prince&#8217; Billys selbstbetiteltes Album hat zwar schon ein paar Monate auf dem Buckel, verdient aber schon deshalb noch immer Erwähnung, weil es mehr als alle anderen Lebenszeichen des Sängers übergangen und in den Chroniken vermutlich einmal als obskure Randerscheinung geführt werden wird. Oldham brachte es letzten Herbst im Eigenverlag heraus, und die größte Werbung, die dafür gemacht wurde, bestand in der Vinylversion, die relativ unkommentiert auf den Merchandise-Tischen der jüngsten Tour auslag. Interessant ist es auch deshalb, weil es, wie nicht unüblich bei<span id="more-8864"></span> selbstbetitelten Werken Jahre nach dem Debüt, auch musikalisch einen markanten Bruch darstellt.</p>
<p>Man muss die meist opulent gestalteten Arbeiten der letzten Jahre, die oft in Kollaboration mit anderen renomierten Musikern (The Cairo Gang, Trembling Bells, Dawn McCarthy) entstanden sind, bei weitem nicht als Ausverkauf und Publikumsanbiederung abtun, denn Oldham zählt zu denen, die auch im eingängigen Klanggewand ihre eigenwillige Würde zu wahren wissen. In all diesen Arbeiten, auch den Coveralben, ist ein Grundmoment enthalten, dass sich seit den Anfängen mit Palace Brothers nie verloren hat, auch wenn es unter dem dichten Klang virtuos gespielter Instrumente und den manchmal etwas gefälligen Melodien versteckt liegt: eine fragile, zerbrechliche Einfachheit, eine Indifferenz gegenüber jeder kompositorischen Akuratesse, die doch nie ins Beliebige kippt, und nicht zuletzt ein Händchen für Worte, die oft im Nebensatz Abgründe passieren, als wären sie das Gewöhnlichste der Welt. Auf dem vorliegenden Album stellt Oldham all dies wieder ins Zentrum, verzichtet auf jedes kleidende Beiwerk und agiert seit Jahren erstmals wieder im eigentlichen Sinne solo. Dass er dies beinahe heimlich macht, legt umso mehr nahe, dass die urtümlich intime Seite als halb versteckter Urgrund verstanden werden will.</p>
<p>Was in den unverquasten Songs besonders zutage tritt, ist die sehr persönlich gehaltene kontemplative Note, die in einigen Textzeilen in unverhohlenen Pessimismus kippt. Der bessere Ort ist immer die Utopie, liegt fern oder ist gänzlich illusionär, so wie die Liebe, die stets zu Sterben verdammt ist &#8211; so in etwa verkündet es das fazitartige „Royal Quiet Deluxe“ zum Ende des Albums. Und doch wird ein merkwürdiges „Trotzdem“ angehängt, das sein Substrat in dem spirituellen Grundtenor hat, der das Album ebenso prägt. So lakonisch die Texte anmuten, bleiben sie doch oft rätselhaft, deuten ihre Themen eher an, als sie poetisch klar auszuarbeiten.</p>
<p>In „Bad Man“ wird man Zeuge einer furiosen Selbstanklage, doch klingt die darin enthaltene Warnung an ein Gegenüber wie eine Liebeserklärung. Auch musikalisch erscheint der Song mir als das Herzstück des Albums &#8211; vielleicht weil seine unscheinbare Melodie zu den großartigsten in Oldhams Werk zählt und weil das Gitarrenpicking mit seinen quietschenden Saiten den ganzen Bogen von frühen Palace Brothers zu Alben wie „I see a Darkness“ spannt, auf dem es einen Platz neben Songs wie „Black“ gefunden hätte. Neben ähnlich gearteten Songs, die zwischen Resignation und dem Licht am Tunnelende schwanken („I Will be Born Again“) kommen durlastige, verträumte Balladen zu Wort, ironisch gefärbte Liebeslieder („Triumph of Will“) und skurrile, doppelbödige Anekdoten („The Spotted Pig“).</p>
<p>Am Ende bleibt der Eindruck, dass hier eines der persönlichsten Bonnie &#8216;Prince&#8217; Billy-Werke vorliegt, dessen Unscheinbarkeit (im doppelten Sinne) Programm ist, denn in den simplen Versen und Melodien verschafft sich ein Ringen mit großen Themen Ausdruck, mit den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Liebe und Trennung und den Fragen nach Tod und Unsterblichkeit. Vielleicht ist der trocken-tiefgründige Oldham einer der wenigen Sänger, bei denen mal mal einen vagen Kafkavergleich anstellen darf, ohne sich vollends zu blamieren. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://royalstablemusic.com/">Royal Stable Music</a><br />
</strong></p>
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		<title>TREMBLING BELLS &amp; BONNIE &#8216;PRINCE&#8217; BILLY: The Marble Downs</title>
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		<pubDate>Sat, 26 May 2012 05:35:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Duette zwischen Sängerinnen und Sängern sind wahrscheinlich so alt wie die Musik selbst. Im Pop hat sich dabei besonders das Schema „böser Bube, nettes Mädchen“ bewährt, bei dem ein verwegenes Raubein seine Prinzessin umgarnt und dabei in charakterisierender Stimmlagenverteilung zum &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/05/26/trembling-bells-feat-bonnie-prince-billy-the-marble-downs/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/05/themarbledowns.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4489" title="themarbledowns" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/05/themarbledowns-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Duette zwischen Sängerinnen und Sängern sind wahrscheinlich so alt wie die Musik selbst. Im Pop hat sich dabei besonders das Schema „böser Bube, nettes Mädchen“ bewährt, bei dem ein verwegenes Raubein seine Prinzessin umgarnt und dabei in charakterisierender Stimmlagenverteilung zum Ziel kommt oder auch nicht. Carter und Cash, Birkin und Gainsbourg, Campbell und Lanegan, you name it. Eine weitere, meist komödiantische, manchmal auch tragikomische Spielart davon inszeniert Kappeleien schon bestehender Paare. In nicht wenigen Fällen scheitert der männliche Part in seinen eitlen Bemühungen und wird<span id="more-4487"></span> von der Duettpartnerin abserviert, entweder in Form eines ätzenden Korbes, eines gepfefferten Laufpasses oder eben einer lebenslangen Karriere als belächelter Pantoffelheld, der sich im äußersten Fall nicht mal mehr losreißen kann. Anita Lane und Nick Cave haben in „Bedazzled“ die erste Variante mit beißender (Selbst-)Ironie inszeniert, Nancy Sinatra und Lee Hazlewood haben in Songs wie &#8220;Jackson&#8221; und &#8220;Big Red Balloon&#8221; das Pantoffelheldentum zu großem Slapstick heranreifen lassen.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;">Im jüngst erschienenen Album „The Marble Downs“ liefern sich der bekannte Will Oldham alias Bonnie &#8216;Prince&#8217; Billy und Lavinia Blackwall, Sängerin der in Glasgow beheimateten Band Trembling Bells, ein paar großartige Wortschlachten solcher Art und lassen es bei dieser Qualität keineswegs bewenden, denn die Aufnahmen sind auch musikalisch äußerst gelungen. Eine wichtige Zusatzinformation impliziert schon die Anordnung der Interpreten auf dem Cover, denn es handelt sich bei „The Marble Downs“ nicht einfach um eine Bonnie &#8216;Prince&#8217; Billy-Platte mit neuer Begleitband. Die Trembling Bells entstammen einem musikalischen Biotop, dass sich irgendwann in Schottland und im Norden Englands herausbildete, und in dem traditionelle britische Musik einer Dekonstruktion unterzogen wird, die dem Wirken der ersten Freejazzer auf die afroamerikanische Musiktradition vergleichbar ist. Die Wurzeln dieses Millieus reichen bis in die 80er zurück. Traditionalisten wie Alasdair Roberts und Richard Youngs haben dieses Phänomen ebenso mitgeprägt wie der Musiker, Verleger und Autor David Keenan mit seinen avantgardistischen Projekten Taurpis Tula und Tight Meat. An denen wirkte auch der in Yorkshire geborene Alex Neilson mit, ein famoser Drummer, der außerhalb seiner schottischen Wahlheimat mit Größen wie Current 93, Baby Dee und Jandek zusammenarbeitet und daheim neben seinem (beinahe)-Soloprojekt Directing Hand eben auch die Trembling Bells ins Leben rief. Die spielen eine recht zugängliche Version zeitgemäßen Folkrocks und mussten auf Vergleiche mit allseits bekannten 60er Jahre-Größen nicht lange warten. Bei diversen Kollaborationen lernten sich Oldham und Neilson kennen, wurden Freunde, und nach einigen kleineren Projekten war dann der Grundstein zu „The Marble Downs“ gelegt. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;">Die Platte enthält Titel wie „I Made a Date (With an Open Vein)“, die man sich nur in einer in Whisky und schwarze Galle getauchten Tom Waits-Stimmung ausdenken kann. Die Musik, die sich dahinter verbirgt, ist so dramatisch wie ein guter Western, an den man bei Oldhams Stimme sowieso gerne denken mag, und überdies schon durch die bedeutungsschwere Kirchenorgel und die feierlichen Bläser mit viel tragikomischer Ironie durchzogen. Auf dem schmalen Grad zwischen Ergriffenheit und Galgenhumor wandernd, verweist hier auch Neilsons Songwriting immer wieder auf die Absurdität im Abgründigen. Kommen nun Beziehungen direkt vor, dann sind sie meist gerade am Auseinanderbrechen, wie im musicalartigen „I can tell you&#8217;re leaving“, in dem der männliche Part, wohl ein trinkfreudiger Taugenichts, mit Nachdruck in der Stimme um seine Chance fleht. Die zum gehen entschlossene Dame, die einen Mann und kein Baby will, bleibt hart, ihr Gegner bemitleidet sich ja schließlich schon selbst. Fast zum Rundum-Bashing des metrosexuellen Männerbildes wird in dem Kontext das Traditional „My Husband&#8217;s Got No Courage In Him“, das die beiden in wunderschönem A Capella-Gesang vortragen. Unerbittlichkeit und Lieblichkeit gehen in diesem einzigen echten Folksong des Albums Hand in Hand.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;">Alle eigenen Lyrics stammen aus der Feder Neilsons. Dass sie von einem Mann geschrieben wurden, mag für einige interessant sein, dass Sänger Oldham als Typ darüber hinaus weder in die klassische Machoschiene, noch in die des gelackten androgynen Beau passt, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Spannung und untermauert den inszenierten Charakter der Duette – ihre Geschichten haben etwas gewöhnliches und vertrautes, wirken aber an vielen Stellen wie Ausschnitte des Alltags einer fremdartigen Welt. Interessant ist vor allem auch das Zusammenwirken des gegensätzlichen Stimmpaares Oldham und Blackwall, denn hier trifft ein klassisch ausgebildeter und an Mittelaltermusik geschulter Sopran auf eine zwar ungewöhnliche, aber auch weitgehend naturbelassene Stimme, die sich im Grunde keiner Gesangstechnik bedient – glasklar versus brüchig, um es in gängiges Vokabular zu packen.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;">Musikalisch dominiert auf den meisten Songs der Rock über den Folk. Ausnahmen bilden – neben dem besagten Traditional – zwei weitere Adaptionen, nämlich eine fast kammermusikalische Dorothy Parker-Vertonung sowie das versöhnliche „Lord Bless All“, im Original von Bee Gee Robin Gibb (R.I.P.) und hier das Schlussstück mit einem letzten rasanten Spannungsbogen. Die dynamischen Rocknummern haben nicht selten einen Touch von gelöstem Sixties-Beat, dem bisweilen wie in „Ferrari in a Demolition Derby“ humorige Kirmesbläser beigemischt werden. Am meisten nach vorn prescht „Riding“, bei dem Oldham sich selbst covert, denn es ist ein Song der frühen Palace Brothers-Zeit. Unter treibenden Drums und kraftvollen Gitarrensoli wird der verzweifelt Liebende zum inzestuösen Untoten, die ebenfalls tote Sister Lisa zur einzig symbiotisch verfügbar zu machenden Frau.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;">Kurzum: Auf „The Marble Downs“ versteckt sich so mancher Abgrund, und dennoch ist es auf seine schwarzhumorige Art vor allem ein sehr unterhaltsames Werk. Zu hoffen bleibt zum einen, dass die Trembling Bells nun auch hierzulande über ihren Geheimtippstatus hinaus wahrgenommen werden, zum anderen, dass sie zusammen mit Oldham auch in Zukunft wieder gemeinsames aushecken werden. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman,serif;"><span style="font-size: small;"><strong>Label: <a href="http://www.honestjons.com/">Honest Jon&#8217;s </a></strong></span></span></p>
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