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	<title>African Paper &#187; Serge Gainsbourg</title>
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		<title>ABSTRACT NYMPHO: Static EP</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Jun 2019 05:22:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Spaciger englischer Hardrock, französische Schmonzetten, abgeklärte deutschsprachige Lyrik über die Vergänglichkeit all unserer Spuren: Wenn diese Dinge etwas vereint, dann dass sie nicht als erstes an rauen, dröhnenden Noiserock denken lassen. Diesen wiederum assoziiert man auch nicht gleich mit beschwörendem &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/06/08/abstract-nympho-static-ep/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/06/SA57_front.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17920" title="SA57_front" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/06/SA57_front-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Spaciger englischer Hardrock, französische Schmonzetten, abgeklärte deutschsprachige Lyrik über die Vergänglichkeit all unserer Spuren: Wenn diese Dinge etwas vereint, dann dass sie nicht als erstes an rauen, dröhnenden Noiserock denken lassen. Diesen wiederum assoziiert man auch nicht gleich mit beschwörendem weiblichen Gesang aus dem Fundus dessen, was man einmal versuchsweise Dreampop nannte. Hin und wieder gibt es aber zu einem Kreis die perfekt passende Quadratur, und die<span id="more-17919"></span> haben hier Abstract Nympho unter dem Titel &#8220;Static&#8221; ins Werk gesetzt.</p>
<p>Abstract Nympho ist ein noch junges Duo, das aus dem Producer Ghazi Barakat, bekannt unter dem Projektnamen Pharoah Chromium, und der Sängerin und Musikerin Rahel Preisser besteht, die ebenfalls schon an dem Projekt mitwirkte. Während <a href="http://africanpaper.com/2019/02/02/pharoah-chromium-jean-genet-quatre-heures-a-chatila/">Pharoah Chromium, dessen jüngste 7&#8243; auf dem Bericht Jean Genets über das Kriegsverbrechen im Flüchtlingslager Shatila basierte</a>, eine hörspielartige Form elektroakustischer Soundart spielt, ist der Stil des nach einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=SQNvuo3MK24">Chrome-Klassiker</a> benannten Duos dem Namen entsprechend zwar abstrakt, aber im weitesten Sinne doch eine verquere Art Pop.</p>
<p>Referenzen auf Werke außerhalb des eigenen Kosmos gibt es nicht nur im Bandnamen, und so beginnt die EP mit einem kreativen Hawkwind-Cover: Der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=D5UCYAErWuI">Spacerocksong &#8220;Silver Machine&#8221;</a> mit seinem dreckig-holprigen Sound wird in ein synthetisch dröhnendes Setting überführt, dessen monotone Bewegung nur von den sanft bearbeitete Tablas etwas aufgelockert, von Preissers unbeirrbar kühlem Gesang irgendwo zwischen Nico und Grace Slick jedoch nur noch untermauert wird. Wenn sie in diesem Stil &#8220;Do you want to ride?/See yourself going by/The other side of the sky/I&#8217;m in a silver machine&#8221; singt, scheint das Morbide des Trips noch deutlicher durch, und doch wirkt die Interpretation immer noch mehr wie eine Hommage als wie eine Dekonstruktion des Originals. In ähnlich starker Umdeutung greifen sie sich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8BRM8vTqFdo">Jane Birkins &#8220;Baby Alone in Babylon&#8221;</a> vor, denn aus der Schmonzette, bei der die Sängerin einen Text Gainsbourgs zu einer Melodie von Johannes Brahms hauchte, wird Hören mit Schmerzen, bei dem nur ein paar herausstechende Spoken Word-Tupfer das laute Zirpen und Rauschen unverortbarer Klänge durchbrechen. Höhepunkte an Unbehaglichkeit bieten allerdings die um Texte des Berliner Dichters <a href="http://www.lesecabinet.de/sites/scardanelli.html">Scardanelli</a> gebauten Tracks &#8220;Was warst du&#8221; und &#8220;Delirium&#8221;, das von dem kakophonen Interludium &#8220;Japanese Double Suicide&#8221; eingeleitet wird: Dunkler, destruktiver Symbolismus der Vergänglichkeit und der kosmischen Fatalität werden von einem abgründigen Sound aus dilirierenden Bläsern wie von Flutwellen vorangetrieben, und bisweilen erinnert die Musik an eine beatlose Form des späten Krautrock, bevor er im deutschen New Wave sein Nachleben fand.</p>
<p>In den repetitiven Mustern der fünf Tracks schlummert eine unbeirrbare Fatalität, die überraschenderweise kaum mit der verspielt-neugieringen Herangehensweise beim Rückgriff auf diverse Orte der Pop- und Subkultur aneinandergerät, und die wohl am ehesten den Titel &#8220;Static&#8221; rechtfertigt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://staticagemusik.bandcamp.com/">Static Age Records</a><br />
</strong></p>
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		<title>THE INVISIBLE HANDS: Teslam</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Dec 2014 00:25:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/11/theinvisiblehandsteslam.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9642" title="theinvisiblehandsteslam" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/11/theinvisiblehandsteslam-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit den Sun City Girls brachte Alan Bishop Punkattitüde mit Improvisationsgeist und der Lust an echter und gefaketer Archaik aus vielen Teilen der Welt unter einen Hut, wobei neben amerikanischen und arabischen Einflüssen (die Gebrüder Bishop sind Amerikaner mit libanesischen Roots) vor allem afrikanische und ostasiatische Traditionen von Interesse waren. Bei der Vielzahl der auch nach dem Tod des Drummers und dem Ende der Band immer noch regelmäßig erscheinenden Releases wurde nicht nur mit dem Vorurteil gebrochen, dass Quantität<span id="more-9641"></span> für Qualität hinderlich sei. Auch wurde deutlich, dass verquere Bricolagenklänge von dadaistischer Dunkelheit nicht immer schwer verdaulich klingen müssen.</p>
<p>Vor kurzem legte Bishop mit seiner aktuellen Band The Invisible Hands sein bis dato vielleicht eingängigstes Werk vor. „Teslam“ wurde wie schon das Banddebüt in Bishops Wahlheimat Kairo eingespielt, zusammen mit lokalen Musikern, deren harter Kern längst mit dem Frontmann zu einer festen Gruppe verwachsen ist. Wer beim Lineup (und auch angesichts der auf <a href="http://www.discogs.com/label/52340-Sublime-Frequencies">Sublime Frequencies</a> dokumentierten Passion Bishops sowohl für „seriöse“ traditionelle Musik als auch für schräge Exotica) Orientalisches erwartet, könnte nun einmal mehr überrascht sein über den regionenübergreifenden Sound der Platte. Zwar sind regionale Instrumente zu hören, doch diese sind recht sparsam in ein Klangbild integriert, das eine große Leidenschaft für Rock, Beat und einen Songwriter-Machismo der alten Schule offenbart.</p>
<p>„Slaughterhouse“, das mit einem vuvuzelaartigen Dröhnen beginnt und in einen kernigen Midtemporocksong mündet, klingt sehr amerikanisch und channelt einen Sound, für den man Bands wie The Red Krayola liebt. Wie in dem satten Hardrock von „Weasel Down“, der Schweineorgel in „Places“ und dem schrammeligen Rock&#8217;n'Roll vieler Stücke zeigt Bishop hier, dass er eine Qualität aus Sun City Girls-Zeiten bis heute bewart hat, nämlich den Mut zum gewagten Aneignen von Stilzitaten und eine dreiste Unerschrockenheit gegenüber abgenudelten musikalischen Schablonen, die stets mit Witz angegangen werden und von der Überzeugung künden, dass vieles eben tatsächlich früher besser war, und daran ändern auch keine noch so banalen Revivals etwas, und der Zahn der Zeit schon gar nicht. In dem Sinne sind die unsichtbaren Hände allenfalls Meta-Retro, und nirgendwo zeigt sich das so gut wie in Bishops stimmungsvollen Duettpasagen mit der Sängerin Aya Hemeda, bei denen man um keine Gainsbourg/Birkin-Vergleiche herumkommt.</p>
<p>Während Oud-Klänge und nordafrikanische Rhythmen zwischen all den Gitarrentwangs, den progressiven Orgelteppichen und dem Popappeal von Bishops Gesang eher gut dosiert zum Zuge kommen, ist das Kairo der letzten Jahre in den Texten allgegenwärtig. Jeder der Songs verströmt den Geist einer Metropole, die in der jüngeren Vergangenheit zwei politische Paradigmenwechsel durchlebt hat und letztlich in einer vielleicht noch Jahre andauernden Schwellensituation vor sich hinbrodeln wird, die man als Auswärtiger nur schwer einzuschätzen vermag. Die Invisible Hands vertonen aber viel mehr die kleinen alltäglichen slices of life, die zwischen den epochalen Ereignissen stattfinden, und gehen diese mit einer Menge an skurrilem Humor und slapstickhafter Ironie an. Der rebellische Geist, der darin spürbar ist, schlägt dann auch die Brücke zum Bandnamen, der nicht auf die ökonomische Heilslehre eines Adam Smith, sondern auf obskure Kairoer Street Artists verweist, die durch kryptische Symbole das Tagesgeschehen kommentieren und dabei nicht ganz einflusslos sind.</p>
<p>Ob es diese Stehaufmentalität ist, die zusammen mit der Frische der unverquasten Musik den Titel „Teslam“ passend erscheinen ließ? Das arabische Wort bedeutet Segen, allerdings im weniger mystischen Sinne wie das ähnlich übersetztbare Wort „Baraka“, es deutet darauf hin, das etwas unter einem guten Stern steht. So jedenfalls klingt die Musik, und das ist in jedem Fall eine gute Voraussetzung für die sich immer fester formierende Band.</p>
<p><strong>Label: Abduction</strong></p>
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		<title>MICK HARVEY: Intoxicated Man / Pink Elephants</title>
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		<pubDate>Sat, 03 May 2014 00:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/04/MickHarveyGainsbourg.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8641" title="MickHarveyGainsbourg" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/04/MickHarveyGainsbourg-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wenn englischsprachige Popmusik die am meisten exportierte ist, dann ist ihr französischsprachiges Pendant vielleicht die am meisten übersetzte. Der immer etwas ambivalente Versuch v.a. anglophoner Sänger, französischen Songs die Ehre zu erbieten und sie sich zugleich sprachlich anzueignen, brachte Resultate zustande, die auch als Cover längst zu Klassikern geworden sind, wobei interessant ist, dass immer ein Interesse an etwas älteren Aufnahmen bestand. Jeder kennt die Jacques Brel-Interpretationen von Scott Walker und Marc Almond, und Mick Harveys Versionen von Serge Gainsbourg-Songs stehen ihnen in nichts nach. Die Wiederveröffentlichung seiner beiden<span id="more-8640"></span> Tribute-CDs „Intoxicated Man“ (1995) und das aus Resten der gleichen Session kompilierte „Pink Elephants“ (1997) auf einer Doppel-CD erscheint in einer Zeit, in der Harvey ohnehin recht produktiv ist.</p>
<p>Harveys Coverversionen waren damals – einzelne Ausnahmen mag es gegeben haben – mit die ersten Übersetzungen von Gainsbourg-Songs überhaupt, und vielen jüngeren Hörern wurde der Franzose erst dadurch etwas bekannter. Der Legende nach soll Harvey, als ihm ein französischer Freund Anfang der 90er ein Mixtape u.a. mit Liedern von Gainsbourg schenkte, derart perplex über seine eigene Bildungslücke gewesen sein, dass er einen missionarischen Eifer entwickelte, einige der besten Songs des neuen Idols seinen Fans und am besten allen nicht-frankophonen Musikfreunden näher zu bringen.</p>
<p>Durchweg lobenswert sind die Versuche des Australiers, dabei seinem eigenen Stil treu zu bleiben, ohne die Originale zu sehr zu verbiegen. Zwangsläufig kann so etwas angesichts gewisser Unterschiede nur bedingt gelingen. Auf beiden Alben ist Harvey immer dann mehr in seinem Element, wenn er die getrageneren, balladesken Nummern interpretiert, während viele der beschwingteren Stücke wie Ausflüge in ungewohntes Terrain wirken. Darüber hinaus ist Gentleman Harvey mit seiner vornehmen Stimme nur bedingt in der Lage, die raubeinige Seite Gainsbourgs in vollem Umfang wiederzugeben, und die wenigen Versuche in diese Richtung wirken dann auch etwas aufgesetzt. All dies vorausgesetzt bieten die beiden Scheiben aber eine wechselhafte Sammlung großartiger Songs mit erfrischend unverblümten Texten. Man erkennt Harvey an einer ganzen Reihe an Merkmalen wieder: in den australischen Surftwangs beim Spoken Words-Stück „To all the lucky Kids“ („Aux Enfants de la Chance“), das Gainsbourgs überraschend kritischer Beitrag zum Thema Drogen war, doch ebenso in der etwas pathetischeren, morriconelastigen Version des im Original mit Brigitte Bardot gesungenen Klassikers „Bonny &amp; Clyde“ &#8211; die Rice/Partridge-Version des berühmten Schluckauf-Songs war definitiv von Harvey und seiner Lieblingskollaborateurin Anita Lane inspiriert.</p>
<p>Immer etwas museal wirken Songs, die den Flair der Swinging Sixties in eine Gegenwart übertragen, in der die Popkultur gerade etwas zaghaft begann, sich mit ihrer eigenen Geschichte zu identifizieren: „Anthracite“ mit seiner groovigen Orgel, „Jazz in the Ravine“ („Du Jazz Dans le Ravin“) oder „Chatterton“, bei dem Mädchen in Miniröcken zu einer Hommage an prominente Selbstmorde tanzen konnten – dass die hippen Kids den sarkatischen Spaß heute besser wiederbeleben können als ihre großen Geschwister in den 90s ist nur ein Grund, der für den Re-Release spricht.</p>
<p>Die Duette, die Gainsbourg mit den zum Teil beliebtesten Sängerinnen seiner Zeit sang, mit BB eben, mit Godard-Muse Anna Karina, mit France Galle und vor allem Jane Birkin, sind ähnlich wie die Songs von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra längst zu Popmythen geworden, und das Klischee „böser Bube, liebes Mädchen“ hielt sich von Beginn an in Grenzen. Gainsbourg suchte sich (von der explizit mit ihrer kindlichen Ausstrahlung spielenden Galle abgesehen) Partnerinnen aus, die das verrucht Laszive auch im schmachtvollsten Seufzer zu verkörpern wussten, und Anita Lane haucht im „Song of Slurs“ ebenso gut wie einst Birkin. Schon deshalb sind diese Songs mehr als nur eine Blaupause für Campbell/Lanegan und andere populäre Duette der heutigen Zeit.</p>
<p>Die Doppel-CD enthält mit „Dr. Jeckyll“ und „Run From Happiness“ zwei bisher unveröffentlichte Songs. Live wurden die Versionen bereits beim letztjährigen ATP Festival einem größeren Publikum in Erinnerung gerufen. Diesen Sommer soll es dann auch eine Tour dazu geben, bei der man auf das Line-up gespannt sein darf.</p>
<p>A. Kaudaht</p>
<p><strong>Label: Mute</strong></p>
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