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	<title>African Paper &#187; Sonic Youth</title>
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		<title>In Virus Times: Lee Ranaldo mit neuer EP</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Oct 2021 04:59:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mute und PIAS bringen Mitte November eine einseitig gepresste 12&#8243;-EP von Sonic Youth-Sänger und -Gitarrist Lee Ranaldo heraus, deren zweite Seite eine vom Musiker selbst angefertigte Grafik enthält. &#8220;In Virus Times&#8221; ist ein 22minütiges Akustikstück in vier Teilen und neben &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2021/10/26/in-virus-times-lee-ranaldo-mit-neuer-ep/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mute und PIAS bringen Mitte November eine einseitig gepresste 12&#8243;-EP von Sonic Youth-Sänger und -Gitarrist Lee Ranaldo heraus, deren zweite Seite eine vom Musiker selbst angefertigte Grafik enthält. &#8220;In Virus Times&#8221; ist ein 22minütiges Akustikstück in vier Teilen und neben der limitierten 12&#8243; auch digital erhältlich.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/10/leeranaldoinvirustimes.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-27490" title="leeranaldoinvirustimes" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/10/leeranaldoinvirustimes.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-27489"></span></p>
<p>&#8220;IN VIRUS TIMES is an acoustic instrumental piece by LEE RANALDO. Composed during the pandemic, In Virus Times will be released as a 1-sided LP with an etching on Side B. The cover is a beautiful photo by Lee’s friend, the great Brazilian photographer Anna Paula Bogaciovas. Originally released as one track as part of a collaboration with Lucien Jean for Le Presses du Reel, the music was featured on a mini CD that accompanied a book that featured 2 short stories. In Virus Times, released by Mute, sees the track transformed into 4 pieces and is available on Limited Edition 12” Transparent Turquoise Vinyl with an exclusive poster designed, signed and individually numbered by Lee Ranaldo. The poster design is based on an electron microscope photo of the Covid-19 molecule.&#8221; (Mute)</p>
<p><a href="https://mutebank.co.uk/collections/lee-ranaldo/products/lee-ranaldo-in-virus-times-limited-edition-transparent-turquoise-vinyl-mut"><strong>@ Mute</strong></a></p>
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		<title>LEE RANALDO: Electric Trim</title>
		<link>https://africanpaper.com/2017/11/18/lee-ranaldo-electric-trim/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Nov 2017 09:32:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In ihrer großen Zeit wurden Sonic Youth von vielen zu Unrecht als eine Art Duo mit Begleitband gehandelt, bei dem sich eine wechselnde Zahl an Instrumentalisten um das damalige Paar Gordon und Moor gruppierte. Diejenigen aus der „zweiten Reihe“, die &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2017/11/18/lee-ranaldo-electric-trim/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/leeranaldoelectrictrim.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14453" title="leeranaldoelectrictrim" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/leeranaldoelectrictrim-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In ihrer großen Zeit wurden Sonic Youth von vielen zu Unrecht als eine Art Duo mit Begleitband gehandelt, bei dem sich eine wechselnde Zahl an Instrumentalisten um das damalige Paar Gordon und Moor gruppierte. Diejenigen aus der „zweiten Reihe“, die sich dennoch einen größeren Namen erspielen wollten, mussten das über Veröffentlichungen außer der Reihe, wie Soloaktivitäten, tun, und niemandem ist das besser gelungen als Lee Ranaldo, der über die Jahrzehnte einige<span id="more-14451"></span> Alben herausgebracht hat. Meist im Bereich des Gitarrenrock angesiedelt, gab es auch immer Raum für dezente Americana oder auf der anderen Seite Experimentelles.</p>
<p>Das Interesse, in unterschiedlichen Himmelsrichtungen Ausschau zu halten, ist dem neuesten, bei Mute erschienenen Album „Electric Trim“ besonders eingeschrieben, denn vom Klanggewand her ist das Werk mit Folk, Indierock und Electronica-Attributen in einer überquellenden Kostürmkammer zuhause, und an manchen Stellen hört man die Reminiszenzen an bekannte Musiker derart stark heraus, dass man es kaum für Zufall halten mag.</p>
<p>Beim eröffnenden „Moroccan Mountains“ musste ich zuerst an die Sun City Girls oder an die „Tanger Sessions“ von deren Gitarristen „Richard Bishop denken – geheimnisvoll, fast rituell beginnt das Stück, zaghaftes Saitenklimpern breitet sich aus über einem Klanggewebe aus Klingeln und Rasseln und Dröhnen, bis irgendwann klassisches Fingerpicking a la John Fahey Gestalt annimmt. Wie bei den meisten der Songs ist der Text, den Ranaldo in gefasster Rezitation vorträgt, zusammen mit dem Dichter und Romancier Jonathan Lethen verfasst, eine Art Anklage verschafft sich Gehör, eventuell vom lyrischen ich an sich selbst gerichtet. Bei „Uncle Skeleton“, das eine Geschichte um ein die Familiengeschicke immer noch bestimmendes Skelett erzählt, kommt mit Twangs und flotten Texmex-Rhythmen cooles Desertrock-Feeling auf, und man denkt natürlich sofort an den mexikanischen Tag der Toten. Wenn der Song seine volle Ohrwurmqualität entfaltet, ist er längst in urbanen, elektrifizierten Rock übergegangen.</p>
<p>Die folgenden Stücke entpuppen sich immer mehr als Wechselbad der Stile und Stimmungen: ernste, drängende Aufbruchstimmung in „Let&#8217;s Start Again“, Melancholie und ein anrührendes Duett mit Sharon van Etten in „Last Look“, Rock&#8217;n'Roll in „Circular Right“, bluesige Folkmagie im Titeltrack u.s.w. &#8211; ich muss gestehen, dass ich auch nach längerem Überlegen nicht schlüssig bin, ob die Bandbreite für mich Abwechslungsreichtum oder eher eine gewisse Unentschlossenheit ob der Richtung des Ganzen demonstriert. Der Qualität der einzenlen Songs tut das allerdings nicht den geringsten Abbruch, und für Sonic Youth-Fans ist „Electric Trim“ einmal mehr gerade deshalb interessant, da Ranaldo hier im Grunde nichts anderes macht wie bei seiner Stammband, denn auch da war er, wenngleich eher im Hintergrund, für die Elemente der Melodik, der Songqualität und das Ausprobieren verschiedener Richtungen zuständig. (A. Kaudaht)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://mute.com/">Mute / Good To Go</a></strong></p>
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		<title>GEOMETRICAL RAPE: The Multiple Personalities of the Meat</title>
		<link>https://africanpaper.com/2016/08/06/geometrical-rape-the-multiple-personalities-of-the-meat/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2016 05:42:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dunkle Dronemusik mit verrauschtem Shoegazer-Sound gibt es heute wie Sand am Meer und in allen Formen und Farben. Dass die langen Dröhnorgien von verzerrtem Geschrei durchzogen sind und an wiederkehrenden Stellen zu einem derartigen Lärm anschwellen, dass man denkt, sie &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/08/06/geometrical-rape-the-multiple-personalities-of-the-meat/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/05/GeomRapeMultPers.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-10275" title="GeomRapeMultPers" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/05/GeomRapeMultPers.jpg" alt="" width="150" height="224" /></a>Dunkle Dronemusik mit verrauschtem Shoegazer-Sound gibt es heute wie Sand am Meer und in allen Formen und Farben. Dass die langen Dröhnorgien von verzerrtem Geschrei durchzogen sind und an wiederkehrenden Stellen zu einem derartigen Lärm anschwellen, dass man denkt, sie könnten sich schon im nächsten Moment als harsche Power Electronics entpuppen, ist dagegen rar. Das Tape „The Multiple Personalities of the Meat“  – Flesh hätte vielleicht noch besser gepasst – des Duos Geometrical Rape ist so ein Fall, und wenn man die beteiligten Musiker kennt, ist es auch kein gar zu großes Wunder.<span id="more-10274"></span></p>
<p>Geometrical Rape wurde vor drei Jahren von dem Ritualdröhner Gianluca Martucci (Urna) und der Noisemusikerin Filomena Rubina (vom Projekt FeMale Fou) gegründet, um morbide und brutale Aspekte menschlicher Körpererfahrung auszuloten. Dabei stand weniger die Gewalt allgemein im Zentrum des Interesses, sondern allem voran Erotik und Sexualität – Dinge also, die auch ohne Gewalt einen heftigen Zugriff auf den Körper des anderen implizieren und dennoch eine Menge abseitiger Ideen und Handlungen mit sich bringen können.</p>
<p>Ein nach Gespaltenheit benanntes Album lässt ein zwielichtiges Klangbild erwarten, und in der Tat bleibt es nicht bei der stilistischen Ambiguität. In seiner meist eher ruhigen Gangart changiert „Multiple Personalities“ zwischen Entspanntheit und einer morbiden Kälte, die in ihrer frostigen Verhalltheit eher nordische Assoziationen hervorruft. Elektronische Spielereien und vereinzelte Stimmen mischen sich in die verrauschte, schabende Atonalität, und was als mysteriöses Murmeln anfängt, entwickelt sich peu a peu zu einem bedrohlichen Grunzen. Wenn Frau FeMale Fou dann noch fast nach Cranes-Art zu hauchen anfängt, wird klar, dass hier ein seltsamer Hybrid am Entstehen ist.</p>
<p>Rituelle Monotonie, hölzernes und steinernes Gerumpel, verzerrte Instrumentaleinlagen auf traditionellen und rockigen Gerätschaften, viel Hall und eine kleine Überraschung für Sonic Youth-Fans zeigen die Schizowelt des fleischlichen Begehrens als undurchsichtige Parallelwelt, die desolat und schön gleichermaßen ist. Zudem als ein Terrain für alle, die es auch musikalisch eher undefinierbar mögen. (A. Kaudaht)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://dzpm.blogspot.it/">Diazepam</a></strong></p>
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		<title>You Killed Me First: The Cinema of Transgression</title>
		<link>https://africanpaper.com/2012/02/19/you-killed-me-first-the-cinema-of-transgression/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 23:06:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es wird immer noch gelegentlich behauptet, die 80er wären generell verklemmter und weniger freizügig gewesen als die 70er. Sicher mag das in vielen Fällen auch so gewesen sein, und warum sollte das in einer Kultur, die in vielerlei Hinsicht nach &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/02/19/you-killed-me-first-the-cinema-of-transgression/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/youkilledmefirstflyer.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-3823" title="youkilledmefirstflyer" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/02/youkilledmefirstflyer.jpg" alt="" width="160" height="213" /></a>Es wird immer noch gelegentlich behauptet, die 80er wären generell verklemmter und weniger freizügig gewesen als die 70er. Sicher mag das in vielen Fällen auch so gewesen sein, und warum sollte das in einer Kultur, die in vielerlei Hinsicht nach den Gesetzmäßigkeiten von Konjunkturzyklen funktioniert, auch verwundern. Relevanter ist die Beobachtung, dass das Enthemmte, Dionysische, das man mit vielen Phänomenen der Jahre um 1970 in Verbindung bringt, ein Jahrzehnt später zu einem Großteil in die Subkulturen abgewandert ist, und dort weniger die Liebe und den Frieden feiert, sondern vielmehr<span id="more-3822"></span> die pathologischen und dystopischen Aspekte beschwört, die immer schon als Kehrseite popkultureller Libertinage existierten, in zahllosen (Rand-)Phänomenen vom Giallo über die dunkle Seite der Factory bis zum Protopunk. Im Zeitalter von Postpunk und Industrial hat Dionysos etwas verloren, dass man im aller weitesten Sinne eine Art Unschuld nennen könnte, auf der Strecke jedoch blieb er keineswegs. Eines dieser subkulturellen Millieus entstand in den frühen 1980ern in der New Yorker Lower East Side und ist allgemein unter dem von Schauspieler und Regisseur Nick Zedd geprägten Schlagwort „Cinema of Transgression“ bekannt. Das Berliner KW Institute for Contemporary Art widmet dem Kino der Überschreitung derzeit eine Werkschau von achtzehn Filmen.</p>
<p>Was Künstler wie Zedd, Richard Kern, Tessa Hughes-Freeland, Casandra Stark und andere mit zum Teil gestohlenen Kameras auf schlichten (meist monochromen) Super8-Film bannten, rangiert unter der etwas abgedroschenen Bezeichnung Underground-Film, was in ihrem Fall sowohl auf einen Bruch mit gängigen Moden als auch auf ihre bevorzugten Sujets gemünzt ist. Wie die meisten Sezzessionsbewegungen zelebrierten auch die Künstler um Kern eine Abgrenzung gegenüber akademischen Konventionen. In ihrer Radikalität war sie den Aufbruchsparolen des Futurismus ebenbürtig: „We openly renounce and reject the entrenched academic snobbery which erected a monument to lazyness known as „structuralism“ and proceeded to look out those film makers who posessed the vision to see through this charade“, schreibt Nick Zedd in seinem „Cinema of Transgression Manifesto“, das zunächst ohne Verfasserangabe im Underground Film Bulletin erschienen ist. Und selbstredend ging es nicht nur um ästhetische Fragen, denn die beteiligten Filmer wollten unvermittelt auf die Situation in New York reagieren, die von enormen sozialen Problemen und zunehmender Angst geprägt war. Der seinerzeit grassierende HIV-Virus war eines der Themen, die man aufgriff, und die im etablierteren Experimentalkino bis dato unterrepräsentiert waren. Während man gängigen Traditionslinien des Kunstfilms eine Absage erteilte, ist eine Nähe zu zeitgenössischen Musikbewegungen offenkundig. Im New Yorker Kontext beerbte man gewissermaßen die gerade im Niedergang begriffene No Wave-Welle und avancierte zu einem Parallelphänomen gerade entstehender Bands wie Swans oder Sonic Youth, deren „Death Vally 69“-Video zu Kerns bekanntesten Arbeiten zählt und u.a. in der Berliner Ausstellung zu sehen ist. Aus dem Umfeld von Hughes-Freeland gingen wiederum Musikprojekte wie Backworld hervor. Viele der meist zwischen zehn und dreißig Minuten langen Filme erscheinen wie längere Musikclips, oder zumindest spielt Musik eine große Rolle und füllt oft die ganze Tonspur aus. Lydia Lunch wirkt in Filmen Kerns mit, zu den Soundtrack-Komponisten zählt Jim Thirlwell a.k.a. Foetus und in einem Fall sogar SPK, deren auf Sprachsamples und exzessive Wiederholungsfiguren gebaute Aufnahmen dieser Zeit typisch für die im Cinema of Transgression verwendete Musik sind. Eine thematische Nähe zum Industrial besteht ohnehin.</p>
<p>Vom Sujet her dreht sich nahezu alles um psychische Extremzustände und Abgründe von Sex und Gewalt, und dass ein Cinema of Transgression genanntes Phänomen durch und durch plakativ ist, überrascht wohl niemanden. Die Filmer wollten provozieren, schockieren und konfrontieren und sahen sich im direkten Kontrast zu den etablierten Werten eines Amerika nach dem conservative turn im Zuge der Präsidentschaft Reagans, der für diese Art Kino eine ähnliche Rolle spielte wie Margarete Thatcher für Crass und den britischen Anarcho Punk. Traditionellen familiären Werten geht es in Kerns farbenprächtigem „You Killed Me First“, nach dem die Gesamtschau benannt ist, nicht nur durch Gewalt an den Kragen, sondern auch durch einen Humor, der an Hershell Gordon Lewis erinnert. „We propose that a sense of humor is an essential element disgarded by the doddering academics and further, that any film which doesn&#8217;t shock isn&#8217;t worth looking at“, heißt es bei Zedd. Tessa Hughes-Freelands „Nymphomania“, der jüngste aber auch zugleich am ehesten hippieske Film der Auswahl, zeigt untermalt von Debussy das anfangs neckische, später dann gewaltsame Liebesspiel zwischen einer Nymphe und einem Faun, und ist über weite Strecken sogar auf recht konventionelle Art komisch, ebenso das groteske Mienenspiel in Kerns „Stray Dogs“. Doch auch im exzessiven Gebrauch von Splattereffekten, in der plakativen Darstellung sexueller Abgründe und im schamlos bejahten Dilettantismus der Arbeiten steckt stets dieses humoreske Moment, eine Komik der Übertreibung, die beinahe zwangsläufig jeden Zuschauer zum Lachen bringen muss, der sich nicht aus Angst, Scham, Ekel oder moralischer Brüskiertheit abwendet.</p>
<p>Während einige Filme dabei eine groteske Heiterkeit versprühen, die durchaus so etwas wie comic relief in die Szenarien bringt, sind andere verstörend genug, dass auch dem eingeweihten Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleibt. Bei Kerns „Fingered“, einem Road Movie mit Lydia Lunch, ist es nicht nur die hemmungslose (und sehr real wirkende) Gewalt, die verstört – es ist einer der wenigen Filme der Auswahl, die statt eines dominanten Musicscore realistische Dialoge aufweisen, und wie nahezu alle gezeigten Arbeiten verfügt er über einen simplen und durchaus schlüssigen Plot. „Rat Trap“ von Tessa Hugh-Freeland und Tommy Turner verstört durch den grafischen Einsatz toter Tierkörper und die lärmigen Gitarrenfeedbacks von Jimi Hendrix. „Where Evil Dwells“ (in dem der Maler Joe Coleman zu sehen ist) dagegen durch übertriebenen Gothic-Kitsch und eine äußerst unruhige Bildsprache. Der Anspruch, den die Künstler mit ihren gewalttätigen, sexualisierten Stoffen verfolgten, liest sich fast schon sympathisch naiv: „We propose transformation through transgression – to convert, transfigure and transmute into a higher plane of existence in order to approach freedom in a world full of unknowing slaves“. Auch die experimentelle Ästhetik unmittelbar nach Punk und Industrial hatte ihre Utopien – ihre Postulate wirken bis heute und sind auch in ihrem fast musealen Status nach wie vor starke Gesten des Widerspruchs. Die alles durchdringende Governmentalität im Geiste der Reagans dieser Welt konnten sie freilich nicht außer Kraft setzen.</p>
<p>„You Killed Me First“ ist bis 09.04.2012 auf vier Etagen des KW Institute of Contemporary Art, Auguststraße 69,10117 Berlin zu sehen, in den nächsten Wochen gibt es Lesungen und Gesprächsrunden mit Kern, Zedd, Hughes-Freeland und Lunch.</p>
<p><a href="http://www.kw-berlin.de/index.php?option=com_content&amp;view=category&amp;layout=blog&amp;id=22&amp;Itemid=39&amp;lang=de">KW Institute of Contemporary Art</a></p>
<p><a href="http://lagioiosamacchinadaguerra.wordpress.com/2012/02/17/you-killed-me-first-no-wave-cinema-exhibition-at-kw-berlin/">Termine</a></p>
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