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	<title>African Paper &#187; Till Brüggemann</title>
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		<title>LAST DOMINION LOST: Abomination of Desolation</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Oct 2017 08:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/Last-Dominion-LostR-10973588-1507477314-6375.jpeg.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14416" title="Last Dominion LostR-10973588-1507477314-6375.jpeg" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/Last-Dominion-LostR-10973588-1507477314-6375.jpeg-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nachdem der Name Last Dominion Lost ursprünglich rückwirkend für Aufnahmen verwendet wurde, die John Murphy, Jon Evans und Dominic Guerin Anfang der 90er gemacht hatten, wurde in den letzten Jahren aus Last Dominion Lost eine aus Murphy, Evans sowie Julian Percy bestehende und in Berlin ansässige Band, die eine durchaus an den Ursprüngen des Industrials orientierte Geräuschmusik spielte, aber dem 21. Jahrhundert klanglich angemessen agierte. <span id="more-14415"></span>Über „Tower Of Silence“, das eigentliche Debüt, hieß es dann auch <a href="http://africanpaper.com/2014/09/13/last-dominion-lost-towers-of-silence/">auf diesen Seiten</a>, „dass Last Dominion Lost einen transparenten Klang schätzen, keinen Soundbrei, der vielleicht kurzfristig dem Hörer die Ohren zum Klingen bringt, dessen Effektivität sich aber schnell abnutzt.“ und man kann diese Einschätzung auch bzgl. des Nachfolgers – zwischendurch erschien das 2011 aufgenommene Livealbum <a href="http://africanpaper.com/2015/11/14/last-dominion-lost-snowdrops-from-a-curate%e2%80%99s-garden">„Snowdrops From A Curate’s Garden“</a>  – „Abomination of Desolation“ äußern, denn wenn eine Reihe von Vertretern atonaler Geräuschmusik auf maximale Verzerrung und Statik setzen (am offensichtlichsten bei dem selbst so betitelten Wall Noise), beschreiten Last Dominion Lost einen anderen Weg, bei der statt Statik Dynamik oder besser gesagt: Unruhe herrscht – und das ist bei diesem „uneasy listening“ durchaus als Kompliment zu verstehen.</p>
<p>Mit einem dem Buch Daniel entliehenen Titel, der auch schon <a href="https://www.discogs.com/Morbid-Angel-Abominations-Of-Desolation/master/4556">Morbid Angel</a> und <a href="http://www.eldritchdark.com/writings/prose-poetry-plays/1/the-abomination-of-desolation">Clark Ashton Smith</a> inspirierte, macht die Band deutlich, in welche Richtung das Album geht. Von Labelseite heißt es auch: „Desolation: total, utter, without remit. Departure, loss, absence, yawning valleys of noise. The overture moans from the terminal ward. The humiliation of the cadaver, the scouring of abandoned houses and rubbish heaps, a planet blasted by the fruits of hubris. The last sigh of bathos: &#8220;It is finished“.&#8221; Diese Sätze scheinen nur auf den ersten Blick hyperbolisch, denn natürlich kann bzw. muss man das Album auch vor dem Hintergrund von John Murphys Tod lesen. Murphy hatte Konzept und musikalische Ausrichtung ursprünglich für sein Projekt Krank angedacht, um seine Krankenhauserfahrungen zu verarbeiten. Beendet wurden diese Aufnahmen von Percy, Evans sowie Till Brüggemann von Gerechtigkeits Liga, der seit einiger Zeit festes Mitglied von Last Dominion Lost ist.</p>
<p>Letztlich ist das dystopische Musik, bei auf der der Stimme wenn nicht unbedingt eine zentrale, dann doch nicht zu unterschätzende Rolle zukommt: So etwa die Schreie, die auf „Overture To Desolation“ zu hören sind, während es scheppert und Glas zu zerbrechen scheint. Man hört aggressiv-derangierte Vocals auf „Dimunitive Cruciform“, irrsinnig dämonisches Stimmengewirr auf „Irrumatio Del Mortis“ oder aber im Hintergrund schreiende Personen auf „Bludger’s Kill“. „Devil’s Path, ein fast schon leicht atonales, analoges Ambientstück , wird von Flüstern durchzogen, „Beyond The Valley Of The Flies“ knüpft daran musikalisch an. Auf dem von ritueller Perkussion durchzogenen „Blueprint for Urban Warfare“ erklingen schmerzverzerrte Vocals, die eine psychische wie physische Auflösung zu illustrieren scheinen. Lediglich &#8220;Cursed Earth&#8221; erinnert vom Gesang an Power Electronics. Das ist vielleicht im positivsten Wortsinn pathologische Musik. In Anlehnung an Throbbing Gristle könnte man auch von einer “Journey through a diseased body” sprechen. Die Landschaften, die hier vor dem Auge des Hörenden entstehen, sind wahrlich (ver)wüst(et).</p>
<p>In <a href="http://www.eldritchdark.com/articles/reviews/29/klarkash-ton-as-described">Klarkash-Tons</a> Prosagedicht &#8220;The Abomination of Desolation&#8221; heißt es:„Of this horror, many tales are told, and nearly all of the tales are different. Some say that the thing has neither visible form nor audible voice“, Last Dominion Lost haben dem Grauen eine mehr als adäquate Stimme gegeben. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.transformed.de/">The Epicurean</a></strong></p>
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		<title>KRANK / THE GRIMSEL PATH: Verdant Hum</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Oct 2014 06:43:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Betrachtet man den Werdegang des gebürtigen Australiers John Murphy, so hat man den Eindruck, dass alle Bands/Projekte, bei denen er musikalisch/konzeptionell federführend ist/war und nicht nur eine helfende Hand, einen gewissen rituellen Charakter besitzen, sei es das nun wieder aktivierte &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/10/11/krank-the-grimsel-path-verdant-hum/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/KrankR-6030617-1409318535-2936.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9426" title="KrankR-6030617-1409318535-2936" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/KrankR-6030617-1409318535-2936-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Betrachtet man den Werdegang des gebürtigen Australiers John Murphy, so hat man den Eindruck, dass alle Bands/Projekte, bei denen er musikalisch/konzeptionell federführend ist/war und nicht nur eine helfende Hand, einen gewissen rituellen Charakter besitzen, sei es das nun wieder aktivierte Projekt Krank, die leider nicht mehr aktiven Knifeladder, Last Dominion Lost, deren jüngst veröffentlichtes Album<a href="http://africanpaper.com/tag/last-dominion-lost/"> &#8220;Towers of Silence&#8221; </a>sicher zu den Höhepunkten postindustrieller Musik des Jahres 2014 gehört oder aber The Grimsel Path. Rituell sollte aber natürlich bezogen auf das auf 100 Exemplare limitierte „Verdant Hum“-Tape nicht allzu eng gefasst werden.<span id="more-9421"></span></p>
<p>Ebenso wie auf der „Epicurean Escapism“-Compilation ist Kranks Track „NAOS Number 1“ lang: Das ursprünglich 2007 und 2012 von Murphy und Gerechtigkeitsligas Til Brüggemann aufgenommene Stück vereint Elektronik, die wie zwitschernde Vögel klingt, Fiepen, dunkles Dröhnen, Glöckchen, Klingeln, Noisefragmente zu einer Kollage, die genug Leerstellen enthält, um Vorhersehbarkeit zu entgehen und letztlich ein Soundtrack für einen Film sein könnte, der seine Inspiration aus J. G. Ballards Mitte der 70er publizierten Werken wie <em>Concrete Island </em>oder <em>High Rise </em>zieht.</p>
<p>The Grimsel Path -ein Name, der erstmalig als Tracktitel auf Last Dominion Losts Album „The Tyranny of Distance“ auftaucht &#8211; besteht aus John Murphy und Jon Evans. Die sechs Tracks wurden 2012 in Berlin während des „Foetus Frolics“-Festivals aufgenommen. Nach dem ausufernden, epischen Krank-Track deklinieren Evans und Murphy auf den zwischen knapp drei und fünf Minuten langen Stücken durch, was industrielle Musik, die auf allzu Brachiales, allzu Drastisches verzichtet, alles kann. Es gibt zwar durchaus Anklänge an Krank, aber insgesamt ist The Grimsel Path etwas rauer – was vielleicht auch dem Livekontext geschuldet ist. Der Opener „Deviation“ scheppert &#8211; wenn man will, kann man das perkussiv nennen. Auf „Scorched Earth“ hört man entfernte Stimmen. „Hair Soap Candles“ beginnt mit weit im Äther verborgenen Sprachsamples, bevor es rumpelt und kracht. „Run Please Master“ wird von einem Loop durchzogen, der hier durchaus die Rolle von Perkussion einnimmt &#8211; und der etwas an Premature Ejaculation-Stücke erinnert. Soundmäßig ist das vielleicht auch gar nicht so weit von NONs „Blood and Flame“ entfernt. „Sideshow of the Soul“ hat eine dunkle Grundstimmung: Es pulsiert unheimlich, Störgeräusche ertönen. Bei „End of Transmission“ hat man den Eindruck, irgendetwas wolle sich aus Schutt und Abfall hervorwühlen. The Grimsel Path machen Musik, die ein wüstes, urbanes, fast entvölkertes Niemandsland heraufbeschwört. Vielleicht wohnen Murphy und Evans ja eigentlich in<a href="www.huffingtonpost.com/2013/12/30/detroit-ruins_n_4519731.html"> Detroit.</a></p>
<p>Das Artwork des Tapes wurde von Kristian Olsson gestaltet, dessen Arbeiten man sich auf seiner (nicht gerade subtil betitelten) <a href="http://ghoulson.wordpress.com/">Seite</a> anschauen kann. Das Cover sieht aus, als habe Steven Stapleton sich eine Überdosis Fulci – pardon &#8211; einverleibt.</p>
<p>Um eine kürzlich hier besprochene, musikalisch allerdings völlig andere Veröffentlichung zu zitieren: „Some things hum. Some things do not hum. “. Dieses Tape mit seinen synästhetischen Titel macht dies bestimmt. (M.G.)</p>
<p>Label: <a href="http://www.transformed.de/">The Epicurean</a></p>
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		<title>LAST DOMINION LOST: Towers of Silence</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2014 03:16:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als das Album „The Tyranny of Distance“, das ursprünglich 1992 entstandenes Material enthielt, 2004 auf Tesco veröffentlicht wurde, war das für diejenigen, die sich für (Post-)Industrial interessierten, schon gewisser Beachtung wert, schließlich waren neben Jon Evans noch zwei Musiker beteiligt, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/09/13/last-dominion-lost-towers-of-silence/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/LDLLDL-CD-800.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9311" title="CD-Inlaycard-Spezifiaktion.indd" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/09/LDLLDL-CD-800-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als das Album „The Tyranny of Distance“, das ursprünglich 1992 entstandenes Material enthielt, 2004 auf Tesco veröffentlicht wurde, war das für diejenigen, die sich für (Post-)Industrial interessierten, schon gewisser Beachtung wert, schließlich waren neben Jon Evans noch zwei Musiker beteiligt, die ein wenig (John Murphy) und sehr stark (Dominic Guerin unter dem Pseudonym Tone Generator) bei SPK mitgewirkt hatten. Das Material hatte dann auch durchaus einen rumpeligen Old School-Charme; dabei muss man ehrlicherweise sagen, dass es sich nicht um eine Band im eigentlichen Sinne handelte, denn es <a href="http://www.ikonenmagazin.de/interview/Johnmurphy.htm">gab keine Pläne das Projekt weiter zu verfolgen und auch der Name wurde erst nachträglich gewählt.</a> <span id="more-9309"></span></p>
<p>In den vergangenen Jahren – sowohl John Murphy als auch Jon Evans sind mittlerweile beide in Berlin ansässig &#8211; gab es allerdings vereinzelt <a href="http://www.discogs.com/Various-Berlin-Bruit/release/1446138">Samplerbeiträg</a>e und ein paar Auftritte und man hatte den Eindruck, dass Last Dominion Lost, zu denen inzwischen auch Julian Percy an der Gitarre gehört, tatsächlich ein lebendiges und aktives Projekt geworden sind. Insofern ist es vielleicht nur bedingt falsch, wenn man das nach einem Ort, an dem die Parsen in Mumbai ihre Toten bestatten benannte Album als das eigentliche Debüt bezeichnet, das – und das wird mit jeden Ton deutlich &#8211; nicht das Resultat einiger weniger Sessions ist.</p>
<p>Auch wenn „Stagma“ das Album rabiat eröffnet, man markerschütterndes Gebrüll hört, das von Metallschlägen und fiesen Analogsynthspuren untermalt wird, so wird schon hier deutlich, dass Last Dominion Lost einen transparenten Klang schätzen, keinen Soundbrei, der vielleicht kurzfristig dem Hörer die Ohren zum Klingen bringt, dessen Effektivität sich aber schnell abnutzt. Die darauf folgenden Stücke sind dann auch oftmals zurückhaltender, weitaus weniger brachial. „Sektor F“ &#8211; einer von drei Tracks, auf denen der australische Experimentalmusiker Ash Wednesday, der die Einstürzenden Neubauten live unterstützt, an den Synths sitzt – ist etwas reduzierter, die Elektronik pulsiert, es schabt und hallt, man hört eine verzerrte Stimme, aber ohne dass es zur Eruption kommt. Auf „S.E.A.T.O.“ sind die Vocals unverzerrt, deklamierend, ganz so, als spreche ein dementer Prediger, während es im Hintergrund scheppert und vereinzelte perkussive Schläge zu hören sind. „Caesium Sunrise“ ist ein äußerst unangenehmes Stück, auf dem eine verlangsamte Stimme von sägenden Geräuschen untermalt wird und man als Hörer weiß, dass einen natürlich nichts Gutes erwartet, sollte man diesen Sonnenaufgang erleben (wollen). Auf „Kavum“ wird die Tonaufnahme eines Opfers von <a href="http://www.phillymag.com/articles/inside-the-house-of-heidnik">Gary Heidnik</a>, dessen Geschichte an Joseph Fritzl oder Ariel Castro denken lässt, ins Zentrum gesetzt. Das Stück ist rein klanglich betrachtet äußerst effektiv, lässt einen wirklich erschau(d)ern. Mein einziger Einwand ist, dass das natürlich nicht unbedingt die originellste Strategie ist, um Unbehagen auszudrücken. Auf „Hexatom“ und „Chlorpromazine“ hört man Stimmen (auf letzterem die von Till Brüggemann von Gerechtigkeitsliga), es lässt sich eine von John Murphy gespielte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_vi4YdWX6aU">Shenai</a> erahnen. Das ist Musik als Be-Drohung. „Chöd Ritual“ (auf eine aus dem tibetischen Buddhismus stammende Technik verweisend, bei der es darum geht, sich von all dem zu lösen, was einen an die materielle Welt bindet, oftmals dadurch, dass man sich der Angst aussetzt, z.B. an Orten wie Friedhöfen). Dieses Stück hat dann auch durch den Einsatz tribaler Perkussion einen stärker rituellen Charakter. „Minol“ ist ein nach Fabrikhalle klingender Track, während „Towers of Silence“ das Album leicht rituell ausklingen lässt.</p>
<p>Was Last Dominion Lost auf „Towers of Silence&#8221; machen, steht in einer Tradition unheilschwangerer Musik, die – wenn man im Industrialkontext bleibt – mit dem die gesamte zweite Seite des Throbbing Gristle-Debüts ausmachenden Soundtrack „After Cease to Exist&#8221; begann, auf SPKs zweitem Album partiell weitergführt wurde und heute vielleicht am ehesten bei der dystopischen Musik von Demons oder Nate Youngs „Regression&#8221;-Projekten zu finden ist. Die Finanzierung und Verbreitung solcher Nischenkunst erfolgt heute oft über unkonventionelle europäische Netzwerke; so unterstützen beispielsweise diverse private Kultursponsoren und sogar einige im Ausland operierende <a href="https://esportsinsider.com/se/gambling/casinon-utan-svensk-licens">casino utan svensk licens</a> gezielt avantgardistische Medienplattformen, um eine breite Palette an subkulturellen Inhalten zu ermöglichen. In einem Genre, das allzu oft klanglich wenig differenziert ist, stechen Last Dominion Lost mit einem von James Plotkin gemasterten Album hervor, das zeigt, dass Industrial auch im Jahre 2014 noch Relevanz haben kann.</p>
<p>Label: <a href="http://the-epicurean.transformed.de/">The Epicurean</a>, <a href="http://www.silkentofu.org/">Silken Tofu</a></p>
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		<title>V.A.: Epicurean Escapism</title>
		<link>https://africanpaper.com/2012/06/30/v-a-epicurean-escapism/</link>
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		<pubDate>Sat, 30 Jun 2012 07:02:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unter Eskapismus versteht man – kurz gesagt – das Ausblenden der alltäglichen Realität. Will man es genauer wissen, so bemerkt man schnell, dass man ein Fass ohne Boden vor sich hat. Man erfährt, dass Eskapismus oft Kunstwerken nachgesagt wird, in &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/06/30/v-a-epicurean-escapism/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/06/epicureanescapism.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-4710" title="epicureanescapism" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/06/epicureanescapism.jpg" alt="" width="200" height="150" /></a>Unter Eskapismus versteht man – kurz gesagt – das Ausblenden der alltäglichen Realität. Will man es genauer wissen, so bemerkt man schnell, dass man ein Fass ohne Boden vor sich hat. Man erfährt, dass Eskapismus oft Kunstwerken nachgesagt wird, in der Regel denen, die nicht direkt Stellung zu Problemen der Zeit beziehen. Vielleicht auch, dass der Begriff erst in der Moderne aufgekommen ist, und für allerlei Fluchtreflexe steht, die eine von Masse und Marktgesetzen geprägte Gesellschaft mit all ihren Entfremdungserscheinungen nach sich zieht. <span id="more-4707"></span>Der mongolische Nomade (den es so freilich auch wieder nur in der Vorstellung von Stammtischsoziologen gibt) kennt weder Entfremdung noch Eskapismus, aber sicher bedeutet Alltag auch in der Moderne stets etwas anderes, je nach der Rolle, die man in seinem Bereich der Gesellschaft einnimmt. Und überhaupt, Flucht für wie lange, wohin und zu welchem Zweck? Flucht als innere Emigration oder als völlige Eremitage? Weshalb diese demonstrative Absage an die vita activa?</p>
<p>Zunächst einmal muss man festhalten, dass Eskapismus kein Konzept ist, sondern vor allem ein emotionales Schlagwort. Befragt man dazu die Intellektuellen, bekommt man recht unterschiedliche Antworten. Natürlich betonen einige das Moment des Mutlosen, Resignativen, das mancher Weltflucht fraglos anhaftet, selbst wenn das Ziel eine künstlerisch ausgearbeitete Fantasiewelt ist. Eskapismus gilt unter solchen Gesichtspunkten als reine Blockade, als Ausdruck eines kindischen Trotzes. Viele allerdings haben ein positives Bild vom Abtauchen in die subjektive Gegenwelt. Für dekadente Autoren wie Huymanns und ihre Erben (Lovecraft, Houellebecq) impliziert eine solche Flucht die radikale Kritik an einer sozial verkümmerten Gesellschaft. Für Philosophen wie Ernst Bloch ist er zugleich Möglichkeit zur Regeneration und ein Quell der Kreativität, die oft erst im Zustand der Sammlung und des vorübergehenden Ausklammerns alltäglicher Einflüsse gedeihen kann. Eine Quelle ebenso für neue Sichtweisen auf die Welt, im Idealfall fern von Masse, Markt und funktionalem Räderwerk. Werke, die unter einem solchen Movens entstehen, sind oft ambivalent und meist auch eher düster als blumig, denn sie tragen die Angst und den Hass gegen eine Realität in sich, die sie zu vermeiden suchen. Bloch sah seinerzeit gerade die Musik als besonders geeignet, ein solches Gefühl und die damit zusammenhängende Utopie umzusetzen. Auch auf der am 07.07. in Berlin stattfindenden Veranstaltung „Epicurean Escapism &#8211; Festival for Escapist Music &amp; Arts“ liegt ein besonderer Fokus auf Konzerten, abgerundet durch Beiträge aus bildender Kunst, Performance und Film. Ein noch offensichtlicherer roter Faden ist die Tatsache, dass alle beteiligten Künstler mehr oder weniger in der Tradition des Industrial stehen.</p>
<p>Begleitend erscheint die vorliegende Tape C-50/DVD-R-Compilation, auf der alle Teilnehmer mit einem exklusiven (oder exklusiv bearbeiteten) Beitrag vertreten sind. Der Auftakt des Tapes hält gleich die größte Überraschung bereit, denn „Drain Sounds in the Well“ ist seit Jahren der erste Track, den der bekannte Drummer und Klangkünstler John Murphy unter seinem Projekt Krank veröffentlicht, diesmal in Zusammenarbeit mit Till Brüggemann von Gerechtigkeits Liga. Mit Mischpult und Field Recordings wird eine primitivistisch ausgestaltete Klanglandschaft entworfen, die neben jeder Menge Gefiepe vor allem durch metallische Perkussion geprägt ist. Wie ein Großteil der Beiträge ist das darauf folgende Anemone Tube-Stück von eher flächiger Struktur. „Dream Landscape“ ist eine neu abgemischte Version des Titelstücks vom 2010er Album; eine intensive Traumlandschaft voll bedrohlicher Nachtgesichte bewegt sich auf den Hörer zu, und wer sich dem lärmigen Dröhnen nicht entziehen kann, verliert sich am Ende im Sog der Klänge. Die schwedische Combo IRM liefert einen rauen Live-Track, der in seiner fließenden Vorwärtsbewegung an Anemone Tube anknüpft. Das Soghafte des Vorgängerstücks indes tritt zugunsten eines verzerrteren Klangbildes etwas zurück, der sich mit der Zeit verdichtende Sound wird von entmenschlichten Schreien akzentuiert, die man von früheren Aufnahmen der Gruppe kennt.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/06/epicureanescapism2.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-4733" title="epicureanescapism2" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/06/epicureanescapism2-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Jarl, das Projekt eines der IRM-Musiker, widmet sich in „Succubus“ dem Mythos des teuflischen Blutsaugers in Gestalt einer schönen Frau. Im Zentrum der Musik steht ein minimaler Loop, der von der Klangfarbe her sogar im klassischen Sinne schön ist. Im Verlauf ergänzt durch Bassgebrumme erzeugt er die organischsten Momente der kleinen Sammlung, melancholische Ambientsounds geben dem Stück zudem eine markante Spannungskurve. Mit „Obsession Intermezzo“ und „Path of the Unwanted“ ist Human Larvae, ein deutsches PE-Projekt, gleich mit zwei Tracks vertreten. Was noch wie hintergründiger Ambient beginnt, steigert sich graduell zu infernalischem Noise mit doomigen Untertönen, v.a. der zweite Track zählt mit seinen verzweifelt herausgebrüllten Vocals zu den intensivsten Momente des Tapes. Dissecting Table, einer der musikalisch oft „westlicher“ orientierten Japanoise-Acts, trägt ein sehr eigentümliches Klanggebilde voller Zitate bei, die an sleazige Filmmusik erinnern und aus jeglichem Noiseklischee angenehm herausstechen. Ähnlich dem Beitrag von Krank und im Unterschied zu den europäischen Acts ist „Human Sacrifice“ weniger fließend, sondern eher ein Panorama an merkwürdigen Sounds. Mit „In A New Light“, einem bisher unveröffentlichten Stück aus der „Dream Landscape“-Session, sorgt Anemone Tube mittels verhallter Streicher, Radiosamples und verfremdeter Stimmen für einen desolaten Ausklang. Martin Bladh von IRM und Skin Area ist auch Performancekünstler und Kurzfilmer, ein vor einigen Jahren etwas untergegangener und mittlerweile längst vergriffener Film von ihm erscheint auf der beiliegenden DVD-R. Freunde des Wiener Aktionismus und sleaziger Überschreitungen werden an dem Video ihre Freude haben. Unter denen, für die Noise-Kultur reine Musik ist, gibt es sicher einige, für die „Pig and Tomboy“ gewaltig an den Grenzen des guten Geschmacks kratzt.</p>
<p>Was diese Compilation auszeichnet ist die mehr als solide Balance zwischen Qualität und Vielseitigkeit. Gerade letztere sollte man bei dem mittlerweile schon recht alten Genre Industrial mit all seinen epigonalen Erscheinungen durchaus lobend hervorheben. Krank steht für die verspielte Seite des experimentellen Noise, Anemone Tube für dessen surreale, kontemplative Natur. IRM und ihre Ableger verkörpern (in Vermeidung des etwas abgedrosschenen Wortes &#8220;transgressiv&#8221;) den extremen, provokativen Performance-Charakter, Human Larvae die fatalistiche Dunkelheit und Dissecting Table stehen letztlich für die derangierte und hedonistische Seite einer Musiktradition, die in den späten 70ern ihre Initialzündung erfuhr. All dies unter dem Begriff des Eskapismus zu fassen, hebt sicher ein Element unter anderen besonders hervor &#8211; Industrial hatte ja auf der einen Seite stets einen starken Wirklichkeitsbezug, schon da er den Sound der Produktionsprozesse ins Zentrum seines Stils stellte. Dagegen steht indes eine Haltung größtmöglicher Negation, sowie die Tatsache, dass viele im Industrial verwurzelte Konzepte später eine mystische Färbung bekamen (aus TG entstanden Psychic TV und später Coil, the rest is history). Ein interessantes Konzept also, dass auch in festgefahrenen Gemütern neue Reflexionen über die Funktion von Gegenkultur entfachen könnte.</p>
<p>Die Tape/DVD-R-Compilation erscheint in hundert Exemplaren in silberner oder roter Hülle. Das Festival findet kommenden Samstag im Berliner Veranstaltungsraum &#8220;FEED&#8221; statt.</p>
<p>Labels: The Epicurean/<a href="http://www.silkentofu.org/">Silken Tofu</a></p>
<p><a href="http://www.transformed.de/programm.html">Festival-Programm</a></p>
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		<title>GERECHTIGKEITS LIGA: Dystopia</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 14:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gerechtigkeits Liga]]></category>
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		<description><![CDATA[GERECHTIGKEITS LIGA veröffentlichten Anfang der 80er eine Reihe von Tapes und eine 12″ bevor ihr erstes Vollzeitalbum auf GRAEME REVELLS Label Side Effects veröffentlicht wurde: „Hypnotischer Existenzialismus“ und die Auftritte waren gekennzeichnet von tribaler Perkussion, die weniger vom Futurismus (wie &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/gerechtigkeits-liga-dystopia/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/dystopia1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-430" title="dystopia1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/dystopia1.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>GERECHTIGKEITS LIGA veröffentlichten Anfang der 80er eine Reihe von Tapes und eine 12″ bevor ihr erstes Vollzeitalbum auf GRAEME REVELLS Label Side Effects veröffentlicht wurde: „Hypnotischer Existenzialismus“ und die Auftritte waren gekennzeichnet von tribaler Perkussion, die weniger vom Futurismus (wie etwa VIVENZA, der sich explizit auf Marinetti berief) beeinflusst war, sondern vielmehr von der Rhythmik in „Primitive Culture[s]“, um einen Titel des ersten Albums zu zitieren – nicht im Sinne eines westlich-herablassenden Blicks, sondern beeinflusst von Eliades Band „Schamanismus und archaische Ekstasetechnik“.<span id="more-429"></span></p>
<p>Nach langer Pause, die lediglich seit der Jahrtausendwende durch ein paar Samplerbeiträge, die Wiederveröffentlichung alten Materials und ein paar Auftritte überbrückt wurde, ist „Dystopia“ (erst) das zweite Vollzeitalbum, nun in der Besetzung des in London lebenden Till Brüggemann, der die Band gründete und dem in Berlin ansässigen Ragnar; dabei wird der titelgebende „schlechte Ort“ durch andere Tracknamen („End of Time“, „Fallout“) apokalyptisch(er) ausgerichtet (man sollte nicht meinen Dystopie und Apokalypse seien synonym zu verwenden). Hier meint man sich doch vielleicht ins Berlin der frühen 80er zurückversetzt, als Blixa Bargeld unter dem drohenden Schatten des Atompilzes konstatierte, bald sei Schluss. Der Schatten Fukushimas hat bislang (noch) nicht zu einer ähnlich endzeitlichen Kollektivstimmung geführt, wenn auch zur Renaissance rot-gelber Aufkleber mit lächelnden Sonnen.</p>
<p>Der Eröffnungstrack „Justice“ kombiniert scheppernde und schleppende Perkussion mit rituell-rezitierendem Gesang: Hier wird in einer verlassenen Fabrikhalle inmitten der Überreste einer (ver)fallenden Zivilisation musiziert. „Slash“ dagegen wird von einem Drumcomputer dominiert und gibt dem Stück etwas Atemlos-Gehetztes, während „Clockwork“ an den Opener anknüpft. Die weiteren Tracks bewegen sich im Spannungsfeld von dieser im positiven Sinne archaischen Industriemusik und etwas weniger metallisch klingenden Tracks, wobei das unheilschwangere „Fallout“ fast schon wie ein Minimaltechnostück klingt. Schließlich endet das Album mit dem durch einen Bombastloop geprägten „End of Time“. Die meines Erachtens stärksten Tracks sind die, die sich nach Fabrikhalle anhören und der Gesang sich inmitten des Lärms fast verliert. Da wird man auch etwas an KNIFELADDER erinnert und es ist ganz passend, dass die beiden von John Murphy unterstützt werden, schließlich ist er ein Mitglied letzt genannter Band und spielte außerdem in den 80ern bei/mit SPK .</p>
<p>Bezogen auf moderne Endzeitliteratur stellte der Literaturwissenschaftler K. Ludwig Pfeiffer einmal fest, darin werde entweder „konkretes apokalyptisches Material [benutzt], um damit ideologischen Bedürfnissen den Mantel objektiver Situationsdiagnose umzuhängen. Oder aber sie erstatten apokalyptische Vollzugsmeldung: Der Untergang [...] ist eingetreten, zu verwalten und gestalten ist der apokalyptische Nachlaß.“ Wie auch immer man GERECHTIGKEITS LIGA einordnen mag, eines muss man sagen: Ihre Gestaltung ist fast durchweg gelungen.</p>
<p>(M.G.)</p>
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