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	<title>African Paper &#187; Sol Invictus</title>
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		<title>INANIS YOAKE: How Things Seem</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Feb 2023 06:24:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Genau genommen ist Inanis Yoake ein Duo und besteht aus den beiden Gründern Simone Skeleton und Risa Hara. Die beiden gründeten die Band vor zwei Jahren in London und brachten kurze Zeit später ein Debüt heraus, auf dessen Sound irgendwo &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/02/18/inanis-yoake-how-things-seem/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/12/howthingsseem.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-32979" title="howthingsseem" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/12/howthingsseem-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Genau genommen ist Inanis Yoake ein Duo und besteht aus den beiden Gründern Simone Skeleton und Risa Hara. Die beiden gründeten die Band vor zwei Jahren in London und brachten kurze Zeit später <a title="Inanis Yoake debütieren auf SPQR" href="http://africanpaper.com/2020/12/05/inanis-yoake-debutieren-auf-spqr/">ein Debüt</a> heraus, auf dessen Sound irgendwo zwischen Post Punk-Nostalgie und der Feierlichkeit eines szenetauglichen Dark Folk nicht komplett, aber zum Teil auf die Mitwirkung renommierter Gäste wie <span id="more-32978"></span>Lloyd James und Tony Wakeford zurückging.</p>
<p>Gut zwei Jahre später steht nun der Nachfolger in den Regalen, und dieser ist insgesamt noch kollaborativer ausgefallen. Und da die diesmal mitwirkenden Künstler aus allen möglichen Ecken alternativer Undergroundmusik kommen, ist &#8211; trotz des erneut postpunkigen Schwerpunktes &#8211; eine gewisse Heterogenität Programm.</p>
<p>Das Album startet gleich mit einem Song, der so ein bisschen dass Inanis Yoake-Minimum zusammenfasst. Was mit einem Ambientdrone und einem leicht verfremdeten Piano startet, steigert sich immer mehr in einen 80slastige Wavesong mit der entsprechend pulsierenden Monotonie zu Kopfhänger-Pathos &#8211; eine Szenerie, in die sich noch eine Akustikgitarre als Neofolk-Referenz mischt. Bei &#8220;Nowhere&#8221;, das noch opulentere Keyboard-Passagen aufweist, steigert sich die Goth-angehauchte Stimmung zu einem Ohrwurm, bei dem am meisten der ernste Gesang Roberto Confortis im Gedächtnis hängen bleibt. Es gibt im Verlauf des Albums einige potenzielle Clubhits dieser Art, zum Teil (&#8220;Niente Resta&#8221; und &#8220;Miraggio&#8221;, bei dem Risas entrücktes Piano wie so oft den roten Faden bildet) in spanisch gesungen, was Assoziationen zu dem kraftvollen Elektropop von Comando Suzie erlaubt. Nach einem Auftakt aus melodischen Gitarren und erwartungsvollem Beckenrauschen erscheint &#8220;The Edge of Your Street&#8221; der dezent in den Hintergrund gemischte Gesang Tony Wakefords auf dem Plan, der hier auch den Bass beisteuert.</p>
<p>Sollte ich besondere Wegmarken benennen, dann wären es die Songs mit weiblichen Guestvocals. Neben &#8220;Abandoned&#8221;, das mit dem Gesang von Vivienne Cure fast etwas an eine tiefere Version von Eyeless in Gaza erinnert, sind das vor allem &#8220;The Abyss in You&#8221; und &#8220;In the Heart of Nothing&#8221;: hier übernimmt die Schlagzeugerin und Theaterfrau Emiko Ota neben einer verspielten Perkussion, die gelegentlich in entfesseltes Freakout mündet, auch den feierlich entrückten Gesang, der v.a. im Zusammenspiel mit der Violine von Matt Howden zu den Höhepunkten des Albums zählt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Dark Vinyl</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=4113402486/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>SOL INVICTUS: In A Garden Green</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2021 03:36:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fans von Sol Invictus bezeichnen entweder alle Alben, die die Band in den ersten zwanzig Jahren ihrer Laufbahn herausgebracht hat, als Klassiker, oder aber sie beschränken sich auf die ersten drei Longplayer. Meines Erachtens verdient auch &#8220;In A Garden Green&#8221; &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2021/01/23/sol-invictus-in-a-garden-green/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/solinvictusinagardengreenlprerelease.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-21865" title="solinvictusinagardengreenlprerelease" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2020/07/solinvictusinagardengreenlprerelease-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Fans von Sol Invictus bezeichnen entweder alle Alben, die die Band in den ersten zwanzig Jahren ihrer Laufbahn herausgebracht hat, als Klassiker, oder aber sie beschränken sich auf die ersten drei Longplayer. Meines Erachtens verdient auch &#8220;In A Garden Green&#8221; den Status einer besonderen Wegmarke, da es einige der Besonderheiten der Schaffensphase im Werk der Band auf charakteristische Art bündelt. <span id="more-21864"></span></p>
<p>Das Album erschien 1999 auf der Höhe einer Zeit, als Tony Wakeford und seine Band ihren klassischen Folk Noir-Stil um einige Elemente &#8211; Musik aus Renaissance und Barock, Sakrales, leichte Prog-Anleihen, später sollten Einflüsse des Jazz und Soundtrackelemente hinzukommen &#8211; bereicherten. Auf der Basis von Gitarren, Bass und mehrstimmigem Gesang wurden Instrumente wie Querflöte, Streicher, Piano und Cembalo integriert, womit das Album einen etwas ruhigeren, filigraneren Gegenpart zu den vorausgegangenen (&#8220;The Blade&#8221;) und nachfolgenden (&#8220;Hill of Crosses&#8221;) Werken bilden sollte, die insgesamt herber und aggressiver ausgefallen sind. Gemeinsam mit allen Alben dieser Ära ist der latent konzeptuelle Charakter, der sich in Sound, Lyrics und der nur angedeutet zyklischen Anordnung der Songs findet und der gut zu Wakefords Aussage, er möge prinzipiell keine Konzeptalben, v.a. die anderer Leute (Interview in Equinoxe 1999), passt. Prophecy haben das Album jüngst als LP neu herausgebracht.</p>
<p>Spuren der bodenständigen Derbheit, die in Form fetzigen Geschrammels, parataktischer Texte und des heiseren Gesangs eines Altpunks ein Markenzeichen der Band waren und auch später wieder sein sollten, finden sich auf &#8220;In A Garden Green&#8221; nur minimal. Songs wie &#8220;Come the Morning&#8221;, der Titeltrack oder &#8220;No One&#8221; interpretieren den typischen Folksound der Band auf fragile, durchaus anheimelde Art, doch die Texte lassen keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem grünen Garten, den Tor Lundvall so schön im abendlichen Dämmerlicht illustriert hatte, um einen zwiespältigen Ort handelt, um ein von Menschen geschaffenes Biotop und eine dadurch symbolisierte Zivilisation, in der hinter jeder schönen Pflanze, jedem freundlichen Wort unberechenbare Gefahren lauern.</p>
<p>Und überhaupt, auch musikalisch dringt etwas Dunkles, Unerklärliches durch alle Ritzen des beschaulichen Szenarios, und einmal mehr findet man sich im Englischen Garten aus &#8220;In the Rain&#8221; wieder, in dem notdürftig verscharrte Leichen im Keller das Idyll trüben. Sol Invictus sind seit jeher Meister des verunklärten Idylls, dessen zerrissene Schönheit weder geleugnet, noch einseitig glorifiziert wird. &#8220;No One&#8221;, vielleicht der Dark Folk-Hit des Albums, entlarvt die Vision eines pastoralen Liebesidylls und lässt doch offen, ob es sich bei dessen Negation vielleicht um eine ebenso starke, negative Projektion handelt &#8211; das betörende Zusammenspiel von männlichem und weiblichem Gesang, der das ganze Album durchzieht, verführt dazu, dem Song alles zu glauben. Ein Novum damals und beinahe ein Alleinstellungsmerkmal bei Sol Invictus sind sakral anmutende Stücke wie &#8220;O Rubor Sanguinis&#8221; und &#8220;Ave Maria&#8221;, die in etwas modifizierter Form auch auf ein Orchestra Noir-Album gepasst hätten, einen besonderen Moment hält das cinematisch mit verwunschenen Violinparts umgesetzte irische Traditional &#8220;The Praities Song&#8221; bereit. Das romantisch verklärte Szenario transportiert die sehnsuchtsvolle Klage der Bauern während der Kartoffelpest im 19. Jahrhundert.</p>
<p>Die neue Doppel-LP basiert hinsichtlich Sound und Tracklisting auf der vor neun Jahren erschienenen 2CD-Version, die neben dem Album noch das zur gleichen Zeit aufgenommene Bootleg &#8220;Live in Villeurbanne 1999&#8243;. Dieses enthält vierzehn Tracks aus unterschiedlichen Phasen, aber im damals aktuellen Sound der Band. Angefangen vom orgellastig-feierlichen &#8220;O Rubor Sanguinis&#8221; wird wie bei den üblichen Sol Invictus-Konzerten ein sechzehn Songs umfassender Querschnitt durch das bisherige Werk inklusive &#8220;Media&#8221;, The Fool&#8221; und einige ganz frühe Songs geboten. Die eher mittelmäßige Aufnahme, bei der nerviges Publikumsgebrüll hin und wieder die Intros übertönt, ist bei einem Bootleg zu verschmerzen.</p>
<p><strong>Label: Prophecy</strong></p>
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		<title>SOL INVICTUS: Necropolis</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Mar 2018 07:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich passt die Platte gar nicht recht in die Jahreszeit: Raue, dröhnende Sounds bilden das Fundament für einen trauernden Chorgesang, der in den ersten Minuten von „Necropolis“ ein molllastiges Mantra anstimmt, das an ein Requiem erinnert. Gut kann man sich &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/03/17/sol-invictus-necropolis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/03/Necropolis.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-15166" title="Necropolis" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/03/Necropolis-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Eigentlich passt die Platte gar nicht recht in die Jahreszeit: Raue, dröhnende Sounds bilden das Fundament für einen trauernden Chorgesang, der in den ersten Minuten von „Necropolis“ ein molllastiges Mantra anstimmt, das an ein Requiem erinnert. Gut kann man sich den Eingang zur besungenen Totenstadt wie das Tor der viktorianischen Waterloo Station im Herzen Londons vorstellen, die in Dunkel getaucht das Cover des neuen Albums ziert und dabei so bedrohlich wie ein Geisterhaus auf den Betrachter herabblickt. Diese<span id="more-15165"></span> durchaus schöne, aber auch in herbstliche Farben des Niedergangs getauchte Stimmung passt jedoch gut zu einer Platte, die Tony Wakeford als Abgesang und Totenklage für London konzipiert hat, den Ort seiner Geburt, an dem er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte.</p>
<p>In meiner <a href="http://africanpaper.com/2017/06/03/the-hare-and-the-moon-wood-witch/">Besprechung eines Albums von The Hare and the Moon</a> schrieb ich vor einiger Zeit, dass nur wenige der bekannten englischen Darkfolk-Bands einen stärkeren Fokus auf die Gespenster des eigenen Landes haben. Ich bezog mich dabei eher auf die spukhaften Folkballaden, die es in Großbritannien zuhauf gibt &#8211; versteht man die Geister weniger im übernatürlichen Sinne, sondern als Last einer unaufgearbeiteten Vergangenheit mit all ihren Leichen im Keller, als Alpdruck einer unauflösbaren Hassliebe für den Ort der Herkunft, muss einem sofort Tony Wakeford einfallen, in dessen Werk &#8211; und somit auch bei seiner Hauptband Sol Invictus &#8211; immer wieder das Hadern mit England und London zur Sprache kommt.</p>
<p>Am deutlichsten geschah dies bisher in dem Song „Old London Weeps“ vom „The Devil&#8217;s Steed“-Album, in dem die Stadt an der Themse als Ort von Intrigen, Crime und Punishment, aber auch als Heimat zauberhafter wie derber Geschichten in gebrochener Wehmut besungen wird. All dies wirkt wie ein lange verblichener Mythos in einer Zeit, in der einen die Manager der City of London niederstarren, und bezeichnenderweise erschien der Song auch auf einem Sampler namens „A Mythological Prospect Of The Citie Of Londinium“, wo es in einem weiteren Sol-Stück heißt „England is funny, but sometimes she scares me“. Man kann Tony Wakefords gespaltenes Verhältnis zu seiner Stadt nicht ohne seine ambivalente Haltung zur eigenen Englishness sehen, und ein zwiespältiges England kommt oft zur Sprache: als dubioses Geheimnis, das in „An English Garden“ einen verwunschenen, aber um Normalität bemühten Ort heimsucht. Als bornierter Egoismus in „Mr. Cruel“. Als Konsumantreiber in „Toys“. Als doppelbödiges edwardianisches Erbe in <a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/orchestra-noir-what-if%e2%80%a6/">„What if&#8230;“ von Tonys anderer Band Orchestra Noir</a>. Als dadaistischer Spaß in The Wardrobe, seiner Kollaboration mit Andrew Liles.</p>
<p>Muss man in dem Zusammenhang auch über Wakefords frühe Irrungen und Wirrungen im Hinblick auf den englischen Nationalismus und den einen oder anderen ideologischen Fehlgriff sprechen, die ihm einige, trotz seiner klaren Positionen zum Brexit und zur Rechten allgemein, trotz Wiederbelebung seiner linken Punkband Crisis, noch heute vorwerfen, wie jüngst recht unrühmlich im Wire? Mann kann, aber damit würde man nur einen Diskurs befeuern, bei dem aus unterschiedlichen Ecken viel Halbwissen nachgeplappert wird, v.a. von denen, die seit zwanzig Jahren kein Sol Invictus mehr gehört haben. Wakefors Musik, seine Texte, seine aktuellen Kollaborationen und die Objekte seines Spotts sprechen für sich, und all dies ist jedem zugänglich, der sich informieren will.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/NC1ua1YYSkw" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>Auf „Necropolis“ erscheint London, wie Wakeford selbst sagt, als „eine Stadt, die von den Gepflogenheiten und Verbrechen der Toten und der Lebenden wie von Gespenstern heimgesucht wird“, zudem als eine im Verfall befindliche Stadt der Mausoleen. Ganz passend also, das Album nach der viktorianischen London Necropolis Railway zu benennen, die die Stadt mit dem im Südwesten gelegenen (und recht schönen) <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Brookwood_Cemetery">Brookwood-Friedhof</a> verbindet. Lässt man die Musik und die Texte auf sich wirken, hat man kaum den Eindruck, einer Klage über den Wandel der Dinge beizuwohnen (denn dafür erscheint Old London als viel zu gebrochener Schauplatz), sondern einem morbide eingefärbten, und dennoch abgeklärten Stimmungsbild.</p>
<p>Musikalisch hat „Necropolis“ in der Hinsicht einiges zu bieten und vereint einige Charakteristika früherer Werke. Die instrumentelle Vielseitigkeit, ein gewisser Hang zum Klassischen und der Einsatz weiblicher Stimmen schlägt im vielleicht eingängigsten Song „See Them“ und an einigen weiteren Stellen die Brücke zu den Alben von „In A Garden Green“ bis „Thrones“ &#8211; ein besonderer Bonus ist diesmal die Mitwirkung des Green Army Choir, eines gemischten Londoner Kammerchores aus dem Umfeld von <a href="http://africanpaper.com/2016/05/07/jo-quail-five-incantations/">Cellistin Jo Quail</a>. Aber auch das leicht jazzige Drumming z.B. in der Abendmahlsparodie „Set The Table“ deutet in diese Richtung, ebenso das immer wieder anklingende feierlich monotone Finger picking, das an barocke Tänze erinnert und seit „Sawney Beane“ zu Wakefords Markenzeichen gehört. Auch an die letzten Alben, an das trotz guter Produktion rumpelige <a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/sol-invictus-the-cruellest-month/">„The Cruellest Month“</a> und das stark von Don Andersons Gitarrenspiel geprägte <a href="http://africanpaper.com/2014/10/25/sol-invictus-once-upon-a-time/">„Once Upon A Time“</a> wird man erinnert &#8211; so etwa bei den Pauken und Flöten von „Shoreditch“ oder bei „Old Father Thames“, dessen stockender Takt die wechselhaften Bewegungen des Flusslaufs nachzuahmen scheint. Im Zentrum des Stückes steht ein Doku-Sample, das den Fluss als „Serpent in the bosom of London“ beschreibt und den mystischen Charakter der Stadt in Erinnerung ruft. Wakefords wie immer etwas eigenwilliger Gesang versteckt sich dahinter und ist stellenweise kaum zu verstehen.</p>
<p>In den Texten zeichnet sich ein derbes, morbides und gleichsam zauberhaftes Bild der Stadt ab. London erscheint als ein Ort steten Kommens und Gehens, in der sich die Kirchenglocken die Geschichte von Schuldnern zuläuten, mit denen &#8211; „chop, chop“ &#8211; kurzen Prozess gemacht wird, als Ort grausiger Menschenopfer, wo Landstreicher von den abergläubischen Anwohnern in den Fluss geworfen werden, bis die London Bridge über den Gebeinen einstürzt, als Ort der großen Pest und des großen Feuers, und es entbehrt nicht eines gewissen Sarkasmus, wenn es dabei „There isn&#8217;t any dance“ heißt, und Wakefords Gitarre wie eine Mischung aus Saltarello und Totentanz klingt. Das gleiche London erscheint aber auch als verlorener Liebesgarten, der sich &#8211; unter Rückgriff auf <a href="https://www.poetryfoundation.org/poems/45950/the-garden-of-love">ein bekanntes William Blake-Gedicht</a> &#8211; als die titelgebende Totenstadt entpuppt.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/pakjOJShngM" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>Inmitten ihrer Totenstadt stimmen Sol Invictus ihren großartigen Abgesang an, der das verbleichende London weder verflucht, noch sentimental verklärt &#8211; eine ernsthafte, von schwarzem Humor und einer Menge experimentierfreudiger Ideen durchdrungene Musik irgendwo zwischen Prog und (diesmal irgendwie buchstäblich) Apocalyptic Folk, die man im Soundtrack hören sollte, falls Peter Ackroyds <em>London: The Biography</em> jemals verfilmt werden sollte. Gerüchten zufolge soll „Necropolis“ auch den zumindest vorläufigen Endpunkt der Bandgeschichte markieren. Schade wäre das allemal, denn Wakefords wechselhafte Combo zählt zu den raren Beispielen unter den Darkfolkern der ersten Generation, die primär durch solide Musik und weniger durch das Beanspruchen von Extrawürsten in Erscheinung getreten sind. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://de.prophecy.de/startseite/">Auerbach / Prophecy</a></strong></p>
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		<title>SOL INVICTUS: Once Upon A Time</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Oct 2014 05:41:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Über Tony Wakeford und Sol Invictus ist viel geschrieben worden, über manches so viel, dass es einem schon zu den Ohren herauskam. Eine Sache, die nur gelegentlich zur Sprache kommt, ist die einzige Konstante, die es über die Jahre gegeben &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/10/25/sol-invictus-once-upon-a-time/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SolInvictusOnceUponATime.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9432" title="SolInvictusOnceUponATime" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SolInvictusOnceUponATime-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Über Tony Wakeford und Sol Invictus ist viel geschrieben worden, über manches so viel, dass es einem schon zu den Ohren herauskam. Eine Sache, die nur gelegentlich zur Sprache kommt, ist die einzige Konstante, die es über die Jahre gegeben hat, und die alle thematischen, ideologischen und musikalischen Wandlungen standfest überdauert hat – gemeint ist Tonys rein musikalischer Beitrag, primär sein Gitarrenspiel, das sich seit Jahrzehnten über eine handvoll Motive spannt, die zwar merklich einfach sind, aber dennoch in puncto Tempo, Akkorde und Klangfarben so einzigartig, dass man Sol Invictus oft schon nach Sekunden aus einer Menge anderer Dark Folk-Bands heraushören kann. Auch sein Gesang hat sich<span id="more-9431"></span> über die Dekaden kaum verändert, allenfalls ist seine Stimme etwas tiefer geworden. Da die Band sich vom Line-up her und inhaltlich immer mal wieder neu erfindet, hat ein derartiges Leitmotiv durchaus seinen Reiz.</p>
<p>Während die inhaltlichen Wandlungen schon eine gewisse Linearität aufweisen (vereinfacht gesprochen von einem heidnisch-antimodernen zu einem existentialistisch-liberalen Sarkasmus), kommen die Veränderungen in Lineup und Instrumentierung oft überraschend, denn zwischen dem mal folkigen, mal punkigen, mal lärmigen Frühwerk, dem virtuosen Bandsound mit Howden, Doherty und andern in den 90ern, der rauen „Devil&#8217;s Steed“ und der opulenten „Cruellest Month“ besteht keine logische Kontinuität, vielmehr bestimmen die jeweiligen Mitglieder die musikalische Gewandung. Zu denen zählen auf dem aktuellen „Once Upon a Time“ auch zwei amerikanische Metaller, und so ist diesmal etwas dazugekommen, das man bei Sol Invictus bisher nicht finden konnte – Rock weit jenseits von lärmigem Bassgeknarre.</p>
<p>Positiv zu bewerten ist daran, dass die Beiträge, bei denen vor allem Agalloch-Gitarrist Don Anderson in Vordergrund steht, sich konstant mit dem folkigen Rest verknüpfen und keinen Fremdkörper darstellen. Dem Intro mit dem typischen Tony-Geschrammel verleiht das eine gewisse Schwere, beim ersten Highlight „The Devil On Tuesday “ verschmilzen die elektrifizierten Saiten mit rumpeligen Drums zu einer Progrock-Einheit und bilden einen Kontrast zu Tonys Picking, wie man ihn seit „Thrones“ nicht mehr zu hören bekam, wobei das kniedelige Gitarrensolo auch etwas anstrengend wirkt. Von den Instrumentalstücken überzeugt v.a. „13 Mercies “, das mit seinen Twangs und seinem fast groovigen Bass wie für einen nächtlichen Roadmovie gemacht scheint, und kein kontrastreicheres Setting zur diesigen Dämmerwelt des Vorgängeralbums darstellen könnte. Als Kulisse für Tonys ironischem Pessimismus – was wäre Sol Invictus ohne die obligatorische Allegorie auf das Bösartige, auf religiöse Heuchelei und bornierte Englishness („Mr. Cruel“) und seine parataktischen Gegenüberstellungen von Schönem und Ungenießbarem („The Path Less Travelled “) &#8211; eignet sich dieser Schauplatz aber ebenso gut.</p>
<p>Es gibt Stellen, an denen die Rockelemente im Hintergrund blieben, ohne vollends zu verschwinden, in „The Devil&#8217;s Year“ gehört die Bühne v.a. der berührenden Violine Renées, in „Our Father“ steht alles im Zeichen eines schmissigen Allegro – der Alte Ritter-Sound dieser Familientragödie en miniature zählt übrigens zu den größten Momenten. Bedauerlich ist auf der anderen Seite, dass das Luftige und Folkige macher Stücke unter der Schwere der Gitarrenparts oftmals erstickt wird, und man am Ende doch nicht vollends überzeugt ist, dass Altes und Neues wirklich harmoniert.</p>
<p>Zweifellos wird „Once Upon a Time“ polarisieren, einige der Fair Isle Jumpers unter den Fans wird es vergraulen, aber vielleicht erschließt die Zusammenarbeit mit Agalloch und Prophecy der Band ja auch ein paar neue Horizonte. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://de.prophecy.de/startseite/">Prophecy</a></strong></p>
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		<title>NAEVUS: Stations (2CD inkl. Bonus Disk „Others“ lim. 111)</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Sep 2013 07:28:30 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/09/naevusstations.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7623" title="naevusstations" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/09/naevusstations.jpg" alt="" width="167" height="150" /></a>Lloyd James von Naevus hat eine angenehme Stimme und wenn es sein muss auch ein Händchen für schöne Melodien. Wahrscheinlich verstören seine Songs deshalb niemals direkt, auch wenn die Musik stets das Gefühl vermittelt, von etwas Ernstem, mitunter Drastischem zu künden. Erst mit der Zeit registriert man, dass die eingängigen Stücke einen doppelten Boden haben. Heterogene Elemente harmonieren nie ganz miteinander, oft wirken die Drums wie Versatzstücke einer Kollage, die dem Gesang und den restlichen Spuren kurzerhand aufgeklebt wurden. In die Melodik schleicht sich immer wieder eine Verweigerungshaltung ein, die dem Wohlklang eine spröde Monotonie entgegenhält. Den Songtexten<span id="more-7622"></span> mag oft ein Element von Trost innewohnen, und doch künden sie nicht selten von Sackgassen. Der Bandname, den James zusammen mit seiner früheren Partnerin Joanne Owen wählte, passt ganz gut zu dieser Doppelbödigkeit, verweist er doch auf etwas Unangenehmes, das auf den ersten Blick so unscheinbar wirkt wie der eigene Klang.</p>
<p>In vielen Naevus-Rezensionen geht es um Aspekte der stilistischen Einordnung, konkreter um die Frage, ob die Musik nun zur weiten Welt der Postpunk-Retromanie zählt oder doch eher einer eigenwilligen Spielart des Folk entspricht. Schon weil man beides zugleich bejahen und verneinen kann wirken solche Fragen immer etwas langweilig. Und doch gibt es bei Naevus bestimmte Songtypen, deren Abgrenzung sich zum Großteil entlang solcher Stilfragen abzeichnet. Das kann man ganz gut anhand einer respektablen Werkschau aufzeigen, die vor kurzem unter dem bezeichnenden Titel &#8220;Stations&#8221; erschienen ist. &#8220;Stations&#8221; ist keine Best-of, auch wenn die Band nach fünfzehn Jahren und sieben Alben im adäquaten Alter dafür wäre, sondern eine Sammlung fast aller Tracks, die nicht auf Alben, sondern auf Compilations, Singles oder Split-Veröffentlichungen erschienen sind, ergänzt von einigen unveröffentlichten Aufnahmen.</p>
<p>Wollte man Naevus-Songs nun in Schubladen packen, müsste man Akustiksongs von solchen mit aggressivem Punkverve unterscheiden, eine weitere Kategorie würden schunkelige Seemannslieder mit Akkordeon bilden, eine kleinere zuguterletzt wären soundscapeartige Experimentalstücke. Schematisch wäre das, weil die Songs solchen Kategorien nur selten in Reinform entsprechen, so beginnt &#8220;The Orchard&#8221; mit sanftem Folkpathos, um irgendwann kurzerhand den Schauplatz zu wechseln: Was im beschaulichen Obstgarten beginnt endet in einen düsteren Gothkeller der verwahrlosten Metropole. Auch die Urversion von &#8220;Body Speaks in Tongues&#8221; ist bloß dann ein netter Folksong, wenn man sich das atonale Quietschen und Jaulen wegdenkt, bei dem neueren „Oracle, Oracle“ zerstört noisiges Gitarrenfeedback jeden Gedanken an einen Ohrwurm. Freilich gibt es auch lupenreine Songwriterballaden, doch alle warten mit ihren eigenen Extras auf: das hier als Titelstück fungierende „Stations“ mit einem whiskeyseligen Honky Tonk-Piano, „Untold“ mit stimmungsvollen Surf-Twangs oder „Kill deep“ aus der rauen Frühzeit mit ritueller Repetition.</p>
<p>Durch Joannes Akkordeon bekommen einige Stücke einen starken Sea Shanty-Charakter, exemplarisch hervorgehoben seien hier das frühe „Torn Wheat Deap“ oder „Recovery is not Permitted“ von der Split-EP mit Spiritual Front. Für viele sind sie das Sahnehäubchen der Bandkarriere, ich persönlich bevorzuge allerdings die härteren, agressiveren Stücke mit der oft leicht atonalen Handschrift der Drummer John Murphy und Hunter Barr. „Occasion Table“, ursprünglich auf einem musikalisch durchwachsenen Sampler erschienen, ist auch hier eines der Highlights und verbindet Noise mit einer rumpeliger Perkussion, die einer ganze Reihe an Stücken ihren Stempel verpasst. Gallopierende, fast westernartige Stücke sind nicht das, was man als erstes mit Naevus in Verbindung bringt, umso mehr mag das neuere Uptempo-Stück &#8220;The Beast&#8221; all die überraschen, die „The Devil“ vom Split mit KnifeLadder noch nicht kannten.</p>
<p>James hatte stets ein Faible für Neuinterpretationen, und so bilden Coverversionen eine Kategorie für sich. Auf der limitierten Bonus-CD „Others“ sind sämtliche Cover, meist Beiträge zu Tribute-Samplern, zusammengetragen. James nimmt auch die Herausforderung an, große Namen zu covern, und zum Teil handelt es sich dabei um Songs, denen man nicht einfach im Handumdrehen eine neue Gestalt verleiht. Die eigenständige Interpretation (und Übersetzung) von Ain Sophs „Uomini Perduti“ oder die nur subtil veränderte Version von Tom Waits&#8217; „Walking Spanish“ sind jedoch mehr als gelungen, ebenso die im Rahmen seines Seitenprojektes Retarder aufgenommene Akustikversion von Fine Young Cannibals&#8217; „Johnny Come Home“. Zwei Scott Walker-Songs und eine Hommage an die seit Jahren überschätzten Joy Division dagegen betrachte ich als solide Fingerübungen. Neben einigen Traditionals und einer Umsetzung von Sol Invictus&#8217; &#8220;Oh What Fun&#8221; (bei der das Wort „Fun“ mit einer äußerst ironisch wirkenden Langsamkeit kontrastiert) stechen ein paar Songs über grausame Mädchen und feistes Essen hervor, die aus dem Repertoire von James Freund David E. Williams stammen.</p>
<p>Naevus ist durchaus eine Art Konsensband, insofern, dass sie Hörer ansprechen könnten, die klassischen World Serpent-Neofolk ebenso gemocht haben wie New Model Army, Echo and the Bunnymen oder die Smiths. Wären sie frühzeitig bei einem hippen Label gelandet, wäre zuletzt weit weniger Wind um Gruppen wie Cult of Youth gemacht worden. „Stations“ und „Others“ dürften sich zum Kennenlernen der Band eignen, da viele Songs den Albumtracks in nichts nachstehen.</p>
<p><strong>Label: Tourette</strong></p>
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		<title>SOL INVICTUS: The Cruellest Month</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 14:56:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bis zum 2005 erschienenen Album „The Devil’s Steed“ war es Tony Wakeford über die Jahre mit Hilfe von Leuten wie Sally Doherty und Matt Howden gelungen, SOL INVICTUS in eine harmonischere und klassische Richtung zu lenken und auf „Thrones“ sogar &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/sol-invictus-the-cruellest-month/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/cruellest.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-409" title="cruellest" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/cruellest.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Bis zum 2005 erschienenen Album „The Devil’s Steed“ war es Tony Wakeford über die Jahre mit Hilfe von Leuten wie Sally Doherty und Matt Howden gelungen, SOL INVICTUS in eine harmonischere und klassische Richtung zu lenken und auf „Thrones“ sogar dezente Jazzeinflüsse zu integrieren. Er selbst bezeichnete das damalige Lineup mehrfach (u.a. in den Linernotes zu der Compilation „The Giddy Whirls of Centuries“) als das beste der Bandgeschichte.<span id="more-408"></span></p>
<p>Vor „The Devil’s Steed“ verließen die beiden oben genannten Musiker die Band und das Album klang dann auch erheblich rauer und rustikaler als der Vorgänger. Auch Tor Lundvalls ungewohnt spärliches Artwork konnte man als Illustration einer gewissen Reduktion lesen. Kurze Zeit nach Erscheinen des Albums verließen dann auch noch Eric Roger und Karl Blake unter wenig erfreulichen Umständen die Band und seitdem veröffentlichte der ewig produktive Wakeford zahlreiche Soloalben und Zusammenarbeiten mit anderen, allerdings kein neues Album seiner Hauptband und es hieß, er habe zwischenzeitlich darüber nachgedacht, sie aufzulösen (der Ballast der Vergangenheit wiegt manchmal und in diesem Fall – gelinde gesagt – besonders schwer).</p>
<p>Sechs der dreizehn auf „The Cruellest Month“ zu findenden Songs sind in der einen oder anderen Version in den vergangenen Jahren veröffentlicht worden, etwa auf Samplern („To Kill All Kings“, „The Blackleg Miner“), als Vorabsingle („The Bad Luck Bird“, „Stella Maris“) oder auf dem DUO NOIR-Livealbum „Sintra“ (das Titelstück und „Edward“). Glaubt man beim Eröffnungsstück „Raining in April“ durch die recht melodischen Streicherpassagen noch, hier werde mit neuer Besetzung versucht, an klassische Alben und das ehemalige „Lieblingslineup“ anzuknüpfen, kommen schnell scheppernde Drums hinzu, die das Stück dann etwas ruppiger klingen lassen, bevor dann mit dem in anderer Form auf „John Barleycorn Reborn“ veröffentlichten „To Kill All Kings“ dieser Eindruck gänzlich aufgelöst wird: atonale Streicher, die wie Warnsirenen tönen, erneut brachiales Schlagzeug und eine hektische Flöte, die das Stück sperriger als die Ausgangsversion klingen lassen,  da das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente immer eine leicht atonale Note hat. Das wird sich fast leitmotivisch durch das gesamte Album ziehen. Auch der Gesang klingt entsprechend rau. Möwenkreischen kündigt das ruhige„The Sailor’s Aria“ (die Vertonung eines Textes des irischen Dichters Hanum Tate)  an:  Drones im Hintergrund untermalen Kings leicht schiefen Gesang.  An die Seethematik (und passend von einem Akkordeon untermalt) knüpft „Fools’ Ship“ an, das Narrenschiff, das mit leicht anderem Namen auch Wakeford als Auftrittsort diente und die (syntaktisch holprigen und semantisch leicht schiefen) Zeilen „Books and bodies burn/To prove we never learn“ zeigen wie üblich eine Desillusionierung  und Skepsis, was den menschlichen Fortschritt anbelangt (und man muss Wakeford schon übel gesonnen sein, wenn man glaubt, hier Spengler’sche Untergang-des-Abendlandes-Phantasien herauszuhören). Thematisch knüpft „Toys“ daran an: Als Metapher für den katastrophalen Zustand der Welt dient die Destruierung klassischer und allseits bekannter Spielzeuge: Der unschuldige und nicht erwachsen werdende Peter Pan „schläft mit Huren“, Action Man, die englische Version von G.I. Joe, ist ein Päderast und Noddy dreht Snufffilme (um drei willkürliche Beispiele herauszugreifen)  und am Ende findet sich die pessimistische Schlussfolgerung: „we are easily brought [!] and easily sold/England expects you to do as your [!] bloody well told“ (ein Lektor wäre nicht schlecht gewesen). King trägt von Gitarre untermalt das Traditional „Edward“ vor und  hier retten gerade die letzten instrumentalen, erneut leicht schiefen letzten Minuten das Stücke vor allzu großer Berechenbarkeit. Das schon bekannte „The Bad Luck Bird“ mit dem tollen Zusammenspiel von treibenden  Flöten und Akustikgitarre ist vielleicht der Hit des Albums. Das Instrumental „April Rain“ mit  Flöte, Hackbrett und Geige verweist auf den ersten Titel.  Auf acht Minuten kommt Kings Interpretation des Traditionals „Cruel Lincoln“, als „Long Lankin“ schon von einer Reihe anderer Bands vertont. Was hier mit dezenter Akustikgitarre beginnt, steigert sich im Verlauf der vorgetragenen Geschichte in ein aggressiv-polterndes Stück; hier beeindruckt, wie sich der Gesang bis zur Darstellung des Mordes  am Ende beharrlich steigert. Verzerrter Gesang findet sich bei der ansonsten recht typischen SOL INVICTUS-Nummer  „Something is Coming“.  „Stella Maris“ ist vergleichen mit  einigen anderen Tracks dagegen fast schon etwas antiklimatisch, wenn auch kein schlechtes Stück. Das Titelstück ist zurückhaltend, eine Flöte leitet das Lied ein, dann folgen Streicher und Hackbrett, zu denen Wakerford erneut desillusioniert „This indeed is the cruellest month/We swap young limbs for bloody stumps/This indeed is the cruellest month/The hiss of snakes and governments“ intoniert.  Dabei spielt der Titel natürlich auf das vielleicht berühmteste Gedicht in englischer Sprache an, T.S. Eliots 1922 erschienenes Magnum Opus „The Waste Land“ (dessen Eröffnungszeilen „April is the cruellest month, breeding/Lilacs out of the dead land“ selbst die Eingangszeilen „Whan that Aprill, with his shoures soote/The droghte of March hath perced to the roote“ aus Chaucers <em>Canterbury Tale</em>s umkehren). Mit der Antistreikbrecherhymne „The Blackleg Miner“ endet das Album brachial.</p>
<p>Durchgängig fällt auf, dass der Akustikgitarre eine geringere Rolle als zuvor zukommt, wie vital diese fast komplett neu besetzte Band ist und wie wenig Wakeford eigentlich mit einem Genre zu tun hat, das heutzutage oftmals von Kniebundhosen tragenden Biedermännern und Möchtegernjägern bevölkert ist, deren steife Posen, die völlige musikalische und textliche Gehalt- und Belanglosigkeit ihrer Stücke verbergen sollen.  Für all diejenigen, die wenig mit oftmals langweiliger Lagerfeuerromantik anfangen können,  ist dieses raue, oft atonale Album ein willkommenes Gegenmittel und vielleicht sollte man Wakeford einfach mal wünschen aus dieser Ecke herauszukommen, denn seine Musik ist schon lange weit davon entfernt, insofern ist die auf „Something’s Coming“ gestellte Frage  „Do you play dead or do you advancve?“ leicht zu beantworten.</p>
<p>(J.M.)</p>
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