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	<title>African Paper &#187; Chris and Cosey</title>
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		<title>THROBBING GRISTLE: The Third Mind Movements</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Aug 2024 05:06:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/08/a0845171626_10.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-42391" title="a0845171626_10" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/08/a0845171626_10-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als sich <a href="http://africanpaper.com/tag/throbbing-gristle/">Throbbing Gristle</a> 2004 reformierten – nachdem die erste Inkarnation der Band 1981 verkündet hatte: <a href="https://www.tape-mag.com/bilder/gross/TG_Mission_is_terminated.jpg">„The Mission Is Terminated“</a> –, da waren die Gefühle vieler Hörer und Fans zum Teil sicher ambivalenter Natur: Einerseits war da die Freude der spät(er) Geborenen, die plötzlich die Möglichkeit hatten, Genesis, Sleazy, Chris und Cosey live zu erleben, anderseits war jedem wohl klar, dass es kaum möglich sein würde, den unglaublichen Resonanzraum, den die Band in den 70ern geschaffen hatte, erneut zu füllen, <span id="more-42388"></span>zu sehr war die Aura(tisierung) der Band untrennbar mit Außermusikalischem, mit dem Überbau verbunden (Stichwort „wreckers of civilization“, „guerillia approach“).</p>
<p>Die Wiedervereinigung (die –  wenn man Coseys Autobiographie Glauben schenkt – zum Teil auch finanziellen Anreizen geschuldet war), war dann aber vom musikalischen Gehalt durchaus fruchtbar: Mit der 4-Track EP „TG Now“ aus dem Jahr 2004 zeigten sie dem Titel entsprechend, wie eine zeitgenössische Version Throbbing Gristles klingen konnte. Auch das 2007 nach einiger Verzögerung erschienene Album „The Endless Not“ beeindruckte durchaus damit, dass Vergangenheit und Gegenwart zu einem völlig eigenständigen Klang verschmolzen.</p>
<p>Verglichen mit „The Endless Not“ spielen Vocals auf „The Third Mind Movements“ (aus dem Jahre 2009) eine geringere Rolle. Die Genese des Albums beginnt aber eigentlich ein paar Jahre zuvor: Auf Anregung Sleazys wollte die Band Nicos Meisterwerk <a href="http://africanpaper.com/2011/08/31/nico-the-frozen-borderline/">„Desertshore“ </a>komplett neu interpretieren. Die vier spielten im Londoner ICA an drei Tagen (1.-3. Juni 2007) öffentlich stattfindende Sessions &#8211; die sie auf <a href="https://www.discogs.com/sell/release/1009855?ev=rb">12 CD-Rs</a> komplett verfügbar machten. Dass nach Genesis&#8217; Verlassen der Band Ende 2010, Sleazy, Cosey und Chris als X-TG weitermachten und erst nach Sleazys Tod <a href="http://africanpaper.com/2012/12/15/x-tg-desertshore-the-final-report">„Desertshore/The Final Report“ </a>dann mit einer Reihe von Gastsängern fertiggestellt werden konnte, ist eine andere Geschichte. Vielleicht werden im Rahmen von Mutes Wiederveröffentlichungsserie irgendwann auch noch<a href="http://www.throbbing-gristle.com/x-tg/"> weitere X-TG-Aufnahmen</a> erscheinen. Aus den oben angesprochenen ICA-Sessions bastelte man für die Amerikatour die ursprünglich auf 3000 Exemplare limitierte CD „The Third Mind Movements“, die mit dem Titel auf zwei der zentralen Inspirationsquellen (Burroughs, Gysin) der Band verwies.<iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1581946371/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p>Das Album beginnt mit „The Man from Nowhere“: Da erklingen Rhythmusspuren, die vielleicht entfernt an „20 Jazz Funk Greats“ denken lassen, dazu kommen seltsam verhallte Passagen, ein dunkles Pulsieren. Genesis&#8217; bearbeitete und verfremdete Stimme taucht auf und verschwindet wieder, Unverständliches murmelnd. „Premature“ erinnert anfangs mit den dunkel-dräuenden Sounds vielleicht an TGs Soundtrackarbeiten, dann kommen im zweiten Teil Beats und Stimmfragmente hinzu. Auf dem minimalistischen „Secluded“ lässt sich eine fast schon kreatürliche Stimme vernehmen, die flirrenden Sounds verweisen etwas auf das Spätwerk Coils.  Auf dem fast zehnminütigen „Perception Is The Only Reality“ erklingt Atmen, es folgt das rhythmische „Not That I Am“. Der Höhepunkt des Albums ist das dreiteilige Titelstück: Auf „First Movement“ hört man Coseys so charakteristisch klingendes Kornett inmitten von melodischen Passagen und pochenden Sounds. Das ist Jazz für die Endzeit. Auf dem zweiten Teil entsteht ein unheimlicher Track mit knarzenden Momenten. &#8220;Third Movement&#8221; knüpft mit seinen Kornettpassagen an den ersten Teil an.</p>
<p>Auf der 12-CD-R-Box gibt es einen Track der <a href="https://i.discogs.com/pBCOIg2giO4-kjr401PI3LGFm1v3e5FwnCf8Etlxm-s/rs:fit/g:sm/q:90/h:595/w:600/czM6Ly9kaXNjb2dz/LWRhdGFiYXNlLWlt/YWdlcy9SLTEwMDk4/NTUtMTI2NTc1NjAz/Ni5qcGVn.jpeg">„Mental Jam&#8221;</a> heißt und vielleicht könnte man vielleicht auch das hier zu Hörende so beschreiben – und natürlich  sollte das durchaus als Lob verstanden werden. Dieses Album zeigt die Band von einer weniger konfrontativen Seite, aber &#8220;The Third Mind Movements&#8221; enthält eine Stunde (immer noch) irrittiereder Musik.</p>
<p>Wer das Album mit der Vergangenheit vergleichen möchte, der höre sich die nach Auflösung der Band 1986 erschienene CD &#8220;TGCD1&#8243; an, auf der Anfang 1979 entstandenes Material zu hören ist und die jetzt im  Rahmen von Mutes Wiederveröffentlichungen ebenfalls wieder erhältlich ist. In den Linernotes schrieb Genesis 1986: „The 4 members of Throbbing Gristle wanted to investigate to what extent you could mutate and collage sound, present complex non entertaining noises to a popular culture situation and convince and convert We wanted to re-invest Rock music with content, motivation and risk.“ (MG)</p>
<p>Label: <a href="https://mute.com/">Mute </a><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1936749173/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>X-TG: Desertshore / The Final Report</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Dec 2012 09:13:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon die Re-Formation Throbbing Gristles im Jahr 2004 nach der Terminierung der Mission im Jahre 1981 war eigentlich ein Affront, ein zum Scheitern verurteilter Versuch, denn Throbbing Gristle waren immer mehr als nur die Musik. Von Anfang an ging es &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2012/12/15/x-tg-desertshore-the-final-report/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/12/artworks-000032775208-1tgv1i-original.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6001" title="Layout 1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/12/artworks-000032775208-1tgv1i-original-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Schon die Re-Formation Throbbing Gristles im Jahr 2004 nach der Terminierung der Mission im Jahre 1981 war eigentlich ein Affront, ein zum Scheitern verurteilter Versuch, denn Throbbing Gristle waren immer mehr als nur die Musik. Von Anfang an ging es (auch) um das Außermusikalische, die Transgression, den Schock, der sicher eine ebenso wichtige Rolle zur Bildung der „Legende“ (David Henderson in Sounds) beitrug, wie diese „Musik der Unbefugten“ (G. Brus). Ganz häretisch könnte man sagen, dass die Geschichte (durchaus doppeldeutig zu verstehen) Throbbing Gristles vielen Rezensenten geläufiger war als die Musik. Gegen diese These spricht auch nicht der (erfolgreiche) <a href="http://www.guardian.co.uk/music/2003/jan/01/artsfeatures.popandrock ">Versuch</a> eines Journalisten 24 Stunden am Stück die Musik der Band zu hören.<span id="more-5999"></span></p>
<p>Wenn in der aktuellen Testcard ein Autor räsoniert, dass das Werk der Band „bis heute im Gegensatz zu vielen anderen Avantgarden seine Halbwertszeit als schockierendes Manifest einer emanzipatorischen Provokation nicht ansatzweise überschritten hat, noch immer Schmerzen bereitet, ins Fleisch zu schneiden scheint“, dann wird deutlich, wie hoch jenseits des rein klanglichen Gehalts die Erwartungen an eine Band sind, die, wie hinlänglich bekannt, einmal als „Zivilisationzerstörer“ tituliert wurden und ein ganzes Genre (mit)erfanden. Dieses Insistieren auf der epochalen Leistung des Quartetts spiegelt sich auch in den Linernotes zum aktuellen, finalen Album der (geschrumpften) Band wieder, wenn Dan Fox schreibt: „[Throbbing Gristle were] „beacons at the extreme co-ordinates of art, performance and sound, witnesses to the darkness of GB 1977-2012“.</p>
<p>Versucht man sich aber auf den musikalischen Gehalt der Auftritte und Veröffentlichungen der letzten Jahre zu konzentrieren, so sieht die Bilanz meines Erachtens nicht schlecht aus. Schon auf „TG Now“, der EP, die die Rückkehr einläuten sollte, gelang es der Band, eine unruhige, durchaus minimale Form irritierender elektronischer Musik zu erzeugen, die verdeutlichte, dass es die Band geschafft hatte, ihre ganz eigene Klangsprache und ihre Ursprungsideen ins 21. Jahrhundert zu übertragen. Und auch wenn auf allzu große textliche und musikalische Schockeffekte verzichtet wurde, so war die Musik noch immer verstörend – nicht nur dann, wenn durch Lautstärke und Frequenzen die Wände der Volksbühne in Berlin zum Vibrieren, zum <em>Pulsieren</em> gebracht wurden. Auch wenn natürlich die auf der Bühne aufgeklappten Macbooks für <a href="http://analogue-heaven.1065350.n5.nabble.com/My-Throbbing-Gristle-Live-Review-td81852.html">manche</a> nicht das gleiche Distinktionspotential hatten wie die <a href="http://www.synthtopia.com/content/2011/04/12/chris-cosey-interview-throbbing-gristle/">selbstgebauten</a> Synthesizer und Protosampler, die in der Vergangenheit die Bühnen zierten.</p>
<p>Das erneute Zerwürfnis und die Entstehungsgeschichte des neuen Albums, das nun unter dem Namen X-TG veröffentlicht wird sowie der über <a href="http://pitchfork.com/news/47992-genesis-p-orridge-and-chris-carter-in-twitter-feud-over-upcoming-throbbing-gristle-album/">Twitter</a> ausgetragene Disput zwischen P. Orridge auf der einen und Chris und Cosey auf der anderen Seite sind hinlänglich dokumentiert und sollen hier keine große Rolle spielen. Dass das ursprünglich von Peter &#8220;Sleazy&#8221; Christopherson initiierte „Desertshore“-Projekt jetzt ohne P.Orridge erscheint, mag nicht jedem zusagen, aber wer sich die ursprünglichen(öffentlich durchgeführten) <a href="http://tg.greedbag.com/buy/the-desertshore-installation/">Sessions</a> aber anhört, der wird feststellen, dass damals Sleazy schon zu Beginn der Aufnahmen dem Publikum mitteilte, Genesis höre die Musik an jenem Tag zum ersten Mal. Das mag einerseits ein nettes Kokettieren mit der oftmals antimusikalischen Herangehensweise der Band gewesen sein -ähnlich wie damals behauptet wurde, Monte Cazazza habe beim Einspielen seiner Aufnahmen für Industrial Records seinen eigenen Vortrag nicht gehört, da er Kopfhörer getragen habe-, war aber auch schon ein Hinweis auf die Arbeitsteilung innerhalb der Band und die letztlich schon damals immer geringere Rolle P-Orridges bei der musikalischen Gestaltung. Auf dem nun erschienenen Album findet sich keine Spur mehr von seinem Gesang, sondern eine Reihe von Gastsängern interpretieren die Songs von Nicos vielleicht bestem Album, auf dem ihr tiefer Gesang, ihr Harmoniumspiel und John Cales Produktion eine perfekte Synthese eingingen.</p>
<p>War das Brian Jones gewidmete „Janitor of Lunacy“ im Original von einer teutonischen Schwere durchzogen, so situiert Antony mit seinen mulitgetrackten Vocals das Stück irgendwo im Äther, transzendiert das Original. Die Elektronik pulsiert dezent, zwischendurch setzt kurzzeitig Coseys Kornet ein, spielt inmitten der elektronischen Landschaft die Melodie, die Nico auf ihrem Harmonium intonierte. Das ist vielleicht einer der stärksten Tracks des Albums, auch wenn (oder gerade weil) die Stimmung doch eine ganz andere ist. Wie Streicher klingende Elektronik leitet das von Blixa Bargeld gesungene „Abschied“ ein. Dumpfes Pochen gibt den Rhythmus vor, im Fokus steht dann aber ganz klar Bargeld, der den Text zurückhaltend vorträgt. An mehreren <a href="http://www.brainwashed.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=9492:x-tg-qdesertshorethe-final-reportfaet-narokq&amp;catid=13:albums-and-singles&amp;Itemid=133">Stellen</a> ist schon auf Sasha Grays (misslungene) Interpretation von „Afraid“ hingewiesen worden und tatsächlich: Insbesondere verglichen mit dem Original klingt Greys Stimme farblos, es scheint, als wolle sie besonders sinnlich wirken, insgesamt ist das aber ähnlich blutleer wie ihr Auftritt in Soderberghs „Girlfriend Experience“. Marc Almond, der auf seinem Album „The Stars We Are“ mit Nico das Duett „Your Kisses Burn“ gesungen hatte, interpretiert nun „The Falconer“ mit dunkler Stimme, ganz so, als wolle er sich Nicos Timbre anschließen. Almond gelingt hier eine Art von Sinnlichkeit, an der Sasha Grey sich vergeblich versucht. Musikalisch ist dieses Stück vielleicht das melodischste des ganzen Albums. Sperrige Geräusche dagegen leiten Coseys Version von „All That is My Own“ ein und bizarrerweise klingt ihre Stimme auf dem recht treibenden Stück tatsächlich entfernt an Christa Päffgen. „Mütterlein“ wird von einem recht klaren Beat durchzogen, Bargelds Vortrag ist fast aggressiv, atonale Elemente brechen ein, die Trauer des Originals weicht hier einem fast verzweifeltem Zorn. Das vielleicht am industriellsten klingende Stück auf diesem Album ist das von Gaspar Noé interpretierte „Le Petit Chevalier“, das ursprünglich von Nicos kleinem Sohn gesungen wurde. Noés verzerrte Stimme weckt allerdings zu starke Assoziationen an wenig inspirierte Epigonen. „My Only Child“, mit Cosey am Mikro, ist melodisch und man hört vereinzelt Klänge, die an die Spätphase Coils erinnern. Abgeschlossen wir das Album von dem Track „Desertshores“: Inmitten der verhallten Pianoklänge hört man das Flüstern der Freunde Sleazys, die dem Verstorbenen zurufen: „Meet me on the desertshore“.</p>
<p>Mindestens ebenso interessant wie diese Neu- und Reinterpretation von Nicos Album ist das völlig eigene Material, das aus den letzten Sessions von Sleazy, Chris und Cosey stammt und hier – an frühe Throbbing Gristle-Alben anspielend und gleichzeitig das endgültige Ende in Worte fassend- „The Final Report“ heißt. Das Eröffnungsstück „Stasis“ gibt den Ton vor: Aus Pochen, Stampfen, Störgeräuschen wird unangenehme, dystopische Musik erzeugt. „Emerge to Space Jazz“ klingt so wenig nach Jazz wie es das dritte Album der Band tat, auch wenn Cosey Kornet etwas anderes zu verkünden versucht. Entfernt erinnern manche der Stücke an <a href=" http://africanpaper.com/2012/03/31/carter-tutti-void-transverse/">&#8220;Transverse&#8221;</a>,  das Album, das Chris und Cosey mit Nick Void eingespielt haben . „Um Dum Dom“ fällt etwas aus dem Rahmen, erinnert es doch an Sleazys recht harmonisches und positives Spätwerk. Zu tickendem Rhythmus und melodischen Passagen hört man Sleazys durch den Vocoder gejagte Stimme. Dieses Stück ragt von der Stimmung als kleiner Lichtblick aus der Tristesse heraus. Insgesamt aber ist &#8220;The Final Report&#8221; ein so beeindruckender wie bedrückender Soundtrack für einen Gang durch eine „Concentration City“ (J. G. Ballard), der verdeutlicht, wie vital diese Band noch immer ist/war. Das ist tatsächlich Industrial für das 21. Jahrhundert.</p>
<p>Der der limitieren Auflage beigelegte Remix von „Desertshore“, das Downloadalbum „<span style="font-family: Tahoma;">แฝดนรก </span>(Faet Narok)“, das als <a href="http://tg.greedbag.com/buy/-faet-narok-1/">„Evil Twin“</a>  bezeichnet wurde, ist ambienter, hier werden die Stimmen der Sänger an den Rand gerückt, werden verfremdet (auf Teil sechs klingt Blixa Bargeld fast wie Micky Maus), verlangsamt, sind nur noch ein Klangbaustein unter anderen.</p>
<p>Die bisherige Rezeption der Alben ist bislang (zu Recht) relativ positiv ausgefallen. Natürlich bringt man mit dieser Musik heutzutage keine Zivilisationen mehr zum Wanken, aber sie gehören zusammen mit den dieses Jahr veröffentlichten Alben der <a href="http://africanpaper.com/2012/10/04/swans-the-seer/">Swans</a> und Scott Walker &#8211; alles Künstler also, die seit mehreren Jahrzehnten aktiv sind- zu den aufregendsten Veröffentlichungen der letzten Monate und sind vielleicht eine angemessene Untermalung des von apokalyptischen Erwartungen durchzogenen Jahr 2012.</p>
<p>(M.G.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.industrial-records.com/">Industrial Records</a></strong></p>
<p><a href="http://x-tg.com/">X-TG</a></p>
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		<title>CARTER TUTTI VOID: Transverse</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 06:31:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/CarterTuttiVoidAlbumFront5001.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4133" title="CarterTuttiVoidAlbumFront5001" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/03/CarterTuttiVoidAlbumFront5001-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„Transverse“ ist die Aufnahme eines gemeinsamen Auftritts von Chris Carter, Cosey Fanni Tutti und Nik Void (Factory Floor) im Roundhouse in London anlässlich des Mute-Jubiläums im vergangenen Jahr und natürlich kann man den Auftritt durch den Altersunterschied der Beteiligten als ein Treffen der Generationen interpretieren und symbolisch hochstilisieren.<span id="more-4132"></span></p>
<p>Factory Floor sind was das Klangbild anbelangt, sicher sowohl von Factory Bands, insbesondere Joy Division (deren „She&#8217;s Lost Control“ sie auf „Bipolar“ fast zitieren), als auch von Throbbing Gristle, vielleicht in besonderem Maße von „20 Jazz Funk Greats“ bzw. Tracks wie „Hot On The Heels Of Love“ sowie frühen Chris and Cosey-Aufnahmen beeinflusst &#8211; insofern ist der gemeinsame Auftritt durchaus nachvollziehbar. Aber da ist noch etwas: Als vor Jahren unmittelbar nach der Reunion von Throbbing Gristle ein mehrtägiges Festival mit allen Nachfolgebands (Coil, Thee Majesty, Chris and Cosey) und weiteren Gästen unter dem Motto „Celebration of Industrial Musics in the 21st Century“ bei Camber Sands geplant war, wurde deutlich, dass die vier Bandmitglieder (Geistes-)Verwandtschaft eher bei Künstlern wie Matmos, Black Dice, Scanner oder Pan Sonic erkannten und weniger bei denjenigen, deren Leistung sich im 21. Jahrhundert (noch immer) darin beschränkt, dreißig Jahre später die Ästhetik von TG-Flyern zu reproduzieren und sich monomanisch mit Themen zu beschäftigen, an denen Throbbing Gristle selbst nach „Very Friendly“ und „Slug Bait“ nur noch bedingt Intresse hatten.</p>
<p>Nachdem Chris und Cosey sich zeitweise in CarterTutti umbenannt hatten, veröffentlichten sie mit „Cabal“ und „Feral Vapours of the Silver Ether“ zwei musikalisch weniger tanzbare Platten, wobei letzt genanntes Album eine wunderschön-warme, von der Melancholie des Herbstes geprägte Platte war.</p>
<p>Die Aufnahmen auf „Transcendcence“ fallen dagegen aber (nicht überraschend) wesentlich ruppiger aus und erinnern viel eher an das, was Chris und Cosey zuletzt mit Throbbing Gristle, zum Beispiel auf „The Third Mind Movements“ (bei dem Genesis keine große Rolle mehr zu spielen schien), bzw. bei X-TG gemacht hatten. Und Chris Carter erwähnt auch in einem Interview, dass einige der Rhtyhmen, die für den Auftritt verwendet wurden, ursprünglich für TG gedacht waren. Beim Auftritt in London stand Chris Carter vor seinem Mac und wurde von Cosey und Nik Void an den Gitarren flankiert. Der erste Track beginnt mit einem Beat, in den Gitarren und verzerrte Sounds einbrechen. Dabei verzichtet man noch auf Vocals, die setzen erst bearbeitet und verfremdet auf dem noch treibenderem zweiten Track ein, wobei das weniger ein Singen ist als ein Sprechen in Zungen, Echolalia. Im dritten Track meint man Wörter ausmachen zu können, bevor sie wieder verschwinden und Passagen lassen einen an Tracks von Demdike Stare denken.</p>
<p>Natürlich spielen Cosey wie auch Nik Void ihre Gitarren nicht im konventionellen Sinne, vielmehr entlocken sie ihnen weitere Geräusche, die sich im strukturierten Chaos verlieren. Wenn man sich diese Musik anhört, entsteht eine Art Soundtrack für ein urbanes wüstes Land, wobei das Album eine Art vitale Tristesse ausstrahlt und verstörend jenseits aller falscher Aggression oder plakativer Transgression ist, viel mehr transzendiert (man verzeihe mir das Wortspiel) das Album solche erschöpften Kategorien. Das ist (noch immer) in jederlei Hinsicht aufregende, in Unruhe versetzende Musik, die erstaunlich frisch klingt und die die Grenze zwischen von Menschen und Maschinen erzeugten Geräuschen verschwimmen lässt. Insofern ist das – um auf den Anfang zurückzukommen – ein Treffen der Generationen bar jeder Nostalgie – es sei denn, man findet es nostalgisch, wenn eine Zusammenarbeit zwischen Küntslern auf der Bühne und nicht via Internet stattfindet.</p>
<p>(M.G.)</p>
<p>Label: <a href="http://mute.com/">Mute </a></p>
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