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	<title>African Paper &#187; Consumer Electronics</title>
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		<title>CONSUMER ELECTRONICS: Surge</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Jun 2024 02:21:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit Philip Best sein in den frühen 80ern begonnenes Projekt Consumer Electronics 2007 rekativierte, entstanden eine Reihe von Alben. Musikalisch entfernte er sich von den brachialen analogen Dissonanzen, die noch auf dem 2009 veröffentlichten „Crowd Pleaser“ zu hören waren: Die &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/06/08/consumer-electronics-surge/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/DPROMCD170-Front-768x692.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-41359" title="CE Gatefold (134x134mm).eps" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/DPROMCD170-Front-768x692-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Seit <a href="http://africanpaper.com/tag/philip-best/">Philip Best</a> sein in den frühen 80ern begonnenes Projekt <a href="http://africanpaper.com/tag/consumer-electronics/">Consumer Electronics </a>2007 rekativierte, entstanden eine Reihe von Alben. Musikalisch entfernte er sich von den brachialen analogen Dissonanzen, die noch auf dem 2009 veröffentlichten „Crowd Pleaser“ zu hören waren: Die Musik wurde reduzierter, (ziemlich) kaputte Rhythmen bestimmten das Klangbild und irgendwann überließ er &#8211; dem <a href="http://africanpaper.com/2014/11/15/consumer-electronics-estuary-english/">hier</a> attestiert wurde, dass seine &#8220;Vocals [...] mit zum Beeindruckensten gehören, was man in welchem Genre auch immer hören kann&#8221; &#8211; das Schreien und Brüllen seiner (damaligen) Frau Sarah, er selbst rezitierte seine Texte. <span id="more-41357"></span></p>
<p>Im Vorfeld der Veröffentlichung von „Surge“<a href="https://cargorecordsdirect.co.uk/products/consumer-electronics-surge-1"> hieß </a>es, das Album sei „Noticeably noisier and more aggressive than previous releases“, was bedingt stimmt:</p>
<p>„Michael“ knüpft thematisch etwas überraschend an die eigentlich schon zum abgegriffenen Topos geronnene Killerthematik an, die spätestens seit Whitehouse allzu gängig ist und zu solch eher peinlichen (Selbst-)Bezeichnungen wie<a href="https://sloguncos.bandcamp.com/album/nothing-ever"> &#8220;True Crime Electronics&#8221; </a>führen sollte. Zu ultrarepetetiven, monotonen Beats, in die immer wieder Noise einbricht, gibt Best mit nüchtern-sachlicher Stimme Hinweise, wie man als Täter vorgehen solle: „the execution site must be carefully arranged“. Gerade dieses scheinbar Emotionslose macht das Stück umso beängstigender. „Kitten“, der einzige Track, dessen Text im Inlay der CD abgedruckt ist, verzichtet dgegen völlig auf Beats, stattdessen hört man seltsame kristalline Sounds im Hintergund und Atonales im Vordergrund. Best trägt hier wie ein Beobachtender eine Beschreibung des Schmerze(n)s vor: „kitten listened to techno music and tried to teach herself to dance using TikTok clips and taught herself HELP NEVER COMES“. Am Ende dann: &#8220;I remember her turning in her seat, and twisting like a rag doll twisting the breath coming in great, rapid gulps.&#8221; Das instrumentale „Launch Code“ ist minimales reduziertes Gebrutzel, skelettierte Musik, hier spuckt eine scheinbar völlig erratische, manische Maschine ihren Ekel aus. Auf „Dirt and Dust“ fiept es im Hintergrund, während Best ruhig rezitiert: „we should burn the shrinks, burn the bastards“. „Side Blaster“, mit „feedback“ von Ramlehs Gary Mundy, lässt Bests Stimme im Hintergund fast untergehen, sie wird Teil des zähen Klangsuds. &#8220;Contaminant“ knüpft an den Opener an, ist aber eine Spur aggressiver, was auch an den den Vocals liegt, auf denen im Ansatz der &#8220;dirty-word specialist“ von früher anklingt, der der angesprochenen Person entgegenschleudert: „you wanna make fuckin&#8217; sure“ „you really really think that? Yeah, you wanna make sure?&#8221; Schließlich der Abschluss mit dem neunminütigen Titelstück, auf dem eine sich wiederholende todtraurige Melodie mit knackend-brechenden Sounds kombiniert wird „und Best ruft: &#8220;get up, get up, children, it&#8217;s time“.</p>
<p>Von Labelseite <a href="https://www.dirterpromotions.com/releases/consumer-electronics/surge-release-date-15th-april-2024/">heißt</a> es, die Texte seinen entstanden „in the shadow of intimate distress, global conflict, and resigned disintegration“. Wenn im letzten Stück gesagt wird „What good our expectations? What good our explanations? Come sit with me, kitten, it&#8217;s time“,  dann verspürt man hier nach den teils aus der Distanz vorgebrachten Beobachtungen ein Verletztsein, ein Hadern mit und an der Welt, an den &#8220;Perlen aus der Schweinekrone der Schöpfung&#8221; (Reinhard Jirgl).</p>
<p>Vielleicht ist &#8220;Surge&#8221; von allen Consumer Electronics-Alben das, was die Interessen des mit einer Arbeit über Ballard, Burroughs und Pynchon promovierten Best, dessen literarische Interessen in einem weiten Feld zwischen Elfriede Jelinek und Dennis Cooper liegen, am ehesten zusammenbringt, denn durch seine Art des Vortrags, des Vortragens entsteht ein Hybrid, in dem der Musiker,<a href="https://amphetaminesulphate.substack.com/"> der Autor </a>wie auch <a href="https://amphetaminesulphate.bigcartel.com/">der Verleger</a> manifest werden. (JM)</p>
<p>Label:<a href="https://www.dirterpromotions.com/"> Dirter </a></p>
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		<title>Surge: Neues Album von Consumer Electronics</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2024 06:30:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 15. April erscheint auf Dirter Promotions das neue Album von Philip Bests Projekt Consumer Electronics. „Surge“ wird knapp fünf Jahre nach „Airless Space“ veröffentlicht. Über die musikalische Entwicklung Consumer Electronics der letzten Jahre konnte man hier lesen: „Schon auf &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/03/15/surge-neues-album-von-consumer-electronics/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 15. April erscheint auf Dirter Promotions das neue Album von Philip Bests Projekt Consumer Electronics. „Surge“ wird knapp fünf Jahre nach <a href="http://africanpaper.com/2019/07/13/consumer-electronics-airless-space/">„Airless Space“ </a>veröffentlicht. Über die musikalische Entwicklung Consumer Electronics der letzten Jahre konnte man <a href="http://africanpaper.com/2019/07/13/consumer-electronics-airless-space/">hier </a>lesen: „Schon auf dem 2014 veröffentlichten Album<a href="http://africanpaper.com/2014/11/15/consumer-electronics-estuary-english/"> &#8216;Estuary English&#8217; </a>gab es vereinzelt Momente, auf denen deutlich wurde, dass Rhythmus (in was für einer fragmentierten Form auch immer) zu einem Bestandteil des Klangbilds geworden war und auch der Klang insgesamt transparenter, minimalistischer wurde, man auf die brachialen Verzerrungen, die z.B. auf &#8216;<a href="http://africanpaper.com/2019/07/13/consumer-electronics-airless-space/(https://www.discogs.com/de/Consumer-Electronics-Crowd-Pleaser/release/1759583">Crowd Pleaser</a>&#8216; noch dominierten, weitgehend verzichtete.“ In der Besetzung Best und Russell Haswell eingespielt und mit einem Gastauftritt von Rahmlehs Gary Mundy, soll das neue Album <a href="https://www.dirterpromotions.com/releases/consumer-electronics/surge-release-date-15th-april-2024/">laut Labelinfo</a> allerdings „Noticeably noisier and more aggressive than previous releases “ sein. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/03/DPROMCD170-Front-768x692.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-40094" title="CE Gatefold (134x134mm).eps" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/03/DPROMCD170-Front-768x692.jpg" alt="" width="768" height="692" /></a><span id="more-40092"></span>„Consumer Electronics return with &#8216;Surge&#8217; — a brand new album containing 7 tracks and with a run-time of 42 minutes. The duo of Philip Best and album producer Russell Haswell deliver a hallucinatory vision of the world — as it appears in 2024 e.v. Noticeably noisier and more aggressive than previous releases, CE dive even further into the chaos of sonic manipulation and mind-bending frequencies. Best’s lyrics are among his most demented yet, written in the shadow of intimate distress, global conflict, and resigned disintegration. For his part, Haswell conjures crunching landscapes of sound and fiery rhythmic propulsions. The pair use state of the art technology allied with cracked and fractured primitive electronics. Exquisitely crafted to give the listener a disquieting look into the abyss. &#8216;I want to tell you / in this music / you hear / the sound / of plane after plane / taking off / amphetamine <strong>surge</strong> / Mahler’s pain / Wagner’s decline / what good are expectations? / what good are explanations? / get up / get up / children / it’s time.&#8217; Featuring a guest appearance by long time cohort Gary Mundy of RAMLEH, this should be considered the definitive CE album. Track listing: Michael. Kitten. Launch Code. Dirt And Dust. Side Blaster. Contaminant. Surge. Full colour artwork by Philip Best. Packaged in heavy board mini gatefold sleeve, with inner and insert.“</p>
<p>Das Album erscheint als CD und ist ebenfalls als Bündel zusammen mit einem demnächst erscheinenden T-Shirt erhältlich.</p>
<p>@ <a href="www.dirterpromotions.com/">Dirter Promotions </a></p>
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		<title>CONSUMER ELECTRONICS: Airless Space</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jul 2019 04:56:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Airless Space“ ist so etwas wie ein Kulminationspunkt der Entwicklung von Philip Bests reaktiviertem und seit etlichen Jahren in der festen Besetzung Best, seiner Frau Sarah Froelich und Russell Haswell agierenden Noiseprojekts. Schon auf dem 2014 veröffentlichten Album „Estuary English“ &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/07/13/consumer-electronics-airless-space/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/07/HARBINGER200.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-18181" title="HARBINGER200" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/07/HARBINGER200-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„Airless Space“ ist so etwas wie ein Kulminationspunkt der Entwicklung von Philip Bests reaktiviertem und seit etlichen Jahren in der festen Besetzung Best, seiner Frau Sarah Froelich und Russell Haswell agierenden Noiseprojekts. Schon auf dem 2014 veröffentlichten Album<a href="http://africanpaper.com/2014/11/15/consumer-electronics-estuary-english/"> „Estuary English“ </a>gab es vereinzelt Momente, auf denen deutlich wurde, dass Rhythmus (in was für einer fragmentierten Form auch immer) zu einem Bestandteil des Klangbilds geworden war und auch der Klang insgesamt transparenter, minimalistischer wurde, man <span id="more-18180"></span>auf die brachialen Verzerrungen, die z.B. auf <a href="(https://www.discogs.com/de/Consumer-Electronics-Crowd-Pleaser/release/1759583">„Crowd Pleaser“</a>  noch dominierten, weitgehend verzichtete. Eine stärkerere elektronisch-rhyhtmisch-technoide Ausrichtung zeigte sich auf der „Repetition Reinforcement“12&#8221;. Best selbst schien sich schreitechnisch zurückzunehmen und schließlich trat Sarah als (Co-)Vokalistin auf.</p>
<p>Gleich das Eröffnungsstück „Body Mistakes“ charakterisiert, was auf weiten Teilen des Albums zu hören ist: Beats, ein paar Effekte im Hintergrund, leichte Dissonanzen und dazu dann das Geschrei Sarah Froelichs. Dieses Wüten, das in jeder ausgespuckten Silbe Froehlichs („we need real choices to sin/feel it /only now / fuckdoll limp“) manifest wird, wird kontrastiert mit der doch verhältnismäßig entspannten Musik, die ohne die Vocals durchaus zum Chillen einladen könnte. „Carnage Mechanics“, auch der Titel eines demnächst erscheinenden <a href="https://consumerelectronics.bigcartel.com/product/carnage-mechanics-t-shirt-pre-order">T-Shirts</a>, ist der erste Höhepunkt des Albums: Von einem gleichbleibenden Beat begleitet, klingt Best anfangs noch wie ein distanzierter Beobachter, der ein verstörendes Szenario entfaltet: „syria and southern turkey/impacts setting off car alarms/as men moan and twist/angles of meat/voids of skin and muscle“. Doch im weiteren Verlauf bricht seine Stimme, zittert er, scheinen die Emotionen kaum noch (er-)tragbar zu sein: „the ragged storm coming [...] survivors will self-censor/whatever the cost/in white trash bags/marked with the cross“.  Am Ende wird dann die zutreffende Diagnose gestellt: „life adapts/and grief is constant“. Vielleicht klang Best nie empathischer als auf diesem beeindruckenden Track, der wie eine Fortsetzung von <a href="https://soundcloud.com/diagonal-records/diag019-consumer-electronics-murder-the-masters">„Murder The Masters“</a> klingt. Auf „Play Therapy“ gibt es ein Duet: Best spricht/Froehlich scheit; untermalt wird das von Passagen, die an ein Theremin erinnern und einer Rhythmusmaschine, die wie Doktor Avalanche auf der „Damage Done“-Single einer inzwischen zur Parodie verkommenen Band aus Leeds klingt: „dark, unlit homes/and abandoned stadiums/caked with anthrax/under cool grey spurts of sky/and the small everyday evils“.</p>
<p>Es ist vielleicht bezeichnend, dass „Afterfits“, als das einzige Stück, das mit seinem hysterischen Verzerrungen an frühere Aufnahmen anknüpft und so klingt, als sei Yamazaki Takushi zum Jammen vorbeigekommen, weitgehend ohne (verständliche) Vocals auskommt. Auf dem fast viertelstündigen „Murder of JJ“ wechseln sich Best und Froelich erneut am Mikro ab, während die Bassdrum gleichmäßig zu hören ist. Wenn Sarah auf dem von kaputten Beats durchzogenen „we the makers“ schreit: „i want to do my job the best i can/i don&#8217;t fake it/i never fake it“, dann kann man das auch vielleicht als Kommentar auf ihre Rolle in Consumer Electronics lesen. „Locust“, erneut ein Duett, ist der Track, auf dem auch Best brüllt und deutlich macht, dass es keinen besseren Power Electronics-Vokalisten als ihn gibt: „malnunutrition and shock/the low-budget/wood of the cross/riddled/stabbed and flogged“. Musikalisch erinnert der Track an Rhythm Industrial. Am Ende des Tracks wird ein weiteres verstörendes Bild gezeichnet: &#8220;kids strung in chains from giant trees/as cops pose for snapshots beneath&#8221;. Vielleicht ein weiteres &#8220;everyday evil&#8221;?</p>
<p>„Airless space“ ist auf textueller Ebene ein polyvalentes Werk, das sich (allzu) eindeutigen Lesarten verweigert und man hat inzwischen den Eindruck, dass viele Leser, Hörer, Zuschauer Ambivalenzen, Uneindeutigkeiten und Leerstellen nicht ertragen können und sich nach einfach(st)en (Be-)Deutungen sehnen. Für all diejenigen, die verstehen (und akzeptieren), dass gute Kunst sich nicht in solch ein Prokrustesbett pressen lässt, für den sind die 60 auf Doppel-Vinyl gepressten Minuten eine Offenbarung. (JM)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://harbingersound.bigcartel.com/">Harbinger</a></strong></p>
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		<title>CONSUMER ELECTRONICS: The Weight / Hostility Blues</title>
		<link>https://africanpaper.com/2018/10/20/consumer-electronics-the-weight-hostility-blues/</link>
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		<pubDate>Sat, 20 Oct 2018 05:27:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach Philip Bests Umsiedlung in den Staat der USA, in der momentan im Rennen um den Senat ein Demokrat, der Bassist in einer Punkband war, gegen einen Republikaner antritt, der gerne Schinkenspeck am Laufe eines Maschinengewehrs erhitzt, hat er sich &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/10/20/consumer-electronics-the-weight-hostility-blues/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/10/CE.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-16571" title="CE" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/10/CE-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nach Philip Bests Umsiedlung in den Staat der USA, in der momentan im Rennen um den Senat ein Demokrat, der Bassist in einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xNieIqqKrHs">Punkband</a> war, gegen einen Republikaner antritt, der gerne <a href="https://www.youtube.com/watch?v=EaZGaJrd3x8">Schinkenspeck am Laufe eines Maschinengewehrs erhitzt</a>, hat er sich als Verleger etabliert und in seinen kleinen Verlag <a href="https://amphetaminesulphate.bigcartel.com">Amphetamine Sulphate</a> u.a. <a href="https://amphetaminesulphate.bigcartel.com/product/jason-williamson-double-pack">Kurzgeschichten</a> von Sleaford Mods Jason Williamson veröffentlicht.<span id="more-16570"></span></p>
<p>Die Besetzung von seinem mit Unterbrechungen seit 1982 bestehenden Noiseprojekt Consumer Eletronics ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben: Best, seine Frau Sarah sowie Russell Haswell. Dabei machten die <a href="http://africanpaper.com/2016/01/02/consumer-electronics-dollhouse-songs/">letzten Veröffentlichungen</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ADaQdFELAkI">Auftritte </a>ein paar Dinge deutlich: eine Reduktion auf einen transparenteren, minimal(istischer)en Klang, eine (vielleicht Haswell geschuldete) Integration von (kaputten) Rhythmen sowie die Etablierung von Sarah Best als zweiter Vokalistin neben ihrem als <a href="https://img.discogs.com/MvXu5KfmFJWhQ5e1cdAStSsSiZE=/fit-in/300x300/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(40)/discogs-images/R-984613-1250599617.jpeg.jpg">„dirty word specialist“</a>  apostrophierten Ehemann.</p>
<p>Die auf Harbiger Sound jetzt erschienene 7&#8221; enthält zwei Stücke: „The Weight“, das auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FFqb1I-hiHE">gleichnamiges Stück</a> von The Band anspielt, das von stakattohaften Rhythmen und Hochtönen durchzogen wird und auf dem sich beide die Vocals teilen. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass es sich bei all den in dem langen Text adressierten Personen wie <a href="http://unidentified.wikia.com/wiki/Valentine_Sally">„valentine sally“</a> “um unidentifizierte Mordopfer handelt, wird der Kontrast zu dem von Robbie Robertson getexteten Band-Stück mehr als deutlich. Auf „Hostility Blues“ schreit Sarah Best zu Synthgebrutzel einen Text, auf dem ein apokalyptisches Szenario entworfen wird: „new diseases on the way / more and more every day /half a ton of guts ballooning out and viewed close up / bodies banked and waiting / leaking pus and pain“. Philip Bests <em>lyrics</em> sind noch immer ambi- und polyvalent (genug), sodass man die Stücke als scharfe Zeitdiagnose lesen kann – der <a href="https://boomkat.com/products/the-weight-hostility-blues">Text</a>, den Best für das Presseblatt geschrieben hat, erinnert an JG Ballard (über den Best<a href="http://etheses.dur.ac.uk/994/1/994.pdf?DDD11+EThOS%20(BL)"> promoviert</a> hat).</p>
<p>Das fragmentierte Cover passt zu Bests Art des Schreibens: Man denke etwa an den „composite text“ <a href="https://amphetaminesulphate.bigcartel.com/product/captagon">&#8220;Captagon&#8221;</a>. Musikalisch sind Conusmer Electronics (inzwischen) weit weg von traditioneller Power Electronics, aber immer noch weitaus irritierender als der Großteil verwandter Projekte und nach dem Hören dieser zwei Stücke verspürt der Hörer &#8220;no awareness/just pure / inexplicable bliss&#8221; (um abschließend die A-Seite der Single zu zitieren).  (JM)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://harbingersound.bigcartel.com/">Harbinger Sound</a></strong></p>
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		<title>Alien Existence &#8211; Bildband von Philip Best erscheint im Dezember</title>
		<link>https://africanpaper.com/2016/10/20/alien-existence-bildband-von-philip-best-erscheint-im-dezember/</link>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2016 12:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit einigen Jahren schon konzentriert sich Philip Best neben seiner Musik mit Consumer Electronics auch auf visuelle Arbeiten. Nicht alle seiner Fotokollagen, die oft auf Bildmaterial aus alten Magazinen und Prospekten basieren, haben auf den ersten Blick etwas von der &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/10/20/alien-existence-bildband-von-philip-best-erscheint-im-dezember/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einigen Jahren schon konzentriert sich Philip Best neben seiner Musik mit Consumer Electronics auch auf visuelle Arbeiten. Nicht alle seiner Fotokollagen, die oft auf Bildmaterial aus alten Magazinen und Prospekten basieren, haben auf den ersten Blick etwas von der harschen Direktheit und Kälte seiner Musik, und doch ist die subtile Berohlichkeit seiner kontrastreichen Sujets stets zu spüren, wenn Zeichen diffuser Gefahr in die zum Teil unbekümmerten Kindheitsszenarien einbrechen. Eine seiner großen Stärken ist dabei die symbolische Aufladung des Raumes, v.a. in Form emotional aufwühlender Landschaftsdarstellungen. Rumpsti Pumsti zeigte 2011 die Einzelausstellung „<a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/sex-offender-boyfriend-neue-kollagen-von-philip-best/">Sex Offender Boyfriend</a>“, im Rahmen des zweiten <a href="http://africanpaper.com/2013/05/25/gruppenausstellung-beim-epicurean-escapism-festival-ii-alex-tennigkeit-andrew-liles-carmen-burguess-dennis-rudolph-philip-best-rudolf-eb-er/">Epicurean Escapism Festival</a> wurde ebenfalls eine kleine Auswahl seiner Arbeiten gezeigt. Am 7. Dezember erscheint sein Bildband „Alien Existence“ bei Infinity Land Press.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/10/philipbestalienexistence.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-12873" title="philipbestalienexistence" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/10/philipbestalienexistence.jpg" alt="" width="960" height="640" /></a><span id="more-12872"></span></p>
<p>„Amplifying the dark themes of recent Consumer Electronics albums such as Estuary English and Dollhouse Songs, ‘Alien Existence’ charts the shattered psychic landscape of the early 21st century in all its eerieness, wonder and confusion. &#8216;Alien Existence’ is sure to both disturb and enchant. The book includes 40 pages of Best&#8217;s creative writings, over 200 colour reproductions and an extensive interview with the artist conducted by Martin Bladh.“</p>
<p><a href="http://infinitylandpress.com/2999170-alien-existence-by-philip-best"><strong>Infinity Land Press</strong></a></p>
<p><a href="https://www.facebook.com/Philip-Bests-Alien-Existence-161772474281828/"><strong>Facebook</strong></a></p>
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		<title>WHITEHOUSE: The Sound Of Being Alive</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Aug 2016 01:37:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn sich in den letzten Jahren in der Rezeption von Musik wie Power Electronics etwas geändert hat, dann insofern, dass es immer mehr Projekte gibt, die &#8211; ob wegen ihrer Musik oder aufgrund von Kriterien wie Labelzugehörigkeit sei dahingestellt &#8211; &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/08/13/whitehouse-the-sound-of-being-alive/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/04/whitehousethesoundofbeingalive.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12023" title="whitehousethesoundofbeingalive" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/04/whitehousethesoundofbeingalive-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wenn sich in den letzten Jahren in der Rezeption von Musik wie Power Electronics etwas geändert hat, dann insofern, dass es immer mehr Projekte gibt, die &#8211; ob wegen ihrer Musik oder aufgrund von Kriterien wie Labelzugehörigkeit sei dahingestellt &#8211; auch außerhalb einschlägiger Szenen gehört werden, auf hippen Labels herauskommen, auf arty Events spielen, bei Pitchfork und im Wire besprochen werden u.s.w. Whitehouse waren in der Hinsicht schon Grenzgänger, als Power Noise noch weitgehend eine Sache der<span id="more-12022"></span> subkulturellen Nischen war, und das lässt sich nicht einzig damit erklären, dass sie aus einer Zeit in den frühen 80ern stammten, als Post Industrial noch keine festgefahrene Szene bildete.</p>
<p>Neben allen Zufälligkeiten, die auf solche Entwicklungen einwirken, scheint dies auch ein bisschen daher zu rühren, dass Whitehouse spätestens seit ihrer zweiten Werkphase, die in etwa zeitgleich zur Herausbildung der Post Industrial-Community im heutigen Sinne begann, mit vielen Genrestandarts nichts am Hut hatten. Aller Radikalität auch textlicher Art zum Trotz hatten Whitehouse wenig Interesse am dezidiert Konzeptuellen, nie standen ganze Alben im Zeichen einer Idee, mag diese noch so mehrdeutig, gebrochen oder überaffirmativ konzipiert sein.</p>
<p>Stattdessen setzten Philipp Best und William Bennett auf vage Schwerpunkte, auf ein eher allgemein gehaltenes thematisches Referenzsystem und die Kraft einer (über-)markanten Attitüde, die stets einen Hang zur Selbstentblößung enthüllte und durch Bests touretteartiges Zetern immer auch einen Touch von Satire hatte. Deshalb, aber auch weil sie statt weltbewegender Themen den kleinen Hässlichkeiten des Lebens ihre Aufmerksamkeit schenkten, fehlte ihr auch das Lehrerhafte, das PE in seiner ganz eigenen abgklärten Kühlheit meist auch ohne einfache Slogans anhaftet. Whitehouse&#8217; in Abscheu getränkte Feier des Hässlichen war auch immer eine ambivalente (kathartische?) Feier des Lebens, und eine quasi posthume Compilation „The Sound Of Being Alive“ zu nennen, passt somit ganz gut.</p>
<p>Von der Auswahl her ist „The Sound Of Being Alive“ eine Art Best-of ihrer Alben ab „Mummy and Daddy“, d.h. es geht hier – gewagt ausgedrückt – um die klanglich eher schönen Whitehouse der zweiten Werkhälfte zu Ungunsten der ohrenschindenden Hochfrequenzen der 80er Jahre. Das einleitende „Wriggel Like A Fucking Eel“ vom „Bird Seed“-Album repräsentiert dies mit seinem heftigen, aber durchaus fein ziselierten Dröhnen und den akzentuierenden Beatansätzen, zugleich ist Bests auf diesem Sound schwimmende Hasstirade ein perfektes Beispiel für die textliche Natur später Whitehouse-Tracks – langweilige Klischees wie die Markenfetische und Sexfantasien eines einsamen Halbgaren, dem ich „American Psycho“ empfohlen hätte, werden abgekanzelt, denn was fehlt ist wohl das Besinnen auf die eigene glitschige Kreatürlichkeit, doch im punkigen Gezeter taucht immer auch die Frage auf, wer da eigentlich spricht, und ob die Stimme nicht vielleicht doch sich selbst meint.</p>
<p>Gleich darauf das sattere, kernigere „Cruise (Force The Truth)“, bei dem musikalisch nicht viel passiert und das doch (schon bevor die in schriller Hysterie herausgepressten Vocals einsetzen) extrem nach vorn prescht, und das sich auch als punkiges, die Sleaford Mods vorwegnehmendes Protestlied gegen die Banalisierung und Jasagerei in der Konsum- und Leistungsgesellschaft verstehen lässt, bis auf die Tatsache, dass das direkt adressierte Opfer durch einen Fragenkatalog über gängige Identitäts-Schablonen eher verhöhnt als zum Ausbruch aus der Mühle des Alltags motiviert wird.</p>
<p>Stücke von Whitehouse sind reichhaltig genug, um auch mit einer Auswahl vom zwölf Tracks Stoff für ein kleines Buch abzugeben, ich nenne hier nur die wichtigsten Beiträge, die dem Fan natürlich durchweg bekannt sind: Da wären vergleichsweise ohrenfreundliche Tracks wie „Princess Disease“ oder das rezitative „Kiling Hurts Gives you the Secret“, das mit Pauken und nur gelegentlichen Schreien die übliche Aggressivität nur andeutet, ähnlich wie „Cut Hands Has The Solution“, das nicht nur namensgebend für Bennetts späteres Projekt sein sollte, sondern auch ganz neue Dimensionen psychologischer „Feinfühligkeit“ auslotet. Neben solch relativ erholsamen Momenten sind selbstredend Kracher wie das herrlich holprige und den Höhepunkt an misanthropischer Hysterie bildende „A Cunt Like You“ vertreten, ferner das zwiespältige Coming of age-Stück „Why You Never Became a Dancer“ &#8211; im selbstgerechten Ton des wütenden Shouters entsteht die gleiche ambivalente Spannung wie im Opener, weshalb sich der Kreis am Ende nicht besser schließen könnte.</p>
<p>Ob mit dieser Best-of im Allgemeinen ebenfalls ein Abschlusszeichen gesetzt werden soll, die alte Größe in Erinnerung gerufen oder aus ihr noch einmal Kapital geschlagen werden soll, sei dahin gestellt &#8211; vermutlich von all dem etwas. Ich empfehle diese (von Noel Summerville neu gemasterte) Auswahl allen jüngeren Zeitgenossen, die gerade auf den Geschmack kommen und allen, die schon mal ein Geschenk für den nächsten Valentinstag in der Tasche haben wollen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.susanlawly.freeuk.com/">Susan Lawly</a></strong></p>
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		<title>CONSUMER ELECTRONICS: Dollhouse Songs</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jan 2016 06:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Überraschend schnell legen Philip Best, seine Frau Sarah und Russell Haswell nach dem im letzten Jahr veröffentlichten „Estuary English“ mit „Dollhouse Songs“ einen Nachfolger vor, der an den Vorgänger textlich wie musikalisch anknüpft. Eröffnet wird das Album, dessen Cover Trevor &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/01/02/consumer-electronics-dollhouse-songs/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/12/ConsumerR-7525760-1443343795-9801.jpeg1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-11466" title="ConsumerR-7525760-1443343795-9801.jpeg" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/12/ConsumerR-7525760-1443343795-9801.jpeg1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Überraschend schnell legen Philip Best, seine Frau Sarah und Russell Haswell nach dem im letzten Jahr veröffentlichten<a href="http://africanpaper.com/2014/11/15/consumer-electronics-estuary-english/"> „Estuary English“</a> mit „Dollhouse Songs“ einen Nachfolger vor, der an den Vorgänger textlich wie musikalisch anknüpft. Eröffnet wird das Album, dessen Cover Trevor Brown gestaltet hat, mit „History of Sleepwalking“, einem Stück aus verzerrten, brutzelnden Sounds, und (kaum zum Tanzen animierenden) Beats.<span id="more-11464"></span> Best flüstert (und erinnert damit anfänglich an die dieses Jahr auf Diagonal veröffentlichte 12‘ „Repetition Reinforcement“). Dann aber kommt die Eruption, Best brüllt, würgt, erbricht sich: „Now raise the toilet lid […] Smell of rot and freedom / Smeared pig lipstick“, um am Ende dann (wieder nur flüsternd) den Ratschlag zu geben: „Become a fucking insult / And kill them in their beds“.</p>
<p>Natürlich lässt sich das Album politisch lesen, etwa dann, wenn Best in biblischer Diktion auf „The Push“ verkündet: “Woe to the bloody city full of lies and robbery/Today I hear the beat of death in all things/I hear it in the streets and in the parks/You will all die”. Die Vocals werden teilweise nur von ein paar Beats untermalt, am Ende spricht er: „ I hate men and their violence/Their weak murderous minds“. Das ist für Bests Verhältnisse ein (extrem direkt) politisches Stück und auch wenn er jetzt in Texas lebt, so dürften diese Zeilen doch auf Camerons Toryregierung gemünzt sein, auf den Zustand des Vereinigten Königreichs. Aber man sollte nicht vergessen, dass Consumer Electronics nicht die Sleaford Mods sind (auch wenn sie das Label, <a href="http://www.discogs.com/Consumer-Electronics-Sleaford-Mods-Murder-Your-Masters-The-Committee-/release/6532873">eine 7‘</a> und ganz sicher eine gute Portion Zorn teilen), denn es finden sich auf dem Album genug Stücke, die -wie so oft bei Best- gängige Täter-Opfer-Zuschreibungen zum Verschwimmen bringen und auflösen, wie etwa „Knives Cut“, das mit Hochtönen beginnt, bevor brutale Verzerrungen einsetzen. In seiner Hysterie erinnert dieses Analogmassaker an japanische Acts wie z.B. Masonna. Zeilen wie „Let&#8217;s pretend you have a brain that functions/Independent of cunt” scheinen bar jeder Empathie zu sein. Dann am Ende aber erneut eine Aufforderung: “slumped spine straighten up/count to 10/ take a breath and burn it all fucking down”. Auf “Condition of a Hole” schreit Sarah Best zu verzerrten Beats: “Bruised from falling/ Bruised from the belt/Repetition repetition/This condition of a hole”. Im Vorfeld der Veröffentlichung mag sich der eine oder andere vielleicht darüber echauffiert haben, dass Best seiner Frau einen Platz am Mikrofon gibt, aber Sarah Best klingt auf diesem Album auf eine wirklich passende Weise unangenehm derangiert, so dass man auch ihr jedes Wort, das sie ausstößt, glaubt. Auf „Murder your Masters“ brüllt sie: “You are a sour leaking body /Wrapped in towels and dropped /Shivering to centre-stage / I am not here to help you”. Auf dem mit fiesen Analogverzerrungen beginnenden “Colour Climax” werden die Vocals mit der Musik scharf kontrastiert, denn Best trägt den Text nur sprechend vor. Inmitten dieser Apotheose der Invektiven fällt „Nothing Natural“ auf: Hochtöne, Lasershots, weitgehend instrumental, lediglich gegen Ende ist Gurgeln und Stöhnen zu hören.</p>
<p>Musikalisch ist interessant, dass – sicherlich auch Haswells Einfluss geschuldet – (kaputte) Rhythmen einen nicht kleinen Teil des Klangbilds ausmachen, ganz so, als wolle Best William Bennett zeigen, dass es nicht nur in Afrika perkussive Musik gibt.</p>
<p>In einer Zeit, in der zunehmend Studenten nach <a href="http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/09/the-coddling-of-the-american-mind/399356/"><em>trigger warnings</em></a> verlangen und überall <a href="http://www.nytimes.com/2015/03/22/opinion/sunday/judith-shulevitz-hiding-from-scary-ideas.html?_r=1">Mikroaggressionen</a> zu erkennen glauben (gleich Psychotikern, die sich von Mächten jedweder Couleur verfolgt fühlen), damit jedweden Diskurs zum Erliegen bringen und sich letztlich in eine wahrlich selbstverschuldete Unmündigkeit begeben -denn die (Ver-)Weigerung der Auseinandersetzung mit nicht nur queeren, sondern auch queren Gedanken, ist auch eine Weigerung zu denken, man scheint zu vergessen, dass im Adjektiv &#8220;bedenklich&#8221; eben dieses Verb steckt -, tut es mehr als gut, eine Band zu hören, die die personifizierte Makroaggression ist und deren Werke von einer Vielzahl von <em>trigger warnings </em>begleitet werden müssten. (J.M.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.harbingersound.bigcartel.com/">Harbinger Sound</a></strong></p>
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		<title>CONSUMER ELECTRONICS: Estuary English</title>
		<link>https://africanpaper.com/2014/11/15/consumer-electronics-estuary-english/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Nov 2014 07:40:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Während der selbst so apostrophierte „animal response technician“ William Bennett es inzwischen bis in die Tate Modern geschafft hat, mit Cut Hands gern gesehener Gast auf genreübergreifenden Festivals ist und inzwischen auf hippen Labeln wie Blackest Ever Black veröffentlicht, ist &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/11/15/consumer-electronics-estuary-english/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/11/ConR-6232812-1414339962-4489.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9576" title="ConR-6232812-1414339962-4489" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/11/ConR-6232812-1414339962-4489-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Während der selbst so apostrophierte „animal response technician“ William Bennett es inzwischen bis in die Tate Modern geschafft hat, mit Cut Hands gern gesehener Gast auf genreübergreifenden Festivals ist und inzwischen auf hippen Labeln wie Blackest Ever Black veröffentlicht, ist der mit einer Arbeit über Burroughs, Ballard und Pynchon promovierte „dirty word specialist“ Best einen etwas anderen Weg gegangen: Seine Auftritte mit Kassengestell, Schmerbauch und inklusive Nippelreiben sind auf eine Art konfrontativ, die ihresgleichen sucht, denn obwohl es natürlich eine Inszenierung ist, ist Bests<a href="http://www.youtube.com/watch?v=XWkNhcM1Bvk"> Bühnenpersona so irritierend und oft abstoßend</a>,  dass<em> suspension of disbelief</em> jederzeit möglich ist.<span id="more-9574"></span>Während das noch zu seiner Zeit bei Whitehouse enstandene Album „Nobody&#8217;s Ugly“ zwei lange, rein instrumentale Tracks enthielt, war „Crowd Pleaser“, das anfänglich wohl von William Bennett hätte produziert werden sollen, geprägt von Bests Vocals und seinen Invektiven, die er inmittem der Noisekaskaden in das Mikro brüllte.</p>
<p>Das neue, auf zwei Platten gepresste Album „Estuary English“, auf dem Best von Russell Haswell und Sarah Ruth Best (ehemals Froehlich, inzwischen seine Ehefrau) unterstützt wird, knüpft daran an und enthält auch Stücke, die man durchaus auf dem Spätwerk von Whitehouse hätte finden können: Etwa das von fiesen Hochtönen und ultraverzerrten übersteuerten Perkussionsspuren geprägte „Come Clean“ (eine neue Version/Überarbeitung von „Cockpit“ vom Vorgängeralbum), das an Stücke wie „Princess Disease“ denken lässt, oder etwa das Titelstück. Allerdings gibt es auf „Estuary English“ auch eine Reihe von Tracks, die -zumindest musikalisch- eine andere Richtung einschlagen. Das das Album eröffnenden „Teknon“ wird von Bassklängen dominiert, die das Stück zu einer Art von dementem Dub, Dub debil, machen, „Affirmation“ ist geprägt von analogem Synthgebrutzel, „Sex Offender Boyfriend“ beginnt mit einem Pulsieren, als wolle Best sich an Minimaltechno versuchen, das verhältnismäßig monotone „Co-Opted“ lässt ganz entfernt an Rhythm Industrial denken, auf „Air Lock“ wird komplett auf Intrumentierung verzichtet.</p>
<p>Was das Album aber von jedem anderen Noise-/Industrial- etc. Album abhebt, sind Bests Vocals, die mit zum Beeindruckensten gehören, was man in welchem Genre auch immer hören kann. Sie sind sozusagen &#8211; um den so/zu viele Lebensbereiche durchdringenden BWL-Sprech zu gebrauchen- sein Alleinstellungsmerkmal und lassen jeden andren Kraftelektroniker und Kulturellen Terroristen sehr, sehr blass aussehen. Gerade auf der ersten Hälfte des Albums, auf dem die Stimme oft nur musikalisch minimalst untermalt wird und ganz klar im Zentrum steht, klingt Best so, als würde er seine Texte nicht schreien, nicht brüllen, sondern auskotzen – sein Wüten, seine Verbalinjurien sind in jeder Silbe von einem Abgestoßensein, von einem Angewidertsein geprägt, das sich kaum in Worte fassen lässt. Das ist Tourette als ontologisches Statement. Dass die Texte im Klappcover komplett in Großbuchstaben abgedruckt sind, passt wie die Faust aufs Auge. Sieht man von „Co-Opted“ ab, das lediglich aus der (einmal leicht variierten) Zeile „Co-Opted by Cunts“ besteht, sind das Textkonvolute voller intextextueller Verweise. Auf „Teknon“ versteckt er in seinen Schimpfkanonaden (teils modifizierte) Blakezitate: „Little cunt, little cunt who made thee […]/Slowstain sculpture over bones of lions/And paint blood down palace walls“; sozusagen Hinweise auf „innocence“ wie „experience“. Bests Texte sind zwar eine fortwährende Freilegung der weniger schönen Seiten der „Sceptred Isle“, aber gleichzeitig auch immer wieder eine Infragestellung tradierter Täter/Opfer-Dichotomien. Es mag zwar redlich sein, wenn in The Quietus zumindest partiell versucht wird, Best als <a href="http://thequietus.com/articles/16595-consumer-electronics-estuary-english-review">sozialkritischen Diagnostiker </a>zu präsentieren, aber dafür ist er zu ambivalent, sind seine Dissektionen menschlicher Abgründe zu uneindeutig und vielleicht auch zu empathielos: „Put down your shopping/Turn on the telly/Just do what you can/To not gag too much/Put on the jeans and top/From the night before/You weren&#8217;t here/you didn&#8217;t fucking lose it“ heißt es auf „Sex Offender Boyfriend“, „Tell me what you think of me/Bipolar alcoholic/Near-catastrophic drug pig hollowness/And daytime incontinence“ auf „Come Clean“. Einzig auf dem 30-sekündigen „Air Lock“ nimmt Best sich zurück, rezitiert ruhig: „These final moments/in dull landscape/Dragged across the sky/What remains?/The shepherd/The branch stripped of bark/beaten broken limbs/And the beautiful/Bloody curtain/That awaits you/Comes down“.</p>
<p>Selbst vermeintlich alternative Musikhörer mögen das Album ablehnen (<a href="http://www.thrashhits.com/2013/05/live-deafheaven-the-secret-consumer-electronics-london-borderline-09-may-2013/">„this can surely only be endured, let alone enjoyed, by the most autistic of the autistic“</a>), Power Electronic-Puristen werden das Album wahrscheinlich ebenfalls nur bedingt goutieren, manche es gar als<a href="http://www.special-interests.net/forum/index.php?topic=3355.15"> „abomination“</a> betrachten &#8211; aber nur dann, wenn man unter einem Puristen jemanden versteht, der feste Kategorien liebt und sich nach einem gewissen Maß an Vorhersehhbarkeit sehnt. Wenn man ihn aber als jemanden betrachtet, der Reduktion und Fokussierung schätzt – im Kontext von Whitehouse fiel vor Jahren das Wort des Asketentums &#8211; , für den dürfte das Album eine Offenbarung sein. Dass sich all das auf lediglich 22 Minuten abspielt, ist in einer Zeit der hypertrophen, angeschwollenen Veröffentlichungen mehr als zu begrüßen. (J.M.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://dirter.co.uk/">Dirter </a></strong></p>
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		<title>What do you Know about a Good Father? Interview mit Joke Lanz von Sudden Infant</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Oct 2014 05:42:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der experimentellen Musik und im Post-Industrial sind Projekte üblicher als Bands, was man mit der Distanz zum herkömmlichen Rock&#8217;n'Roll-Lifestyle ebenso erklären könnte wie mit dem starken Konzeptcharakter vieler Arbeiten, bei denen meist die Ideen einer einzelnen Person im Zentrum &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/10/25/what-do-you-know-about-a-good-father-interview-mit-joke-lanz-von-sudden-infant/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-9480" title="SuddenInfant1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In der experimentellen Musik und im Post-Industrial sind Projekte üblicher als Bands, was man mit der Distanz zum herkömmlichen Rock&#8217;n'Roll-Lifestyle ebenso erklären könnte wie mit dem starken Konzeptcharakter vieler Arbeiten, bei denen meist die Ideen einer einzelnen Person im Zentrum stehen. Obwohl Sudden Infant eine sehr individuelle Sicht auf die Welt zum Ausdruck bringt und nicht selten persönliche Erfahrungen verarbeitet, entschied sich Betreiber Joke Lanz im vergangenen Jahr, das Einmannprojekt in ein Trio umzuwandeln, bei dem ein an Jazz und Rock geschultes Schlagzeug und ein Kontrabass mit dem altbekannten elektronischen Lärm zu einer Einheit fusionieren, die man als<span id="more-9456"></span> organisch bezeichnen könnte, wäre der Begriff nicht so verbraucht. In vielem ist sich der Musiker jedoch entschieden treu geblieben: Kämpferische Shouts, Stakkato-Rhythmen und der Drang, die Geheimnisse des Erwachsenwerdens, der Geschlechter und der Betriebsblindheiten unseres Alltags zu ergründen &#8211; all dies ist bei Sudden Infant so aktuell wie eh und je, und nach wie vor hebt sich seine Selbstoffenbarung angenehm ab von Standards einer banalen Geständniskultur vor der Kulisse einer vermeindlich heilen Welt. Anlässlich des neuen Albums sprach Joke mit uns über Neues und Beständiges in der musikalischen und außermusikalischen Welt.</strong></p>
<p><em><strong>Sudden Infant ist nun eine Band. Wenn man bedenkt, wie oft man diesen Satz derzeit liest, könnte man meinen, dass für dich gerade ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Ist der Einschnitt wirklich so groß, oder siehst du die Veränderung eher als Erweiterung des Bestehenden?</strong></em></p>
<p>Ich würde sagen es ist beides. Ich habe dazumal 1986 mit einer Punk/Hardcore-Band angefangen, Musik zu machen, und irgendwie schliesst sich nun der Kreis wieder. Der elektronische Sound, den ich bisher fast ausschließlich alleine mittels Sampling kreiert hatte, ist nun lebendigem Material gewichen, wurde also durch Bass und Schlagzeug ersetzt. Einerseits eine Erweiterung, andererseits auch ein neuer Abschnitt nach 25 Jahren. Der plötzliche Säugling ist nun etwas älter geworden.</p>
<p><em><strong>Was gab den eigentlichen Anstoß dazu &#8211; die Begegnung mit den beiden </strong></em><br />
<em><strong>Musikern, das Gefühl, dass etwas zum Abschluss gekommen ist, oder eher </strong></em><br />
<em><strong>die Erkenntnis, dass Joke Lanz nicht immer deckungsgleich ist mit Sudden </strong></em><br />
<em><strong>Infant?</strong></em></p>
<p>Christian Weber kenne ich schon sehr lange, wir spielen seit vielen Jahren im Bereich der Improvisierten Musik zusammen. Er war auch früher bereits bei Sudden Infant mit dabei für die Aufnahmen der beiden CDs  &#8220;Earwash&#8221; (2003 SSSM Japan) und &#8220;Psychotic Einzelkind&#8221; (2008 Blossoming Noise USA). Christian ist einer meiner liebsten Freunde und ein genialer Bassist. Alexandre Babel hab ich zum ersten Mal in Riga auf dem Sound Forest Festival 2010 gesehen, wo er ein Solo Schlagzeug-Set gespielt hat. Das hat mich im wahrsten Sinne des Wortes weggeblasen, das war unglaublich toll. Die Lust und die Idee für die Transformation von Sudden Infant in eine Band-Formation hatte ich eigentlich schon länger im Hinterkopf. Ich musste einfach noch warten bis die Zeit und die Umstände passten und dies ist nun geschehen und Christian und Alexandre sind mit viel Freude und ihren tollen musikalischen Ideen mit dabei.</p>
<p><em><strong>Gab es in der Vergangenheit Umbrüche, die für dich ähnlich stark ins Gewicht gefallen sind? Gab es von deiner Seite aus je Überlegungen einen anderen Projektnamen zu wählen?</strong></em></p>
<p>Ich habe in der Vergangenheit immer wieder gerne mit anderen Musikern gearbeitet. Ich spiele heute noch regelmässig, vor allem als Turntablist, in Duos, Trios und freien Gruppen. Das Sudden Infant-Universum hat sich jedoch ganz klar, wie aus einem Urknall, mit der Geburt meines Sohnes Céleste ergeben. Ich war ja selber noch sehr jung und wollte nicht erwachsen werden. Und plötzlich trage ich zusammen mit meiner damaligen Freundin die Verantwortung für ein neues Menschenleben. Dies hat mich und meine Musik sehr geprägt. Sudden Infant hat mich seither auf meinem Weg begleitet und natürlich auch verschiedenste Veränderungen durchgemacht. Genauso wie im richtigen Leben. Das musikalische Projekt ist zum Lebensentwurf geworden. Ein anderen Namen wollte ich eigentlich nie wählen.</p>
<p><em><strong>Bei Sudden Infant dreht sich vieles um sehr persönliche Themen aus deiner Biografie. Hast du das Gefühl, dass das jetzt einen anderen Stellenwert bekommt, oder werden die Inhalte nach wie vor ganz dein Metier bleiben?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant4.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-9481" title="SuddenInfant4" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant4-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Natürlich werde ich weiterhin einen großen Teil der Inhalte beisteuern und textlich vor allem die Abgründe, Seelenzustände, Freuden, Ängste und Schmerzen der Menschen beschreiben. Während meiner vielen Reisen beobachte ich sehr gerne Situationen, kleine Begebenheiten, Gesichtsausdrücke, Körpersprachen usw. Ich mache mir dann oft Notizen, Stichworte, Assoziationsketten. Daraus ergeben sich Verse oder kinderähnliche Reime, sehr einfach und direkt. Ich möchte die Texte einfach halten und die Geschichten nicht überzeichnen, sondern nur andeuten, weil sich für mich vieles im Leben auf einer intuitiven und emotionalen Ebene abspielt und mit Worten eigentlich gar nicht vollends erklärbar ist. Ich mag Aufzählungen, Wiederholungen und kleine Stories aus einer irrationalen Kinder- und Geisterwelt, die dann plötzlich explodieren können, textlich wie musikalisch.</p>
<p><em><strong>Du arbeitest für deine Soloarbeiten in deinem Heimstudio, gehst für andere Arbeiten aber auch in reguläre Studios. Wie kann man sich den Aufnahmeprozess des letzten Albums vorstellen und wie unterscheidet sich die Herangehensweise von deinen Soloarbeiten?</strong></em></p>
<p>Für das neue Album haben wir ein Studio in Polen ausgewählt, weil wir unbedingt mit Roli Mosimann (ex-Swans) zusammen arbeiten wollten. Die meisten Stücke waren von mir bereits geschrieben und ich hatte sie auch schon einige Male Solo auf der Bühne gespielt. Wir haben die Stücke nun für Bass und Schlagzeug angepasst und zum Teil auch stark geändert. Während der vier Tage im Studio hatten wir auch Zeit neues auszuprobieren, und daraus sind dann zwei komplett neue Tracks entstanden (&#8220;Hold Me&#8221;, &#8220;Endless Night&#8221;). Wir sind dabei alle gleichberechtigt und es macht unheimlich viel Spass mit diesen beiden Ausnahmemusikern neues Material zu entwickeln. Roli Mosimann hat dann mit seiner ganzen Erfahrung als Produzent und Soundmagier den Rest dazugegeben.</p>
<p><em><strong>Dein neues Album trägt den Titel &#8220;Wölfli&#8217;s Nightmare&#8221;, im gleichnamigen Song geht es um die Situation von Kindern in der Dritten Welt &#8211; &#8220;ten children every day die of diarrhoe&#8221; heißt es u.a. Denkst du, dass jemand wie Adolf Wölfli nötig wäre, um das Bizarre des Alltags gerade in Kriesengebieten deutlicher zu machen?</strong></em></p>
<p>Eine interessante Frage! Ja, ich denke die Menschen in der Ersten Welt sitzen in einem geschützten, sicheren Nest, gehen wie selbstverständlich durch ihren geregelten Alltag. Die meisten von uns können sich auf einer rationalen Gefühlsebene überhaupt nicht vorstellen, was es heisst in der Dritten Welt zu leben, Tag für Tag um seine Existenz zu kämpfen und zwar mit dem nackten Leben. Die Bilder aus dem Fernsehen und dem Internet wirken abstrakt, es betrifft uns nicht, denn diese Bilder sind ja weit weg und diese Menschen stehen uns nicht nahe. Die Dekadenz der Ersten Welt, das Jammern auf hohem Niveau, das Streben nach immer mehr Wohlstand und Luxus, kann eigentlich gegenüber dem Elend und dem grenzenlosen Leid der Dritten Welt und der Kriegsgebiete in keiner Weise gerechtfertigt werden. Die Auseinandersetzung auf einer irrationalen oder sogar surrealen Ebene ist diesbezüglich dringend notwendig. Politiker und Wirtschaftsbosse werden diese Arbeit nicht leisten können. Also liegt es an den Künstlern, Dichtern, Musikern, aber auch an den normalen Menschen, sich über rationale Denkmuster hinwegzusetzen und wenn nötig dem kreativen Wahnsinn freien Lauf zu lassen.</p>
<p><em><strong>Gibt es für dich einen spezielleren Bezug zu dem Künstler, der dieses Jahr 150 geworden wäre?</strong></em></p>
<p>Ich habe Adolf Wölfli Mitte der 80er Jahre entdeckt und war von seinem immensen Werk, welches er als Insasse einer Psychiatrischen Klinik erschaffen hat, fasziniert. Die Titelwahl des Albums war eher zufällig. Ich wusste nicht mal, dass dieses Jahr sein 150jähriges Jubiläum ist. Und dann wurde ich noch für ein Theaterstück in Bern angefragt, ob ich den Wölfli spielen könnte. Irgendwie kamen die Geister alle zu mir.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-9489" title="SuddenInfant7" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant7.jpg" alt="" width="640" height="480" /></a><em><strong>Väter und Söhne kehren in deiner Musik immer wieder, auch im neuen Album geht es z.B. um die Frage, was einen (guten) Vater ausmacht. Dabei kommt dem väterlichen und dem kindlichen Blickwinkel stets der gleiche Stellenwert zu, und mit der Zeit scheinen die damit verbundenen Fragen eine Einheit zu bilden. Ist das beabsichtigt, oder ergibt es sich automatisch aus deinen Interessen?</strong></em></p>
<p>In jedem Mann steckt auch ein Kind. Also in jedem Vater auch ein Sohn. Ich habe meinen Vater früh verloren und bin dann später selber Vater geworden. Als Einzelkind war das Fehlen einer Vaterfigur nicht einfach für mich, vor allem während meiner Teenagerjahre. Da hat man schon mal das Bedürfnis, dem Vater ein paar Fragen zu stellen. Dies hat mich bis zu einem gewissen Grad geprägt. Heute habe ich mit meinem Sohn eine sehr freundschaftliche Beziehung, also wie zwei gute Freunde. Da lösen sich die Grenzen zwischen Eltern und Kind völlig auf.</p>
<p><em><strong>In dem stark auf Saul Williams referierenden Stück &#8220;Father&#8221; heißt es, dass Väter auch etwas Mütterliches haben sollten. Denkst du, dass die immer mal wieder aufflammenden Gender-Debatten einen guten Schritt darstellen, oder erscheint dir die ideologisierte Angestrengtheit in den unterschiedlichsten Fraktionen eher als Hindernis?</strong></em></p>
<p>Es kann nicht genug solcher Gender-Debatten geben, denn wir müssen alle ganz dringend unser verkrustetes Bild von Männlein und Weiblein überdenken.</p>
<p><em><strong>Welche Rolle spielt Humor für dich beim Entstehen der Musik und bei Auftritten?</strong></em></p>
<p>Humor ist die Gegenstimme zur Tragik des Lebens!</p>
<p><em><strong>In der Vergangenheit wurde das Körperbezogene deiner Arbeit stets hervorgehoben und fast als Markenzeichen betrachtet. Man könnte nun sagen, dass Klänge immer auch ein physisches Phänomen sind und bei Performances auch der Körper eine wichtige Rolle spielt. Was macht diesen Aspekt gerade für Sudden Infant so wichtig?</strong></em></p>
<p>Der körperliche Trieb und die Intuition sind viel schlauer als der Intellekt! Auf dieser These beruht eigentlich meine ganze Philosophie, sei es musikalisch, performativ oder künstlerisch. In meinen Augen hat sich die Musik mit der Erfindung des Computers sehr aus dem körperlichen Bereich wegbewegt, also sozusagen entkörperlicht. Dies finde ich sehr schade. Punk, Rock, Jazz, Metal sind körperliche Musik und die Energie ist wichtig, diese kann nicht mit Kopfgeburten erzeugt werden.</p>
<p><em><strong>Schaut man sich die Auftritte von einer Band wie den Swans in den letzten Jahren an, so wird einem bewusst, dass die Musik (für Band wie für Zuschauer) extrem physisch (anstrengend) ist. Welche Rolle wird diesem Aspekt bei künftigen Auftritten von Sudden Infant zukommen?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/Joke_Mat.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-9482" title="Joke_Mat" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/Joke_Mat-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Physische Musik ist wichtig! Sie stellt eine Art Reinigung dar, eine rituelle Abreaktion. Es gibt Menschen die gehen in die Kirche, um zu beten und der Messe beizuwohnen, andere Menschen gehen zu einem Swans-Konzert und lassen sich von der Wucht und der Intensität der Musik und deren Präsentation in andere Sphären hieven. Es hat was religiöses, man fühlt sich für einen Moment unsterblich. Die Menschen die weder in die Kirche noch zu Swans gehen, kommen dann vielleicht zu Sudden Infant. Wir arbeiten ja sehr viel mit Dynamik, Beschleunigung, Verdichtung, freier Fall usw. Dies ist sehr physisch und verlangt auch vom Publikum eine gewische Bereitschaft, in diese Tiefen einzutauchen.</p>
<p><em><strong>Du warst mit deiner Musik nie nur in einer Sparte unterwegs, dein Release bei einem Rock&#8217;n'Roll-Label unterstreicht das ein weiteres Mal. Sind Genres für dich Hemmschuhe, oder siehst du in ihnen eher die Möglichkeit, unterschiedliche Menschen zu erreichen?</strong></em></p>
<p>Dafür sind meine eigenen Interessen und Vorlieben einfach zu vielfältig. Ich mag es, wenn an einem Sudden Infant-Konzert die verschiedensten Menschen auftauchen. Leute aus dem New Wave/Gothic-Umfeld genauso wie Impro-Noise-Experimental-Industrial-Fans, Gay-Queer-Elektro-Punks, Metalheads oder Free Jazz-Freaks. Alles ist möglich! Es haben sich schon die unmöglichsten Leute an meinen Konzerten kennengelernt und oft sind daraus wunderbare Freundschaften entstanden.</p>
<p><em><strong>Du tourst gerne ausgiebig, machst musikalische Exkursionen auch in Gegenden, in die sich nicht jeder westliche Musiker hinbegibt. Wie wichtig sind für dich Ortswechsel, um den kreativen Antrieb in Gang zu halten?</strong></em></p>
<p>Lebenswichtig! Ohne diese Ortswechsel, Reisen und Aufenthalte würde ich mich vermutlich in meinem eigenen vier Wänden umbringen. Oder zumindest in tiefe Depressionen stürzen.</p>
<p><em><strong>Letztes Jahr warst du ein paar Monate für Aufnahmen und Workshops in Kairo, hast dort mit Musikern wie Sam Shalabi zusammengearbeitet. Wie kam es zu diesem Aufenthalt, und was konntest du an Eindrücken und Erfahrungen, aber auch an neuer Musik mit nachhause nehmen?</strong></em></p>
<p>Ich hatte mich bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia für einen Atelier Aufenthalt in Kairo beworben. Ich verspürte grosse Lust ein paar Monate wegzugehen, an neuen Kompositionen zu arbeiten und ein für mich noch unbekanntes Land und eine neue Kultur zu entdecken. Zu meiner grossen Überraschung habe ich den Zuschlag bekommen und bin im Januar 2012 für fünf Monate nach Kairo gereist. Die unglaubliche Intensität dieser Megastadt hat mich sehr fasziniert. Ebenso, dass westliche Logik und rationales Handeln in Ägypten kaum funktionieren. Ich habe gelernt, mit viel Geduld die Dinge von einem anderen Blickwinkel aus anzuschauen und mich einer alltäglichen Spiritualität zu öffnen. Während meines Aufenthaltes habe ich sehr viele Field Recordings gemacht u.a. auch von Demonstrationen und Kundgebungen auf dem Tahrir Platz. Ich habe bereits einen grossen Teil davon bearbeitet und in Kompositionen eingebettet. Dies soll in naher Zukunft auf Tonträger erscheinen.</p>
<p><em><strong>Auf deiner aktuellen Tour wirst du u.a. mit Consumer Electronics und den </strong></em><br />
<em><strong>Sleaford Mods auf der Bühne stehen. Wenn man nach Gemeinsamkeiten zwischen diesen drei Projekten/Bands suchen würde, fällt einem vielleicht als erstes das Konfrontative ein, das insbesondere die Auftritte der Genannten prägt. Siehst du das ähnlich und ist das eine Gesellschaft, in der du dich wohlfühlst?</strong></em></p>
<p>Ja, richtig! Und trotzdem sind die drei Bands sehr unterschiedlich, vor allem musikalisch. Ich mag transgressive Acts, aber der Humor darf auf jeden Fall nicht zu kurz kommen. Und dies ist wohl auch das Verbindungsglied zwischen diesen drei Bands.</p>
<p><em><strong>Die Sleaford Mods haben sich innerhalb der letzten Monate auch auf den Seiten der Mainstreampresse wiedergefunden. Glaubst du, dass dir/euch das mit Sudden Infant auch (noch) passieren könnte?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant3.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-9484" title="SuddenInfant3" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/10/SuddenInfant3-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Das glaube ich nicht, dafür ist die Musik von Sudden Infant zu abseitig.</p>
<p><em><strong>Noch eine Frage, die vielleicht nach den vorherigen etwas profan anmutet. Vor einigen Jahren gab es im Wire einen recht umfangreichen Bericht über dich und dein Werk. Hat sich dieser Artikel in irgendeiner Form in gesteigertem Interesse an deiner Arbeit niedergeschlagen?</strong></em></p>
<p>Nein, nicht wirklich. Ich habe nach dem Artikel einige Emails von Freunden erhalten, von denen ich seit vielen Jahren nichts mehr gehört hatte.</p>
<p>(M.G. &amp; U.S.)</p>
<p>Fotos: Marcel Derek Ramsay, Martin Baumgartner, Laura Fusato</p>
<p><a href="http://www.suddeninfant.com/">suddeninfant.com</a></p>
<p><a href="http://suddeninfant.blogspot.de/">suddeninfant.blogspot.de</a></p>
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		<title>SEX OFFENDER BOYFRIEND &#8211; Neue Kollagen von Philip Best</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:17:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Consumer Electronics]]></category>
		<category><![CDATA[Philip Best]]></category>
		<category><![CDATA[Rumpsti Pumsti]]></category>
		<category><![CDATA[Whitehouse]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf der Eröffnung zu Philip Bests aktueller Ausstellung in Berlin hatte ich den Eindruck, dass die knapp vierzig Besucher mit dem musikalischen Werk des Künstlers weitgehend vertraut waren, also mit seinen Arbeiten unter der Flagge von CONSUMER ELECTRONICS und WHITEHOUSE. &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2011/09/01/sex-offender-boyfriend-neue-kollagen-von-philip-best/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/PBest1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-698" title="PBest1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/PBest1.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf der Eröffnung zu Philip Bests aktueller Ausstellung in Berlin hatte ich den Eindruck, dass die knapp vierzig Besucher mit dem musikalischen Werk des Künstlers weitgehend vertraut waren, also mit seinen Arbeiten unter der Flagge von CONSUMER ELECTRONICS und WHITEHOUSE. Und auch wenn die Veranstaltung ein bisschen wie der Anlass zu einem Klassentreffen wirkte, bei dem mehr Konversation geführt als Bilder bestaunt wurden, hatte ich doch den Eindruck, dass „Crowd Pleaser“ Best das Publikum auf seiner Seite hatte, und dass seine rund dreißig Fotokollagen durchweg Anklang fanden.<span id="more-124"></span></p>
<p>Natürlich wird immer dann, wenn ein Künstler sein angestammtes Metier verlässt und ein anderes Medium ausprobiert, die Frage gestellt, wie stark seine Anerkennung durch das Publikum ohne das anderweitige Renommee nun wäre, also wenn er die Fans aus der anderen Ecke nicht schon mitbringen würde. Das zu beantworten ist natürlich so spekulativ wie mühsam – im Falle von Philip Best könnte es jedoch (auch wenn die derzeit ausgestellten Kollagen nicht seine ersten visuellen Arbeiten sind) ein interessanter Versuch sein, seine neuen Bilder einem völlig unbedarften Publikum zu zeigen, das kein oder zumindest kein über die Jahre gewachsenes Kontextwissen über seine Musik und deren grenzüberschreitenden Überbau mitbringt. Natürlich muss das Ideal eines unverfälschten Blicks immer ein Konstrukt bleiben, dem sich eine reale Kunsterfahrung bestenfalls annähern kann, und dennoch könnten sich neutralere Vorverständnisse ganz unterschiedlich auswirken. Was fehlen würde, wäre zunächst jedes Gefühl von Prominenz und Aura, der Künstler würde zu einem von vielen werden, dem man sich mit respektloser Neugier näherte, und wenn es sein müsste, würde man sich auch trauen, seine Exponate auf Kunststudentenniveau zu platzieren. Zudem würde der <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/philipbesttimeless039-300x210.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-701" title="philipbesttimeless039-300x210" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/philipbesttimeless039-300x210.jpg" alt="" width="300" height="210" /></a>durchschnittliche Galeriebesucher (natürlich abhängig von der jeweiligen Ankündigung, denn den Titel einer Ausstellung übersieht man schnell) nicht mit einer Erwartungshaltung aufkreuzen, jetzt unbedingt etwas Transgressives zu erleben, das ihn im Extremfall auf brachiale und demonstrative Weise verstört. Und somit auch nicht enttäuscht sein darüber, dass die Resultate in Bests Fall wenig von einer klinischen Kälte und Direktheit ausstrahlen, die man angesichts seiner Musik eventuell erwartet hätte.</p>
<p>Philip Best ist Sammler, kein Fotograf, und keine der Bilder, die man als Teile seiner Kollagen zu sehen bekommt, sind eigenhändig geschossene Fotos. Über mehrere Jahre hinweg hat Best gezielt Zeitschriften, Sachbücher und Fotobände durchforstet auf der Suche nach passenden Motiven seiner eigenen fotografischen Vision, auch Etiketten von Milchflaschen und ähnliches fand Verwendung. Was am Ende in die engere Auswahl kam, sind Variationen einer präzise bemessenen Themenauswahl, sind immer wieder neu und verändert zusammengesetzte Kombinationen bestimmter Sujets: Auf rein motivischer Ebene finden sich vor allem Naturaufnahmen und Darstellungen von Kindern, was dem Werk auf den ersten Assoziationsschub einen stark romantischen Anflug verleiht. Kinder, die ganz klassisch so etwas wie verspielte Unbekümmertheit ausstrahlen, beim Fischen, beim Faulenzen, beim Sport, beim süß in die Kamera lächeln. Der romantischen Assoziation tut auch das Unheil keinen Abbruch, das mal subtil, seltener auch deutlich in die harmonischen Szenen hereinbricht: Kinder verschwindend klein in eine <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/philipbestFace-Down-300x211.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-702" title="philipbestFace-Down-300x211" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/philipbestFace-Down-300x211.jpg" alt="" width="300" height="211" /></a>überdimensionierte Natur hineinmontiert, vor einer Kulisse aus Dickicht und einem symbolisch verdüsterten Wolkenhimmel. Wer denkt da nicht an das Märchen vom Rotkäppchen? Kinder in so engen und betont fragmentarischen Bildausschnitten, dass sich die Frage, was wohl im Bild nicht mehr gezeigt wird, regelrecht aufdrängt, vor allem wenn das Ganze dann noch mit einem Gefahrensymbol par excellence, dem Spinnennetz zusammen geklebt ist.</p>
<p>Die Naturaufnahmen zeigen vor allem Wald. Sie zeigen ihn als Idyll, als erhabenes Panorama, als dämmerige oder lichtdurchflutete Anderswelt, von der ein magisch-realistischer Zauber ausgeht – stets aufgenommen in einem reiseführerartigen Sachbuchstil, dem eine undokumentarische Symbolverliebtheit entgegensteht. Aber auch Waldsterben und Waldbrand kommen vor, und die ebenfalls häufigen Tieraufnahmen reichen von Darwinschen Alpträumen bis hin zum Naturkitsch, mit dem Best anscheinend mit Vorliebe seine Spielchen spielt – in wenigen aber markanten Fällen erinnern Ausschnitte an Poster aus der berüchtigten Danny’s Dream Collection, mit denen Maria Carey hörende Mädchen in den 90ern ihre Zimmer verunstalteten.</p>
<p>Auch wenn Best im symbolischen Rahmen bisweilen bereitwillig mit diversen Zaunpfählen winkt, sind die destruktiven Elemente nie infernalisch oder reißerisch in Szene gesetzt, werden vielmehr mit einer irritierenden Beiläufigkeit gezeigt, die ein wichtiger Schlüssel zu den Kollagen ist und sie umso eindringlicher macht. Sie ist nicht nur Gegengewicht zu den Kitschmomenten, sie würde auch jede Deutung in die Schranken verweisen, die den Topos vom Verlust kindlicher Unschuld oder vom Trauma des Zivilisatorischen mit allzu <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/BestCome-Home.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-4928" title="BestCome-Home" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/09/BestCome-Home-210x300.jpg" alt="" width="210" height="300" /></a>viel Pathos auflädt und so in den Bereich des schon hundertmal Gesagten verbannen will. Dennoch sind es Themen, die Best permanent beschäftigen, aus der Perspektive des beinahe wertneutralen Beobachters, der seine Objekte eher heranzoomt, als sich ihnen wirklich physisch zu nähern (eine seiner Kollagen trägt auch den Titel „Remote Viewing“). Vor allem aber, und dies führt dann bereits mitten hinein in den Überbau seines bisherigen Werks, begnügen sich die Bilder auch nicht mit derart allgemeinen Themenrahmen: In feinen Andeutungen lassen einige der Kollagen den Verlust des paradiesischen Urzustandes als etwas gewaltsam Herbeigeführtes durchscheinen, als eine Gewalt, die großen Interpretationsspielraum lässt, und die bei genauerem Hinsehen sexuell aufgeladen ist.</p>
<p>„Shasta IX“ zeigt eine junge Ballerina von sinnlicher Mimik und Körpersprache, geführt von einem gesichtslosen Tanzlehrer. Harmlos oder nicht, genau aus einer solch unbeantwortbaren Frage bezieht das Motiv seine Spannung, und das politisch Unkorrekte von Bests Arbeiten besteht gerade darin, dass er das eigentlich Transgressive in den Assoziationen des Betrachters stattfinden lässt, der am Ende noch hinter jeder Ecke den Übergriff sehen will, der niemals gezeigt wird und nichtsdestotrotz überall doch vage mitschwingt. Die aufgescheuchten Rehe, scherenschnittartig verfremdet vor einem glühenden Himmel – Symbole des Scheuen, Gejagten, oder doch nur die überbordende Fantasie des Betrachters? Die Gefahr als ein Mögliches, das ja doch nie wirklich stattfindet? Im Leben einer realen Shasta Groene, auf deren Geschichte diese und einige weitere Kollagen im Titel anspielen, wurde Gefahr jedenfalls sehr real. Sie wurde mehrfach missbraucht und darüber hinaus Zeugin der Ermordung mehrerer Familienangehöriger. Ein derart drastischer Hintergrund verleiht einigen Kollagen eine schockierende Ernsthaftigkeit, die dem nicht informierten Betrachter vielleicht entgeht. Aber auch ohne diesen Hintergrund haben die Bilder einen zumindest verstörenden oder irritierenden Subtext. Irritiert sein kann man jedenfalls aus ganz unterschiedlichen Gründen – entweder wegen der um jede Ecke schielenden Bedrohung, oder, wenn man ein hartgesottener Powernoiser ist, vielleicht gerade wegen Bests subtiler, indirekter Art, mehr zu verstecken als zu zeigen.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/philipbestShasta-09-300x213.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-703" title="philipbestShasta-09-300x213" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2011/08/philipbestShasta-09-300x213.jpg" alt="" width="300" height="213" /></a>Thematische Überschneidungen zwischen Bests Musik und seinen Kollagen liegen auf der Hand, wenngleich ihm eine Trennung beider Bereiche wichtig ist – dass auf der Vernissage keine Musikperformance stattfand, entspricht der fast schon demonstrativen Abwesenheit jeglicher Grafik auf den letzten Alben von CONSUMER ELECTRONICS. Auf der anderen Seite wies er im Gespräch auf die wechselseitige Inspiration von Artwork und Songtexten hin, bei der die Ideen für eine Kollage sehr oft von Lyrics angeregt werden oder umgekehrt. Dennoch betrachtet Best seine visuellen Arbeiten seit Jahren als eigenständiges Feld, das mittlerweile einen ebenso großen Raum in seinem Gesamtschaffen einnimmt wie die Musik. Einige der hier gezeigten Bilder werden voraussichtlich in seinem zweiten Buch enthalten sein, dass beim französischen Timeless-Verlag erscheinen wird.</p>
<p>Die Serie „Sex Offender Boyfriend“ ist noch bis zum 22. März zu sehen, und zwar im Galerie-Shop Rumpsti Pumsti (Weserstraße 165, 12045 Berlin-Neukoelln), der auch die Labels Hrönir, Pan und Tochnit Aleph beheimatet. Ein Besuch lohnt! (U.S.)</p>
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