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	<title>African Paper &#187; Frl. Tost</title>
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		<title>NOVÝ SVĚT: DeGenerazione</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Jun 2024 04:39:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir haben schon oft auf diesen Seiten angesprochen, welch reiches Füllhorn verschiedenster Musiken das aus Jürgen Weber und Frl. Tost bestehende (und am 5.5.22 wohl endgültig aufgelöste) Duo über dem Hörer ausschüttet(e). Nový Svět bedienten sich all die Jahre an &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/06/22/novy-svet-degenerazione/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/a3028379758_10.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-41665" title="a3028379758_10" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/a3028379758_10-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wir haben schon oft auf diesen Seiten angesprochen, welch reiches Füllhorn verschiedenster Musiken das aus Jürgen Weber und Frl. Tost bestehende (und am<a href="https://soundcloud.com/jotasolo/25452-complete"> 5.5.22 wohl endgültig aufgelöste</a>) Duo über dem Hörer ausschüttet(e).<a href="http://africanpaper.com/tag/novy-svet/"> Nový Svět </a>bedienten sich all die Jahre an so vielen Genres, dass man wohl eher fragen müsste, was bisher noch nicht von ihnen berührt wurde.</p>
<p><span id="more-41664"></span>Die Entstehungsgeschichte von „DeGenerazione “ ist eine für das Duo so typsiche: Das Album wurde ursprünglich sofort nach <a href="http://africanpaper.com/2022/10/08/novy-svet-desde-infiernos-de-flores-redux/">„Desde Infiernos De Flores“</a> aufgenommen, sollte der letzte Teil der mit &#8220;Fin Finito Infinito&#8221; begonnenen, so genannten &#8220;Spanish trilogy&#8221; werden. Als die beiden von Spanien zurück nach Wien zogen, wurden die Aufnahmen aber als <a href="https://novsvt.bandcamp.com/album/degenerazione">&#8220;too spanish&#8221;</a> verworfen und archiviert. Stattdessen erschien dann damals mit „Todas Las Últimas Cosas&#8221; 2008 das wahrscheinlich elektronischste Album der Band. Erst vor einiger Zeit machte Weber  auf <a href="https://soundcloud.com/jotasolo">seinem Soundcloudaccount</a> das Album verfügbar, das jetzt von Quindi Records, die vor einigen Monaten Webers großartiges Soloalbum <a href="http://africanpaper.com/2024/01/13/jota-solo-nessuno/">&#8220;Nessuno&#8221;</a> veröffentlicht haben, auf auf 150 Exemplare limitiertes Vinyl gepresst worden ist.</p>
<p>Dass &#8220;Desde Infiernos De Flores&#8221; ebenfalls erst viele Jahre nach der Fertigstellung endlich veröffentlicht werden sollte, ist <a href="http://africanpaper.com/2022/10/08/novy-svet-desde-infiernos-de-flores-redux/">eine andere Geschichte</a>. Letzt genanntes Album und &#8220;DeGenerazione&#8221;  sind durchaus unterschiedlich, was sie aber beide auszeichnet, ist die Reduktion, die Kürze der Stücke, die partiell durchaus etwas Fragmentarisches haben (können): „Tibidabo“ beginnt so, als schalte jemand ein Tape zum Aufnehmen ein, man mag das als Authentizitätsmarker lesen oder aber als bewusstes Reflektieren über den eigenen Aufnahmeprozess. Man hört ein paar Töne auf dem Glockenspiel (?), Weber flüstert die Worte lediglich &#8211; und dann geht das Stück im Rauschen unter. Auch„Raja“ ist minimal und reduziert: Etwas Gitarre, auch hier ist die Stimme ein Sprechflüstern und verkündet: „la paranoia del momento es la verdad del futuro“. „Ciudacanta“ ist mit dem Strumming der Akustikgitarre ein echter Ohrwurm, der vielleicht auch nicht schlecht auf die Zusammenstellung „The Flies In Dreams And Reality“ oder auf das 2011 erschienene englischsprachige Album <a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/novy-svet-%e2%80%a6into-your-skies/">„Into Your Skies“ </a>gepasst hätte. „Suenos, Anos, Despues“ kombiniert das Geräusch von fließendem Wasser mit dissonanten Momenten und schleppender Perkussion, auf dem instrumentalen „Alarma“ erklingen Geräusche wie von einem Specht und Metallrohre scheinen über den Boden zu rollen. Ein Gegenpol dazu ist „Rexistencia“, ein weiterer schmissiger Song auf der Akustikgitarre. Am Ende singt Weber „rexistencia no es possible no no no“ und lacht dämonisch. Vielleicht ist ein Titel wie „Solo Un Sueno“  programmatisch zu lesen. Musikalisch hört man hier etwas Bass und schleppendes Schlagzeug: Das ist Nový Svět als Jazzcombo. „Torbellinos“ beginnt mit Backwardmasking, Knistern, man hört Geräusche wie von Kinderspielzeug. Ich erinnere mich noch, wie Jürgen Weber einmal in einem vor sehr vielen Jahren mit ihm gemachten Interview zu uns meinte, dass bei &#8220;En posesion de te&#8221; vom „Chappaqua“-Album der irrititierende Sound, der das Stück durchzieht, &#8220;das wichtigste [ist]. Er <em>ist </em>das Lied.&#8221;</p>
<p>Auf insgesamt 15 zwischen einer und knapp fünf Minuten langen Stücken zeigt das Duo erneut seine Sicht auf die Welt und vielleicht zeigen diese Miniaturen, dass Musik, Leben, <em>Existieren</em> nur fragmentarisch gedacht werden kann und darf. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.quindirecords.it/">Quindi Records</a></strong><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=749734646/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>MUSHROOM&#8217;S PATIENCE: Water</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Dec 2023 02:57:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[ClauDEDI]]></category>
		<category><![CDATA[Claudio Giammarino]]></category>
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		<category><![CDATA[Mushroom's Patience]]></category>
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		<category><![CDATA[Raffaele Cerroni]]></category>
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		<description><![CDATA[Über die personell fluide italienische Avantgardeband Mushroom&#8217;s Patience &#8211; ich sagte das schon einmal &#8211; könnte man ein ganzes Buch schreiben, ein ausgesprochen dickes sogar, wenn man zwischen die Kapitel zu den verschiedenen Werkphasen von den frühen 80ern bis heute, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/12/09/mushrooms-patience-water/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/11/MP_Water_mockup.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-38571" title="MP_Water_mockup" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/11/MP_Water_mockup-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a><span style="font-weight: 300;">Über die personell fluide italienische Avantgardeband Mushroom&#8217;s Patience &#8211; ich sagte das <a title="MUSHROOM’S PATIENCE: Road To Nowhere" href="http://africanpaper.com/2013/04/22/mushrooms-patience-road-to-nowhere/">schon einmal</a> &#8211; könnte man ein ganzes Buch schreiben, ein ausgesprochen dickes sogar, wenn man zwischen die Kapitel zu den verschiedenen Werkphasen von den frühen 80ern bis heute, in denen sich der musikalische Stil immer wieder neu ausrichtete, noch die anderen Projekte von Mastermind Raffaele Cerroni wie Microloop und Bluphonic abhandeln würde.<span id="more-38569"></span></span></p>
<p>Eine ausgesprochen fruchtbare Phase in dem, was man mit herkömmlichen Begriffen als ihre Karriere bezeichnen könnte, waren die Jahre nach 2000, als Mushroom&#8217;s Patience, die bisher ein eher lokaler Geheimtipp der italienischen Hauptstadt waren, beim österreichischen Hau Ruck!-Label unterkamen und sich zur Eroberung der weiten Welt des Post Industrial und Dark Folk mit all ihren Ausprägungen aufmachten. Ein Geheimtipp sind sie nach wie vor, was auch daran liegen mag, dass ihre surreale, z.T. proglastige Mixtur aus experimentierfreudiger Klangkunst, Zutaten aus der Jazzkiste und dadaistisch gebrochenen Folkansätzen einen breiteren Horizont fordern würde, als er in diesen Kreisen üblicherweise anzutreffen ist. Vereinzelte Ausnahmen gab es unter den &#8220;Szenegängern&#8221; aber durchaus, und die wurden gemeinhin glühende Fans.</p>
<p>In dieser Zeit kam es auch zu neuen kreativen Freundschaften, die wichtigste darunter ist ziemlich sicher die mit Jürgen Weber und Frl. Tost von Novy Svet, die damals gerade den ersten Zenit ihre eigenen Bandkarriere erlebten. Die wirkten dann auch sehr maßgeblich an den in dieser Zeit veröffentlichten Longplayern mit. Die Rede ist von den drei auf CD erschienenen Alben &#8220;Roma – Wien&#8221;, The Spirit of the Mountain&#8221; und nicht zuletzt &#8220;Water&#8221;, das jüngst in einer ersten Vinyledition neu aufgelegt wurde. Sie wurden dann aufgrund ihrer Themenkomplexe, die sich textlich um die Elemente Erde, Luft und Wasser drehten, aber auch aufgrund stilistischer Brücken, als Trilogie gefasst. Der Bemerkung des Labels, dass &#8220;Water&#8221; auch knapp achtzehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch frisch und unverbraucht wirkt, kann wahrscheinlich jeder zustimmen, der nicht aufgrund persönlicher Übersättigung die Nase voll hat von schrägem, post-industriell eingefärbtem Dadafolk, hinter dessen Triphaftigkeit man immer wieder eine subtile mystische Ernsthaftigkeit erahnen kann.</p>
<p>Mit einem echten Kracher startet die Sammlung an dreizehn lediglich durchnummerierten Tracks, einen Stück, das mit gebrochenem Rhythmen, seltsam bimmelnden Glöckchen und spontan auftretenden Klopf- und Klirrgeräuschen tatsächlich etwas Poppiges offenbart und an eine durch einen massiven Kater gefilterte Version eines ausrangierten Marc and the Mambas-Tracks erinnert. Es gibt die Richtung des Albums auch quasi in a nutshell vor, gleichwohl nur hier die Stimme Meister Cerronis halbversteckt zwischen den Säulen der restlichen Sounds zu hören ist.</p>
<p>Über weite Strecken des restlichen Albums steht Jürgen Weber am Mikro und lässt sein Markenzeichen &#8211; seine tiefe, verrauchte, immer leicht phlegmatisch wirkende Stimme &#8211; auf deutsch, englisch und spanisch durchs Wasser und seine vielfältigen Symbolwelten gleiten, und auch wenn die volle Bedeutung der Texte nicht immer verständlich ist, klingt doch vieles nach einer unverblümten Offenlegung existenziellen Leidens in einer sad world. Bei den musikalischen Motiven wechseln sich Samples aquatischen Rauschens mit Dröhnung, rumpelndem Hantieren und Klavierparts ab, die die Niños De La Bola in Erinnerung rufen, während die smoothe Trompete keines Geringeren als Flavio Rivabella die pulsierende Szenerie so gut es geht befriedet. Immer wieder gibt es Momente, in denen die akustischen Elemente der Musik, meist die Gitarre, manchmal mit Unterstützung entspannter Orgelparts, so schöngeistig und stimmungsvoll wie für Mushroom&#8217;s Patience möglich geraten, doch trötende Bläser, dadaistisches Quietschen und nicht zuletzt die unnachahmliche Monotonie mancher Gesangspassagen sorgen immer wieder dafür, dass das Idyll nicht ohne Störung bleibt.</p>
<p>Dem gegenüber stehen unverblümt sperrige Passagen von monumentalem Lärm und tosenden Winden, die den zum Flüstern verdonnerten Gesang umtoben, von apokalyptischen Pauken über einem Harmonium-Teppich im Nicostyle, von geloootem Gelächter, von flitzenden Takten, die eine zwitschernde Trompete und etwas, das verdächtig nach einem Gitarrensolo klingt, durch die Szenerie tragen. In diesen Momenten ist vielleicht Frl. Tost zu hören und ziemlich sicher Clau D.E.D.I., der laut Credits für Noises und Rituals zuständig war.</p>
<p>Allen, die &#8220;Water&#8221; seinerzeit verpasst haben sollten und allen Neueinsteigern in den Mushpar-Kosmos sei die neue Vinyl-Edition dieses kaum gealterten Albums mit Nachdruck ans Herz gelegt. Ganz nebenbei eignet es sich auch als Teaser für &#8220;La Nueva Normalidad&#8221;, das lange angekündigte erste Studioalbum nach &#8220;Antimodernismo&#8221; (2019), von dem gerade <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OgzfnbM7L84">ein neuer Song</a> vorliegt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.enfant-terrible.nl/releases/mushrooms-patience-water/">Vrystaete / Enfant Terrible</a></strong></p>
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		<title>NOVÝ SVÊT: Desde Infiernos De Flores (Redux)</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2022 01:16:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Brannten Schnüre]]></category>
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		<description><![CDATA[Unter all den Gruppen, die irgendwie dem weiteren Umfeld des Postindustrials entsprungen sind, nimmt/nahm das aus Jürgen Weber und Frl. Tost bestehende österreichische Duo Nový Svět eine Sonder- und Ausnahmestellung ein: Zu sehr überschritt man enge Genregrenzen, zu sehr bediente &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2022/10/08/novy-svet-desde-infiernos-de-flores-redux/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/10/R-24489764-1662976071-6672.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-31535" title="R-24489764-1662976071-6672" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/10/R-24489764-1662976071-6672-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Unter all den Gruppen, die irgendwie dem weiteren Umfeld des Postindustrials entsprungen sind, nimmt/nahm das aus Jürgen Weber und Frl. Tost bestehende österreichische Duo <a href="http://africanpaper.com/tag/novy-svet/">Nový Svět </a>eine Sonder- und Ausnahmestellung ein: Zu sehr überschritt man enge Genregrenzen, zu sehr bediente man sich aus einer schier unüberschaubaren Menge verschiedenster Musiken, um daraus für jede Veröffentlichung eine ganz eigene wie eigenwillige Mischung zu erschaffen –<span id="more-31532"></span> sowohl auf den Vollzeitalben als auch auf den vielen kleinformatigen Arbeiten: Da entstand eine wilde Mischung aus Folk, Industrial, Ambient und vielem mehr. In irgendinem Interview wurde einmal, sicherlich durchaus selbstironisch, von <a href="https://www.evolver.at/musik/Novy_Svet_Flies_Dream_Reality/">„Combat Folk“</a> gesprochen. Über die Motivation<a href="http://stigmatamag.narod.ru/novy.htm"> sagte</a> Jürgen Weber einmal: „NOVY SVET is a very personal mission.“</p>
<p>Aber die Existenz Nový Světs war trotz der Fülle an Aufnahmen geprägt von Enden, von (scheinbarem) Ableben. In Interviews <a href="http://stigmatamag.narod.ru/novy.htm">sprach</a> Jürgen Weber immer mal wieder davon, er wisse nicht, ob es noch weitere Alben geben würde und dann hielt man den vorzeitigen Schwanengesang „Fin Finito Infinito“ in den Händen, dann gab es 2008 das völlig elektronische „Todas Las Últimas Cosas“, das das Ende einleiten sollte – das dann aber zumindest durch Veröffentlichungen von Archivmaterial doch noch verzögert wurde: Drei Jahre danach erschien mit <a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/novy-svet-%e2%80%a6into-your-skies/">„Into Your Skies“</a> ein komplett auf Englisch gesungenes und primär mit Akustikgitarre eingespieltes Album, zwischen 2012 und 2014 gab es drei Tapes mit Ambient-Arbeiten und schließlich 2015 ein mit schlicht<a href="https://www.youtube.com/watch?v=U605ZEJQ6XU&amp;ab_channel=Tryphon"> „Mono“</a> betiteltes Tape. Es erschienen als weitere Lebenszeichen schienbar neue Aufnahmen auf drei Split 7&#8221;s (mit <a href="http://africanpaper.com/2014/04/12/novy-svet-spettro-family-split/">Spettro Family</a>, <a href="http://africanpaper.com/2016/02/06/novy-svet-german-army-split-7/">German Army</a> und Susa24 &#8211; wobei letzteres Projekt wohl eines der vielen Pseudonyme war, unter denen Jürgen Weber in all denen Jahren agierte). Auf dem Soundcloudaccount Webers findet sich jetzt eine Liveaufnahme vom 05.05.22, über die es <a href="https://soundcloud.com/jotasolo/25452-complete">heißt</a>: &#8220;the band split up the same night&#8221;.</p>
<p>Dabei hat das jetzt veröffentlichte Album „Desde Infiernos De Flores“ (natürlich) eine für Nový Svět so typische Geschichte hinter sich: Zwischen 2004 und 2005 erschienen auf dem Band-Minilabel Nekofutschata mit „Là-Bas(s) Communion“ ‎ und „Siderant &#8211; A Beat Monkey Meditation“ ‎zwei Maxis, die die ersten zwei Teile einer Trilogie darstellen sollten, und Material enthielten, das zum Teil auf dem Album „Desde Infiernos De Flores“ erscheinen sollte, das dann allerdings (bis jetzt) nicht veröffentlicht wurde.</p>
<p>Jetzt erscheint es doch auf dem Label Quirlschlängle des deutschen Duos Brannten Schnüre (das sicher durchaus von Nový Svět beeinflusst worden ist). Als Bandname fungieren lediglich die Initialien der Band, als Albumtitel die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wörter des urspünglichen Titels – ergänzt mit dem in Klammern gesetzten „(Redux)“. Dieses Redux lässt sich auf vielerlei Weise lesen: etwa bezogen auf die minimalistische Präsentation (Tracktitel oder weitere Informationen sucht man vergeblich) oder aber auf die auf diesem Album enthaltene Musik, die zurückhaltender, <em>reduzierter</em> als viele andere Aufnahmen Nový Světs sind. Man vergleiche diese Aufnahmen etwa mit dem erupriven, von Drogen geprägten „Chappaqua“ (insbesondere „Stardust“), dem recht rabiaten 9/11-Album „Nuevo Babylon“ oder frühen Songs wie „Puro Rumore / Puro Amore“. Auf &#8220;Desde Infiernos De Flores&#8221; singt, spricht Jürgen Weber, zum Teil aber fast nur noch flüsternd. Das Album beginnt kaum wahrnehmbar mit Brummen, einem Kratzen und Schaben, Fliegensummen, ein paar Beats, einem Sprachloop. Auf 19 Tracks, die zum Teil von oben genannten Maxis bekannt sind, hört man ab und zu etwas Perkussion, das Scratchen von Platten, da erklingt plötzlich ein Loop von einem Sample, das auch schon Ministry verwendeten („I discovered Jesus was the devil“), man hört Feldaufnahmen von zirpenden Grillen und zwitschernden Vögeln, ab und zu etwas Bass oder die Trompete Flavio Rivabellas, man vernimmt das in Nový Svět Aufnahmen so häufig zu findende „corazón“, ergänzt durch Begriffe wie „sangre“ „tortura“ oder „amor“. Hier wird wieder einmal ein Netz aus Liebe und Schmerz gesponnen.</p>
<p>Dass dieses Album der Hölle der Nichtveröffentlichung entrissen worden ist, ist mehr als erfreulich, denn dieses Album zeigt, wie es gelingen kann, eine seltsam-autarke Musik zu kreieren, die kaum fassbar ist. Vielleicht ist dieses verspätet veröffentlichte Album das atmosphärisch dichteste der Bandgeschichte. Limitiert auf 350 Exemplare. Wer noch tiefer in den Kosmos der Band eintauchen möchte, der kann auf oben erwähnter Soundcloudseite noch weiteres <a href="https://soundcloud.com/jotasolo/ns_fantasmas-ep">unveröffentlichtes Material</a> erkunden. (MG)</p>
<p>Label: Quirlschlängle</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ô PARADIS / NOVY SVET: Entre Siempre Y Jamás Suben Las Mareas, Duermen Las Ciudades</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2021 05:27:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als Ô Paradis und Nový Svět kurz nach der Jahrtausendwende ein gemeinsames Album ankündigten, musste das in den kleinen Fangemeinden, die sich schon damals überschnitten, Interesse wecken. Da gab es einiges, das beide verband: eine Melancholie, die den Sinn für &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2021/01/30/o-paradis-novy-svet-entre-siempre-y-jamas-suben-las-mareas-duermen-las-ciudades/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/01/Oparadis-NovySvet.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-23880" title="Oparadis-NovySvet" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/01/Oparadis-NovySvet-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als Ô Paradis und Nový Svět kurz nach der Jahrtausendwende ein gemeinsames Album ankündigten, musste das in den kleinen Fangemeinden, die sich schon damals überschnitten, Interesse wecken. Da gab es einiges, das beide verband: eine Melancholie, die den Sinn für Lust und Leben nicht verleugnete; eine Stilmixtur aus alten und neuen, populären und nischigen Zutaten, deren roter Faden vielleicht<span id="more-23878"></span> die Entschleunigung ist; spanische Texte, was für Österreicher ungewöhnlich und für Katalanen zumindest nicht selbstverständlich ist.</p>
<p>Es gab aber auch immer deutliche Unterschiede: Die Musik Ô Paradis&#8217; strahlt eine meditativ anmutende Gelassenheit aus, die mit einem offen spirituellen Charakter einhergeht und sich musikalisch in einem deutlich hörbaren Rahmen äußert, der alle Details hegt und umfasst. Novy Svet dagegen verströmen eine Aura des Tragischen, und ihre kauzige Emotionalität würde in den eruptivsten Momenten jeden Rahmen sprengen. Eine unberechenbare Ambiguität umgab Nový Svět von Anfang an, Ô Paradis wirkte immer greifbarer. Obwohl sich beide für immer wieder neue Sound-&#8221;Konzepte&#8221; entscheiden, würde sich Ô Paradis durchaus mit radiotauglichen Produktionen vertragen, Nový Svět würden sich in den hintersten Lofi-Ecken zuhause fühlen. Was immer also in dem gemeinsamen Heimstudio am Fuße der Pyrenäen fabriziert werden sollte, konnte nicht uninteressant werden.</p>
<p>Zum oben Gesagten passt, dass die basale Soundkulisse von &#8220;Entre Siempre&#8230;&#8221;, das dann 2003 beim Nekofutschata Musick Cabaret erschien, zumindest auf den ersten Eindruck eher nach Ô Paradis klang. Es ist ein warmer, breiter Sound, der die Geschichten um ein Land einhüllt, das im Schlaf vom (tatsächlichen oder metaphorisch verstandenen) Meer verschluckt wird. Das Meer und seine sanften Wellen sind auch mit das erste, das man im Intro hört, und nur ein Blick auf die an Land gespülte Tierleiche, die das Cover ziert, bricht wie ein unheilvolles apokalyptisches Omen in das Idyll der heiteren Vögel und sanft wabernden Harmoniumklänge ein.</p>
<p>Im Verlauf des Albums treten die Sänger Demian und Jürgen in fast abwechselnder Reihenfolge an den vorderen Bühnenrand, aber das ist nicht das einzige, das Abwechslung in die rund 45 Minuten bringt, denn jeder Song hat seine eigenen Stimmungen und Gangarten, und mit der Zeit kommen immer neue Facetten des Sounds hinzu, bei dem sich Akustisches und Elektronisches die Waage hält. Ziemlich zum Anfang gibt es gleich ein paar &#8220;Hits&#8221;, allem voran natürlich &#8220;Iberia Sumergida&#8221;, das Webers erschöpft wirkenden Gesang in bombastische Pauken und Rasseln hüllt und der besungenen Sintflut die Dramatik eines Monumentalfilms gibt. Ein ähnlicher Kracher ist &#8220;Barcelona!&#8221;: Hier führt erneut Weber mit nur leicht melodischem Gesang und einem knorrigen Basslauf durch die Gassen und Kneipen der Stadt, die sich als Schauplatz eines grauen und tristen Blues offenbaren. Der mysteriöse Tristan Sasao fiedelt dazu eine launige Melodie, unter der sich quakende Stimmen notdürftig verstecken. Garantiert sagen die nichts Gutes.</p>
<p>Entrückte Momente gibt es v.a. in den Stücken mit Demian am Mikro, der Walzer &#8220;La Cuna&#8221; wirkt wie ein anheimelnder Totentanz aus der &#8220;Llega el Amor&#8221;-Phase, und die wundervoll einlullende Zwischenwelt von &#8220;Tierra Gastada&#8221; mit seinem geflüsterten Text über schönen Pianoparts zählt zu den großartigsten Momenten des Albums. Nicht wenige Stücke auf &#8220;Entre siempre&#8230;&#8221; haben den Charme verkappter Popsongs, teils verlangsamt, immer zerlegt und absichtlich falsch zusammengesetzt, wie es sonst nur Coil auf ihren songorientierteren Alben konnten. Besonders das zweite der beiden &#8220;Distancia&#8221;-Stücke entpuppt sich als echter Ohrwurm, wenn man erst einmal durch die introvertierte Exzentrik geschaut hat und zum schönen Kern vorgedrungen ist. Auch in &#8220;Siento Sensacion&#8221;, in &#8220;Las Cosas Invisibles&#8221;, das wohl auf einen früheren Nový Svět-Song bezug nimmt, und im entspannten &#8220;Lluvias&#8221; findet sich diese Gradwanderung, während der Popcharakter im von Demian gecroonten &#8220;Te Vi Pasar&#8221; am deutlichsten zutage tritt.</p>
<p>Gut siebzehn Jahre später erscheint &#8220;Entre Siempre..&#8221; fast wie die Handlung eines vor langer Zeit gesehenen Films, die in der verschwommenen Erinnerung schon längst eine sepiafarbene Tönung bekommen hat. Und das betrifft alles damit zusammenhängende: das Zusammentreffen der beiden Acts, die noch ein weiteres Album aufnehmen sollten, die für viele Hörer neue Idee eines mediterranen Underground, der nicht als große Bewegung wie etwa Hauntology oder Italian Occult Psychedelia in die Annalen experimentierfreudiger Musik eingehen sollte, denn all das spielte sich unter der Wahrnehmungsgrenze der Bobo-Magazine ab, und die Mehrheit der Industrial- und Neofolk-Grufties verstand ohnehin nur Bahnhof. So wurde die diffuse Geschichte ebenfalls vom Meer verschluckt.</p>
<p>Dem Reiz des Halbverblassten indes tut das Album als Tondokument keinen Abbruch, und so ist die Wiederveröffentlichung als LP durch den Enfant Terrible-Ableger Vrystaete nur zu begrüßen. (U.S.)<!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_210128_082438_958.sdoc--></p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.enfant-terrible.nl/releases/o-paradis-novy-svet-%e2%80%8e-entre-siempre-y-jamas-suben-las-mareas-duermen-las-ciudades/">Vrystaete</a></strong></p>
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<div style="font-size: 10px; color: #cccccc; line-break: anywhere; word-break: normal; overflow: hidden; white-space: nowrap; text-overflow: ellipsis; font-family: Interstate,Lucida Grande,Lucida Sans Unicode,Lucida Sans,Garuda,Verdana,Tahoma,sans-serif; font-weight: 100;"><a style="color: #cccccc; text-decoration: none;" title="EnfantTerribleNL" href="https://soundcloud.com/enfantterriblenl" target="_blank">EnfantTerribleNL</a> · <a style="color: #cccccc; text-decoration: none;" title="Ô Paradis &amp; Nový Svět  - Barcelona!" href="https://soundcloud.com/enfantterriblenl/o-paradis-novy-svet-barcelona" target="_blank">Ô Paradis &amp; Nový Svět &#8211; Barcelona!</a></div>
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		<title>NOVÝ SVĚT / SPETTRO FAMILY: Split (7&#8242;)</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Apr 2014 05:50:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist vielleicht ganz passend, dass Nový Svět sich eine 7&#8242; mit Spettro Family teilen – erst einmal ganz unabhängig von eventuellen musikalischen Querbezügen. Denn in den Jahren nach der Auflösung des österreichischen Duos gab es immer wieder bislang unveröffentlichte &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/04/12/novy-svet-spettro-family-split/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/04/bh71.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-8516" title="bh71" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/04/bh71.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es ist vielleicht ganz passend, dass Nový Svět sich eine 7&#8242; mit Spettro Family teilen – erst einmal ganz unabhängig von eventuellen musikalischen Querbezügen. Denn in den Jahren nach der Auflösung des österreichischen Duos gab es immer wieder bislang unveröffentlichte Aufnahmen, mal waren es die kurzen, auf englisch gesungenen minimalistischen Folksongs auf<a href="(http://africanpaper.com/2011/09/01/novy-svet-%E2%80%A6into-your-skies"> „Into Your Skies“</a>, mal die auf drei limitierten Tapes versammelten verrauschten Ambientminuaturen der „Selected Ambient Works“ oder aber die unveröffentlichte, überraschenderweise aus den Sessions zum unveröffentlichten Album „Desde Infiernos De Flores“ stammende Dubstepnummer „Yo No“ auf der kürzlich erschienenen <span id="more-8514"></span>Zusammenstellung <a href="http://africanpaper.com/2014/03/01/novy-svet-doce/ ">„Doce“</a>  &#8211; und so waren Nový Svět zwar nie ganz weg, aber eben auch nicht mehr da, waren Schemen, Schatten, geisterten durch den Äther. Selbst die Comebacksingle mit Suzy24 war aufgrund der Limitierung kaum greifbar.</p>
<p>Das Einmannprojekt Spettro Family hat auf seinen bisherigen Veröffentlichungen – einige Tapes, eine 7&#8242; und die 10&#8242;<a href="http://africanpaper.com/2013/08/17/spettro-family-la-famiglia-spettro/"> „La Famiglia Spettro&#8221;</a> &#8211; gezeigt, dass es seinem Namen alle Ehre macht, seine Musik der perfekte Soundtrack für Filme ist, die den Einbruch des Unheimlichen thematisieren und vielleicht werden in einem Paralleluniversum gerade die Aufnahmen Spettro Familys als verschollener Soundtrack von Death Waltz Records veröffentlicht. Dabei verzichtet Stefano Iannone, der das kleine Label Vade Redo Records betreibt, auf Grelles, auf allzu billige Schockeffekte, setzt stattdessen auf Atmosphäre (und verweist damit recht leicht (fast) jede Witchhousecombo auf ihre Plätze).</p>
<p>„En Soledad Perfecta“ zeigt Nový Svět von ihrer dunklen Seite: an eine Orgel erinnernder Synth, dezenter, verhallter Rhythmus, dazu klingt Jürgen Weber, als singe er in einem Eispalast, zwischendurch wird die Stimme runtergepitcht. Ich habe vor Jahren mal geschrieben, dass sich der textliche Kosmos von Nový Svět zwischen den beiden Polen corazón und nada bewegt. Die (perfekte) Einsamkeit ließe dies dann vielleicht zu einer Trias des Schmerzes werden.</p>
<p>Spettro Family eröffnen „Hotel Del Salto “mit dem Geräusch gackernder Hühner, bevor eine Folkmmelodie einsetzt, bei der man den Eindruck hat, als habe sich Timothy Renner dazugesellt (der schließlich einmal vom „Schlafen mit Skeletten“ sang&#8221;),  bevor wie schon auf anderen Stücken des Projekts Pianomotive und Synthspuren hinzukommen, dazu kaum verständliche Stimmsamples, dann endet das Stück abrupt. Was nicht verwundert, schaut man sich den titelgebenden<a href="http://desertedplaces.blogspot.com/2012/08/the-haunted-hotel-at-tequendama-falls.html"> Ort </a>einmal an.</p>
<p>Auf dem Cover der 7&#8242; sind Jarboe und Jessica Way abgebildet, aufgenommen während des letztjährigen Stella Natura-Festivals und  &#8211; wie man erfährt &#8211; auf Ingmar Bergmans <em>Persona </em>verweisend<strong>; </strong> ein Film, dessen Traumatmosphäre zu den beiden Stücken mehr als passt. Vor mehr als zwei Jahrzehnten hieß es in einer Rezension der „She is Dead and All Fall Down“-7&#8242; von Current 93, dass eine Single natürlich nicht das ganze umfangreiche Wissen dieser Band zeigen könne – gleiches ließe sich uneingeschränkt für diese Veröffentlichung der beiden Projekte sagen.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://www.black-horizons.com/">Black Horizons</a></p>
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		<title>NOVÝ SVĚT: Doce</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Mar 2014 06:39:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nový Svět, die beiden Wiener mit ihren schrägen, meist auf Spanisch gesungenen Gassenhauern, galten zeitlebens als Rarität, als Auskennerding, als von wenigen gehüteter Schatz, und doch waren sie eine der wichtigsten Bands im vergangenen Jahrzehnt, nahmen vieles vorweg und versahen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/03/01/novy-svet-doce/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/02/novysvetdoce.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8294" title="novysvetdoce" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/02/novysvetdoce-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nový Svět, die beiden Wiener mit ihren schrägen, meist auf Spanisch gesungenen Gassenhauern, galten zeitlebens als Rarität, als Auskennerding, als von wenigen gehüteter Schatz, und doch waren sie eine der wichtigsten Bands im vergangenen Jahrzehnt, nahmen vieles vorweg und versahen ebenso vieles mit einem treffenden, doppelbödigen Kommentar. In den Industrial- und Folk-Nischen, in denen sie wohl doch noch am meisten wahrgenommen wurden, nisteten sie sich nur für kurze Zeit ein, stellten dort die wichtigsten Selbstverständlichkeiten auf den Kopf, um kurz darauf zu ihrer Tour durch ungezählte musikalische Möglichkeiten aufzubrechen. Was immer Jürgen Weber, Ulla Tost und ihre temporären Mitstreiter an Klängen und Stimmungen für ihre<span id="more-8293"></span> Vision fruchtbar machten, behandeten sie mit einer Mischung aus Liebe und Respektlosigkeit. Simon Reynolds Buch „Retromania“ ist nichts als eine übergewichtige Fußnote zu ihrer Single „A Mort“ &#8211; einem liebevollen Abgesang an den klassischen Rock, den der Autor natürlich nie zu hören bekam.</p>
<p>Ihr „Ableben“ als Band kündigten Nový Svět mehrfach an, und 2008 schien es dann so endgültig, dass man fast meinen konnte, es hätte sie nie gegeben, wären da nicht die vielen Echos aus den Archiven gewesen, die Jahr für Jahr dann doch noch ihren Weg auf Tonband oder Vinyl gefunden hatten. Sollte ihr Image als obskure Band das Ergebnis einer Inszenierung sein, dann geschah dies aber auf subtile Art, denn in seinen zahlreichen Statements trat Jürgen Weber nie als Geheimniskrämer auf, zeigt sich im Gegenteil beredt im Hinblick auf Pläne und Reflexionen. Dennoch umgab die Band auch schon vor dem Rückzug aus der Öffentlichkeit etwas Enigmatisches.</p>
<p>Das vielleicht profanste Beispiel dafür ist die häufig geführte Diskussion um den musikalischen Ort Nový Světs. Konnte man sich ganz zu Anfang noch auf die merkwürdig noisige Dekonstruktion eines entschleunigten Europop einigen, fand man sich bald in einer Art Hase und Igel-Spiel wieder, bei dem die Band stets früher genau da war, wo man sie nie vermutet hätte und wo sie dennoch perfekt hinpasste. Für Momente. Auf Rezipientenseite resultierte das dann oft in einem exzessiven Termdropping um Electronica, Folk, Chanson und etliche Begriffe mehr, die immer irgendwie gestimmt haben und doch kaum von Belang waren. Interessantere Rätsel ranken sich bis heute um das nie erschienene Album aus dem &#8220;Desde Infiernos de Flores&#8221;-Zyklus, das die iberische Phase abgeschlossen hätte, dessen Material allerdings nur zum Teil auf zwei MCDs erhältlich war. Viele vermuten, dass dieses Werk das Beste, wenn nicht gar die Essenz der Band beinhaltet &#8211; sollte dem so sein, dann ist das Zurückhalten der Veröffentlichung über die Magie des Geheimnisses hinaus der beste Schutz gegen die eigene Musealisierung und schafft als Leerstelle eine Offenheit, gegen die kein noch so &#8220;finales&#8221; Album ankommt, mag es auch &#8220;fin.finito.infinito&#8221; oder &#8220;Todas las Ultimas Cosas&#8221; heißen.</p>
<p>Rückblickend mutet der Werdegang fast romanhaft an &#8211; wie eine (pikareske? mystische?) Suche, bei der man kaum um die abgedroschene Weisheit herumkommt, dass die Spuren, die die beiden unterwegs hinterlassen haben, das eigentliche Ziel der Odyssee waren. Seit &#8220;Cuori di Petrolio&#8221;, das verhalten groovige Reminiszenzen an ein jahrzehntealtes, mondänes Europa enthielt, v.a. aber seit dem drogenschwangeren &#8220;Chappaqua&#8221; haftet ihrer Musik eine Aufbruchstimmung an, die das Gedämpfte, Entschleunigte, das nie vollends aus der Musik verschwand, fast vergessen machte. Ein Pop Art-Gestus, wie er der Post Industrial-Gemeinde, von der die beiden sich schon optisch fast demonstrativ unterschieden, fremd war, fand sich fortan auf allen Veröffentlichungen. Die Klänge wurden verspielter, die Schriftzüge der Cover geschwungener, und als dann plötzlich die kühl elektronischen „Ultimas Cosas“ in den Regalen standen, war das fast schon ein etwas zu hastig geschlossener Kreis.</p>
<p>Mittlerweile häufen sich immer mehr die Gerüchte, dass es für Nový Svět wohl doch so etwas wie eine musikalische Gegenwart gibt. Neben einem weiteren Ambienttape aus dem Archivkeller, einer (medial leider untergegangenen) Split 7&#8221; mit Susa24 und der angekündigten Single mit Spettro Family ist auch die vorliegende Compilation namens „Doce“ ein hoffnungsfroh stimmendes Omen. Das Gros der zwölf Stücke ist älteren Datums und zum Teil vergriffen, ein Stück ist vollends exklusiv. Abgedeckt werden beinahe alle Schaffensphasen, wobei der Schwerpunkt eher auf dem songorientierteren Output liegt. Vertreten sind einige der bei den Fans so beliebten Akustikballaden, wobei der Schmachtfetzen „Amore, Amour, Amor“ hervorgehoben werden muss, der dem Sampler „Flies in Dreams and Reality“ damals den I-Punkt verpasste. Stets gab es Songs von scheinbar frohsinniger Natur, die fast immer einen doppelten Boden hatten – hier vertreten sind das karousellartige „Titan“ und der Spelunkenhit „Marlene“, der zu den weniger sperrigen Momenten auf dem unerreichten „Chappaqua“-Album zählt. Tief melancholische Songs wie „Espina“ und der Titeltrack des „fin.finito.infinito“-Albums bilden dazu den Gegenpart.</p>
<p>Auch der weniger „folkige“ Teil des Samplers dringt nicht in die unwegsamsten Bereiche der Nuevo Mundo vor, ebenso wenig in den Lofi-Sound des latent punkigen „Nuevo Babylon“ oder der frühen Aufnahmen, bei denen das „Authentische“ vermutlich eher den damals noch begrenzten Möglichkeiten geschuldet war – dem am nächsten kommt noch das schwerwiegende „Punished with Longing“ vom Benzinherzen-Album. Die hier vertretene (und live anmutende) Neuaufnahme von „Ninos de la Bola“ (original auf „Faccia a Faccia“) zählt allerdings zu den Höhepunkten. Selten klang Webers immer etwas testosteronschwangere Whiskey und Tobak-Stimme derart leidend und mitreißend, doch vom Phlegma der ursprünglichen Version ist kaum etwas übrig. Das Scratchen und der verquere Beat der Grime-Nummer „Juntos“ mag hier wie ein Sonderweg anmuten, im zeitlichen Kontext jedoch war das genau Nový Světs Ort, und auch bei „Yo No“ erscheint mir der tanzbare Takt und das sanguinische Dubstep-Feeling kaum unpassend. Der Song entstand 2010 und war wohl ursprünglich für eine Compilation geplant und erscheint stattdessen hier als einzig komplett neuer Beitrag.</p>
<p>Ob zukünftige Releases in diese Richtung gehen werden, und wie viele das sein werden? Man darf gespannt sein, und sollte doch nicht zu sehr spekulieren und &#8220;puro rumore&#8221; verbreiten. Nový Svět waren immer schwer einzuschätzen und werden (wird?) das auch in Zukunft sein, weswegen sich jedwedes Deuteln verbietet. Ein gutes Omen ist „Doce“ dennoch (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://killshaman.com">Kill Shaman</a></strong></p>
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