<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Infinite Fog</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/infinite-fog/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sat, 25 Apr 2026 05:15:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>COIL: Love&#8217;s Secret Domain</title>
		<link>https://africanpaper.com/2021/11/27/coil-loves-secret-domain/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2021/11/27/coil-loves-secret-domain/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Nov 2021 03:43:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Hayward]]></category>
		<category><![CDATA[Coil]]></category>
		<category><![CDATA[Danny Hyde]]></category>
		<category><![CDATA[Drew Daniel]]></category>
		<category><![CDATA[Infinite Fog]]></category>
		<category><![CDATA[John Balance]]></category>
		<category><![CDATA[Josh Bonati]]></category>
		<category><![CDATA[Little Annie]]></category>
		<category><![CDATA[Otto Avery]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Christopherson]]></category>
		<category><![CDATA[Rose McDowall]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Thrower]]></category>
		<category><![CDATA[Steven Stapleton]]></category>
		<category><![CDATA[Wax Trax]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=27892</guid>
		<description><![CDATA[Vor fast genau einem Jahr schrieb ich anlässlich der längst überfällgen Wiederveröffentlichung von Coils  meisterhaftem Spätwerk „Musick to Play In The Dark“, wie wichtig es sei, inmitten der ganzen semi- bis gar nicht offiziellen Sekundär- bis Tertiärveröffentlichungen die eigentlich wichtigen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2021/11/27/coil-loves-secret-domain/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/11/a1120858132_10.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-27894" title="a1120858132_10" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2021/11/a1120858132_10-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Vor fast genau einem Jahr<a href="http://africanpaper.com/2020/11/28/coil-musick-to-play-in-the-dark/"> schrieb ich</a> anlässlich der längst überfällgen Wiederveröffentlichung von <a href="http://africanpaper.com/tag/coil/">Coils  </a>meisterhaftem Spätwerk „Musick to Play In The Dark“, wie wichtig es sei, inmitten der ganzen semi- bis gar nicht offiziellen Sekundär- bis Tertiärveröffentlichungen die eigentlich wichtigen Alben Coils wieder verfügbar zu machen. Dass es von dem ursprünglich 1991 veröffentlichten dritten Album „Love&#8217;s Secret Domain“ nun verschiedene Versionen von zwei Labeln gibt<span id="more-27892"></span> (eine über Danny Hyde auf Infinite Fog, die andere unter Mitarbeit von Stephen Thrower auf dem reaktivierten Wax Trax), zeigt die noch immer problematische Rechtesituation – aber zumindest ist mit „Love&#8217;s Secret Domain“ nun ein Album wieder zugänglich, das nicht unerheblich zu Coils (Kult-)Status beigetragen hat.</p>
<p>Die Genese von „Love&#8217;s Secret Domain“ ist eine für Coil typische voller (Ver-)Änderungen, Abzweigungen und Modifikationen. Ursprünglich sollte der Nachfolger des 1987 erschienenen „Horse Rotorvator“ ein Album namens „The Dark Age Of Love“ werden: Auf dem danach veröffentlichten „Gold Is The Metal“, einer Sammlung mit Outtakes, Unveröffentlichtem und Alternativversionen, hieß es, das Album sei „the space between two twins“. Der dunkle(re) Zwilling des auch schon von Tod geprägtem „Horse Rotorvator“ sollte stark beeinflusst sein von den zahlreichen Toten, die die AIDS-Pandemie forderte und die auch in Coils Freundeskreis riesige Lücken gerissen hatte, blieb aber eine Totgeburt. Wie so oft bei Coil änderten sich die Pläne, u.a. kam die aufkommene Technobewegung mit ihrer <em>drug of choice</em> MDMA dazwischen. Aus weiteren Arbeitstiteln wie „120 Dalmations In Sodom“, „To Eat His Own“ oder „The Side Effects Of Life“ wurde schließlich „Love&#8217;s Secret Domain“, ein Album geprägt von Drogenexzessen (Rose McDowall wurde in Ecstasy bezahlt). Stephen Thrower <a href="https://thequietus.com/articles/30197-coil-loves-secret-domain-reissue">meinte </a>kürzlich noch angesichts der Wiederveröffentlichung bzgl. seines Verlassens der Band und der Rolle, die Substanzabusus dabei spielte: „I can&#8217;t really see how it could have been avoided, because the hedonism, and the experimentation, and the deliberate cultivation of delirium was all part of Coil&#8217;s raison d&#8217;etre. You couldn&#8217;t strip it away at that time and still have Coil, so it was inevitable really that we were going to crash and burn.“</p>
<p>Bezeichnenerweise wurden die beiden Stücke als Singles ausgekoppelt, die mit am stärksten von der Tanzmusik der Zeit beeinflusst waren: „Windowpane“ (zu dem Sleazy ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GRYMbIuil8c&amp;ab_channel=ElectroPagan">Video</a> drehte, das Balance tanzend inmitten des Mekongs zeigte) und das weitgehend instrumentale „The Snow“. In<a href="http://strangeattractor.co.uk/shoppe/englands-hidden-reverse/"> <em>England&#8217;s Hidden Reverse</em></a> meint Stephen Thrower zu letzterem: „I loathed [it] from day one“. Aus der Distanz <a href="https://thequietus.com/articles/30197-coil-loves-secret-domain-reissue">betrachtet</a> sieht seine Einschätzung ein klein wenig anders aus: „I can now listen to ‘The Snow’ on LSD from a detached perspective and quite enjoy it, in a toe-tapping sort of way. But at the time I just thought it sounded too much like a wholesale influence imported almost intact from another musical field instead of being perverted, twisted and spun in interesting ways. “ Tatsächlich ist &#8220;The Snow&#8221; vielleicht das am wenigsten gut gelalterte Stück und eigentlich primär Musik für die „Knechte des Metronoms“ (Tietchens), aber wenn man bedenkt, dass Coil auf all ihren Veröffentlichungen oftmals ein weites Netz unterschiedlichster Referenzen erschufen &#8211; in der Wax Trax-Edition spricht Drew Daniel in seinem umfangreichen Essay zu Recht  von dem Album als „a delirious array of references“ &#8211; , dann lohnt sich auch hier ein näherer Blick: Da taucht gegen Ende des Stücks die Stimme Frater Perdurabos (vulgo: The Great Beast) auf und samplen Coil einen Melodieschnipsel des Traditionals „The Oak And The Ash“ in der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MhYFzaWlQz8&amp;ab_channel=oiznas">Interpretation</a> von The King&#8217;s Singers, ganz so, als wollten Sleazy, Balance und Thrower eine, ihre ganz eigene alternative englische (Folk-)Tradition (er)schaffen – tatsächlich England&#8217;s Hidden Reverse. Auf den Remixen des Stücks, die sich auf der Singleveröffentlichung finden, erweitert sich der Refrenzrahmen, exemplarisch im bezeichnenderweise „Answers Come In Dreams“ betitelten Remix von Jack Dangers, in dem Coil die gleiche Stelle aus Peter Brooks Version von Peter Weiss&#8217; &#8220;Marat/Sade&#8221; samplen wie Current 93 einige Jahre zuvor auf ihrem Album „Christ And The Pale Queens“. Letztlich ist jedes Stück von Coil ein eigenes Universum (und wir wissen schließlich:<a href="https://www.timeless-shop.com/product/the-universe-is-a-haunted-house-coil-through-their-art-archives/#:~:text=THE%20UNIVERSE%20IS%20A%20HAUNTED%20HOUSE%20%3A%20COIL,%2035%20%C3%97%2025%20%C3%97%208%20cm%20"> „The Universe Is </a><a href="https://www.youtube.com/watch?v=kOlxEezOYlA&amp;ab_channel=KostasCoil888">A Haunted House</a>“.).<iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/X5a7df6O5PE" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>Coil konnten sich &#8211; dank Sleazys Arbeit als Regisseur zahlreicher Musikvideos &#8211; in verschiedenen Studios State of the Art-Technik leisten und nutzten ausgiebig Sampling, wie z.B. auf dem Opener „Disco Hospital“, auf dem Worte zerhäkselt und in Fragmente aufgelöst werden. Das irritiert, verstört, so wie es im fast schon oxymoronischen Titel anklingt. Ein Höhepunkt des gesamten Albums ist „Chaostrophy“, auf dem man meint, es werde im Radio nach Sendern gesucht, Streicher- und Oboepassagen lassen sich in einem Sturm aus Statik erahnen, verschwinden, um dann am Ende kurzzeitig aufzutauchen. Wie hier scheinbar Harmonisches und Dissonantes kontrastiert und dann letztlich synthetisiert wird, ist beeindruckend. Annie Anxiety tritt auf dem schleppenden „Things Happen“ in der Persona einer Prostituierten in El Salvador auf, um einen Stream of Consciousness-Monolog vorzutragen (nachdem sie, wie man bei Drew Daniel erfährt, mit John Balance auf dem Weg von der U-Bahnstation zum Studio ausgiebig dem Whisky zugesprochen hatte). Auf den zwei Teilen von „Teenage Lightning“ (die auf „Lorca Not Orca“ als Wiedergänger im Flamencogewand auftauchen) ist Balances Stimme verfremdet: &#8220;Don&#8217;t be alarmed/It will not harm you/It&#8217;s only lightning&#8221;. „Where Even The Darkness Is Something To See“ ist von Didgeredoo durchzogen. „Further Back And Faster“ verweist auf Charles Laughtons einzige Regiearbeit, den somnambulen „The Night of the Hunter“, mit Robert Mitchum als <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jcTv-BEwabk&amp;ab_channel=Movieclips">bizarrer Prediger</a>: &#8220;See his hands/Tattooed fingers/Tattooed fingers HATE&#8221;. Neben eher rhythmischen Stücken gibt es das wunderschöne Instrumental „Dark River“ (Jahre später sollten Coil „London&#8217;s Lost Rivers“ beschwören) oder das von Marc Almond gesungene &#8220;Titan Arch&#8221;, auf dem unterirdische Monarchen auftauchen, die auf Kenneth Grant/H.P. Lovecraft verweisen („They walk serene/In spaces between“). Im Titelstück, mit den schleppend-wuchtigen Drums von Charles Hayward von This Heat, wird an Hoffmanns „Sorgenkind“ erinnert, an Blakes „The Sicke Rose“, wortspielend an Aleister Crowley (&#8220;the vision and the void&#8221;), an Roy Orbinsons &#8220;In Dreams&#8221; und damit unweigerlich auf dessen Rolle in David Lynchs „Blue Velvet“. In der Tat muss man dann konstatieren: „innocence is dripping red“.</p>
<p>Das Artwork von Steven Stapleton passt zu diesem schier unerschöpflichen Album.  Im Infinite Fog-Booklet spricht Stapleton über die Entstehungsgeschichte und den Schaffensprozess.</p>
<p>Die Wax Trax- und Infinite Fog-Versionen unterscheiden sich von der Herangehensweise: Beide inkludieren auch auf Vinyl die Tracks, die damals nur auf CD zu finden waren. Die Infinite Fog-Version hat Bonusmaterial (Alternativversionen, die von Balance gesungene Version von „The Dark Age of Love“) und Linernotes von Stapleton und Danny Hyde, die Wax Trax-Version den bereits zitierten Essay von Drew Daniel, in dem dieser auch damalige Mitstreiter (Little Annie, Marc Almond, Rose McDowall etc.) interviewt. Ansonsten konzentriert man sich auf dieser von<a href="http://www.bonatimastering.com/"> Josh Bonati</a> neu gemasterten Version auf das Ursprungsalbum.</p>
<p>Rückblickend lässt sich vielleicht auch nooch deutlicher verstehen, warum Coil Schwierigkeiten hatten, den geplanten Nachfolger &#8220;Backwards“ fertigzustellen, denn verglichen mit &#8220;Love&#8217;s Secret Domain&#8221; klangen diese Aufnahmen dagegen doch konventionell(er).  (MG)</p>
<p>Label: <a href="https://infinitefog.bandcamp.com/">Infinite Fog</a>, <a href="http://waxtraxchicago.bigcartel.com/">Wax Trax</a><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=905925616/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2021/11/27/coil-loves-secret-domain/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>ORCHIS: A Dream</title>
		<link>https://africanpaper.com/2014/01/11/orchis-a-dream/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2014/01/11/orchis-a-dream/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2014 07:13:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Amanda Prouton]]></category>
		<category><![CDATA[Andrew Benn]]></category>
		<category><![CDATA[Claire Houlton]]></category>
		<category><![CDATA[Cryptanthus]]></category>
		<category><![CDATA[Cunnan]]></category>
		<category><![CDATA[Damaris Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Folk]]></category>
		<category><![CDATA[Hausfrauen Experiment]]></category>
		<category><![CDATA[Infinite Fog]]></category>
		<category><![CDATA[J Greco]]></category>
		<category><![CDATA[Julie Brackenbury]]></category>
		<category><![CDATA[Orchis]]></category>
		<category><![CDATA[R. Loftiss]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>
		<category><![CDATA[The Gray Field Recordings]]></category>
		<category><![CDATA[Tracy Dawn Jeffery]]></category>
		<category><![CDATA[Twelve Thousand Days]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=8055</guid>
		<description><![CDATA[Die Geschichte des World Serpent-Vertriebes ist eine Geschichte von Licht und Schatten, in deren Verlauf so manche musikalische Wegmarke gesetzt wurde, aber auch eine Reihe an mittelmäßigen Erzeugnissen zu Ruhm gelangten. Im Schatten der großen Namen, mit denen jeder Musikinteressierte &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/01/11/orchis-a-dream/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/Orchis_A_Dream_Cover.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8056" title="Orchis_A_Dream_Cover" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/Orchis_A_Dream_Cover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Geschichte des World Serpent-Vertriebes ist eine Geschichte von Licht und Schatten, in deren Verlauf so manche musikalische Wegmarke gesetzt wurde, aber auch eine Reihe an mittelmäßigen Erzeugnissen zu Ruhm gelangten. Im Schatten der großen Namen, mit denen jeder Musikinteressierte heute etwas verbindet, gediehen auch eine Reihe an unscheinbareren Geheimtipps, die musikalisch oft etwas spröder waren und sich schwerer zuordnen ließen. In diese Gruppe gehörte auch die Folkband Orchis, die mit WSD besonders verknüpft war, da Mitinhaber Alan Trench zugleich eine ihrer treibenden Kräfte war.<span id="more-8055"></span></p>
<p>An Orchis&#8217; Folk haben sich schon immer die Geister geschieden, da ihre Spielweise bisweilen improvisiert wirkt und oft ins Disharmonische kippt, was mit dem sehr klaren Gesang Tracy Jefferys, der an Stimmen aus reizvolleren Zeiten erinnert, ein interessantes Spannungsverhältnis erzeugt. Dieses Paradox lässt sich vielleicht am besten als eine Art spröde Geschmeidigkeit beschreiben, die immer stimmig wirkt und schon deshalb einen ebensolchen Reiz hat wie Orchis&#8217; Hang zum Ritual und zu einem paganen Weltverständnis. <a href="http://africanpaper.com/2012/03/03/to-fuck-up-tradition-interview-mit-dem-folkmusiker-und-verleger-alan-trench/">In unserem Interview</a> kann man sich davon überzeugen, dass das wenig mit weltfremder Fantasterei oder dem biederen Gemütskitsch einiger Kollegen zu tun hat. Jeder, der die berühmte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=PIBmo0QyWqI">Opferszene in Pasolinis „Medea“</a> neofolkiger findet als Breitband-Fantasy à la Pete Jackson, sollte verstehen, was gemeint ist und Orchis dafür schätzen. Irgendwann nach der Jahrtausendwende wurde es ruhiger um die Band, was aber nicht heißt, dass die Mitglieder unkreativ waren – andere Projekte wie Twelve Thousand Days, Temple Music und zuletzt Howling Larsens beweisen das Gegenteil.</p>
<p>Mit „A Dream“ erscheint dann auch Orchis selbst zurück auf der Bildfläche. Ihre Handschrift ist nach wie vor die gleiche, die ihre Musik schon in den 90ern prägte, und in ihrem Fall ist das durchweg als Kompliment gemeint. Schon der einleitende Track „No Return“, der wie drei weitere Songs bereits auf der vergriffenen Chimaera-EP zu hören war, besitzt diese trügerische Schönheit nahezu aller Orchis-Werke – trügerisch deshalb, weil das erbaulich wirkende ein eher oberflächliches Phänomen ist. Dazu muss man nicht einmal das naturmystische amor fati betrachten, dass in dem mantraartigen Text anklingt, denn schon der rituelle Paukenschlag und das immer stärker anschwellende Dröhnen und Rasseln setzt Gesang und Melodie in einen Kontext, der mit Verklärung und Nostalgie nur ungenügend erfasst wäre.</p>
<p>Viele der folgenden Songs pendeln zwischen diesen Polen, ohne sich je ganz für ein Extrem zu entscheiden. Während das minimal instrumentierte „Grim King of the Ghosts“ mit spielerischem Ernst dem Experiment fröhnt, zeigen Traditionals wie „Kishmul&#8217;s Galley“ und „Fisherman&#8217;s Girl“ die Band von ihrer aufgeweckten, fast poppigen Seite. Dies allerdings ohne völlig auf die spröden Überraschungsmomente zu verzichten, die in bitter-fatalistischen Texten oder im dronigen Klang eines tastenlosen Miniatur-Harmoniums vesteckt sind. Die Ballade „Just As The Tide Was Flowing“, die bei Orchis leicht mediterran klingt, präsentiert ein Frauenbild jenseits idyllischer Weichzeichnung. Auch hier klappert und dröhnt es hinter dem fast etwas zu schönen Glockenspiel, und vielleicht ist es gerade das Unaufgeräumte in allen geheimen Ecken, das den Song als merkwürdigen Grenzgang enden lässt, bei dem die ewige Wiederkehr – „the tide flows in, the tide flows up“ &#8211; nicht mehr nur tragisch, sondern auch etwas wahnsinnig anmutet.</p>
<p>Kein wirkliches Novum, aber eine klare Akzentverschiebung findet sich im verstärkten Interesse an ambientuntermalten Textrezitationen, wofür Alans Duo Howling Larsens sicher ein gutes Experimentierfeld bietet. Neben der hörspielartig umgesetzten Passage aus Robert Herricks „The White Island“ soll vor allem ein Auszug aus der altenglischen Elegie „The Wanderer“ hervorgehoben werden. Hier holten sie sich Unterstützung von einem versierten Kenner der alten Sprache, und ebenso wie bei den ähnlich gearteten „Whaler&#8217;s Lament“ und „Gaia“ offenbart der melierte Dronesound und Tracys Harfenspiel ein Interesse am feinsinnigen Klang, der durchaus in neue Richtungen zu gehen scheint.</p>
<p>Orchis stehen nachwievor für sich selbst, und sind zugleich ein Vorzeigebeispiel dafür, dass zeitgenössische Musik mit Folkwurzeln ihren stereotypen Ruf nicht verdient, wenn man einfach mal abseits ausgetretener Pfade sucht. Ähnliches lässt sich über das vorchristliche Element ihrer Musik sagen, das von einer vitalen, erdigen Natur ist, wie sie nur selten derart ernsthaft umgesetzt wird. &#8220;A Dream&#8221; knüpft an das Niveau von Alben wie &#8220;Mandragora&#8221; und &#8220;A Thousand Winters&#8221; an und ich hoffe sehr, dass das nächste Album keine weiteren fünfzehn Jahre auf sich warten lässt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://infinitefog.ru/en/">Infinite Fog</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2014/01/11/orchis-a-dream/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>ORCHIS: Chimaera</title>
		<link>https://africanpaper.com/2013/04/20/orchis-chimaera-ep/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2013/04/20/orchis-chimaera-ep/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 06:05:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Amanda Prouton]]></category>
		<category><![CDATA[Cryptanthus]]></category>
		<category><![CDATA[Cunnan]]></category>
		<category><![CDATA[Folk]]></category>
		<category><![CDATA[Hausfrauen Experiment]]></category>
		<category><![CDATA[Howling Larsens]]></category>
		<category><![CDATA[Infinite Fog]]></category>
		<category><![CDATA[Orchis]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Herrick]]></category>
		<category><![CDATA[Shirley Collins]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>
		<category><![CDATA[Tracy Dawn Jeffery]]></category>
		<category><![CDATA[Twelve Thousand Days]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=6700</guid>
		<description><![CDATA[Orchis ist ein englisches Folktrio um den ex WSD-Mitbegründer Alan Trench und steht nicht nur für glasklaren weiblichen Gesang, sondern auch für ein improvisiertes Saitenspiel, das immer etwas unberechenbar wirkt und manchmal, zusammen mit den Rasseln und Trommeln, auch ordentlich &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/04/20/orchis-chimaera-ep/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/orchischimaera.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6701" title="orchischimaera" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/orchischimaera-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Orchis ist ein englisches Folktrio um den ex WSD-Mitbegründer Alan Trench und steht nicht nur für glasklaren weiblichen Gesang, sondern auch für ein improvisiertes Saitenspiel, das immer etwas unberechenbar wirkt und manchmal, zusammen mit den Rasseln und Trommeln, auch ordentlich scheppert und knarzt. Wer erst durch den medialen Folkhype vor rund zehn Jahren sein Interesse an solcher Musik entdeckt hat, ist eventuell noch nicht auf die Gruppe aufmerksam geworden, denn die Zeit ihrer regelmäßigen Aktivitäten lag in den 90ern und wurde durch eine kreative Diaspora abgelöst, in der<span id="more-6700"></span> die Mitglieder sich zahlreichen anderen Projekten widmeten. Nun sind Orchis zurück, und bevor in ein paar Monaten das neue Album „A Dream“ in den Regalen steht, bietet die EP „Chimaera“ einen gelungenen Vorgeschmack. Primär für Konzerte Ende letzten Jahres angefertigt, kann man noch einige Kopien bei der Band bestellen.</p>
<p>Wer Orchis mag, tut dies in der Regel gerade, weil ihr Folk meist etwas sperriger ist. Seltsamerweise freut man sich dann aber umso mehr, wenn die Band hin und wieder zeigt, dass sie auch richtig schöne, fast poppige Folkballaden spielen kann, bei denen nicht nur der Gesang von filigraner Schönheit ist. Gerade „Chimaera“, das jüngst in einer schändlich geringen Auflage erschien, sollte jedem gefallen, der Folk eingängig und urtümlich zugleich mag, und wenn ich an der Stelle die angejazzten Pentangle, die herbe Verhuschtheit Anne Briggs&#8217; oder traditionsbewusste Zeitgenossen wie The Owl Service nenne, dann soll dies kein Vergleich sein, sondern nur vage das Territorium abstecken, in dem auch Orchis zuhause sind. „No Return“ beginnt mit fast etwas braven Zupfakkorden und einem feierlichem Paukenschlag, erst durch die elektrische Gitarre mit dem typischen Orchissound fühlt man sich an frühere Zeiten erinnert. Dass der Song nur oberflächlich zahm ist, wird nicht nur durch allerlei Dröhnen und Rasseln demonstriert, viel mehr noch durch die Doppelbödigkeit des kurzen, von Tracy Jefferys heller Stimme mantraartig wiederholten Textes, dessen pessimistischer Ton mehr und mehr in ein genügsames amor fati übergeht. Verspielt und ernst gleichermaßen evozieren wenige Worte über das Leben und die Zeit eine naturmystisch eingefärbte Stimmung, bei der ich nicht zum ersten mal an das Griechenbild eines schnauzbärtigen Philosophen denken musste. Das mag etwas over the top sein und ist eventuell der Wahlheimat einiger Mitglieder auf der Ägäis-Insel Euböa geschuldet, aber ihre ritualistisch inspirierte Folklore verströmt eine vitale Frische, die so gar nichts gemein hat mit der grauen, tristen Biedermeierlichkeit manch anderer Neofolk-Heiden. Orchis bezeichneten ihre Musik einmal als eiserne Faust im samtenen Handschuh, und nichts könnte dies mehr bestätigen als der liebliche Gesang in „Fisherman&#8217;s Daughter“, einem viktorianischen Ohrwurm über ein gefallenes Mädchen, dessen Text leicht umgeschrieben wurde und nun ohne versöhnliche Schlussgebung auskommen muss.</p>
<p>Trickreich wie ein trojanisches Pferd bildet die reizvolle Lieblichkeit der Songs stets das Einfallstor für einen subtil paganen Blick auf die Wirklichkeit, die fern jeder idyllischen Fantasy ist, aber ebenso fern von jeder resignativen Miesmacherei einen ungekünstelten, bisweilen krassen Fatalismus transportiert. „Just As The Tide Was Flowing“, eine mit mediterranen Klängen versehene englische Volksballade präsentiert ein Frauenbild, dass zu jeder betulichen Vergangenheitsverklärung quer liegen muss. Shirley Collins, die prominenteste der früheren Interpretinnen des Songs, bezeichnete die englische Folktradition einmal als die subtilste und zugleich undramatischste der Welt – auf die ungewöhnliche erotische Ballade jedenfalls trifft das zu. „Lucifer“ gibt der EP dann einen eher hörspielartigen Ausklang. Wenn Alan, der sich stets nur sporadisch zu Wort meldet, eine Passage aus Robert Herricks barockem Gedicht „The White Island“ rezitiert, knüpft dies auch an eine weitere neue Band aus dem Dunstkreis an, nämlich The Howling Larsens.</p>
<p>Auf „Chimaera“ kann man eine Band kennenlernen, die so wenig Kulturindustrie ist, dass sie in der gängigen Folk-Geschichtsschreibung höchstens beiläufig erwähnt wird – zu Unrecht! Die EP ist auf CDr im Vinyl-Look erschienen und über dagbert58@gmail.com erhältlich. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Cryptanthus</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2013/04/20/orchis-chimaera-ep/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
