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	<title>African Paper &#187; Jack Barnett</title>
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		<title>The Moons at Your Door: Current 93, Hypnopazūzu und Alasdair Roberts in Berlin</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Oct 2017 08:55:37 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/21192646_1545441502185503_1142723094286923120_n.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-14395" title="21192646_1545441502185503_1142723094286923120_n" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/21192646_1545441502185503_1142723094286923120_n.jpg" alt="" width="150" height="212" /></a><strong>Current 93 zählen nicht zu den routinierten Live-Bands, bei denen sich über die Jahre fast unvermeidlich gewisse Vorhersehbarkeiten einschleichen. Konzerte gibt es seit jeher eher sporadisch und meist einzeln organisiert, nur selten gibt es so etwas wie Ansätze zu einer kleinen Tour. Zudem verändert sich das Line-up der beteiligten Musiker oft sehr stark, so dass Sound und Songauswahl fast zwangsläufig immer wieder anders ausfallen. Wenn Current 93 mal wieder in der eigenen Stadt auftreten, kann man also alles mögliche erwarten. Dass David Tibet und seine aktuelle Besetzung jüngst in der Berliner Apostel Paulus-Kirche nicht etwa wie beim letzten Auftritt vor rund drei Jahren überwiegend</strong><span id="more-14394"></span> <strong>Songs vom <a href="http://africanpaper.com/2014/02/22/current-93-i-am-the-last-of-all-the-field-that-fell/">immer noch aktuellen Album &#8220;I am the Last of the Field that Fell&#8221;</a> gespielt, sondern auch einige Klassiker ins Programm genommen haben, stieß wohl bei einem Großteil des Publikums auf Anklang.</strong></p>
<p>Das Konzert unter dem Motto &#8220;The Moons at your Door&#8221; (der Titel ist einer eher hörspielartigen <a href="http://africanpaper.com/2016/01/09/current-93-the-moons-at-your-door/">EP aus dem vorletzten Jahr</a> sowie einer von Tibet herausgegebenen Anthologie fantastischer Erzählungen entlehnt) stand im Kontext eines größeren Rahmens, zu dem auch ein Auftritt einer weiteren Band Tibets, Hypnopazūzu, am Abend zuvor in der Musikbrauerei gehörte. Hypnopazūzu besteht im Nukleus aus Tibet und Martin Glover alias Youth, dem Bassisten von Killing Joke. <a href="http://africanpaper.com/2016/09/10/hypnopazuzu-create-christ-sailor-boy/">Unter dem Titel &#8220;Create Christ, Sailor Boy&#8221; erschien im letzten Jahr das Debüt der beiden bei House of Mythology</a>. Der eher elektronische und in Ansätzen orchestrale Sound der Platte, der gelegentlich mit &#8220;Island&#8221;, der Kollaboration zwischen Current 93 und Hilmar Örn Hilmarsson verglichen wurde, und Tibets Gesang, der so kraftvoll und melodisch ausfiel wie seit langem nicht mehr, wurde im Schnitt sehr positiv aufgenommen.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/hypnopazuzu1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-14396" title="hypnopazuzu1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/hypnopazuzu1-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Eingerahmt in teils rituell ausgerichtete DJ-Sets von dem Berliner Philip Strobel (vom Label Aufnahme &amp; Wiedergabe) und The Eternal Youth himself und eingeleitet von einer von apokalyptischen Pferdehufen zertampften Einspielung des <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-EpWOzIzhf8">launigen 70s-Hits &#8220;Chirpy Chirpy Cheep Cheep&#8221;</a> präsentierten Hypnopazūzu im erweiterten Line-up eine vom Sound her organische und v.a. äußerst druckvolle Version der besten Stücke des Albums. Von den zum Teil recht jung wirkenden Musikern aus Youths Umfeld mit Drums, Synthies, Gitarre und Violine ergänzt, ergab sich ein rockiger Sound, in dem aber auch die rituell-perkussiven Elemente des Albums ihren Platz fanden. Zu den größten Momenten des Konzertes zählte „Magog At The MayPole“, bei dem ein sichtlich ergriffener und von hypnotischem Geigenspiel begleiteter David Tibet die an &#8220;A Sadness Song&#8221; erinnernden Worte „Neither coming nor going but/WAS/IS/SHALL BE“ mantrartig wiederholte, und das in einen treibenden Vanitas-Kracher verwandelte „The Crow At Play“ mit der an die sterbliche Körperhülle gerichteten Zeile „Your palace and tomb“, die Tibet minutenlang ins Publikum schrie. Ohne nennenswerte Längen war der erste Abend ein gelungener Anfang, und als sich die einzige Zugabe, eine trancehafte Version von &#8220;All the Pretty Little Horses&#8221; gegen Ende in ein lärmendes Freakout verwandelte, überzeugte auch das.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/hypnopazuzulpcover.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-14397" title="hypnopazuzulpcover" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/hypnopazuzulpcover-300x297.jpg" alt="" width="300" height="297" /></a>Der Tapetenwechsel vom ersten zum zweiten Tag, von der kultigenn Musikbrauerei aus den frühen Tagen der Industriearchitektur zur feierlichen Atmosphäre in der Schöneberger Apostel Paulus-Kirche hätte nicht größer sein können, einzige Konstante war eben David Tibet, der an beiden Abenden wesentlich gesetzter und konzentrierter wirkte als auf früheren Konzerten, nur wenige Ansagen zwischen den Songs machte und statt hin und wieder über die Bühne zu tanzen eher ruhig hinter seinem Mikro stand. Dass Kirchenbestuhlung immer nur in den vorderen Reihen ein ordentliches visuelles Erlebnis bietet, muss man in Kauf nehmen, und zu dem m. E. etwas übertriebenen Security Check will ich ebenso wenig Worte verlieren wie zu den etwas saftigen Preisen &#8211; insgesamt war der Event in eine anrührende, verzauberte Stimmung getaucht, einiges an Artwork Tibets aus unterschiedlichen Werkphasen wurde, meist passend zu den Songs, an die Wand des Altarraums projiziert und verlieh der protestantischen Schlichtheit des recht großen Gebäudes ein wenig ungewohnte Pracht.</p>
<p>Den Auftakt machte der schottische Folksänger und -Gitarrist Alasdair Roberts, der später auch in der Besetzung von Current 93 mitwirkte, wo er, wenn man so will, den Part von James Blackshaw übernahm. Mit einer Handvoll meist traditioneller Folksongs sorgte er für einen soliden, angenehm bodenständigen Einstieg, sein teilweise etwas spröder und manchmal ins Falsett kippender Gesang bildete einen interessanten Gegenpart zur eher exaltierten Gesangsart Tibets, ein Höhepunkt seines kurzen Sets bildete eine A capella-Verison der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2V4KpX8pmm0 ">Ballade &#8220;The Cruel Mother&#8221;</a>.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/current931.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-14398" title="current931" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/current931-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Als Current 93 dann die Bühne in Beschlag genommen hatten, war schon nach den ersten zwei Tracks klar, dass das Konzept ihres Auftritts, ob bewusst intendiert oder nicht, sich einigermaßen deutlich von den Konzerten der letzten Jahre unterscheiden sollte &#8211; in einer Besetzung, von der nur der Pianist Reinier van Houdt, die Geigerin Aloma Ruiz Boada und natürlich Andrew Liles die letzten Jahre über im Line-up aufgetaucht sind, schraubte man die wie auch immer zu kategorisierenden Art-, Psych- und Prog Rock-Elemente, die seit den späten Nullerjahren immer zumindest latent vorhanden waren, merklich herunter und betonte stattdessen sowohl die &#8220;experimentell&#8221;-soundorientierte als auch die akustische Seite des eigenen Stilspektrums. Die Tatsache, dass diesmal kein Drummer mit von der Partie war, und neben Tibet und den genannten Kollegen noch Jack Barnett von These New Puritans und eben Roberts mitwirkten, trug sicher seinen Teil zu dieser Mischung bei.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/current93lastofthefieldlp.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-14399" title="current93lastofthefieldlp" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/current93lastofthefieldlp-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Das Konzert begann mit einem mir nicht bekannten, dem Klang nach recht alten Musicalstück, das in eine abstrakte Klanglandschaft aus dem &#8220;Moons at your Door&#8221;-Material überging. Danach begann mit &#8220;Those Flowers Grew&#8221; der eigentliche Reigen an Songs. Eine feierliche, ernste Aura und ein Hauch von Trauer umgab die Band und den Sänger schon bei diesem Stück, das beinahe das einzige des letzten Albums bleiben sollte &#8211; lediglich &#8220;I could not Shift the Shadow&#8221; wurde noch zum besten gegeben, das auf dem Album von Nick Cave rezitiert wird. Da Tibets berühmter Freund einen Tag später in Berlin gastieren sollte, munkelte man im Publikum teilweise, dass ein Gastauftritt eine nette Idee und durchaus möglich wäre, aber dazu kam es natürlich nicht. Die auf &#8220;Those Flowers Grew&#8221; folgende Songauswahl bildete mit einer Ausnahme einen ausgewogenen Querschnitt durch die letzten zwanzig Jahre der Bandgeschichte: Das immer wieder ergreifende &#8220;Niemandswasser&#8221; machte das Konzert schon recht früh für viele zu einer runden Sache, bei &#8220;Honeysuckle&#8221; vom &#8220;HoneySuckle Aeons&#8221;-Album wurde der walzerhafte Cabaret-Touch noch etwas mehr betont, &#8220;Baalstorm, Baalstorm&#8221; sorgte für Dramatik und Momente gesanglicher Entgrenzung, ein unbekannter Track namens &#8220;Redhouse&#8221; machte neugierig auf das für&#8217;s nächste Jahr angekündigte Album &#8220;Red&#8221;.</p>
<p>Besonders gelungen war die Version von &#8220;Then Kill Cæsar&#8221;, bei der Aloma Ruiz Boadas Violine, die ohnehin oft als Lead-Instrument fungierte, das Cello von John Contreras ersetzte; mit einer kurzen Perkussionseinlage von Liles bekam der Song einen martialischen Ausklang. Mit den Zeilen &#8220;And how I loved the moon / And its sheet of seeds / The moon tiding in your body / The smell of your blood breathing / And its taste in the sea&#8221; wurde in dem Song auch einem geheimen Protagonisten des Abends und des Current 93-Kosmos allgemein gehuldigt, nämlich dem Mond, der in den Bildern Tibets in regelmäßigen Abständen über die Kirchenwand flog oder schwebte &#8211; ein Symbol, das im Kontext der Band in vielfältigen Bezügen (etwa zur &#8220;Moon Music&#8221; Coils und zur Person von Tibets verstorbenem Freund John Balance, aber auch zum Konsmos von &#8220;In Menstrual <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/current932.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-14400" title="current932" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2017/10/current932-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Night&#8221;) steht, und das diesmal besonders im Zentrum stand. Fast so etwas wie klassisches Neofolk-Feeling kam bei dem einzigen aus den 80ern stammenden Song &#8220;Hourglass for Diana&#8221; auf, bei dem Liles und Roberts elektronisch und akustisch schrammelten und Barnett und van Houdt einen wabernden Klangteppich beisteuerten. Es war auch einer der Songs, bei denen Tibet unter Beweis stellte, dass er nach wie vor mehr kann als Texte rezitieren, und dass seine exzentrische Kopfstimme immer noch zu wütendem Gekeife taugt.</p>
<p>Nach einigen weiteren Songs wie &#8220;The Nudes Lift Shields For war&#8221; (von der &#8220;Baalstorm, Sing Omega&#8221;) und zwei weiteren Stücken von der &#8220;HoneySuckle Aeons&#8221; endete das Konzert mit der kompletten &#8220;Birth Canal Blues&#8221;-EP, als Zugabe wurde &#8220;Sleep Has His House&#8221;, Davids berührende Hommage an seinen Vater, gespielt, und als letztes nicht wie erwartet &#8220;Lucifer Over London&#8221; oder &#8220;Oh Coal Black Smith&#8221;, sondern eine originelle, ein bisschen wie ein Shantie vorgetragene Coverversion von<a href="https://www.youtube.com/watch?v=lCdc0XMrreU"> &#8220;Hushaby Mountain&#8221; aus dem 1969er Musical &#8220;Chitty Chitty Bang Bang&#8221;</a>. &#8220;A gentle breeze from Hushabye Mountain / Softly blows over Lullaby Bay / It fills the sails of boats that are waiting / Waiting to sail your worries away&#8221;, heißt es da, und so endet auch der zweite Abend mit einem Schlaflied. Eine der zentralen Dichotomien im Werk von David Tibet fällt auch hier wieder ins Auge, nämlich der zwischen apokalyptischen, von rauen (Baal)-Stürmen durchtosten Szenarien, myteriösen Orten wie Niemandswasser, an denen die eigene Existenz als Staub bewusst wird, wo das Studenglas seinen seinen unerbittlichen Countdown zählt, und auf der anderen Seite kindlich-regressiven Traumwelten, in denen sich der trostspendende Schlaf wie eine zarte Decke über alles legt. Gemeinsam ist beidem das Erlöschen.</p>
<p>Mit dem Musical-Stück schloss sich auch der Kreis zum Beginn des Konzertes, und für viele endete sicher ein mehr als zufriendestellender Abend mit feierlichen, wehmütigen, oft schrägen und immer mal für Momente druckvollen Songs. Ein weiteres Thema im Publikum war natürlich die zum Konzert erschienene Lathe Cut, wozu sicher bald etwas von denen zu hören sein wird, die das entsprechende Kombi-Ticket erworben hatten. (U.S., Fotos: Sanja Petrov)</p>
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		<title>CURRENT 93: I Am The Last Of All The Field That Fell</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Feb 2014 04:29:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/02/C93sph7v_84e52947-d05d-4c48-9cfd-56160449cd0f_1024x10241.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8274" title="C93sph7v_84e52947-d05d-4c48-9cfd-56160449cd0f_1024x1024" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2014/02/C93sph7v_84e52947-d05d-4c48-9cfd-56160449cd0f_1024x10241-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Current 93 war von (An)Beginn immer ein Vehikel für David Tibets Obsessionen, künstlerischer und vor allem spiritueller Art. Daraus folgte vielleicht unweigerlich, dass Ideen und später dann die Worte und Wörter im Mittelpunkt standen, gerade da Current 93 eben keine Band im herkömmlichen Sinne war/ist, sondern vielmehr ein loses Kollektiv um den Fixstern Tibet. Dabei haben die immer umfangreicher werdenden Texte &#8211; die vielleicht der in den letzten Jahren stärker gewordenen kosmischen Perspektive („And did you call the night &#8216;bright&#8217;/And drink the sex of stars?“ wird auf dem letzten Stück gefragt) Rechnung tragen sollen &#8211; dazu geführt, dass ein Singen – das es bei Current 93 sowieso nie im herkömmlichen Sinne gegeben hat – noch stärker einem Rezitieren gewichen ist. <span id="more-8269"></span>Gab es z.B. auf „Black Ships&#8230;“ trotz des umfangreichen Konzepts noch Stücke, die in gewissem Maße (eine konventionelle) Songstruktur hatten &#8211; „Sunset“ oder „Then Kill Caesar“ etwa-, so kann man das für das neue Album nur sehr bedingt sagen. Insofern dürfte das nach einem unveröffentlichten Gedicht John Clares benannte Album kaum dem Gelegenheitshörer gefallen, keinem der nach <em>catchy</em> <em>tunes</em> sucht – was aber sicher nicht gegen das Album spricht oder sprechen sollte.</p>
<p>Tibet hat in den Jahren öfter von seinem Wunsch nach Simplizität gesprochen, zumindest musikalisch ist das der Fall, denn trotz vieler Musiker (insgesamt 14 Personen waren an „I Am The Last Of All The Field That Fell“ beteiligt, wohingegen das Myrninerest-Album von Tibet lediglich zusammen mit James Blackshaw, der hier kurz am Bass zu hören ist, eingespielt wurde) sind die einzelnen Stücke primär um das Klavierspiel des neuen Pianisten Reinier van Houdt zentriert. Der verhältnismäßig ruhige Opener ist noch recht opulent instrumentiert: „The Invisible Church“ kombiniert Klavier mit dem Akustikgitarrenspiel von Groundhogs&#8217; Tony Mc Phees (dessen „Sad Go Round“ Tibet auf der „Lucifer over London&#8221;-12&#8242; gecovert hatte), Schlagzeug, an dem hier Carl Stokes zu hören ist und der Bassklarinette von Joe Seagrott (der nach der Reunion Rob Young bei Comus ersetzt hat). Die Backingvocals der scheinbar ewig jugendlichen Bobbie Watson erinnern an Rose Mc Dowall, deren Gesang auf früheren Current 93-Alben wiederum ohne Comus kaum denkbar gewesen wäre. Das darauf folgende„Those Flowers Grew“ ist dramatischer, hier hat Tibets Vortrag wie schon auf früheren Alben einen unglaublich intensiven, fast manischen Charakter, was durch John Zorns Saxophonspiel und Tony Mc Phees E-Gitarre noch unterstrichen wird. Diese Art des Vortragens wird auf „And Onto PickNickMagick“ noch deutlicher und dies macht ein Nebenbeihören und letztlich Indifferenz eigentlich unmöglich. „The Heart Full of Eyes“ hat einen etwas stärkeren Rockcharakter, hier stehen die Gitarrenriffs gleichberechtigt neben dem Klavier– etwas, das auch einigen der anderen Stücken bei der Aufführung des Albums in London gut zu Gesicht stand. „Spring Sand Dreamt Larks“ bekommt durch Zorns durchdringendes Saxophon ebenfalls etwas Unruhiges, Getriebenes. Zurückhaltender ist ein Stück wie das von melancholischem Klavierspiel bestimmte „With the Dromedaries“, das nur gegen Ende eruptive „Kings and Things“ oder aber das nachdenkliche „Why Did The Fox Bark?“. Etwas aus dem Rahmen fällt das beschwingte „I Remember The Berlin Boys“, das mit seinen knapp vier Minuten der kürzeste Track ist. Antony, dessen Arbeiten der letzten Jahre mir manchmal etwas zu glatt waren, beweist auf „Mourned Winter Then“ (lediglich von Klavier begleitet), warum der Legende nach Lou Reed geweint hat, als er ihn zum ersten Mal singen hörte. Wenn er manche der Zeilen fast atemlos vorträgt, dann meint man wahrlich, die im Text genannten „angelic yells“ zu hören. Abgeschlossen wird das Album von dem von Nick Cave gesungenen „I Could Not Shift The Shadow“, einer ruhigen Klavierballade, die das Album zurückhaltend ausklingen lässt. Zwischen einzelnen Stücken hört man immer wieder den für seine selbst so betitelten „apocalyptic visual parables” bekannten Dichter, Maler, <em>outsider</em> <em>artist</em> Norbert Cox.</p>
<p>Die Texte sind erneut eine Apotheose einer (Privat)Mythologie, deren Referenzen, Anspielungen und Bildlichkeit nur noch partiell zu dekodieren ist. Wie auch auf den Arbeiten der vergangenen Jahre findet sich eine Gegenüberstellung von Sakralem und Profanem: Gary Glitter, Strichcodes, Saulus, Paulus und das Jüngste Gericht treffen in „Those Flowers Grew“ alle aufeinander. In seiner Studie <em>The Lyre of Orpheus</em> postuliert Christopher Partridge in einem etwas anderen Zusammenhang, dass sich „[t]he sacred-profane ambiguity“ in den Arbeiten Current 93s zeige. Es finden sich auch immer wieder intertextuelle Referenzen auf die Alben der letzten Jahre: so tauchen „ships in the sky“ auf, der bellende Fuchs verweist auf „Aleph&#8230;“, man findet sich erneut im „Baalstorm“, während „SunFlower“ und „Queendom“ an den Vorgänger „Honeysuckle Æons“ erinnern. Ebenfalls wird wieder wie schon zuvor (ein frühes Beispiel wäre Nature and Organisations „Bloodstreamruns“) die eigene (als fehlerhaft) betrachtete Vergangenheit thematisiert. Auf „I Remember The Berlin Boys“ heißt es: „the Nodding God span webs/In the distance“, „The message is <em>I ran evil“, </em>„When I was young in body/But old in soul/Now older and in vice“.</p>
<p>Das Arbeiten mit partieller Homophonie („mews/noose“, „diseased and deceased“), das teils (vermeintlich) Assoziative, die Gegenüberstellung scheinbar konträrer Bilder und Themen weisen (literaturgeschichtlich gesehen) modernistische Züge auf. Ich habe früher schon auf Parallelen zum expressionistischen Reihenstil hingewiesen. Seine Erschaffung eines eigenen und eigenständigen mythologischen Systems erinnert aber auch natürlich an einen anderen Autoren, der konstatierte, er müsse (s)ein eigenes System schaffen, um nicht von einem anderen versklavt zu werden. Und wenn man Formulierungen wie „The field of bled woods“ oder „When we are naked as bone“ hört, entstehen Bilder, von denen man eigentlich nicht unberührt bleiben kann, die einen aufs Tiefste anrühren.</p>
<p>Ein Album von Current 93 ist oftmals eine Offenbarung – das kann, muss man aber nicht theologisch lesen – man kann es auch rein profan verstehen.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://www.copticcat.com/">The Spheres</a></p>
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		<title>THESE NEW PURITANS: Fields of Reeds</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jun 2013 06:15:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Puritanisch waren These New Puritans nie, ganz gleich, ob man darunter Stilpurismus oder unterkühlte Reduktion versteht. In der Folge ihrer zweiten Platte „Hidden“ galten die vier Engländer eine zeitlang als die Shootingstars des – ja, des was eigentlich? Dass gerade &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2013/06/15/these-new-puritans-fields-of-reeds/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/thesenewpuritansfieldofreeds.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7179" title="thesenewpuritansfieldofreeds" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/06/thesenewpuritansfieldofreeds-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Puritanisch waren These New Puritans nie, ganz gleich, ob man darunter Stilpurismus oder unterkühlte Reduktion versteht. In der Folge ihrer zweiten Platte „Hidden“ galten die vier Engländer eine zeitlang als die Shootingstars des – ja, des was eigentlich? Dass gerade die gute alte Punk&#8217;n'Wave-Zeit wieder hochleben durfte kam ihnen gerade recht, auch wenn sie von den gängigen Stereotypen weit entfernt waren. Neoklassiche Elemente sind im Pop immer mal angesagt, nur die Art und Weise ändert sich stetig, und auch in der Hinsicht war das Quartett um die Barnett-Brüder keines Geistes Kind und passte umso besser auf die nicht festgelegte Agenda kurz vor<span id="more-7178"></span> dem Startschuss für Chill Wave und Co, von deren Anhängerschaft sie ebenfalls gebührend wahrgenommen wurden. These New Puritans sind in vieler Hinsicht eine singuläre Erscheinung und kaum Bestandteil von etwas größerem, auch die Teilnahme am Geburtstagsfestival des umtriebigen David Tibet, wozu anschließend kaum mehr ein Wort verloren wurde, wirkte irgendwie konstruiert.</p>
<p>Auch von der Klangfülle her passen TNP viel eher in die opulente Welt marmorner Konzertsäle als in jede calvinistische Bretterbude. Wer mit der etwas schöngeistigeren Seite der Minimal Music klar kommt (also eher Glass und Nymen als Reich und Young) und zugleich auf gestylte Elektronik mit Raum für Poesie steht, war bei den Puritans an der richtigen Adresse. Auf „Fields of Reeds“ erkennt man sie vielleicht nicht sofort, mit der Zeit jedoch stellt sich umso mehr heraus, dass all die bekannten Elemente erhalten geblieben sind. Alles wurde nur neu durchmischt, und vieles ist subtiler. Die orchestrale Wucht des Vorgängers ist einem kammermusikalischen Klangbild gewichen, der elektronische Bombast überlässt das Feld über weite Strecken dem Klavier. Setzen die Drums ein, meint man hier und da dem Auftakt eines grundanständigen Indie-Songs bezuwohnen. Sowohl die wuchtigeren, als auch die schrägen Elemente werden punktuell eingesetzt und akzentuieren besondere Momente, dabei wirken Bläsereinsätze, primär vertreten durch den neuen Trompeter Henry Lauder, fast wie entspannte Lounge-Beigaben. Stellenweise musste ich sogar an Campbell Finleys Beitrag zu Death in June denken. Elektronik hat diesmal primär die Funktion des Verfremdens und Konterkarierens, gerne wird mit der Stimme gespielt, was bisweilen irritieren kann. Ist der Gesang merkwürdig gedoppelt, oder bildet er eher eine Dissonanz mit anderen Sounds? Man wird sich vielleicht nicht einig, denn der Song ist in steter Bewegung und längst ganz woanders.</p>
<p>Auch entgrenzte, turbulente Augenblicke haben Raum, oft bilden sie die Höhepunkte der Stücke, die sukzessive angesteuert werden. Dies kann in Form der wenigen Noisemomente geschehen oder durch furioses Hämmern auf die Klaviertasten. Neben dem Trompeter ist Sängerin Elisa Rodrigues als weiterer Neuzugang zu verzeichnen. Ihre ursprüngliche Heimat ist der portugiesische Fado und klassischer Jazzgesang, was sich im Gesamtbild als interessanter, warm klingender Kontrapunkt erweist, auch wenn ihre Stimme meist die hinteren Bereiche ausfüllt. Hauptvocalist ist nach wie vor Jack Barnett, der diesemal anscheinend eine Art müdes Nuscheln als Stilmittel des Intimen entdeckt hat. Das mag in geringer Dosierung ganz gut funktionieren, und irgendwelche Thom Yorke- oder Rufus Wainwright-Vergleiche sollte man sich verbitten. Aber ein bisschen nervt es auf Dauer schon.</p>
<p>These New Puritans spielen 2013 Musik für&#8217;s Wohnzimmer, oder besser: für&#8217;s lufitig-loftige Appartment, eingerichtet mit einem kunstvoll minimalistischen Mobiliar, auf dem man es sich aber auch bequem machen kann, denn von frostigem Puritanismus kann keine Rede sein. In vielerlei Hinsicht sind sie sich aber auch sehr treu geblieben – aufgeräumt, spontan und vielseitig wie immer, auch so verliebt in die Repetition wie eh und je.</p>
<p><strong>Label: PIAS</strong></p>
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