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	<title>African Paper &#187; Julia Sabra</title>
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		<title>Land: Zweiter und dritter Teil der libanesischen Charity-Compilation</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 05:29:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die auch als Label fungierenden Tunefork Studios in Beirut haben gerade zusammen mit dem Beirut Synthesizer Center einen zweiten und dritten Teil der Charity-Compilation &#8220;Land&#8221; herausgebracht, deren Erlös der Versorgung der Menschen zugute kommt, die in Folge des aktuellen Krieges &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/03/24/land-zweiter-und-dritter-teil-der-libanesischen-charity-compilation/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die auch als Label fungierenden Tunefork Studios in Beirut haben gerade zusammen mit dem Beirut Synthesizer Center einen zweiten und dritten Teil der Charity-Compilation &#8220;Land&#8221; herausgebracht, deren Erlös der Versorgung der Menschen zugute kommt, die in Folge des aktuellen Krieges heimatlos geworden sind &#8211; enthalten sind Beiträge von insgesamt achtundfünfzig Acts, die größtenteils aus den vielgestaltigen experimentellen, elektronischen, improvlastigen oder klangkünstlwerischen Musikszenen Libanons stammen. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50554" title="land2" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land2.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-50553"></span></p>
<p>Mit Yara Asmar, Nour Sokhon, Sanam, Charbel Haber, Julia Sabra, Elyse Tabet, Postcards, Jad Atoui, Anthony Sahyoun, Snakeskin, Fadi Tabbal, Interbellum, Mayssa Jallad, Abed Kobeissy, Sary Moussa, Interbellum, The Incompetents, Yasmine Hamdan, Zeid Hamdan, Youmna Saba und Maud Zeinoun sind eine ganze Reihe an Künstlerinnen und Künstlern vertreten, die auch auf unseren Seiten schon eine Rolle gespielt haben. Internationale Acts wie Julia Holter und Mary Lattimore sind ebenfalls vertreten. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50555" title="land3" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land3.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a>Die Doppel-Compilation ist mit Artwork by Carla Aouad und Design von Josette &#8216;Zooz&#8217; Khalil über Bandcamp erhältlich. Der erste Teil der Reihe erschien vor anderthalb Jahren.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3603396290/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1299316612/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>SNAKESKIN: We Live In Sand</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Oct 2025 05:04:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wie kann man lieben, wenn ringsum Gewalt herrscht? Die Frage wirkt einfach und vordergründig betrachtet fast etwas trivial, und doch entpuppt sie sich in den Texten von Snakeskins neuem Album wie ein kaum auflösbarer Widerspruch. Auf der einen Seite stehen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/10/11/snakeskin-we-live-in-sand/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/weliveinsand.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47833" title="weliveinsand" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/weliveinsand-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie kann man lieben, wenn ringsum Gewalt herrscht? Die Frage wirkt einfach und vordergründig betrachtet fast etwas trivial, und doch entpuppt sie sich in den Texten von Snakeskins neuem Album wie ein kaum auflösbarer Widerspruch. Auf der einen Seite stehen Zerstörung, Niedergang, Flucht und Ohnmacht, auf der anderen eine beharrliche, durchaus Kraftreserven benötigende Zärtlichkeit, die sich weigert, dasjenige verschwinden zu lassen, was die Einzelnen zusammenhält.<span id="more-47830"></span></p>
<p>Das libanesische Duo Snakeskin – Julia Sabra und Fadi Tabbal – widmet sich auf &#8220;We live in sand&#8221;, das größtenteils während einer Residenz in Bern produziert wurde, genau diesem Spannungsfeld. Entstanden im Oktober 2024, als die Eskalation des aktuellen Kriegens in der Region auch Beirut erreichte, markiert das Album den vielleicht radikalsten Punkt in ihrer bisherigen Arbeit. Schon der Auftakt &#8220;Ready&#8221; konfrontiert mit aufgewühltem, elektrifiziertem Rattern, das metallen vibriert und wie im Kontrapunkt zu der Genügsamkeit von Sabras entspannt-melancholischem Gesang steht. Bald mischen sich weitere Schichten darunter, flächige Sounds, die fast wie ein vorbeifliegendes Flugzeug wirken, ehe sich die Musik noch einmal überraschend melodisch öffnet.</p>
<p>&#8220;October sun&#8221; knüpft mit elektrifiziertem Hauchen und Summen daran an, getragen von einer monochromen Kulisse, die warm im Hintergrund liegt. Hier entfaltet sich eine Stimmung des Ausharrens, in der Sabras Stimme von verlorenen Orten und einem Himmel voller Drohnen singt. &#8220;This time there’s no escape&#8221;, heißt es und verweist auf die Unausweichlichkeit der Gegenwart, in der das Private untrennbar mit der politischen Situation verschränkt ist. Rhythmischer und beschwingter setzt &#8220;Blindsided&#8221; ein, doch unter den luftigen Takten liegt eine ambient geerdete Grundierung. Hier wird auch der zentrale Gedanke des Albums zwischen Verzweiflung und Beharren besonders eindringlich formuliert: &#8220;How to love in the face of this death&#8221;.</p>
<p>Mit &#8220;Olive groves&#8221; verändert sich die Stimmung spürbar. Feierliche Orgelklänge begleiten eine andächtige, fast schwebende Stimme, die in wenigen Worten jahrzehntelange Konflikte anruft. Auch &#8220;Black water&#8221; bleibt im Gestus reduziert, getragen von dumpfen Schlägen, folkig eingefärbten Saitenklängen und Bläsern, was der Komposition wie Musik für einen abgedunkelten Kurzfilm anmuten lässt. &#8220;The fear&#8221; dagegen klingt im Ansatz poppiger, mit klopfenden, rauschenden Texturen, hochtönendem Gesang und einem melodischen Brummen im Hintergrund &#8211; eine Eingängigkeit, die den bitteren Text umso deutlicher akzentuiert, in dem persönliche Erinnerungen an Kindheitsängste mit gegenwärtiger Bedrohung verschränkt. Ein wiederholtes Traume ist bekanntlich umso stärker in seiner Wirkung.</p>
<p>Im Titelstück schiebt sich ein metallisches Rasseln, Brummen und Bläserartiges in den Vordergrund, ehe Feedback und Kratzen die Klangfläche zerreißen. Der Gesang ist stark verfremdet, mal kaum verständlich, mal glasklar, und entwirft Bilder von Flammen, Steinen und einer &#8220;bloodied sun&#8221;. Der Abschluss &#8220;In the pines&#8221;, als einziges Stück außerhalb der Residency entstanden, führt schließlich in tiefe Melancholie. Bedächtige Pianolinien und verfremdete Stimmen verweben sich zu einem düsteren Duett. Zwischen Erinnerungsverlust, brennender Stadt und dem Ruf der Grillen entsteht eine Schwere, die keinen Ausweg mehr anbietet.</p>
<p>Von Anfang bis Ende ist &#8220;We live in sand&#8221;, trotz seiner voerdergründigen Zugänglichkeit, ein Album ohne beschönigende Zwischentöne. Während das selbstbetitelte Debüt noch von den Nachwirkungen der Beiruter Hafenexplosion geprägt war und &#8220;They Kept Our Photographs&#8221; im Schatten des beginnenden Kriegs entstand, ist die Gewalt hier endgültig im Alltag angekommen. Karl Matar, als Interbellum selbst Musiker, erfasst dies in den Liner Notes als Zeugnis ohne Fluchtpunkt: Wo frühere Werke Hoffnungsräume offenhielten, bleibt diesmal nur der entschlossene Realismus.</p>
<p>Am Ende bleibt ein Werk, das so bedrückend wie notwendig wirkt, eine fragile, aber klare Stimme aus der Mitte der Zerstörung. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured Records / Beacon Sound</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3334254828/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3334254828/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" seamless><a href="https://snakeskinband.bandcamp.com/album/we-live-in-sand-2">We live in sand von Snakeskin</a></iframe></p>
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		<title>V.A.: The Dome Sessions</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2025 05:43:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46534" title="thedomesessions" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International Fair. Entworfen 1962 von dem hierzulande durch das Berliner Hansaviertel, v.a. aber durch die repräsentativen Bauten der brasilianischen Hauptstand bekannten Oscar Niemeyer als Teil eines <span id="more-46533"></span>weitreichenden Plans zur wirtschaftlichen Dezentralisierung des Landes, blieb die imposante Halbkugel nach Beginn des Bürgerkriegs ein Torso: baulich nie vollendet, akustisch unbehandelt, funktional ungenutzt. Gerade diese Unabgeschlossenheit aber macht den &#8220;Dome&#8221; zu einem Raum, in dem das Potenzial des Ungesagten, des Zwischenraums, erfahrbar werden kann. Seine Architektur erzeugt eine unverwechselbare Akustik, in der sich Schall nicht nur ausbreitet, sondern verflüchtigt, bricht, zurückkommt.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221;, die neue Compilation des libanesischen Labels Ruptured Records, reagiert nicht nur auf diesen Raum, sondern setzt sich, wie auch in den Liner Notes von Wassila Abboud erörtert, mit ihm in Beziehung. Die elf Sessions, die im April 2023 vor Ort aufgenommen und später in den Tunefork Studios in Beirut abgemischt wurden, lassen sich als akustisches Protokoll einer künstlerischen Aneignung verstehen. Das kollektive Moment ist dabei zentral: Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Kontexten und Generationen begegnen sich in diesen Aufnahmen auf Augenhöhe, reagieren aufeinander, auf die Architektur, auf das Vergangene, das Gegenwärtige, das geisterhaft Verborgene. Auch auf das, was in Worten unbeschrieben bleiben muss.</p>
<p>Die erste Session – ein Stück des Trios Sandy Chamoun, Abed Kobeissy und Pascal Semerdjian – beginnt mit Vogelstimmen, wie sie immer wieder leitmotivisch durch das Album ziehen. Eine Art perkussiver Donner kündigt sich an, rätselhafte akustische Miniaturen – Rasseln, Hupen, Triller –, dann setzt Chamouns unverwechselbarer Gesang auf Arabisch ein. Die Instrumentierung ist minimalistisch, doch der Ausdruck ist enorm. Die Dramaturgie des Stücks lebt von ihrer inneren Bewegung: mit wenigen Mitteln entstehen immer neue Motive, zum Ende hin steigert sich das Stück kraftvoll, beinahe eruptiv, ohne dabei die unaufgeregte, klare Stimme Chamouns auch nur ansatzweise zu tangieren. Makram Aboul Hosn präsentiert zwei solistische Kontrabass-Stücke. Der erste Teil ist geprägt von einer durchlässigen, atmenden Dynamik, das Tempo verändert sich scheinbar mühelos, der warme, holzige Klang des Instruments bleibt stets präsent. Im zweiten Teil dann ein energischeres, beinahe rabiates Spiel mit dem Bogen, ein starker Kontrast zum ersten Teil, der schließlich wieder zurückgeführt wird: ein kreisförmiger Aufbau, ein hörbarer Kraftakt.</p>
<p>Abdo Sawma und Anthony Tawil schaffen in ihrer Session eine verdichtete Atmosphäre, die sich von leiser Perkussion zu einer hallgeladenen, beinahe monumentalen Klangfülle steigert. Es ist ein Stück, das sich Zeit nimmt und zugleich große Intensität entwickelt. Ghassan Sahhab nutzt die Qanun – eine arabische Zither – für ein Stück, das archaische Melodik mit flirrender Leichtigkeit verbindet. Die Komposition wirkt nicht wie ein statisches Gebilde, sondern wie ein Gespräch: suchend, fragend, dabei aber stets getragen von innerer Kraft. Der Wechsel zwischen tastender Offenheit und kraftvoller Harmonie verleiht dem Stück eine besondere Tiefe.</p>
<p>Wassim Tanios – möglicherweise identisch mit dem gleichnamigen Regisseur – kombiniert eine dröhnende Grundstimmung mit subtilen Holzbläser- und Elektronikklängen. Die hier wohl verwendete Nej, ein traditionelles Doppelblattinstrument, verleiht dem Stück eine melancholisch-transparente Qualität. Es ist eines der emotional eindringlichsten Stücke der Compilation. Julia Sabras Beitrag ist eines der wenigen textbasierten Stücke. Ihre klare, folkige Stimme steht zunächst allein im Raum, bevor sie vom Strumming einer schlichten, aber feierlichen Akustikgitarre begleitet wird. Die Lyrics sprechen von der Unsicherheit der Zeitlichkeit und von einer drohenden Verlorenheit – und tun dies mit einer Sanftheit, die umso eindrucksvoller ist. &#8220;Girls and boys dancing around a corpse&#8221;, heißt es an einer Stelle – eine Zeile, die hängen bleibt.</p>
<p>Farah Kaddour greift mit ihrer Buzuq auf Mittel zurück, die schon ihr vor kurzem erschienenes Album &#8220;Ghazel&#8221; mit Marwan Tohme prägten. Doch hier wirken die Sounds noch entschiedener auf den Raum bezogen: Windgeräusche, das gelegentliche Aufbrausen des Instruments, das irrlichternde Spiel mit Tonhöhen und Rhythmen erzeugen ein Stück, das nie berechenbar ist, dabei aber stets kohärent bleibt. Der klangliche Zugriff erinnert an Roland Barthes’ Idee einer Schrift ohne festes Alphabet – ein auditives Reich der Zeichen. Marc Ernest beginnt mit vertrauten Vogelstimmen, bevor eine tubaartige Klangfigur einsetzt. Die Musik changiert zwischen Struktur und Offenheit, die Melodik ist ornamentiert, ohne überladen zu wirken. Das Stück bleibt schwer zu fassen, was Teil seiner Qualität ist. Der Fayha Choir, dessen Beitrag über zwölf Minuten geht, bringt mit &#8220;Zahrat al-Mada’en&#8221; ein ursprünglich für Fairuz geschriebenes Stück in den Kuppelraum. Die liturgisch anmutende Wucht dieses Chors, verbunden mit den akustischen Eigenheiten des Ortes, macht dieses Stück zu einem der ergreifendsten des Albums.</p>
<p>Den Abschluss bilden Charbel Haber, Anthony Sahyoun, Fadi Tabbal und Marwan Tohme. Ihr Stück wirkt wie ein epilogartiges Resümee: Geräusche, Stimmen, Saitenklänge, Dröhnen und Rasseln überlagern sich, ohne je in bloße Klangfläche zu kippen. Der Sound bleibt greifbar, vielschichtig, melancholisch – bis am Ende eine versteckte Sirene erklingt, fast unmerklich, wie ein Echo auf die vielen unvollendeten Kapitel dieses Ortes.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221; ist ein gemeinschaftliches Projekt, das klanglich z.T. weit auseinanderliegende Positionen miteinander in Beziehung setzt, ohne sie zu glätten. Jedes der Stücke würde auch isoliert bestehen, doch im Kontext des Niemeyer-Domes, dessen sinnlicher Erfahrung sie hier einige neue Perspektiven gegeben haben, gewinnen sie zusätzliche Dimensionen. Die Compilation ist kein museales Dokument, sondern ein lebendiger Kommentar zu einem Ort, dessen Bedeutung sich weniger aus dem ergibt, was er ist, als aus dem, was aus ihm gemacht wird.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>SARY MOUSSA: Wind, Again</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 05:12:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es gibt Musik, die nicht nach Einheit strebt, sondern gerade aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Elemente ihre Spannung bezieht. &#8220;Wind, Again&#8221;, das neue Album von Sary Moussa, das der hier als Sazspieler auftretende Musiker zusammen mit einigen der großen Namen der &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/23/sary-moussa-wind-again/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/wa.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46641" title="wa" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/wa-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt Musik, die nicht nach Einheit strebt, sondern gerade aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Elemente ihre Spannung bezieht. &#8220;Wind, Again&#8221;, das neue Album von Sary Moussa, das der hier als Sazspieler auftretende Musiker zusammen mit einigen der großen Namen der libanesischen Experimentalszene &#8211; Julia Sabra (Piano, Hammond-Orgel), Paed Conca (Klarinette), Abed Kobeissi (Buzuq), Sary Moussa (Saz), Fadi Tabbal (Gitarre) und Pascal Semerdjian (Schlagzeug) &#8211; eingespielt hat, ist <span id="more-46640"></span>ein Beispiel für ein Werk, das diese Spannungen nicht glättet, sondern hörbar macht, ohne dabei in Beliebigkeit oder reines Experimentieren abzugleiten.</p>
<p>Auf sechs Stücken bringt Moussa all diese westlichen und vorderasiatischen Instrumente in Kontakt mit elektronischer Bearbeitung und struktureller Verdichtung. Doch anstatt daraus ein harmonisierendes Patchwork zu machen, entwickelt er eine Musik, die sich durch Reibung definiert. Die eingesetzten Instrumente bleiben hörbar sie selbst, behalten ihre eigene kulturelle Schwere und begegnen sich dennoch auf Augenhöhe. Der Fokus liegt weniger auf einer Versöhnung der klanglichen Welten, sondern auf deren möglichem Nebeneinander.</p>
<p>Ein Schlüsselstück ist das eröffnende &#8220;I Will Never Write A Song About You&#8221;, das Julia Sabras melancholisches Pianospiel, Paed Concas spröde Klarinette und die Buzuq von Abed Kobeissi in ein dichtes Szenario aus Schichtungen, Rückkoppelungen und subtilen Steigerungen überführt. Moussa schreibt dazu: &#8220;Es ist, als ob wir alle unterschiedliche Geschichten erzählen und ich habe an dem Faden gezogen, der sie zusammenhält&#8221;. Dass sich dabei Elemente durchkreuzen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – das schleifende Dröhnen, das feierlich anmutende Orgelspiel, das quietschende, fast menschlich klagende Klarinettenmotiv – ist kein Widerspruch, sondern gestalterisches Prinzip.</p>
<p>Im Zentrum steht dabei eine Form von musikalischer Überlagerung, die sich in &#8220;Everywhere at Once&#8221; besonders eindrucksvoll entfaltet. Zunächst dominiert ein tiefes Orgelbrummen, dann mischen sich Beckenrauschen, fragile Elektronik und eine Art von pseudo-organischer Klangvielfalt ein, die an ein sehr entferntes Vogelkonzert erinnern mag. Spannung und Ernsthaftigkeit greifen ineinander, besonders wenn Drummer Pascal Semerdjian für Momente mehr Druck aufbaut – fast, als stünde ein Ausbruch bevor. Doch der bleibt aus; stattdessen verschiebt sich der Fokus zurück auf die Orgel, ohne dass der dramatische Impuls verlorengeht.</p>
<p>Stücke wie &#8220;White Dust&#8221; oder &#8220;Violence&#8221; zeigen, wie viel sich in Wiederholung und Oberflächenstruktur verbergen kann: Ruppiges Saitengeratter, kaum zur Ruhe kommende rhythmische Impulse und sich langsam verwischende Linien schaffen einen Eindruck von Bewegung ohne offensichtliche Richtung. Gerade in &#8220;Violence&#8221;, das auf den ersten Blick fast statisch wirkt, entpuppt sich mit der Zeit eine komplexe, hypnotische Dynamik, eine leise, aber stetige Unruhe. Der vielleicht persönlichste Moment findet sich in &#8220;Everything Inside a Circle&#8221;. Moussa kombiniert darin Piano, verfremdete Stimmen und generative Elektronik zu einer Mischung, die, wie es berichtet, eine Kindheitserinnerung an das Musikhören mit der Mutter reflektiert. Die Nähe zum Vertrauten bleibt angedeutet, das Emotionale ist eingebettet in Strukturen, die sich jeder eindeutigen Zuschreibung entziehen.</p>
<p>Zum Abschluss bündelt &#8220;A Storm, A Gift&#8221; noch einmal viele der klanglichen Strategien des Albums: vibrierende Dröhnung, aufgescheuchte, fast stimmhafte Klänge, perkussive Splitter und eine Orgel, die diesmal nicht abfedert, sondern das Geschehen mit Nachdruck trägt. Auch hier: kein eruptiver Schluss, sondern ein Nachbeben, ein umso intensiveres letztes Aufflackern. &#8220;Wind, Again&#8221; ist ein aufwühlendes Album, das sich jeder Form von eindeutiger Lesbarkeit entzieht. Es arbeitet mit Brüchen und Ambivalenzen, mit Erinnerungen, die nicht benannt, sondern klanglich angedeutet werden. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Other People</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=470913527/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Postcards: Europatour im September und Oktober</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Aug 2025 03:43:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, im Gepäck haben die drei Musiker ihr vor einigen Monaten bei Ruptured und T3 erschienenes <a title="Ripe: Neue LP der Postcards" href="http://africanpaper.com/2025/03/08/ripe-neue-lp-der-postcards/">Album &#8220;Ripe&#8221;</a>. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-47453" title="ripetourbypostcards" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg" alt="" width="1215" height="1519" /></a><span id="more-47452"></span>Eröffnet werden die meisten der Shows von dem Pianisten und Komponisten <a title="Our House Is Very Beautiful at Night: Neues von Interbellum" href="http://africanpaper.com/2023/04/11/our-house-is-very-beautiful-at-night-neues-von-interbellum/">Karl Mattar alias Interbellum</a>, der ebenfalls zu den Künstlern auf Ruptured zählt. Die Mitglieder der Postcards sind seit längerem in unterschiedlichen Konstellationen aktiv, so erschien von Julia Sabra jüngst das <a title="JULIA SABRA: Natural History Museum" href="http://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Solialbum &#8220;Natural Histiry Museum&#8221;</a>. Semerdjan ist derzeit einer der profiliertesten Drummer überhaupt, während Tohme gerade ein <a title="FARAH KADDOUR / MARWAN TOHME: Ghazel" href="http://africanpaper.com/2025/07/05/farah-kaddour-marwan-tohme-ghazel/">Album mit Farah Kaddir</a> veröffentlicht hat und eines mit der größeren<a title="Sametou Sawtan: Album und Tour von Sanam" href="http://africanpaper.com/2025/06/02/sametou-sawtan-album-und-tour-von-sanam/"> Gruppe Sanam</a> herausbringen wird.</p>
<p><a href="https://www.bandsintown.com/a/244023-postcards"><strong>Tourdaten und Tickets </strong></a></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=513149923/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Ripe: Neue LP der Postcards</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Mar 2025 06:47:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am 28. März erscheint &#8220;Ripe&#8221;, das fünfte Studioalbum der libanesischen Band Postcards, bei den Labels Ruptured und T3 Records. Das Trio aus Beirut, bestehend aus Sängerin und Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, hat &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/03/08/ripe-neue-lp-der-postcards/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 28. März erscheint &#8220;Ripe&#8221;, das fünfte Studioalbum der libanesischen Band Postcards, bei den Labels Ruptured und T3 Records. Das Trio aus Beirut, bestehend aus Sängerin und Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2012 als fester Bestandteil der alternativen Musikszene weit über die Landesgrenzen hinaus etabliert. &#8220;Ripe&#8221; markiert eine Weiterentwicklung des charakteristischen Sounds der Band, indem es rohe Intensität mit atmosphärischen Klängen verbindet. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/ripe.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-45317" title="ripe" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/ripe.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-45316"></span></p>
<p>Die Aufnahmen fanden live in einem Haus in den libanesischen Bergen statt, was der Musik eine besondere Energie verleiht. Unter der Produktion des langjährigen Freundes und Kollegen Fadi Tabbal entstand ein Album, das die Balance zwischen rauer Intensität und üppigen Klanglandschaften hält. Der schon vorab veröffentlichte Song &#8220;Dust Bunnies&#8221;, der bereits mit PJ Harveys dunkleren Momenten verglichen wurde, bietet einen Vorgeschmack auf die düstere und treibende Atmosphäre des Albums, seine Lyrics zeichnen ein eindringliches Bild von Zerstörung und Verfall, durchzogen von einem Gefühl der Unausweichlichkeit. Generell spiegeln die Texte vielfach die Herausforderungen des Lebens im Libanon wider und thematisieren Wut, Trauer und Resilienz.<br />
<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/Postcards-by-Nessim-Stevenson.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-45318" title="Postcards by Nessim Stevenson" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/Postcards-by-Nessim-Stevenson.jpg" alt="" width="1200" height="931" /></a><br />
Mit &#8220;Ripe&#8221; präsentieren sich Postcards von ihrer bisher kraftvollsten und entschlossensten Seite und bieten ein intensives Hörerlebnis. Das Album &#8220;und unsere Welt mögen am Rand des Zerfalls stehen&#8221;, wie es in den Liner Notes von Karl Mattar heißt, &#8220;doch die Band ist gefestigt, tief verwurzelt – ihre Musik streckt sich weiter nach oben&#8221;. Das Album erscheint als LP, CD und zum Download.</p>
<p>Foto: Nessim Stevenson</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=513149923/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>FADI TABBAL: I Recognize You From My Scetches</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Feb 2025 05:08:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Fadi Tabbal, Musiker, Produzent und eine zentrale Figur der libanesischen Experimental- und Alternativszene, legt mit &#8220;I recognize you from my sketches&#8221; ein Album vor, das gleichermaßen introspektiv wie klanglich facettenreich ist. In zehn rein instrumental gehaltenen Stücken, die Samples zahlreicher &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/02/08/fadi-tabbal-i-recognize-you-from-my-scetches/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/D_IRFYMS_Cover_1400.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-44374" title="D_IRFYMS_Cover_1400" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/D_IRFYMS_Cover_1400-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Fadi Tabbal, Musiker, Produzent und eine zentrale Figur der libanesischen Experimental- und Alternativszene, legt mit &#8220;I recognize you from my sketches&#8221; ein Album vor, das gleichermaßen introspektiv wie klanglich facettenreich ist. In zehn rein instrumental gehaltenen Stücken, die Samples zahlreicher befreudeter Acts enthalten, verhandelt er Themen wie Identität, Erinnerung und die innere Kluft zwischen Wunsch und Realität. Die Arrangements, geprägt von Gitarren, Tape-Loops und Synthies, bewegen sich <span id="more-44373"></span>zwischen melancholischen Soundscapes und dezenten rhythmischen Akzenten.</p>
<p>Bereits das Eröffnungsstück &#8220;(keep beating)&#8221; fällt durch seine klangliche Fülle und Dichte auf. Trotz des Titels fehlt jegliches offensichtliche Pulsieren, stattdessen entfalten sich Tremolos und ein unterschwelliges Rauschen, begleitet von einer melancholischen Grundstimmung. Das surreale, fast orchestrale Ambiente wird durch subtile unterschwellige Bewegungen im Untergrund kontrastiert. Auch &#8220;Absence or death&#8221; operiert mit minimalen, aber wirkungsvollen Mitteln: Eine wiederkehrende akustische Gitarrenfigur entwickelt sich langsam zu einer vielschichtigen Interaktion mit zurückhaltenden Klangelementen.</p>
<p>Hier scheint sich viel im Halbverborgenen zu ereignen, das mit den offensichtlicheren, vordergründigeren Ereignissen nicht kongruent ist und zugleich mit diesem eine interessante Interaktion eingeht. An Stellen wie dieser muss man Tabbals befreundete Musikerinnen und Musiker &#8211; <a title="JULIA SABRA: Natural History Museum" href="http://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Julia Sabra</a>, <a title="CHARBEL HABER: The Delightful Sights And Sounds Of A Decaying Nation" href="http://africanpaper.com/2020/09/12/charbel-haber-the-delightful-sights-and-sounds-of-a-decaying-nation/">Charbel Haber</a>, <a title="JAD ATOUI / JAWAD NAWFAL / SHARIF SEHNAOUI: Modern Individual" href="http://africanpaper.com/2024/06/15/jad-atoui-jawad-nawfal-sharif-sehnaoui-modern-individual/">Sharif Sehnaoui</a>, <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Pascal Semerdjian</a>, <a title="SANDY CHAMOUN / ANTHONY SAHYOUN / JAD ATOUI: Ghadr" href="http://africanpaper.com/2024/12/07/sandy-chamoun-anthony-sahyoun-jad-atoui-ghadr/">Anthony Sahyoun</a>, Marwan Tohme und Ghassan Sahhab &#8211; erwähnen: Personen, die im Leben und Werk des Künstlers immer wieder eine wichtige Rolle gespielt haben und deren Samples und Zitate unter der Oberfläche auch den Sound des vorliegenden Albums prägen, was sehr zu der persönlichen Thematik passt, denn jede Biografie, jede persönliche Erinnerung wäre nicht was sie ist ohne das Wirken anderer. Die Halbdurchsichtigkeit der Sounds jedenfalls erzeugt so eine Spannung, die sich nie vollständig auflöst und auch die Frage offenlässt, ob wirklich nur die Abwesenheit das Leben schützt.</p>
<p>Eine besondere spannungsgeladene Wegmarke des Albums ist &#8220;Oh heart, are you burning&#8221;, das durch metallische Percussion und knarrende, verzerrte Dröhnungen eine bedrohliche Atmosphäre schafft. Die Dynamik steigert sich kontinuierlich, und die Klangwelt wird gegen Ende von obertonreichen Elementen dominiert, die eine beeindruckende Intensität erreichen. &#8220;You were right&#8221; hingegen wirkt unmittelbarer, direkter, kontrastierender: Hier treffen metallene Geräusche und der eine oder andere Goldregen auf einem Saiteninstrument auf dröhnendes, qualmwolkenartiges Rauschen, das sich zu einem intensiven Spannungsbogen verdichtet. Die Unvorhersehbarkeit des Stücks macht es besonders packend.</p>
<p>Im vergleichsweise sanften &#8220;(keep pumping)&#8221; überrascht Tabbal mit einer darkjazzartigen Gitarrenlinie, die in eine gelassen melancholische Stimmung eingebettet ist. Der Titel wirkt dabei wie ein Imperativ, der eine innere Konstantheit trotz aller Herausforderungen betont, und wieder kommt in diesem Stück kein wirkliches rhythmisches Pulsieren vor. Mit &#8220;(keep thumping)&#8221; schließt sich weiter hinten &#8211; nach &#8220;When We Swam Together&#8221;, das wie eine starke Komposition für ein Bläserorchester anmutet &#8211; dann ein Stück an, das rhythmisch geprägt ist – jedoch nicht durch klassische Beats, sondern durch perkussive Anschläge auf Saiten, die mit hohen, dröhnenden Klängen kombiniert werden.</p>
<p>Das finale Stück &#8220;I am all that is left&#8221; bietet einen ergreifenden Abschluss, indem es einmal mehr orchestrale Elemente aufgreift und in einem beeindruckenden Klangbild zusammenführt. Insgesamt überzeugt &#8220;I recognize you from my sketches&#8221; durch seinen minimalistischen Ansatz, der dennoch tief in emotionale und klangliche Schichten vordringt. Der Künstler selbst betont den stark persönlich eingefärbten Schwerpunkt des Albums: &#8220;I’ve struggled with mental health issues for most of my life, always affected by loneliness, missed opportunities, the violence of the city, and the cruelty of some of its inhabitants. I found solace only through composing music. I recognize you from my sketches is an album of ten instrumental pieces, a breakup album between who we want to be and who we turned out to be&#8221;.</p>
<p>In jedem Fall schafft es Fadi Tabbal, all diese persönliche Themen subtil und gleichsam markant in seinen Kompositionen zu verarbeiten, und beweist damit ganz nebenbei einmal mehr, warum er zu den innovativsten Künstlern der Region zählt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>JULIA SABRA: Natural History Museum</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Nov 2024 05:11:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Julia Sabra, bekannt als Stimme der libanesischen Dreampopcombo Postcards und unter ihrem persönlichen Namen bereits auf dem Album &#8220;Snakeskin&#8221; in Erscheinung getreten, eröffnet mit ihrem Solodebüt &#8220;Natural History Museum&#8221; ein neues und sehr persönliches musikalisches Kapitel. Es handelt sich dabei &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/10/Screenshot-2024-10-03-182134.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-42914" title="Screenshot 2024-10-03 182134" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/10/Screenshot-2024-10-03-182134-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Julia Sabra, bekannt als Stimme der libanesischen Dreampopcombo Postcards und unter ihrem persönlichen Namen bereits auf dem Album &#8220;Snakeskin&#8221; in Erscheinung getreten, eröffnet mit ihrem Solodebüt &#8220;Natural History Museum&#8221; ein neues und sehr persönliches musikalisches Kapitel. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Songs, die zwischen 2020 und 2024 inmitten der schwierigen <span id="more-42913"></span>politischen und sozialen Lage des Libanons entstanden sind, und ist ein Werk, das mit bemerkenswerter Rohheit und zugleich Zerbrechlichkeit überzeugt.</p>
<p>Die Aufnahmen, die größtenteils live auf Tape ohne Overdubs entstanden sind, tragen die Unmittelbarkeit und Intimität von Sabras späten Nachtstimmungen in sich, die sie in Sprachnachrichten an ihre Bandkollegen festhielt. Aufgenommen wurden die Stücke teils im Studio, teils in der Kirche des Ortes, in welchem die Sängerin aufgewachsen ist. Sabra und ihr langjähriger musikalischer Partner Fadi Tabbal entschieden sich bewusst für einen klanglich reduzierten Ansatz, um die Songs in ihrer vulnerabelsten Form zu bewahren. So werden die Hörer direkt in Sabras tief persönliche Welt gezogen, die von der Verarbeitung der Explosionskatastrophe im Beiruter Hafen, von zahlreichen Kindheitserinnerungen, von Verlusten und der Suche nach einem Platz inmitten von Gewalt und Unsicherheit geprägt ist.</p>
<p>Das eröffnende &#8220;White Walls&#8221; beginnt mit einem sanften Rauschen und schwebendem Gesang, während die melancholische Moll-Melodie die Atmosphäre einer tiefen emotionalen Introspektion entstehen lässt. Sabras poetische Texte schaffen ein Gefühl von Raum und Erinnerung, das sich durch das gesamte Album zieht: „Somewhere in my dreams when I fall asleep, I’ll find it all as it was, as we were.“ Es sind alltägliche, vertraute Dinge, die sie (wie etwas später in &#8220;Home Is Sad&#8221;) beschreibt – und doch brechen große, traumatische Ereignisse in diese fragile Welt ein, wie der Rückblick auf eine jugendliche Flucht vor Gewalt irgendwo in den Straßen ihrer Stadt, und neben den großen Ereignissen geht es auch die kleinen Abgründe, die das Leben mit sich bringt. Und ganz alltägliche Dinge wie der kotzgrüne Teppich in einem weiß gestrichenen Raum.</p>
<p>&#8220;Skyscape&#8221;, mit filigranem Gitarrenpicking und einer leisen, meditativen Stimmung, erinnert an die introspektive, von kontinuierlichen, fisseligen Mustern geprägte Musik eines Robbie Basho. Auch hier weht ein Hauch von Wehmut durch die Melodie, passend zu dem von lichtdurchfluteten Erinnerungen, aber auch von versteckten Omen durchzogenen Text: „As waters slowly rise“ – vielleicht eine Anspielung auf eine langsam herannahende Katastrophe, die im Hintergrund lauert? Der emotionale Höhepunkt des Albums scheint mir &#8220;I Want It All&#8221; zu sein. Mit dem Pathos eines tränenschweren Gitarrenstrumming beschreibt das lyrische Ich seine Erinnerungskollektionen und den Wunsch nach einem friedvollen Leben und der Suche nach Liebe und Geborgenheit, Verse wie &#8220;Is my faith still there after all those years?&#8221; verdeutlichen die zwischen Zweifel und Hoffnung changierende Ambiguität, die den Song von der ersten bis zur abschließenden Note durchzieht. Unterstützt von den zurückhaltenden Backing-Vocals des v.a. as Drummer bekannten Pascal Semerdjian, wird dieser Song zu einer bewegenden Hymne des Sehnens und der inneren Zerrissenheit.</p>
<p>In &#8220;Goodbye&#8221; schwingen Abschied und Verlust von Orten und Menschen mit. Sabras hochtönende Stimme erhebt sich über akustische Gitarren und erzählt von persönlichen und kollektiven Tragödien, die untrennbar mit der Geschichte des Libanons verbunden sind. Zedern und Berge – Symbol für das Land selbst – tauchen im Text auf, bevor das titelgebende Naturkundemuseum und ein dort stattfindendes tragisches Ereignis plötzlich in den Fokus rückt und den Schmerz des Verlustes, der das Album durchzieht, noch einmal verdichtet. &#8220;Love conquers all, but I feel so small&#8221;, heißt es gegen Ende, und wieder kommt die leitmotivische Zerrissenheit zwischen Resignation und Zuversicht zu Wort, die immerhin verhindert, das nichts in Stein gemeiselt ist. Kurz darauf, in &#8220;Fall From Grace&#8221; ist über einer tollen Melodie auf einem E-Piano von einem Licht die Rede, das irgendwo scheint, doch die Sprecherin hat die Suche danach aufgegeben.</p>
<p>Nach dem aufgeweckteren &#8220;Hands&#8221;, das anscheinend die Erinnerung an eine Jungendliebe wie ein mystisches Ereignis besingt, und einem sanften Cover des Chansons &#8220;Dis, quand reviendras-tu?&#8221; der französischen Sängerin Barbara, wieder ein Song über das Warten, schließt das Album mit &#8220;Minor Detail&#8221;, der das Album mit seiner subtilen, fast orchestralen Synthie-Landschaft ausklingen lässt. Und mit einem Gesang, der näher am Ohr als je zu vor anmutet. Auch hier klingen subtil Abgründe an, die einen simpel positiven Schlusspunkt verweigern, und irgendwie hätte auch nichts anderes gepasst.</p>
<p>&#8220;Natural History Museum&#8221; ist, was das Solodebüt einer Bandmusikerin sein sollte &#8211; ein zutiefst persönliches Album, das die kleinen Momente des Lebens einfängt und sie in den größeren, tragischen Kontext von Kriegen, Verlusten und einer Suche nach Hoffnung setzt, deren Motivation niemals versiegt. Julia Sabra gelingt es, diese beiden Ebenen so subtil zu verweben, dass man sich in den intimen Erzählungen verlieren kann, während im Hintergrund die Schatten einer bewegten Vergangenheit lauern. Ein außergewöhnliches Debüt, das zugleich zart und kraftvoll, persönlich und (man verzeihe das große Wort) universell ist. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2322700858/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Enfin La Nuit: Charbel Haber und Fadi Tabbal mit neuer LP auf Nahal Recordings</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/06/03/enfin-la-nuit-charbel-haber-und-fadi-tabbal-mit-neuer-lp-auf-nahal-recordings/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Jun 2023 03:56:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die beiden libanesischen Musiker und Klangkünstler Charbel Haber und Fadi Tabbal bringen just eine gemeinsame LP unter dem Titel &#8220;Enfin La Nuit&#8221; heraus &#8211; das vier auf sehr unterschiedliche Weise ambiente Tracks umfassende Werk war als Soundtrack zu einem experimentellen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/06/03/enfin-la-nuit-charbel-haber-und-fadi-tabbal-mit-neuer-lp-auf-nahal-recordings/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die beiden libanesischen Musiker und Klangkünstler Charbel Haber und Fadi Tabbal bringen just eine gemeinsame LP unter dem Titel &#8220;Enfin La Nuit&#8221; heraus &#8211; das vier auf sehr unterschiedliche Weise ambiente Tracks umfassende Werk war als Soundtrack zu einem experimentellen Film des Regisseurs <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nadim_Tabet">Nadim Tabet</a> konzipiert, in welchem die beiden Musiker auch als Schauspieler mitwirken. Der Titel bedeutet im Deutschen so viel wie &#8220;endlich Nacht&#8221; und steht der genügsamen Abgeklärtheit und der erholsam wirkenden Ruhe, die sich in der einen oder anderen Form immer wieder in den Tracks findet, gut zu Gesicht. Im Film steht allerdings gerade das Nachtleben Beiruts und die Location AHM im Zentrum des Stoffes, was diesem eine interessante, und reizvolle Ambiguität gibt. Die Musik, deren unaufdringliche Melancholie ohne aufgesetzte Sentimentalität auskommt, basiert primär auf Gitarre und Synthesizer und verdankt ihre finale Gestalt auch einigen markanten Techniken und Effekten, welche <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/06/enfinlanuit.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35972" title="enfinlanuit" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/06/enfinlanuit.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-35971"></span></p>
<p>Zeitlichkeit (Loops) und Räumlichkeit (Hall) betreffen, zudem ist <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Julia Sabra (Postcards), die bereits mit Tabbal ein kollaboratives Album aufgenommen hat</a>, mit Stimmloops an einem der Stücke beteiligt. Das Werk, das kurz vor der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut vor knapp drei Jahren begann und dessen visuelle Seite an einem Ort gedreht wurde, der bei dem Ereignis zerstört wurde, kann heute kaum noch ohne diesen Zusammenhang betrachtet werden. Im Begleittext des Albums heißt es u.a.: &#8220;August 4th, 2020. Beirut explodes. The city, already partially shuttered by covid lockdowns and reeling from numerous political and social crises, is submerged by dust and smoke. Destroyed, gutted, at the mercy of a destiny unsparing with its blows, it finds itsels on its knees just when its residents were hoping for a moment of calm. [...]  Enfin la nuit is a requiem for all the fallen bodies, for those who resist, of flesh and rock, of blood and music&#8221;. Wie viele libanesische Musiker nahm auch Haber bereits <a href="http://africanpaper.com/2020/09/12/charbel-haber-the-delightful-sights-and-sounds-of-a-decaying-nation/">2020 in einem Album</a> auf dieses Ereignis und andere Krisen bezug. &#8220;Enfin La Nuit&#8221; erscheint bei Nahal Recordings und ist auch digital erhältlich.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3136670242/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Interview mit Mayssa Jallad</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 04:36:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen weiteren Konstellationen in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte &#8220;Marjaa: The Battle of &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-35286" title="MAYSSA JALLAD 3 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">weiteren Konstellationen</a> in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">&#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221;</a> erzählt in melancholischen Folksongs und ebenso in zerfledderten Eruptionen die Geschichte des Hotel District im Zentrum Beiruts, das zu Beginn des libanesischen Bürgerkriegs Schauplatz und zugleich Akteur wesentlicher <span id="more-35281"></span>Kampfhandlungen wurde &#8211; eine Geschichte, die weit in die Zeit vor dem Krieg zurückreicht und in ihren Nachwehen bis heute andauert. Als Bewohnerin der Stadt und zugleich Architektin hat die Musikerin über einen Zeitraum von fünf Jahren zahlreiche Facetten in ihre Texte verwoben, die aus der Perspektive der Gebäude verfasst sind. Die Verwobenheit von Architektur, Gesellschaft, Identität und Krieg aufzuzeigen sind ein ebenso großes Anliegen wie das Schaffen eines Bewusstseins auch für die verantwortlichen Akteure der Ereignisse, doch zugleich ist das Album auch eine berührende Hommage an ein dissoziiert wirkendes Zuhause voller geisterhafter Orte. Um diese Dinge, aber auch um die vielen Musikerinnen und Musiker, die sich an dem Projekt beteiligt hatten, geht es im folgenden Interview.</strong></p>
<p><strong><a title="I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Interview with Mayssa Jallad" href="http://africanpaper.com/2023/04/29/i-felt-that-the-city-had-witnessed-a-violence-that-nobody-wanted-to-mention-interview-with-mayssa-jallad/">English Version</a></strong></p>
<p><em><strong>Neben deiner Tätigkeit als Musikerin und Sängerin hast du auch Architektur studiert und arbeitest in verschiedenen Bereichen in diesem Metier. In deinem Album „Marjaa“ verbindest du die beiden kreativen Felder zu einer Einheit. Hast du Musik und Architektur schon immer als irgendwie miteinander verbunden gesehen oder ist es das Ergebnis einer neueren Entwicklung?</strong></em></p>
<p>Während meines Architekturstudiums an der American University of Beirut (AUB) habe ich es geliebt, Theater und Räume für Aufführungen zu entwerfen, und habe sie oft in verlassene Gebäude in Beirut gesteckt, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber dann trat ich in die Welt der Architekturbüros ein und es wurde unrealistisch, meine eigenen Entwürfe zu erstellen. Die Hierarchie und Praktikabilität der Architekturpraxis machten es mir schwer, eine Stimme zu haben. Andererseits kam mir das Kreieren von Musik über Architektur erst später in den Sinn, und zwar in einem sehr entscheidenden Moment meines Lebens. Während meiner Graduiertenschule in New York hatte ich eine Abschlussarbeit über Beiruts Schlacht um die Hotels geschrieben, und es bedeutete mir viel, mich mit dieser schwierigen und bedeutsamen Geschichte zu befassen. Nach der Graduiertenschule habe ich in einem Architekturbüro in Manhattan gearbeitet und musste den Blick von Beirut und der Forschung abwenden. Das starre 9 to 5 hat mir das Musikmachen sehr schwer gemacht, und diese Erkenntnis hat mich deprimiert. Da beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren und Musik über die Architektur meiner Stadt zu machen und durch Musik schwierige Schichten der Vergangenheit freizulegen. Es hat mein Leben verändert.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1872657994/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2677289648/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><em><strong>Kannst du uns einen Überblick über deinen musikalischen Hintergrund geben? Was waren deine ersten Aktivitäten und die wichtigsten Meilensteine als Sängerin?</strong></em></p>
<p>Meine Eltern haben mich schon in jungen Jahren zum Klavierunterricht angemeldet und ich lernte bei mehreren Lehrern, bis ich ungefähr 16 war. Dann lernte ich bei einem Freund der Familie Gitarre und begann ungefähr zur gleichen Zeit zu schreiben und zu singen. Ich sang im Sommercamp, bei Schulkonzerten, im klassischen Chor der Universität, ich war eine Zeit lang in einer Bluesband, sogar in einer A-Capella-Gruppe. 2010 schrieb ich einen Jingle, der mir einen Platz bei einem Straßenfest in Beirut einbrachte, auf einer großen Bühne, die die ganze Straße sperrte. Mein Freund Elie Abdelnour spielte an diesem Abend mit mir Gitarre, und wir fingen an, Coverversionen in kleinen Pubs in der ganzen Stadt zu spielen. Ein paar Jahre später nahmen wir an einem offenen Mikrofonwettbewerb namens Beirut Open Stage (BOS) teil und gewannen. Wir gründeten die Band Safar und lernten dank BOS den Produzenten Fadi Tabbal kennen, und da begannen wir mit der Arbeit an unserer ersten EP „23 Kilograms“. Das war 2014. Wir traten an fast jedem Veranstaltungsort in Beirut auf, sogar an einigen Orten in Europa und den USA, und schrieben 4 EPs zusammen, die letzten zwei auf Distanz, seit Elie und ich bereits für die Graduiertenschule in die USA gezogen waren. Dann, im Jahr 2018, beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren, um das experimentelle Soloprojekt &#8220;Marjaa&#8221; zu starten… was 5 Jahre Arbeit gekostet hat! In der Zwischenzeit nahm ich an den Protesten der Revolution vom 17. Oktober 2019 teil und wurde Teil einer Gruppe, die Protestlieder schrieb. Ich habe im Sommer 2021 auch ein paar Songs veröffentlicht, als ich Teil des OneBeat-Stipendiums in Beirut war: „Madina Min Baeed“ mit Khaled Allaf und „Bi Kheir“ und „Fil Aatma“ mit der Supergroup Baada Ab.</p>
<p><em><strong>Ich habe Beirut als eine sehr vielfältige Stadt erlebt, und was mir unter anderem aufgefallen ist, war die oft starke architektonische Heterogenität, manchmal sogar auf engstem Raum, und ich vermutete, dass dies etwas mit den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen in der Moderne zu tun hatte sowie mit dem Bürgerkrieg. Hat Beirut in dieser Hinsicht viel zu deiner Entscheidung, Architektur zu studieren, beigetragen?</strong></em></p>
<p>Ich denke, die Vielfalt der Architektur in Beirut rührt von einer historischen und politischen Unmöglichkeit der Stadtplanung und -erhaltung her. Die Stadt hat sich seit ihren Anfängen ständig verändert, ist verschwunden und gewachsen. Widersprüche sind eingebettet in seine Menschen, seine Nachbarschaften und die Architektur. Als ich aufwuchs, hatte ich das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Große Immobilien verschlangen ganze Gemeinden und löschten bedeutungsvolle Orte aus. Der Besuch der Architekturschule in Beirut diente genau dazu, diese Geschichte aufzudecken und meine Stadt besser zu verstehen und auch zu begreifen, wie die Vergangenheit sie in der Gegenwart leiden ließ.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/p_WCuXe6sfI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In deinem neuen Album beschäftigst du dich mit einer Reihe historischer Ereignisse während des libanesischen Bürgerkriegs, bekannt als die Schlacht um die Hotels, ein Thema, über das du auch deine akademische Abschlussarbeit geschrieben hast. Was hat dich an dem Thema so beeindruckt und berührt?</strong></em></p>
<p>Es begann an der Architekturschule der American University of Beirut (AUB). Ich interessierte mich für die modernistischen Gebäude von Beirut, die eine Geschichte im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg hatten. Ich verband sie mit Mitgliedern meiner Familie und hatte das Gefühl, dass sie meine Hilfe brauchten. Ich wollte ihre Geschichte, ihre Krankheiten aufdecken und in ihnen etwas Neues entwerfen, das ihnen helfen würde, Beirut heute zu überleben.</p>
<p>In der Graduiertenschule wollte ich mich auf das Holiday Inn konzentrieren, ein riesiges verlassenes Hotel, über das ich an der Universität ein Studio gemacht hatte. Als ich meinem Diplomarbeitsbetreuer erzählte, dass das Hotel am Kampf der Hotels „mitgemacht“ hat, war er fasziniert. Mir wurde klar, dass wir ein urbanes Phänomen, das nicht nur lokal von Bedeutung war, sondern globale Auswirkungen hatte, für selbstverständlich hielten: Es war das erste Mal überhaupt, dass Wolkenkratzer in einem Häuserkampf eingesetzt wurden.</p>
<p><em><strong>Als du das Album aufgenommen hast, welche Ideen waren zuerst da – die inhaltliche Erzählung oder deine Vorstellungen von der Musik? Oder kamen beide relativ gleichzeitig zusammen?</strong></em></p>
<p>Für Teil A (Tracks 1 bis 4) habe ich den Text und die grundlegenden Akustikgitarrenparts gewissermaßen voneinander abhängig geschrieben, da die Idee, mit einer alten Karte spazieren zu gehen, aus meiner Abschlussarbeit stammt, die über das Gebiet der Hotels recherchiert und alle Karten darüber gelegt hat &#8211; geschockt darüber, wie sehr sich die Stadt verändert hatte. Youmna Saba half mir bei der Gesangsmelodie und brachte ihre eigene Stimme und Oud in den Mix ein. Dann dachte <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Fadi Tabbal</a> an die Gitarren-Layer und Drones von Marwan Tohme. Nachdem wir Teil A aufgenommen hatten, fragte ich Fadi, was wir seiner Meinung nach als nächstes tun sollten, und da sagte er: „Du wirst jetzt den Kampf schreiben, oder?“ Also stellte ich mich der Herausforderung, meine These in Texte zu übersetzen und dann die dazugehörigen Gitarrenakkorde zu schreiben. Außer „Markaz Azraq (6. Dezember)“, das war ein Lied, das ich zuvor unabhängig geschrieben hatte und dessen Text ich geändert habe, um das vorliegende Ereignis zu beschreiben. Nachdem ich den gesamten Teil B geschrieben hatte, hörte Fadi ihn sich an und assoziierte verschiedene Sounds und Texturen damit, und wir begannen im Studio mit seiner E-Gitarre zu experimentieren. Wir haben dann verschiedene Musiker zur Zusammenarbeit hinzugezogen, insbesondere bei einigen Songs, bei denen wir uns am liebsten ganz herausgehalten hätten: „Al Hisar“, das Farah Kaddour improvisiert hat, „Holiday Inn (March 21 to 29)“, das Sary Moussa produziert und komplett vertont hat und „Al Irth“, das <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Yara Asmar</a> improvisiert hat.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/7p9RqXyTi6Q" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In den ersten Songs des Albums bekommt man die Perspektive einer Person, die durch eine Stadt geht und versucht, einer Karte aus einer vergangenen Zeit zu folgen. Es ist wie eine melancholische Kontemplation über das Wesen (brutaler) historischer Veränderungen und Sackgassen. Wie nahe kommt das deinem persönlichen Gefühl, in dieser Stadt zu Hause zu sein?</strong></em></p>
<p>Ich glaube, ich spüre das am stärksten in den Gegenden, in denen ich das Gefühl habe, dass Gebäude und Straßen in Beirut menschenleer sind. Bei all diesen Entwicklung frage ich mich, für wen sie eigentlich gut sind. Ist es wirklich Fortschritt, wenn sich niemand daran erfreuen kann? Je mehr ich über die Innenstadt von Beirut recherchiere, desto deutlicher wird mir das Ausmaß der Zerstörung, die während des „Wiederaufbaus“ geschah. Was für ein schreckliches Gefühl muss es für die Generationen sein, die älter sind als ich, die Zeugen des Verschwindens ihrer ganzen Stadt geworden sind.</p>
<p><em><strong>Einer der Texte erwähnt auch Geister. In welcher Form, glaubst du, kann man diese Geister – bildlich gesprochen? &#8211; an genau diesen Stellen fühlen?</strong></em></p>
<p>Viele Menschen starben durch die Kugeln von Scharfschützen, die sich in den Türmen der Schlacht um die Hotels versteckten, nämlich dem Murr Tower und dem Holiday Inn. Dies waren vorsätzliche Tötungen von Personen, die sich auf der „anderen Seite“ befanden, von denen viele unschuldige Zuschauer waren. Das Leben so vieler Menschen wurde durch diese Entscheidung, in die Stadt einzudringen, auf den Kopf gestellt und zerstört. Viele Einwohner wurden an Kontrollpunkten entführt oder bei Massakern getötet, wie ich sie in „Markaz Azraq“ und „Holiday Inn (Januar bis März)“ beschreibe. Und später war die grüne Linie, die am Ende der Hotelschlacht zwischen Ost- und West-Beirut geschaffen wurde, ein so gefährlicher Raum, dass sie menschenleer und von üppigem Grün überwuchert wurde, ein verlassener Streifen der Stadt, für 15 Jahre. Dies sind die Geister, die immer noch unter uns umherstreifen, da ihrer Tötung keine Gerechtigkeit widerfahren ist.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35288" title="MAYSSA JALLAD 4 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>In weiten Teilen des Albums gibst du den Hotelgebäuden eine eigene Stimme und machst sie zu Protagonisten und Erzählern der historischen Ereignisse. Was hat dich zu dieser Idee gebracht?</strong></em></p>
<p>Das Personifizieren von Gebäuden ist eine Entdeckung, die ich in meinem letzten Jahr in Architektur an der Universität gemacht habe. Mir wurde klar, dass ich verschiedene Mitglieder meiner Familie mit verschiedenen Gebäuden in Verbindung gebracht hatte, die ich während meiner Zeit an der Architekturschule studiert hatte, und ich schlug Designideen vor, die auf den verschiedenen Persönlichkeiten basierten, die ich mit den Gebäuden assoziierte. Dann, ein paar Jahre später, als die Idee aufkam, Musik über Architektur zu schreiben, schrieb ich einen Song namens „Madina Min Baeed“, in dem ich die Stadt verkörpere (man kann den Text in der Beschreibung des Musikvideos nachlesen) … also ich schätze mal, als die Herausforderung aufkam, den Kampf der Hotels zu schreiben, war das instinktivste Werkzeug für mich, es aus der Sicht des Gebäudes zu schreiben &#8211; des Gebäudes als einer Art Waffe, die in verschiedene Hände fällt und gezwungen ist, sich je nach Farbe des Eindringlings zu „färben“.</p>
<p><em><strong>Wie groß war der Input an Ideen, die die anderen beteiligten Musiker in das Projekt eingebracht haben?</strong></em></p>
<p>Die Musiker, mit denen ich zusammengearbeitet habe, hatten einen großen Einfluss darauf, wie die Musik des Albums letztlich klang. Fadi Tabbal ist Co-Autor, da er meine anfänglichen Ideen, die ich auf der Akustikgitarre geschrieben habe, aufgegriffen und begonnen hat, sich räumliche Qualitäten und Klänge vorzustellen. Youmna Saba ist Co-Autorin, weil ich bereits vor der Arbeit mit Fadi mit ihr in einem Workshop „Etel“ und „Kharita“ produziert habe und sie die Idee von Stimme und Melodie als Ausdruck räumlicher Qualität eingebracht hat, was mich wirklich umgehauen hat. Sary Moussa ist Co-Autor, weil er die Musik von „Holiday Inn March 21 to 29“ vollständig geschrieben hat, nur basierend auf den Tracks davor und danach. Farah Kaddour und Yara Asmar improvisierten ihre Stücke basierend auf minimalen Aufforderungen von Fadi und mir. Pascal Semerdjians Schlagzeug war ebenfalls sehr intuitiv, sehr geprägt von seiner brillanten Sensibilität. Marwan Tohme lieh mir seine Gitarrenkünste, und er und Julia Sabra wurden der Chor in „Markaz Azraq“.</p>
<p><em><strong>Alle Kollaborateure, die ich auf dem Album kenne, haben ihre eigenen kreativen Projekte. Hast du schon einmal mit einem von ihnen gearbeitet? Ich nehme an, die meisten kennst du schon eine ganze Weile…</strong></em></p>
<p>Ich habe mit Fadi und Postcards (Julia, Pascal und Marwan) mit meiner vorherigen Band Safar zusammengearbeitet. Wir kennen uns seit 10 Jahren! Fadi produzierte die 4 EPs von Safar, trat bei mehreren Gelegenheiten mit uns auf und schrieb auch ein paar Songs mit uns zusammen. Pascal spielte Schlagzeug auf Safar-Platten, Julia nahm einige Backing-Vocals für uns auf und Marwan trat bei unserem letzten Konzert mit uns auf. Wir sind gute Freunde und ich liebe all ihre Projekte, ob Fadis Soloarbeit, die Bunny Tylers, Postcards, Sanam oder die jüngste Zusammenarbeit von Fadi und Julia namens <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">&#8220;Snakeskin&#8221;</a>. Ich habe Youmna auch vor 10 Jahren getroffen, aber das ist das erste Mal, dass wir zusammengearbeitet haben. Ich bin so dankbar und bewundere sie so sehr als Mensch und Künstlerin. Ich habe Sary vor ein paar Jahren kennengelernt und habe seine Arbeit immer geliebt. Ungleichgewicht ist ein Juwel! Ich habe Farah und Yara 2021 während eines Musikstipendiums namens Onebeat in Beirut kennengelernt. Farah und ich arbeiten auch zusammen an einer neuen Aufführung, daher war es großartig, ihren wunderbaren Geist kennenzulernen! Es war ein Segen und ein Traum, dass all diese talentierten Musiker an meinem Solo-Debütalbum mitgearbeitet haben!</p>
<p><em><strong>Wie war bisher das Feedback in deiner Stadt oder in deinem Land? Gab es besondere Reaktionen? Ich habe gerade Ausschnitte von einem sehr schönen Release-Konzert gesehen..</strong></em></p>
<p>Danke schön! Es war bisher sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass die Leute bereit sind, über diese schwierige Geschichte zu sprechen. Die Konzerte waren sehr emotionale Momente, die Stille und Anspannung sind so greifbar. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass die Leute zuhören und die Geschichte verstehen wollten. Jüngere Menschen kamen zu mir und drückten ihre Erleichterung darüber aus, endlich öffentlich über diese Geschichte gesprochen zu haben. Und ältere Leute sind zu mir gekommen und haben ihre eigenen persönlichen Geschichten darüber erzählt, wie sie den Kampf der Hotels erlebt haben. Eine Person kam auf mich zu und sagte: „Ich habe mich immer gefragt, warum so etwas nicht schon früher gemacht wurde. Du hast es geschafft.&#8221;<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35289" title="MAYSSA JALLAD 6 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>Zu welcher Art von Diskussion – in deinem Land, aber auch im Ausland – möchtest du mit dem Album und den zugrundeliegenden Ideen beitragen?</strong></em></p>
<p>Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass denen, die die Stadt einst zerstört haben, niemals zugetraut werden kann, sie „wieder aufzubauen“, egal wie sehr sie versuchen, ihr Image aufzupolieren. Die gesamte Daseinsberechtigung jeder Miliz, die zu einer politischen Partei wurde, basiert darauf, die Menschen zu spalten. Wie können wir ein Land aufbauen, das auf ihrer Ideologie basiert? Stellen wir uns eine Welt ohne sie vor! Auf globaler Ebene, denke ich, bezieht sich jeder auf die eine oder andere Weise auf dieses Phänomen der urbanen Kriegsführung: Ob man beobachtet, wie sich eine Stadt auf der Grundlage der finanziellen Gewinne einiger weniger verändert, oder Zeuge der urbanen Kriegsführung in Städten auf der ganzen Welt ist, Beirut ist eine Fallstudie des Worst-Case-Szenarios, in mehr als einer Hinsicht.</p>
<p><em><strong>Du arbeitest auch für PROCOL Libanon, ehemals Relief Centre, das sich nach eigener Beschreibung „auf die Bereitstellung einer integrativen und wohlhabenden Zukunft für von Massenvertreibungen betroffene Gemeinschaften“ konzentriert. Siehst du eine starke Verbindung zwischen deiner historischen Forschung (einschließlich des Albumkonzepts) und diesen gegenwärtigen Aktivitäten?</strong></em></p>
<p>Ich habe &#8220;Marjaa: the Battle of the Hotels&#8221; basierend auf meiner Diplomarbeit geschrieben, die ich 2017 geschrieben habe. Vielleicht basiert &#8220;Marjaa 2&#8243; auf den Recherchen, die ich seit Januar 2019 mit PROCOL Libanon durchgeführt habe … die Zeit wird es zeigen.</p>
<p><em><strong>Also wird das Projekt in Zukunft noch weitere neue Facetten bekommen. Denkst du auch bereits an ganz neue Ideen?</strong></em></p>
<p>Sich nicht zwischen Musik und Architektur entscheiden zu müssen, war ein unglaubliches Experiment, und ich bin denen so dankbar, die daran glauben und helfen, es Wirklichkeit werden zu lassen. Für mich ist das erst der Anfang für Marjaa.</p>
<p>Interview: U.S.</p>
<p>Fotos © Ely Dagher</p>
<p><strong>@ <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> | <a href="https://rupturedthelabel.bandcamp.com/album/marjaa-the-battle-of-the-hotels">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/ruptured">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/mayssajallad/">Instagram</a></strong></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/HyleYuh0miw" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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